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47. Zahrg

Samstag, 13. ITIärz 1920

Nr. 61

ISE

Der Arbeit Lohn

über Mittelgröße, bat Schnurbart, das Gesicht tvcist jedoch einen etwas Er kann nicht glücklich

schien fremd in der Gesellschaft zu sein und wurde den Damen vom Leutnant v, Debenroth vorgestellt. Er ist auch nicht mehr gang jung, vielleicht Mitte der dreißi. ger Jahre, aber eine elegante, schlanke Erscheinung,

Das Urteil und seine Begründung sind so ausgefal­len. wie man nach den Reden der Staatsanwälte vor­aussehen konnte. Es ist keine leichte Aufgabe, auf Grund der über die Prozeßverhandlmrgen veroffemlich- ten Berichte die Entscheidung des Gerichts ihrem wah­ren Wert nach zu beurteilen. Wer sich ein klares Ur.cil über das, was sich in diesem Prozeß als Tatbestand ergeben bat, bilden will, der muß, um M einer ge­rechten Würdigung der ganzen Angelegenheit zu kom­men, sich zunächst einmal vergegenwärtigen, welch eme maßlose Hetze seit Jahr und Tag gegen Erzberger be­trieben ist, dir muß sich vor allem davor hüten, unter dem' Eindruck der überaus scharfen Kampfeswetse Helfferichs, der geflissentlich und mit greller Beleuch- lung alles, was zu Ungunsten Erzbergers spacht, m dem Prozeß vargebracht hat, um zu eurer Entscheidung zu kommen. Wohl hat Helsferich einzelne Falle vor­gebracht, in denen der Schein einer unzulässigen Ver­quickung von Politik und Geschäft erweckt worden ist. Für die Beurteilung der Angelegenheit im ganzen ge­nommen müsien aber nach unserer Auffassung nicht nur rechtliche Gesichtspunkte zur Geltung kommen, fon* dern auch menschliche; vor allem wird man sich an die Frage zu halten haben, aus welchen Beweg­gründen heraus der Abg. Erzberger in jedem der einzelnen Fälle gehandelt hat.

Die Gegner des Abg. Erzberger mögen sich auf den rein rechtlichen Standpunkt stellen. Don feinen Partei­freunden dürfen sie nicht erwarten, daß sie es sich an der Feststellung des Gerichts genügen lasten, eines Ge­richts, das nach dem ganzen Eindruck der Verhandlun­gen und der Gerichtsreden sich ganz offensichtlich unter dem Einfluß der durch die maßlose Hetze vergifteten öffentlichen Meinung befunden hat. Wir als Partei­freunde sind es uns und dem Abg. Erzberger schuldig, daß wir der ganzen Angelegenheit tiefer auf den Grund gehen. Und da kann es gar keinem Zweifel unter­liegen, daß der Vorwmf des Eigennutzes den Abg. Erz­berger nicht treffen kann. Er hat in den einzelnen Fällen gehandelt in Erfüllung feiner steten Hilfs­bereitschaft und seiner Vertrauensselig­keit. Es wäre gewiß richtiger gewesen, wenn Erz­berger, bevor er seinem menschenfreundlichen Empfin­den nachgab, iorgfältiger geprüft hätte, und seine Entschlüsse von einet genauen Abwägung des Sachverhalts abhängig gemacht hätte. Denn ein Mann, der wie der Abg. Erzberger im Brennpunkt des öffent­lichen Lebens stand, muß mehr als jeder andere Mensch sein ganzes Tun und Lasten sorgfältig abwägen. Daß er das nicht getan hat, ist allerdings ein Vorwurf, der ihn zu Recht trifft. Freilich, einem Mann, der, wie Erz- berget so außerordentlich von allen Seiten in Anspruch genommen ist, der mit Dienstpflichten aller Art über­lastet war wie kein anderer, dem ist es schließlich nach- zusühleu, wenn er in kleineren Dingen nicht die sonst

