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Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütt«, •v für die Anzetzeu: I. Parzeller-Fulda. t: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckrrei in Fulda. Fernsprecher Nr. g. Telegr.-Adresie: FuldaerZeitung
Mittwoch» 25. Februar 1920.
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47. Zahrg.
Orzverger vorläufig von feinen
Dienfigeschäften entbunden.
Aus dem besetzten Gebiet.
Doktor wieder
Nicht schlimm, acht Uhr rnor-
nist« erklärte, daß er die Eisenbahndirektionen wiederholt angewiesen habe, daß bei biesrn Entlassungen keine politischen oder gewerkschaftlichen Maßregelungen oorgenom- men werden dürften. Wo gegen seinen Willen verstoßen worden sei, werde für sofortige Abhilfe gesorgt werden.
Vergangenheit
Skizze von Adolf Größle.
Drei Tage später war Gustel krank, aber sie mußte das Bett hüten. Schon um
, Wte die Tinge in Rußland wirklich liegen, ist bei «m vollständigen Mangel an wirklich zuverlässigen Meldungen schwer zu sagen, noch schwieriger zu erkennen, wohin die Entwickelung in Rußland führen Pird. Das eine bleibt sicher, daß das Erstarken des Bolschewismus eine Gefahr ist, die von heute auf morgen die Lage Deutschlands kritisch gestalten kann. -Im Augenblick ist durch die Regelung der Ausliefe, wngsfroge jenen Elementen in Deutschland, die ge. Me jetzt der Hoffnung lebten, daß die durch eine Warst Verfolgung der AuslieserungSfrage entstehen, «n Wirrnisse eine Gelegenheit gäben, die Macht an M zu reißen, der Wind aus den Segeln genommen. Mar kann annehmen, daß das nicht ohne Rückwir- «ngen auf die Pläne der Bolschewisten gegenüber Deutschland geblieben ist, denn für nächst« Zeit haben sie keine Aussicht, von einem Mgemeinen Chaos in Deutschland zu profitieren. ^enn damit auch dst akute Gefahr weniger
Der Achtstundentag. Im Haushaltsausschuß der preu. bischen Landesversammlung wurde angeregt, zur Erzielung voller Wirtschaftlichkeit der Eisenbahnen die Eisen«
bahner länger als acht Stunden täglich zu beschäftigen Namens der sozialdemokratischen Fraktion erklärt; Hau-
Dresdener, bayerischen und anderen Zigarettenfabrikanten ongeschlossrn und werden ihren Arbeitern und Angestellten wegen der hohen Besteuerung der Tabakfabrikate auf Ende März kündigen.
** Die französisch, Valuta sinkt fortgesetzt. DaS hat zu einer ausgesprochenen Flucht vor dem Frank geführt. Man sieht in Frankreich voraus, daß der amerikanische Dollar in kurzem 20 Franks notieren wird, und daß der Augenblick, wo man für das englische Pfund 60 Franken bezahlen werde, schwerlich noch fern ist. Dstte Erkenntnis hat dazu aeführt. daß sich das französisch: Publikum in den Besitz ausländischer Papiere bringt. Es ift eine wahre Jagd nach Pfund- und Dollarwerten entstanden. Ein wilder Taumel hat die Menge erfaßt, ein wüster Spekulationsrausch, der aus dem weiteren Rückgang bet französischen Valuta ansehnliche Kursgewinne an Pfund- und Dollaraktien erwartet, und der, im Jntereffe jener ersehnten Gewinne, ein weiteres Sinken des Franken erhofft. Es ist ein eigenartiges Schauspiel, daß Franzosen offen ihrer Freude darüber Ausdruck geben, weil ihr eigenes na» tionaleS Geld allmählich jeden Wert verliert und daS Land rasch in einen Zustand des Bankrotts führt! V
Die Entlassung In den Eisenbahnwerkstälken. In einer Zusammenkunft des Minister O e s e r mit sozialdemokratischen Abgeordneten brachten diese Beschwerden darüber vor, daß bei der Entlastung von Arbeitern in' den Eisen- bahnwerkstätten vielfach auf Grund persönlicher oder po- ütischer Beweggründe vorgegangen worden sei. Der Mi-
gens fing mich Frau Lind beim Kaffee ab, teilte mir diese Neuigkeit mit und sagte: „Gustel bittet Sie inständig, doch ja nicht fortzugehen, sondern ihr Gesellschaft leisten . . Du lieber Gott, Herr Willfried, das Mädel verlangt zu viel, aber ich habe ihr versprechen muffen, daß ich's Ihnen weitersage. Verzeihen Sie brum."
