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Keine Auslieferung des Kaisers.

5n ihrer Antwort cm die Entente erklärte die holländische Regierung sich außerstande, in der Frage der Auslieferung Kaiser Wilhelms zu einer «aderen Schlußfolgerung als der von ihr bereits ge­zogenen zu kommen. Es heißt in der Note: r Da es zu den höchsten Pflichten der Regierung gehöre, die auf allgemeinen Rechtsgrundsätzen beruhenden oerfas- -M>smäfcigen Gesetze des Reiches zu achten, darf sie nicht unterlagen, noch einmal deutlich darauf hinzu- vetfen, dah sie eine Tat begehen würde, die dem Recht «id der Gerechtigkeit widerspreche und mit der natio­nalen Ehre unvereinbar wäre, wenn sie unter dem Drängen der Mächte zulasten würde, dem auf hol- Lndischem Gebiet befindlichen Flüchtling die Rechte

* Eisenbahnverkehr durch den polnischen Korridor. Die Verhandlungen mit den Polen über die Durchfüh­rung deutscher Züge durch das an die Noten abgetre- tei.e Gebiet haben nunmehr endlich zn einem Ergebnis geführt. Bis auf weiteres werden zwischen Schneide-

den hat. ।

♦ Das Saargeld. Da es den Franzosen nicht nehm, gen ist, die Bevölkerung durch politische und kulturelle Agitation zu sich herüberzuzieüen, versuchen sie jetzt mit Einführung der Fremdwährung oder einer eigenen Saarwährung die Bevölkerung für ihre Absichten vorzu. bereiten. Die Sacrrpreste berechnet, daß mit Ablösung der Mark durch irgend eine andere Wahrung sämtliche Rentenbezieher gezwungen wären das Saargebiet zu verlassen, da sie mit ihren Einkünften in Mark nicht mehr kaufkräftig im Saargebet sein könnten Es wür­den etwa 150= bis 200 000 Bewohner des Saarbeckens auswandern müßen, das träte ein Drittel der Vevölke. rung. Damit würde für fremde, d. h. französische Ein- tvmrdernng Platz gefunden und die jetzige reindeutsche Bevölkerung zusammenschrurnpfen. Hierdurch würde dann das eintreten, tvas bis fetzt von Clernencean fälschlich behauptet wurde, nämlich, daß die Sacrrbevöl- kerung wirklich eine gemischtsprachliche sei.

* Fortgesetzt willkürliche Verhaftungen von „Kriegs­verbrechern". Die Franzosen setzen im Saaraebiet, im Rheinland und in der Pfalz die willkürliche Verhaf­tung von Personen fort, die sich nach ihrer Ansicht ge­wißer Vergehen im Kriege schuldig gemacht haben. Die Festnahme und Verschleppung der meist abnungS- losen Personen erfol-it vielfach in einer geradezu über- fallartigen Weise. Sogar im nichtbesetzten Gebiet er-

getreten bis sie bluteten — Auf Beschwerden gibt es bloß Achselzucken. Vor kurzem wurde eine mir be­kannte alte Dame von 82 Jahren von der Schildwache vom Fußbürgersteig heruntergestoßen, daß sie auf die Straße fiel und heute noch unter dem Fall zu leq-

Das Wirtschaftsleben.

* Amerikcinifchc Schuhverkävfe in Leipzig. Riesen­hafte Umsätze sind auf der diesjährigen Leipziger Schuh- und Lcdermessc, an der auch ameri­kanische Aussteller beteiligt waren, gemacht worden. Das billigste Paar Schuhe, das bei die­ser Ausstellung zu sehen war, kostet 6 Dollar, das sind nach dem heutigen Kurs 600 =Al. Es sind aber auch Schuhe ausgestellt, die 14, 15 und 16 Dollar und noch mehr kosten. Dabei haben diese amerikanischen Fabri­kanten chre Produkte bereits gänzlich ausoerkauft. Es ist, bemerkt die „Franks. Ztg." dazu, nichts bannt getan, wenn man die Hände über dem Kopf zusammen­schlägt und mit einem Gemisch von Grausen und Be­wunderung die märchenhaften Preise feststellt. Denn dieses Märchen ist harte Wirklichkeit und muß mit un­erbittlicher Deutlichkeit als ein Skandal bezeichnet werden, der, wenn wir eine Regierung haben, sie auch angehen müßte. Sn Leipzig wird mit Glanz und Gloria durch diesen protektiomerten amerikanischen

folgen solche Festnahmen. (Berzl. dazu die Meldung aus Frankfurt im 2. Blatt.)

