Die Lage der Bauern.
Zu dem Aufsatz „Die Zwangswirtschaft und die Mindestpreise" in Nr. 46 unserer Zeitung erhalten wir von dem Schriftführer des Kreisbauernvereins Gersfeld. Herrn Pfarrer Golbach in Simmershausen, eine Zuschrift, die der Aufklärung über die Stellung der Landwirte zu der Beibehaltung der Zwangswirtschaft und der Festsetzung der garantierten Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse im neuen Wirtschaftsjahr dienen will.
Unsere Ausführungen waren diktiert von dem Bestreben, Bauern und Städtern das Verständnis für die Regelung, so wie sie getroffen worden ist, zu erleichtern; sie sollten dem Konsumenten und dem Produzenten die Gemeinsamkeit ihrer Interessen zum Bewußtsein bringen, ihnen klarlegen, daß der eine auf den andern angewiesen ist, daß das Gedeihen oder der Untergang des Nährstandes auch das Gedeihen oder den Untergang des Verzehrstandes bedingen, daß also beide bei ihren Wünschen und Bestrebungen auch die Existenzmöglichkeit des andern im Auge behalten müssen, wenn nicht beide zu Grunde gehen sollen. For- demngen, die auf Kosten und zum Schaden des andern Telles erhoben werden, konnten deshalb nicht das Wort geredet werden. Es ist aber ganz klar, daß jede Regelung, die nach der einen und nach der andern Seite hin Wcksichten nehmen will, immöglich den Ansprüchen weder der einen noch der andern Seite voll gerecht werden kann. Das ist immer so gewesen, ist aber heute, wo uns das Wasser bis zum Halse sicht und ein kleiner Fehltritt die Fluten über uns zusammenschlagen lasten kann, erst recht der Fall. Gerade darum aber ist es nützlich, wenn jeder Teil sich bemüht, Verständnis für die Lage des andern zu gewinnen, und versucht, die schwere Not der Zeit nicht nur mit den eigenen Augen, sondern auch einmal mit den Augen des andern" zu betrachten. Die Ausführungen des Herrn Pf. Golbach sind geeignet, dem Städter, der die Schwere der Lebenshaltung für Arbeiter und Mittel- ftand täglich neu verspürt, zu zeigen, wie der Landwirt die Schwierigkeiten empfindet, denen er sich heutigen Tages gegenübergestellt sieht. Mancher Städter wird nicht ohne weiteres allen Gedanken des Verfafi fers zustimmen wollen, immerhin aber durch sie doch zu einer vorurteilslosen Prüfung seiner eigenen Vorstellungen von der Lage der Bauern veranlaßt werden. ^Deshalb sei die Zuschrift hier wiedergegeben. Sie knüpft an folgende Stelle unseres Aufsatzes an:
Die Preiserhöhung ist erheblich. Sie behütet für (Betreibe mehr als das Doppelte gegenüber
Preis von 1919=20 und für Kartoffeln sogar mehr als das Dreifache, gegenüber den Friedenspreisen bedeu- tet sie gar zum Teil mehr als das Zehnfache. Damn müßte sich die Landwirtschaft jetzt zufrieden geben. Sie mutz auch berücksichtigen, daß sie nicht ine. Gewinne er- lielen kann, wie vor dem Kriege oder in den ersten Kriegsiahren. Für die Arbeiter, Beamten und Angestellten'sind die Löhne und Gehälter gegenüber dem Freden nicht entsprechend gestiegen und einem großen Ten des Mittelstandes geht es überaus traurig. Nach dem verloren gegangenen Kriege und der Verarmung des Volkes müssen wir alle Opfer bringen.
Hierzu bemerkt Herr Pf. Golbach:
1. Die Landwirte kämpfen nicht um Gewinne, wie man der angeführten Stelle entnehmen könnte, fonlern einfach um ihre Existenz Zwar wollen das die ^Städter noch nicht einsehen, eben weil in der Stadt dre Aufklärung aber die ländlichen Verhältniste nicht gegeben ift. Es wäre aber traurig, wenn sie es zu spät erkennen müßten, nachdem die Bauern erst denwralisiert und weigen ihrer unhaltbaren Lage dem Radikalismus oder der Sozialdemokratie an- ihermgefallen fuib. Gerade die Unmöglichkeit, bei strikter Befolgung der unsinnigen Verordnungen sich über Waffer zu halten, hat die Bauersleute veranlaßt, auf
Der Arbeit Lohn.
