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Nr. 48

Zreitag, 27. Februar 1920

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er soll rmS morgen > -e Nachricht schicken.

I:

Sebr w

Oct

nateir Sie nach meiner' Villa Sie

ne schöne sorgenlose Leutnant;.

die Wirtschaft kriegt, kann noch alles gut werden. Der

ds Lyndon 'ntts r d'Pl.

(Forts, folgt.).

nn ich vcitn auch noch unserem Korresponden-

unr be­bet des auf die

Erinnerung an die zeit verloren.

,97a ich gönn's Gutsnachbar fort.

kenwärterS oder einer zuverlässigen männlichen Person zur Nachtwache. Also nicht mal die Personen der Liebe und Barmherzigkeit sind vor dieser ^Soldateska sicher. Zur Ehre der amerikanischen Militärjustiz sei jedoch gesagt daß die Unmenschen mit einer schweren Strafe, belegt wurden. Wenn es der Entente so sehr gelüstet, nach Verbrechen deutscher Soldaten während der Kriegs» zeit zu fahnden, so hätte sie wahrlich genug zu tun, im eigenen Hanse Umschau zu halten und verbreche« rische Schandtaten zu sammeln, die mitten im Frieden von ihren Soldaten begangen werden. I.m Rheinland gäbe es über unt über zu tun.

L -3m Vertrauen gesagt, Herr Lynden, die Beam- und Arbeiter wollten dem Brautpaar heute abend ">en Fackelzug bringen."

geliebte Rechte abgenommen, doch zugleich auch hup ckende Lasten.

Man mutz auch zugestehen, daß das Reich nicht engherzig vongeht in dem finanziellen Ausgleich. Für die Abtretung ihrer Eisenbahnen werden den Ein. zelibarrten zwei Arten der Entschädigung zur freien Auswahl gestellt. Sie können den Ertragswert unter Kapitalisierung Zn 4 Prozent in Rechnung stel­len oder auch das Anlagekapital zu 4)4 Proz., wobei noch die Fehlbeträge aus den Kriegsjahren zum Anlagekapital hinzugerechnet, also zu Lasten des Rei­ches übernommen werden. Jeder beteiligte Staat kann sich erst mnsehen, welche Art der Berechnung ihm vor­teilhafter ist.

Man kann aucb dem Reicksfinanzminister keine geldgierige Spekulation auf die Zukunft vorwerfen- Denn es ist vereinbart worden, daß für die nächsten 10 oder gar 20 Jahre keine Ueberschüsse aus den Ber. kehrsmitteln zur Aufbesserung des R üchshaushaltes verwendet werden sollen. Es soll ein besonderer Haushaltsplan für die Eisenbahn und Poft aufgestellt und zunächsk nur das Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben in den Betrieben erstrebt werdm. Wenn sich lleberschüsse ergeben, so werden sie für die Wieder­herstellung, die Verbesserung und die Ausgestaltung des Verkehrswesens verwendet werden. Das ist ein vernünftiger Plan, der zugleich eine gewisse Gewähr gibt gegen die Ueberspannung der Tarife. Der leitende Gesichtspunkt ist die Pflege des Verkehrs; die Reickskasse verzichtet auf die unmittelbare Plus mache- rei und kann sich zur Deckung ihres Defizits nut dar. auf verlassen, daß der Aufschwung von Handel und Wandel mittelbar die Steuerkraft steigert und die Reichseinnahmen erhöht.

Vom politischen Gesichtspunkt aus ist eZ zu begrü­ßen, daß die unvermeidliche Ausdehnung der ReichS- gewall nicht durch Ileberstimmung oder auf dem son­stigen Zwangswege vor sich geht, sondern auf Grund der friedlichen und freundlichen Verständigung zwischen den Reichs, und den Staatsministern.

Möge das gute Einvernehmen zwischen der Reichs, regierrmg und den Ländern auch weiterhin erhalten bleiben, indem die neue Verwaltung mit Takt und ge- bübrender Rücksicht auf die örtlich m Interessen und Gewohnheiten eingerichtet und durchgeführt wird, ohne den viehgjefürchtaien altpreußi scheu odiV S3ct> liner Geist.

Es geht auch so, !venn auf allen Seiten gutt Wille und etwas Geschick sich bewährt.