Endlich kommt die Einsicht!

Aus England sind in den letzten Tagen Nachrichten k-«kommen, die auf die beginnende Einsicht schließen Mssen, daß das Friedenswerk von Versailles Stümper- ist, das nicht nur die besiegten Länder, sondern M»mz Europa zu Grunde richtet. Man hat erkannt, daß r wirtschaftliche Rettung Europas die erste und drin- t Edste Ausgabe ist; die aber nur durchgeführt werüeu > |arJn, wenn man Deutschland und Oesterreich gegenüber ; tine verständige Volitik einschlägr.

Sir Ä u ck l a n'd Geddes, der englische Botschas ‘ jg in Washington, soll erklärt haben, England werde jen Alliierten gegenüber den Standpunkt vertreten, daß Deutschland geholfen werden müsse; es werde s Mtschland eine Anleihe bewilligen.

Eine andere Nachricht meldet, daß der Oberste Rat eine deutschen Anleihe genehmigen will, die Iorrecht vor allen Kriegsentschädigungen haben soll. Deutschland müsse geholfen werden. Diese Erkenntnis ' Derbe zu einer Revision des Versailler Vertrages füh­ren. Angeblich soll Deutschland gestaltet werden, eine ^Mernalionale Anleihe von 30bis40Milliarden kwszunehmen. Einen Teil des Betrages dieser Anleihe, ; ewa 12 Milliarden, könne Deutschland mit Vorzugs- : rechten für den Ankauf von Nahrungsmitteln und Roh­stoffen verwenden. Der Rest werde wahrscheinlich auf Rechnung der Entschädigungen, die Deutschland zu lei- stäi habe, verwendet werden.

Ferner hat nach einer westeren Meldung die Kom- rtniffron für ausländische Angelegenheiten im englischen Unterhaus die sofortige RevisiondesFriedens- Vertrags mil Oesterreich verlangt

[ Eine gewisse Bestätigung erhalten diese Nachrichten durch die Darstellung des Londoner Berichierstart^S des „Echo de Paris", daß ein wirtschaftliches ^Manifest, das der Oberste Rat veröffentlichen wird, . unter dem Einfluß eines bekannter. Buches des Englän­ders Keynes stehe. Dessen Grundgedanke aber ist: Nicht darin liegt die europäische Gefahr, daß Dcutsch- lmd stark ist, sondern darin, daß Deutschland ruiniert ist.

Das Manifest des Obersten Rates soll die folgenden Punkte enthalten: 1. Die Alliierten erklären sich bereit, eine größere Menge von Ro h st o f f e n an Deutschland zu liefern. 2. Die Alliierten wollen sich an dem Auf­bau der deutschen Wirtschaft beteiligen. 3. Die Frage des Wiederaufbaus der zerstörten Gebiete von ffrankreich und Belgien fei keine nationale, sondern eine internationale Frage. 4. Das wirtschaftliche Gleich­gewicht Deutschlands und Rußlands soll wieder herge- stellt werden. 5. Die V a l u t a f r a g e soll intematio- nal geregelt werden.

- Wir wollen ohne übertriebene Hoffnungen die wei­tere Entwicklung abwarten. D'C alten Männer sind noch in den alliierten Staaten maßgebend. Eine völlige Umkehr ihrer Politik ist nicht wahrscheinlich, vor allem ^werben sie Deutschland nur darum und nur so viel Hel­sen, wie nötig ist, um ihren eigenen Ländern zu heiser:. Eine wirklich durchgreifende Aenderung des Derfailier Friedens wird der noch immer unoeschwächke französi­sche Haß bis auf weiteres nicht dulden.

Abg. Beyerl« (Bayr. Dpt.), daß der § 2 den Ländern die Finanzhoheit nehme und gegen den bundesstaatlichen Charakter des Reiches verstoße. Er widersprech« der Reichsoerfassung. , m ,,

llnkerstaalsfekrelSr Moesle bestreitet, daß die Reichs- abgabenordnung verfassungswidrig sei und verweist auf die frühere Beratung. § 2 dieser Vorlage sei nur die Aus- führung einer Bestimmung der Reichsoerfasiung. Landes­recht gilt nur, so lange das Reich von seinen Rechtsprm- zipien Gebrauch macht. , . .

