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47. Zahrg

Dienstag, |6. HTätz $920

Nr. 63

Schwere Tage

stellen.

Der Generalstreik

an

Der Arbeit Lohn.

„Steht e? wirklich so fchliimn?"

„Noch schlimmer I Wenn ich nicht cuf dem Terrain des abgeholzten Waldes einen reichhaltigen Steinbruch

ihren vorübergehenden Aufenthalt in Stuttgart und alle ihre schweren Pstichten nach besten Kräften zu erleichtern. Die Ruhe wurde bisher nicht gestört. Es ist außerdem für alle Möglichkeiten zuverlässig ge-

^Die Tagung der Nationalversammlung wird in der Liederhalle stattfinden, da hier die erforderlichen Nebenräumlichkeilen zur Verfügung stehen. Der Borützende des Büngerrates von Groß-Stuttgart er­läßt eine Aufforderung an die Bürgerschaft, für die Abgeordneten der Nationalversammlung mindestens fünfhundert Büreer quartiere zur Verfügung zu

Wo blieb dann das Glück der vertrauenden Kindes- seele Elses?

Energisch richtete sich Edelgard empor und in ihren Augen blitzte es auf. Sie war die Hüterin von Elses Glück — sie wollte ihn prüfen, ob er der Liebe des hol. den Kindes wert war, ob er nicht wieder nm dem Reichtum nachjagte.

War letzteres der Fall, bcnn wollte sic warnend vor die junge Freundin treten und ihr die Wahrheit ent­hüllen — dann wollte sie ihm sagen, daß er ElseS Liebe nicht wert war, und wollte schützend ihre Hände über de? Kindes Glück breiten.

Nicht zum zweitenmal sollte er ein schwaches Mäte chenherz unglücklich machen!

7. Kapitel.

Harald v. Fredersdorfs und Herr 6. Bebenroch saßen bei einem kleinen, ausgesuchten Frühstück.

Harald war seit kurzer Zeit in Berlin und bewohnte ein elegantes Junagescllenguartier in einer Nebenstraße der Linden, ruhig und vornehm und doch in der Nähe deZ rasilos pulsierenden Lebens der Weltstadt gelegen.

Oberleutnant Hans v Debenroth hatte es für sei, nen Freund und Vetter Harald ausgesucht und blickte sich jetzt befriedigt in dem eleganten Raume um.

„Hier wirst Du eZ schon einige Zeit aushalten kön­nen, Harald," meinte er vergnügt.

Harald lehnte sich in den Sesiel zurück und schlürfte ein Gläschen Portwein,

„Du überschätzest mich, HanS," entgegnete er mit leichter Bitterkeit, „An solchen Komfort, wie ihn diese Wohnung bietet, bin ich längst nicht mehr gewöhnt."

„Na, na. Schloß Fredersdorfs war doch sonst da§ Bild vornehmer Behaglichkeit."

„Sensi, lieber Hans, ist nicht jetzt! Die vornehme Behaglichkeit ist einer ungemütlichen Acrmlichkcit ge­wichen."

„Du übertreibst, Harald."

„Kannst mich ja mal besuchen, lieber Junge, dann wirst Du einen rechten Begriff von dem Schloß Fre. derSdorff bekommen. Schloß FredcrSdorffl Wie stolz das klingt! Und dabei ist es weiter nichts als eine große Ruine — nichts als Verfall!"

Treubruch verzeihen, den er an ihr, Elses liebster Freundin, begangen.

Aber würde dadurch nicht auch Elses Glück zerstört werden? Hatte Harald nicht bereits einen sehr tiefen Eindruck auf ihr junges Herz gemacht? Liebte sie Harald nicht schon jetzt, nächstem sie kaum einige »tun, den gemeinsam mit ihm verlebt hatte?

Ach, Edelgard kannte den Zauber, der von seiner Persönlichkeit "auSging, nur zu gut! War sie doch selbst ihm erlegen, als sie Harald kennen gelernt! Und auch jetzt noch umspann er zuweilen ihr Herz und ihre Seele in stillen, einsamen Stunden mit gehetmn'.Zvollier Macht.

