47. Zahrg
Donnerstag, 1L IHörz 1920
Nr. 59
Der Arbeit Lohn.
Edelgard in der zuvor- großen Dienst erweisen, „wenn Sic sich meines
einem reichen Handelsherrn.
Er empfing Lynden und kommendsten Weise,
„Sie würden mir einen
loren gegangen war, tarnen einige auf den Gedanken, durch Sagen aus Wild neue DerdienstmSglichkeiten zu erwerben. Besondere Vorliebe erfreute sich ein kleines Dorf Wernitz (Kreis Osthavelland) in der Mark. Die Wilddiebe kamen im Auto, hielten an verschiede- neu Stellen Kesseljagden ab und verschwanden wieder mit ihrem Wagen, wenn sie mehrere Hasen erbeutet hatten. Ms sich diese Besuche zu einer Gewohnheit entwickellen, organisierten sich die Dauern zu einer Waldwache. Niemand wußte, daß es sich um Ausländer handelte. Am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, erschien wieder das Auto. Es stiegen mehrere Insassen aus, die zwischen Wustermark imd Wernitz wieder ihre Treibjagden veranstalteten. Die Wernitzer Ein- wohnerwehr konnte nicht eingreisen, da sie in einem benachbarten Orte zu einem Begräbnis war. Bereits am Montag kamen die Wilddiebe wieder und begannen unbekümmert ihre Ireibjagben. Einige Minuten später war die Einwohnerwehr zur Stelle. Trotzdem ließen sich die Jäger in keiner Weise stören. Sie wurden aufgefordert, sich zu ergeben. Bier leisteten dieser Aufforderung Folge, die übrigen vier versuchten zu entfliehen. Die Flüchtlinge wurden mehrmals aufgefordert, stehen zu bleiben. Von den Verfolgern wur- den, als die Aufforderung nutzlos blieb, Schreckschüsse abgegeben, die von den Fliehenden mit Gewehrfeuer beantwortet wurden. Zwei der Wilddiebe ergaben sich, ein dritter blieb verwundet liegen und der letzte, entkam. Der Verwundete wurde sofort zu einem Arzt nach Wustermark gebracht, der indesien nur noch den eingetretenen Tod feststellen konnte.
I Gestern mittag erschien in Wernitz eine französische Kommission in Zivil, um die Leiche des erschaffenen Franzosen abzuholen. Es wurde erklärt, doß der Tote vorläufig nach dem Berliner Schauhouse gebracht werden soll? Da jedoch eine behördliche Erlaubnis zur Ueberführnng der Leiche nicht vorlag, wurde die Amts- stelle telephonisch benachrichtigt und der Transport wurde vorläufig nicht gestattet. Nachmittag- traf em Vertreter der Staatsanwaltschaft aus Bersin m Wernitz ein, um weitere Erhebungen anzustellen. D.pl^ matische Schritte sind in dieser Angelegenheit noch nicht erfolgt. Das deutsche Auswärtige Amt wird
I aber bei der Wiedergutmachungskommission Borste.- I lungen erheben gegen das Betragen der französischen I Truppen und wegen der Mißachtung der deutschen I Gesetze.
halten, einen durchaus vornehmen Eindruck machte. Die innere Einrichtung war dem Reichtum der öebeiiru rats angemessen. Doch merkte man ihr an, daß der Besitzer der Villa ein feingebildeter Kunstkenner war, denn Bilder und Statuen erster Künstler füllten die Salons. Vielleicht übertrieb er sogar diese Kunst, schwärmerei etwas; er war wenigstens sehr stolz auf seine Kunstschätze und pflegte sie jedem Besucher geflissentlich zu zeigen.
Im übrigen war er ein sehr unterrichteter Mann, bei auch als Politiker eine Rolle spielte. Er war Mitglied des Reichstags und des preußischen Abgeordntcn. Hauses fast in allen Kommissionen, welche Handels, politische und soziale Angelegenheiten behandelten, war er Sprecher seiner Partei, wenn diese Angelegen» heiten im Plenum zur Sprache kamen, und wurde ost von der Regierung zu gutachtlichen Aeuherurrgen auf. gefordert.
