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Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fulda. u

Rotationsdruck o. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Freitag, HTärz 1920.

Bezugspreis: Monatlich 1,30 Ulf. ohne Zuftellungsgebuhr. n In Fulda bei uns abgeholt 1,40 Mk. n

Anzeigenpreis: Die K l e i n z e i l e (nach Colonel chrlst) 50 Pfg., dieReflamezeile (Textbreite) 1 Ulf., bei Wiederholung Rabatt

47. Zahrg.

Nr. 66.

deutsche XotieialietfoiilMg.

Die Mrechmvs mit öen SfaatsoeWeni

Die ursprünglich auf den 17. nach Stuttgart xinberurene Sitzung der Nationalversammlung fand «ort erst am Donnerstag statt. Von der Reichsregierung garen anwesend: Reichskanzler 'Bauer, Minister des zuswärtipen Müller, Staatsminister Davis, Bell, GieS- berts, Geßler, Koch und der stellvertretende Finanz- chnister, Unterstaatssekretär MoeSle, ferner zahlreiche Minister der einzelnen Länder. DaS württembergische Ministerium war mit Staatspräsident BloS an der Spitze vollzählig erschienen. Das Haus war sebr stark besetzt, die Tribünen überfüllt. DaS Rednerpult ist mit den schwarz-rot-goldenen Farben der deutschen Re­publik geschmückt.

Die Sitzung wurde um 41/» Uhr eröffnet.

Es Präsident Fehrenbach: Am letzten Freitag gingen Wir in Berlm auseinander in der bestimmten Hoff­nung und Erwartung, heute nachmittag dort wieder unsere Beratungen aufzunehmen. Inzwischen sind Ereignisse eingetreten, die die Reichsregierung nötigten, Berlin zu verlaffen und die mir Veranlassung gaben, -je Nationalversammlung nach Stuttgart einzuberufen. Ach will dem Urteil der Rerchsregierung und der

i Parteien über diese Ereignisse nicht vorgreifen, aber das eine Wort ist mir wohl gestattet: Leichtfertiger ist eine Revolution wohl noch nie in Szene qesetzt worden, als der Putsch der Herren Kapp, Lüttwitz und Genossen. (Sehr richtig.) Unter unsäg­lichen Mühen war es uns allmählich wieder gelungen, dem Elend, in das uns das unglückliche Kriegsende geworfen hatte, zu begegnen. Unsere Feinde schienen sich von der Ehrlichkeit unserer Absicht überzeugt zu haben, die Friedensbedingungen von Versailles, so schwer ste auch waren, zu erfüllen. Sie schienen auch zu der Einsicht gekommen, daß es unmöglich sei, den Frieden von Versailles in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Die Hoffnung wachte im deutschen Volle wieder auf, men begann aufzuatmen und erhoffte eine Festigung unserer Verhältnisse. Aber diese ruhige Entwicklung entsprach nicht den Teilen unsere» Volker, die viel vom Vaterland reden, aber ihr persönliches und Par­teiinteresse den Jntereffen deS Allgemernwohls nicht unterzuordnen verstehen. (Sehr richtig und Beifall.) Es ist in diesen Tagen ein ungeheueres Verbrechen am deutschen Volke begangen »ctecn. <Sehr richtig.) Wehe den Menschen, auf denen die Verantwortung für die Freveltaten dieser Revolu- Hon lastet, wehe den Verführern, die nicht nur selbst den Eid brachen, den sie der Verfassung geschworen