Abg. Pohlmann (Dem.) stimmt dem zu. Es sei richtig, daß wir uns mit diesem Gesetz in eine dunkle Zukunft hinein begeben; aber es müßte die nötige materielle Si­cherheit gewährt werden.

Abg. Bogd (Soz.): Das Gesetz entspricht durchaus dem Geist der Reichsverfasiwrg. Der gewaltige Bedarf des Reiches, der Druck des Friedensoertmges zwingen uns, dem Reiche die Finanzhoheit einzuräumen.

Abg. Düringer (Dnat.): Meine Partei wird für den § 2 stimmen, aber gegen das Gesetz.

Abg. Schneider-Franken (Bayr. Vpt.): Gewiß kann das Reich sämtliche Steuern in Anspruch nehmen, aber es kann die Länder und Gemeinden nicht von der Er­hebung gleicher Steuern ausschließen.

Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Zöphel (Dem.), Vorlage (Ztr.) und Dr. Braun-Franken (Soz.), wird § 2 mit 219 gegen 33 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Angenommen werden auch die §§ 3—5.

Samstag: Fortsetzung.

Deutsches Reich.

* Reichstagswahlen im Herbst. Die Reichstags^ Wahlen sollen, tote jetzt feststeht, erst im Herbst stattfinden. Ausschlaggebend für die Wahl dieses Termins sind die Verhältnisse in den Ab st im- mungsgebieten gewesen. Würde im Frühjahr gewählt, so müßte zunächst die Frage gelöst werden, was in den Abstimmungsteilen Ostpreußens und was m Oberschlesien geschehen soll, will man die Reichsangehörigen dieser Gebiete ihres Wahlrechts berauben oder welche Möglichkeit besteht, daß der Wahlkampf dort unbeeinflußt und frei durchgeführt werden kann?

* Das Rclchslagswahlrechl. Reichsminister Koch machte den Vertretern der Presse Mitteilung über den Inhalt der Gesetzvorlage betresfend das Reichstagswahl­recht. Es sei beabsichtigt, die Größe der Wahlkreise ela­stisch zu machen in der Weise, daß 5—6 Wahlbezirke zu einem Wahlverband zusammenoelegt würden, in­nerhalb dessen dann jede Partei zu bestimmen habe, wie weit diese Wahlbezirke zu einer einheitlichen Wahlliste zusammensassen wolle. Die Wahlverbände würden mit einigen Austiahmen etwa den heuügen Wahlbezirksver­bänden entsprechen. „'.Bei der Pcstimmung, daß auf 60 000 abgegebene Stimmen ein Abgeordneter kommen solle, müsse es verbleiben. Ferner soll es eine Reichsliste geben, die große Vorzüge habe. Sie ermög­liche die Wahl von Leuten, die ohne Fühlung mit einem bestimmten Wahlkreise durch ihre hervorragenden Eigen­schaften erwünscht seien . Von Einzelheiten fei noch her­vorgehoben die Einführung von Wahlkarten statt Wählerlisten in den Städten, von W a h l p ä s s e n für Berufe wie Binnenschiffahrt, Handlungsreisende, Eisen­bahnbeamte, endlich das Wahlrecht der Ausländs­deutschen.

c Portoerhähung und Abgeordnete. Dom 1. AprU ab soll das Briefporto wiederum steigen und zwar von 20 auf 30 Pfg. für Briefe bis zu 20 Gr. schwer und für Briefe von über 20 bis 25 Gr. von 30 auf 50 Pfg. Einfache Postkarten sollen 20 Pfg. kosten. Das hat weitere größere Ausgaben nicht nur für die Industrie und Geschäftswelt, sonder nauch für diejenigen, die einen regen Briefwechsel pflegen müssen, im Gefolge. Zu ben letzteren gehören die Abgeordneten sämtlicher Parlw mente. Die Wähler haben zu keiner Zeit sich so häufig an ihre Vertreter in den Parlamen'en gewandt, wie in heutiger Zeit. Und das ist ihr gutes Recht; denn die Abgeordneten sind dafür da, die Wünsche ihrer Wähler zu vertreten. Aber den Abgeordneten erwachsen aus

