Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütt». •: Mr die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. :•
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47. Zahrg
Mittwoch, 17. märz 1920
llr. 64
Der Kampf gegen die Berliner DMatuv
sehr interessierte und für Ohm
den China-Feldzug
Wortschwall Fräulem Amaliens zu
„Nun, ich meinte das nicht
(sinne des Wortes —*
„Was ich weiß, verdanke ich
unserer Erzieherin, Dolchstich.
verfahren, sie wollten nur nicht zugeben, bah Kohlen nach Berlin gingen, solange dort die Gegenrevolution am Ruder war. Es konnte ja nur der einzige Zweck des Generalstreiks fein, im Bannkreis von Berlin zu wirken, um die Putschisten zum Rücktritt zu zwingen, anderwärts werden durch den Generalstreik nur zweck
los Millionenwerte zerstört.
Der tolle Putschversuch ist am Willen des deutschen —»
Dolkes zerschellt; er war ein gewissenloses Spiel nut Rücksichtslosigkeit gegen diesenigen vorgegan dem Schicksal des armen deutschen Dolkes und Rei- I —r.j. hör Ktnatsftreidilei
ches. Die Gefahren, die er heraufbeschworen hat durch die Ausreizung der Linksradikalen, sind noch nicht überwunden. Ihnen gilt es jetzt zu begegnen. Der- antwortlichkeitsgefühl und Gemeinschaftsbewutztsein des ganzen Volkes mutz auch fernerhin Deutschlands Bestehen und des Volkes Zukunft verbürgen.
gen werde, die sich in den Dienst der Staatsstreichler gestellt und mit ihnen gemeinsam hochverräterisch« Handlungen begangen hätten. ।..
Aus Berlin wird der „Frkf. Ztg." gemeldet: Nie- mals zuvor ist der Generalstreik mit so viel Disziplin und Ueberlegung durchgeführt worden, wie jetzt hier. Der Verkehr ruht völlig. Die großen Betriebe sind
Die nachstehenden Meldungen sind zum Teil durch die neuen Ereignisse ü b e r h o l t. Wir lassen sie gleichwohl folgen, weil sie zum Verständnis der Entwrck- lung dienen.
Otb Stuttgart, 16. März. (Tel.) Die Reichsregierung soidert den sofortigen ordnungsmäßigen Rücktritt Lüttwitz und der übrigen neuen Männer gnd Stellung der Truppen unter einen General, der in keiner Weife an den Revolten beteiligt war und auf dem Boden der Derfasiung steht. Ferner fordert ft sofortiges Abstoppen der Aufstellung der Eisernen Noision und der "Offizierskompanie, sowie ÖSians. port der Marinebrigade von Berlin und Auflösung unter einem neuen Befehlshaber.
, wtb Berlin, 16. März. Aus Grund der im
gende Darstellung verbreitet:
Die Reichsregierung ist vollständig einig Sie hall ein Verhandeln mit den Personen, welche den Staats- streich versucht haben, für eine noch « to6;eice® 0- fahr als diejenige, die durch biefen Staatsstreich un- mittelbar heraufbeschworen worden »st. denn icde Nachgiebigkeit gegenüber einer versuchten Gewaltpolitik nach rechts würde die äußerste Linke, welche die Arbeiter radikalisiert, wenn sie eine Handhabe erhalt, Mißtrauen xxaen die verfassungsmäßig« Regierung ausMtreuen in ihrer Forderung nach Einführung der RaterttmttH ne» bef.irrten Der Pu tschv - rsuch von Berlin
hat in ganz Deutschland ein mo ralisches Fiasko eifßtteti und die stärkste Empörung auSgelost Der Versuch, Bedingungen zu stellen, ist ern Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen, für das, was an Schaden bereits angerichtet ist. Die Regierung hrrb alles das was in ter neuen Lage nötig und mogl ch ist, im Einvern-ymen mit der Deutschen sammlung durchführen. Wie nach innen, so lanrt nach außen bet Kredit Deutschland» von der Festigkeit der Regierung gegenüber dem unerhörten Var. stoß ab.