Das Wirtschaftsleben.

* Die Ueberschichten. In dieser Woche ist tm Ruhrlohlenbergbau mit dem Verfahren von Ueberschichten zur Hebung der Kohlenförderung be­gonnen worden. Auf einigen wenigen Zechen hoben die Belegschaften die Leistung von Uebei stunden abgelehnt und nach der regelmäßigen Schichtzeit von sieben Stunden die Ausfahrt erzwungen. Der Reichskommissar Severing hat die betreffenden Zechen angewiesen, diese Belegschaften nicht früher wieder anfabren zu lassen, bis sie sich zur Leistung der mit den Bergarbeilerorgamsationen vereinbarten Ueber- stunden einverstanden erklären.

* Zigarrettenmonopol in Sicht. Wie man er- ährt, best ht Aussicht, daß das Reichssiiianzministe» rium den Wünschen der deutschen Zigareltenindustrie Nachkommen wird, um eine Süllegimg der Betriebe zu vermeiden. Die Folge der Stillegung wäre ein enormer Ausfall für die Reichskasse und ein Ab­strömen' weiteren deutschen Geldes ins Ausland für eine vermehrte Einfuhr englischer Zlgareiten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich Regierung und Inter­essenten auf ein Z>gareltenmonopol einigen und die Fabriken für Rechnung des Reiches in Zukunft ar­beiten

* Noch immer die Nubsesselwirtschaft! Die Vm>

der Stadrpromcnade eine prächtige Villa Villa Luisa genannt erbaut hatte.

Mit zufciedenem Lächeln sank Herr Lynden jetzt in die wstchen, seidenen Polster seines Wagens zurück, der, von zwei Trakehnerroppen gezogen, rasch durch die holperigen Straßen der kleinen Stadt rollte.

Sctuunbenib folgten die Blute der kleinen Leute und der Kinder auf, ben Straßen der vornehmen Equi. vage. In den Augen manches der Nachschauenden flackerte Wohl der Nttb auf. Weshalb mußte es ge­rade dieser frühere Schloffergeselle zu solchem Reich­tum bringen? Er war doch auch aus keinem anderen Holz geschnitzt wie sic allcl

So dachten die kleinen Leute der Flickschuster dort an der Ecke und der Tischlermeister, sein Nach, bar. Aber sie bedachten nicht, daß sich Herr Lynden als junger Mensch den Wind um die Nase hatte wehen kaffen, daß er in England und Amerika gearbeitet, daß er mit großem Fleiß und geschäftlicher Schlauheit wei­ter gestrebt, kurz: daß er fast fünfzig Jahre feines Le­bens gearb.iiet, spekuliert und kalkuliert, bis er es da­hin gebracht, wo er sich jetzt befand: auf der Höhe des Lebens als ein reicher Mann und Besitzer der weltbe. kmmten Maschinenfabrik Th. Fr. Lynden u. Co.

Die Leute wußten aucb nichts von den täglichen Mühe und Sorgen, ton den schlaflosen Nächten und den die Nerven angreifmben Zwischenfällen des geschäftli­chen Lebens; sie kannten nicht die Schliche und Kniffe, die angewendet werden mußten in dem aufreibenden Kampf gegen die Konkurrenz; sie wußten nichts von der Anstrengung der weiten Reisen und der Aufregung des Börsensviels

Die Leut- sahen nur die glanzende Außenseite, den stets wachsenden Reichtum, die sich von Jahr zu 'Jahr vergrößernde Fabrik und die von einem grünen Park umgebene Villa Luisa, die heute abend in dem Glanze des elektriscken Lichtes tote rin märchenhaftes 3eem= schloß erstrahlte.

In dem großen salonähnlchen Vestibül, das durch Palmen und tropische Blattpflanzen in einen entzücken- den Wintergarten umgewandelt war, empfingen Herr Stinten und seine Tochter Edelgard am Arm ihres Verlobten die Gäste bie dann in den eigentlichen Fest- 'aal traten in welchem bie Mutter des Bräutigams, rau Baronin v. Fredersdorsf, und ihre zwei Töchter .'cunhille und Ehrengard die Honneurs machten.

Aus dem Sesetzten Gebiet.