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Herr Mantel blickte dem Wagen mit finsterem Gesicht nach.
„Der tvird auch schmerzlich enttäuscht werden," 'murmelte er vor sich hin und kehrte dann nachdenklich in sein Büro zurück.
■ Mit freundlichem Lächeln trat Edelgard ihrem Bräutigam entgegen.
„Wie lieb von Dir, daß Du kommst," sagte sie, inp dem sie sich innig an ihn schmiegte. „Ich bin ganz Ein, Papa kehrt erst mit dem Schnellzuge heute nachmittag sechs Uhr zurück."
„So, .Hast Du Nachricht von Deinem Vater erhalten?" ।
„Du wußtest, daß er verreist war?"
’ „Herr Mantel sagte es mir."
„Ich habe Herrn Mantel soeben von dem Tel«- etenrrn Papas benachrichtigt. Er wünscht Herrn Man. tri gleich bei seiner Ankunft zu sprechen."
; „Diese Reise nach Berlin ist ja sehr plötzlich ge. -kommen."
„Ja, Papa reist öfters so plötzlich ab. Doch was ist ~tr, Harald? Mir scheint, als läge ein Schatten auf Deiner Stirn?"
„Verzeih, Edelgard, ich habe Aerger gehabt. Und barm — diese Reise Deines Papas beunruhigt mich titdi."
£ „Wieso?"
„Ich las beute in den Zeitungen von dem Zuflrm- snenbruch eines Bankhauses, mit welchen: dein Vater m Geschäftsverbindung steht ..."
L Edelgards Augen verschleierten sich plötzlich. Sie fühlte nstinktiv, daß ein geheimes Mißtrauen in der le ihres Verolbten erwacht war, daß er sich allzu- bbr mit den pekuniären Angelegenheiten ihres Va-ers "ffchäftigtc, und daß ihn mehr diese, als seine Liebe SU ihr hingeführt hatten.
st. Eine tiefe Traurigkeit schlich in ihr Herz. Sie war Clne groß und frei denkende Natur: alles Un'dle glitt W ihr ab — machtlos wie der Regen und Rost von seinem Golde. In ihrem Wesen hatten sich die kräf. stkie, tätigkeitsfrohe Natur ihres Vaters und der sanfte, Wie für alles Schöne schwärmende Sinn ihrer Mutter glücklicher Einheit verschmolzen. Der Reich'um, der ste seit ihrer Kindheit umgab, hatte sie nicht geblendet;
verachtete den Reichtum zwar nicht, s<ch aber auch
eine den Städtern chls Wucher erscheinende Weise ihr« Produkte zu verkaufen. Und gerade die besten Bauern sind es, welche Besserung im Absatz der Er. zeugnisse verlangen, um einmal aus dieser Misere her- vuszukommem.
2. Dieses mangelhafte Verständnis der Stadter ge. genüber der Lage der Bauern, namentlich der Kleinbauern, läßt ihnen die Forderung auf Abschaffung der Zwangswirtschaft als unberechtigt und eigennützig er. scheinen. So fühlt auch der Ausschuß des Verbandes kath. kaufmännischer Vereinigung^ nicht den Widerspruch in seiner Effener Resolution vom 22. Februar, welcher die Rückkehr zur freien Wirtschaft fordert mit Ausnahme von Getreide, Fleisch und Kartoffeln. Die Zwangswirtschaft hierin als selbstverständlich anzunehmen ist in das Blut der StA), ter übergangen. Und warum? Aus Liebe zur Allge. meinheit, oder aus Liebe zu den Konsumenten allein? Dieselben, welche es als Pflicht der Bauern erklären, für das ganze Volk zu arbeiten, können sich nicht dazu aufraffen, von ihren Abgeordneten, den Parteien und der Regierung kategorisch zp verlangen, daß diesem Schwindel in Industrie, und Börsenkreisen, wie er auch in Ihrer Zeitung schon erwähnt wurde, energisch zu Leibe gegangen wird. Ist es nicht Heller Skandal, daß ein Bauersmann für die Tierhaut vielleicht 100 Mk. kriegt, während dieselbe Haut in kurzem auf 1000 Mk. gestiegen ist, worunter Bauer und Städter zugleich leidet?
