JK 55.
Samstag, 6. März 1920.
* Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei i« Fulde
»ie Allmacht der einzigen Kammer.
• Der Entwurf ?ur preußischen Staatsverfassung ist wn einer erstaunlichen Einseitigkeit. Er will einem tinzigen Parlament, das auf vier Jahre ge- ^zhil wird, die ganze Fülle der Staatsgewalt über» Zogen, — ohne Einschränkung, ohne Kontrolle, ohne jo wirksames Mittel gegen übereilte oder überspannte Beschlüsse-
Das wäre em parlamentarischer Absolutismus in Reinkultur. Jede Alleinherrschaft ist gefähr- ftfj: nicht bloß der persönliche. wie er in Rußland zur «orenzeit üblich war, auch die Alleinherrschaft einer Krpcrschaft, die nur aus fehlbaren Menschen besteht, die kn Fieber der heftigen Debatten oder im Wirbel »ee Partelgetriebes zu bedenklichen Entschlüsien kommen kann und bei der in der Massenabstimmung das -nerantwortlichkeitsgefuhl des Einzelnen, die persönliche Gewissenhaftigkeit leicht in den Hintergrund gerät.
Gegen den f u r st l i ch e n Absolutismus hat man gst die ständische und dann die allgemein gewählte xolksvertetung mit immer mehr Vollmachten der Mit- gibeit und der Kontrolle ausgestattet. Wo das demo- tzgtifche System zum Durchbruch gelangt war, hat man [gjt überall den mächtigen Volkskammern ein Ober- (^5, einen Senat oder sonst eine Zweite Kammer zur gelte gestellt. Auch m England, obschon man dort noch einen König hat mit gewissen formalen Vorrechten und jgt Möglichkeit einer persönlichen Autorität. Auch in den Vereinigten Staaten, obschon man dort einen unmittelbar vom Volk erwählten Präsidenten hat, der gegenüber dem Parlament mehr Rechte besitzt, wie der wglische König. Auch im neuen deutschen Reich hat die verfassunggebende Nationalversammlung ihrem Aackfolger, dem Reichstage, eine zweite Kammer an die Seite gestellt, den Reichsrat, obschon auch bei uns jer Reichspräsident nicht vom Reichstag ernannt, fon- jtrn vom Volk gewählt werden soll.
Rur in Preußen soll künftig die einzige Kammer flges allein machen nach ihrem jeweiligen Belieben. Kein unabhängiges Staatsoberhaupt ist vorge- schen, keine zweite Kammer, die bremsen oder korrigieren könnte. Das Staatsministerium ist nichts anderes, als ein Ausschuß der Kammer, und von der Be- jngms der Auflösung der Kammer, die angeblich das Ministerium besitzt, kann höchstens dann Gebrauch gemacht werden, wenn die Kammer selbst bereits auf Selbstmordgedanken gekommen ist. Der sog. Finanzrat, von dem der sonst so kurzatmige Entwurf recht breit redet, kann höchstens einige Geldausgaben etwas einschränken oder höchstens verzögern, aber in allen übrigen hochwichtigen Zweigen der Gesetzgebung und der 'Serroaltung hat er gar nichts zu sagen, geschweige denn za tun.
lieber eine solche Zentralisation der ganzen Staatsgewalt in einer einzigen, unverantwortlichen und unbeschränkten Körperschaft ließe sich höchstens dann reden, wenn diese Berliner Regierung nur eine beschränkte Anzahl von wenigen geschäftlichen Aufgaben zu lösen hätte. Also z. B. bei einer ausgebildeten Selbstverwaltung der Provinzen, wenn die berufenen Organe her einzelnen Landesteile die eigentliche Arbeit leisteten imd die Berliner Zentrale nur den Gang der Selbstverwaltung zu kontrollieren, sozusagen die Tüpfelchen auf die fertigen i zu setzen hätte. Aber gerade von dieser Autonomie der Provinzen, die allerseits sehnsüchtig erwartet und teilweise stürmisch gefordert wird, schweigt 'der Verfassungsentwurf. Er stellt nur ein „besonderes Tesch" in Aussicht, was eine Phrase ohne jeden greifbaren Inhalt ist.