(Schlu« foWJ
so plötzlich näherbrachte? Ihre Gedichte — die verstand ich so gut. Und als Sie auch noch Ihr vermeintliches Unrecht so drollig in Verse brachten, hatten Sie bei mir schon gewonnen. Sind Sie denn immer so einsam?"
»Habe ja bloß noch einen lieben Freund."
»Ach, der Herr Hugo Remtz, dem Sie immer Grüße senden?"
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0, wie mir diese Worte gefallen haben, ober ich darf mirs doch einmal ganz abschreiben, gelt?"
_ Sie hatte meine Hand ergriffen, ich erwiderte leise ihre» Händedruck. »Alles sollen Sie haben, wie Sie e» wünschen", sagte ich. Dann ober kam Frau Dokwr wieder in die Nähe und mir ließen uns los.
»Die Leute, die Hugo heißen, find mir alle ansym- potisch, noch bevor ich sie sehe", erwiderte sie nachdenklich.
»Dieser nicht, Fräulein Gustel."
»Doch — alle . . .'
2ch habe geschwiegen und bin wester neben ihr her- geschrittan, aber da kams in mir zum Entschluß . . .
»Dichten Sie heute nicht, Theo?" Bald nannte sie mich mit dem Rufnamen, dann wieder Herr, stets aber kam es gleich herzsich aus ihr heraus.
»W^ß nicht; wenn ich grad in die nötige Stimmung kämme!"
»Dichter sind immer liebe Menschen." Verheißungsvoll bückten ihre blauen Augen zu mir auf. „Aber so ernst und traurig sind Sie meistens in Ihren Versen, Theo — und doch so schön. . .
Da steh ich und lausche dem Rauschen ....
Ich träume — im Sturme von einem gai Lieblichen Bild! Mit röllichem Scheine Schwand langsam die Sonne.......
„Donnerwetter . . .", entfuhr es mir.
Sie lachte ftöhsich. „©in lieber Mensch sind Sie, Herr Willfried. Und mir müssen Sie verzeihen, daß ich Sie so verkannte. Nun bleibt in uns immer SonnenschÄn, immer Segen. Dollen Sie? Abermals streckte sie mir das schmale kleine Händchen hin.
Zu gern sagte ich „Ja."
„Das letzte Blatt da haben Sie mir gewidmet. Wollen Sie es nicht herausreißen? Ich bäte Sie darum."
Was hätte ich nicht noch getan? Sie erhielt's.
Wie zwei alte längst betamtte Kameraden unterhielten wir uns und als es Mittagszett wurde, hatten mir alle Gife, um nicht zusammen zu spät zu kommen.
Frau Lind drohte mit dem Finger: »Ei, ei, bin ich wie-
übu drbri wegg-kor.imen. Ihr habt Euch versöhnt und kommt rm -anc’nfom zu spät?"
Don jenem Tag ab machre ich feine Wanderung mehr allein. Stets begleiteten mich die Damen oder Gustel ollem.