Mit seiner hohen, hageren Gestalt, dem glattrasierten, scharfgeschnittenen Gesicht, besten klug blickende Augen durch eine Brille geschützt waren, dem feinen Lächeln um den Mund und mit der hohen, leicht ga. furchten Stirn glich er mehr einem Gelehrten, als
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im Friedensvertrag festgesetzte Zeitraum von vier Monaten, während dessen Deutschland Vorschläge über die Entschädigungssumme machen kann, verlängert werden. Deutschland soll gefragt werden, ob es bereit sei, einen Vorschlag zu machen, wie jener, der in der Note vom 17. Juli 1919 empfohlen wurde, und der bezweckte, so bald wie möglich eine endgültige Gesamtsumme der Entschädigung festzusetzen, wobei die Summe sich nach der Zahlungsfähigkeit Deutschlands richten würde. Ferner soll die Wiedergutmachungskommission entsprechend Artikel 285 des Friedensvertrages Maßnahmen ergreifen, die Deutschland gestatten, sich die unerläßlichen Lebensmittel und Rohltoffe zu beschaffen, und schließlich Deutschland ermächtigt werden (und ebenso Oesterreich), im Auslande eine Anleihe aufzuneh m e n, um diese Ankäufe zu bezahlen. Was den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete anbelangt, so sei nicht möglich, abzuwarten, bis Deutschland die geschuldete Entschädigungssumme bezahlt. Auch hier müsse der Weg der Anleihe beschritten werden, die auf die Summe aufgenommen werden kann, die Deutschland ratenweise entrichten muß.
Man wird ausführlichere Mitteilungen aus dem Inhalt des Memorandum abmarten1 müssen, ehe man die Bedeutungen der einzelnen Vorschläge würdigen kann.
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Das Wirtfchaftsmemorandum.
Nach einer Londoner Meldung ist die Der- Iffentlichung der Erklärung des Obersten Rates nunmehr erfolgt. Darm heißt es, daß die augenblick- hche wirtschaftliche Lage der Welt durch die Abnahme des Ueberfluffes an Gütern infolge des Verbrauches während des Krieges und durch den ins Maßlose gesteigerten Notenumlauf'bedingt ist. Der Oberste Rat drängt mit allem Nachdruck aus die Steigerung der Erzeugung und auf äußerste Sparsamkeit im öffentlichen und privaten Leben als die einzigen Mittel, um die Sage wiederherzustellen. Ferner müssen die auf der Friedenskonferenz vertretenen Mächte ihren Entschluß aufs neue bekräftigen, bei der Wiederherstellung des allgemeinen wrrt- schaftlichen Lebens in Europa zusammenzuarbeiten. Wie die kommerziellen Kredite am besten wiederhergestellt würden, werde die internationale Finanzkommission festzustellen haben. Der Wirtschaftsrat ist der Meinung, daß der Aufbau der zerstörten Gebiete eine Frage von europäischer Bedeutung ist. Was Deutschland betrifft, so stellt er fest, daß sein Initiatiogeist gebrocheii ist, und daß es Deutschland unmöglich ist, im Auslande Geld aufzunehmen, solange man die im Vertrage vorgesehene Entschadi- gungssorderung nicht ziffernmäßig kennt. Im Hinblick auf die außerordentlichen Verhältnisse solle der
Fräulein Sijnben,“ sagte er, Hauswesens und meiner Töchter annehmen wollten. Meine Schwester ist kränklich geworden und offen ge. standen, etwas zu alt und wunderlich für meine Kinder. Sie werden ja selbst urteilen können — ich habe fie und meine Töchter bitten lasten herzukommen."
Nach kurzer Zeit betraten Fräulein Amalie Hak. lersmark und die Töchter des Geheimrats den Salon.