Umsturz von rechts? • | . Außerordentliches Aufsehen erregende Meldungen I fogunen aus Berlin. In Verbindung mit Bestrebungen [ einzelner rechtsstehender Kreise gegen die Verfastung I gl die Schutzhaft verhängt worden über den General- | landschaftsdirektor Kapp, den Hauptmann a. D. | »ob st, den Schriftsteller Friedrich G r a b ow s k i f (früheren Pressechef der Gardekavallerte-Schützendivi- | (fon) und den Schriftsteller Schnitzler. Doch hat bis- \ her nur der Letzte verhaftet werden können. Grabowski f ist erkrankl, und die beiden anderen sind flüchtig. Be- | gründet wird die Schutzhaft damit, daß bie genannten r Persönlichkeiten ein verfassungswidriges Unterneh - i inen gegen die Regierung zu planen schienen. kMch Ansicht der maßgebenden Faktoren war die Ge- i [amllage so, daß ein Zu greifen unbedingt am Platz r erschien.

Halbamtlich wird dazu noch mitgeteilt: In Berlin i hat seit einiger Zeit das Treiben einer rechtsradi­kalen K l i q u e eingesetzt, deren Bestrebungen auf gesetz- und verfassungswidrigen U m st u r z hinauslau­fen und die versucht haben, auch militärische -stellen für ihren Plan zu gewinnen. Es ist fest­zustellen, daß die in Opposition gegen die Reichsregie- i mng stehenden Rechtsparteien der Nationalver- : sammlung und der preußischen Landesversammlung dieser Sache f e r n st e h e n. Selbst weite Kreise der * Monservativen Richtung lehnen die Tollköpferei dieser ' Kligue ab. Immerhin ist gegen eine derartige, mit „«tionalistischen Schlagworten arbeitende Gruppe be- l sondere Vorsicht am Platze. Die Regierung wird diese Vorsicht walten lasten und mit besonders scharfen Mitteln gegen die Drahtzieher vor­gehen. Daher hat sie auch gegen eine Anzahl be­kannter Persönlichkeiten die Schutzhaft verhängt.

liebet die obengenannten Persönlichkeiten sei folgen­des bemerkt: Der Hauptmann Pabst v. Ohain war nach der Revolution der Führer der Gardekavallerie- Schützendivision. Er war damals der Organisator der Kämpfe gegen die Spartakisten. Im vorigen Früh­jahr ist er aus dem Heeresdienste ausgeschieden. Der General-Landschaftsdirektor Dr. Kapp wurde feiner« zell als Führet derjenigen Bewegung bekannt, die auf den Sturz Bethmann-Hollwegs als Kanzler hinarbei- tete. Er hatte im Kriege eine geheime Denkschrift ver­faßt, welche diesen Kanzlersturz vorbereitete und wegen der der Kanzler den General-Landschaftsdirektor in

öffentlichen Reichstagssitzung einen Piraten der öffentlichen Meinung nannte. Im Verlauf dieser Kämpfe, die Kapp noch in seiner Amtsstellung gegen Ml Regierung des Herrn v. Bethmann-Hollweg und gegen diesen selbst führte, schied er dann von seinem Posten. Er ist später wieder gewählt und von dem Kanzler Michaelis in seinem Amte bestätigt worden. Kapp gehörte im Jahre 1918 auf Grund einer Ersatz­wahl dem Reichstage an. Dr. Fritz Grabowski (nicht zu verwechseln mit dem Herausgeber des „Reuen Deutschland", Dr. Rudolf Grabowski) war früher Pressechef bet der Gardekavallerieschützendivision, zu besten Stab auch Hauptmann v. Pabst gehörte. Der in Schutzhaft befindliche Schriftsteller S ch n i tz l e r ge­hörte der Pressestelle des Korps Lüttwitz an.

Es liegen noch folgende Meldungen vor:

Berlln, 12. März. Die Verschwörung ist auch in Teile dec Reichswehr hineingetc-igen worden, insbelonders in die in Döberitz liegenden Baltikum- Truppen und die Marinebrigade Ehr­st a r d. Auch mit Truppenverbänden in der Provinz ist Fühlung gesucht worden. Das Ziel der ganzen

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dunkles Haar und dunklen ist von männlicher Schönheit melancholischen Ausdruck auf­sein, Edelgard. In seinem

gcnd auf die Truppen in Döberitz einzuwirken. Es scheint eine gewisse Entspannung eingetresen zu sein, aber der Admiral betonte, daß die Lage von Stunde zu Stunde sich verschieben Kinne.

