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Ml da er Zeitung

Druck bc( Fuldaer N elieudr uckerei in Fulb^

Mittwoch, 85. Februar 1920.

Ä

Zastenhirtenbrief

und girtenamt und damit die Kraft und Vollmacht, durch die Sakramente und das hl. Opfer die Ströme der Gnade in die Herzen zu leiten und die Menschen auf den weg des geiles zu führen.

Vas ist, geliebte Diözesanen, der Ursprung, das ist das Wesen der übernatürlichen Religion. Das uns daran hier besonders in die Augen springt, ist die Zestigkeit der Grundlagen, auf welche dieses übernatürliche Religionsgebäude gestellt ist. Derjenige nämlich, der dieses Religionsgebäude, das wir katholische Kirche nennen, aufgerichtet und ausgestattet hat, ist der Gesandte, ja der eingeborene, ewige Sohn Lottes selber, Hat er nicht diesen Anspruch erhoben und hat er nicht die Berechtigung auf diesen Anspruch durch die Erfüllung der alttestamentlichen Weissagungen von dem Messias als dem Stifter des neuen Gottesreicfjes bewiesen? Es sind jene Weissagungen, die nicht wir Christen erst aufgefunden haben, sondern die sich seit Moses und den Tagen der Propheten in den Händen der Huden befinden und darum auch ihnen ein lautredendes Zeugnis für Lhristus und seine Religion sein müssen. Hat der Stifter der Kirche nicht auch durch Wunder, wie nur Gott sie wirken kann, durch die Totenerweckungen, die augenblicklichen Krankenheilungen, die allgebietende Herrschaft über die Natur und ihre Kräfte feine göttliche Sendung und seine Gottheit dargetan? Ist darum nicht alles, was er gewirkt hat zur Stiftung und Einrichtung feiner Kirche, wahrhaft Gottes Werk? Ruht darum nicht die übernatürliche Religion, die katholische Kirche, mit ihrer Leb-verkündigung, ihrer Gnadenspendung, ihrer fjirtentätigkeit, kurz ihrem ganzen religiösen Leben auf Grundlagen, die Gott selbst gelegt hat?

Deshalb brauchen wir uns auch nicht zu verwundern, daß die katholische Kirche, trotz allen Anfeindungen und Verfolgungen von außen, trotz so vieler Schwierigkeiten von feiten untreuer Kinder, trotz des Ansturmes aller Geister der Finsternis und der Bosheit dennoch ihre unverwüstliche Kraft und segenspendende Lebensfülle bewahrt hat bis auf den heutigen Tag. Es hat sich erfüllt die Weissagung ihres göttlichen Stifters: »Vie Pforten der gölte werden sie nicht über- roättjgen“ (Matth. 16, 18.). Und gerade in diesen Tagen hat die Verheißung des Sohnes Gottes sich aufs neue erfüllt. Sahen wir nicht im Osten Europas ein weitverbreitetes Religionssystem jäh zusammenbrechen, nachdem es Jahrhunderte lang durch eine gewaltige Staatsmacht zusammengehalten war? Und erlebten wir es nicht im eigenen Vaterlande, wie Throne stürzten, die als nie wankende stützen von Religionsgesellschaften galten? Ein Thron dagegen hat nicht gewankt, ein Oberhaupt ist nicht gefallen, ein Religionsgebäude steht unerschüttert da: das ist Petri Thron, das ist das Oberhaupt der katholischen Kirche, das ist die auf den Zeisen Petri aufgebaute Religion. —