Die preußischen Staatsminister, die diesen Entwurf fabriziert haben, besitzen wirklich nicht den „Beruf der Gesetzgebung", dessen Mangel schon vor 40 Jahren der berühmte Rechtslehrer Savignn beklagt. Sie sind besangen in parteipolitischen Theorien und persönlichen „Idealen", sie sehen nicht auf die Vorbilder in demokratischen Staaten mit älterer Erfahrung, und sie sehen auch nicht auf die Triebkräfte im Lande,, auf die Stim- siwngen in den Provinzen. Wenn sie auf d i e s e Weise, durch eine übertriebene Zentralisation in den allerbe- dmklichsten Formen, 6en gefährlichen Zusammenhalt ws alten Preußenstaates retten wollen, so ist das eine Kur nach Dr. Eisenbart.
Die zwingenden Gebote der Stunde sind:
1. Die Selbstverwaltung der Provinzen muß du gl ei ch mit der Staatsverfassung, und zwar in ausgedehntem Maße bewilligt werden.
Ü. 2' Die Alleinherrschaft der Abgeordnetenammer muß gebührend eingeschränkt werden. Zum Mtdesten durch einen Staatsrat, der vielleicht aus den
Unpolitische Zeitläufe.
Don Fritz Nienkemper.
Berlin, 2. März 1920.
„St r ei djlj tilget gefällt g?" Dieser auf. einzlichc Ruf hat mich früher oft geärgert, Jetzt sind .gefällig"; jetzt sucht man sie mit heißem Bemühen ^ findet keine. Wer Glück hat auf der Jagd, muß wufe zahlen, als ob cs sich um Leckerüisien handle.
Dir lernen den Wert einer Sache erst schätzen wenn ße entbehren müssen. Wie verächtlich und Vev- Wxnderisch gingen wir mit diesen Zündstäbchen um, 'T® fr noch in allen Küchen und Kammern umherlagen °uf allen Gasthaustischen zur beliebigen Benutz. ^8 Prangten, weil die „echte" Schachtel höchstens einen 'enmg kostete I Es galt doch als selbstverständlich, 7® ^der Mensch, vom dienstbaren Geist bis zum hohen pfc-ni, stets einen Vorrat an Streichhölzern zur Hand 5* 'n der Tasche hatte, um beim geringsten Anlaß Flamme auflodern zu lassen. Wer uns damals Streichholznot vorausgesagt hätte, wäre einfach in nächste Irrenhaus verwiesen worden. Inzwischen Nvl wir lernen müssen, daß auch die gewöhnlichsten ^arismchen, die anscheinend in unerschöpflichem ^erilnsse vorhanden waren immer knapper, immer rer werden und zeitweilig verschwinden. Man muß S behelfen ob Ne Kartoffeln, ohne Kohlen, ohne Zünd- -j^et. Mit stillem Grimm oder lautem Schelten denkt eg an die fetten Jahre zurück, wo für billiges Geld zu haben war, was man zum behaglichen und Nonien Leben gebrauchte. Damals waren wir noch zufrieden; jetzt würden wir jauchzen vor Glück.
W^kait, wenn die alten Zustände wiederkehrten.