nehmen würde, die das Gesetz ihm Erkenne. — Wenn i zosen übers Auge. Darauf pfiff der Franzose mir der die Regierung die einmal gegebene Antwort aufrecht- j Signalpfeife, und von allen Seiten kamen nun Die Ka- erh-rlten muh, heißt es weiter in der Rote, so ist sie den- i meraden. Man traktierte das Paar solange bis es noch vollauf der Pflicht bewußt, die ihr die Anwesenheit ; am Boden lag. Und dann wurden beide mit «uW des ehemaligen Kaisers auf dem Gebiet des Reiches auf- *•* "" pS

erlegt, sowohl im Interesse des Landes selbst, als in dem der internationalen Sicherheit. Von Anfang an ist die Regierung Ihrer Majestät bestrebt gewesen, dem nachzu­kommen, was ihre Pflicht vorschreibt, und sie wird auch weiterhin tun, wozu sie in der Lage ist imb_ ihre Saune» ränrtät ausüben, um an Ort und Stelle genügende V o r- sorgemaßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um die Freiheit des ehemaligen Kaisers den erforderlichen Beschränkungen zu unterweisen. Sie vertraut daraus, daß diese Erklärung den Beweis liefern werde, daß die Nie­derlande den Geist des Rechts schützen und nicht versehlen werden, die Besorgnisie der Mächte zu beseitigen.

Schuhverkauf am Grabe der deutschen Wirtschaft ge­schaufelt, ohm daß auch nur eine Veranstaltung getrof­fen würde um dem entgegenzutreten. Wir wunden . „ühl und Thorn in jeder Richtung täglich ein Zug ge- uns mcht, daß es genugsam einsichtslose Menschen gibt, faF)r^t o' meif, ein se5

die keine Ahnung von volkswirtschaftlichen Bedürfnissen ZZch«« Konsrüs in Ber in erforSä

HAN' und sich w^r um >n.Starch unserer Valuta mit

flimmern, noch cm Oefuh» für dw vermch.ende Wirkung I qqo heimkehrenden Invaliden, sowie Frauen und unnötiger Emtuhr hobm. Seit Monaten warten wir I Kindern wurde an der Demarkationslinie über- auf MC mi Schoße des Reichsrats ruhende Verordnung nomnten. Das Eintreffen des Transports in Deutich- die die Regelung der Einfuhr vornehmen soll I [anb fann jn den nächsten Tagen erwartet werden, und mit deren Hilfe nun endlich solche einsichtslosen I * * 3 * * & * *

Menschen durch Zwang und Strafen dazu gebracht I

SmmÜf'en' $re ^unschädlichen Handlungen «n. Deutsche Nationalversammlung.

Erhöhte Fischpreise «roh riesenhafter Flschereiergebnisse. I .. Freitag wurde nach Beantwortung einer Anzahl Don der Nordseeküste wird dem „Tag" geschrieben: Seit I tI,einZr -^"fragen die dritte Beratung r»s Gesitz- etoa vierzehn Tagen wird eme unermeßliche Beute aus entwursis zur Ergänzung des Gesetzes zur Verfolgung

der Nordsee und auch aus der Osffee gezogen Die Fisch- Don ?I'i.^°"brechen erledigt. Auch dresmal

sänge sind so groß, daß bei richtiger Organisation zurzeit ^ wan das Grsetz drin

ganz Deutschland reichlich mit frischen Seefischen versorgt Zwang weichend genehmigen mufie, nur die DeM'^-

werden kann. Denn gefangen warben die Fische nicht in ^mwlen gefielen sich a s orsche Retter der Ehre des

Tausenden, sondern in Millionen van Psimdl Alles, was Dawrlandes, was sie mchts kostet, da es am ihre Stirn-

an Fischereifahrzeugen w Betracht kommt, wird in den wcht ankommt Reichsrnmister de- Leußern Muller Dienst der Fischerei gestellt. Da sollte man nun meinen, ^r te auf d,e Frage nach der deutschen Gegenliste: daß die hohen Fischpreise endlich sinken würden; aber Sau» lemand, die Entente wird ihre Lm,te l»raufh,n

weit gefehlt, sie sind sogar, so unglaubkch ist es, um 25 bestrafen? Die Regienmg muffe sich den Zeitpunkt vor-

sßr-.pnt „effienen I behalten, wann sie mit der Liste herauskommt.