Geliebte Diözesanen! welch ein Glück ist es doch, sich zur übernatürlichen Religion Zesu ujrifti zu bekennen —, ein Glied der katholischen Kirche zu sein —, durch ihren unfehlbaren Mund über die geilswahrheiten belehrt zu werden, durch den Empfang ihrer Sakramente aus den Quellen Öes Erlösers zu schöpfen (Zs. 12,3) —, bei Öen (Tabernakeln ihrer Gotteshäuser dem gestände so nahe zu sein —, an ihren Altären der unblutigen Erneuerung des Kreuzopfers beizuwohnen —, in ihren geistlichen girten die gottgeweihten Zührer zur ewigen geimat zu besitzen! — wie müssen wir doch aus dem Grunde unseres Herzens wünschen, daß diejenigen, die noch nicht zur katholischen Kirche gehören, auch den weg zu diesem Glücke finden. Möge die Erkenntnis der Hinfälligkeit aller irdischen Größe sie mit Sehnsucht nach den unvergänglichen Schätzen an Wahrheit und Gnade in der katholischen Kirche erfüllen! Möge das milde göttliche Licht, das vom Zeisen Petri in diese Zeiten öes Völkerhasses v:rsöhnenö und erwärmend hineingestrahlt ist, auch ihre gerzen gewinnen! Möge die göttliche Kraft, die mitten in der großen und allgemeinen staatlichen, sozialen und religiösen Erschütterung ihr zur Seite stand, auch ihnen den Mut verleihen, selbst unter Opfern den weg zur Mutterkirche einzuschlagen! Möge auf die liebevolle Einladung Unseres hl. Vaters Benedikt XV. in feiner BonifatiusEnzyklika aus dem vorigen Zahre bald als Antwort von allen Seiten unseres lieben, jetzt so zerrissenen deutschen Vaterlandes der allgemeine einmütige Ruf erschallen: »Kommet, lasset uns hinaufziehen zum Berge öes gerrn unö zum gause öes Gottes Zakobs, daß er uns feine Wege lehre und daß wir wandeln auf feinen Pfaden; öenn von Sion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des gerrn von Zeru- salem." (3f. 2,3.) So wird das sehnsüchtige verlangen des gerrn sich erfüllen: „Et fiel unum ovile et unus pastor, und es wird eine tzerde und ein fjirt werden." (Zoh. 10,16.)

n.

Geliebte Diözesanen!

Denn wir die Ordnung der Natur und der Gnade aufmerksam betrachten, finden wir in ihr ein großes Gesetz durch den Schöpfer aufgestellt: es ist das Gesetz, daß aus der treuen Pflichter­füllung immer auch ein reicher Segen für den Menschen ersprießt. Dieses wohltätige Gesetz besteht auch hinsichtlich der Religion: wer aufrichtig religiös ist und diese Gesinnung in Wort und Wandel betätigt, der wird gar mannigfach von Gott dafür belohnt werden nach dem Wort des Psalmisten: „Glückselig alle, die Öen gerrn fürchten, die auf seinen wegen wandeln" (ps. 127,1).

Diefe Wahrheit laßt uns jetzt ins Auge fassen, nachdem wir vorher die zuverlässigen Grun­dlagen der natürlichen unö der übernatürlichen Religion betrachtet haben.

1. — Die erste Reihe von Segnungen, welche die Religion uns spendet, umfaßt folgende Sie gibt dem Sittengesetz erst die rechte Zassung und erschließt uns voll und ganz feinen Inhalt. Ferner: Erst die Religion gibt uns zur Beobachtung öes Sittengesetzes öie tiefsten, kräftigsten unö für alle Lebenslagen entscheiöenöen Beweggründe an die gand. Schließlich öffnet sie uns auch die Kraftquellen der Gnade, die wir bedürfen, um auf die Dauer unö in verdienstlicher weife allen sittlichen Zorderangen nachzukommen.

Ist dem nicht so? Ein Sittengesetz, das nicht auf Gott zurückgeht unö Öeffen Vorschriften «rächt aus öem heiligen Wesen und willen Gottes abgeleitet werden, entbehrt feines eigentlichen, vernunftgemäßen Abschlusses, ist ein Rumpf ohne gaupt, ein ßaum ohne Krone. Die Religion ist es, die dem Sittengesetz diese Vollendung gibt.

Blichet sodann hin aus die geiden, wie unvollkommen, wie irrig unö voll Zweifel war ihre Erkenntnis öer einzelnen sittlichen Gesetze, wie oft ftanöen sie ratlos unö wußten nicht, was erlaubt oöer nicht erlaubt sei zu tun. Da kam die übernatürliche Religion öem in Dunkel und Dämmerung taftenöen Menschen zu Hülfe. Sie belehrte ihn bis ins einzelne, in irrtumsloser weise, über alle feine Obliegenheiten in öen verschiedensten Lebenslagen unö Umftänöen. —