„Wissen Sie, Herr Theo", sagte Auguste auf einer grnnemsMNN großen Sergpottie, „was m-ch Ihnen damals
von Woche zu Woche in die Höhe, bis er in den letzten Tagen mit 4400 <M. pro Tonne an der Bersiner Börse Se^^t^wurde, während der Preis für Brotgetreide I Wenn sich Stadt und Land nicht näherkommen, dann nur 400 bis oOO M betrug. Die Folge war, daß der I wird das auf unser -Wirtschaftsleben ungeheuer schädi- Hafer verkauft und das Brotgetreide oerfütiert wurde. I gend wirken. Die Folgen sind garni'cht abzusehen. Dem ist mit der Einbeziehung des Hafers in die Stadt und Land sind aufeinander anaewie- Iwangsnurtschaft ein Riegel vorgeschoben. Die ' “ “ '-----***-• •- ~ ■ - ------
Zwangswirtschaft ist deshalb notwendig, weil wir noch auf absehbare Zeit nicht genügend Lebens, mittel im Lande haben. Dom Ausland können wir nicht soviel beziehen, wie wir zm Versorgung unserer Bevölkerung bedürfen.
schon von weitem auf demselben Stamme sitzen.
Da stockte mein Fuß.
Doch schon erhob sie sich — ich war also gesehen worden und mußte weitergehen. Ich sollte noch mehr staunen. Sie kam mir nun gar ein Stückchen entgegen, reichte mn die Hand und sagte: „Wir vertragen uns wieder gelt?"
»••••• ja, gerne!" Rotierte ich endlich heraus.
dringend sein mag, so bleibt doch Deutschland schaff, die Preise für das Neue Wirtschaft s- vom Bolschewismus bedroht und mittelbar sind da- s ' ' *'' " *
(en. Ohne Lebensmittel kann die Industrie-Arbeiter- schaff nicht existieren und nicht die Produktion steigern, ohne Kohle und Sttckstoff geht unsere Landwirtschaft zugrunde. Also sind Lebensmittel das Brot für unsere Industrie und Kohle und Kali das Brot für Me Landwirtschaft.
Tch nahm den Hut ab. „Verzeihung — danke Mn," war zunächst alles, was ich herausbrachte. »Sind «e vielleicht Fräulein Lind?"
»Mit dem größten Vergnügen, Hem WillfriM ">cht wahr, so heißen Sie koch,"
. Ich verbeugte mich abermals — es hämmerte mir Eg*- »Ich hatte das Vergnügen, schon Ihre Frau kennen zu lernen."
»Weiß ich längst. Wollen Sie sich nicht zu mir
M.»Freilich will ich."
Trocken war dieser Tannenstamm gerade nicht, ober ■tearn hätte ich mich ihr nicht anschließen sollen?" ‘ »Wie gefälll's Ihnen hier?" examinierte sie weiter, i Einzig. Es kann nirgends schöner sein, Fräulein." »Mama schimpft stets mit mir. wenn ich so allein ’ltI draußen herumkrieche."
Äh schwieg barauf. Sie hatte ihre Worte halb zur ®cite hingewendef gesprochen, sodaß ich »inen Augenblick lang ihre Gestalt betrachten konnte. |L Em goldiges Blondchen! Grad- fragte ich mich, ob U es denn überhaupt wert wäre, von ihr io betrachtet W werden, da wandte sie sich rasch um.
Ob ich wohl errötete?
-Sie reden ja gar nichts?"
«Sföer. was soll ich denn sagen?"
»Erzählen Sie doch einmal etwas von sich ' ..st." *. -Interessiert Sie das wirklich? Hören Sie gerne ] vom grauen Alltag von staubiger Büroluft und j?6 stvr von meiner Wenigkeit . .? Es mußte wohl
Ironie geklungen haben.
stand auf. „O, Sie sind unausstehlich--
F Thneu kann man gar nichts reden." .Langsam ndte sie sich zum Geben.
,, blieb sitzen. Ms sie ba$ sah schrit^ sie schneller aa etwa hundert Schritten wandte sie sich um «»blieb stehen.
L'1'~> schaute sie an, vielleicht verständnislos, nichts.
- Genug, sie warf bei: schönen Kopf stolz in xaden und ging bei der nächsten Wegbicgung sehr um bie &fe . . .