* 0 9-1 9 ' T I Schließlich wurde das Gesetz gegen die Stimmen der

I Deutschnationalen angenommen.

Aus dem besetzten Gebiet. Es folgt die Fochetzung der 2. Beratung des Ent-

Die Leiden der Bevölkerung. Von zuverlässiger I ?wes L a n d e s st e ue r g e f r tz e s.

Seite werden der „D. Tgsztg." folgende Vorgänge mit. I $ . eme neue Unter»

geteilt, die sich in Wiesbaden ereignet haben, und Srabung der wntschaftlichen und finanziellen Selbständig- die für das ganze BesetzungSgebiet bezeichnend sind: I fett ber Lander und Gemeinden. Cs dehnt dü Bevor-

Ein junges Diädchen wurde von einem Schwär-en ans» I fwwdung weiter aus und ist em weiterer Schritt zum

gegriffen. Er wollte es mitschlsisen. Das Mädchen Einheitsstaat. Redner beleuchtet einige Paragraphen

widersetzte sich energisch, nnb der Schwarze schoß sie näher und empfiehlt Abänderungen.

auf der Stelle nieder Dies gefchah mitten in der Stadt Abg. Dr. Becker-Hessen (D. Vpt.): Meine Parket wird cm Hellen Tage. Dieser Kerl soll dann festgenonnnen ihre Zustimmung zu dem Gesetz von ferner endgiltigen worden fein von seinen Leuten a6~r was nutzte das I Gestaltung in der dritten Lesung abhängig machen.

dann noch? — Ein junges Ehepaar ging nachts nach I § 1 wird angenommen. Zu 8 2 (Die, Jnamspruch- Hanse. Ein Franzose belästigte die junge Frau und I nähme von Steuern für das Reich schließt die Erhebung war nicht abzuschütteln. Er schlug den Herrn, d'eser I gleichwertiger Steuern durch die Länder und Gemeinden setzte sich mit dem Stock zur Wehr und traf den Fran- I aus) bemertt

Der Arbeit Lohn.

I um wenigstens als ehrlicher Mann mit dem Bettelstab? I fortziehen zu können — meine arme Tochter — mein I armes Kind!"

Er sank in den Sessel zurück und verbarg aufschtuch- I zend bas Gesicht in die Hände.

Die Schleier der Nacht Breiteten .sich über die stolze, I reiche Villa aus, in weichet die Sorge, die Not, die All- mnt eingekehrt waren.

4, Kapitel.

„Nein Dkama — es ist unmöglich! Ich kann Edel, gerb jetzt nicht verlassen!" rief Harald aus, indem er auffprang und erregt im Zimmer auf imt' ab schritt-

„Und doch wirst Du es müssen, mein armer Hunge," versetzte die Baronin im Tone des innigen Mitleids. „Die Verhältnsse sind eben stärker als wir."

„Man kann aber die Verhältnisse besiegen!"

„Das hat schon mancher gelouBt, sich mutig in den ! Kampf gestürzt und ist darin untevgegangen. Sieh, Harald, auch ich beklage diese Wendung der Dinge von ganzem Herzen. Ich wünschte mir keine andere Schmie, gettochter als Edelgard Lyndon, ganz abgesehen von ihrem Reichtum — und wenn Lynden aus dem Zu­sammenbruch nur ein kleines Vermögen gerettet hätte, dann würde ich sicherlich nicht das Ansinnen an Dich stellen, von der Verlobung zurückzutreten. Wer Lyn. den teilt Dir ja selbst mit, daß er ein armer Mann und wieder auf seiner Hände Arbeit angewiesen sei. Er selber betrachtet die Verlobung als aufgehoben, da er wohl einsieht, daß Du kein gänzlich mittelloses Mäd­chen heiraten kannst. Auch Edelgard scheint sich in die veränderte Sachlage gefunden zu haben. Sie schreibt Dir nicht ein einziges Wort . . ."

