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Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fulda. ::

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 24. Februar 1920»

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47. Zahrg.

Die Revision des Friedensvertrags fornrnt sicher, freilich nicht von heute auf morgen. Man pars nur nicht die Geduld verlieren

Lloyd George soll sich neuerdings wieder gegen dir Revision ausgesprochen haben. Das ist nicht zu verwundern. Er gehört zu den Vätern des Versailler Vertrages und mochte sein Werk nicht bloßgestellt sehen. Uber gerade in England wächst die Erkenntnis, daß eine Abänderung des FriÄlensoertrages unver­meidlich ist und ie eher je besser durchgeführt werden sollte. Soeben wird wieder ans ßonöon berichtet:

Km .Cberfatufe sprach Lord Par mo o r über die Verhältnisse in Mitteleuropa. Diese Zustände seien nicht allein eine Folge des Krieges, sondern zum Teil auch eine solche der unglücklichen Äe- ftimmungen des Friedensvertrages, bei dem eine gründ! ich e Revision notwendig fein werde. Der Versuch, den Friedensvertrag von Versailles in feiner ganzen Brutalität durchzusetzen, mache die Wie. iDscherstellmrg des normalen Lebens in Europa umnog- lich dann würde vielmehr eine dauernde Verelendung die Folge sein. Der frühere Botschafter in Washington, Lord BrYee, erklärte, England sei m i t v e r ä n t- lich für das Elend, das über Europa gekourmen sei. Die Friedenskonferenz habe die Verhcmdlungen in einer Rachestimmung geführt. Er, Bryce, fürchte, daß das Ergebnis einer solchen Politik der Zusammenbruch Oesterreichs sein werde, dem sich dann unvermeidlich der Deutschlands anschließen würde. Lord H a l d a n e betont:, der Zustand sei derart, daß in Englands eigen­stem Interesse eine Aenderunq des Friedensvertrages „angenommen werden müsse. England könne nicht er- boberren Hauptes umhergehen, wenn es nicht imstande ist einen Zustand zu beseitigen, der in der Geschichte der modernen Welt nicht seinesgleichen habe.

Nicht erst in dieser Sitzung des Oberhauses, auch sonst schon ist in England die Wahrheit anerkannt und ausgesprochen, daß das eigene Interesse der Entente- Länder die Abänderung ba Bestimmungen des Frie- -ensvertrages verlangt. „Leben und leben lassen!" Diese Bolksweisheit hatten die Vertragskünstler in Paris vergessen. Sie arbeiteten blindeifrig auf die volle Ohnmacht des Besiegten hin. Es gelang ihnen auch, die politische Macht Deutschlands auf den Null­punkt herabzudrücken. Aber auf dem wirtschaft­lichen Gebiete mußten sie einen Fehlschlag erleiden. Denn ein Volk von über 60 Millionen mit einer hoch entwickelten Industrie läßt sich aus dem wirtschaftlichen Getriebe der Welt nicht einfach ausschalten. Wer es versucht, schadet sich selbst. Nämlich erstens un­mittelbar, indem er seinen Schuldner leistungsunfähig macht zu seinem eigenen Schaden, und zweitens mittel- bar, indem er den ganzen weltwirtschaftlichen Organis­mus in Verwirrung und Not stürzt durch die Ampu­tation eines so großen und wichtigen Gliedes.

Diese Erkenntnis findet sich recht klar und kräftig dargelegt in dem einflußreichen englischen Blatt „West­minster Gazette". Da heißt cs:

„Der Vertrag wird wieder durchgesehen werden muffen, und je eher diese Arbeit begonnen wird, desto beffer. Es ist in keiner Weife ein Entgegen­kommen gegen Deutschland. Die Sache ist einfach 'die, daß das wirtschaftliche Leben Europas wieder auf eine gesunde Grundlage zurückgeführt werden muß. Die wirte schastlichen Bestimmungen des Vertrags stehen nicht auf dieser Grundlage . . . Die eigenen Interessen von Frankreich und Belgien werden geschädigt durch die falsche Grundlage, auf der die bisherigen Berechmmgen aufgestellt wurden, und durch den Unterschied zwischen »em. was bestimmt ist, und dem, was möglich ist."

Das Blatt spricht auch von der Kohlenfrage, die in Paris von der Regierung und der Kammer in den Vordergrund geschoben worden ist, und führt sehr ver­nünftig aus: Deutschland habe einige seiner besten Kohlengebiete verloren, seine Bergleute seien durch Krieg und knappe Nationen erschöpft, seine Industrie hange zwischen Tod und Leben. „Ohne Kohlen kann sie nicht leben, nicht einmal um mchr Kohlen für Frank­reich zu fördern."