IDas nütjte uns aber alle noch so ausgedehnte Kenntnis öes Sittengesetzes, wenn unserem wollen nicht auch edle unö wirksame Beroeggrünöe zur Ausführung öer sittlichen Erkenntnisse durch die Religion zu Gebote ständen? Der Alltagsmensch läßt sich bei feinem Handeln nur gar zu oft leiten von Rücksichten öes materiellen Ruhens, öes wirtschaftlichen Vorteils, öer schwankenden Gunst und flüchtigen Ehre bei den Menschen, oder gar öes nieöeren Sinnesgenuffes. Das sind Beweg­gründe, die den Menschen erniedrigen und von seiner wahren Vollendung und Glückseligkeit abwärts ziehm. Dagegen der von dem Geiste der Religion erfüllte Mensch hat bei allem, was er tut, Gott oor Augen, ihn den Allheiligen, der stets das Gute liebt und das Bose verabscheut, ihn den Allgegenwärtigen und Allwissenden, vor dem auch die Zinstemis daliegt, wie Heller Tag, ihn den Allgerechten, der alles vor sein Gericht ziehen wird und einem jeden vergilt nach seinen Werken. Jetzt mögen lockende Versuchungen an den Menschen herantreten: er weist sie zurück durch die Erinnerung an Gott, wie einst die keusche Sufanna: „Besser ist es für mich, ohne solche Tat in euere Hände zu fallen, als vor dem Angesichte des Herrn zu sündigen" (Daniel 13,23). Mögen letzt auch Schwierigkeiten sich erheben, Opfer gefordert werden in der Beobachtung der Standespflichten: der religiöse Mensch wird Herr über sie durch Öen Geöanken an die Hilfsbereitschaft Gottes, „öer getreu ist und keinen über feine Kräfte verfuchen läßt, sondern Öer Versuchung auch den guten Ausgang verleiht" (I Kor. 10. 13). Und tDetcpe gewaltigen Antriebe zum Guten gehen von diesen Erwägungen aus, unö gar erst von öen Geheimnissen öer Menschwerdung' und Erlösung, öie von öer Religion uns als Erweise öer reinen £iebc Gottes zu den Menschen verkündet werden! weich' mächtige Beweggründe zum sittlichen Tun hegen auch im Beispiele höchster Tugend und Heiligkeit, das öer Sohn Gottes in seinem menschlichen Leden uns gegeben hat! Auch öiefen Beweggrund wird die hl. Religion nicht müde, uns vor Auaen zu stellen. — 3

Indessen Beweggründe allein würden bei der Schwäche der menschlichen natur nicht aus- retqjen zur fortgesetzten Erfüllung aller, auch der schweren Gebote des sittlichen Gesetzes. Uederdies sind auch die noch so edlen Beweggründe außer stände, unser sittliches Handeln innerlich überna- lurlich und dadurch für den Himmel verdienstlich zu machen, wenn nicht die erhebende Gnade sich aufs innigste mit unseren Seelenkräften verbindet, wo aber werden uns diese Gnadenhilfen leichter und reichlicher zugesichert, als in der christlichen Religion? Sie ist es ja, öie Öurch öie heiligen Sakra­mente für alle Lebenslagen unö Cebensumftänöe öie entsprechenden Gnaden vom Himmel auf öie mengen herabzieht Sie ist es, öie uns immer wieder zum Gebete mahnt, dem nach göttlicher Verheißung alle Gnaden zugesichert sind. Und welche Sülle von Gnaden zu einem gottgefälligen, ^r !^n mn" mr9 hnkld)t ÖQS- bL m^Opfer *n fl& jene unerschöpfliche Schatzkammer der Religion

1 mi"rf eTen ju 'M Kanon der hl. Messe, daß wir durch die Teilnahme an der

Opferfeier „mit jeglicher himmlischen Segnung unö Gnade erfüllt werden “ —

. Achten wir doch, geliebte Diözefanen, oft an all diese reichen und wirksamen Schätze von Licht u, r 5? ’ . t >b.tr Religion für unser sittliches wandeln lebendig sind, wir würden sicher eifriger als seither jeöe Gelegenheit benützen, um in die Lehren unserer hl. Religion immer tiefer einzu- örmgen, um ihre Sakra- mente und Gnadenmittel öfter und noch andächtiger zu empfangen, um mrem hl. Opfer immer regelmäßig und mit frommer Sammlung beizuwohnen, um das von Lhristus und der Kirche so ost und eindringlich empfohlene Gebet eifrig zu pflegen. Leider ist eine öer traurigen Wirkungen öes Krieges auch öie, daß gar viele durch die Versäumung des pfiichtmäßigen Gottesdienstes, durch ihr unehrerbietiges Benehmen in der Kirche während der hl. Messe und der Andachten, foroie bei öer preöigt und Lhnstenlehre —, durch den seltenen Empfang der hl Sakra-