Diese Darstellung von zuständiger Seite war an sich schon geeignet, der Mahnung des Herrn Oberpräsiden- > ten, die Arbeit wieder aufzunehmen, Nachdruck zu verschaffen und der Weiterausbreitung der Arbeitseinstellung vorzu» beugen. Der Zusammenbruch der Gegenrevolution macht den Generalstreik vollends gegenstandslos. Die Radikalisierung der Masten, eine Folge des Putfches, wird hie und da die Neigung wachsen lasten, I rücksichtslos weiter zu streiken. Man muß- hoffen, daß der bcfonnete Teil der Arbeiterschaft sich der I Streikpropaganda widersetzt. Es ist zu beachten, daß auch die Bergleute im Ruhrgebiet bis auf den Essener Bezirk, wo übrigens nut vorübergehend die Arbeit eingestellt wurde, weiter schaffen, auch die lleberstunden
kommen.
Dorher waren die Unabhängigen unter Führung von Dr. Cohn u. Säumig in der Reichskanzlei erschienen und hatten im Interesse der rvn ihnen in den Arbeitervierteln ausgerufenen Räterepublik ein Ultimatum überreicht, daß sie, wenn nicht bis 9 Uhr abends die Truppen zurückgezogen würden, mit allen bewaffneten Arbeitern zum Angriff schreiten würden. Wesentlich unter dem Eindruck dieser Er- Körung sind Kapp und Lüttwitz anderen Sinnes geworden; sie haben auch Bedingungen für ihren Rück- tritt gestellt, in erster Linie Amnestie. . .
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Es hat sich entschieden'. Die Gefahr ist überwunden. Die Gegenrevolution ist zusammengebrochen, llöglich, rühmlos.
Die verbrecherische Tat der hochverräterischen Slpp- | «haft, die mit einigen Tausend eidbrüchigen Mannschaften das deutsche Volk nach all den Prüfungen, denen es in den letzten Jahren unterworfen war, mit der fürchterlichen Bedrohung des völligen Untergangs heimfuchie, hatte von vornherein nicht den von der Militörkaste zuversichtlich erhofften Erfolg gehabt. Die Macht der Staatsstreichler ging nicht weiter als ihre Flinten reichte, im ganzen wird sie auf Berlin be- schränkt und auch dort war sie nicht unbestritten. Im Lande sand der Wahnsinnsstreich heftigen Widerstand, der immer tatkräftiger anwuchs, als die erste Der- blüffung überstanden war. Rur an ganz vereinzelten Stellen fanden die Hochverräter Gefolgschaft, diese konnte sich aber nirgends durchsetzen. Für das Bürgertum war die Stellungnahme nicht einen ztugenblui zweifelhaft. Es entschied sich für die rechtmäßige Re- aieruna, die nicht dadurch beseitigt war, daß em bewaffneter Haufe ihr den Aufenthalt in Berlin unmöglich machte und sie in der Führung ihrer Amtsgeschaste behinderte. Wer die Amtshäuser bewohnt, ist noch nicht im Besitz der Amtspewall und wer Erlasse über das Berliner Straßenpflaster wirft, die niemand beachtet, übt damit noch keine Regierung aus. Das
Krügex schwärmte.
Harald sprach nicht viel; er hörte mit hösbcher
Freundlichkeit dem und warf ab urd zu eine Bemerkung ein, b'e von ihrer
Fräulein Edelgard —"
Der Name traf ihn wie ein
.Fräulein Edelgard? Ein seltsamer Ramel
.Ja, aber unsere Erzieherin ist auch ein seltene» Wesen — so edel, so gut, so groß —"
„Welch ein Enthusiasmus," spöttelte er.