; hoben, sondern, die e8 auch über sich brachten, die ihnen unterstellten Mannschaften zum Ungehorsam gegen die Regierung zu verführen. (Sehr richtig und Beifall. Zu­ruf: An die Wand mit ihnen!) Den Truppen, die treu geblieben sind, unseren wärmsten Dank und herzlichste Anerkennung, aber auch den Beamten, die mit ganz verschwindenden Ausnahmen öie übernommene Pflicht dec Treue gegen die Verfaffung erfüllt haben. Dank und Anerkennung auch dem deutschen Volke, das na­mentlich im Süden und Westen die Treue zur de­mokratischen Verfaffung betätigt hat. In dieser schweren Stunde verzeichnen wir e$ mit ganz besonderer Freude und innigster Genugtuung, daß in der zweiten Ab­stimmungszone in Schleswig etn vaterländisches Be- lenntmS abgelegt wurde. (Beifall ) Sechs Siebentel der Schleswiger Bevölkerung haben sich in dieser Abstim- mung für die Zugehörigkeit zum deutschen Vaterlande ausgesprochen. (Beifall.) Politische Reise und treue deutsche Vaterlandsliebe sind in unserem Volk doch noch nicht ganz auSpestorben. (Beifall.) Den Brüdern in Schleswig unseren herzlichsten Gruß und innigste Wünsche. (Lebhafter Beifall.)

Württemb. StaatSpräs. BloS heißt die Reichsgewalten in Stuttgart willkommen und feiert, an die Revolution von 1848 49 erinnernd, den Sieg der Demokraten über vormärzliche Gewalten.

W _ Reichskanzler Bauer schilderte bann in fast ein- stündiger Rede die Vorgänge des Berliner Putsche» und die Maßnahmen der ReichSiegierung. yn kräftiger Sprache geißelte er das Verbrechen, dessen die Reaktionäre

Der Arbeit Lohn.

15]

»Nun

habe ich aber meine Ankunft selbst gemeldet, k »rach er lächelnd.

»Befehlen Herr Geheimrat zu speisen?"

I’ »Nur eine Tasse Tee, wenn Sie die Freundlichkeit ' haben wollen. Lassen Sie im kleinen Salon servieren, Fräulein Lynden, Und wenn ich bitten darf, leisten Sie mir noch ein Stündchen Gesellschaft- Ich habe Änen eine Neuigkeit mitzuteilen", setzte' er bedeutsam . tinzu.

»Ich werde sofort den Tee bestellen", erwiderte HCbelgarb und wollte sich entfernen,

«Aber Sie leisten mir doch auch Gesellschaft?"

S- -Wie Herr Geheimrat befehlen."

Schnell entfernte sie sich. Das Wesen des Geheim, tats war ihr so seltsam erschienen, fast dünkte es sie, als habe er einen kleinen Rausch.

lieber das Gesicht Hallersmarks glitt ein finsterer ^Dchalien.

»Unnahbar und kalt wie eine Marmorstatue", mnv- melte er vor sich bin und begab sich in den kleinen ' Spcisesalon, wo der Diener den Tisch deckte, während Sdelgard an einem Nebentisch den Tee auf der silber­nen Maschine bereitete.

Auf eine befehlende Handbewegung hin entfernte sich der Diener.

«Setzen Sic sich zu mir, Fräulein Edelgard", toanbte sich Hallersmark dann an diese. «Der Tee ist vorzüglich . . . warum nehmen Sie nicht auch eine Tasse?"

F" Edelgard goß sich ein. Dann reichte sie dem Ge. heimrat die gerösteten Brotschnitten und Butter und kaltes Fleisch.

Eine Weile trank und atz er.

Tann lehnte er sich in den Sessel zurück, sah Edel- tzard mit sonderbarem Ausdruck an und sagte:

»Können Sie erraten, wo ich in diesem feierlichen Aufzuge heute war?"

.Nein."

