Einzelbild herunterladen
 

aer Zeit

47. Zahrg

Mittwoch, 10. Mär- 1920

fir. 58

ES*

den Sturm

zufrieden lein.'

folnLl*

grimmiger, wollte sich einen Aus-

in der Sonntag-ausgabe derHamburger Nachrichten vom 22. Februar erschienenen Artikel vorn Landes­finanzamt Charlottenburg mit der größten Grüydlich- keit und Beschleunigung geführt worden. Obwohl dre, Untersuchung in einem Nebenpunkte noch nicht abge­schlossen ist, kann doch heu'e schon festgestellt werden, daß der Reichsmimster der Finanzen ,in seiner Steuer­erklärung wissentlich unrichtige Angaben mit der Absicht der Steuerhinterziehung nicht ge- macht hat. Das endgültige Ergebnis wird in den allernächsten Tagen bekannt gegeben werden."

* Schlesrv'g-Holsteinerl Am nächsten Sonntag, den 14. Mär?, ist die A b st i m m u n g in der 30 eit en Zone. " Denkt daran und vergeht eure Pflicht nicht! Meldet Euch bei den bekannten Sammelstellen zur Fahrt in Eure Heimat! Keiner darf zurückbleiben.

* Konflikt in Flensburg. Die sünf deutschen Berater der Internationalen Kommission, Recht-« anwalt Dr Christians, Bankoireklor Dr. la Motte, Abgeordneter Jversen, SRefter Hermann Schuldt und Abgeordneter Michelsen haben Dienstag auf Grund der Verordnung der Internationalen Komnission, die das Flaggen für die Zeit vom 12. bis 16. März, also zwei Tage vor bis nach der Abstimmung, in der zweiten Zoneverbietet,der Jnierna ionalen Kommission mitgeteilt, daß sie ihre gesamten Ber»! trauensämter niederlegen. Sie begründen bas damit, daß die Internationale Kommlision mit diesem Verbot den Boden der Parität verlassen habe. Inder ersten übe, wiegend chän. Zone tctie die Kon Mission das Flaggen geitatiet, in der zweiten überwiegend deutschen oerbieiet sie es.

* Ter Kaiser. ,Daily Maift erfährt aus Ame- rongen, daß der Kaiser Anfang Apiil zu dauerndem Aufenthalte nach dem Schlosse Doorn übersiedeln werde. Auf be anderes Verlangen des Kaisers werden um das Gebäude zwei Drahtzäune und eine Mauer aus Ziegeln geführt, um ihn vor neugie- rigen Blicken zu schützen.

Der Sturm in ber Natur fesselte auch der Leidenschaft in feiner Brust. Er sah sich mit der Geliebten im Kampfgewühl ber Dielt er stürmte mit ihr auf durchgehendem Roß durch die Wildnis 61 barg sich mit ihr in der Einsamkeit ber Urwälder weiten, endlosen Steppe l

Bewaspreis: Monatlich 1,30 Mk. ohne Zusiellungsgeduhr. - In Fu da bei uns abgeholt 1,40 M. "

Mmciaetipre s: DieK'einzeile (noch Colonel chnst) 50Big., dleReklamezeite(Textbreiie) 1 All.,beiWi derholungRabatt,

,llnb feine Tochter?"

Sckön und stolz wie immer!"

,9hm wird wohl aus bet Herrcck mit dem Baron nichts 9" 1

Gewiß nicht. Tier Baron hat fa selbst nichts und spekulierte nur auf ihr Geld."

Ein dritter trat zu ibnen und machte sie auf Me Anwesenheit Haralds ar'fmerksami. Mit eiinem halb verlegenen, halb trotzigen Lächeln gingen die Arbeiter weiter. .

Harald aber wendete fein Pferd und ritt heimwärts langsam. Schritt vor Schritt, unbekümmert um Wind und Regen. 1

Ter "Sturm in feinem Innern hatte auisgetobk; fchiver, bleigrau wie ber wolkenverhamgene Himmel, lastete" des Lebens Wirklichkeit auf seiner Seele- in weh. cher fetzt der letzte Sonnenstrahl erloschen war. 1

5. Kapitel.

Shnben ging als armer, aber ehrlicher Mann aus dem Zusammenbruch seine? Geschäftes hervor, den n cht er verschuldet, sondern die gewisienlosen Inhaber des Dankbnuses. Eine Anzahl anderer Geschäfts wurde ebenfalls in diesen Zusammenbruch mit hineingerissen und eine Zeitlang schien es, als sollte eine allgemeine Krisis Wer die Geschäftswelt bereinbrechen. Nur die Anstrengungen einiger großer Bankinstiti-te verhindey- tat ein weiteres Umsichgreifen des Unglücks.