Hierbei möchte ich nicht unterlassen, die für das nächste Erntejahr wieder zur Einführung kommende Zwangswirtschaft für den Hafer zu erwähnen. Gewiß ist es der Regierung leicht gefallen, die Notwendigkeit davon darzutun: Zwangswirtschaft ist ja das einfachste Mittel, um ohne weitere Arbeit als auf das Wohl des Vaterlandes bedacht zu erscheinen. In diesem Jahre hatte der Bauersmann doch wenigstens Ersatz für man. gelhaste Vergütung für die anderen Früchte. Wer wird denn im nächsten Jahre den Bo ff- teiI haben? Wird denn die Regierung dann auch von den Fuhrwerksbesitzern fordern, daß sie dem billi. geren Hafer entsprechend billiger Fuhrwerk leisten, oder werden diese es vielleicht von selbst hm?
Das ist gerade das die Bauern Erbitternde: Den Bauern gegenüber vermag die Regierung ihre starke Hand zu zeigen, die man sonstwo so oft vermißt. Und wenn sie sich nobel und entgegenkommend bei den Bergarbeiter zeigen kann, wo sie gute Worte, aber auch Brot und Fett findet im Interesse des Allgemeinwohls, warum handelt man nicht ähnlich auch gegenüber den Bauersleuten, deren Arbeit doch ebenso notwendig ist? Da hat man statt, dessen Verfügungen und Drohungen, da kommt statt des Reichskanzlers der Gendarm oder gar die Reichswehr, da findet man es als felbswerständ. l«h, wenn der Bauer das in der arbeitsärmeren Zeit ersparte Brot wieder herausgeben muß, das er sich ev- spart hatte, um in der Zett, wo er 14 bis 16 Stunden lang arbeiten muß, sich etwas mehr zuwenden zu kön- i^n. Diese Zurücksetzung des Bauernsttan d^ gegenüber den anderen Ständen, diese ungleiche Behandlung muß die Bauern erbittern, was auch gerecht denkende Städter ihnen mnbfüllen müssen.
3. Die Bemerkung über die Preiserhöhung bedarf entschieden einer Berichtigung. Zwar sind die Pro. butte an sich betrachtet in der angegebenen Weise teuer; aber deswegen hat der Bauer noch lange nicht eine um so viel höhere Einnahme. Einmal ist seine Ernte in der Regel nicht mehr so hoch wie früher, deswegen auch seine Geldeinnahme entsprechend geringer; anderseits sind aber seine Ausgaben bedeutend mehr gestiegen. Diesen Ausgaben kann der Bauer sich nicht entziehen; er muß z. B. auch jetzt Dunggabeln kaufen, wenn sie auch schon 13 Mk. kostet (früher 50—80 Pfg.), Pflugscharen zu 15 Mk. (früher 1 ML), er muß die un. brauchbaren Radreifen ersetzen, wenn mich ein einzelner jetzt ca. 200 Mk. schon kostet, ein Preis, wofür er
in der Armut kein Unglück, weil sie sich stark genug fühlte, durch ihre Tätigkeit die Armut zu überwinden.
Um so schmerzlicher berührte sie die Anspielung Haralds auf etwaige geschäftliche Verluste ihres Va. ters. Und der Gedanke, der sie von Airfang ihrer Bekanntschaft mit Harald an gequält hatte, — daß er sie nur um ihres Reichtums willen liebte — erwachte von neuem.
Unter dem Eindruck dieses Gefühls entgegnete sie in kühlem Tone:
„Es ist leicht möglich, daß Papa einige Verluste erlitten hat. Du kannst das ja mit ihm besprechen."
„Edelgard! So waren meine Worte nicht gemeint! Du darfst mich nicht mißverstehen!'"
„Das tue ich auch nicht," entgegnete sie ruhig. „Ich glaube jedoch zu wissen, welche Gedanken Deine Seele bewegen."
