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Mittwoch, 3. Mürr 1920
47. Z-chrg
Die Liste der Beschuldigten.
Der Ausschuß der Entente, der das auf die angeblichen deutschen Kriegsschuldigen bezüglich« Anklagematerial zu sammeln hat, hat dem »Echo de Paris" zufolge nunmehr seine erste Liste fertig- gestellt, tue, wie bekannt, als Prüfstein für die Ehrlichkeit der deutschen Justiz gellen soll. Die Liste, die etwa vierzig Namen enihält, unterliegt gegenwärtig der ßuftimmung des Ministerpräsidenten der beteiligten Länder, daS heißt Frankreichs Englands und Belgiens.
Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Aufforderung des Oberreichsanwalts, in welcher er alle Herren, denen bekannt ist, daß ihre Namen auf der Nuslieferungsliste stehen, ersucht, ihm umgehend Aufenthaltsort und Wohnung anzuzeigen.
Bezugspreis: Monatlich 1,30 Alk. ohne Zustellungsgebühr, n In Fu'da bei uns abgeholt 1,40 Alk. u
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Preußische Landesverfamrirlung.
Die Auseinandersetzung des preußischen Staates mit dem Könighause, die schon viele Wochen die Oeffent- lichkeit beschäftigt hat, bildete am Dienstag den Verhandlungsgegenstand der Preußischen Landesversammlung. Wie bei allen Anlässen, die ein AufeinandcrplatzeN der Meinungen und lebhafte Erregung erwarten lasten, batten auch diesmal die Tribünen einen starken Besuch., Selbst der Sitzungssaal, der für gewöhnlich ein? gäh. nende Leere aufweist, sieht Abgeordnete, die bei ernsten Beratungen nur seltene Gäste sind. ,
Bekanntlich war es unter den Mehrheiisparteien infolge der vom Minister Südekum ausgearbcitetew Vorlage zu starken Meinungsverschredenheiten gekommen, und man sprach sogar von einer Minstierkrise und von der Möglichkeit des Rücktritts des preußischen^ Finanzministers. In letzter Stunde tomoe die Zuspitzung der Lage jedoch abgebogen, und zwar glaubten^ die Sozialdemokraten einen Ausweg gefunden zu haben durch einen Antrag, die ganze Frage der Vermögens- auseinandersetzung mit der Krone durch r e i ch s g e s e tz» liche Regelung zu erledigen. Diesen Antrag begründete in der Dienstag-Sitzung der Sozialdemokrat Gräf unter starken Angriffen auf den früheren König und sein Haus. Eine solche Behandlung der Angelegen- heit kann natürlich die Sache nicht fördern. Nur ruhige und sachliche Auseinandersetzungen können zu einem guten Ende führen. Das Zentrum jedenfalls begrüßt es, daß der Entwurf die Möglichkeit einer friedlichen Auseinandersetzung bietet. Wie cs durch den Äbg. Oppenhoff erklären ließ, stimmt es auch der dem Vergleich zugrunde liegenden allgemeinen Richtlinie zu, daß die Auseinandersetzung gemäß dem bestehenden Rechtszustande getroffen werden mutz. Unser Leitspruch bei der ganzen Angelegenheit mutz in wörtlichem Sinne sein: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist. Mit dieser Stellungnahme erübrigt sich von selbst ein Eingehen auf einen Antrag der Unabhängigen, das Vermögen des Könighauses einfach zu enteignen. Den Antrag der Sozialdemokraten lehnt das Zentrum ebenfalls ab, denn es steht auf dem Standpunkt, datz Preußen daS Reich nicht nötig haben sollte, um sich mit seinem früheren KönigShause in Frieden ausein- anderzusetzen. Gerade der neue preußische Freistaat sollte es sich zur Ehre anrechnen, diese Angelegenheit in vornehmer Weise zu regeln. Die ganze Angelegenheit bedarf jedoch noch eingehender Ausfchutzberatungan, und deshalb hält das Zentrum eine Ueberweisung an den Rechtsausschuß für erforderlich unter gleichzeitiger Betonung der Bereitschaft, auf den Boden des Vergleiches zu treten. Von den anderen bürgerlichen Parteien treten der Abg. Caffel (Dem.), Haupt (Dem.) und v. Krause (D. Vpt.) der Linken scharf entgegen. Nachdem dann noch Adolf Hoffmann (Unabh.) die gewohnte mehrstündige agitatorische Hetzrede gehalten/ wurde die Vorlage einem besonderen Ausschuß überwiesen.
sonst unvermeidliche Härten und Ungerechtigkeiten für die Watdbcsitzcr beseitigt.