»Flammen empor!" Tas singt sich sehr schön; aber sticht so leicht eine Flamme hervorzurufen, wenn reine Streichhölzer hat. J,n den Bauernhäusern, oen ganzen Tag das heilige Herdfeuer brennt, rann Wustch leicht helfen. Mit einem Spahn oder Fidibus tiitb snF- m<tn kaB Feuer auf alle Kerzen, Lampen C?_ Aber der Städter hat seinen GoSherd,
Ht sr Wirtschaftlichkeit beruht gerade darauf, daß Flamme nur zeiweilig brennt, solange der Topf Mv" rnuß Also immer wieder ausgedreht und immer itzt. 7^ ssvgezü^ct. Aber womit anzünden, wenn die fehlen? Einen Notbehelf bildet ja die
Wahlen der provinziellen Körperschaften heroorgehen könnte, oder durch eine „Kammer der Arbeit", die eine ständische Zusammensetzung haben könnte, oder durch ein kontrolliercrches Parlament mit einer Mischung von Provinz- und von Derufsvertretern. Ob dann noch eine Instanz zur Ernennung der Minister und zur Ausübung des unentbehrlichen Auflösungsrechtes zu schassen ist, wäre noch zu überlegen.
Mit der Diktatur der einen Kammer ist auf keinen Fall auszukommen, — am wenigsten in einem 'Lande, das ohne Koalition mehrerer Parteien überhaupt nicht regiert werden kann.
Die Freiheit der Rechtspflege.
Im Prozeß Erzberger-Helfferich hat der Oberstaatsanwalt in seiner Schlußrede erklärt, daß er von seiner vorgesetzten Behörde nicht die geringsten Anregungen oder auch nur Winke erhallen habe, die einer Verhaltungsmaßregel gleichgekommen wären. Man erinnert sich dabei an frühere Zeiten. Die Staatsanwälte sind damals durchaus nicht immer so unpolitisch gewesen. Man denke nur einmal daran, wie in der Kulturkampfgesetzgebung gegen Elemente, die der Regierung n iß- liebig waren, vorgegangen wurde. Es sei auch an die Zeit des Sozialistengesetzes sowie an eine ganze Reihe von ehedem geführten politischen oder Majestätsbeleidigungsprozessen erinnert. Heute beruht dieser größte politische Prozeß, den die deutsche Iustizgeschichte gesehen hat, auf vollster Unabhängigkeit, was ja eine Selbstverständlichkeit ist. Das ist umso bemerkenswerter, als es sich um ein hervorragendes Mitglied derselben Regierung handelt, von der die ©egmfeite beha uptet, daß sie den Mittelpunkt der politischen Korruption bilde. Daß das nicht auf Wahrheit beruht, wie der Oberstaatsanwalt ausdrücklich feststellte, ist wiederum ganz selbstverständlich.
Jedenfalls bildet der Prozeß Erzberger-Helfferich ein Zeugnis dafür, daß die Justiz unter dem neuen Regime kein Ansehen der regierenden Personen kennt. Die Prozeßleitung durch den Vorsitzenden hat keine Spur irgend einer Begünstigung des beteiligten aktiven Ministers aufzuweisen, sondern eher eine väterliche Nachsicht gegenüber dem temperamentvollen Angreifer. Und die Staatsanwaltschaft, die doch viel eher noch wie der Richter Rücksicht „nach oben" nehmen könnte, hat Schlußreden gehalten, die an Schärfe gegenüber dem Reichsminister nichts zu wünschen übrig lassen. Wir müssen sogar, ohne für die Person Erzbergers Partei ergreifen zu wollen, doch nach unserer Schätzung der Prozeßergebnisse sagen, daß der Staatsairwalt in mehreren Fällen den Beweis des Eigennutzes und der Unwahrhastigkeit für erbracht erachtet hat, wo nach unserer Ansicbt die Sache noch sehr zweifelhaft geblieben ist und sowohl Worte wie Taten mißverstanden und mißdeutet sein können.
Die Löcher in unseren Grenzen.
Alles, was wir aus dem Auslande beziehen, müssen wir um das 25fache teurer bezahlen, als cs vor dem Kriege der Fall war. Auf deutsch heißt das, daß wir nichts kaufen können.