AmerikmisLe Bestien. Al? Gegenstück zu der Er- moriung einer Studentin ht der Nähe von Saarbrü­cken durch einen französischen Soldaten ve-dient der Oeffentlichkeit eine verbrecherische Tat bekannt zu wer­den. bi* vor ungefähr vier Wochen an einer Barm her. zigen Schwester in Coblenz.Metternich begangen wurde. Bon glcrubwürbigster Stelle wirb über den Fall folgen­dermaßen berichtet; Ein« Krankenschwester aus Metr- tornich batte Nachtwache zu halten und fuhr mit der Elektrischen bis zu ihrer (Ent Ration, von der aus sie noch eine Strecke zu Fuß zurückzuleoen hatte. An b'r Endstation warteten fünf amerikanische Soldaten mit einem Auto. Sie überholten die Schwester bald und brachten sie mit Gewalt in ihr Auto. Die Hilfe'chr^e der Schwester sichten di' Unmenschen durch fortgesetztes Hupen zu übertönen. Tie Umgebung merkte schließlich doch, daß hier etwas Außerordentliches vor sich geh«. Man fand später tie Schwester auf freiem Felde be­wußtlos vor und brachte sie in ein Krankenhaus in Koblenz dort lag sie noch einige Tage krank darnieder. Dies ist die öffentlich bekannt? Tatsache. Daß sich an- läßlick dieses schrecklichen Falles eine Unmenge wilder Gerückte in der ganzen Gegend verbreitet hat, ist nur zu erklärlich. Gesittete weibliche Personen wagen sich kaum mehr nach Anbruch der Dunkelheit au? dem Hause. Die Krankenschwestern in Koblenz begeben sich seit tiefer Zett nur mehr in Begleitung eines Kran.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, :: für bie Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. s

Rotationsdruck v. Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Sldresse: Fuldaer Zeitung

so teuer bezahlen muß. reicht niemals das Einkommen der minderbemittelten Bevölkerung cm3. Darum mutz der Swat immer wieder die Löhne seiner Arbeiter und di' G'hälter seiner Deamtm steigern. Was er durch fein« Deteittgung an ben sogenannten Ve bimsten ter Kriegsg-fellschaften verdient unt in b'e eine Tasche steck», muß er bann ans der anderen Tascke w'e^er aus. geben auf dem Umwege iib'r eine U'bermlle von imni'tet Orvtn'falion, Bürokratie. Schreiberei und Klubseffelw iris chaf t.

Generalstreik der französischen Eisenbahner.

In ganz Frankreich steht mit der Rocht znm DounerS'ag der gesamte Eisenbahnverkehr still. Zunächst war auf der VariS-Lyou-Mtltel- meer-Bahn die Arbeiterschaft in den Streik getreten. Zu ih er Unterstützung sind dann auch die Eisen­bahner der übrigen Listen in den Au-stend rcfctrn.

sagen, wenn nun bebanptet wird tie Gewinne Reicksfischversorgung flössen ganz in die Tasche Reiches Dann macht des Reick eben Gewinn« Kost n der notleidenden Bevölkerung. Weil diese Waren die ihr durch die Kriegsgesellschaften -ufließen»

übrigen? dem Harald," fukft b'V Weun er ein bischen Kapital in

Die Berreichttchung.

Verreichlichung ist ein schreckliches Worigebilde, und manchem kommt auch bie Sache selbst schrecklich vor, nämlich die Ausbehnnng der Reichsgcwalt auf Gebiete, bie sich bisher bie Gliedstaaten sorgsam Vorbehalten hat­ten. Aber die Not bricht Eisen, auch das Eisen der Reservairechte. Wohl oder übel müssen wir in der Ausbildung her nationalen Einheit weiter gehen, weil der äußere Druck und die inneren Schwierigkeiten die schärfste Zusanrtrenfaffung aller Kräfte erzwingen.

Das Heerwesen in fernen bescheidenen Resten ist ReichZsache geworden; ebenso das Finanzwesen mit der ganzen großen Steuergesetzgebung. Nun folgt das Verkehrswesen. Soeben ist in der Kon­ferenz der etnzelstaatlichen Minister in Berlin di« Ver. cinbarung über den Uebergänz der Eisenbahnen an das Reich gthn Abschluß gelangt, nachdem die Einigung Über die Post schon vorher in München und Stuttgart erfolgt war.