Sollte sie dieses junge Glück, das scheu und keusch in Elses Herzen emporkeimte, zerstören? Sollte sie cs schon im Keime vernichten?

Und Harald selbst? Konnte sie es ihm verargen, daß er um die Liebe ElseS warb, dieses warmherzigen, edlen, prächtigen Kindes, das ganz dazu geschaffen schien, einen Mann glücklich zu machen?

WaS für ein Recht besaß sie denn eigentlich noch auf diesen Mann, von dem sie sich einst selbst getrennt, Hatte sie damals nickt selbst den Abschiedsbrief geschrie. ben? Hatte sie selbst nicht mit rascher Hand das Band zwischen ihm und sich zerschnitten?

Sollt« er deshalb einsam und glückloZ durch das Le­ben gehen?

„Nein sie hatte durchaus kein Recht mehr, ton, nend zwischen Harald und Else zu treten, und das Glück dieser zwei Menschen zu vernichten, mtr weil sie selbst nicht glücklich werden konnte.

Fetzt mußte sie das eigene Glück tn dem Gluck der (inbct-cn finbcn! Äder hne füllte fte dem Wfonnc, den sie einst geliebt, jetzt wieder begegnen? Wenn sie auch die Kraft besäße, ihm in schweigendem Stolz entge. genzutreten — würde seinGlück, seine Liebe standhalten vor der nagenden Oual der Erinnerung? Würde er nicht durch ihr Erscheinen zurückgeschreckt werden?

Nein, sie durfte ihm nicht wieder begegnen! Sie mußte scheiden aus dem Asyl dieses Hauses, in dem sie ein stilles Glück gefunden. Schon morgen wollte sie um ihre Entlastung bitten ...

Aber wenn nun Harald Else gar nicht liebte.

Wenn es nur das reich« Mädchen war, um welches er warb?

Wenn seine Liebe nichts als Täuschung — wenn eS ihm nur um den Reichtum ElseS zu tun war?

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Ausland.

Seine Anerkennung Sapps durch Frankreich.

Paris, 15. März. Der „Matin" schreibt: Der deutsche Geschäftsträger Dr. Mayer hat sich gestern zum Mini­sterpräsidenten Mill er and begeben, um ihm die Nach­richten zu übermitteln, die er über die deutsche Revolution erhalten hat. Herr Dr. Mayer hot gestern nachmittag mit Dresden telephonisch sprechen können. Außerdem über­mittelte er der französischen Regierung eine Zirkularnote des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt o. Hantel, die gestern an die deutschen Dertteter im Auslande ge­rietet worden war. Diese Zirkularnote schreibt den deut­schen Vettretern im Auslonde vor, den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, die Versicherung auszudrücken, daß die deutsche Regierung dauernd die fest« Absicht habe, sich an die Verbindlichkeiten, die sich aus dem Friedens­vertrag ergeben, zu halten. Dr. Mayer hat Millerand gegenüber die Meinung ausgedrückt, daß der militä­rische Staats st re ich in Berlin vom größten Teile der Bevölkerung Deutschlands nicht unter­stützt würde. Die sranzösische Regierung beabsichtigt, so schreibt der „Matin", nur diejenige Regierung als gesetzlich anzuettennen, die morgen in Stuttgart zusammentreten wird, um sich der deutschen Nationalver- sammlung vorzustellen. An diese Regierung werden wir, so schreibt der „Matin", unsere Forderungen richten wegen der letzten Angriffe auf Mitglieder der alliierte» | Mission in Deutschland.

Wie sich der Putsch vollzog.