Vergangenheit.

Skizze von Adolf Größte.

1] -----------

Ein Regenwind brauset . . . und schüttelt di« £ Bäume . . . Fein Sternlein am Himmel der

ff Mond ist verhüllt. — Da steh ich und lausche

dem Rauschen ... ich träume . . .

... Gewiß, ich fühlte, daß ich langsam bis auf den Körper vom Rogen durchnäßt wurde . . . aber ich tvurde mir gar nicht bewußt. daß das. unangenehm« Folgen haben könnte .

*

[ , Erau und öde schlichen die Tage dahin — immer wie der andere. So wie ich abenbs die dunkle Trbreipftübe verließ, um zur verdienten Ruhe zurück- 81: so tret ich sie am anderen Morgen toicbcr an.

K Diüde setzte ich mich oft in der Frühe schon an mci.

-chreiktisch, müde des ewigen, inhaltlosen Ab- rgckcrns, be;n irh mich Hingaben mußte.

E o«1 umr allein auf der Welt, hatte nur einen um Mr: riTlirc jüngeren Freund der vor Lebenslust sprn- M'l!:. xric trafen uns öfters; er besuchte mich — ich t fiel mir int Angcublick ein Strahl Morgensonne 2.- das Attrnpakct, dessen Geheimnisse mir nun die ^eösmnden verkürz/M oder, besser gesagt, verekeln Der dunkelgelbe Schein ist meinem Auge wohl, ich nrnß wohl gelächelt haben, als Kollege Priem ■£” wir sagte: „Willfried, Sie sollen zum Bürovor. kommen! Lassen Sie sich aber Ihre anscheinend "rpmügte Morgenstimmung nicht verderben." K-.„T<tare für den Rat, Priem, keine Sorge."

ss, 'ging. Was mochte los sein? War nun irgend /v-'iiicr entdeckt worden, dessen Ursache man mir zu» ”‘v-' ■’ Halle der Herr Chef eine besonders peinliche £? r'e, die bloß für mich recht war? Oder . . .? | $ter es kam anders, als ich dachte.

^"me für jene Tage reiche Fülle von Wohlwollen

■"i °uf deut Gesicht des Vorstehers.

. -Herr Willfried — doch nehmen Sie Platz! Der --'Vktor unseres Hauses überläßt mir die angenehme . Ahnen für Ihre bisherige treue Arbeit zu dan- und spricht gleichzeitig fein Bedauern für Ihr der, schlecht es "Wc finbe n aus. Ms^ er kürzlich Ihren koeitsraum besticht Halle, frug er mich über Ihre Aer-

3m Zusammenhang mit dem leichtsinnigen Versuch, die Volkswirtschaft des verhaßten Gegners zu ruinieren, steht auch die V a l u t a n o t. Drüben haben viele den Sturz der deutschen DÄuta mit Schadenfreude zuge­sehen. Als aber die r i g e n e Valuta auch ins Schwan­ken kam und die sonstigen üblen Folgen im Handel mit Deutschland sich fühlbar machten, da kam man wieder zur Erkenntnis, von der Solidarität der wfttschaftlichen Interessen der Völker. Sogar die Belgier, die doch wahrlich keine zärtlichen Gefühle gegen Deutschland haben, bemühen sich eifrig um Hebung der Valuta.

Das ist die beste und sicherste Vorbereitung — mchr noch nicht — für eine Revision des unseligen Vertrages, wenn auf dem wirtschaftlichen (Miete durch die Erfahrungen am eigenen Leibe sich der Leitsatz wie- der Bahn bricht: Leben und leben lassen! Auf die Dauer werden gegen das wohlverstandene und tatsäch­lich empfundene eigene Interesse der anderen Völker weder die französischen Rachegedanken noch die per= sönlichen Neigungen der Väter des Friedensvertrages aufkommen können.

Eine „Erprobung" dss Reichsgerichtes. '

Der Pariser Korrespondent der „Times", berichtet, daß von den Vertretern der Alliierten in Paris über die Frage der „Kriegsverbrecher" beschlossen wurde, daß England, Frankreich und Belgien zunächst die Aburtei­lung von je 5 unstreitigen Verbrechern von Deutschland fordern würden. Das gesamte Beweismaterial werde dem dorttgen Gericht vorgelegi werden, vor dem auch eine Anzahl Zeugen aus den alliierten Ländern erschei­nen sollen. Sollte Deutschland bei diesen Proben auf seinen ehrlichen Willen versagen, so würden die Alliier­ten Zwangsmaßnahnren anwenden.