Der Zugang zum Regierungsviertel ist durch starke Postenketten gesichert. In den verschiedenen Gebäuden liegen große Abteilungen der Reichswehr und Sicher- heitstvehr. Besonders starr ist der Schuh der Reichs- bnirfem. Die zu ihr führenden Seitenstraßen waren ebensalls durch starke Posten gesichert. Gegen Mitter­nacht wurden die Absperrkommando wesentlich verstärkt. Tie Ruhe lvar aber bis Mitternacht völlig u n g e- st ö r t.

wlb Berlin, 13. März. (Tel.) Wie wir hören, hat General von Oldershausen im Lause der Nacht mit der Marine-Brigade Ehrhard verhandelt. Die von der Maritw-Brigade gestellten Forderungen wurden in der Nacht vom Kabinett, das bis gegen den frühen Morgen tagte, beraten. Die Forderungen wurdet! abgelehnt. Die Truppen find in Berlin e i n g e r ü ck t und hatten um 6 Uhr früh die Wil- Helmstraße besetzt. Zu Gewalttätigkeiten scheint es bis­her nicht gekommen zu fein. Die, sozialdemokratische Partei proklamierte den Generalstreik.

w $ranffiirt a. 2IL, 13. März. Wie die Frank­furter Nachrichten hören, hat die Reichsregie- rung Berlin verlassen. General von Lütt- w i tz hat das Amt eines O b e r k o m m a n d a n t e n übernommen.

*

Die Bedeutung der Putschversuche kann aus den vorliegenden Meldungen noch nicht voll erkannt wer­den. Es wäre ein Verhängnis, wenn das wahnsinnige Unternehmen nicht sofort unterdrückt werden könnte. Das deutsche Volk lehnt es ab, zum Spielball von Po­litikern gemacht zu werden, die des Glaubens find, einen jähen Umsturz wagen zu dürfen. Langsam und ganz allmählich gehen wir, wie es scheint, ruhigeren und vielleicht auch wirtschaftlich besseren Zeiten ent­gegen. Jeder gewaltsame Umschwung, fei es nach ganz links, sei es nach rechts, muß ins Verderben führen. Nur das Leben in der Verfassung vermag das deutsche Volk zu retten, denn nur die Stetigkeit einer verfas­sungsmäßigen Politik schafft die Gewähr für Ruhe, Ordnung und Arbeit, deren wir ebenso wie des täg­lichen Brotes bedürfen. Bruderblut ist in den ersten Kämpfen nach der Revolution wahrlich genug geflos­sen. Wer es auch unternimmt, neue Leben vor die Mündungen von Geschützen und Maschinengewehren zu fordern, lüde eine Verantwortung auf sich, die nie­mand tragen kann, der es mit dem deutschen Volke ertzst meint._________________ __

Rücktritt Erzbergers.

Reichsfinanzminister Erzberger hat fein Ab­schiedsgesuch eingereicht, dem vom Reichspräsi­denten stattgegeben werden dürfte. Heber die Frage der Beibehaltung feines Mandats für die Natio­nalversammlung wird Erzberger fick mit seinen württembergischen Parteifreunden besprechen und diesen die Enscheidung überlassen. Für die Nach­folge Erzbergers auf dem Finanzministerposten soll eine hervorragende P rrsönlichkeit des deutschen Wirtschaftslebens in Betracht kommen.

Das Urteil im Erzverger-Prozetz.