&urc^UnteriC*Hung des täglichen Gebetes sich öer geschilderten Hilfsmittel berauben unö inQS fel)r gefährden. Diese religiöse Gleichgültigkeit und Kälte,

ja fcibft die Manchmal unzutreffende Abneigung gegen die Religion und ihre Zorderunaen sind aewisi mch. immer bösem willen zuzujchretden, (ooöcrn einer graxgai inner® Oaflad)uaa unö Willens«

. „ ®l öLe, Grundlagen der Religion und ihre Segnungen uns vergegenwärtigen, müssen darüber klar fein, was die Religion denn eigentlich ist. Da steht vor allem das eine fest, daß Religion nicht in Aeußerlichkeiten besteht, sondern daß sie eine Summe innerer Ueberzeugungen, ■^roorgeht nnungen’ lnnerer Willensrichtungen ist, aus denen dann das äußere religiöse Verhalten In der Tat: wer verdient mit Recht den Hamen „religiös"? Etwa jeder, der sich in die Rr*,le e'ner Resigionsgesellschast hat eintragen lassen oder durch öie Taufe öer christlichen Religion ♦ 1 <7 x ‘ ~. 9ero’Ö nicht! Denn wie viele „religiös“ Eingetragene oder Getaufte gibt es, Oie trotz alledem religionslos sind und mit der Religion gebrochen haben!

.. . Oder werden wir einen Menschen schon darum religiös nennen, weil er blos äußerlich die ■j. . nn 9en einer Religion mitmacht, ohne innerlich mit Sinn und Herz daran teilzunehmen? — auf) das nicht! Ein solcher wäre ein Heuchler, keineswegs aber religiös zu nennen.

.-fUere meinen, fromme Vorstellungen, erhebende Gefühle unö Empfindungen machten öen religiösen Menschen aus. — Auch sie täuschen sich. Solche Seelenstimmungen mögen mit öer Re- ^lammenhängen: öie Religion selbst sind sie nicht. Za, derartige Zuftänöe sind nicht E jäten recht trügerisch und können leicht auf Abwege führen.

was ist also wirklich und eigentlich die Religion? Das sind sichere, unerschütterliche Ueber- LVerstandes über Gott und seine Beziehungen zum Menschen; das ist die Entschlossenheit des Willens, all jene Pflichten zu erfüllen, die sich für den Menschen aus feinem eroaltm5 zu Gott ergeben; das sind schließlich auch gewisse Hebungen, die aus dieser inneren perzensoerfalTung hervorgehen. Die Religion ist somit öie Verbindung des Menschen mit Gott, vurct) sie wird Leib und Seele des Menschen mit Gott verknüpft; durch sie werden die Seelen- mtte, aor allem verstand und Wille, in den Dienst Gottes gestellt; durch sie wird der ganze Mensch m feinem Tun und Lassen mit dem hl. Willen Gottes in Einklang gesetzt.

m t nui? b*e ^ligion in dem eben beschriebenen Sinn auf unerschütterlicher Grundlage ruht, * für jeden, der ausrichtig unö ehrlich nach öer Wahrheit strebt, nicht schwer einzusehen/

L ~ Durch bas Licht der Vernunft, unabhängig von der übernatürlichen Offenbarung, erkennt «r Tnenfd), daß er aus sich nichts ist und nichts besitzt, daß er in letzter Linie alles von Gott, wrdj femen allmächtigen Schöpferwillen empfangen hat. Ebenso sieht der Mensch ein, daß er Nicht genblick fortbestehen und fortleben kann, wenn Gottes allmächtige Hand ihn nicht im Dasein ayatt. Za, öer Mensch vermag nicht einmal Öen Zinger zu rühren ober Atem zu schöpfen oder einen Geöanken zu fassen, wenn Gott öazu nicht mithilst. Diese Vernunftwahrheit hat öer Apostel in öie kurzen kräftigen Worte gekleidet: »In ihm leben wir, in ihm bewegen wir uns, in ; ’J’m find wir" (Apg. 19,28). Oder fordert nicht das fortwährende Entstehen und vergehen in w uns umgebenöen Natur unö im Menschenleben schließlich eine letzte Ursache, die n i ch t entstanden m unö nicht vergehen kann, die also immerbar besteht ohne Anfang unö ohne Ende und allen jwttren Dingen Grund des Daseins und Zortbestehens ist?