Der Seit oer Einkommensteuer wurde nach bett; Beschlüssen des Ausschusses ohne erhebliche Aussprache angenommen.
kesten das Kabinett zu „ertüchtigen"'. Ob man von dem System des reinen Parlamentarismus abgeht und für Fachminister auch Fachmänner beruft und damit anstelle von Politikern wieder Beamte setzt, steht in diesem Augenblick noch dahin. Aus Bersin schreibt man uns dazu:
So weit wir imterrichtet sind, ist man im Zentrum grundsätzlich durchaus bereit, der Besetzung bestimmter Ministerien durch Fachmänner näherzutreten. Es versteht sich aber von selbst, daß, wenn dieser an sich begrüßenswerter Gedanke in die Tat umgesetzt werden soll, dann auch di» beiden anderen Mehcheii.spartehen gleichmäßig die von ihnen besetzten Ministerien mit Fach- mÄmtern besehen müssen. Denn bei aller Anerkennung der Zweckmähigkest der reinen Fachministerien muß man doch mit der Tatsache rechnen, daß das Reichskabinett in erster Linie heute einen ausgesprochenen politischen Charakter trägt. Es will uns nicht angängig erscheinen, daß eine oder zwei Regierungsparteien im Kabinett durch Parlamentarier vertreten sind, während die dritte Partei in der Mehrzahl durch Fachleute vertreten wäre. Bei einer etwaigen Umgestaltung des Reichskabinetts müsten wir von unferm Standpunkt darauf bestehen, daß der Einfluß des Zentrums unter keinon Umständen zurück- gedrängt werden darf. Aber einstweilen ist die Umgestaltung des Reichskabinetts eine spätere Sorge. Wir können ausdrücklich feststellen, daß die Mehrheitsparteien sich mtt dieser Angelegenheit näher noch gar nicht befaßt haben.
In diesem Zusammenhang halten wir es auch für notwendig, darauf hinzuweisen, daß es völlig müßig ist, heute bereits Erwägungen anzustellen über die Frage der N a ch- f o l g e s ch a f t der einzelnen möglicherweise zurücktreien- den Minister. Wenn bereits Namen in der Presie als Nachfolger der evtl, ausscheidenden Minister genannt werden, so handelt es sich auch hier lediglich um Vermutungen, die völlig aus der Lust gegriffen sind. Die Personalfrage ist umerhalb der Mehrheitsparteien überhaupt noch nicht ernsthaft erörtert worden.
Sicher ist jedenfalls nur das eine, daß Mehrheits- Parteien und Regierung sich durch einen wie immer gearteten Ausgang der Erzberger-Krise nicht in ihrer Entschioffenheit beirren [affen wollen, die gegenwärtige parlamentarische Arbeitsgemeinschaft und den bis- herigm Kurs der Regierung auch weiter beizubehalten.
Deutsche Nationalversammlung.
Das Reichsrinkimmenstruergesetz in 2. Lesung angenommen.
Die Nationalversammlung setzte am Dienstag die Einzclberatung der Einkommensteuer fort. Im allgemeinen wurde die Vorlage auch heute nach den Beschlüssen deS AuSschuffeS unverändert an enommen. Das äußere Bild der Verhandlungen verlief genau so wie am vorauf gegangenen Tage. Rechte und Linke versucht vergeblich die Vorlage in ihrem Sinne abzu» ändern. Die Mehrheit bleibt bei den Ausschutzbeschlüssen, obwohl die Redner der Rechtsparteien sich alle Mühe gaben, das HauS von der Zweckmäßigkeit ihrer Anträge zu überzeugen.