Fräulein Amalie war wohl zehn Jahre älter als ihr Bruder, Sie war fast ebenso groß, aber von einer erschreckenden Magerkeit; auf der scharfgeschnittenen Adlernase saß eine Brille. Ihr Haar war schon stark ergraut, aber zu einer sehr modernen Frisur aufge. bauscht. Ein schweres Seidenkleid umrauschte ihre h» gere Gestalt. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck von grämlichem Ernst, Hochmut und Herrschsucht.
„gier, Amalie," sagte der Geheimrat, .stelle ich Dir unsere neue HauSgenostin, Fräulein Lynden vor ich sprach ja schon mit Dir über die junge Dame."
„AllerdinaS," entgegnete Amalie, indem sie Edel, garü mit vornehmer Nachlässigkeit die Hand reichte.
»Ich habe mich noch nie über Dich beklagt, P^pu", entgegnete Edelgard heiter.
„Naa ich hätte es schon verdient, daß Du mir eine tüchtige Standrede gehalten. Ich hätte bester für Dich folgen können."
' .Papa, ich bitte Dich, quäle Dich doch nicht mit jÄchen Gedanken!"
.Nun ja eS ist ja nicht mehr zu ändern. Hätte ober wirklich nicht geglaubt, daß Du eine so Vorzug, 'llche Köchin wärest."
.Ich habe mich doch stets um die Küche bÄüm- toeri. Papa." < „
.Ja, ja, das hast Du. Fetzt merkt man das.
Mit' gutem Appetit sprach er dem einfachen Mittagessen zu. Tann lehnte er sich in den Stuhl zurück und rundete sich eine Zigarre an, deren blauen Dampf er behaglich in die Luft blieS.
„Riechst Du nichts, Edelgard?" fragte er vergnügt schmunzelnd.
.Ich vermute, daß Du heute eine bestere Zigarpe rauchst, als gewöhnlich."
„So ist'S! Aber fürchte nicht, daß ich verschwen. berisch werde. Diese Zigarre kostet wohl ungefähr eine Start, <ch:r ich habe sie nicht gekauft, sondern der Ge. Henne itemmerzienrat Hallersmark hat sie mir angeboren'
I' .Tu warst bei dem Geheimrat?"
.Ja — und ich glaube, ich habe jetzt etwas für gefunden. Es kommt allerdings auf Dich an, ob ich das Angebot Hallersmarks annehmen kann."
„Auf mich, Papa?"
„Ja Du weißt daß Hallersmark Aufsichtsrai einer «roßen elektrotechni'schen Fabrik ist, welche bauprsächlich nach England und Amerika liefert. Jetzt will man auch ."ach Südafrika und Australien Verbindungen anknup- fen und sucht dafür einen kundigen Vertreter. Der Geheimrat hat mir diese Stellung angeboten, die mit der Zeit eine sehr einträgliche werden kann, allerdings °"ch weit« Reisen und vielleicht jahrelangen Aufenrhalt im Auslande erfordert. Dennoch möchte ich diese Srel. dmg annehmen, denn gerade der Aufenthalt im Aus. knbe ist mir angenehm, da ich dann nicht stets mit alten Geschäftsfreunden ' zusammentreffe, die mich ’n meinen früheren glänzenden Verhältnissen gekannt
Ein Hoffnungsstern.
Unsere Baiufa bessert sich, die Kaufkraft der Mark steigt.