.Sie brauchen nicht zu spotten," ereiferte sich Elfe. .Lernen Sie Fräulein Edelgard nur erst kennen, bann werden Sie meine Liebe für sie begreifen IN
„Sie machen mich in der Tat neugierig, gnädige» Fräulein ,auf dieses Wunder von einer Erzieherin! Gewöhnlich sind die jungen Damen nicht getebe gut auf ihre Gouvernanten zu sprechen."
Belustigt über ihren Eifer trat Harald neben sie an
Tante gelernt haben."
.Meine Lehrerin war nicht meine Tantel
’ * gerade im strengen
Vernichtung der Waffen emzustellen und sich für einen neuen Krieg zur Verfügung zu stellen. Es sei nicht anzunehmcn, daß sich die Entente. mit Kapp in Verhandlungen entlasse. Der deutsche Ge- schäftstrager in Paris habe mitgeteüt, daß Millerand ungeordnet habe, eine direkte Lei ung nach Stuttgart zu legen, damit er die Verbindung mit der verfassungsmäßigen Reichsregierung aufrecht erhalten könne. Der Reichskanzler erklärte schließlich, daß m 11 aller
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.Hm, — ich denke überhaupt noch nicht an einen Schwiegersohn."
„Das ist recht, Papachen!" rief Else und küßte ihn auf die Wange. .Ich bringe Dir so rasch auch keinen in das HauSl"
.Gestern abend schienst Du anders über solche Tmge gu denken," versetzte die Tante spitz.
Else errötete.
.Ach. was man auf so einem Balle nicht alles gt> sammenschwatzt! T« denkt man sich die Welt^ und die Menschen ganz anders, als sie wirklich sind.
.Sehr wahr gesprochen, mein Kind. Aber nun muß ich auf die Bank. Also, Amalie, wenn Herr von Fre- derSdorff kommt, empfange Du ihn und entschuldige mich. Wir können ihn ja dann demnächst zu einem Dine^ einladen. Wo ist übrigens Fräulein Lynden?"
„Ach Papa,' die Aermste hat enisetzlichr Kopsschmer, zen. Sie wollte mit Elfriede und Grote einen kleinen Spaziergang in der frischen Luft machen ..."
.Gut, gut. Zu Tisch wird sie sich hoffentlich w'.e. der besser fühlen."
Der Geheimrat fuhr zur Dank und zur Dorfe. Este huschte auf ihr Zimmer und betrachtete sich aufmerksam im Spiegel, ordnete ihr weiches HondeS Haar, zupfte an den Löckchen herum und betupfte die Wangen mit ein wenig Puder.
eie sah recht blaß und ubernachltgt aus — so meinte sie wenigstens, während doch ihre Dangen glühten und ihre Augen strahlten
Sie begriff ihre Aufregung selbst n cht. Ter Besuch deS Rittmeisters konnte sie doch unmöglich in solche Er. regimg versetzen! . _.
Nach einiger Zeit erschien bet Diener und meldete, daü Besuch g-kommen sei. Fräulein Ama.ie l.cß da; gnädige Fräulein bitten, in den Salon zu kommen.
Klopfenden HerzemS begab sich El e dorthin.
Tie sckstanke Gestalt deS Rutmeisters erhob sich bet ihrem Eintritt von dem Sessel und verbeug e sich ehr- ^ 3 krauche kaum zu fragen." begann er mit l e. benSwürdigem Läch'ln, .wie dem gnädigen tftaule.n der Ball bekommen ist —" ,
.Meine R'chte hat ordentlich auSgeichlafen, nahm die Tante das Wort, .die Jugend liebt ja den Sck)laf."
Dabei ließ sich die Tante Amal-e kernen Morgen vor zehn Uhr sehen, während Else ichon um a.et Ugt mit Edelgard und Schwestern das Frübituck einnahm.