An Lynden trat aber jetzt die Notwendigkeit heran, sich eine neue Existenz zu gründen. Er besaß nur eine geringe Summe, welche zwar ihn und Edelgard auf einige Zeit vor ber äußersten Not schützen konnte, für die Zukunft jedoch nicht ausr-ichte.

Aber weder Lynden noch Edelgard waren derartig veranlagt, daß sie in ihrer bedrängten Lage verzweifel­ten. Sie mieteten sich in Berlin eine kleine, bescher, bene Wohnung und Lynden suchte nach paffendem Er­werb. Er war bekannt mit vielen einflußreichen Ge- schäftsleuten, die ihm gewiß eine paffende Stellung verschaffen würden.

Eines mittags kam er freudig erregt nach Hause..

Laß uns zuerst effen, mein Kind", sagte er_ lä­chelnd.Dann wollen wir über das Geschäft ff re, chen. Ich denke. Du wirst heute mit Deinem Bäte--

Die Unkersuchung über die Erzbergerscher, Skeuerakken.

lieber das bisherige Ergebnis der in der Erzber- gerschen Steuersache einoeleitetar Untersuchung mtrö halbamtlich mitgeteilt:Die Untersuchung der Steuer- anoeleoenheit des Reichsministers der Finanzen Erz- berger? ist auf Grund der Zeitungsberichte über den Prozeß ErzbergerHelfferich und der Angaben tn dem

Er schäntte sich feiner Schwäche. Ein duzweiielter Zorn batte ihn gepackt. Er den Vwhältniffen nicht beugen! Es mußte beg aus all diesen W-irrniffen geben!

I . Irgendwo mußte doch ein Plätzchen fein, wo sie 01 it einander leben wo sie arbeiten, wo sie glücklich fein konnten!

Irgendwo fei es in dem Getümmel der Weltstadt 7~ fei es im stillen Lande fei es in den Urwäldern ^Amerikas sei cS in den Goldfeldern Südafrikas.

Irgendwo irgendwo ein Platz für Arbeit und k Glück! Ein Platz für Freiheit und Unabhängigkeit! Ein ^lah, wo der Mensch Mensch sein könn e, frei und un. gängig von den Gespenstern der alten Welt, den k! «hatten vergangener Igbrhunderte. die sich schwerer s Eisenketten um den Menschen legen.

Zum Fall Erzberger schreibt Abg. L. Haas, einer der führenden badischen demokratischen Abgeordneten der Nationalversammlung in der früher von Naumann geleitetenHilfe" u. a.:

Von dem, was eine gemeine Hetze man mußte nur in der Eisenbahn seine Ohren recht aufmachen über Erzberger behauptete, ist im Prozeß nichts bewiesen. Sie systematisch in bas Volk hmemgetra- genen Behauptungen waren: Erzberger ist von England bestochen, Erzberger hat Reichsgelder, ine ihm zu Propa- oandazwecken anvertraut waren, unterschlagen. Erzberger w Millionen ins Ausland gebracht imd dem Zugriff der deutschen Steuerbehörde entzogen. Erzberger hat m öl. Moritz im teuersten Hotel eine ganze Etage bewohnt und wie ein Fürst gelebt. Die Erfinder und Verbreiter dieser Behauptungen find tausendfach mehr zu verurtecken als Erzberger. Das politische Leben wird unerträglich, wenn die' Bürger über führende Personen mit breitem Behagen Verleumdungen weitergeben, anstatt den Schwätzern au, das Maul zu schlagen. Sofort mit der Fnedensresolutwn setzte das Treiben der Alldeutschen gegen Erzberger ein. Damals begann das Gemurmel:Don England be­stochen. Vaterlandsverräter im Dienste Habsburgs. Mw ist der Erzberger jener Tage trotz seine« heimlichen em- verständniffes mit der Obersten H^eslettungundmtt Stresemonn lieber, als die Manner, die sich (wie Helife- rtcbl von Feinden des imbefchränkten U-Booikrieges mit undegreillicher Schnelligkeit in feine Befürworter verwan­delten und damit ein Riefemnaß von Schuld am Unglück des deutschen Volkes auf sich geladen haben. Er zerntz das lügenhafte Phäntafiegebilbe der Annexionisten, hmte dort endlich die Politik der Wahrheit und Klarheit und des rücksichtslos nüchternen Rechnens eingesetzt, vielleicht war dann das Vaterland noch zu retten. Der Geist der Alldeutschen ist die eine Quelle. Dazu kommt die Wut der kleinlich denkenden Kapitalisten. Es gibt Jur uns nur eine Rettung: eine rücksichtslose Steuerpolitik. Und Erzberger war rücksichtslos. Sie Haffen in ihrer Dummheit den Mann, ber die Stenern macht. Sw Der- aeften, daß alles zusammenbncht, wenn nicht mit furcht­baren Steuern die finanziellen Schwierigkeiten überwunden werden. Auch bei der Linken, von der Rechten ganz zu toroeigen, wirkt die alte Kampfstellung gegen das Zentrum nach. Vielleicht spielt sogar em alter religiöser Gegensatz hinein. Es gibt auch bei uns Scute, di« von einem Zentrmnsmami alle» Schlechte glauben. So wurde oot dem Prozeß em Wust von Verleum­dungen verbreitet und geglaubt." ,