Und doch kaufen wir. Wir kaufen unendlich vieles aus dem Auslände, was wir nicht unbedingt nötig haben. Wir beziehen noch immer große Massen Zigaretten und Tabak aus dem Auslände, noch immer große Massen „echten Kaffee", noch immer viel Seide usw. usw. Neuerdings hat sich die Regierung unter dem Eindruck des Sinkens der Valuta auf Betreiben der aus Gelehrten und Fachleuten zusammengesetzten Valutakommission zu entschlossener Äbwehrmaßnahme aufgeschwungen. Auch das moralische Pflichtgefühl des Volkes wird allmählich wieder geschärft; man hat erkannt, daß man durch jene Menge Getreide und Mehl, die man durch das für Tabak und Kaffee uni) Seide usw .ins Ausland gesandte Geld zu uns hereinholen könnte, zahllose heute verhungernde Kinder retten könnte. So ist man wenigstens theoretisch dem Ziele um einiges näher gekommen.
Nur die Praxis versagt völlig. Wir sind nicht in der Lage, den Grenzschmuggel gesetzlich zu beseitigen. Die Schieber sind so gerissen, daß unsere heutige Organisation der Grenzüberwachung nicht mehr „dicht" hält. Ihre Mittel und ihre Gewinne sind so riesengroß, daß sie bei den Bestechungen mit Summen wirtschaften können, die das vielfache der Iahresgchälter der Ueberwachungsbeamten ausmachen. Die Folge dieses Zustades läßt sich in Verbindung
Ding ist natürlich auch teurer geworden und hat feine Mucken. Der Zereisenstifss der die glühenden Funken abgibt, ist bald zerschlissen; es muß erst ein neuer eingeschraubt oder vielleicht erst geholt werden, fiat man nun endlich Feuer am Gasherd, so kann dasselbe Verfahren beginnen, wie in den ländlichen Häusern: mit Spähnen bringt man die Flamme in die Cefen, mit Fidibus in die Pfeifen der männlichen Hausgenossen.
In der Not schreitet die Kultur rückwärts. Spähne und Fidibus erinnern mich an meine Kinder, fahre, wo zu meiner ersten nutzbaren Arbeit das Fall, ten von Fidibus gehörte, Fidibus müßten immer auf dem Tische bereit stehen. Sie waren damals noch Hand, lieber als Beute, da man offenes Licht Brannte, an dem sich die Fidibus ebenso leicht und schnell entzünden ließen, wie die Streichhölzer. Auch das Gaslicht in den Städten Brannte zuerst mit offener Flamme. Seit Auer uns das Glühlicht beschert hat, ist e§ mit der AniteckungSfähigkeit vorbei. Das elektrische Glühlicht war von vornherein rmzugänojlich für Spähne oder Fidibus.
Zrrrückgegriffen hat man auch auf das urbäterliche Feuer schlagen. Als die SchweselhÄzchen schon lange erfunden waren, halten alle Fuhrleute und Wan. derer noch Stein, Stahl und Schwamm in der Tasche, In Wind und Wetter waren nämlich die alten Schwq- felhölzchen nicht zu gebrauchen, weil es zu lange bau. erte bis der entzündete Phosphor durch den Schwefel hindurch bis an das fiolz vorgedrungen föar. Unterdessen konnte der Wind zehnmal das Flömmchen miS- blasen. Wenn aber der Schwamm sich an einem Fünkchen des geschlagenen Steins entzündet Batte, so glimmte er auch in Wind und Wetter weiter; man konnte behaglich und sicher die Pfeife damit anzünden. Für den Schwamm aab eS einen praktischen und billigen Ersatz in einer Lunte von präparierter Baumwolle, die nach Gebrauch in eine Blechröhre zurückgezogen wurde.
Stahl und Stein gibt Funken. Die Schwierigkeit liegt nur darin, aus dem glimmenden Schwamm oder T-rxüt eine Flamme herauszulocken. Diese Aufgabe wurde gelöst durch die D e n z i n-Feuerzange. Die Benzindämpfe entzürrden sich 'noch leichter wie daS Leuchtgas. Man brachte also den Funkenftein in die Nähe von einem Benzindocht an. Zugleich wurde die Funkengebung verbessert, indem man statt des gewöhn.
mit der allgemein gesunkenen Moral und der vielfachen Rot im Lande leicht erklärm.