, __________________WWJ I Ein Notschrei aus Saarbrücken. Die Stadtverord.
ftschaft. I netenversammlung Saarbrücken hat sich mit einem Not-
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tu»"" «fj i gOf en. ES wurde bekanntgegeben, daß die französische Neuregelung I Grubenverwaltung den Preis der Saarkohte auf 1 das Vierzehn fache des letzten Januarpreises und Sie- benunogwanzigeinhalbsache des Vorkriegspreises erhöbt habe, daß sie fernerhin den Vertrag zwischen Bernfis. kus und Stadt außer Kraft gesetzt und einen die Stadt schwer belastenden neuen borgeschlagen habe, ferner, daß die Franzosen beabsichtiaen, die Frankwährung ernzuführen. Von allen Seiten der Versammlung wurde diese Anregung als Rnin der S aa r industrie bezeichnet. In der Stadt herrscht große Erreaung.
* Franzöfische Rechtsprechung. In SBieSBaben hnttbc em Schaffner bet Straßenbahn, der einen fron* Svstschen Offizier aufgefordert batte während des Ran- grerens des Wagens diesen zu verlaffen, wegen Miß. achtung der ftanzösischen Staatsautorität mit 8 Tagen unb tn der Berufungsinstanz mit 14 Tagen Gefänenis bestraft. In einem anderen Fall hatte sich ein französischer Polizeioffizier gleichfalls geweigert, bie Straßenbahn wahrend des Rangierens zu yriaffen. Wegen Behinderung eines Offiziers im Dienst wurde der Beamte zu 1000 2Rcrt Geldstrafe uni) vier Wochen Gefängnis verurteilt, T™"*"""" —--------Hn,MH ! ,■1IW,|.||||
Dienfigeschäften entbunden. I tl0.m■y°l-®rroi5n?u8 bedroht und mittelbar sind da- jahr zu erhöhen, nicht verschließen. Die Gründe
Amtlich mirh nomorkob | ?"?uch dre westeuropäischen Länder bedroht. Für sind schwerwiegender Natur. Die Produkttonskosten
I ,,e 'st Deutschland der Wall, der sie gegen die „Welt- haben sich wesentlich erhöht. Die Ausgaben für Saat-
------ ---- " — -..... gut, Düngemittel. Futtermittel, Löhne, Maschinen und Geräte, Gebäude, Licht, Kraft und Betriebsstoffe aller Art sind so rapide im Preise gestiegen daß die landwirt- schaslliche Produktion bei den jetzigen Preisen unrentabel wurde. Die Folgen zeigten sich auch bereits im Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion. Wir haben aber, wie man niHst oft genug wiederholen kann, ein dringendes Jntereffe daran, die landwöttschastliche Produktion zu steigern, weil wir, wie oben dargelegt, noch einen großen Mangel an Lebensmitteln haben. Vorbedingung für eine Steigerung der > Produktion ist nicht nur guter Wille der Landwirte, 11 & fitteirT Me °Greift*"Jnml VnfVA*?r h^8 Indern man muß auch die Möglichkeit dazu geben M «u-Mchlich Äfen^un^uSben bte Preise muffen so gesetzt werden, daß der Betrieb I ben. Sollten es außerordentliche Derhältniffe wünichens- rentabd_ ist. Die bisherige Methode, durch Liefe- I wert effcheinen lasten, baß darüber hinaus doch noch Mehr- nmgszuschläge und dergleichen einen Ausgleich zu fchaf- I arbeit geleistet werde, so empfehle seine Partei, bet Herr fen, hat viele Gegner. Es ist ja auch wahr, daß durch I Minister möge sich mit bett Organisationen wegen einer Prämitn lediglich die vorhandenen Produtte zur Ab- I Ueberstunbe nerftänbigen, für bie bann aber ein er» Lieferung gebracht werden können, daß aber die Pro- Pitcher Lobnauffchlag gezahlt werben müßte. Minister duktion nicht dadurch angeregt wird. Deshalb hat man I «L?<Lr ” "JS,Ln,!2.'