Das Urteil im Prozeß Erzberger gegen Helfferich lautet:

Der Angeklagte, Staatssekretär a. D. D. Helf­ferich wird wegen formaler Beleidigung aus den §§ 185=186 des Strafgesetzbuches im einheit­lichen Zusammentreffen aus § 186 des Strafgesetz­

es —

- In dem unteren Stock bet Villa erklangen ©tim. ’nen. Eine Tür fiel ins Schloß — dann herrschte eine Weile tiefe Stille. Jetzt huschte es leicht und leise die Treppe hinauf, ein flüchtiges Pochen an Edelgards ' Z’mmcrtür, die rasch geöffnet wurde, und Else trat «n, um die schlanke Gestalt noch den pelzbesetzten Abendmantel geschlungen.

»Da bin ich wieder, Edelgard," sagte sie mit glück, strahlendem Gesicht, danke ich Dir, daß Du auf vnch gewartet hast."

»Ich mußte doch noch von Deinen Triumphen auf dem ersten Ball hören," entgegnete das junge Mädchen vnt freundlichem Lächeln.

Da ließ Else den Mantel zur Erde gleiten, eilte tn (Selgard und umarmte die Freundin stürmisch.

»Es war himmlisch schön, Edelgard," flüsterte sie. »Ich habe mich herrlich unterhalten und soviel getane bis ich nicht mehr konnte. Keinen einzigen Tanz habe ich Egcseht!"

■ »Das glaube ich wohl. Du siehft ja feenhaft schön eu§ in Deinem Ballkleid — dazu die glühenden Wan- - Ben und die leuchtenden Augen! Die Herren müßten ja ein Herz von Stein haben, wenn sie Dir nicht ge­huldigt hätten."

„Ach die Herren! Ja, ich habe einige recht inter. esiante Bekanntschaften gemacht — der Legat-onssekre- fär b. Uechtritz erzählte sehr viel von seinen Reisen in : Brasilien und Leutnant v. Bcbenroth tanzte einen aus­gezeichneten Walzer. Aber einer hat mir ganz beson. krs gefallen ... r

£- »Sieh, sieh! Hat das Herz schon Feuer gegangen?

Eine dunkle Mut flammte in Elses Wangen auf.

ȣ), so weit ist es doch noch nicht, meine gute Edel- Sard"

H „Nun komm, meine liebe Else, und zieh Dich an».

-- SRorgcn erzählst Du mir mehr."

Else schlüpfte in das Schlafzimmer, kam aber noch einmal zurück, nachdem sie das Ballkleid mit einem bo- guemen, warmen Mvrgenkleide vertauscht hatte.

»Ich kann noch nicht schlafen —"

V »So setze Dich da in den Sessel vor dem Toiletten- ’piegcl. Ich will die Perlen und die Spangen aus Deinem Haar nehmen und Deine Haare abstccken."

ganzen Wesen lag eine gewisse Müdigkeit, die auf trübe Erfahrungen schließen läßt. Nur bei der Unter­haltung wurde er lebhafter und bann leuchteten seine dunklen Augen auf . .

Edelgard lachte belustigt.

„Du beschreibst ihn ja so deutlich, daß ich ihn vor mir zu sehen glaube. Ist er Offizier?"

„Er trug Zivil, ivurde aber als Rittmeister Frhr. v. Fredersdorfs vorgcstellt."

Es war, als umkrampfe eine eisige Hand das Herz Edelgards, besten Pulsschlag zu stacken drohte, so daß jeder Blutstropfen aus ihren Wangen wich.

Sie mußte sich an der Lehne des Sessels halten, um nicht in die Knie zu sinken. Sie rang nach Atem. Fest preßte fie die Lippen aufeinander, um nicht laut aufzuschluchzen.

Das in dem Zimmer herrschende Dämmerlicht Vev- barg ihre ErregikNg und Else war auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als daß sie auf ihre Freundin acht gegeben hätte.

„Er tanzte nicht viel," fuhr das junge Mädchen fort. »Aber mich forderte er dgch mehrere Mal auf. Ich scheine ihm gefallen zu haben. Er unterhielt sich sehr lebhaft mit mir, erzählte mir von seiner Mutter und seinen Schwestern und brachte mir im Kotillon das erste Bukett. Er hat sich auch Papa und Tante vor. stellen lasten und um die Erlaubnis gebeten, uns seinen Besuch machen zu dürfen, da er einige Monate in Ber. lin bleiben will. Findest du das nicht nett von ihm,"

„Getviß — sehr aufmerksam ..."