„Da bin ich neugierig," versuchte er zu scherzen.
Jetzt sah sie ihn mit großen, ernsten Augen an.
„Willst Du mir aufrichtig und ehrlich eine Frage beantworten, Harald?"
„Gewiß I Ich glaube, daß ich stets aufrichtig und ehrlich Dir gegenüber gewesen bin."
„Ich hoffe es auch", versetzte sie ernst und nahm eine stolzere Haltung art. „Aber gesetzt den Fall, ich wäre ein armes Mädchen . .
„Schon wieder das Mißtrauen, Edelgard? Wodurch habe ich das verdient?"
„Bitte, beantworte meine Frage, Harald. Also ge. setz den Fall, durch den Zufcmnmeitbruch jenes 53cmt„ Hauses, von dem auch ich gelesen habe, verlöre mein Vater 'sein ganzes Vermögen und müßte sogar seinen Konkurs anmelden? — was wurdest Du dann tun?"
„Aber, mein Gott, Edelgard, wie kommst Dm ans solche Gedanken!"
„Was wurdest Du da tun?" wiederholte sie ruhig und fest.
„Ich würde Dich ebenso lieb haben, wie jetz!"
Das junge Mädchen atmete tief auf, indem eine zarte Röte ihre Wangen überhauchte.
„Ed Du würdest kei^c Acnderrußg in unserem Verhältnis eintreten lassen?"
„Aber Liebling, für wen hälft Du mich?! Ich habe Dich lieb, von ganzem Herzen lieb — Du bist mir das Teuerste auf Erden — und dg sollte ich Dich verlassen? Nein, nein, mein Lieb, solcher Gedanke ist mir unfaßbar."
Da streckte sie ihm beide Harfe jegen und dul bete est daß er sie zärtlich an s g, _
früher den ganzen Erntewagen und noch mehr erhielt. Sorge die Regierung doch einmal dafür, daß der Bauer ! nicht gezwungen ist, das Sechzig, oder Siebzigfache zu zahlen für das Eisen, das er so notwendig in feinem * Betriebe braucht; sorge sie dafür, daß dem Bauer billig und ausreichend Dünger zur Verfügung steht usw. Von der Regierung sollte man doch eigentlich erwarten, daß sie die Verhältnisse kennt und daß sie um Aenderung sich bemüht. Der Landwirtschaft Fernstehende erblicken sicherlich m der Garantie der Mindestpreise ein Zeichen des Wohlwollens für die Bauersleute vielleicht finden sie jetzt, daß bei den angegebenen Umständen davon durchaus nicht die Rede ist.
4. Der Vergleich mit den Beamten und Arbeitern hinkt gar sehr. Zmn Unterschied von chnen hat der Bauer auch Betriebsmittel und Werkzeuge zu stellen. Tas erstere hat er teilweise hingeben müssen, mancher hat auch ein teueres Stück Vieh durch Unglücksfall verloren. Auch dieses Risiko muß in Betracht gezogen werden. Der Bauer muß Scheuer und Stallung unter, halten, unter Umständen herstellen, wenn es auch viel Geld kostet, er muß Werkzeug kaufen, wenn es auch noch so teuer ist. Davon spüren die erwähnten anderen Stände mit ganz minimaler Ausnahme nichts. Es ist also auch nicht richtig, den Bauer auf gleiche Linie mit ihnen zu stellen.
Weiterhin ist zu beachten, daß Arbeiter und Beamte von dieser Erhöhung das ganze Jcchr hindurch Nutzen haben. Nicht so beim Bauer. Er kann ja nur verkaufen, was er geerntet hat. Was nutzt ihm die Preis, steigerung, wenn er nur wenig abgeben kann? Man spricht auch nur von den Einnahmen des Bauers und bedenkt nicht, daß viele Bauersleute die teure Saat, die feuern Schweinchen, das feinere Vieh selber kaufen müssen, zumal wenn er Unglück im Stall gehabt hat. Hierzu passen auch die Ausführungen im vorher^heq- den Punkte.