dretse übergehenden Arbeitszeitverlängerung im Eisenbahnbetriel» MigefEßi, um den Landwirten dte Mogltchkett der Kal- I erörtert werde, bann könne es sich nur um bie Einlemmg kulatlon zu geben. Es ist noch zu bemerken, daß die I von Ueberftunben handeln, über die selbstverständ- letzigen Preise garantierte sind, und daß es mög- I sich mit ben Organisationen verhandelt weide.
l:ch ist, daß diese Preise je mich der weiteren Steige- I Die SftCegung der deukschen Zigareklenfabriken. Die rung der Produktionskosten und dem Ausfall der Ernte I Ortsgruppen Heften und Hessen-Nassau der Ziga- später den Zeitverhältniffen entsprechend heraufgesetzt Eemndustrie haben sich den Beschlüffen der Berliner, werden, um dann als Höchstpreise M gelten. T,r‘’ ""s — O!—
Die Preiserhöhung ist erheblich. Sie bedeutet für Getreide mehr als das hoppelte gegenüber dem Preis im Lahre 1919-20 und für Kartoffeln sogar mehr als das dreifache, gegenüber den Friedensprei- en bedeutet sie gar zum Teil mehr als das zehn- ache. Damit müßte sich die Landwirtschaft jetzt zu- rieben geben. Sie muß auch berücksichtigen, daß sie nicht die Gewinne erzielen kann, wie vor dem Kriege oder in den ersten Kriegsjahren. Für die Arbeiter, Beamten und Angestellten sind die Löhne und Gehälter gegenüber dem Frieden nicht entsprechet^ gestiegen und einem großen Test des Mittelstandes geht es überaus traurig. Nach dem verloren gegangenen Kriege und der Verarmung des Volkes muffen wir alle Opfer bringen.
Da wir noch einen großen Mangel an Lebensmitteln I „ hoffen wir, daß Stadt und Land sich haben, wurden bei der Freigabe die Preise dermaßen P^,en- Das wtrd um so eher der Fall fein, wenn sich tn die Hohe schnellen, daß es der minderbemittelten W “IIe Bevolkerungsschichten mii der Neuregelung Bevölkerung nicht mchr mögsich wäre, sich die zum Le- I adfmden. ben notwendigen Produkte zu kaufen. Das Elend der I -------------------
Jetztzest würde sich noch bei weitem vergrößern. Wir | —, -
habm abschreckende Beispiele aus anderen Ländern zur | Wirtschaftsleben.
Äc006 unser Berkchrswesen Baiufa and Teuerung. Lloyd George hat für Don- noch nicht tn Ordnung tft, daß es noch an Kohle, Kunst- | nerstag eine Konferenz der drei Premierministtt unter düng« und dergleichen fehll, Schwierigkeiten, die auch I Teilnahme der Wirtschaftssachverständigen anberaumt zur Öer Handel rncht zu überwinden in der Lage wäre. I mternattonalen Regelung ber Valuta und Bekamp- Deshalb haben sich sogar Sertrter des Handels für die ,
Bmbehaltung der Zwangswirtschaft ausgesprochen und -»_J'S■Lb°n land- und
selbst ein größerer Teil der Landwirte, besonders dic I !>^^^-rtf ch af t lr chen Arbertaeber- und Arbeit- mittleren und kleineren Betriebe, sind nicht für rest- I in.CI'’eTtntgungen mit dem Sitz in Berlin ge-
lose Aushebung der Zwangswirtschaft, weil sie befurch- I » Sn' , .. o _
ten, dadurch dem Wucher ausgeliefert zu fein. I Beraarbetter ttn Lugau-OelSnitzer Kohlen-
Gab man allo der Forderuna eines Teil« hm- an„h 6°-6en Einführung einer achten Ueber-
gegangen, auch bann nicht als sie offenbsr darauf gc- -Wirklich? Ich war noch immer nicht im Bild, wartet hatte? ...£), Theodor, hier hast du es der, I . 'ch hatte doch einen guten Grund. Eigentüm- schüttet," seufzte ich imb blickte gewiß mit komischem I ^uernd lächelte sie mich non der Seite an.
elesichtsausdruck in die Abendsonne, die zwischen ben | Db‘s setzt Zeit war . .? Ich begann: »Verzechen Sie Stammen des Waldes kurchbrach. I mir nm, daß ich gestern so tölpelhaft gewesen bin und
Dann holte ich die abgegriffene »Sammlung Will. I * •
srred'scher Gedichte" heraus und schrt-ch ei» bißchen. I -M kaffe» Sie das nm hübsch, ich hätte fa nicht fort-
Erst verschlafen, bann ein Regen, | Staufen brauchen. Sagen Sie ober mal, vermissen Sie
Und viel Sonnenschein, viel Segen. I n’djts?"