Unser Berliner Mitarbeiter sendet uns nachstehende, I auch unter historischen Gesichtspunkten bemerkenswerte Dar­stellung über den Verlauf des Putfches in Berlin. Die betreffenden Informationen stammen von einem preußi­schen Minister, der durch die neuen Machthaber mit seinen anderen Mimsterkollegen zusammen in Hast gesetzt wor­den war. Die Schilderung geht dahin:

I Am Freitag nachts 11 Uhr wurden die Regierungs- I gebaute besetzt; man wußte nicht, ob es Regierungstrup- I pen oder Meuterer waren. Es waren aber Regierungs- I truppen, welche zum Schutze der Gebäude aufgeboten t roorten waren. Nachts halb 3 Uhr rief Haenifch bei Roske an, um sich zu erkundigen, wie es stehe. Noske

noch eine Zeitlang über Master. Manchmal wünsch« ich, es wäre alles vorbei und zu Ende."

„Du darfst nicht verzweifeln, Harald. Wir wollen schon eine reiche Partie für Dich finden."

„Wie häßlich — dieses Suchen nach einem dum­men Goldfisch, den ich mit meiner Liebenswürdigkeit bezaubern soll! Ich sage Dir, Hans, ich kam mir ge. stern abend beinahe verächtlich vor, als ich merkte, daß ich auf Fräulein Hallersmark Eindruck gemacht. Mir tat das Mädchen leid. Ich hätte ihr zurufen mögen: Mein Fräulein, nehmen Sie sich in acht! Ich meine es gar nicht so, wie ich spreche."

„Welch ein Gedanke, Harald!" lachte Hans, indem er sich eine Zigarre anzündete. „Du sagtest mir doch gestern oder vielmehr heute früh, als wir nach dem Ball noch im Cafe waren, daß Dir Fräulein Hallers, mark sehr gut gefallen habe."

„Das hat sie auch! Das ist es ja aber gerate, was mein Gewissen so laut reden läßt. Die junge Dame gefällt mir sehr! Sie ist reizend, klug und bescheiden — unter anderen Verhältnissen könnte ich mich in sie verlieben —"

„Ich glaube, Deine Verhältniste verbieten es Dir nicht, die Tochter de? reichen Geheimrats zu lieben!"

„Meine Verhältniste — ja, die sind wahrhaftig er. barmungSwürdig. Ich konnte es nicht mchr ertragen, Hans — ich ging physisch und moralisch zugrunde. Und dazu die täglichen Ermahnungen der Mutter und die stummen, vorwurfsvollen Blicke der Schwestern, die mir deutlich sagten — deutlicher als die Worte Mamas — „Du kannst unser Schicksal ändern, wenn Du nur willst. Weshalb gehst Du nicht nach Berlin und suchst Dir eine reiche Frau, wie eS so viele andere tun?" Da packte mich denn die Verzweiflung! Ich hatte gerate durch den Verkauf von Steinen aus meinem Stein, bruch eine größere Summe in 6ar gelöst — eigentlich wollte ich sie zur Verbesserung des Gutes anlegen, aber es wäre jaj doch nur ein Tropfen auf ten heißen Stein gewesen, auch streckte Mama schon wieder die Hand danach 'aus, intern sie behauptete, für sich und die Schwestern einige Toiletten nötig zu haben; kurz, ich entschloß mich rasch, nach Berlin zu reisen und hier mein Heil zu versuchen — das heißt, eine reiche Partie zu machen. Mama war damit einverstanden und ver­zichtete ' großmütig auf di« neuen Wintertoiletten. So gondelte ich denn los — und das ander« weißt Du."

^Fortsetzung folgt.))

Kapp die Seinen.