Wenn es sich fo verhält, daß gegen diese fünfzehn Fälle, die uns zunächst übermittelt werden sollen, ein wirklich brauchbares Beweismaterial vorliegt, dann ist an der Verurteilung der Schuldigen durch das Reichsgericht nicht zu zweifeln. Das Reichsgericht wird nur eine Aufgabe kennen, Recht zu sprechen, nur ei­nen Ehrgeiz, seinen Ruf als Oberstes deutsches Gericht zu wahren.

Die MssscftrunxsNsie bröckelt ab.

Das Reutersche Büro meldet aus Paris: Der fran­zösische Ministerrat hat ^schlossen, seinen Vertretern auf der alliierten Konferenz anzuwsisen, diejenigen von Frankreich zur Aburteilung angeforderten Deutschen non der Auslieferungsliste abz u s e tz en, für deren Ver- fthlungen Zeugen nicht namhaft gemacht wer­den können.

Der deutsche Auwaltverein

bereitet die Verteidigung der „Kriegsverbrecher vor. Kosten erwachsen den Beteiligten durch die Inan spruchnahme des Vereins nicht.

Die bolschewistische Gefahr.

Der ungarische Minister Friedrich sagte in einer Unterredung mit einem Vertreter der ameri­kanischen Hearstpresse: Wir haben Nachrichten, daß die russischen Bolschewisten einen Einfall nach Mittel- und Westeuropa vorbereiten. Ihre für den Vormarsch bestimmten Truppen setzen sich aus 216 russischen Bataillonen, 270 Bataillonen Chine­sen und 54 Bataillonen Ungarn zusammen. Die letzteren find Kriegsgefangenen, die gezwungen mit­machen. Die Entente hat nur zwei Wege: Ent­weder sie verbindet sich mit dem Bolschewisten oder fie kräftigt Deutschland in einer Weise, die es be­fähigt, seine historische Rolle, die Gefahr des Ostens aufzuhalten, durchzuführen.

Das Wirtschaftsleben.

* Eine neue WagenreparstnrfabriL Die Pulver­fabrik Plauen wurde für 60 Millionen Mark an das Reichsverkehrsministerium abgetreten. Es handelt hältrnsse, auch das kleinlichste, und heute wünscht er, daß Sie auf unsere Kosten einen vierwöchigen Er­holungsurlaub antreten.*.

Ich Zeigte mich erfreut. . . . Wäre es möglich?"

"Es liegt natürlich in imferetn Interesse, uns He tüchtigsten Mitarbeiter zu erhalten, Herr Willfried, darum darf Sie dieser Entschluß des Direktors nicht sonderlich wundern. Und — da im Augenblick unsere Fnanspuchnahme eine etwas geringere ist, sollen Sic sofort — am besten morgen noch — dfaetfeu."

«Mit tausend Freuden — ich fcsm jederzeit packeul"

„Schön. Uebrogeben S« nachher sofort Nrc Ar. beiten an Herrn Wagner. Ich dRpenfikere ®te für den Rcft les Tages vom Dienst. Erholen Sie sich recht gut und kehren <E5e gefcäftfgt und frisch toteber.’*

„Vielen, vielen Dank, He« VwÄcher." erwiderte ich und es war mfh: tatsächlich ehrlich zumute, <ck» ich meinem Getvccktigen tie Hand drückte. ..

Priem kam aus dem Staunen nicht Herons, Mag­ner, eine ohnehin unfreundliche Natur, murrte ohne Unterlaß. ' . ;

Aber das alles beeinflußte meine Freute nicht — ick ging . . und ließ die entern zurück mit ihnen all meine Gedanken an das dumpfe SchreibzinMer .

Nun saß ich int Zug und fuhr in den Schwarzwald hinein Wie die Sonne lachte! Und als alte die Hertz, lichkeiten der Natur so bot mir lagen, konnte ich mich nickt genug freuen ob des Glückes, das mir zuteil ge, worden. •

Hugo Remtz — so hieß mein Freund — war natür­lich höchst überrascht gewesen, al? ich ihm meine Steife ankündigte. Und er beabsichtigte, mich aufzusuche«, sowie er seinen eigenen Urlaub nach etwa drei Wochen .antreten dürfte. Sckon jetzt malte ich mit die Freude aus, mit Hugo durck die Wälder streifai zu können, wieder einmal jung sein $u dürfen . . .