Dazu nun aber noch der Widerstand der Entente. Im Westen hat die Entente die^Durchführung des Zollsystems unmöglich gemacht. Für 3^ Milliarden englischer Zigaretten sollen durch das „Loch im Westen" nach Deutschland hinein geschmuggelt worden sein! Das sst mehr, als wir überhaupt an deusschen Produkten ausführten; es mußte also mit deutschem Papiergeld bezahlt werden, sodaß dieses im Auslande immer mehr und immer schneller entwertete. Die Entente hat bisher ihren Widerstand gegen eine dichte Absperrung nicht aufgegeben. Die Regierung hat dieser Tage wiederum einen flehenden Notschrei zur Entente hinausgeschickt, aber es ist kaum anzunehmen, daß sie damit große Erfolge haben wird.
Es wird im Gegenteil ständig schlechter. Jetzt ist auch noch das L o ch im Oft en dazu gekommen. Die Besetzung von Oberschlesien hat dort unsere Grenzüber- wachungsorganisatton ausgeschaltet, die Entente-Besetzung schaltete dort überhaupt den deutschen Einfluß aus, und die Folge davon ist, Freiheit für die Schieber.
Das Valuta-Elend hat bisher mehr geschadet, als der ganze Kriegsverlust. Was infolge dieses Tiefstandes unseres Geldwertes ins Ausland gegangen ist, das ist mehr als das, was wir der Entente überhäuf an Kriegsentschädigung zu zahlen haben werden. Das Ausland, das neutrale nicht minder als das andere, hat uns Milliarden über Milliarden weggenommen, einesteils durch Ankauf oller nur irgendwie erreichbaren und greifbaren Waren und Werte, sogar Grundstückswerte, im Lande, anderenteils durch Ansammlung riesengroßer unübersehbarer Mengen deutschen Papiergeldes draußen, das wir nachher werden einlösen müssen.
Und ehe nicht dieses Loch im Westen und dieses neue Loch im Osten verstopft sein wird, kann es bei uns nicht besser werden.
Einen Aufruf an die
Haus- und Grundbesitzer
erläßt Architekt I. Heinrich in Nürnberg. Er mahnt deutsche unbewegliche Güter aller Art, Hotels, Wirtshäuser, Fabriken, Bergwerke, Wasserkräfte und Grundstücke zu schützen vor dem Zugriff der Ausländer.
Da ein behördliches Verbot des Verkaufes an Ausländer nicht erlassen werden kann, weil der schmähliche Friedensvertrag vorschreibt, daß Ausländer im Gebiet des deutschen Reiches dieselben Rechte haben wie die Deusschen, hoben sich feindliche und neutrale Aufkäufer schon viel zu viel von wertvollem deutschen Besitz angeeignet und uns nahezu von beweglichen Gütern (Holz, Eisen, Leder usw.) entblößt. Wegen des schlechten Standes der deutschen Valuta können sie die Objekte zu Spottpreisen erwerben. Diesem Ausverkauf Deussch- lands muß mit allen Kräften gesteuert werden.
Wie kann nun der Ankauf von deutschem Immo- bilienbesitz durch Ausländer verhindert oder roenigftens auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden?