Die .Aussicht auf eine große Ausländsanleihe jSieberaufbauanleibe", hat Wunder gewirkt. Unsere Mchuta steigt rapide. Die fremöen Devisen, für die _;r bisher so ungeheuer viel Geld aufwenden mußten, werden erheblich billiger. Die Mark ist von 4 auf 6 flifcnniq gestiegen. Die Wechsel auf Holland z. B., sj£ neulich lange Zeit so um 3700 Mark für 100 Gnl- £n (im Frieden 167 Mark) kosteten, sind in 4 Tagen tif 2700 herabgeglitten. Gestern kosteten 100 dä- Xbe Kronen 1250 Mark gegen 1900 zur Zeit des Mten Standes; em Dollar, der vor kurzem nicht Mer 100 Mark zu haben war, kostete Mttwoch nur «ch 75 Mark, das englische Pstmd ist von 450 auf 280 Mark gesunken, die italienische Währung gilt gar wrr noch das Vierfache, die französische das Fünffache deutschen Währung. Immerhin ein Fortschritt, ist darauf zurückzuführen, daß man hn Auslande «ntmebr an eine Wiedergefundung Deutschlands zu glauben anfängt, mit einer Wiederkehr der Arbeitslust »er deutschen Bevölkerung, und nun mit einer größeren Ausfuhr aus Deutschland rechnet. l Sicher ist viel Börsen-Bluff bei dieser Besserung. So glatt, wie man es sich in den Kreisen der vielfach kopflosen Spekulation vorstellt, geht die Sache nicht. Aber es blitzt doch ein Hoffnungsstern durch das düstere Gewölk unserer Lage. Wir empfinden wieder Mut durch unsere Adern rollen, wir können, so scheint es uns, auf der Bahn zum Abgrund Halt gewinnen, wenn wir nur wollen.
Don unserem guten Willen freilich hängl's r«b. Die Höherwertung unseres Geldes ist nicht eine Folge höheren inneren Wertes. Der Wert unseres Papiergeldes benrht in dem Vertrauen, das das Ausland in. unsere Arbeitsfähigkeit und unsere ehrliche Arbeitsbereitschaft setzt. Das Ausland bewertet jetzt Unsere Mark um einiges höher, weil es annimmt, daß wir diese Anzeichen der Besserung verstehen und nunmehr mit aller Entschiedenheit an die Arbeit gehen md für ausgedehnte Ausfuhr sorgen werden.
Die Besolvungsrefokm
für das Reich und für Preußen, für die der Entwurf, vorn Reichsfinanzministerium dem Kabinett unterbreite ist, bringt eine erhebliche Erhöhung der
tengeh älter. Zunächst ist ein wesentlich vereinfach ter Aufbau vorgesehen. Die mehr als 50 Gehaltsklaffe» sind gefallen und im Reich von 12, in Preußen von 13 Besoldungsgruppen abgelöst wroden, von denen die eine in die andere übergreift, weil bei nachgewiesener Befähigung und erprobter Bewährung jeder Beamte aus der ersten in die zweite und in die höheren Rangstufen aufrücken kann, ohne den. Nachweis erbringen zu müssen, daß er vor dem Eintritt in sein Be- amtenoerhältnis feine Schulexamina bestanden hat. Der Briefträger kann Postsekretär, Postdirektor, Postrat oder Oberpostdirektor werden, dem Polizeiwachtmeister winkt, wenn auch in weiter Feme, vielleicht ein Ministersessel, der Weichensteller beschließt vielleicht seine Laufbahn als Eisenbahndirektionspräsident.
Das Bienfteinfommen der Beamten besteht aus 1. dem Grundgehalt, 2. dem Ortszuschlag, daneben werden 1. Teuerungsnrfchlöge, 2. Kinderzuschläge gewährt.
Das Grundgehalt soll dem Beamten die Errichtung eines eigenen Hausstandes sowie die Eheschließung er, möglichen und die Einkommensverhältnisie der einzel. nen Beamtenklassen tunlichst denen der ihnen entsprs-
,^Jch würde einer Fremden das Hauswesen memeS. Bruders gewiß nicht anvertrmren, wenn ich mich nicht krank und schwach fühlte." 1
Kre robuste Gestalt strafte ihre Sorte eigentlich I Lügen, denn sie sah durchaus nicht schwach und kränk. I lich aus. ’
Die drei TRhter des Geheimrats machten einen I ausgezeichneten Eindruck. Else, die älteste, sah ihrem I Vater sprechend ähnlich. Sie war nicht gerade hübsch, I aber der kluge Ausdriick ihrer großen blauen Augen und das freundliche Lächeln des fein geschnittenen Mun.
I des ließen die Unregelmäßigkeiten ihres schmalen, blas.