Außerdem erfreuen sich die erwähnten ©tänbe der Sicherheit, daß sie auch in späterer Zeit durch ihre jetzige Berufsa-rbeit versorgt sind; sie sind pensionsberechtigt ober durch ihre Pflichtversicherungen vor aller Erwerbslosigkeit und Armut für die Zeiten der Krankheft oder der Invalidität geschützt. Beim Bauer ist das nicht der Fall. Wenn er sich für die Zukunft versorgen wollte rote früher, so müßte er vielleicht das Fünffache gegen früher, nicht als Ersatz für Betriebsmittel, fondern als Derfovgumgskapital anlegen. Einen solchen Glücklichen wird man nicht finden, am allerwenigsten, wenn der Bauer die gesetzlichen Vorschriften befolgt hat. Wie schon im Anfänge gesagt, hat der Bauer gegenwärtig schon für feine Existenz allein zu kämpfen. Seine Ersparnisse, von denen so viel geredet wird, sind größtentells nichts anderes als eine dem Bauer durchaus nicht kebe Anlegung von Betriebskapital, Ersatz für abgeffefettes, feiner Wirtschaft fehlendes Weh, Fest- legung der Kosten für «verschobene «ti> beshcckb immer teuerer werdende Reparaturen, notwendige Neuanschaffungen usw Mele Bauern sind so trotz der angeblichen Erfpamisse ärmer geworden statt reicher imd wissen es vielleicht selbst nicht mal.
5. Der in dem Artikel erwähnten Notwendigkeit, daß alle Opfer bringen müssen, haben sich die Bauersleute nicht verschlossen. Der Bauer hat schon längst Opfer gebracht und fühlt fich daher berechtigt, auch seinerseits dies« Mahnung cm andere zu richten. Ihm hat die Neuordnung bis jetzt keine Erleichterung, wohl aber Lasten gebracht. Ihm fiel nicht die Verkürzung der Arbeüszeft in den Schoß, im Schweiße feines Angesichtes mutz er nodj' heute ohne Rüfficht auf leichte oder schwere Arbeit das tägliche Brot für fich und andre erarbeiten. Er gerade hat unter dieser Verkürzung der Arbeitszeit zu leiben durch bie außerordentliche Höhe der notwendigen Ausgaben, wefterhin auch durch schlechtere Post- und Eisenbahrwer- btninmg. Ihm ist sogar noch mehr Arbeit zugemutet durch die Notwendigkeit, entweder über seine Kraft hin»
„Ich liebe Dich, Harald", flüsterte sie voll inniger Hingebung, „mehr als Du weiß, als Du ahnst. Ich weiß, welch ein edler, guter Kern in Dir steckt — Welch großes gutes Herz in Deiner Brust schlägt! O, ich Tenne Dich besser, als Du Dich selbst!" setzte sie lächelnd hinzu, als er sie unterbrechen wollte. „Mer ich weiß auch, daß die Macht des Reichtums, des Tä. mons Gold, die besten Herzen der Menschen verwandeln kann. ' Und sieh, diese Furcht beschleicht mich stets, wenn ich Dich von dem Reichtum meines Vaters sprechen höre. Ich will mit Dir kämpfen, mit Dir arbei. ten, Hawald, ich will die Not und Sorye mit Dir tra. gen, nur behalte mich lieb und verlaß mich nicht."
Sie schlang die Arme um seinen Nacken und barg ihr heiß errötendes Antlitz an seinem Herzen.
Noch nie hatte sie ihm die tiefe Leidenschaftlichkeit ihres Herzens offenbart, so daß Harald vor derselben fast erschrak.
Fest preßte er sie an sich unb küßte sie auf die Stirn.
„Wie kannst Du nur so sprechen, mein Lieb? Ich Dich verlassen? Der Gedanke fehern ist Wahnsinn! Ja, ich gestehe es offen, daß Dein Reichtum mich mit vertan faßte, mich Dir zu nähern. Nachdem ich Dich aber einmal kennen gelernt da versank diff-er Gedanke an Dein Geld vor der Liebe zu dir, die mit Allgewalt mein Herz überflutet."
Sie blickte mit heißen Augen zu ihm auf.
„Ich danke Dir, Harald. Oftmals denke ich, wieviel glücklicher wir sein würden, wenn wir beide arm wären," l
„Närrchen!"