Jetzt will man fchnell di« einhettliche Derkehrslek. timg durchführen. Schon am 1. April soll di« Sache in Kraft treten. Di: Nationalversammlung wird also zu der Masse von sonstigen dringlichen Aufgaben noch ein Gesetz zu erledigen haben, baS sowohl die Neuein. TKbhmg der Betriebe als auch den finanziellen Aus­gleich zwischen dem Reich und den beteiligten Ländern regelt.

Das Reich sieht bei alledem tote ein (Eroberer aus; aber vom kaufmännischen Standpunkt aus macht es kein Geschäft. Die liebernabme des Verkehrs­wesens erfolgt in einer Zeit, too die früheren lieber, schiisse der Eksonbahnen und der Post spurlos ver­schwunden sind und diese Betriebe mit erschreckenden Verlusten arbeiten. Den Einzelftactten werden zwar

ieren. Depeschieren

K, »Unb bau :.».!> UV4U»

mir tu dem Empfang der Gäste zur Seite

Unb, was ich noch sagen tvollte, bie Arbeiter Wien heute schon um vier Uhr Feierabend macken; sollen auch wissen, daß mein« Tochter heute Derlo- Wrtg feiert.*

Harald v. Kredersdorsf rnb Edelgard Lynden bil­deten ein fckönes Paar. Beide waren hoch und sch'ank gewachsen; Edelgard in der Fülle ihrer neunzehn Jahre blübent, bas etwas blaffe, eble Gesickt, aus b:m die großen dunklen Augen firn-'nb und ernst bcr"orbl-.ck- fen, von der Fülle b:3 weichen, welligen goldbraunen Haares umschmiegt, er in der Kraft feiner dreißigjäh. rigen Männlichkeit, die blauen Augen blitzend von Le­benslust und Stolz und um den schön geschnittenen Mim! ein etwas spöttisches Lächeln, das sich unter dem langen, blonden Schnurrbart verlor.

Man sagte, er habe das Leben als Gardci-Drazoner- Ofsizier in Berlin nach allen Richttmzen hin genossen und das Leben auf dem einsamen Gute nach dem Tode seines Va'ers habe ihm zuerst gar nicht recht gefallen wollen. Man mußte es ihm aber Tagen, daß er ein tüchtiger Landwirt geworden war unb in die vernach. lässigte Wirtschaft seines väterlichen Gutes Ordnung gebracht batte.

Die Räume der Villa füllten sich allmählich mit einer glänzendn G sellschast.

Da war der zrundbesitzcnde ?ld'l de« llmgegcnb mit Frauen und Töchtern einige reiche Großindustrielle, die Spitzen der Beamtenschaft vom Land rat bis zum jüngsten Referendar und vor allem das gesamte Offi. zierkorps des in b'r Stadt liegenden Histctren-Regi- ments, das auch b-e Festmusik gestellt batte.

Herr Theodor Lynden strahlte im stolzen Trinmph. zefühl des errungenen Sieges, als er mit der Baronin v. Fredersdorff die Polonäse ansührte. Ein terarstgeS Fest hatte Villa Luisa noch nickt gesehen; will'g beugte sick alles der Macht de? Reichtums, der du Gäst-n hier bei jedem Schritt entgegcngle^te unb schmmerte.

Die Frebcrsdorfts können das Lynden sch« Geld gebrauchen,* raunte ein Gutsnachbar Haralds beut Kommandeur des Husaren-Regiments zu, baffen sy» hitztes Gesickt von reichlichem Sektgenuß zeugte.Ter alte Fredersdorfs stand ja vor dem Bankerott und der junge soll in Berlin dos »einige dazu getan Halen*

Ach ja Berlin!" seufzt« bet dicke Oberstleutnant und stürzte abermals ein Glas SM herunter, in