«Nun, morgen würden Sie es doch erfahren, wie eile Welt. So sollen.Sie es denn heute abend schon wissen. Ich toar' bei Seiner Majestät! Der Kaiser tat mir das Portefeuille des. Handelsministers ange. taten und ich habe daL ehrenvolle Anerbieten natürlich engenommenl"

vor dem deutschen Volke und vor der Welt sich schuldig nemacht haben und wies auf die Folgen hin, die die Rebellen inner- und außenpolitisch für unser Volk haben mußten. Feierlich betonte er den Willen der Regierung, die Verbrecher unnachfichtlich nnd mit der ganzen Strenge des Gesetze» ihrer Bestrafungzuzuführen und eine gründliche Säuberung der Reichswehr vorzunehmen. Bemerkenswert war feine Mitteilung, daß General von Lüttwitz in seinen Forderungen an die Reichsregierung auch verlangt hätte, was er aller­dings der Oeffentlichkert wohlweislich verschwieg: nicht nur keine Verminderung der tm FriedcnSvertrag ge­forderten und zugestandenen Herabsetzung unseres HeeresbestandeS vorzunehmen, sondern sogar seine Ver­stärkung, ferner kerne Abgabe von Waffen, um so aufs neue zum Krieg zu rüsten, lieber Kapp sagte der Redner: Von der Person Kapps, die Sie ja alle aus der Tätigkeit im Kriege kennen wegen seiner wahn­sinnigen ÄnnexionStreibereien, möchte ich hier noch mit­teilen, daß in den Novemdertagen des Jahre» 1918 Herr Kapp zu denjenigen gehörte, die dem damaligen Reichskanzler Ebert einen Ergebenheitsbesuch abitattcten und ihn nicht nur im eigenen Namen, sondern auch im Namen seiner Parteifreunde, ihrer Loyalität ver­sicherten. Er erklärte, daß auch er und seine Partei- teifreunbe hinter Ebert und der revolutionären VolkS- regierung ständen, denn nur durch deren Tätigkeit könne Deutschland gerettet werden. (Hört, Hört!) Er sehe durchaus ein, daß die Wiederherstellung eines monar- chistischen Staates ausgeschlossen fei, nachdem sich der Kaiser in so feiger Weise gedrückt habe. Das waren die Ausführungen des Herrn Kapp tin November 1918. (Hört, hört!) Hinter Herrn Kapp und seinen Mitverschworenen stchen die Alldeutschen, die Daierlandsparteiler, steht ein großer Teil der Deutschnationalen und steht Herr Lu­tz e n d o r f f, der nach Besetzung der Reichskanzlei dort m voller Uniform erschien und damit dem Pseudokanzler seine Reverenz erwies und seine Zustimmung zum Aus­druck brachte. Der Reichskanzler wies dann auf die innerpolitischen Folgen des verbrecherischen Anschlages hin. Im Innern neues Aufflammen all der heißen Lei­denschaften, die unseren kranken Volkskörper schlimm ge­nug geschüttelt hatten und die ruhiger Besonnenheit imd dem Willen zur Arbeit zu weichen begonnen halten, — ein plötzliches mächtiges Erstarken der kommunistischen Welle, des Pnischismus von links. Eine deut­liche Mahnung aber richtete der Kanzler auch an die Entente. Kapp-LMwitz wären ohne den Versailler Vertrag unmöglich gewesen. Die Stellung und Aufrecht­erhaltung unerfüllbarer Forderungen ist Wasser auf die Mühle der Reaktion. Der Berliner Putsch war die Probe aufs Exempel. Die Lehren daraus ergeben sich von selbst. Zum Schluß betonte der Redner ausdrücklich, daß die Reichsregierung in keinem Augenblick geneigt war, in Verhandlung mit Kapp und Genossen einzutretm. Eie haben ständig jede Verhandlung abgelehnt und bedingungs­lose Unterwerfung verlangt. Wir werden fortfahren, jede Gewalt zu unterbinden, die gegen die Verfassung steht. Unser wartet jetzt die gewaltige Ausgabe des Wiederauf­baues. Der Putsch ist befestigt. Morgen beginnt die Arbeit zum Wiederaufbau des deutschen Volkes. Wir wollen den Wahlfpruch mit hinausnehmen, der feit aliersher im schwäbischen Wappen steht, und der fernerhin über der Reichsregierung stchen soll: «Furchtlos und treu!"