Am besten dadurch, daß die deutschen Reichs- und Landesregierungen sich wieder darauf besinnen, daß der Haus- und Grundbesitz auch Rechte und nicht nur Pflichten hat. Wenn er wieder die Ueberzeugung haben kann, daß er denselben Rechtsschutz genießt, wie andere Staatsbürger oder gar Ausländer, dann wird er sich nicht so leicht von seinem Besitz trennen. Aber auch der Besitz selbst kann und wird (Rechtsschutz vorausgesetzt!) dafür Sorge tragen, daß nicht der deutsche Boden, unser wertvollstes Gut, an die Ausländer verschleudert wird, indem jebem Ausländer, der kaufen will, die Verpflichtung auferlegt wird, in Goldwährung feiner Nation zu bezahlen! Deusscher Boden, unsere Wohn- und Arbeitsstätte, ist für uns Deutsche Gold, genau wie unsere Arbeitskraft. Berechnet uns das Ausland doch auch für fein schimmeliges Mehl tmb feine holbverfaulten Kartoffeln den Gold- turs! Und außerdem sind die Kaufobjekte, die doch sicher alle aus der Vorkriegszeit stammen, mit Gold gebaut, bezw. in Goldwährung bezahlt worden. Weshalb denn Goldwert für Papier abgeben? Die schlauen Ausländer lachen sich ja nur ins Fäustchen über den dummen deutschen Michel, der das tut.
Haben wir erst unsere Bodenständigkeit verloren und sind im eigenen Lande wurzel- und heimatlos geworden, bann ist alles verloren. Dann sind wir Fremdlinge im eigenen Land, Mietlinge bei Ausländern und Deutschland wird eine Kolonie feiner Gegner, wie Aegypten und Indien.
sprüht, ober auch demenssprechend sich abnutzt. Ms nun im Jahre 1909 eine Zündholzsteuer eingeführt wurde, ba griffen die verärgerten Raucher zu dem Benzinfeuerzeug. O, wie geringfügig war diese Pfennigsteuer im Vergleich zu der späteren Preiserhöhung. Die Bent- zinlunte leistet ja auch jetzt noch Aushilssdiensie, obschon inzwischen das Benzin knapp geworden und die häufige Nachfüllung überhaupt ihre Schattenseiten hat.
All« alten und neuen Ersatzmittel können doch nicht aufkommen gegen das einfache und bequeme Streich. Hölzchen. Darum wird es auch massenhaft begehrt, trotz der ungeheuren Preissteigerung. Bis auf das Fünf- imddreißigfache l Nach dem neuesten Plan der Streich. Holzwirtschaft soll nämlich die Schachtel 35 Pfennige kosten. Nun gut, beißen wir in den sauren Apfel, wenn wir ihn nur kriegen! Wer die Erfahrung ha! uns ja gelehrt, daß gerade die Sachen, die mit dem amtlichen Preis ausgezeichnet werden, die galoppie. rende Schwindsucht bekommen. Sie sind nicht mehr zu haben, als höchstens hintenherum mit dem Schleich- handelsaufschlay.
Den hohen Preis sollen nun die deutschen Zünd. Holzfabrikanten nicht gänzlich schlucken. Etwa ein Drittel des Ertrages sollen sie abgeben zum Ausgleich für die Mehrkosten der schwedischen Strechhölzer. Die würden sonst noch teurer als zu 35 Pfg. verkauft wer. den müssen. Nicht wegen der Teuerung in Schweden, sondern wegen der jämmerlichen Valuta, die den Wert der deutschen Mark im Auslande auf wenige Pfennige heruntergebrackst hat. Könnte man mm die echten Schweden in Deutschland teurer verkaufen, als die ein>- heimiscken Streichhölzer, Nein, das gebt nicht; denn dann würden die deutschen Fabrikate auch auf denselben Höchstpreis getrieben werden. Oder können wir in Deutschland die Erzeugung von Streichhölzern so stei. gern, daß wir die Einfuhr aus der Fremde nicht mehr brauchen? Das geht auch nicht. Vorläufig hindert dies schon der Kohlenmangel. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß wir die Streichhölzer ungeheuer teuer bezahlen, um wenigstens den dringenden Bedarf decken zu können.
An diesem verhältnismäßig kleinen Beispiel kann man ersehen, wie eine Not in die andere greift, wie die Schwierigkeiten der Versorgung sich gegenseitig verheddern und steigern, wie der Gipfel der Teuerung noch längst nicht überwunden ist.