„Ja, siehst Du, dann würden wir zusammen arbeiten und uns unser Glück erkämpfen, erarbeiten! Wo. durch haben wir jcht unser Glück verdient? Durch nichts — durch keinen Kampf — durch keine Arbeit — durch keine Sorgen —"
„Die Sorgen werden schon kommen", unterbrach er sie lächelnd.
„Ich fürchte die Sorgen nicht", entgegnete sie stolz.
„Du kennst sie noch nicht — und ich hoffe, daß Du sie nie kennen lernen wirst. Was an mir liegt, soll geschehen, um Dir jede Sorge fern zu halten."
„Behalte mich nur lieb, dann ist alles gut"
Arm in Arm in kosendem Geplauder gingen sie im Garten auf ab.
Fortsetzung
aus bie hohen Arbeitslöhne zu bezahlen ober selber die arbeit, so gut ober schlecht es eben geht, zu verrichte«. Gar mancher Bauernjunge muh sich jetzt noch Arbeü verschaffen, was er früher nid>t nötig gehabt hätte. Nicht sie find es auch, die imstande find, die teueren Zigaretten zu rauchen unb ben Vergnügen sich hinzugeben, diese finden sich vielmehr in de" andern Stärken, namentlich bei der Arbeiterjugend, natürlich auch bei Schleichhändlern, Schieberin. Wenn ich nun bie ’fe-biugenb hierin gewiß nicht bedauern will, so wollt? ü ch bartun, bah bas Landvolk im Verhältnis zu andern erwerbenden Ständen wirklich schon große Opfer gebracht hat
Diese meine Zeilen sollen dazu beitragen, daß die Lage der Bauern auch in der Stabt mehr ohne SonnteU betrachtet werde unb ihre Forderungen gerecht geprüft werden. Die Landleute oerschließen sich durchaus nicht der Erkenntnis, daß bei der Stadtbevölkerung zum Teil große Not herrscht unb sicherlich werden die Bauernvereine dazu beitragen, daß di« Lage derselben auch bei den Bauern mehr bekannt wirb, wie fie aus ber andern Seite aber auch erreichen muffen, daß bie ländlichen Verhältnisse in der Stadt mehr beachtet unb gewürdigt werben. Es liegt im Interefse aller, wenn bie einzelnen Stände sich bemühen, mit Wohlwollen einander kennen zu lernen. Die Bauern wünschen nicht das feindselige Verhalten gegen« einander; noch ist der gute Wille bei ihnen stark genug, sie hoffen aber auch bei der Mehrheit ber Verbraucher Anerkennung ihrer gerechten Forbenmgen zu finben, als bestes Mittel zur gememfamen Arbeit an Deutschlands 2ßiebe rauf bau, zum Besten der Einzelnen wie der Gesamtheit
Die Beamtenbesoldungsreform.
Die Entwürfe der Beamtenbesoldungsresorm für das Reich und für Preußen sind im Reichsfinanzministerium und im Preußischen Finanzministerium fertiggestellt worden und werden demnächst den Parlamenten vorgelegt werden. Sie werden allerdings erst nach Ostern zur Beratung gestellt werden, erhalten aber rückwirkende Kraft zum 1. April. Die Erörterungen in den Parlamenten werden sicher einige Wochen dauern.
Die Desoldungsentwürse stellen ein Kompromiß zwischen der Regierung und den Beamtenvertretungen dar. Biele Wünsche sind unerledigt geblieben, über bie erst das Parlament die letzte EntschMung treffen soll. In einer halbamtlichen Bekanntmachung wird besonders auf die erhebliche Besserstellung der Eisen- bah»beamten hingewiesen. Es heißt da:
„Der Gesetzentwurf sieht weitgehende Aufstiegsmögkich- teiten in allen Dienstzweigen vor, di« die richtige Einstufung der Effenbahnbeamten ber Länder sich erstellen. Außerdem soll den besonderen Verhältnissen im Dcchn- unterhaltungs-, Zugbegleif-, Weichen-, .SM>
werkimterhaltimgs-, Wageirunterhalttmgs- unb Lokomo» trabt enft dadurch Rechnung getragen werben, baß ben Beamten in diesen Dienstzweigem durch bas Besoldungsgesetz eine pensionsfähige Zulage zugesprochen wirb, bie sich in Gruppe 2 auf 300 Mk., in 3 auf 400 Mk., in 4 auf 500 Mk. mrb in 5 auf 600 Mk. beläuft. Man wirb annehmen dürfen, bah bie Eflenbahnbsamten diese Fortschritte ju würdigen wissen werden unb daß bie hieraus sich ergebende groß« Diensffreudigkeit bie Leistungen im Interesse ber Hebung ber ganzen Volkswirtschaft wesentlich erhöht"
Wer war der Sieger?