I sen Gesichtes vergessen. ■
Elfriede, die zweite, war kleiner, stärker und kräf.
I siger und versprach einmal eine Schönheit zu werden. I Margarete die jüngste, war ein munteres, kleines I Ding mit hübschen, braunen Locken und einem lustigen, I schalkhaften' Ausdruck in ten braunen Augen.
I ' Der Geheimrat zog die Kleine auf seinen Schoß.
„Das .ift unser Nesthäkchen," sagte er freundlich, I das braune Haar seines jüngsten Kindes zärtlich strei. I chelnd, .
1 und Dein Verzug, lieber Bruder, setzte yran.
1 lein Amalie hinzu. „Sie werden mit dem wilden Mäd- I chm Ihre liebe Not haben, Fräulein Lynden."
„Ich hoffe, wir werden uns schon verstehen," ent» | gegnete Edelgard liebenswürdig, indem sie jedem der I jungen Mädchen die Hand reichte.
I „Sie nehmen die Stelle also an, Fräulein Lyn I den," fragte der Geheimrat rasch aufblickrnd.
„Ich will versuchen, ob ich Ihren Anforderungen I entsprechen kann."
.Da bin ich unbesorgt l Ich möchte Ihnen jetzt den I Vorschlag machen, daß Sie mit den Mädchen den Gar- I ten und das Haus durchstreifen, inzwffchen können wir I mit Ihrem Herrn Vater alles Geschäftliche erledrg-n.
Vorwärts, Kinder, nehmt Fräulein Lynden mit und I zeigt ihr den Garten."
I Die Kinder nahmen Edelgard in ihre Mitte und führten sie über bie Veranda in den im HerbsteSglan; taliegenben Garten. Die Veranda war in einen großen schönen Wintergarten umgewandelt. Palmen und breWättrige tropische Pflanzen bildeten lauschige Win- fei; Rosen und exotische Blumen verbreiteten köstliche Düste und in der Mitte deS Gartens plätscherte lustig! ein Springbrunnen.
(Fortsetzung folgt*
Das Wirtschaftsleben.
* Der Rcichswirffchastsrat. Der Wirtschaftsrat I beim Reichswirtschastsministerium begann gestern I unter Zuziehung von Sachverständigen eine Aus- I spräche über die Förderung der Inland» I Produktion. .
Untefftaatssekretär Hirsch gab einen Abriß über das Programm des Reichswirtschaftsmrmsterrum. Er I meinte, daß sich deutliche Anzeichen einer Besserung der I Wirtschaftslage bemerkbar machen. Er ging dann auf 1 einzelne Probleme, insbesondere der landwivtschaftlr. I chen Produktion und der Kohlenförderung, ein. Für I wichtig erklärte er die Umgestaltung der bürokratischen I Wirtschaftspolitik in eine Selbstverwaltung I der Industrie. Tie Produktion muffe typisiert und I normalisiert werden. Auf dem Gebiet der Preispolitik I werde sich eine Ausgleichung an die Weltmarkts- I preise nicht aufhalten lassen, sie dürfe aber ange. I sichts des schlechten Valutastandes nicht überstürzt wer- I den. Die Bekämpfung des Wuchers hielt er unter Mitwirkung der Verbände für Handel und Industrie I für möglich. Seiner Ansicht nach steigt das Vertrauen des Auslandes auf die deutsche Wirtschaft I
In der Debatte traten verschiwene Redner für I scharfe Ergreifung der Erportgewinne ein. Be-. I den Arbeitsverteilungen machten sich Widersprüche ge. I .gen die Verlängerung der Arbeitszeit geltend. Der I Vorsitzende des Wirtschaftsrates, Direktor Kraemer, e» I klärte, daß die Aufstellung eines Wirtschaftsplanes auf I lange Sicht heute unmöglich fei besonders, da sich die I Rohstoffversorgung und die Erportmöalichkeiten nicht I überblicken ließen. In den Vordergrund stellte der I Redner die Forderung, daß die deutsche Industrie sich I teuf Qualitätswaren einstellen muffe.