Eine erhebliche Erleichterung in der Stxeichholznot Lyrrte» die R«uKex hcKeiMrep, r
Deshalb muß jeder Besitzer, der aus irgend emew Gründe verkaufen will oder muß, sich vorher genar erkundigen, ob nicht ein Ausländer hinter feinem Käufer steckt. Käufer, bde sehr dick mit Geld tun, sind entweder Kriegs- oder Revolutionsgewinnler, häusig aber auch Schieber und Strohrnännerfür Aus- länber. Sobald bet Verkäufer dies merkt, muß er die Forderung stellen, daß in der Währung der Nation gezahlt werden muß, der der Käufer ange- hört, z. B. vom Schweizer in Franken, vom Franzosen m Francs, vom Amerikaner in Dollars usw., alles in Goldwährung wie in der Vorkriegszeit, denn die Preise der Objekte such auch meist auf Mark nach Goldwährung der Vorkriegszeit eingestellt. Jede Bank gibt Auskunst, was 100 Mark vor dem Krieg in Franken, Francs, Lire, Gulden, Dollar und Sterling wert mären. Danach kann sich jeder Besitzer den Preis in fremde Währung umrechnen, unbekümmert um die Va- Inta. So kommen wir wieder zu fremden Devisen und die deutsche Valuta hebt sich. Will sich ein Auslanbstäufer darauf nickst einlassen und absolut in Mark, die er billig erworben hat, bezahlen, bann lehne man ben Verkauf ab.
Was nutzen heutigen Tages Koffer voll von Papiergeld, wenn die größte Menge Geld wertlos ist, und man sich nichts dafür taufen kann. Nur reale Werte, gleichviel, ob mobll oder immobil, haben heute noch Geltung. „Eigner Herd ist Golder wer t".______________
Baukostenzuschuß und Bodenfrage.
Don Architekt F. W. Jung Haus-Full».
Die kürzlich betanntgegeüenen Bestimmungen über die Gewährung von Baukostenzuschüssen für das Jahr 1920 aus Reichs- und Gemeindemitteln legen eine Wohnfläche von 70 Quadratmeter, für kinderreiche Familien von 80 Quadratmeter für die Hergabe der zinslosen Darlehn zu Grunde. •
Hierbei ist die Wohnfläche aus der Gesamtgrundfläche der Wohnung abzüglich der Umfassung- und Innenwände zu errechnen; bei Einsamilienhäusem ist auch der von der Treppe in Anspruch genommene Raum abzugsfähig. Inbegriffen in die Wohnfläche sind dagegen untergeordnete Räume, wie Aborte, Vorplatz und Speisekammern. In letzterer Maßnahme bekundet sich das Bestreben, durch möglichste Beschränkung dieser Nebenräume Baustoffe zu sparen.
Die feste Begrenzung auf eine Fläche von 70 und 80 Quadrameter gibt insofern zu Bedenken Anlaß, als damit den je nach der Größe und Zusammensetzung der Familien verschiedenen Wohnungsbedürfnissen garnicht Rechnung getragen wird. Es besteht die Gefahr, daß die Erbauer von Wohnungen sich möglichst nahe an diese zuschußberechtigten Flächenmaße halten oder sie nur ganz gering überschreiten werden, wodurch in Wohnungen von 3, 4 und 5 Zimmern unzureichende, kleine Räume geschaffen, andererseits bei Wohnungen von 1 und 2 Zimmern auch 70 Quadratmeter Fläche ohne Bedürfnis ausgenutzt werden, da ja der Zuschuß bis zu dieser Grenze ohne weiteres gewährt wird. Hierin liegt eine Gefahr, die auf der einen Seite zur Schaffung unzureichender Wohnungen, auf der an- deren zur staatlich subventionierten Sau ft offner» schwendung führt.