Ueberrascht durch den seltsam schluchzenden Ton in Edelgards Stimme blickte Else auf.

Dann sprang sie rasch empor.

„Was ist dir, Edelgard? Du bist ja totenblaß! O, ich selbstsüchtiges Geschöpf! Ich denke nur an mich und schwatze in einem fort, Ohne zu bedenken, daß du tod­müde feilt mußt. Verzeihe mir, Edelgard. Wir wol­len uns auch gleich niederlegen."

.Laß mich erst Dein Haar fertig machen." (F. f.)

buches zu einer Geldstrafe von 300 M, eventuell im Nichteinbringungsfalle zu 30 Tagen Gefängnis ver­urteilt.

Dem Nebenkläger, Reichsminister Erzberger, wird die Publikationsbefugnis des Urteils an der Spitze einer Nummer der Kreuzzeitung, sowie die Un­brauchbarmachung der Druckschriften, besonders der Broschüre „Fort mit Erzberger" zugesprochen.

In allen Punkten, ausgenommen dem der Rechts­beugung, erkennt der Gerichtshof den W a h r h e i ts- beweis des 2lngetlagten für erbracht.

Die Urteilsbegründung.

In der Urteilsbegründung, die der Vorsitzende ver­las, heißt es:

Tas Gericht hält sich bei seiner Entscheidung streng an die Sache, es urteilt nicht über Regierungsformen. Regierungsmaßnahmen, Parteien. Es befaßt sich nur mit der dem Angeklagten vorgeworfenen Straftat und mit der vom Angeklagten vorgebrachten Verteidigung. Die Tatsachen-Beleidigung läßt sich in vier Gruppen ordnen. Der Angeklagte Ivirft dem Nebenkläger vor, 1. die Vermischung politischer Tätigkeit und eigener Geldinteressen (Geschäftspolitik), 2. UnwahrhaftrAeit 3. Unanständigkeit, 4. politische Tätigkeit zum Nachteil Deutschlands.

Der Angeklagte hat für seine Behauptungen den Wahrheitsbeweis angetreten. Das Gericht hatte also die Berechtigung, feine gegen den Nebenkläger erhobe­nen Vorwürfe zu prüfen.

Der Wahrheitsbeweis ist im to c ] e n 11 chen gelungen.

' Von dem Charakter des Nebenkläger- l>at das (Bericht in der sisbenwöchigen Verhandlung folgendes Bild gewonnen: Erzberger ist ein Kann von zweifelloser Begabung, - von vorbildlichem Fleiß bewun. dernswertem MdächtniS, großer Tatkraft und außer- ordentlicher Rührigkeit, aber andererseits von einem bedauerlichen Mangel an Urteilskraft und einer großen Ungenauigkeit in allen Dingen

Weiter lvird in der Begründung auSgefuhrt: Die Fälle Tbvsten, Berger, Anhydrit und Hapag rechtfertig, ten die Bezeichnuna des Nebenklägers als polit.-par.am. Geschäftemacher. DicS seien nicht einzelne Vorgänge, sondern Erscheinungsformen deS Charakters. Im yaüe Pöblau hab- der Nebenkläger seine früheren eidlichen Aussagen später uneidlick Lugen gestraft Falle politischer Lügen seien mehrere Unwahrhaftigkelten dar. getan und daß es sich bei diesen Unwahrhaftigkeiten nicht um vereinzelte Fälle handelt, sondern um be AuSflfoß innerer Unwahrhaftig-ert, werde durck va-> Verhalten des Nebenklägers beitätigt. In einigen we- nigen Fällen sei der Wahrheitsbeweis nicht erbracht. Auch soweit er erbracht sei. bleibe der?lngek!agte straf­bar Es sei erwiesen, daß der Angeklagte r le Abncht hatte, den Nebenkläger zu beleidigen. Die Swaflosttz^. - feit wegen Wahrung berechtigter Jnterepen sei Dem Angeklagten nickt zuzilsprechen. Strafbare Handluu gen enthalten folgende Aeußerungen: „Der Kreb-,. fckaden Erzberger", „Der Mann mit der retmm ©tmi - ex» svreche ihm öffentlich meine Achümg ab , „wrz- berger ist zu feige", „Er biütft Schaden Den sch- . lands den Ministerstuhl". Ehrennotwehr konnte/,^ Gericht in keinem Falle annehmen. Ber der StrMu. Messung sei namentlich zu beachten, daß der Angeklagte aus vaterländischen Beweggründen gehandelt, wem» auch der Haß ihm die Feder geführt habe. .