Man sprach über die Ereignisse de? Talles, über Theater und Konzerte, auch etwas Pol st.k wurde getrieben, wenigstens von Fräulein Aw -e. die sich für
Lemaspreis: Monatlich 1,30 Ult ohne Zustellungsgebuhr. - i In Fu da bei uns abgehott 1,40 Mk. -
Slnzeiaerpres: DieKleinzeiIe (noch Colonel chrft) 50 pfg. dKeNamezeile (Textbrei,e) 1 Mk. bei Wi-decbo'nne
Sette sofort zum Ausgangspunkt eines neuen Themas benutzt wurde.
Fredersdorfs kam sich hier unsagbar lächerlich vor.
Auf feinem einsamen Gute hatte er in den letz en Jahren, wo er in völliger Abgeschlossenheit gelebt, die Gabe der leichten Unterhaltung verloren, die spielend über die verschiedenen Gegenstände eines Gesprächs hinwegeilt, ©eint ganze Gemütsstimmung war zu ernst geworben, als daß er auf die banalen Worte und Alltagsphrasen der Dame eingehen konnte.
Auch Else saß ziemlich einsilbig und mit gesenk'en Blicken da; doch wenn sie die Lider anischlug, dann ba. segnete sie dem Blick feiner bun'Ien Augen, in denen sie einen geheimen Spott über die Art rnb Weise der Tante las und auch in ihren Augen blitzte es schalkhaft auf.
So verstanden sich die beiden ganz vortrefflich und es wob sich ein geheimes Band nm sie, ohne daß ft? viel zusammen sprachen. Mre Augen verstanden sich und führten eine beredtere Sprache, cis ihre Lippm. Daran mißte es wohl auch liegen, daß sich wcb-r Elte noch Harald lanaweilt-n, sondern sich Verliefch unterhalten zu haben glaubten.
Aber ihr Schweigen fiel Tonte Amalie fchl eßlich doch auf. Sie lächelte verständnisvoll und verließ den Salon unter b-m Vorwand, ein Album ihrer letz en Schwri-errcife, das sie dem Rittmeister zeigen woll.e, zu holen.
Als Harald dann Else bedeutsam ansah, errote.e diese heftig.
Sie fand e? furchtbar grausam von der Tante, sie mit dem Rittmeister alle n zu lass n.
„J,hr Fräulein Tante scheint e:n sekr lebhafte; Temperament zu besitzen," sagte er mit leichter Ironie, .Tante Amalie hat allerdings sehr rH künst er sche Interessen," en'gegnttc Else in le cht verletz em Tone.
.Ich wollte damit keinen Vorwurf anSsprcchen, gnä- diccS Fräulein," verteidigte er sich. -Sie müpen mir schon verze'ben. wenn ich dem lcbhaft'n Ttmpcr ment nicht so rasch folgen kann. Ich lebe n cht in der C'<>- ten Welt, d e durch so vi-lerlei Interessen ^bewegt wird — Ich bin ein einfacher Krauljunker . .
Clse blickt.- lächelnd auf feine elegante, wcl män- nische Erscheinung, die sein- Worte Lügen strafte.
das Fenster..
Durch den Garten schritt die schlanke, hohe, schwarz- getleidele Gestatt einer jung-n Dame, ihr zur S-'.te die be'dcn Kinder. Ein russischer, langhaariger Wind. Hund folgte ihnen'
.DaS ist unsere Edelgard — Fräulein Edelgard Lynden —"
Harald hatte Edelgard auf den ersten Dl'ck erkannt.
Alles Blut wich auS seinem Gesicht, er w'llte lächeln, aber sein Gesicht verzerrte sick' und seine S.imme klang rauh und heiser, als er erwiderte: e
.In dcr Tat, eine intere^ante Erscheinung " Erstaunt bl’dfte Else zu ihm auf. , ,
Sie bemerkte die jähe Veränderung, b’e mit ihm vorgegangen war, und plötzlich st ist! der Verdacht in ihr auf, daß der Rittmeister Edelgard früher gekannt
.Ist Fräulein Lunden schon lange bei Ihnen?" frag'e er nur um die drückende Stille zu unterbreden
„Tret' Jahre," antwortete sie kurz und wandte sich ab
Harald starrte schweigend der schwarzen Gestalt EtelgardS nach, die allmählich zwischen den verschneiten Büschen des Gartens verschwand.