Bemerkenswert scheint uns auch eine Charakteristik Erzberaers, die in der demokratischenHeffischen Lan- desztg." (Marburg) H. Luder st adt versucht. Er schreibt u. a.: ___

Der AwisHenfall in Bremen, von dem gestern telegraphisch gemeldet wurde, muß vielleicht anders beurteilt werden als die betrunkene Ge­schichte aus dem Berliner Hotel Adlon, 5n Bremen wird erzähst, daß die französischen MMieder der dort anwesenden Kommission in ziemlich oufreizenöer Form von in Feldgrau gekleideten Personen verlangt hätten, ihnen Ehrenbezeugungen zu machen. Die Kommission hat infolge der Zwischenfälle Bremen verlassen, ohne die Docks besichtigt zu haben, sie wurde un'er mili­tärischer Bedeckung zum Bahnhof geführt und reiste nach W i l h e l m s h 01 e n ab.

Die R e i ch s r e g i e r u n g erläßt einen Ausruf, in dem sie auf bas eindringlichste vor ber Verwilderung des öffentlichen Lebens warnt, die mit Vaterlandsliebe nichts zu tun habe und nur zur schwersten Schädigung des Vaterlandes führen könne. Die Regierung werde ihre Politik nicht durch einen Radaupatriotismus durchkreuzen kaffen, der auf Kosten des gesamten Volkes sein häßliches und gefährliches Spiel treibe, Szenen, wie wir sie in den letzten Tagen erlebten, könnten nur bewirken, daß die we­nigen Stimmen in den außerdeuischen Ländern auch noch verstummen, die sich nach und nach zum Sprecher für unsere Not und unser Recht gemacht haben.

in welchen Tops eigentlich seine Stimme kommen wird. Theoretisch ausgeklügelt; die Praxis verlangt aber Ein­fachheit.

Der Minister erkennt selbst an, daß die langen Wahllisten ein Mangel des bisherigen Systems waren. Die Wahllisten mit verschiedenartiger Geltung und Wirkung werden auch ein Mangel sein.

Es drängt sich immer wieder die Frage auf: Kann man den Urwähler nicht von der ganzen Ltstentast befreien tmb in den verkleinerten Wahlkreisen wieder die Abstimmung zugunsten einer Person em- führen? Die Regierung will die Rückkehr zu den ^in- männer-Wahlkreisen nicht, weil sie vermeintlich nicht in die geheiligt« Verhältniswahl paßt. Die Sache ver­dient aber doch eine unbefangene Prüfung. Denn ge­rade durch die höheren Verbände, die alle ausgefalle­nen Stimmen ausgleichen, kann man wohl die örtliche Mehrheitswahl in Einklang bringen mit dem Proporz. Es ist ja schon vorgeschlagen worden, in kleinen Wahl­kreisen, die etwa das Anderthalbsache der aus em Man­dat entsallenden Volkszahl umfaffen, je einen ört­lichen Kandidaten wählen zu lassen und eine Liste mir auszustellen für den höheren Verband, der ine Reststimmen verarbeitet. Damit wurde der Einfach­heit und Volkstümlichkeit des Wahlversahrens, gewiß bester gedient sein, als mit dem gekünstelten System, das der Minister entwickelte.