Tief im W-tzde drinnen lag das Gasthaus, das mich aufnehmen follte. Und ich glaube, ich muß allzu be­scheiden eingetreten sein, weil man mich so ermunternd eurpfmg. Ein nettes Zsinmerchen sollte mich auf die nächsten vier Wochen beherbergen. Wenn ich do hin- aussah, schauten mir nur die erufteu Tannen entgegen mch. die heitere Sonne,

sich um eine Anlage, deren Größe dadurch gekenn­zeichnet wird, daß mit ihr 18 Kilometer Eisenbahn­gleise und 50 Kilometer Straßen verbunden sind. Die künftige Reichseisenbahn will dort eine Wagen­reparatur in großem Stile einrichten.

* Riesenrinkäuse von Ausländern. In einer Besprechung der Vertreter der Behörden des Handels und der Industrie in Köln mit Unter» staatssekretar Hirsch wies Oberbürgermeister Adenauer auf die bedauernswerte Tatsache hin, daß zahlreiche Ausländer in Köln Rieseneinkäufc machten. Als tvpischcs Beispiel dafür teilte er mit, daß ein Lampen- gcschäft an einem Tage für 100000 Mark Lampen an Ausländer verkauft habe. Im Bezirk M. - Glad­bach geht man gegen die Holland ischeE i nkäufer jetzt tatkräftig vor. Diese Tage wurden drei Holländer verhaftet, die versuchten, lebenswichtige Gegenstände ohne behördliche Erlaubnis über die Grenze zu bringen. In Hardt wurden kurzerhand für 70 000 Mark Waren beschlagnahmt, die ebenfalls ins Ausland ge­bracht werden sollten.

* Uebctftuuben im französischen Bergbau. Der Ddi- ntfter für öffentliche Arbeiten Lebroquer hat Vertreter der französischen Bergarbeiter empfangen, die sich be­reit erklärt haben, lieb erstunden zu leisten, um die Kohlenförderung zu erhöhen.

Mehrarbeit in allen Berufen!

In Essen wurde Sonntag und Montag eine außer- ordentliche Verbandstagung des Geuoerkoereins christl. Bergarbeiter Deutschlands abgehalten, die aus allen deutschen Dergrevieren außerordentlich zahlreich be­sucht war. Auf der Tagesordnung stand die Erörterung der jüngsten Vorgänge im Ruhrkohlenbergbau, in erster Linie düs Ueberschichtab kommen. An den Ver­handlungen nahm auch Reichspostmimster Giesberts teil, der auf die Gefahr einer innenpolitischen Umwälzung hinwies, falls die Köhlennot nicht behoben wurde. Eine solche Umwälzung werde aber auf keinen Fall zugunsten der Arbeiteischnft ausfallen. Der Vertreter des preußischen Handesmimsteriums Vogelsang sprach im Namen des Haichelsmimsters die Erwartung aus, daß auch die Ar­beiter anderer Berufe, namentlich die Eisenbahner, den Weg der oermehrten Arbeitszeit einschlagen würden. Der Vorsitzende des Gewerkverems Wg. I m b u s ch be­tonte, daß die Bergleute, um Volk und Vaterland durch Uebeffchichten zu retten, bis an die Grenze ihrer Kräfte gehen müffen, aber die Festlegung der 8l4stündigen Ar- dsitsschicht im Bergbau, der sich die sozialdemokratischen Minister geneigt zeigen, lehnen die christlichen Bergleute ab. Er sprach die Ueberzengung aus, daß Deutschland trotz der Uebeffchichten im Bergbau unweigerlich zugrunde gehen muß, wenn nicht auch die anderen Volkskreise Mehrarbeiten.

Die Tagung nahm eine Entschließung an, m der die christliche Bergarbeiterschaft Deutschlands sich zwar zu Uebeffchichten in weitgehendem Umfange bereit erklärt, aber nur unter der Voraussetzung, daß die dadurch geför­derten Kohlen der heimischen Volkswirt­schaft und nicht der Entente zugeführi wer­den. Die Entschließung fordert die gleichen Ueber­stunden in den anderen Arbeitsgebieten der Indu­strie und Landwirtschaft, vor allen Dingen im Eisenbahnoerkehrswesen. Sie fordert weiter Pünktlichkeit in der Personenbeförderung auf den Cisen- bafynen, damit die Bergleute imstande sind, die Heber» schichten voll zu verfahren.

Preußische Landes Versammlung.