«Zum Kuckuck, Herr Mantel, was gebt das uns an" M habe freilich ein großes Depot bei dieser Firma Wb meine Wechsel laufen alle uuf Wellbausen Söhne, Wer der Mann wird doch die Depots nicht angegrif» F hoben und die Wecki

gänge, die zur Verhaftung des Leiters der Reichs, f i s ch v e r s o r g u n g Nathan führten, haben immer noch leine genügende Aufklärung gefunden. Tie Reichs- fischversorgung selber, ihre führenden Persönlichkeiten und ein Teil der Preffe ist über die Verhaftung des Direktors Netthan empört. Diese Seite behauptet, daß die Reichsfischverscwgung korrekt gehandelt hab« und daß alle ihre Maßnahmen und Preisfestsetzungen int Einverständnis mit dem Reichswirtschafisministerium geschehen seien. Wie lag denn die Sache? Rheinische Fischhändler hatten aus Holland Fische bezogen. Ti« Einfuhrerlaubnis hatte gefehlt; bie Reichssischversor. gung bezahlte für bie beschlagnahmte Ware ungefähr 30 Mark pro Tonne und gab sie dann für 4 5 0 Mark pro Tonne zum Verkaufe frei. Tas ist cB. was bie CeffentlicfiTcit nicht versteht. Das Richtige wäre doch aewefen. bie?W«e nun an bie minderbemit. t lte Bevölkerung zu eurem möglichst niedrigen Preise abzugeben. Worum mußte denn nun bie Ware das 15fache verteuert werden? Es will rar nichts

Ale verfassungswidrigen

Schusdepntationen.

Tas Gutachten, das der Reichsmirüster der Ju' ftiz und des Innern zu dem preußischen Gesetzent­wurf über die Zusammensetzung der Echul- zeputationen, SchttlvorstäudeundSchutkommls- «pnen abgegeben bat, besagt im wesentlichen t t $ht dem (Enttouif ist vorgesehen daß die. Geistl i- t n der evangelischen Landeskirche uni der katholi- tiien Kirche, die bisher als solche ohne weiteres Mit- i Vierer der Schuldeputationen, Schulvorstände unb Schul- tomimffwnen waren, künftig ben bezeichneten Körper- jchaften nicht mehr kraft ihres Amtes ange- pjren sollen. Der Erlaß dieser Vorschrift ist nach ßnficht der Unterzeichneten mit ben Bestimmun- -rn der Reichsverfasiung nicht vereinbar. IT Der Artikel 146, Absatz 2 der Reichsverfassung trifft ^bnfichUich der Konfessionsschulen bie Bestimmung, daß innerhalb der Gemeinden auf Antrag der Erziehungs­berechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung einzurichten sind, soweit dadurch ein ^ordneter Schulbettieb nickt beeinträchtigt wird, und laf; dabei der Wille der Erziehungsberechtigten mög- «jchft zu berücksichtigen ist. Das Nähere hierüber solle )ie Landesgesetzgebung nach den Grundsätzen eines WeicksgesetzeS beitimmtn. Bis zum Erlaß dieser reichs- j^tlichen Grundsätze verbleibt es nach der auS- prückeichen Vorschrift des Artikels 175, Satz 1 bei der bestehenden Rechtslage. . . .

; Maßgebend kann nur der Gesichtspunkt sein, ob die in Frage kommende Vorschrift des LandeSrechtS in den SeeiS der Angelegenheit fällt, die nach der Absicht der ^HÜichSgrfetzgebung einstweilen durch das Landesrecht nicht neu geregelt werden sollten. Diese Frage ist hier zu bejahen. Denn nach der Entstehungsgeschichte des Letikels 175 Satz 1 kann kein Zweifel darüber bestehen, baß die Vorschrift, die einen wesentlichen Bestandteil der sogenannten Schul kompr »miss eS bildet, das Ziel verfolgte, den in dem Problem der KonjessionS- schule liegenden politischen Streitstoff in feiner Gesamt­heit bis zur Ausstellung reichSgejetziicher Grundsätze Mäckzustellen und eine vorherige Entscheidung Der da­mit zusammenhängenden Fragen durch die LandeSge- jchgebung zu verhindern. .

: Die bezeichnete VersaffungSvorschrist steht daher jeder landesgesetzlichen Bestimmung entge­gen, die ihrem Inhalte nach die bisherige rechtliche Gestaltung des Gesamtproblems in irgend einem wesentlichen Punkte beeinflußt und geeignet ist, der iu litiel 146 Absatz 2 in Aussicht genommenen reichS- Mehlichen Aufstellung von Grundsätzen vorzugrei« fen und einen vorzeitigen Streit über sie zu tnifeifel.