Er vermochte nicht ?u sprechm — er rarg nach Dorten da trat zum Glück Fräulem Amal e mit ibrent Album ein und begann sofort wieder eine leb- hafte Unterhaltung Morte folgt)
Abbruch Des Geueralsireiks.
(:) Kassel, 16. März. Oberpräsident Dr. Schwan- her hat an die Landratsämter der Provinz Hessen- I Nassau folgendes Telegramm gerichtet:
Die Reichsregierung fuhrt die Geschäfte von Stuit- I aart aus, sie hat keinerlei Verhandlungen mit den Staatsftreichlern geführt. Die Diktatur Kapp iftaufTeileBerlinsbefchränktundan- I scheinend auch dort unhaltbar.
Die Reichsregierung wünscht dringend, daß über- all da gearbeitet wird, rro die Behorbemfest zu ihr und der Verfassung stehen; für ganz Hes- sen-Nassau trifft dies zu. Für alle Reichs- und Staatsbehörden der Provinz, militärische wie zivile, M es keine andere als die verfassungsmäßige Regierung. Nach^ zahllosen Kundgebungen stellen sich die Behörden, die Körperschaften, die Büraerschaft und die Arbeiter durchweg auf den Boden der Verfassung. Der Berliner «taats- streich wird auch von den Gegnern der Neichsregie- runq ganz überwiegend mißbilligt. Ich bitte dazu zu Helsen, daß die Arbeit in der Provinz wieder ausgenommen wird.
Reichskanzler Bauer über die Lage.
Stut'garf, 15. März. Reichskanzler Sauer gab hier den Vertretern der Presse Erklärungen über die
I Auffassung der Relchsregieruug. Diese habe es, um unsägliches Blutvergießen zu verhindern, für richtig g:ballen, vorläufig dem Kampf auszuweichen. Die Negierung fei in ihrer Gesamtheit der Meinung, daß wenn nichts anderer übrig bleiben sollte, allerdings zur Abwehr der Umsturzbewegung auch der Gene- ralstreik zur Anwendung kommen müßte. Die Situation sehe aber für die Staatsstreichler schon so wenig hoffnungsvoll aus, daß ein so starkes Mittel kaum angewendet zu werden brauche. In allen deutschen Ländern, auch in Preußen, rüsteten sich gewgllige Kräfte zur Gegenwehr. Dazu komme, daß der militärische Staatsstreich nicht aus» reichend vorbereitet gewesen sei. Durch den Erlaß der Haftbejehle gegen die Führer seien diese früher zum Loeschlagen genötigt gewesen, als es in ihrer Absicht gelegen habe. Erhebliche Kontingente der Reichswehr eien nicht willens, den Umsturz mitzumachen. Der Reichskanzler teilte mit, daß eine der wichtigsten For- derungen des General v. Lüttwitz an die Reichsregierung gewesen sei, die Reichswehr nicht.weiter abzu- bsuen, sondern im Gegente'l, die militärischen Rüstungen zu erweitern, die Ablieferung und
Der Arbeit Lohn.
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,$a und ich weiß auch, daß Du von allen alten Kameraden freudig begrüßt wurdest, unb daß Dem SBiebereridjeinen in der Gesellschaft von Erfolg hegtet. I tet ist wie der gestrige Ball beweist."
.Nichts beweist er, als daß ein törichtes kleine» 1 Mädchen sich in mich vergasst hat!" I
„Mer dieses törichte kleine Mädchen ist die Erbin von Millionen I Harald, wenn Du nicht mein Freund und Setter wärest, würde ich Dir scharfe Konkurrenz I machen. Fräulein «Elfe HallerSmark gefällt mir ausgezeichnet!"