Das neue Reichstagswahlrecht.

Nachdem die Regierung vor einigen Wochen drei Mtaentroürfe für das neue Reichstagswahlrecht der -rffentlichen Kritik unterbreitet hatte, hat sie nunmehr den endgültigen Entwurf, der der National- *r(ammlung vorgelegt werden soll, fertig gestellt Er Ljrf) soeben in derDeutsch. Allg. Ztg." veröffentlicht, «e Durchsicht des Entwurfs zeigt, daß die Urteile «,er hie Vorentwürfe und die dabei geäußerten Wünsche auf die Regierung wenig Eindruck gemacht i-^Me Vorlage will festhalten an dem gekünstelten Aufbau in drei Stockwerken: Wahlkreis, Wahl- Wtband und Reichswahlliste. Die Wahlkreise -ch so bemesten, daß ihre Gesamiwählerzahl in der Regel vier Abgeordnete aus sich vereinigt. Zur Ein­reichung von Verbandswahlvorschlägen werden min­destens drei Wahlkreise zu einem Verbandswahl- kreis zusammengefaßt. Darüber hinaus gibt es eine Reichswahlliste, in die die überschLstigen Stim­men aus den Wahlkreisen bezw. aus den Verbands- Wahlkreisen ausgerechnet werden. Trotz dieser ver­miedenen Listen wird natürlich nur einmal gewählt. Ne Vorlage will ferner festhalten an der Bestimmung, tofj überall auf 60000 abgegebene Stim­men ein Mandat entfällt, d. h. jedem Wahlbezirk werden so viel Sitze zugewiesen, daß je einer aus 60000 Stimmen, kommt.

Letzteres sieht sehr gerecht aus, ist es aber nicht. N« Mandate sollten nach der Bevölkerungs- ,ah l verteilt werden» nicht nach der Zahl der Wahl­berechtigten und erst recht nicht nach der Zahl der Mstimmenden. Das starre Erfordernis von 60 000 Wahlstimmen beeinträchtigt diejenigen Wahlkreise, in denen viel Kindersegen vorhanden ist, und die stillen cher belohnt als bestraft werden. Es liegt ser- ner in der Natur der Dinge, daß dort, wo die Leute weiter zerstreut wohnen, nicht so viel Wähler an die Üme zu bringen sind, wie in den dichtbevölkerten 3n« | wstriebezirken, wo die Ausübung des Wahlrechts nicht -st weite Wege erfordert und die Agitatton überhaupt Master betrieben wird. In manchen Wahlkreisen wirkt noch das alte Gefühl der Sicherheit nach, weil nicht alle Wähler schon zu der Erkenntnis durchgedrun- gen sind, daß es jetzt keinebombensicheren Wahlkreise" mehr gibt und jede einzelne Stimme überall vollwichtig in die Wagschale der kunstvollen Verhältnisrrchnung

Was mm diesen Aufbau in verschiedenen Set- s banden angeht, so ist ja nicht zu verkennen, daß bei der enoünschten Verkleinerung der Wahlkreise eine Auf- Mechnung der Re st stimmen in einem größeren Kammelbezirke erfolgen muß. Aber es genügt nicht eine derartige Stelle für jedes mittlere Bundesland oder für entsprechende Teile von Preußen? Die Reichs- regierung will jedoch auch noch die einheitliche Reich s» liste zur Ergänzung haben. Vom Standpunkte der Rechenkünstler ist es ja begreiflich; aber in gewissen Reichstellen wird das die politische Mißstimmung fördern, weil man darin einen weiteren Schritt zum Einheüsstaai, eineVergewaltigung von Berlin" sehen wird. ., _ ,

Ueberdics fällt ins Gewicht, daß man die Sache nicht gar zu kompliziert machen darf. Durch die Londes- oder Provinzialverbände wird schon das Wahlverfahren verwickelt genug. Umso mehr, wenn der Vorschlag der Regierung durchgeht, die Wahl­bezirkeelastisch" zu machen. Das soll be­deuten: Drei bis sechs Wahlbezirke werden zusammen- gefaßt zu einem Verband, iimerhalb dessen bann jede Partei zu bestimmen hat, ob sie eine Liste sur jeden einzelnen Bezirk oder eine Liste für den g a n- Vn Verband ausstellen will. Damit würben Kreislisten unb Verbanbslisten bunt durcheinander / stufen, unb der weniger geschulte Wähler weiß nicht,

Berantroortlich für den rehaltioneden Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parze Her-Fulda.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei tn Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

Der 'Arbeit Lohn.