Das Zentrum hat sich, wie bereits bei den früheren Steuervorlagen, auch bei der Einkommensteuervorlage für die besonderen Interessen der Landwirtschaft eingesetzt und zwar mit Erfolg. Auch jetzt bei der zweiten Lesung dep Einkommensteuervorlage rst e8 mit Erfolg für die Interessen der Land- und Forstwirtschaft tätig gewesen. Es hat damit bewiesen, datz cs sich nicht aus taktischen Gründen den Wünschen der anderen Mehr- heitsparteien beugt, sondern wo sachliche Gründe eine abweichende Haltung rechtfertigen, diese auch gegen Ben Widerstand der anderen beiden Mehrheitsparteien mit allem Nachdruck vertritt. Nach der Ausschutzfaffüng der Vorlage soll eine ungewöhnliche Mehrnutzung vom Wald besitz schärfer von der Steuer erfatzt werden. Der Ausschuß hatte zwar gewisse Milderungen auch hier vorgesehen. Aber die Bestimmungen des Aus- schuffes waren doch zu allgemein gefaßt, um in beson- deren Fällen einen geteilten Ausgleich zu schaffen. In Fällen, wo infolge von Erbgang, Schneedruch, Waldbrand oder im öffentl chen Interesse eine außerordentliche Waldnutzung stattfindet, erwächst dem Waldbesitzer allerdings ein augenblicklicher Vorteil, aber auf die Dauer ergibt sich in solchen besonderen Fällen unter Umständen doch ein erheblicher Schaden. Diesem Umstand hat das Zentrum mit Rechnung tragen zu sollen geglaubt und es hat demzufolge beantragt, datz in Fällen außerordentlichen Waldnutzungen im öffentlichen Jntereffe oder infolge höherer Gewalt der Steuersatz auf 10 Proz. festgesetzt werden soll. Sozialdemokraten und Demokraten erhoben heftigen Widerspruch gegen diesen Antrag. Er wurde aber schließlich vom Zentrum mit Unterstützung der Reckten angenommen und dadurch
„Pflück den Tag", sagten die alten Römer. Das soll heißen: Nutze den Tag, ziehe Frucht aus jedem Lebenstage, ter dir geschenkt ist. — Jeder Tag ist gut,, wenn wir an ihm richtig schalten und walten.
Ostern kommt schon in Sicht. Der Schalttag bringt keine Verzögerung.
Heue Reichsbriefmarken.
Die Briefmarken, die die Reichspost gegenwärtig ausgibt, sollen die Erinnerung an die verfassunggebende Nationalversammlung festhalten. Sie sind von vornherein nicht für dauernden Gebrauch bestimmt gewesen und werden demnächst abgelöst werden durch neue Postwertzeichen, da auch die alte Germania-Marke dem neuen republikanischen Staatswesen nicht mehr ange- ! meffen ist. Die Postverwaltung hatte einen doppelten Wettbewerb ausgeschrieben, eine allgemeine Konkurrenz. an der sich jedermann beteiligen konnte mit Preisen von insgesamt 14 250 Mark, und eine engere Konkurrenz für eine Reihe anerkannter künstlerischer Kräfte mit Preisen im Werte von 7000 Mark. Allein zu dem allgemeinen Wettbewerb sind 4000 künstlerische Entwürfe eingelaufen. Es sind tüchsige Arbeiten darunter, aber auch viele wertlose Sachen. Ein Drittel der Bewerber beschränkt sich darauf, lediglich eine Ziffern- lösung der vorgesehenen 15 verschiedenen Wertmarken zu versuchen, will also nur durch klare Schrift, ornamentalen Schmuck und gute Raumverteilung wirken. Von den Bildmarken, also den Wertmarken mit bildlichen Darstellungen, sind wenige annehmbar. Den ersten Preis im öffentlichen Wettbewerb erhielt Adolf U z a r s k i (Düfleldorf) mit dem Bild: „Sprengender Reiter". Den zweiten Preis trug Walter Buhe (Berlin) davon (Ziffernmarke). Im beschränkten Wettbewerb errang den ersten Preis Willi Geiger (München) mit einer Ziffermnarke. Als zweiter ging aus dem Kampf der Münchener Bildhauer Edwin Scharff hervor mit seinem ausgesprochen modernen Entwurf: Ein Pflüger mit zwei Pferden.
Unberücksichtigt vom Preisrichterkollegium wegen der schlechten Qualität der Einläufe blieb eine neue, an sich gute Idee, nämlich eine Bildnismarke, wie sie ähnlich die Amerikaner haben, mit den Köpfen geistig hervorragender Deutscher: Goethe, Beethoven, Kant, Dürer ufw.