.Dieser Nam«!" . .
.Pah, was liegt an dem Namen? Er soll ia not dem Deinigen vertauscht werden."
.DaS ist wenigswnz noch ein Trost. Doch nun, mein lieber Junge, müssen Ivir unsere interessante Unterhaltung und unser gutes Frühstück abbrechen, ^ch hÄ Papa Geheimrat um di« Erlaubnis gebeten, ibm und seinen Damen heute meine Aufwartung machen zu dürfen."
.Aha! Also doch ernste Plane? .
.SBa§ hilft'S? Einmal muß man doch ms Jgch.
Er nxrrf di« Zigarre in den Aschenbecher und er. hob sich leicht aufseufzend. .
H<rnz v. Bebcnroth lachte und meinte, em solch golden."? Joch könne man sich sckwn gefallen lassen.
Tann trennten sich die beiden Freunde nut dem Versprechen, am Abend im Wmlergarten-Thcaier w.e- der zusammenzutresfcn.
Harald legte Besuchstoilette an, nahm eine Drofchke tnb fuhr nach der Tiergartenstrahe.
Fräulein Amalie Hallersmcurk fotz schon se« ge. raumer Zeit im Salon, den Besuch Haralds ^envar rnb. Sie fab ihm ungeduldiger entgegen als Else welche di« Tante auslachte, als sie beim Eruhsiuck sofort von den .ernsten Absichten" deS Herrn R,t-me sterS zu fpre- chen anfing. , . , ,
.Ich bitte Dich. Tantchen ,dam t hat «S doch noch «vt« Wege. Ich denke noch gar nicht ans Berl-bcn und Heiraten." . . . ,
.Ich denke auch. Amalie," warf d-r ^^^ nteben -daß wir der Sache ruhig und gelasien entueg nsthem Denn Herr v F-edersdorff uns einen Besuch m-d?=n will, so soll er willkommen fern. Er schemt ,a eim liebenswürdiger Herr zu sein — aber weiter 0e9t nicht!"
.Ich bitte Dich, Arnold, — könntest Du Dir einen passenderen Schwiegersohn denken?"
Sic Segenreoolntion zusmmiWirMcii
Bebingungs!oser Rücktritt von Kapp und von Lüttwitz.
«eichsiag geführten Verhandlungen haben flopp vnd Kmeral v. Lüttwitz. dieser nach längerem Schwanken, tyren bedingungslos en Rücklriti erklärl, tat) die Regierung an den Vizekanzler Schisser vergeben. General hülsen hat im Namen der recht- mäßigen Regierang die Führung der Truppen über-
Volk wollte von dieser selbstgemachten »RWerung nichts wissen, in seiner überwältigenden Mehret stand es entschlossen und geschlossen ^hinter der rechft mäßigen Regierung und betannte sich mit jum Rechtsstaat, zum Aufbau, zur Ruhe und Ordnung. Auch die Beamtenschaft weigerte sich, den Weisungen der Abenteurer zu folgen. . . „„
Die Demokratie hat ihre Feuerprobe bestanden, es ging um ihr Leben oder ihren Tod, und sie wird leben. Die geschlossene Front der Verfassungstreue, die Bürgerschaft und Beamtenschaft vereinigt, verhm- bette den Bürgerkrieg und verurteilte den militan ti- I fchen Gewaltstreich zur Ohnmacht und zum ehrlosen Ende.