81 ------------

(Er klingelte kern Diener und befahl ihm. sein Pferd satteln und vorführen zu Taffen.

;Aber beeile Dich", rief er. ihm nach.In fünf MÄmten will ich das Pferd haben."

Und baim ritt Harald in fcharfem Galopp durch den saufenden Herbstfturm auf der «offen, aufgetveich- ten Landstraße, in deren ausgefahrenen Gleisen das schmutzig« lebm'ige Master stand. in triefendem Regen, der ihn" in wenigen Minuten bis auf die Haut durch­näßte, der Cj crdt gu.

I Ein Winter wilder Herbsttag war es. Der Sturm riß die letzten wellen Blätter von den Bäumen; die Felder lagen verödet da; mit regenfchweren Schwingen kämvsto eine Schar Krähen gegen den Sturm an, um in dem Wolde Schutz vor Wind und Wetter zu suchen.

Ein wüster, wilder Herbsttag und wüste, wilde Gedanken durchstürmten auch Haralds Seele, als et durch Sturm und Regen, Schmutz und Näffe dahin- Süoppierte.

Frei unrck-bängigl" jennfete es ihm auf und auf neue drückte er die Schenkel an, daß das Pferd in langem Salopp bebomtog.

Jetzt tauchten aus dem Nebel und Regen bie WX« Schornsteine der Spnbenfcben Sabril auf.

Harald gügelte fein Pferd. __

Vor feinen Augen tauchte das Bild fröhlicher Arbeir auf, da? er vor einigen Tagen hier gesehen. In feinen Ohren klang noch das dröhnend« Hämmern, das Po­chen und Stampfen, das Schwirren und Saufen uer gewaltigen Schwungräder. 1

Nichts von alledem war setzt zu bemerken, «j3;en. ifiHe herrschte rings umher. Wie ein riesiges, rotes Ungetüm lag die Fabrik da. Der hsttze Atem der E-zen jperr erloschen das Dröhnen imb Stampfen der Hämmer ließ nicht mehr den Erdboden rings erzittern _ die Türen und Fensterläden waren gefchtosten lt>ie die Augenlider eines Toten. Das Lachen und Schwatzen ber Arbeiter war verstummt. Keine Men- fchenscele belebte die weiten Höfe und die stillen Werk- frätten; nur draußen auf der schmutzigen Sierße an den Mauern des Hofes entlang schlichen die Gestalten einiger Arbeiter umher und beobachteten mit "finsteren Blicken die geschloffene Stätte ihrer Arbeit, ihres Le. beusuuterhalteS-

Ein schmerzliches Wehgefühl krampfte Haralds Herz zusammen. Er hielt sein Pferd an unb, die Hände auf den Sstttelkiiüpf gefaltet, betrachtete er mit ebenso finsteren Augen wie die Arbeiter, die tote Fabrik.

Da hörte er, wie ein Arbeiter zu einem anderen sagte:

DaK hat unsereiner nun davon, baß er iiw zwan­zig J^hre lang in der Fabrik abgequält und geschunden hat." Jetzt macht er die Bude zu, nachdem er sein Geld, das wir ihm verdient baden, verpraßt^ hat. Hunger und Kummer ist unser Lohn unb cazu steht auch noch der Winter vor der Tür!"

Ra. Herrn Lynden soll es auch nicht bester gehen , entgegnete mit bitterem Lachen der andere.Er ist ja mit dem Bettelstab abgezogen, nachdem ihn die Ha­lunken von Bankiers betrogen haben."

Ist er d nn noch hier?"

Nein er ist heute morgen mit seiner Tochter fort­gefahren;' ich habe ihn selbst auf der Dahn gesehen."

Wie sah er denn aus?"

Krank unb hinfällig."