* Das Ueberschichtabkommen verlängert. In I den Verhandlungen zwischen Regierung, Zechender- I band und Bergarbeiterverbänden kam es zur Vrr- I i längerung des Ueberschichten »Abkommens auf der | bisherigenGrundlage mit einwöchentlichcrKün^igungs» I frist. Bis auf weiteres weiden also die Bergleute I weiter zweimal wöchentlich im Anschluß an die I regelmäßigen je eine halbe Ueberschicht zu den I früheren festgesetzten Bedingungen verfahren.
Der Ausverkauf LLddeulfchlands. Die Stabt I Freiburg wird gegenwärtig von Scharen von I Schweizern heimgesucht, die sich auf Grund der Da- I lutatrife mit allem möglichen auf das billigste ver- I sorgen. Die Zahl dieser Schweizer Valuta-
„Gewiß mutzt Du die Stellung annehmen, Papa, die I Dir einen so erwünschten Wirkungskreis bietet."
„Aber wir können dann nicht zusammen bleiben, I Edelgard. Denn ich werde keinen festen Wohnsitz ha. I den, wenigstens für die ersten Jahre nicht. Und auf | meinen weiten Reisen kannst Du mich nicht begleiten. I Wenn ich Dich in dem Schutz einer guten Familie | wüßte —"
I „Aber, Papa, es war doch abgemacht, daß auch ich I mich nach einem Erwerb umsehen sollte!"
„Allerdings. Und der Geheimrat bietet auch Dir ] I eine Stellung an. Er besitzt drei Töchter im Alter von I sechzehn, zwölf und zehn Jahren. Für diese sucht er I eine Erzieherin, welche auch seine Kinder auf den I Reisen die sie jedes Jahr unternehmen, begleiten muß. I Die Erzieherin soll französisch und englisch sprechen und I musikalisch sein. Diese Bedingungen erfüllst Du ja. I Du hast auf den Geheimrat einen vortrefflichen Eiix- | druck gemacht, wie es ja nicht anders zu erwarten war, I und er bietet Dir diese Stellung in seinem Hanse an. I Du sollst den ganzen Haushalt und die Erziehung der I Kinder leiten, da des Geheimrats Schwester, die seit I dem Tode seiner Frau bei ihm lebt, in letzter Zeit I kränklich geworden ift Wenn Du dieses Anerbieten I annimmst, Edelgard, kann ich über Deine Zukunft be. I ruhigt sein, da ich' Dich in einem guten, vornehmen I und reichen Hause weiß."
Edelgard sah eine Weile sinnend vor sich nieder. I In eine Erzieherinnenstelle hatte sie eigentlich nicht ge. I dockst- sie wußte nicht, ob sie sich sür eine solche eignete und sprach diese Zweifel auch offen ihrem Vater gw I genüber aus. .
glaube," entgegnete dieser zuversichtlich, „Lag I Du "Dich gerade für eine solche Stelle eignest. Du I bist mit Deinen zwanzig Jahren so verständig und selb, ständig wie selten ein junges Mädchen in diesem Alter. Außerdem hast Du schon unseren Haushalt feit einigen
I Jahren selbständig geleitet, weißt also, was dazu ge. hört Ich würde Dir den Vorschlag machen, mit nur heute nachmittag zum Geheimrat zu fahren und Dir
I Deine Zöglinge einmal anzusehen. Dann kannst Du I Dich ja immer noch entschließen.
„Du hast recht, Papa. Laß uns heute nachmittag ,hingehen. . .
Ter Geheimrat HallerSmark bewohnte eine Villa in der Tiergartenstraße. Ein nicht sehr großer, aber hüb. scher, mit alten Bäumen bestandener Park umgab das Haus, welches in einem einfachen klajsijchen Stil ge-
5]
jäger hat in letzter Woche einen ganz besonders gro- » ßen Umfang angenommen. Der Ausverkauf nicht nur der Stadt Freiburg, sondern auch anderer badischer Städte schreitet rüstig weiter. An manchen Tagen sind I über taufend Schweizer Aufkäufer in Freiburg an- I wesend. . m • I
* Für eine Straßenbahnfahrt soll jetzt tn Berlin I der Fahrpreis auf 50 Pfennig erhöht werden.