Abg. Scheldemann (Soz.): Wenn die Regierung auch nur ein Wort der Verhandlung mit der Regierung Kapp geführt hätte, so würden wir heute der Regierung ein Mißtrauensvotum ausstellen. Wir müssen allen denen dankbar fein, die hinter der alten Regierung gestanden ha­ben. Wir verlangen unverzüglich Entlassung aller Offi­ziere, die nicht zur Republik stchen, und Entwaffnung der Truppen, die gemeutert haben. Wir verlangen ferner Auslese unter der Beamtenschaft, Bestrafung der Verbre­cher in Uniform und Zivil, Konfiskation des gesamten Vermögens derer, die dieses Verbrechen angezettelt ha­ben. Es lebe die Republik, deren Grundlage die Demo­kratie ist, die uns mich zum Sozialismus führen soll. (Leb­hafte Beifallskundgebung bei der Mehrheit.)

Edelgard fühlte, wie sie errötete.

«Ich wünsche Ihnen von Herzen Glück", sagte sie.

«Ja — nun bin ich sogar Exzellenz geworden!" fuhr er vergnügt fort. „Glauben Sie aber nicht, Edel­gard, daß ich deshalb stolz oder hochmütig werde. Ich weiß die Gnade Seiner Majestät zu schätzen! Aber ich weiß auch, daß mir eine große, schwierige Ausgabe be. vorsteht/ da es jetzt gilt, die Handelsverträge mit den auswärtigen Staaten zu erneuern und ich weiß, was alles von diesen Verträgen für unseren Handel und unsere Industrie abhängt. Es werden schwere an­strengende Zeiten für mich kommen; meine ganze Ar. beit Straft wird in Anspruch genommen fein und ich weih nicht, ob ich die Aufgabe werde erfüllen können. Wollen Sie mir helfen, Edelgard?"

„Ich, Herr Geheimrat? Wie sollte ick Ihnen bei einer so schweren verantwortungsreichen Aufgabe hel­fen können?" entgegnete Edelgard erstaunt.

Eine Weile blickte er schweigend wie in tiefes Sin. nen versunken vor sich nieder. Dann schaute er zu ihr auf und ein Strahl warmer Herzlichkeit leuchtete in feinen großen, klugen Augen auf.

«Darf ich frei und offen zu Ihnen sprechen, Edel­gard? Sie sollen mir nicht bei der Arbeit helfen! Sie sollen mir nur die wenigen Stunden der Muhe ter. schönen; Sie sollen meinem Hause als Herrin vorstehen und mir die Repräsenta-ionSpslickten abnehmen. Sie sollen meinen Töchtern ein Vorbild, ein: Muster sein; Sie sollen mich durch Ihr kluges Wort, durch Ihren Edelsinn zu neuer Tätigkeit und Schaffensfreude be­geistern — mit einem Wort, Edelgard: Sie sollen der oute Geist dieses Hause» sein — unser aller Vor. bild “. .' ."

„Wie soll ich Sie verstehen, Herr Geheimrat?" stammelte Edelgard erschreckt und verwirrt.

„Sie weilen nun mehrere ftaljre in meinem Hause, Edelgard", fuhr er fort. „Ich habe Ihren Wert mehr suat mehr erkannt, ich habe Sie von Anfang an geach­tet — j:^t, Edelgard, liebe' ich Sie . . .“

Edelgard sprang empor. Ein« heiße Glut über, flammt- itr Antlitz.

«He-- Geheimrat", rief sie mit bebender Stimme.

„Kleiber. Sie. Edelgard", sprach rt in bittendem Tone. „Ich werde nichts sagen, wo» Sie verletzen oder । beleidigen könnte. Oder beleidigt es Sie, wenn ein fünfzigjähriger Mann Ihnen sagt, daß er Sie lieb ge» I Wonnen hat, daß er nicht» sehnlicher wünscht, al» daß