Generallandschastsdirektor Kapp, der Leiter des Putfches, ist ein Mann, der schon unter dem alten ! System vor und während des Krites als einer der 1 radikalsten und ungenießbarsten Parteigänger der äußersten Rechten vom Schlage der Ost-Eibicr galt und unliebsames Aussehen erregt. Es,ist schon daran erinnert worden, daß er zu den schärfsten Gegnern 1 Vethmann-Hollwcgs gehörte, gegen den er 1916 eine Geheimbroschüre schrieb und dem er s. Zt eme Du.il- forderung zugehen ließ. Man sagt Kapp Intellekt und Energie nach, aber politisch ist er einer der schlimmsten Kaiastrophenpolitiker des letzten Jahr­zehnts, nebenbei bemerkt auch einer der Gründer der Vaterlandspartei. Durch diesen Mann ist dw ganze Bewegung aufs ärgste bloßgestellt. Auch> die Mmrner I seiner Umgebung sind Alldeutsche schärfster Richtung, j Reaktionäre von reinstem Wasser. Zu seinen Mitar- I beitem gehört auch der frühere Unterftaatssekretar von Falk en Haus en, der unter Herrn v. Schorlemer im preußischen Landwirtschaftsministerium beschäftigt war und zu dec Zeit, als man noch von einer Annexion des Baltenlandes träumte, der Verweser der von deut­schen Truppen besetzten Grenzländer war. Auch Gene- i rat Ludendorfs und Oberst Bauer haben rege Beziehungen zu Kapp. Es soll ferner beabsichtigt sein, Öen früheren Polizeipräsidenten von Berlin, von I a g o w, zum Minister des Innem zu machen, einen Vertreter des altpreußifchen Gewaltmenfchtums, dessen Name auf die Massen wie das rote Tuch wirkt. Dazu Leute wie Dr. T r a u b, der wandlungsfähige Politiker und S ch i e l e-Naumbmg, der bekannte konfervatioe Wirffchaftspolitiker. Daß dazu ein Dr. Dredereck von ausschlaggebender Rolle, als Pressechef, wieder zur pofitifdien Geltung kommt, gehört zum Ganzen. Gegen Bredereck wurde im Jahre 1912, nachdem | er vorher bei den Reichstagswahlen im Wahlkreise Oberbarnim Äs konservativer Kandidat durchgefÄlen war, eine Sttafoerfolgung wegen Unterschlagung von j Mündelgeldern eingeleitet. Er hatte sich an den ihm I anvertrauten Geldern vergriffen, weil er für Renn­wetten und für weiblichen Verkehr einen außerordent­lich großen Aufwand getrieben hatte. Der Verhaftung entzog er sich durch die Flucht nach Südamerika. Der Krieg brachte ihn nach Deutschland zurück, wo er zu- 1 nächst unter falschem Nomen austauchte. Jetzt darf | er wieder eine öffentliche Rolle spielen, als einer der I Intimen um Kapp.

Die Gegenrevolution und unsere ausländischen Beziehungen.

Durch die untere Erschütterung wird selbstverständ- I sich die Stellung Deutschlands zu den anderen Mäch- I ten schwer erschüttert, und das gerade in einem Augen­blick, wo sich eine Besserung in der hochpolitischen I Lage anbahnte. Die vernünftigeren Elemente im Auslande werden einen schwereren Stand haben ge- I genüber den unerbittlichen Verfolgern und Quälern Deutschlands, die nun den Umschwung m Berkin als I Wiedererwachen des alten „Militarismus" deuten und statt der angeregten Milderungen neue „Sicherungen gegen das gefährliche Deutschland" verlangen werden. I Das wirtschaftspolitische Manifest der Entente ist zwar I reichlich verklausuliert und unbestimmt ausgefallen, aber es eröffnete uns doch eine gewisse Aussicht auf Bezug von Rohstoffen und Lebensmitteln, und die Hoffnung auf die wirtfchaflliche Genefung Deutsch-

gelassen worden und haben eine Erklärung ver­öffentlichen können, mit dem selbstverständlichen Jn- HÄt, daß sie, nur der Bolksvertretung verantworllrch, : «ach wie vor die gesetzliche Regierrmg Preußens find, auch wenn sie durch militärische Gewaltakte an der I Ausübung ihres Amtes verhindert werden.