Die Kosten des Prozesses, die der Angeklagt?

-u tragen bat, werden auf über 100 O00 Mar» geschätzt. Als Selfferick den Gerichts,aal verließ, überreichte ihm eine Dame mit einer Ansprache einen Blumenstrauß. Vor dem Hauptportal des Gerichtsgebäudes ertönte aus der dort angesammel- ten Menge von einigen hundert Personen Hochruse.

Bewegung war der Sturz der g e g c u w ä r - j tigenRegierung. Man erklärte den Leichtglsiu- । lügen, sie müßten dafür sorgen, daß bestimmte Mi­nisterien mit Fachleuten besetzt würden, , wenn fie ihre materielle Lage verbessern wollten, und hat die Leute schließlich für den Plan gewonnen, die Regierungsämter gewaltsam zu besetzen. Wieweit die Bewegung bereits um sich gegriffen hat, ist noch nicht zu übersehen; in der Hauptsache scheint sie sich auf die Reichswehr in Berlin und auch auf Teile der Ber­liner Sicherheitswehr erstreckt zu haben. Der größte Teil der höheren Offiziere steht hinter der verfassungsmäßig eingesetzten Regierung. Ein anderer Teil der Reichswehroffiziere dagegen scheint mit den Verschwörern gemeinsame Sache gemacht zu haben. General v. L ü 11 w i tz, der in den 5a= nuartagen und Märztagen des vorigen Jahres die junge Republik in den Berliner Straßenkämpfen mit Erfolg verteidigt hat, hat sich von der Regierung g e - trennt. Bei einer Aussprache beim Reichspräsiden­ten hat er ein so heftiges Urteil über gewisse Maßnah­men der gegenwärtigen Regierung gefällt, daß ein wei­teres vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit ihm aus­geschlossen war. Er hat daraufhin seine sofortige Ent­lassung erhalten. Auch andere Offiziere sind be­reits verabschiedet. Der Plan, der seit längerer Zeit insgeheim vorbereitet war, ging dahin, die Döberitzer Garnison zu alarmieren und diese Truppen zur Be­setzung der Regierungsgebäude nach Berlin mar­schieren zu lassen. Die Verschwörer hofften, daß sich ein Teil der in Berlin liegenden Truppen sowie die Sicherheitswehr ihnen anschließen würden; sie rech­neten vor allem darauf, daß die Berliner Garnison bei der Abwehr von der Waffe nicht Gebrauch machen und ihnen dadurch ihr Vorhaben erleichtern werde. Der Reichswehrmimster hat den Befehl ergehen lassen, mit Gewalt jede Annäherung an Berlin zu verhindern und die dem Ausbau der Republik feindliche Organisation monarchistischer Elemente zu zerschlagen.

* Berlin, 12. März. Der Regierung liegt vor allem daran, zu vermeiden, daß eine Besetzung Berlins durch die aufrührerischen Truppen zustande kommt. Das Reichswehrministerium hat sogleich dem Chef der Hee- resabteilung Preußen mitgeteilt, daß im Falle von Zu­sammenstößen unbedingt Waffengewalt angewendet werden muß. Andererseits wird vorn Reichswehrmini­ster die Schwierigkeit nicht verkannt, die darin besteht, daß die Reichswehrtruppen sich unter Umständen nur sehr schwer entschließen werden, auf frühere Kameraden zu schießen. General v. Lüttwitz steht dieser neuen Bewegung nicht fern.