Abg. Vorlage (Ztr.): Ein Monn unfeligen Angehen- kens namens Kapp nannte sich Reichskanzler. Falschheit und Hinterlist, Bruch der Ehrenworte, Verführung der Soldaten zum Treubruch kennzeichnen die Kräfte dieser Gegenrevolutionäre von rechts. Schonung ist nicht am Platze. Wir stehen jetzt vor einer neuen Zeit, die nicht vorübergehen darf, ohne daß dem deutschen Volke Ge- legenheit gegeben wird zur Meinungsäußerung. Die Wahlen müssen ausgeschrieben werden. (Zustimmung im Zentr.) Hier handelt es sich nicht um ein Zugeständnis, es war nie die Absicht, die Wahlen über den Herbst hinaus­zuschieben. Von einem Beschluß unsererseits, den Reichs­präsidenten durch das Volk wählen zu lassen, kann keine Rede fein. Wir stehen auf dem Boden der Verfassung. Der Wunsch, Fachminister an die Spitze der Ministerien zu stellen, ist unbesonnen und unvereinbar mit dem par­lamentarischen System. (Beifall links.) In listiger Weise forderten die Aufrührer Aufhebung der Zwangswirtschaft. Die Zwangswirtschaft gegenwärtig aufzuheben, wäre wahnsinnig. (Beifall.) Dor den Neuwahlen sind noch wichtige gesetzgeberische Ausgaben abzuschließen. Das Be­amtenbesoldungsgesetz muß in Angriff genommen werden. Eventuell müssen den Beamten Vorschüsse gezahlt werden. Unsere ganze Koalitionspolitid konnte nicht bes­ser gerechtfertigt werden als durch die Erfahrungen der letzten Tage. Zum zweiten Male wird eine Umsturzge­fahr nicht wieder heraufbeschworen werden. Revolutionen hat meine Partei noch nicht gemacht, aber auf den Boden einer ehrlichen Demokrtie hat sie sich immer ge­stellt, und auf diesem Boden wird sie unerschütterlich aus» harren. (Beifall.) Wir wollen erneut daran gehen, Deutschland wieder aufzurichten. (Beifall.)

Abg. Payer (Dem.) betonte die Notwendiakeit un­bedingter und rascher Klärung des Verhältnisses der Reichswehrosfiziere zur neuen Verfassung und verlangte Abbau der Bürokratie und vernünftig« Abstellung de» Tempos m der Entwicklung zum Einheitsstaat.

Abg. Kraut (D.-Nat.) erklärt, feine Partei fei durch die Vorgänge in Berlin völlig überrascht worden und stünde ihnen durchaus fern. (Widerspruch.) Die Deutsch- nationale Volkspartei strebe die Aenderung der Ver- haltnisse ledrglich auf verfassungsmäßigem Wege an. (Widerspruch.) Bei den gegebenen Verhältnissen sei eS kein Wunder, daß die angeblich sich auf daS Vertrauen der Mehrheit des Volkes stützende Regierung von einer Handvoll Soldaten in die Flucht geschlagen worden sei. (Es erhebt sich ein großer Lärm. Präsident F e h r e n « dach mahnt, gegenüber den Zwischenrufen, die Würde des Hauses zu wahren.) Seine Partei würde sich freuen, wenn dem Verlangen nach Neuwahlen und Fachmimstern Rechnung getragen würde.

NeichSminister des Innern Koch: Wer eS in einem solchen Augenblicke nicht versteht, von einer Tat, wie sie jetzt in Berlin geschah, abzurücken, der muß mit ihr in Verbindung gebracht werden. Es ist von dem deutsch- nationalen Vorredner gesagt worden, die Revolution sei nicht ohne Schuld der Regierung entstanden. Es handelt sich gar nicht um eine Revolution, sondern um eine Militärrevolte. Für einen armen Teufel von Pro­letarier, der sich ohne die Dinge zu übersehen, zu einem Verbrechen hinveißen läßt, kann ich eher Mitleid ha. den, als für einen Rechtsstehenden, der einen Ueberblick über die Lage hat Ich bin der Meinung, daß ter un­erhörte Ton der Presse des Vorredners, den sie gegen uns in den letzten Tagen angeschlagen har, eine große Mitschuld an den Ereignissen trägt. Sie haben die Männer, die das Vaterland wieder auf« richten wollen, fortwährend als eine Bande von Der. schwörern oder von Schiebern dargestellt. Ta kann man sich Wundern, trenn allmählich eine Atmosphäre entstanden ist, die solche Dinge erzeugte. Ich kann Ihnen nur den Rat geben: Lassen Sie ab von diesem Treiben, sonst geht unser deutsches Vaterland zu Grunde, nur deswegen, weil eine Partei, die früher allein die Herrschaft hatte, sie nicht der Mehrheit des Volkes überlassen will. War dulden dos nicht, wir wer­den uns zur Wehr setzen.