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„Nein, nein, laß nur. Ich werte eS selbst befot. I gen. Sa — siehst Du — ich schlinge eS einfach m einen Knoten — bis morgen früh hält c* schon. Gute Nacht- I du liebe Gute! Und vergib mir, daß ich mich so lange I gequält habe."

Sie umarmte Edelgard und küßte sie zärtlich. Dann I schlüpfte fie in ihr Schlafzimmer und zog die Portiere I zu, nattoem sie der Freundin noch eine Kußhand zuge­worfen.

Sie ahnte ja nicht, welch bitteren Schmerz das Herz I Edelgards zerriß. Ihre junge Seele war von den Ein- | drücken des Abends ganz erfüllt und die Worte, welche ! Harald v. Fredersdorff zu ihr gesprochen, klangen noch immer in ihrem Herzen wider. Sie sah sein Bild, fein I edl«?, blasses, männliches Antlitz deutlich vor sich — I — und ihre Wangen glühten heiß, wenn sie an die I Blicke seiner dunklen Augen dachte.

Einen solchen tiefen Eindruck hatte noch kein Mann I ■ auf ihr Empfinden ausgeübt. Die jungen Leutnants, Referendare oder Söhne reicher Handelsherren, die sie t-isber lernten gelernt, waren ihr gleichgültig geblis- ben; sie hatte mit ihnen gelacht und gescherzt, Tennis gespielt und getanzt, kurz, mit ihnen verkehrt wie mit lustigen Kameraden. Aber dieser erste Mann, übet bessern Wesen ein Hauch von Melancholie schwebte, be. schäftigte ihre Pbantasie und ihr Herz in gleichem Maße

Deshalb bemerkte sie auS die tiefe seelische Erre- ' gung ter Freundin nicht, welche diese bei Nennung des Namens Fredersdorfs durchbebie.

Edelgard war, nachdem Els« sich entfernt, in den Sesiel niedergesunken und hatte aufschluchzend ihr Ge­sicht in die Hände vergraben.

Langsam sanken nach einer Weile die Hände von dem blassen Gesichte nieder; ziellos starrten ihr« gro­ßen, brennenden Augen in die Ferne, und feffeLo» schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit zurück.

Aber dann durchbebten sie wieder di« Schauer der Gegenwatt und ter geheimnisvollen Zukunft.

Was sollte fte nun beginnen?

Sollte fie Elfe erzählen, wer dieser Mcmn war der sich ihr in ganz bestimmter Absicht genähert zu habens schien? Dann würde Else sicherlich den Mann zurück, weisen, denn niemals — das wußte Edelgard be­stimmt — »ürte daS junge WÄche« SreberSborff ben

lernte war sichtlich gestiegen auf den Emoruck der Er- tlärungen der Grünte und der Zunahme der deutschen Arbeitslust. Was nützt uns aber heute das Wrrt- fchaftsmarnfest! Cs wird auf dem Papier stehe» bleiben, denn heute gibt uns niemand etwas. Dazu kommt, daß Frankreich den Mlüarputfch benutzen wird, um die Entintegenoffen seinen Plaue» . gegen die Reichseinheit günstig zu stimmen. Das ist ja öas einzige Trachten ur.o Streben Frankreichs, Deutsch­land in Stücke zu zerreißen und ein möglichst großes Stück sich selbst einzuverleiben. England und Jtatien haben bisher diesen Plänen Widerstand geleistet. Werden sie es weiter tun können?