, In den Tagen, da sein einziger,Soon al? siebzehn­jähriger Kriegsfreiwilliger für Teutschland starb, wuioe ! Staatssekretär Erzberger betraut mit der Führung oer ! Waffenstillstandsperhandlungen Klüger hatte et viel­leicht gehandelt, wenn er die Beendigung des ocwa'f- | neten iiampfes denen überlasten hätte, tvclche für o<« I Kriegführung und damit auch für ihren ÄVfchuß z - I ffindig waren, nämlich den Mann rn der Oberste Heeresleitung. Erzberger ging nach^Comwegne ^,m Februar 1919 unterzeichnete er das Abkommen von Brüssel. Jrn Juni war es, ber die Unterzeichnung de^ Friedens von Versailles durchsetzte Ob Er-berg, r n Modem richtig oder falsch gehandelt hat wird d e Ge­schichte entscheiden. Was aber an ihm. oe^u um erhört oder absonderlich schien, war eme u -- -

nische Eigenschaft, der man fick tn

28 ianae Jahre hindurch so völlig .entwöhnt hatte daß man jetzt staunte. Mit uuerschükterlrcher-Licberheit stell.e sich Emberger vor seine Taten und ^rknndere weihm: des habe ick ßeicm dafür trage ich die V r.ntroonma. Wir batten unter Wilhelm dem Zweiten eine I*'erlia_e Privatvolitik ertragen, die E «rau, wörtlich w-. . l'kach Bismarck erlebten wir Re'ch^kanster und M stet die fick nur mühsam und schuxickstich der ^ller. böchsien" Eiuo.riffe erwehrten. Langsam erwachst t.ns heut« ber Typ des demokratischen.Staatsmannes, der sich feiner Verautworung voll bewußt ist. und b^fe -^er. äntwortnng uneingeschränkt trägt Für solche urwe- aren^te VercTutwortungsfreudigknt ist Erzberger e.ne«

ersten leuchenden Beispiele Er trat unbed nqt ein für das iiXls er tat Seit etlichen Jahren bett tote bi fcü Warnt Mid Finanzm mste-

rium allzu schwerfällig fet. Im fa.-J

volitik .H-lff 'tichs und Roederns bestebt wohl Heu e tait Einftimmiakeit. Als Erzberger Reto-fman-m nwer wurde änderte fick alles mit einem Schlage Es wtz e eine Tätigkeit so gewaltigen Umfanges em wie sie noch fetten erlebt war. Auch hier in es für die Charakter', fi-nma des Mannes ohne Belang ob alles, taw er tat richtig war. Aber was es auch war, er e zu mit einem Arbeitswillen und einer Schaffenskraft durch welche" alle die ihn umgaben, belebt. unb angefeuert würben. Die größte Finanzreform fett Gründung de? Reiches ward so fein Werk, da? ertragen war von der Wucht seiner Berfönlickkeit: die Veretuheitl-chuna der Finanzen, die schon feit Fab«n erstrtot war. mtta! w wenigen Monaten burchgefuhrt. Man M Erzberger beurteilen tote man >rnll man soll ihn nm fen man soll ibn als Reichsverderber beschlmpken hier zeigen fich Eigenschaften, bre man bewundern nn ß, Senn nich ßänglto ^nBl-ck chr Fre-en verlos Noto ein?: Erzberger 'st Katholik überzeugter Ultto^ montaner Zenrumsmanu vom Grat b^s zur und eben dies gibt oft Anlaß zu allen möglichen Kombma. tionen. So lange kein BEis dafür 2^

Erzberaer toeniaer Deutscher als Katholik ,st darf mon gerade biefen Punkt der allgemeinen Erzberger.D^ba te mit Zurückhaltung »ergeben. Evaugeliich undka ho- lisch- Deutscste haben im Kriege Schulter «n Schulter gekämpft, unb die Aufrührung religiöser Fragen nt mir g^ignet Streitigkeiten neu heraufzubesckUvoren, f hie steifte ungesunder als fe find. In oÜem was Ert- berqer tat, war er umtobt von wütendem Hcrß. ES gibtkeinm Fehler, den man ibm nicht vorwarf. Junge Burschen griften zur Waffe, um thn zu toten Eme Flut von Beschimpfungen ergoß sich über hm. Stamm, tische und Kommerse wünschen seine Ermordiing. Als es zu Zeiten fo schien als solle er aus- dem Skandal. Prozeß nougestärtt nur stervoroehen. zerrte man seine Steuererklärungen an5 Lickft, die man bet Rächt und Nebel gestohlen statte. Artikel der Rechten bebauv en, »r sei mm tot er fet politisch endgültig erledigt. Erz. beraer zählt beute 45 Jahre, steht auf der Hobe totneS Leben? svrüstt von Tätiake,t?brgna und Arbeitskraft und bat den Willen zum Wiederaufstieg. Er wird keine Radieschen säen und wn-d keinen Kohl pftanzen. Er i wird wie tief er cmto fällt, von vorne beginnen.Stoct das, was er tut und er wird noch viel tunk : ausfchlaMn zum Segen beS deutschen Volkes.