„Sie erwartet jedenfalls, daß'ich zu ihr eile und mich an ihre Seite stelle — um gemeinsam mit ihr zu kämpfrn und zu arbeiten —"

„Mein lieber Sohn," unterbrach di- Baronin Ha­rald .mit einem etwas ironischen Lächeln, ..wir wollen nnS nicht in großen Warten und romantischen Go füh­len verlieren, sondern die Verhältnisse so wie sie sind, richtig ins Ange fassen. Vielleicht wäre es möglich, baß Ihr unter harten Kämpfen und fortwährenden Entbehrungen hier auf Fredersdorfs Euer Leben ftistet und Euch mit den Jahren aus dem Elend herauSarüei- ten könntet! Vielleicht, sage sch _ denn ich glaube nicht, daß Du zu einem solchen cntbehrungsvollem' an»

6] -------------

k—Die Herbstsonne hatte das Nebelgetvölk des Mor- dmchbrvchen und vergoldete jetzt mit ihren Srah-

die buntfarbigen Laubkronen der Bäume. Astern wld Georginen blühten noch hier und da un& an den Spalieren pruntten die reifen Trauben.

ü Ein lauer Wind raschelte in den hsrbsüich trockenen WWern, die langsam zu Boden niederflatterten wie Weende bunte Falter, deren Schwingen müde und geworden waren von der sommerlichen Hitze.

| Durch das geöffnete Parktor fuhr ein Wagen.

& war die Equipage Lyndens welche' ihn vom «chnhof abgeholt hatte. Neben Lynden saß Herr Man- Pjmt blassem, ernstem Gesicht, die Lippen fest zn- Wwnengcpreßt.

k Lynden saß Msaminengesunken da. Er schien um ■S^c gealtert. Sein Gesicht war fahl und hager, seine Men blickten starr und ausdruckslos in die Ferne, ^rvös zuckte es um seine Lippen und die Hände lagen M zusammengefaltet in seinem Schoß.

j. 2ls der Wagen hielt eilten Edelgard und Harald Lynden zu, der langsam und schwerfällig ausftieg.

k -Wie gut, Papa, daß Du wieder da bist!" begrüßte WEdÄgard, aber' die Worte erstorben ihr auf den ff^pen, als sie in das verstörte Gesicht des VaierS sah. | -Pava — was fehlt Dir? Du bist krank —"

Guten Dag, mein Kind — nein, nicht krank — angegriffen von der Fahrt. W, auch Sie sind k H^tald! Wie geht es Ihnen?"

KM fhnben versuchte freundlich zu lächeln, aber sein zeigte nur eine krankhafte Verzerrung.

k«Verzeihen Sie, wern ich mich gleich zurückziehe", P er fort. „Ich habe mit Herrn Mantel ein wich.' PT® Geschäft zu besprechen. Ich hoffe, Sie sedoch E”Cr noch zu sehen. Ja ich bitte Sie sogar, noch eine Me zu bleiben, ich möchte Ihnen eine Mitteilung

i— laß mir mein Kind", wehrte er Edelgard &• “je ihm behilftich sein wollte, „ich kann noch allein F'-reUfe hinanfgchcn. So weit sind wir denn doch kch nicht — trotz aller Schurkerei auf der Welt —" L®icber erschien das verzerrte Lächeln auf seinem .Misteten Gesicht Dann grüßte er matt mit d-w R° und trat mit Herrn Mantel in das Haus.

beiterfüHten Leben geschaffen bist. Aber dieses auch vorausgesetzt, wov<n sollen wir. Deine Mutter imd Deine beiden Schwester,., leben? Wir sind ebenfalls angewiesen auf den Ertrag des Gutes. Willst Du uns mit in diese Hungerkur hineinziehen? In die Armut — in das Elend — in das Leben eines Bauern? Ich glaube, Harald, daß dies Deine Ansicht nicht sei» kann!"

„Was soll ich aber tun, was soll ich Edelgard, fau gen?"

Edelgard wird Deine Gründe verstehen. Sie ist die Tochter eines praktischen Geschäftsmannes und wird sich in das Unabänderliche fügen. Und was Du tun sollst? Nun, es gibt doch noch mehr liebenswür­dige reiche Mädchen in der Welt . .

„Mutter!"