Der politische Generalstreik, die Folge der Berliner Gegenrevolution, mit seiner Lähmung jeder produkti- oen Tätigtet, der Zerstörung der volkswirtschaftlichen Arbeit, vernichtet amh das Vertrauen des neutralen Auslandes auf unsere Kreditfähigkeit. Die deutsche Valuta wird ms Bodenlose sinken. Und wie wenn es -mit dieser Wirkung noch nicht genug wäre, tut man in Berlin auch noch das Sinnloseste, was in diesem Augenblicke mögsich war. Als, so meldet die „Frkf. Ztg.", die Besserung der deutschen Valuta im Aus­land« zahlreiche Hamster von ausländischen De­visen in Deutschland zu schnellem Berkaus trieb, HÄte die Reichsbank erhebliche Vettäge davon aufkaufen können, als Reserve und als Mittel zu einer für Deutschland günstigen Kursregulierung. Jetzt hat - man am Samstag diese Reserven der Reichsbrmk Hals über Kops auf den Markt geworfen, bloß um der Ber­liner Bevölkerung die neue Entwertung der Mark, die infolge des Kappschen StaÄsstreiches eintrÄ, nicht so deutllch zum Bewußtsein kommen zu lassen. Die Re­serven, die uns hätten helfen können, sind auf diese I Weise wieder vertan. Und über das Schicksal der Mark । entscheidet jetzt wieder ohne deutsche Abwehrmittel das

Derautwottlich für den redattionellen Teil: Karl Schutte :: für die Anzeigen: I. Var zell er-Fulda .

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerel in Fulda- Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeitung

Hatte er nicht auch ihres Reichtums Wegen um fie j entdeckt hätte. Wäre Fredersdorfs bereits unter den gpiaor&en? 1 Hammer gekommen. Aber dieser Steinbruch hält mich

Die Berliner Arbeiter haben als aktives Kampf­mittel gegen die reaktionären Putschisten den Gene- r a l st r e i k auch fiir die lebenswichtigen Betriebe pro­klamiert. Die Organisationen der Eisenbahner | einschließlich der Eisenbahnbeamten haben ebenfalls zum Generalstreik aufgerufen. Der Eisenbahnverkehr ist bereits nahezu lahmgelegt. Auch in vielen Groh- I städten ist der Generalstreik ausgebrochen......

Es ist eine entsetzliche Schuld, die die Militär- I reoolle mit der Heraufbeschwörung des Generalstreiks aus sich geladen hat. Wenn alle Räder stillstehen, dann bricht das Vaterland zusammen. Sobald keine Kohle mehr gefördert wird, alle Arbeit ruht, das I ganze Verkehrs-- und Wirtschaftsleben lahmgelegt ist, dann hatten Hunger und Not ihren Einzug, dann fällt das Reich in Trümmer und für die Ruinen braucht man dann schließlich überhaupt keine Regierung mchr. Darum muß erreicht werden, daß möglichst bald über­all dort, wo der Aufforderung zum Generalstreik i Folge geleistet worden ist, möglichst sofort die A r b e i t j wieder ausgenommen wird und daß weitere i Streiks verhütirt werden, sonst haben wir schon in we­nigen Tagen strrchtbare Hungerrevolten.

Der Reichs,wehrkommandeur der Brigade 11 (Kas­sel) Generalleutnant von Stolzmann erläßt fol­gende Aufforderung zur sofortigen

Rückkehr zur Arbeit:

Reichswehri-Gnippen-Äommando 2 Kassel ist es ge­lungen, Fernsprech-Derbindrmg mit alter Regierung in Stuttgart am 15. März, nachmittags 3.15 Uhr herzustellen.

Die alte Regierung hat erklärt, daß der Aufruf zum Generalstreik von den fozialifttschen Mitgliedern ter Regierung nicht gekannt und nicht unterzeichnet (st.

Die alte Regierung wünscht fofortiges Aufhören aller Streiks. Sie fortert sofortige Rück­kehr zur Arbeit. Diese Aufforberung bitte ich sofott zu veröffenAchen.

Die preußische Volksvertretung.

* Berlin, 15. März. Der Präsident der preußischen Landesversammlung, Leinert, hat an alle Abgeordneten des Hauses ein Rund- schreiben gerichtet, in dem er die Auflösung der Landesversammlung durch die Regierung Kapp für null und nichtig erklärt. Die verfassunggebende LandeZver'ammlnng sei souverän und könne von niemanden aufgelöst werden. Sie allein oeftimme über Dauer und Inhalt ihrer Arbeiten und sie sei nur dem Volke verantwortlich; die Einberufung der nächsten Sitzung behält sich der Präsident vor.