Deutsche Nationalversammlung.

Der Anlrag auf Neuwahlen.

Die Agitation, die die Rechtsparteien schon feit lan. gern für eine Auflösung der Nationalversammlung cnt. faltet hcwen, hat ihren Niederschlag gefunden in einem Antrag dieser beidm Parteien, die Ratio naiver, sammlung zum 1. M ai d. Jj. alsaufgeläsi: zu erklären. Am Dienstag stand tiefer Antrag in der Nationalversammlung zur Debatte. Ter Sitzungssaal hxrr ungewöhnlich gut besucht und auch die Tribünen wiesen zahlreiche Neugierige auf. Aus der Leidenschaft­lichkeit, mit der die Rechte bisher ihren Kampf für die Auflösung der Nationalversammlung betrieben hat, hat man wahrscheinlich darauf geschlossen, daß es zu leb. haften und stürmischen Szenen, und heftigen Zusam­menstößen kommen würde. Tiefe Hoffnungen wurden jedoch. Gottlob enttäuscht. Denn die Verhandlungen wurden erfreulich ruhig und sachlich geführt.

Ehe eS zu diesen Verhandlungen kam, mußte man jedoch eine Ueberfülle von kleinen Anfragen und Antworten über sich ergehen lasten U. a. wird auf eine Anfrage des Abg. Dr. Dccker.Heffen (D. Vp.) i geantwortet, daß der Entwurf einer Verordnung cmS- gearbeitet werde um den Mißständen bei der V e r. äufeerung b"on Grundstücken entgegenzutre. Iifen Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Herrmann.^ Posen (Dem.) wird geantwortet, daß die Reto)sregie.s rung wegen der Notlage ber Presse monatlich 10 Millionen Mark zur Verfügung stellte, unter ber Voraussetzung, daß die Länder billige? Holz zur 53er.' fügung stellen. Hierüber schweben Verhandlungen, r

Den Antrag der Rechtsparteien begründete SCbgj Graf Pssadowski von den Deutfchnationalen. In durch»! aus ruhiger Weife, das muß anerkannt werden, führtet er die Gründe an. die die Rechte für eine Auflösung der Rationalverfammluna vorbrinigen zu können nlau9t, unb die in bet Prelle der Rechten fchon f'it Wochen in aller Ausführlichkeit erörtert worden find. Aber so wenig diese Gründe durck. diese Prelleerörterung an Sttobaltigkeft gewonnen hoben, fo wenig konnte ihnen die R'de des Grafen Posadowsski zu einer Berechtigung verhelfen.

Leicht und überzeugend vermochte ber. Mini, fier des Innern Koch sie abzufertigen und zurückzuwei.i fen. Die Natiortalversammlung ist rticht nur dazu bagetvefen ber deut'chen Republik eine Verfastuua,zu geben, fonbern fie bat aito die Ausgaben annewie-en erhalten wichtige und dringend notwendioe g-wtotos- rische Arbeiten zu erledigm. Daß zu die''en Arbeiten^ die R e i chs f i n a n z r es 0 r m die Steuerge. febgebung gehört, haben auch die Deutschnattonai- len und die Deut'^e ouorkennt Tiefe

linanireform ist noch nicht obgcfchloffen. Darüber hin­aus aber müssen die neuen Wadlgefebe noch bet­raten und verabschiedet werden. Tiefe Wahlgefebe niw. eben aber eine fo grobe Vorarbeit für bje neuen, Wah­len notwendig, daß fchon biete Vorarbett n allein den Termin für die Neuwahlen bis in den erommer lunoin verschieben werden W'iter wies der Mm fter auf bie großen Gefahren hin. die Neuwahlen für bte not Go- fdMoffenbeit in d-m Abitimmunosgehieten er. zeugen müßten. Tie Nationalverfammluna soll nickv mit Arbeiten belastet werden, di: auch der svä'ere Reichstag erledigen kann Aber sie muß den alten Schutt bei

4 Seste vuiukä fie muß rum mindest:n noch dafür for-