Setzen wir die für eine Dreizimmerwohnung erforderliche Wohnfläche mit ca. 80 Quadratur, an, wovon auf die drei Wohn- und Schlafzimmer 4X 5 -f- 4X 5 + 3X5 m = 20 20 +15 qm — 55 qm, aus die Küche aber
3X4 — 12 qm und die Nebenräume Vs der Fläche von 67 qm kämen, so ergibt sich schon für die Dreizimmerwohnung eine unbedingt erforderliche Wohnfläche von 80 qm, die aber die Verordnung über die Baukostenzuschüsse als Grundlage für die Darlchnsgewährung nur kinderreichen Familien anrechnet, deren Ansprüche aber mit drei Wohn- und Schlafzimmern nicht befriedigt werden können. Eine Dierzimmerwohnung würde demgemäß ca. 90 Quadratmeter, eine Fünfzimmerwohnung ca. 115 Quadratmeter beanspruchen. Diese Beispiele zeigen, daß nur eine gewiss« Beweglichkeit in der Anrechnung der Wohnfläche den verschiedenen Wohnungsbedürfnissen gerecht werden kann.
Der Baukostenzuschuß beträgt nun bei Inanspruchnahme der Wohnfläche von 70 Quadratmetern in Städten für Kleinwohnhäuser 180 M pro Quadratmeter, also 12600 M staatliche Beihilfe, zu der noch das von der Gemeinde zu leistende Drittel dieser Summe in Höhe von 4200 'M kommt, sodaß insgesamt 16 800 M als Baukostenzuschuß gewährt werden. Diese zinslose Hergabe dieser Beihilfen ermöglicht es ttotz der steigenden Qualmen einswllen wollten. Tenn die Raucher der. brauchen mehr Streichhölzer, als alle Köchinnen. N0- mentlich seit der Herrschaft der Zigaretten. Dieses kleine Ding ist schnell verpafft, und dann muß weder eine neue Flamme entzündet werden. Die große Zigarre hält bei einem Streichholz so lange vor, wie ein halbes Dutzend Zigaretten. Neuerdings sind nun die kleinen Pfeifen in Aufschwung gekommen. Die sparenl viel an TabaKosten; doch ist der Kopf klein imb der Fassuysraum schrumpft beim Anrauchen immer mebr zusammen. Infolgedessen mutz immer neu gestopft,! neu angezündet werden. Die Raucher sind nicht zu, bekehren (ich schlage selber an die Brust). Die Streichholznot wird also auch nicht Nachlassen.
Seien wir froh, wenn wir überhaupt rwch mit dem Leben aus diesem fürchterlichen Winter herausbom-' men- Heute ist schon vorzeitiges Osterwetter; aber ich fürchte Rückfälle — beim Wetter wie bei der Grippe.
Ludwig Windthorst und der Weltkrieg.
In einer vorjährigen Nummer der Schkes. Vztg. finden wir folgende Zuschrift, die dem Blatt von altbewährter Seite zugegangen ist:
Es sind jetzt gerade dreißig Jahre her, da saß ich einmal bei unserem seligen Ludwig Windthorst in seinem bescheidenen Zimmer der Alten Jakobstraße! in Berlin. Wir sprachen von dem alten deutschen Bund und seiner Zertrümmerung im Jahre 1866/ Die „kleine Exzellenz" sah sinnend vor sich hin und sagre dann: Heute darf man gar nicht laut sagen, daß der alte deutsche Bund doch noch manche Vorzüge hatte vor dem neuen Deutschen Reich, sonst kommt man in den Verdacht, entweder ein schlechter^ Mensch und Reichsfeind oder ein bizarres liebet-: bleibsel aus einer vergangenen Epoche zu sein. Unb; doch ist es wahr.
Der Mangel an politischer Einheit im alten Bund war gewiß unangenehm, aber wir hatten dort die geistige Einheit aller deutschen Stämme. Die Grenzpfähle zwischen den einzelnen Bundesstaaten waren doch nicht so schlimm. Vor allem war der Bund ein gutes Sicherheitsmittel gegen Kriegsgefahr. Er hatte eine ungeheure Stärke in der Verteidigung, dazu kam noch, daß er keiner fremden Macht verdächtig war. Weder die Aanzostv, noch. die. sstussen reizst « rqm„AWS- .. -