Das Wirtschaftsleven.
* Die Einführung der erhöhten Eifenbahntarife hat, wie aus verschiedenen Gegenden gemeldet wird, kein Nachlassen des Personenverkehrs bewirkt.
(*) Heb«stunden der Eisenbahner. Infolge Mangels an Waggons zum Abtransport der Kohlen ist bei den Bergleuten eine Mißstimmung eingetreten, die die Durchführung des mit den Bergarbesterverbänden des Ruhrreviers erzielten Abkommens über die Mehrfchich- ten gefährdet. Die Ueberfchichten der Bergleute hatten zur Borausfetzung, daß auch in den anderen Berufszweigen der Arbeitswille stärker als bisher zum Ausdruck käme. Eifenbahnminister Defer hat deshalb Verhandlungen ein geleitet, um durch lieber stunden der Eisenbahner die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn
Deutsches Reich.
*’ Ter neue Reickispoftiarif. Der parlamentarische Beirat beim Reichkpostminijterium beschäftigte sich mit einer neuen Erhöhung des Reichsposttarifs. Es wurde erklärt, daß die letzte Tariferhöhung kein Nachlassen ' des Briefverkehrs ergeben habe. Die erwartete häufigere Benutzung der Postkarte statt des Briefes sei nicht eingetreten, im Gegenteil sei der Verbrauch der Postkarte ganz erheblich zurückgegangen. Die abermalige Erhöhung bedeutet durchweg eine Verdoppelung. So werden Telefon- und Teiegraphengebühren um 100 Prozent erhöht, die Telefonpauschale wirü verdoppelt. Der Ortsverkehr für Briefe und Postkarten soll fortsallen, das Briefporto bis zu 20 Gr. wird auf 30—40 Pfg. erhöht, für schwere Briefe auf 50—60 Pfg. rrsw. Postkarten sollen statt 15 Pfg. künftig 30 Pfg. kosten, Drucksachen nach der Erhöhung 10, 20, 40, 60 und 80 Pfg., Eilbriefe 1 Mk. Lagergebühr für postlagernde Sendungen 10 Pfg., die Versicherung,Soebühr pro 1000 Mk. wird auf 1 Mk. erhöht, der Satz für Postanweisungen bis 50 Mk. beträgt 50 Pfg., bis zu 200 Mk. 1 Mk.
Viertel weiter. Daher sagte Julius Cäsar: Wir müs. sen alle vier Jcchre einen Tag ernschieben. Das war nun wieder zu viel des ®uten, weil die Erde in einem Jahre nicht ganz ein Viertel der Umdrebung zulegt. Decher sagte Papst Gregor: Wir muffen in 400 Jahren wieder drei Schalttage streiche,!! Tas reicht nun für einige tausend Jahve; bann wird die Menschheit wenn nicht inzwischen der jüngste Tag angebrochen sein sollte, itneber eine Kalenderreform machen müssen. Die Sterne am Himmel drehen und überrunden sich in einer wundexvollen Ordnung, aber innere Rechenkunst ist so schivach, daß sie nur mit Mühe und Not sich diesen verschlungenen Zahlenverhältnissen anpaffen kann.
Ein Muster von Einfachheit bildet unser Mond. Bei ihm dauert die Achsendrehung -genau so lange, wie der Umlauf um die Erde. Das hat nun die sonderbare Folge, daß der Mond uns immer dieselbe Seite zu. dreht. Der Mond ist unser Trabant; wie ein gut er. zogener Diener loendet er seinem Herrn immer nur das Gesickit zn. niemals den Rücken. Tie Vorderseile des Mondes haben wir sehr genau studiert, da wir im Fernrohr die Hügel und Täler dieses Nachbarn recht dentliib erkennen können. Aber die Rückseite diese? Trabanten hat noch kein Mcnischeucnige gesehen. Und wenn auf dem Monde vernünftige Wesen mit fünf Sinnen vorhanden sind so müssen die Einwohner vor, der Rückseite erst eine Reise um den Mond machen, mn das großartige Schauspiel der riesigen Erdkugel zu genießen. — Ob es solche Mondbewohner gibt und ob sie von dem Weltkrieg auf der Erde etwas wahrgenom- men haben, wer weiß es? Hoffentlich geht es ihnen, nicht so schlecht, wie uns.