Berlin, 12. März. Berlin ist vol 1 ko inmen ruhig. Von unterrichteter Seite wird über die Ge­samtlage Folgendes mitgeteilt: Der Putsch loar an­geblich bereits für den vergangenen Samstag geplant. Da eine Einigung über den Termin unter den Führern der Bewegung nicht erreicht werden konnte, nimmt man cm unterrichteter Stelle an, daß der beabsichtigte Staatsstreich erst in etwa 8 bis 14 Tagen stattfinden sollte. Durch das Eingreifen der Regierung ist eine lixiferc Entwicklung der Bewegung verhindert worden.

W Berlin, 13. März. Etwa 8 00 0 Mann g e. genrevolutionäre Truppen, die fick um die beiden Brigaden Ehrhard und Löwcnfeld gruppieren, sind in der Nähe von Döberitz konzen­triert und sollen die Absicht haben, in der Nacht gegen Berlin vorznmarschieren unL die Regie­rung in ihre Hand zu bringen. Im Auftrage der Re. gierung führ Admiral v. Trotha nach Döberitz, um die Gegenrevolutionäre von ihrem politisch w a h n. witzigen Staatsstreich abzuhaltcn. Der Admiral kehrte in den ersten Nachtstunden nach Berlin zurück, nachdem er den Versuch gemacht hatte, beruhi-

^Ach, wenn Du das wolltest! Ich habe cs so sehr gern, wenn Du mir das Haar kämmst. Das Kammer­mädchen habe ich zu Bett geschickt . . .'

„Komm nur, Eischen, setze Dich; zwischendurch er­zählst Du mir von Deiner interessanten Bekanntschaft."

Else nahm in dem Sessel Platz und zog den wei. chen, mantelartigen Rock fester um ihre schlanke Ge­stalt. lieber dem Toilettentisch brannten zwei elektrische Flammen in rötlichen Glasbirnen und übergossen das junge Mädchen mit rosigem Schein. Ans dem großen Spiegel blickte Else ihr Bild entgegen, während das Zimmer sonst in rötliche Dämmerung gehüllt lvar.

Edelgard löste die Flechten und Locken von Elses Haar, das in schweren, bim,den Wellen übet ihre Schul­tern niederwallte. Dieses hellblonde, eigenartig schim­mernde Haar, fein und weich wie Seide, war die größte Schönheit des jungen Mädchens, und Edelgard liebte es, diese weiche Haarflut ducch die Hände gleiten zu lassen.

Auch jetzt beeilte sie sich nicht, das Haar wieder auf- zustecken, sondern fuhr sanft und zart mit dem Kamm durch da? leise knisternde Haar.

Nachdenklich blickte Else auf ihr Spiegelbild.

„Glaubst Du, Edelgard," sagte sie nach einer Weile, „daß mich ein Mann lieb haben kann?"

„Gewiß, Du kleine Zweiflerin," antwortete Edel, gard lächelnd. „Wenn ick ein Mann wäre, würde ich mich schon um Deines herrlichen Haares willen sterblich in Dich verlieben."

„Ach, Edelgard — ich denke oft, daß es gar keine wahre Liebe mehr auf der Weit gibt! Denn sonst müßtest Du längs’ glücklich verheiratet sein. Du bist ja hundertmal schöner, bester und klüger als ich."

Edelgards Gesicht nahm einen ernsten, traurigen Ausdruck an.

»Laß uns nicht von mit sprechen, Eischen", erwiderte sie leise. „Du weißt ja, daß ich einmal verlobt gewe­sen bin."

„$a _ und daß Dich Dein Verlobter verlassen hat, als Du arm geworden warst! O, wie abscheulich! Da hast mir nie den Namen jenes jungen Mannes ge. nannt. . ."

„Er tut auch nichts zur Sache. Elfe. Der Mann konnte wohl nicht anders handeln. Ich habe ihm längst ' verziehen. Erzähle mir lieber von den neuen Bekannt­schaften, welche Du gemacht hast."

„Eigentlich ist nur eine Bekanntschaft der Rede wert. Mir fiel der betreffende Herr gleich auf. Er