Eine der übelsten und gefährlichsten Erfchsmungen unserer Zeit, die ungeheure Wohnungsnot, be­schäftigte am Montag die Landesveffaurmlung im größ- ten Teil ihrer Sitzung, und zwar cms Anlaß eines de- mokvcftrichen imfc deutsch-nationalen Antrages die HSchstmietenverordnung des Ministers für Dolkswohtt fahrt vom 9 Dezember 1919 der Landesverfammlunq Zur Nachprüfung auf ihre Rechtmäßigkeit vormlea.cn. Gegen diese Verordnung, die dem Wucher mit Wohnun­gen em Ziel machen soll und die Höchftmieten auf den bisherigen Höchsffatz plus 20 Prozent festgesetzt hat fft von den Haiusbefitzerkreisen schon lebhaft Sturm ' ge- Icufen worden. Aber die rechtlichem Bedenken die ge°

„So hat auch mich das Glück noch gefunden?" sagte ich langsam und die Brust hob sich befreiend und wohlig tn diesem Bewußtsein. —

Ich war ein bißchen Dichter und führte stet« ein Büchlein nach, in das ich meine augenblicklichen Stim­mungen hineinstrophierte; Wald und Fete, Mond und Sonne, Freude inte Schmerz — alles fand sich darin vereint. Es war nicht weit her mit meiner Knust __

meine Bekannten sagten bloß, ich verstünde es, meine Gedanken wiederzugeben . . '

Nnd fti dieses Büchlein trug ich wieder etwas ein.

®ce war der erste Ferierftag. —

Am andern Morgen war ich recht ft>ät brcm. Die lange Steife hatte sich eben sichtbar gemacht und ein großes Stück Stiche mehr alz gewöhnkich gefordert. Es toat schon nach neun Uhr, als ich das Gaschaus ver ­ließ, um endlich ei« bißchen nmherzuwcmdern. Der Himmel lachte gnädig weiter. . . .

Merkwüttckg — in all der Herrlichkeit des WaldeS fühlte ich heute etwas tote Einsamkeit. Die Freude war zu groß tn mir — ich hätte sie zu gern- mit irgendwem geteilt . . .

Mer Hugo weilte fern. Und sonst „ . .?

®B mußte in der Nähe eine Waldlichtung fein, denn ich konnte einen schimmernden Fleck des blauen Him- melS in her Feme durchscheinen sehen. Dahin sah ich nun nnvertoandt. Ich war überhaupt mehr in der Höhe mit den Augen sodaß eS mich weiter rttcht ge­wundert hätte, wenn ich einmal der Länge nach am Boden gelegen wäre. ...

Aber es war nur eine kleine, etwas niedere Scho­nung, die sich hernach meinen Micken bot. und ich schritt drum den Weg langsam zurück. „Freude im Magen unt Hunger im Herzen," sagte mein Freund Hugo bei soilchen Gelegenheiten gerne.

Bei Tisch am Mittag sich ich plötzlich, was ich mir hätte denken Wunen — daß ich nicht der einzige Gast des Hauses toar. Eine Fran Doktor Lind wurde mtc vorgestellt. die mit ihrem Gemahl trtte ihrer Tochter schon seit etlichen Wochen Per lebte, deren Gatte aber nunmehr zmückgereist war, weil es sein Beruf forderte.

„Ach, Herr Willftied. ich freue mich unbändig. Sie kennen gelernt zu haben,' kenn mit der Zeit glaube ich doch nicht ohne ein bißchen Gesellfchast aufkommcn zu können — verzeihen Sie, aber ich hoffe doch, daß Sie sich uns bisweilen amWiehe»?"

gen die Verordnung erhoben worden find, sind bereits vorn Sieichsjufrizministerium wiederlegt worden. Und wenn man etwa den juristschen Aufbau bet Verordnung als Vorivand für ihre Ungültigkeit nehmen möchte, dann fall man das Wvrt bedenken, das Minister Sie. gertoald spr«i>: Ueber den juristischen Aufbau der Ver­ordnungen stolpere ick nicht, wenn es sich um eine große soziale Frage bandelt. In der Tat handelt es sich hier um eine große soziale Frage, denn die Woh­nungsnot hat einen unerhörten Umfang erreicht. 1 Million Familien ist in Deutschland gegenwärtig ohne geeignete Unterkunft Da darf man nickt über Zwirns, fäben stolpern da heißt cs kräftig durchgreifen. Aller, dings wäre es beffer gewesen, die Lösung der Frage durch ein Reicksgcsctz zu regeln. Ta jedoch die Ver­ordnung einmal erlassen ist. iiP sie nack Art. 106 ter preußischen Verfassung verbindlich, weil sie in der vorn Gesetz« borgefdiriebenen Form bekannt gemacht worden ist. Deshalb konnte das Zentrum auch dem eingangs erwähnten Anträge nicht zustimmen. Es stimmte je­doch einem sozialdemokratischen Anträge zu. die Vcr, ordnung deä Ministers zur Kenntnis vorzulegen und namentlich darüber abzustimmen. Diese namentliche Abstimmung soll am Dienstag erfolgen.