Und dann Srmnpfsinn — wieder Regen. i 2ch wußte nicht, wo sie hinaus wollt«
EinsccmLeit,<ntf allen Wegen. ... I »Gar nichts, Herr Willfried?"
Zch Mrte über ite Zeilen, schrieb aber nach kühn I »N«n . . ." Gedehnt kam's ans mir heraus, weil ich darunter »Fräulein Griffel Lind zugeeignet von HamS- I überlegte . . . „Herrgott, mein Notizbuch!" „Meine guS-in-bie.Lust", - I Taschen waren leer, und mm fiel es mir wieder ein. Das
Aergerkkch steckte ich mein Büchlein wieder eftt. I ^a**e i*1 ht meinem Sergei über mich selbst
„Grad tote ein Junge hab ich mich benommen! Uch I ^f jenem Tannenstamm siegen taffen!
toa" — ich riß ein Tannenzweiglein ab und schüttelte 1 »Fräulein Lind . . . ?"
mich voll Regentropfen — „ich werde mich nie bessern! 1 »Hier haben Sie Ihr (Eigentum zurück!" Somit reichte UnauSstMich! Ganz recht hat sie. I sie mir die mir allein so wohlbekannte Sammlung „Will-
Und ich dachte auch noch einmal daran, daß es ein I fried'scher Unsterblichkeiten" herüber und fügte hinzu: reizendes Blondchen war, das ich so abgeschüttelt hatte! I „Allerdings habe ich mir erlaubt, so etliche Blicke hinein^
„Machen Sie doch mir fein solch verdrießsiches Gesicht, | Zuwerfen, um wenigstens zu wissen, wem es gehört." Herr Willfried", ermunterte mich Frau Doktor Lind beim Esten. „Gustel ist ein ärgerliches Mädel! Sie ist auf ihr Zimmer gegangen, als sie wußte, daß Sie noch kamen. Was gab's denn? Haben Sie sich mit ihr gezankt?"
»Nein, ich bin bloß unansstehsich", sagte sie.
„Allerdings schlimm genug!" lachte Frau lind. „Aber zum Wohl, Herr Willfried, wir wollen uns darüber keine grauen Haare wachsen kaffen."
Erst kurz vor elf Uhr beendete sie dos schr anregend verlaufene Gespräch. —
Wie ein Verbrecher, der zttvi Tatort zurückgetrieben wird, so schlich ich mich am Morren wieder zum gestrigen Platze hin. Und weil ich diesmal nicht nach dem Himmel und nicht nach dem Specht auslugte, sah ich Gustel Lind
gestohlenen Steuerakten des Reichsfinanz- I revolution" schützen muß.' Die 'Sieger setzen ihre Vinlsters Erzberger in der Presse hat dieser un- I eigenen Jntereflen aufs Spiel, wenn sie der deut- Herzüglich beim Finanzamt in Charlottenburg eine I scheu Regierung die nötigen Abwehrmittel gegen die Untersuchung gegen sich veranlaßt und damit sei- I deutschen und slawischen Bolschewisten entwinden.
nerfeits auf jede Erwiderung in der Presse verzichtet, | Tas ist jo klar und zwingend, daß der Oberste die der Untersuchung vorgreifen könnte. Gleichzeittg I Rat, wenigstens die englischen und ttalienischen hat er den Herrn Reichspräsidenten gebeten, ihn bis I Glieder desselben, diesem weltpolitischem Bedürfnis ijum Abschluß dieser Untersuchung von der Wahrneh- lverden Rechnung tragen müffen, .wenn im Sommer —g seiner Dienstgeschäfte zu entbinden, das letzte Wort über die Abrüstung zu sprechen sein
st auch nicht der Schein eines Druckes auf die Un- I toir6‘
chung des Finanzamtes fallen möge. Der Herr | Die russische Frage.