Aus dem besetzten Gebiet.
Die französischen „Herren" in Mainz. Die fran- I zösische Besatzimgsbehörde hat kürzlich dem städtischen I Hochbauamt Sten Befehl erteilt das bisher mit Entente. I truppen belegte städtische G y m na s i u m zur Einrich- I tung eines Internats für die Töchter der französischen I Offiziere frestugeben. Vorstellungen beim Qberkom- I mando der Rheinarmee waren bislang erfolglos Die I Schüler der Anstalt — etwa 400 an Zahl — sind jetzt anderweitig untergebracht und müssen zum Teil sogar I in Kellerräumen den Unterricht empfangen, da in I Mainz noch eine andere Schule für 1600 schiller von I den französischen Truppen belegt ist. Wenn nun die Schule obendrein noch baulichen Umänderungen unter- I warfen werden soll so wird die Diöglichkeit, sie später I einmal für den alten Zweck nutzbar zu machen, stark I beeinträchtigt. . . I
Zn einem Auge Mein; - tzoblein wurden zwei amerikanische Soldaten im Gepäckwagen entdeckt. Als I ihnen der Zugführer befahl, sich in einen Personenwagen I I zu begeben; legte der eine seine Waffe auf den Zug- I sichrer an; als dieser deshalb den Zug halten ließ, I I flüchteten die Soldaten.
Die Franzosen in Dentschland.
Die Zusammenstöße zwischen der deutschen Be- böllerung und Angehörigen der Ententemifsionen, übrigens bezeichnenderweise immer nur Franzosen, häufen sich. Jetzt liegen wieder Dieldungen aus Bremen und aus der Mark Brandenburg vor.
Ein weiterer Zwischenfall in Bremen.
Nach dem bedauerlichen Zwischenfall auf dem i Kafernenbofe kam es kurz vor der Abreise der Ententeoffiziere abermals zu unliebsamen Auftritten. Vor dem .Hotel, in dem sämtliche Offiziere ein» quartiert waten, hatte sich seit Mittag eine große Menschenmenge eingefunden, um den Offizieren bei ihrer Abreise wiederum ihren Aerger zu zeigen.. Die Sicherheitspolizei verhinderte den Zutritt zum Hotel. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Fenster des französischen Autos von der Menge ewgeschlagen, ehe die Sicherheitspolizei es veihindern konnte. Die Abfahrt mit dem Abendzuge vollzog sich bann ohne weitere Zwischenfälle. Die sämtlichen Offiziere wurden unter starker Bedeckung zum Bahnhof gebracht.
Die französischen Wilderer.
Neber den neuesten Vorfall, der sich in Gestalt einer blutigen Wilderergeschichte bei Wernitz in der Nähe von Wustermark bei Berlin abspielte, bringt eine Berliner Tageszeitung folgende Angaben: Seit einiger Zeit leiden die Bauern der Mark Brandenburg ungeheuer unter dem Andrang fremdländischer Soldaten, die aus den verschiedenen deutschen Städten, in denen sie Kommissionen zugeteilt sind, mit ihren Kraftwagen kommen und zu hohen Preisen alle erreichbaren Lebensrnittel aufkaüfen. Obwohl die fremden Kommissionen des öfteren von der deutschen Regierung auf diesen Ucbelstand aufmerksam gemacht wurden, sind । die Hamsterfahrten nicht eingestellt worden. Daraufhin haben sich die Dauern in der Mark Brandenburg gegenseitig feierlich das Versprechen abgenommen, daß sie an ausländische Soldaten, auch -nenn diese noch so viel bieten, Einerlei Lebensmittel verkaufen würben. Da den Soldaten auf diese Weist ein beträchtlicher Nebenverdienst auf Weiterverkauf dieser Waren ver-