Abg, Becker (D. Dp.); Die Deutsche Volkspartei steht in schärfster Opposition der derzeitigen ReichSre- gterung gegenüber. Wir haben aber stets betont, daß wir eine Aenderung nur mit verfassungsmäßig zuläs. sigen Mitteln anstreben. Dieser unseren seitherigen Haltung entsprickt cs, wenn wir den von Lüttwitz un'er Bruch der Verfassung beruhten Putsch auf das schärfste verurteilen und jede Gemeinschaft entschieden nbleh-

Sie Ihre Hand in die feinige legen möchten zum Le. bensbunde? Sehen Sie mich nicht so erschrocken und erstaunt an, Edelgard. Ich weiß genau, was ich spreche Ich weiß, daß es ein Opfer für Sie bedeutet, einem Mann, der an der Grenze deS Alters steht, die Hand zu reichen; ich weiß aber auch, daß ich Ihnen eine Stellung in der Welt zu bieten habe, die Sie auf d.e höchsten Stufen führt!"

„Niemals — niemals!" ■ stieß sie hervor. . , Sein Antlitz verdüsterte sich.

„Ist die frühere Liebe in Ihrem Herzen noch so stark, daß Sie mich zurückweisen", fragte er traurig.

„Woher wissen Sie?"

„Ihr Vater hat mir von Ihrer Verlobung erzäblt", antwortete er. „Auch das erzählte er mir, wie Herr v. Fredersdorff sich zurückgezogen hat."

„Auch den Namen wußten Sie?"

Fassungslos aufschluchzend sank Edelgard in ihren Sessel zurück.

„Ja, ich wußte alles. Ich schwieg, um Sie nicht zu kränken und zu betrüben. Jetzt tritt dieser Herr v. Fredersdorff wieder in den Kreis J.hres Lebens. Sie lieben ihn nach?"

„New — nein!"

„Sie wissen, Edelgard", fuhr Hallersmarck fort, „daß sich Fredersdorff um meine Else bewirbt. Sie wissen, daß E!se eine gewisse Zuneigung zu ihm hegt. Ein Won von Ihnen und ich würde dafür formen, deß dieser Herr uns nicht mehr zu' nahe kommt. Eine Be- geznlmg mit ihm muß Ihnen peinlich fein, namenrlich in der Stellung, in der Sie sich jetzt befinden — als meine Verlobte jedoch, als meine demnächstige Gattin können Sie dem Herrn in voller Ruhe und Würde ent. gegcülrcten und vielleicht — das Glück Elses, meiner Tochter, die auch bte Ihrige werden soll, begründen Wollen Sie mit mir gemeinsam diese Aufgabe über­nehmen, Edelgard? Sie bringen ein Opfer, ich weiß eS, aber was in meiner Kraft steht, soll geschehen, um Sie dieses Opfer vergessen zu lassen, um Sie zufrieden und so weit als möglich glücklich zu machen. Sie legen keinen Wert auf die Güter dieser Welt, aber man soll dieselben auch nicht verachten; sie bieten uns die Mit­tel, Großes, Schönes und Edles zu schaffen, unseren leidenden Mitmenschen zu helfen, dem Elend zu steuern, das unS überall umringt, und manche Träne zu stillen, die im geheimen geweint wird. Sie besitzen einen arefeen. edlen Charakter: in Ihrer Natur liegt es. zu

neu. Die Regierung aber sollte erkennen, wie Weits Kreise des deutschen Volkes (Unruhe) von den heutige,» Zuständen unbefriedigt find'. Wir verlangen auch heute wiedc'r baldigste Ausschreibungen der Neuwahlen.