Kommen wir nun auf den irdischen Kalender zu. rück, so sehen wir, daß alle Maße schwanken und wechseln. Das eine Jahr ist länger wie das andere, der eine Monat ist länger wie der andere. Auch die Tage?, länge von 24 Stunden bleibt sich nicht gleich, wenn bald hier, bald da die Sommerzeit eingeführt und erst eine Sunde abgezogen dann eine Stunde znge. logt wird. Das einzige Maß, war • von STtt lang an bis jetzt unangetastet bli b, ist die W o ch-e. Die ist immer von 7 gu 7 Tagen weiter ge. rechnet worden. Zur Wende des Fahrhunder S hatten sich freilich kühne Stimmen erhoben die auch den Gleichschritt der heiligen Wach: antasten wollten. S-e sagten, zu der gründlichen Kalenderreform gehöre nicht
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zu erhöhsn. Es haben Besprechungen mit trat Gewerkschaftsführern stattgefunden, und es besteht Aussicht, daß binnen kurzem, die achtstündige Arbeitszeit durch eine tägliche Ueberstunde auf neun Stunden gebracht werden kann. Für diese neun Stunden sollen die Eisenbahner eine bescndere Zulage erhalten und außerdem soll eie gewiffe Menge der befördertn Kohlen dazu benutzt werden, um die Ernährungslage der Eisenbahner durch eine erhöhte Fettration zu verbessern.
* ?teue Oel- und Salilager sind in Nordschleswig entdeckt worden. Ein dänisches Blatt meldet darüber folgende Einzelheiten: Das Gelände liegt ziemlich niedrig ,und an vielen Stellen liegt da.s Land unter Wasser. Der Eigentümer, ein deutscher Hofbesitzer Andressen, erzählt, ein minenkundiger Ingenieur aus Hamburg habe scstgestellt, daß sich auf dem Terrain sehr große Mengen von Oel befinden, und daß in dem ganzen Boden, der etwa 500 Hektar umfaßt, in einer Tiefe von 220 Meter reiche Kalilager vorhanden seien. Die Oel- lager dagegen befänden sich in einer Tiefe von nur 50 Meter.
* Ein Hasenarbeiterstreik ist in Holland aus- gebrochen, der empfindlich die Versorgung Europas schädigt. Ter Streik wird für das internationale Prinzip der Lohngleichheit in den Häfen geführt werden.
* Ter französische Eifenbahnrrftreik beendet. Der Eisenbahnerstreik wurde in der Nacht zum Dienstag als beendet erklärt, nachdem die hanptächlichsten Forderungen der Arbeiter angenommen waren. Insbesondere wurden Disziplinarstrafen zurückgenommen und die Zuständigkeit des Gewerkschafts- ausschufles für die Regelung der Arbeitsordnung anerkannt.
mehr ein feststehendes Osterfest sondern auch die Umbildung des Jahres in 52 Wochen und ein oder zwei Er. gänzunxßtage außerhalb der Wvchenreihe. Da.- mit sollte erreicht werden, daß in allen Jahren auf jebeS Datum derselbe Wochentag fiel. Wegen tiefer unnützigen Gleichmacherei eine so grundstürzende Revolution! Das wagte man nicht einmal in ter übermütigen Vorkriegszeit. Jetzt hoben wir ganz andere Sorgen, als solche Fragen des Kalenderzierrats.
Da die Woche immer noch fest steht, so Hst der Schalttag keine wirtschaftlichen Folgen fiir diejenigen, tie auf Wochenlohn oder Wocheneinn,ahmen angewiesen sind. Ebensowenig für die Taig .kühner. Aber wo monatlich abgerechnet wird, zeigt sich ein ge. wisser Einfluß.
„In welchem Monat essen die Leute am wenig, sten?" Die Anttvort auf diese Scherzfrage lautet be. kanntlich: „Im Februar, weil er nur 28 Tage hat." Im Schaltjahr soll es aber für 29 Tage reichen. Da- es sich nur um einen Tag in einem ohnehin kurzen Monat bandelt u^ih die Einlage mir alle vier Jahre einkehrt, so können auch die streiklnstigsten unter den Festbesoldeten tarans keinen Anlaß zu einer weiteren Lohnbewegung nehmen. Das Schwänzchen am Februar wird glatt mit übersprungen.