Man sah es schon gestern kommen, daß es sicy t nur noch um Stunden handeln konnte, bis das sinnlose I Abenteuer unrühmlich in sich zusammenbrechen würbe. Daß di« Staatsstreichler bereits auf dem letzten Loch pfiffen, ließen die gefllssentlich anscheinend m ganz Deutschland verbreiteten Gerüchte erkennen, die Reichs- 1 reaieruna sei mit den Kappleuten durch Mittelsmänner zwecks Derhandlungen in Verbindung getreten. Daran war, wie die Regierung erklären ließ, k e i n wahres Word Die Reichsregierung war vielmehr überzeugt, daß solche Verhandlungen das Chaos, tn Ä W die^ussche Politik und Wirtschaft ge- stürzt hat, nur in zwecklofer Weise verlängern wurde, lieber die Stellungnahme der Regierung wurde sol-
geschlossen. „ . .
Die Stellung Kapps ist außerordent. lich schwach geworden. Der Druck des General- streiks läßt allmählich bei den Irregesührten den Sinn zur Wirklichkeit zurückkehren. Wenn die neuen Macht- Haber in der Reichskanzlei sich jemals eingebildet hat- ten sie würden in Berlin, und namentlich von der Beamtenjchast in dm Reichsämtern, jubelnd begrüßt werden, so haben sie sich gründlich getäuscht. -LvUlfaj- nationale Frauen und deutsch-nationale Schüler lau. fen zwar hinter den durch die Straßen mit Musik ziehenden Militärkommandos her. Aber aus den Blicken und Gesten und aus den sehr deutlichen^Aeuße- rungtn der großen Mehrzahl der Berliner Bevölkerung spricht schroffste Ablehnung. Kapp war« wohlcr wenn er sich in dieses sreventliche spiel nicht hätte hineinziehen lassen. Bekanntlich hat er schon zu erkennen gegeben, daß er zum Rücktritt 5er eit sei, aber er ist nicht mehr Herr seiner Entschlüsse. Er ist die Strohpuppe in den Händen der Mtlnor- käste, die während des Kriegs Deuischland ins Unglück gestürzt hat und dieses Unglück jetzt ins »lnuber- sehbare vermehrt. Mit Lug und Trug wird nach dem Muster des alten Regimes gearbeitet. Versprechungen werden unter die Bevölkerung gestreut, Tatsachen^ in ihr Gegenteil verkehrt. Der Berliner Bevölkerung wirb, indem man um ihre Gunst buhlt, einaeredet, große Lebensmftteloorräte würden zu billigen Preisen ausgeteilt werden. Das sei die rasche Folge der von der neuen Regierung versprochenen Aufhebung der Zwangswirischaft. Wer das geglaubt hat, wird bald ernüchtert sein. An der Spitze der Lügenprogaganba steht der zum Kultusminister ausersehene dmtschnano- nale Abg. Dr. Traub. 3n einem Funkspruch laßt er verbreiten: .
„Die Loge ist gut, die alte Regierung will die Auf- forberung zum Generalstreik widerrufen, ba sie das unrecht am Volk eingesehen Hal. Verhandlungen zwischen der alten und der neuen Regierung haben begonnen und sind in gutem Fortschreiten. Die Bildung der neuen Regierung auf breitester demokratischer Grundlage ist in kurze- ster Zeit zu erwarten. Sie war bisher verzögert worden durch den Aufruf bet alten Regierung zum Generalstreik.
So viel Worte, so viel Lügen! Der Generalstreik ist eine spontane Abwehraktion aller demokratisch Fühlenden. Er wird getragen von dem Willen der drei Mehrhritsparteien und der Unabhängigen. Sie werden dieses Kampfmittel so lange nebraudjen, bis di« MMSrherrschaft abgetreten ist. Mit dieser Militär- tittatur darf und kann es keine Derhandlun- gen geben. Mit Usurpatoren verhandelt man nicht, die verachtet man und bekämpft man, so lange und so energisch, bis das verletzte Recht wieder gesühnt ist.
.Aber Sie"gnMges Fräulein," fuhr er fort, .Sie teilen gewiß tie Interessen. Sie haben mir gestern fo manches erzählt, was Sie gcw.ß von Ihrer Frag