Das Gutachten erklärt also die Bestimmung des Hesetzentwurfs, daß die Geistlichen, die bisher shnc weiteres Mitglieder der Schuldeputationen ufw. varen, künftig diesen Körperschaften nicht mehr kraft hres Amtes angehören sollen, als der Reichsver- sa i s u n g widersprechend.

' Das Gutachten ist die Antwort auf eine Anfrage, die eon dem Nnterrichtsausfchuß der Landesversammlung ergangen war, nachdem das Zentrum durch feine scharfe Opposition gegen ben gefährlichen Entwurf die gründliche Prüfung und Klärung erzwungen hatte. Bei gewiflenhafter Behandlung der Sache hätte die Anfrage schon viel früher ergehen müffen. Schon vor Einbrin- g«ng des Gesetzentwurfes wäre es Sache des preußi­schen ÄuÜusminiftEts und seiner Kollegen gewesen, sich über die Verträglichkeit des Vorschlages mit dem Reichs­recht Klarheit zu verschasfen. Dann wäre der Streit im Leime erstickt, öfc ganze Aufregung vermieden worden, imd die preußische Staatsregierung hätte sich die Zu­rechtweisung erspart. Denn ehrenvoll ist es doch ge­rade nicht, wenn ihr jetzt vor aller Oeffentlichkert von der berufenen Amtsstclle gesagt werden muß, daß sie die klaren Vorschriften der Rcichsverfassung verletzt habe.

i Die Wirkung des Gutachtens geht aber weit hinaus über diesen Emzelfall. Es bedeutet eine Warnung oder vielmehr ein Verbot an die einzelstaatsichen Regie- nmgrn und Lanütagsmchrheiten, ihre liberal-sozialisti-

Dev Arbeit Lohn.

- . Roman von Otto Elster.

1. Kapitel.

Lynden, her Besitzer der großen Maschinen, tcbrik Th. Fr. Lynden u. Eo., schloß den Geldsckrank, darf noch einen prüfenden Blick auf bett tooMgeorbnc* fcn Schreibtisch unb griff bann nach Hut unb Stock. s an die Tür gepocht wurde unb der erst« Buchhal- in das Privatkontor feines Chefs trat.

;Berzeiben Sie Herr Lynbeu,* sagte er -wenn ich | ^chmals störe. Aber da ist ein merkwürdiger Brief tferes Berliner Korrespondenten eingelaufen* M, »Der tvohl bis morgen warten kann, lieber Man.

y? unterbrach der Chef feinen Buchhalter mit freund- Mstem Lächeln.Ich hab« keine Minute mehr Zeit. 3n einer Stunde kommen die Gäste und ich muß m'ch 4 umkleiden. Die Familie des Bräutigams wird üvhl auch früher kommen."

E. tut mir leib, Herr Lhnben aber ich möchte Sie d°cl; bitten, diesen Bries zu lesen."

LNun so sagen Sie rasch, was er enthält!" »Unser Korrespondent schreibt uns, daß in Sorten, tt^sen sehr imgünsnge Gerücht« über Wellhausen ®^n« umlaufen."

rUeber unseren Bankier?"

M,Ja. Er soll sick in gewagte Spekulationen ettv Piaffen unb an mehrere Bankhäuser um Hilfe gewankt

«Sehr gut. Sagen Sie ben Leuten, daß ich am nächsten Lohntage jedem von ihnen drei Tage Lohr, mehr auszahlen lasse. Für die Beamten werde ich toeitere Bestimmungen treffen. Also auf Wiedersehen, lieber Herr Mantel. Mein Wagen ist doch bereit?"

Ja, Herr Lynden.*

Dieser schiittttte feinem ersten Beamten die Hattd und eilte über ben Fabrikhof fort, beut Tore zu, vor dem eine elegante Halbchaise hielt.