Die preußische Regierung war durch die Derhastung sämtlicher Minister zunächst außer Mtion gesetzt. Die Minister sind wieder sre:-

Noch keine Entscheidung.

Man kann noch keinen Ueberblirf über die Sage -»innen, doch ist zu erkennen, daß die Gefahr immer •ZT brennend ist. Die Berliner Staatsstreichs I taten den Kampf noch nicht aufgegeben und was die I Sdjften Tage, die über die Zukunft Deutschlands ent- Wriden, uns bringen werden, ist noch oerborgen. M einiger Sicherheit kann man fteilich sagen, daß »ie Lage der neuen „Regierung" mit jeder Stunde hbwieriger wird. Die Aufforderung der Reichs- remerung, den Aufrührern keine Gefolgfchast zu lei- I ßai wird in Süd- und Westdeutschland, auch in Sach­te, ]md Schlesien befolgt (aus anderen Reichsteilen lie- Jen nähere Nachrichten nicht vor). Es fragt sich nur, wie viel Zeit nötig ist und wie viel Unheil inzwtschen «gerichtet sein wrb, ehe die Hochverräter die Folge- omgen aus der Loge ziehen und das Feld räumen.

Die Reichsregierung ist inzwischen nach Stuttgart übergesiedelt, wo sie ungestört die Maß- tegeln zur Erhaltung der Ordnung ergreifen kann, fie wird dort von morgen ab die Nationalversammlung I M Seite haben. Die Stellung der Parteien zu dem Umsturz hat sich nicht geändert. Auch die Rechts­parteien stellen sich nicht hinter Kapp. Die Koalitions­parteien, Zentrum, Demokraten und Mehrhettssozia- listen halten auch weiterhin treu zusammen. Zwischen ten Parteien der Mehrheitssozialdemokraten und der Unabhängigen werden Verhandlungen geführt mit dem Ziele einer Verständigung auf der Grundlage der De- nwtratie unter Ablehnung einer Diktatur des Pro­letariats.

Gerüchte wollten wissen, daß Verhandlungen Ml- I Hen der Kappschen „Regierung" und der Reichsregie- ttmg Verhandlungen schwebten. Die Kappsche Regie- nmg sei bereit zurückzutreten, wenn gewisse Bedingungen erfüllt würden, deren Hauptfach- lichsten sind: Baldige Reichstagswahlen, Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk, Ergänzung des Ka­binetts nach bestimmten Richtungen, Amnestie. Die Regierung läßt demgegenüber nachdrücklichst erklären, daß keinerlei Verhandlungen webten; ine Massen würden auch wohl kein Derständnis dafür haben, daß man mit Hochverrätern verhandeln wollte. Haben wir erst mal wieder Ruhe und Ordnung im Lande, ist das Staatswesen wieder gesichert, dann ist Zeit, Bestrebungen auf den Ausbau der Demokratie zu verfolgen. Es gibt dafür «nen verfafsungs- mäßigen Weg.

Keine Verhandlung

mit der Regierung Kapp.

Wtb Stuttgart, 16. März. (Tel.) Die ReichSregierung tritt allen Gerüchten, daß sie mit der „R e g i e r u n g" KappdurchMittelsmänner inVerhandlung gelteten fei, mit allem Rachdruck entgegen.

wtb Stuttgart, IS.März. (Tel.) DasReichskabinettlst gestern vormittag 4 Uhr in Anwesenheit deS Reichs­präsidenten Ebert, des Reichskanzlers Bauer sowie des Präsidenten Fehrenbach zu einer Sitzung zusammengetreten. Die verfassungsmäßige Reichs» tegierung fordert die bedingungslose Abdankung von Kapp und Genossen.

Die Nationalversammlung.

Stuttgart, 14. März. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Die württernbergische Regierung hat alle "Maßnahmen getroffen, um der Reichs­regierung und der Nationalversammlung