Die Sache läßt sich auch so auffassen als ob wir einen Tag geschenkt bekommen hätten. So zu sagen als Sparprämie. In den verflossenem vier Fahren haben wir 4tnal 6 Stunden gespart; dafür wird un» jetzt ein Tag auSgezahlt.
Ein zweifelhaftes Geschenk, wird da mancher denken. „Was bringt der angelegte Tay? Weitere Lasten und Sorgen!" Freilich, es ist kein außerordentlicher Jubeltag, sondern ein Werktag wie die anderen. Aber auch nicht minderwertig. Betrachte und behandle ihn tote eine Zulage zu deiner Lebensfrist.
Viele haben schon auf ihrem Sterbebette geseufzt: Ach, wenn ich doch nur einen Tag noch leben und toir. ken könnte, wie manches würde ich da noch ordnen und gutgemacht! — Was dem Totkranken versagt bleibt, toir haben es noch. . . . Wir haben noch kostbare Zeit und wertvolle Straft. Wir können noch streben uni schaff fen, ordnen und sühnen, für unser eignes Heil und für die Wohlfahrt der Hinterbliebenen sorgen. Jeder Tag des Lebens ist ein gewichtiges Geschenk, auch der Schalt--»" Menher» S,,x«c
Der Kurs bleivt der alte.
In der Presse der Mehrheiisparteien wird, wie es tjfj schon verschiedentlich geschehen ist, betont, daß von einer Ae nderung der Reichspolitik we= i des etwaigen Ausscheidens Erzbergers nicht die e d e sein könne. Es wird geliend gemacht, die drei Mehrheiisparteien hätten sich auf eine gemeinsame Arundlage für die Führung der politischen Geschäfte i «einigt, und die Persönlichkeiten, welche diese Ge- ichafie führten, seien lediglich die Beauftragten. Dazu : Minen noch andere Gesichtspunkte. Man steht auf fcm Standpunkte, daß eine andere Koalition, als [ se augenblicklich vorhanden ist, unter den gegebenen ißuhältniffen gar nicht regierungsfähig ist. Kan betrachtet die jetzige Mehrheitsbftdung als die f einzig mögliche politische Gruppierung. Sie allein ist im Stande, die Ordnung in Deutschland auftecht zu et- halten und das Ctaatsschiff durch die Strudel zu leiten.
In dieser Auffassung sind die Mehrheitsparteien i mso mehr bestärkt worden, als dieser Tage die U n - abhängigen haben erklären lassen, daß sie sich : nicht stark genug fühlten, die Regierungsgesckäfte zu übernehmen und daß „technische Unmöglichkeiten" der Uebernahme der Reichsverwaltung durch die Un- l chhängigen entgegenständen.
' Auch den Rechtsparteien, die in den Deutsch- - nationalen ihre Führung haben, könnte kein größeres
Verhängnis erstehen, als wenn sie jetzt vor die Notwendigkeit gestellt würden, die Regierung zu Übernehmer Sie hätten gar nicht die Gefolgschaft im Volke, m eine Kursänderung durchzusetzen und wollten sie es wirklich versuchen, es gäbe die wildesten Kämpfe im Ömern und unheilbaren Krach mit dem Auslande, das ohnehin noch immer mißtrauisch ist und eine Rückkehr des „alten Regimes" unter feinen llnfltanden dulden wirb. Nichtsdestoweniger bleibt die Rechtsopposition dabei, daß mit Erzberxcr auch das von ihm oerkör- jerte „System" fallen müsse. Diesem System gift der Rumpf, auch wenn Erzberger nicht mehr im Ministerium fein sollte. Die alldeutsche „Deutsche Zeitung" erklärte: „Solange das jetzige System Erzberger — wch nach feinem Sturz ist das System das gleiche — am Ruder ist, bar1 es kein Verhandeln, kein Paktieren geben, sondern nur rücksichtslosesten Kampf gegen die . Totengräber des Deutschen Reiches". Auch die »Deutsche Tageszeitung" sagt dem jetzigen Regierungs- Wem erneut scharfen Kampf an und läßt durchblicken, daß eine Aktion der Opposition gegen die Regierung unb Die Mehrhcüsparteien unmittelbar bevorstände Demgegenüber macht bet «Vorwärts" mit Recht gdtenb: ’
E -M heutzutage eme andere Regierung als die der sKaalckon m Deutschland überhaupt nicht möglich ff».