Deutschland ist der Uebermacht seiner Feinde erlegen. Die Entente, die größte Möchteverbindung, die je gesehen worden ist, hat die Machtmittel aus allen fünf Erbteilen sich dienstbar gemacht, um den gefürchteten Gegner zu überwinden. Es ist ihr nicht leicht geworben, unb nun, ba es gelungen ist, streitet man untereinander, wer den Ruhm in Anspruch nehmen darf, den Ausschlag in dem ungleichen Kampf gegeben zu haben. Bei uns in Deutschland ist kein Zweifel darüber, daß es all unser» Feinden selbst mit dem Aufgebot ihrer schwarzen, braunen unb gelben Horden nicht möglich gewesen wäre, Deutschland auf Hie Kniee zu zwingen, wenn rächt im letzten Augenblick Wilson seine neutrale Maske hätte fallen lassen und bie riesigen Machtmittel ber Vereinigten Staaten in bie Wagschale geworfen hätte. Die „Washingtonpost" hat bas erst in den letzte» Tagen an hervorragender Stelle ben europäischen Verdünbeten unter bie Nase gerieben. Ohne Amerika, heißt es da, sei Englanb genötigt gewesen, sich einem von Deutschland auferlegten Frieden zu unterwerfen:
„Man mag den Anteil Amerikas am Kriege fo schr herunterreitzen, wie man will, bie Wahrheit ist, baß bie Verbandsmächte auf dem letzte» Loch pfiffe» unb bereit waren, einen deutschen Frieden anzimehmen, und daß dem nur durch unsere volle Mitwirkung oorgebeugt wurde."
Mit erfrischender Deutlichkeit sagt hier der große Bruder jenseits des Ozeans seine» Verbündeten recht mrgalant btttere Wahrheiten. Was wunder, daß der französische Stolz aus das empfindlichste verletzt ist. Zu oft hat der gallische Hahn in die Welt hinaus gekräht, daß es französische Feldherrnkunst war, die den Sieg herbeigeführt habe. Unb schon steht in ber französischen Kammer S r i a n b auf unb erklärt unter bem Beifall aller Abgeordneten, Frankreich muffe in der Welt die erste Rolle spielen, und man müsse stets betonen, daß ohne Frankreich Deuffchland fiegreich gewesen wäre. Man sieht, Frankreich hat noch Ideale. Es ist ihm nicht genug, daß es von der Deute ein gut Teil geschluckt hat und nach immer neuen Dorwänden sucht, um weitere Stücke zu verschlingen, es will auch den „Ruhm" für sich in Anspruch nehmen, und seim „glatte" neu vergolden. Uns karm's recht sein. Mögen sie sich stteiten, wem am tapfersten das Herz in den Hosen geschlagen hat. Wir hoben keinen Nutzen und auch keinen Schaden davon. Die Geschichte aber wird feststellen, daß ohne das Eingreifen Amerikas weder Frankreich noch England mit all ihren Trabanten das ausgehungerte, niet Jahre von der ganze« Welt abgeschnittene Deuffchland niedergerungen hätten. Und schon heute wissen wir aus dem Verhalten Frankreichs aiff der Friedenskonferenz und aus all seinen weiteren Maßnahmen, Demütigungen und De- drückungen, daß der gallffche Hahn auch das nieder- gebrochene Deutschland noch immer fürchtet, mag er auch noch so kräftig mit den Flügeln schlagen und krähen, er allein habe den Wer zur Strecke gebracht.
47. Zahrg.
Freitag, 5« lUTärz 1920
slr. 54
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