^Präsident hat diesem Ersuchen des Reichssinanz- St. Brpce teilt im Pariser Journal mit, man sters nunmehr entsprochen und angcordnet, die I habe sich in London grundsätzlich über die rus- rsuchung mit tunlich ster Beschleunigun g l sische Frage geeinigt Es wurde grundsätzlich
—Mführen und ihm sofort Bericht über das Er- I beschlossen, mit den Vertretern der Sowjets über gehrt« zu erstatten. — Mit der Stellvertretung des I die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Ministers ist der Unterstaatssekretär Mösle be- l den russischen Genossenschaften zu verhandeln, jedoch s «rffragt. I zu vermeiden, über die offizielle Anerkennung der
Aus der Regierung nahestehenden Kreisen verlau- bolschewistischen Regierung zu sprechen.
ich die Suspendierung fei nicht als Vorläufer des Rück- I —
Ms zu betrachten. Man nehme an, daß Erzberger |
«6 dem Verfahren unbelastet hervorgehen und I Tie Zwangswirtschaft
fci Laufe der nächsten Woche das Finanzministernttn I und die Mindestpreise.
Wieder übernehmen wird. I
Die schaffen Diskussionen, die m den letzten Wochen w I über Beibehaltung oder Aufhebung der Zwangswirt-
rie Hinausschiebung des Abrüfiungs. !5^ "md über die FeftseMng der Preise geführt wor- I ?cn wussen nun, nachdem die Neuregelung un« lernt ins Und >, ie bolschewistische Gefahr. | feier Getreide- und Kartoffeloersor-
Fn Sachen der deutschen Heeresstärke bat der Zung für das Wirtschaftsjahr 1920-21 nach Dberste Rat sich zu einem gewissen Entgegenkommen I Anhörung der verschiedenen Wirtschaftsgruppen erfolgt, »erstanden durch Hinausschiebung des Nbrüftungsler- I 'ft' endlich zur Ruhe kommen. Die Entscheidung kann «inS um ein Vierteljahr. Bon deutscher Seite war I nid)t atte Wünsche beider Parteien befriedigen, aber sie bei den Verhandlungen daS sachliche Bedenken gsl- I ^cht nach Möglichkest den Lntereffen der Konsumenten tenb gemacht worden, daß Deutschland mit der vor- mie ber Produzenten gerecht zu werden.
tzeschriebenen Truppenzahl schwerlich ausreichen I Die Beibehaltung der Zwangswirk- tude, um bei weiterem Vordringen der bolsche« I schäft und die Einbeziehung des Hafer» in die
istischen Gefahr zugleich die Ordnung im In- I Zwangswirtschaft ist für absehbare Zeit notwendig. |wrn und die Sicherung der Ostgrenzen aufrecht zu I Das zeigen die Vorgänge der letzten Monate. Nach- ,«halten. Die Note der Entente spricht davon nicht, dem der Hafer freigegeoen wurde, kletterte der Preis Indern erwähnt nur die Rücksicht auf die „fchwie- — ' — - • - -...... - -
Bge Lage" der deutschen Regierung im allgemeinen.
Soll das Stillschweigen bedeuten, daß der Oberste Rat auf die Lage im Osten keine Rücksicht nehmen M? Das möchten wir bis auf weiteres bezweifeln. Wer nicht verblendet ist, wie die französischen Aeißsporne, der muß doch einsehen, daß die ganzen «este der deutschen Wehrkraft absolut unfähig sind zu einem Vorstoß nach Westen hin und daß sie auch ohne weitere Verminderung kaum auSreichen, um »afere Grenze im Osten zu sichern gegen die rote i Bitt, die von Rußland her jeden Augenblick uns bedrohen kann.