vielleicht noch eindringlicher verkündigt uns die Stimme in unserem Inneren, die wir Gewissen nennen, das Dasein Gottes und unsere gänzliche Abhängigkeit von ihm. Ober sagt es selber: Wer hat in unser Gewissen hineingelegt jene Sittenvorschriften, bie jeder Mensch, ob c nun ober nicht, in seinem Innern vorfindet? Woher stammt jene sittliche Nötigung in unserer «eie, die uns drängt, unfern freien Willen jenen Vorschriften unter allen Umständen zu unterwerfen? Ej/tr kommen die Vorwürfe, die wir in uns vernehmen, so oft mir jenen Sortierungen zuwider haben? Also steht über uns ein allgebietenöes, anteiliges, allgerechtes Wesen, das auch fe’tt edelsten Zähigkeiten unserer Seele anerkennen, dem sie unweigerlich sich beugen müssen.

r Erzählt uns ferner nicht die wunderbare Ordnung in der Natur, erzählen uns nicht die oeinme in ihrem gesetzmäßigen Laufe oon öer Allmacht, Weisheit unö Güte Gottes? — Unö fbii x unLer’ nö$ immer größerem Glück öürftenöes, Öurch kein geschaffenes Gut zufrieöen zu raienöes Herz Ruhe finden können, wenn es nicht ein unendliches Gut gäbe, in öem alles mensch- “JOe Sehnen seine Erfüllung findet? — So bezeugen uns auch diese Stimmen, daß es einen Gott öem wir angehören, dem wir unsere ganze Hingabe, Hoffnung unö Liebe schulden.

Sehet da, geliebte Diözesanen, die festen Grundlagen, auf denen unsere natürliche, vernünftige ueverzeugung von Gottes Dasein und Oberhoheit beruht; sehet da die durchschlagenden Gründe arr die Notwendigkeit, auch unseren willen, unser ganzes Tun unö Lassen, all’ unser Hoffen unö Zehnen Gott hinzugeben.

L Daraus ergeben sich folgende praktische Nutzanwendungen: Es ist eine unabweisliche Zorde- orng schon der natürlichen Vernunft, die religiöse Uederzeugung in sich aufzunehmen, sie zu pflegen «no immer mehr zu festigen. Es ist ebenso eine heilige, schon durch öie Vernunft gebotene Pflicht ™ ötn Menschen, alles was er besitzt: Leib und Seele, verstand und Wille, alles worüber er ^mmäßig verfügen kann, nur nach Gottes Gebot unö Wohlgefallen zu gebrauchen. Wie ganz «vernünftig und töricht wäre es, dieser Pflicht sich zu entziehen! Und wie tief würde ein Mensch W selbst erniedrigen, wie sehr verdiente er unser Mitleid, wenn er in öer Verblendung und dem jpoize feines Herzens der Religionslosigkeit als einer endlich errungenen Zreiheit sich rühmen wollte!

2. — Ein noch tieferes Einbringen in das Reich öer religiösen Wahrheit ist uns gewährleistet, selbst wollte dieses Einbringen uns ermöglichen. Er wollte uns selbst solche Wahrheiten Wnbaren, von denen dir Vernunft natürlicher Weife keine Ahnung hat noch haben kann; zur «Kenntnis auch dieser Wahrheiten' wollte er uns leicht und -sicher gelangen lassen. Deshalb ließ « lernen eingeborenen Sohn die sichtbare Kirche stiften mit dem hl. Petrus als Oberhaupt und den M.eln als Obersten. Diesen Häuptern Ötr Kirche und ihren Nachfolgern, dem Papst und den FWfen, übertrug er das Lehramt und sicherte femlelben bis zum Ende der Zeiten den Beistand A. hl. Geistes zu. Noch mehr: während das Ziel der natürlichen Religion nur zu einer natürlichen 7m9keit im Zenfeits führen würde, wollte Gott aus übergroßer Herablassung uns in dieser über- -^rlichen Religion eine jenseitige Seligkeit gewahrer, öie sogar in öer Anteilnahme an feinem t>9enen göttlichen Glück, in her unmittelbaren Anschauung und öem Besitze Gottes selbst, bestehen T!-* Weil aber öer Weg zu diesem Ziele nicht nur schwer, sondern öen menschlichen Kräften aus allein unmöglich *0, ibergab Gott der ’^'.-he -•*»«? dem Lehramte auch dos Priester-