Ad- «eilte (Unalh.) schimpft in der üblichen Weise at?" - oe Regierung und die Mehrheit. >

,.l.u (Boyer. Lpt.) gibt eine Erklärung ab, daß seine .i-.'.-i aus dem Boden 5er Verfassung stehe und be­richtet über die liege in Bayern. Der Generalstreik der Arbeiterschaft werde automattsch den Lieferstreik der Bauern auslösen.

Reichskanzler Bauer weist Vorwürfe des Vorredners über Korruption an Berliner Verwaltungsstellen zurück. Sollten solche Fälle bekannt geworden fein, so wäre es zunächst die Pflicht gewesen, der Regierung ober den zu- tändigen Behörden Mitteilung davon zu machen (sehr richtig!), sonst könnten die Angelegenheiten nicht verfolgt werden.

Abg. Langwost (Deutsch-Hannoveraner): Unsere Par­tei erwartet nur durch die Verfassung die Erreichung ihrer Ziele. Ich erkläre, daß die Deutsch-Hannoversche Partei ich rückhaltlos hinter die Regierung stellt.

Präsident Fehrenbach: So leidenschaftlich die Partei­gegensätze sind, darin glaube ich doch die Einigkeit- unserer gesamten Volksvertretung feststellen zu können, daß wii alle mit voller Kraft und Entschiedenheit diesen reaktio­nären Putsch unverantwortlicher, skrupelloser Elemente verurteilen, die m diesen kritischen Stunden die Brandfackel in unser Haus geworfen haben. (Beifall.) Wir beklagen die Toten» die ein Opfer der Kämpfe ge­worden sind, die sich aus diesem Anlaß abgespielt haben. Das Blut der Gefallenen schreit zum Himmel gegen die­jenigen, die schuld sind an diesem vergossenen Blut. Wir beklagen die Toten und drücken chren Angehörigen das herzlichste Beileid der deutschen Volksvertretung aus. (Bei- fall.) Wir hoffen, daß unser deutsches Volk wieder den Weg zur Ordnung, zur Disziplin, zur Ruhe finden möge. Wir hoffen, daß im Verlauf von wenigen Tagen — ich möchte hoffen von Stunden — der Generalstreik als über­flüssig sich erweist, baß überall wieder die Räder laufen, daß überall wieder die Arbeit des deutschen Volkes einsetzt. (Beifall.) Wir wissen, baß allein von der Ar- beit und nur von der Arbeit das Wohl des deutschen Vol­kes abhängt, und wir möchten auch in dieser ernsten Stunde der Hossnung Ausdruck geben, daß das gesamte deutsche Volk in seinem gesunden Kern sich wieder zusam- mentut und zurückkehrt zur Arbeit, zur Pflicht, zur Ordnung. Denn ohne diese Rückkehr ist es ge­schehen um unser geliebtes deutsches Vaterland. (Sehr richtig! Beifall.) Was an Altem hinter uns liegt, es mag herrlich für viele auch heute noch erscheinen. Ader der Gang der Ereignisse ist ein derartiger gewesen — von Schuld rede ich in diesem Moment nicht —, daß Deutsch­land sich nur aufbauen kann durch den freien Volks- willen, durch den starken und treuen Zusammenhalt auf demokratischem Boden. 2n diesem Sinne begrüße ich unsere Deutsche Republik als einen Hort der Freiheit, als den Hort der Ordnung, als einen Hort der Disziplin, als einen Hort des Gehorsams gegenüber dem deutschen Va­terland. Wenn wir in diesem Sinne in die Heimat als deutsche Republikaner gehen, werden mit unsere Pflicht und Ausgabe erfüllen und auch draußen im Volk bett Glauben befestigen an die Zukunft des demokrati» fchen Deutschlands. (Lebh. Beifall.)