Aus den Werkstätten brany ein ohrenbetäubendes Getöse. Schwer« Hämmer schmetterten auf gewaltige Kessel nieder, in den Oefen glühte und zischte das schmelzende * Eisen; hunderte von Rödern knarrten, sausten, raffelten unb bie zum Himmel ragenden Schornsteine stteßen dicke Dampf wölken aus. Ein schwarzer, rußiger Staub bedeckte alle Gegenstände und auch bie in den Werkstätten beschäftigten Arbeiter wa­ren mit einer schwarzen Kruste überzogen und glänz, ten von Oel und Schweiß.

An anderen Tagen würde Herr Lynden die Fabrik gewiß nicht verlassen haben, ohne einen Blick in bie Werkstätten zu werfen. Heute jedoch eilte er rasch vorüber; er batte keine Zeit und auch teilten Sinn mehr für die Arbeit, galt es dock, heute der Welt zu zeigen, baß der emftmalige einsach« Schloffergeselle sich eme Stellung in der ersten Gesellschaft erobert hatte, indem er seine einzige Tochter Edelgard mit dem Rit- tcrlmtsbositzer und Rittmeister ber Reserve des 1. Gar- de-Dragoner-ReZiments Harald v. Fredersdorfs ver­lobte.

Wenn bas seine Frau noch erlebt hätte, tvelch« stets für- die vornehme Welt geschwärmt, bie sie als Erzieherin in einem reichen Hause kennen gelernt hatte, und der ihre Tochter ben schönen Namen Edelgard ver­dankte !

Mer bie gute Frau war schon seit fünf Jabren tot. Und wenn sie aucb noch den Reichtum Lynden?. mirge- noffen so sollte sie doch ben Triumph ber Verlobung ihrer Tochter ntit einem adeligen Rittergutsbesitzer nicht mehr erleben, denn Edelgard war beim Tode der Mut­ter erst vierzehn Jahre alt gewesen.

Nun, Herr Theodor Friedrich Lynden konnte sich wenigstens das Zeugnis ausstellen, daß er ein guter Gatt: gewesen war, der seiner Frau jeden Wunsch erfüllt., sie im Winter auf einige Mona re in bie vor» Ehtw'en Bäder schickte und ihr an dem schönsten Teile

scheu Gelüste in der Kulturpolittk im Gegensatz zur Reichsoerfassung und unter Umgehung des Willens Oer Ncttionalverfammlung weiter zu führen.

Die Rechtslage ist so klar und zurmgend, daß die Reichsminister gar nicht anders entfchäden konnten. Wir dürfen ihnen aber dankbar dafür fein, daß sie nicht bioß den Einzclfall erledigt, sondern auch den allge­mein gültigen Grundsatz und das Jnteresie des inne­ren Friedens mit der größten Klarheit und Entschieden­heit vertreten haben.

Der Schlußsatz des Gutachtens spricht das schr be­stimmt aus. Es steht fest, daß die BerfassungSvor- schrift, wonach bis zum Erlaß der reichsgesetzlichen Grundsätze für die Schulorganisationen esbei der bisherigen Rechtslage verbleiben" soll, jeder landes- gefetzlichen Bestimmung entgegen steht, die die bis­herige rechtliche Gestaltung des Gesamtproblems in irgend einem wesentlichen Punkte beeinflußt und der künftigen reichsgesetzlichrn Regelung vorgreift.

Das gilt für alle BundeSstaa.en, und es gilt für alle Versuche, durch beschleunigte Maßregeln in den Einzelstaaten das durchzuführen, waS die Reichs- gesetzgebung verhüten Witt.

Reichsrecht geht vor Landesrecht! wenn die ReichSverfasiung den Kulturfrieden vorschreibt, darf man in den Einzelstaaten kein Kul­turkampf treiben. Tas ist der Sinn des Gut­achtens.

Für die Kulturkämpfer ist das Gutachten ein schwerer Schlag.

Die christlichen Elter« und die Vorkämpfer für Religion und Frieden aber werden aus dem Gutachten neue Hoffnung und Stärkung schöpfen. Wir sehen, daß das Kompromiß in Kultuisachen, das in Weimar geschloffen worden ist, doch einen größeren realpolitischen Wert hat, als manche Zweifler annehmen, und daß eS .uns eine breite und feste Grundlage bietet, von wo aus wir den Kampf für die Bekenntnisschule unter befielen Aus­sichten weiter sichren können.