-es Kochwüröigflen Kerrn Bischofs von Jutda. |

3n Lhristo geliebte Diözefanen! .H

.SLS?Lern_se?9efc!)i^Ii4er Augenblick, als Lhristus im Gerichtshaufe zu Zerufalem vor Pilatus stand, um sich gegenüber Öen Anklagen Öer Zuden über feine

EÄ- Lebenswerk zu verantworten (Zoh. 18,33 ff.). Halb spöttisch, halb mitleidig fragt ’h- ?'n J-on.10 brst Du?“ Mit feierlichem Ernste erwidert ihm Zesus: „Du

fl S KoJ?t0’ <_ 3cb bin dazu geboren und dazu in die Welt mmen, bfß'ch der Wahrheit Zeugnis gebe." Der Heide Pilatus hat in feinem

« zu g em an ö ten Sinn kein Verständnis für solche Offenbarungen; verächtlich und mit .6mÖbe?Ä9 mirft er deshalb Öie Zrage hin: „Was ist Wahrheit?“ Als otf er 1*^ «; Srnr°11 'K wir unter,Wahrheit- vorstellen? Mein Auge sieht sie nicht; mein verstand

% -2 ^°brheit? Welches ist ihr Zweck und Sinn im Menschendasein? Was

miirnl w! Ä erst gar anfangen mit den .Wahrheiten', öie Du vom Himmel gebracht

I h ^!e »sDahrhett und noch mehr Deine Wahrheiten entbehren öer Begründung

»no Gewißheit, unö nützen nichts für das Leben so wie es ist.“

| f'eb!rt Diözesanen! Dieser denkwürdige Vorgang am ersten Karfreitag wiederholt sich immer L “nö öer Geist Lhristi im Leben sich begegnen. Die Kirche als

KiJL kEbende Lhnstus legt Zeugnis ab für öie religiöse Wahrheit, für die

h Zn9<- ^-Ie ^rcherheit ihrer Grundlagen und öie Zestigkeit ihres Aufbaus; sie verteidigt c Religion auf den Einzelmenschen wie auf Öie Völker; sie unterläßt auch nicht, auf F rn t9 v v^IZJJm^ en,1 öer für öie Menschheit aus öer Religion erfliegt. Auf alles öiefes U m ul $ie wische Anerkennung der Religion im Hamen Gottes, des Urquells und Hüters

£ ~n ^Er gottfeindliche Weltge.st aber seht den Beweisgründen für die Relioion

• . S < L?Cru Verneinung entgegen, lehnt Öie Ansprüche der Religion auf das Menschenleben wohltätigen Wirkungen — wenn er sie überhaupt zugesteht — auch ohne sie fl^erP ^u können. Auch der Weltgeist sagt: „Was ist Wahrheit? Was ist Religion? Ur l l^Ie ^ervißheit? Was nützt sie öem Menschen, öem Staate, öer Gesellschaft, öem wirtschaftlichen Leben? Man behellige uns also nicht mit Religion!“

KL. v ^uben rncht auch wir, geliebte Diözefanen, öiefen Ruf vernommen bei Öem gegenwärtigen n* u Leuer 6eW& unser armes Vaterland fo hilfsbedürftig am Boden liegt? Zetzt, wo k-ts sich handelt um den Wiederaufbau öer Gesellschaft und Öie Heilung öer zerrütteten Verhältnisse, gtaubt man öie Religion entbehren zu können. Man wirst ihr vor, sie ruhe öoch auf recht imu .^"ö schwachem Zundament, sie entspreche nicht Öen Bedürfnissen öes fortgeschrittenen » vienschengeistes, sie sei unfähig oder Öoch überflüssig für öie Erneuerung unö Gefunöung öer Völker.

Daher hatte ich es für überaus zeitgemäß, Euch in Euerer Hochfchähung Öer Religion zu starken, indem ich Euch erinnere an die Grundlagen und Segnungen öer Religion. So erwäget «nn mit mir:

1) auf wie sicherem Zundament die Religion ruht und

2) welch wohltätige Wirkungen von ihr auf das gesamte menschliche Leben Lusgeyen.

L

Geliebte Diözefanen!