Die Koalition fft kein Ideal, aber sie müßte geschaffen «erden, wenn sie nicht bestünde, und ginge sie heute aus tan Beim, so müßte man sie morgen wieder zusammen- Men, damit Deuschland nicht aus dem Leim geht."
Die Koalition aus Zentrum, Sozialdemokra- tm und Demokraten ist k e i n I d e a l, das sagen auch mr. Niemand in unfern Reihen ist entzückt von einer Arbeitsgemeinschaft mit einer Partei, die wie die Sozialdemokratie, von uns durch unüberbrückbare Gegen- !°tze getrennt ist und die durch ihre Agitationsmetho- «n in der Vergangenheit so viel bis in die Gegenwart fortwirkenden Schaden in unserem Daterlande gerichtet hat. Aber wer diese Arbeitsgemeinschaft wtampft, der muß sagen, wie man an dem Zusam- tengefjen mit der Sozialdemokratie im neuen Deutsch- tatb vorbeikommen und was man an die Stelle ter Regierungskoalition etwa setzen könnte. Bisher hat das noch niemand zu sagen vermocht.
Bon der Notwendigkeit der Koalition überzeugt. Wen die Mehrheitsparteien die Aufrechterhal- tung der gegenwärtigen Parteigrup- P’ e r u n g beschlossen. Allerdings wird man auch bei *rzu erwartenden Umbildung des Kabinetts sich «lühen, durch die Auswahl der neuen Persönlich-
j Unpolitische Zeitläuse.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 24. Februar 1920.
ist Schalttag. Weil die Jahreszahl 1920 Wch 4 teilbar ist, bekommt dieses Jahr einen Tag Wiegt
$ie meisten denken, der 29. Februar sei der zu. Jpfc Tag. Im Kalender steht es aber anders. Ter
-Februar gilt als Einlage: die nachfolgenden vier des Monats werden jeder nm eine Nummer ver.
Mben. Die Leute, die Matthias heißen feiern sonst Am Namenstag am 24. Februar; dieses Jahr erst
25- Februar. Der Geburtstag dagegen 'liebt am Wer in dem Schaltjahre am 29. Februar ge.
ist, war in der Wahl seines Geburtstages un. TWg; er kann nur alle vier Jahr? einmal sein Wsenfest begehen, und für die erhöhte Feier des 50. V ,‘°- Geburtstages müssen seine Fretmde schon den ' t’n Anspruch nehmen.
j^ttum ist nun gerade der 2 4. Februar Lücken. 3^ geworden, Dos g hört zu den Eierschalen unse- M^alenders. Es ist ein Erbstück aus der alten Heid. Mn Römerzeit. Die hatte zunächst eine so mangel, itn6 ^'°ieuderrechmmg, daß sie zeitweilig einen gan- M Monat zum Ausgleich einschalten mußte. Das Msie in den Schaltjahren hinter dem 23. Februar. M Julius Cäsar den Kalender verbesserte (46 M.Christus). schrumpft der Schaltmonat zu einem zusammen, und diesenFlicktag schob er zu dem
Ejttten Zeitpunkt, im 24. Februar ein. Den julia. । a Kalender behielt die Christenheit bei, obschon ^^nngelhaft war. Erst im Jahre 1582, als der Ep"0* um 12 Tage hinter dem Sonnenlauf zurück. F^at war, führte Papst Gregor XIII. die Reform M»kalenders ein. Dabei blieb der vierjährige Schalt- M ^Allgemeinen bestehen, er wurde nur aufgehoben E^i Säkularfghre unter je 400, nämlich für die
1700 1800, 1900, 2100 ufw. Demgemäß ha- ulr bei der Wende dieses Jahrhunderts da-
|* 1900 ohne Schalttag begangen.
ihr*. ®<rn^e Mickerei wäre uns erspart geblieben, kJ* Sonnenjahr genau aus 365 Sonnentagen tz Wenn die Erde ihren Jahresspaziergang um |L Om'e gemacht hat, so hat sie sich nicht bloß 3ß5 P ihre Achse gedreht, sondern noch tim fast ein ,