Der Präsident erbittet und erhält darauf die Ermäch- tisung, die nächste Sitzung anzuberaumen, und zwar vor­aussichtlich in Berlin. ......

Der Zusammenbruch der Kapp-Revolte.

Am Dienstag hatte Kapp bekanntlich eine be­dingungslose Rückirittserklärung abgegeben, am Abend hatte er, beeinflußt von dem Oberst Bauer, nochmals Bedingungen für den Rücktritt zu stellen versucht. Nachdem darauf am Mittwoch nochmals die Vertre­ter der Mehrhcitspcrteien die Aufforderung zum end­gültigen Rücktritt an Kapp gerichtet hatten, gab dieser wohl oder übel nach und erklärte um 3 Uhr nachmit­tags seinen Rücktritt. Bestimmend war für ihn, daß zwischen den Boltikumtruppen und der Sicher- heiiswehr ernste Rcibrrrien sich ergeben hatten. Die Sicherheitswehr stellte sich aus die Sette der alten Re­gierung. Es ist übrigens bemerkenswert, daß sie

helfen, zu stützen, aufzurichlen und zu trösten. Ich biete Ihnen die Mittel im reichsten Maße, dieser Ihrer edlen Natur zu leben — wenn Sie auch ganz unbe­rücksichtigt lassen wollen, daß Sie mich unsagbar glück, lich machen und das Glück meiner Kinder fördern können." i

Seine (stimme hatte einen warmen, herzlichen Ton angenommen, der sie tief bewegte. Der verständnis- mäßige kühle Ton des großen Meisters in der Hand-IS« Welt, der mit klarem Blick alle die verwickelten Ver­hältnisse tiefer reichverschlungenen Wellt durchschaute!, unb verfolgte, war dem Gefühl des edlen, warmherzigen Mannes gewichen, bet mit offener Hand half, wo er konnte, ohne sich dieser Hilfe zu rühmen

Schon öfter hatte Edelgard diese Seite seines We- sens kennen gelernt. Sie war feine Beraterin, feine Helferin bei den Werken der Mildtätigkeit gewesen^ unb niemals hatte sie sein Herz dem menschlichen Elend; gegenüber verschlossen gefunden.

Sie hatte auch gemerkt, baß er in letzter Zeit noch viel freigebiger geholfen, als früher. Sie brauchte nur eine Anregung zu geben, er war sofort darauf rin­ge gangen und hatte ihr die Mittel in reichstem Maße zur Verfügung gestellt.

Und jetzt sollte sie die Herrin über Liefe fast unbe. grenzten Mittel werden? Jetzt sollte sie ihrem Drange, ihren leidenden Mitmenschen zu helfen, unbeschränkt nachgehen dürfen? Jetzt sollte sie plötzlich aus ihrer dienenden Stellung zu derjenigen einer Gebieterin emporgehoben werten? Jetzt sollte sie neben den er­sten, neben Königinnen und Fürstinnen stützen?

Ter Gedanke besaß für ihren stolzen Sinn etwas Berauschendes. Eine Sturmflut von swlzen, erhabenen Empfindungen umwogte ihre Seele Ihr Herz Pocht« in rascheren Schlägen, ihre Brust hob sich in stürmischen Atemzügen.

Aber die Siebe ?l

Vermochte sie diesen Mann,, der da so stolz demütig vor ihr stand, zu lieben?

War eS nicht die erste imb vornehmste Pflicht bei Weibe», den Mann, dem sie sich 8u eigen gab, zu lieben unb glücklich zu machen?

Aber machte sie denn diesen Mann nicht glücklich auch ohne jene Liebe, von der die Jugend träumt?

Eine geheime Stimme in ihrem Herzen flüsterte ihr zu: „Du täuschest Dich und ihn! Dich, indem Du alaubit Tein Genüae in ienen Werken de» Mit»