„Ja mein Sohn, was Bleibt Dir anderes üBrig> Willst Du den Wahffpruch unseres Wappens berge [feit „Halte fest, was Dir anvertraut ist —* heißt bet Spruch. Unsere Familienbesitzung ist Deinen Händen anverttant: Du hast also die Pflicht, sie festzuhalten, sie der Familie zu erhalten. Das ist meine Ansicht von der Sache, deren Richtigkeit Dir jeder billig Den­kende bestätigen wird. Ich habe durchaus nicht die W- sicht, mein Sohn, mich und Deine Schwestern durch eine unvernünftige Handlungsweise Deinerseits in das Elend hinausschicken zu lassen. Im Gegenteil — ich toerbe mich mit aller Entschiedenheit einer Heirat wider, fefcen, die unter den jetzigen Verhältnissen ein Wahn­sinn genannt werden muß. Ich fordere von Dir ben »«31« auf diese Verbindung in Rücksicht auf Deine Schwestern, auf Deine Mutier, auf Dich selbst."

Die alte Dame stand hoch und stolz anfgerichtet vor ihrem Sohne und die Energie ihres Wesens übte «uch jetzt wieder, wie so ost, ihren Einfluß auf Harald <ms.

Daß diese Energie seiner Mutter auf falsche Bah. neu geleitet war, machte er sich freilich nicht Aar. Er wußte nur, daß einzig und allein dieser Energie zu verdenken war, wenn die gesellschaftliche Stellung her Fredersdorfs überhaupt noch nnangitastet dastand.

Ueber all die schwierigen Verhältnisse der letzten Iphre hatte die Energie der Baronin hinwcggehoffen und nur ihr war es zu danken, daß Bei dem Tode' bes alten Barons das Fredersdorffsche Gut noch nicht unter den Hammer gekommen war. gywtf ,-0^ '

Erschreckt bliche ihm seine Tochter nach.

„Was kann da vorgefallen sein?" flüsterte sie, i „So habe ich Papa noch nie gesehen!"

„Laß uns nicht gleich das Schlimmste befürchten, mein Liebling", erwiderte Harald scheu. „Dein Vater scheint einen schweren Verdruß gehabt zu haben. Du siehst, die Sorgen kommen schon und werfen ihre Schat. ten voraus."

Da richtete sich Edelgard stolz auf.

„So ist es mein« Pflicht, meinem Vater zur Seite zu stehen!"

Sie wollte in das Haus treten, Harald hielt sie jedoch zurück.

„Laß Deinen V-ater erst mit sich ins Reine kom­men", fegte er. „Er ist der Mann, selbst di« schwie. rigsten Logen zu überwinden. Meine Vermutung wird richtig sein, er wird schwere Verluste erlitten haben,"

„Ach, wenn es weiter nichts ist!"

Harald wagte nicht, ihr in die glänzenden Augen zu sehen, noch zu ihr zu sprechen. Es war ihm, als sei eitrjos in ihm zerstört, zerriffen, tterfimfcn' auf Nirnrnerwiederkehr.

So saßen sie schweigend neben einander und war. leü’n au? Nachricht von Herrn Lynden.

Es war die schwerste Stunde seines Lebens, in ber Lynden jetzt das Fazft seiner Arbeit und seiner Mühen zog und einsehen mußte, daß er ebenso arm dastand, tote zu Anfang seiner Laufbahn.

2-ellhrusen Söhne batten einen schmachvollen Dan- lerott gemacht, die Depots waren vec,chwunden S»t, sek gesc fchi und Geschäf'Slent« auf das schmöblichste betrogen. Die Juhcwer der Firma waren bereits am Morgen verhaftet worden — der ein« derselben hatte sich im Geschäft erhängt — nichts, nichts war aus Vern Zusammenbruch gerettet!

Soviel auch Lynden mit seinem Buchhalter rechnete und redbnete, es Bot sich keine Möglichkeit, das Geschäft zu halten. DergeBlich war auch Lyndens Mühe ge. wesen, Unterstützung Bei anderen Banken zu finden; die geschäftliche Lage war derartig gedrückt, daß nie­mand Vertrauen hegte und sich in neue Unternehurun. gen einlassen wollte.

Nach zwei Stimden mühsamer Arbeit erhob sich Lynden mit einem tiefen Seufzer.

„(Es hilft nichts, lieber Mantel," sagte er gepreßt »ich bin ein Bettler! Morgen melde ich Konkurs an' J

Nr. 55.

Samstag, 6* HTorz 1920

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47. Zahrg

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