Zu Beginn der Sitzung toar ohne Debatte das Ge. setz über die Erhöhung der Gütertarife in zweiter und dritter Lesung endgültig angenommen tvor. den.

veAtsches Reich.

* Die neue preußische Stcidteordmmg geht jetzt dem Staatsministerium zu und soll in nächster Zeit der Landesversammlung borgelegt werden. Gleich­zeitig mit der Städteordnung gehen Provinzial-, Gemeinde- und Kreisordnungen dem Parlament zu.

Die Llkernbeiralswahlsn haben in einigen Groß- Berliner Vororten am Sonntag stattgefunden. Fast überall waren drei Listen ausgestellt worden, nämlich von den Cchristlichen Parteien, von den Unabhängigen imd von den Mehrheitssozialisten. Die Wahlbeteili­gung wc.r im allgemeinen schwach. Besonders be­merkenswert sind die Wahlen in Schöneberg aus­gefallen, wo die Christlichen in fast allen Gemeinde­schulen stark überwiegen. In den dortigen 14 Ge­meindeschulen fielen auf die katholische Liste 13 Sitze, auf die anderen Listen kein Sitz.

Kusland.

** Das Elend Denisch-Ocfterreichs. In einer Ver­sammlung in Purkersdorf sprach Staatskanzler Dr. Renner über die Lage der österreichischen Republik und sagte unter anderem: Falls keine Hilfe vom Westen kommen sollte, werde ich genötigt sein, zu er­klären, daß es nicht weiter geht und es wird dann an dem Volke liegen, eine andere Lösung zu suchen. Und die ist nur zu finden m der Angliederung an Deutschland. Unsere Zuflucht ist die Arbeit. Die Stimnumg beginnt kleinmütig zu werden. Wir werden genötigt sein, die direkten und indirekten Steuern zu erhöhen und den Staat noch weiter zu verschulden.

** Die Ernennung Porncares, des früheren Prä­sidenten der ftanzösischen Republik, zum Präsidenten des Wiedergutmachungsausschusses wird von den fran­zösischen Blättern begrüßt als besonders günstiges Er- eiMis für Frankreich. Sie hoffen, daß Poincare mit aller Kraft Deutschland zwingen werde, die finanziel­len Bestimmungen des Fffedensvertrages zu erfüllen. — Man erkennt aus der Genugtuung, mit der die Ernennung Poincares begrüßt wird, daß in Frank­reich sich die feindselige und haßerfüllte Stimmung gegen Deutschland nicht geändert hat, ja daß vielmehr allen Versuchen, zu einer versöhnlicheren Auffassung der deutsch-französischen Beziehungen im (beidersei­tigen Interesse) zu gelangen, in Frankreich stärkster Widerstand entgegengesetzt wird. Man darf sich auch nicht einer Täufchung darüber hinceben, daß der Wie-

Fran Lind hätte noch weniger sagen brauchen, uw mich bereitwillig zu finden. Und ich fagkc natürlich sofort zu.

„Mein Mädel kümmert sich ja um gar niemand. Ich weiß nicht, wo ft« jetzt wieder ist. Gustcl leimte sich wirklich ein bißchen mehr au die Ordnung ge­wöhnen."

„Aber, Verehrteste Frau Lind, Ihr Fräulein Doch, ter hat vielleicht einen zu großen Spaziergang gemacht, sodaß sie nicht mehr rechtzeitig zurückkehren formte," wagte ich einzuwenden.

„Gewiß — das hat sie, aber eine Entschuldigung wäre eS nicht — sie tut es zu oft."

Die Frau Doktor toar trotz ihres vorgeschrittenen Alters — ich schätzte sie mindestens vierzig — nock eine Schönheit, imb ich konnte nicht mrterlassen. von ihr auf ihre Tochter zu schließen. Beobachten und schauen tat ich ja immer, obschmi die Kollegen zu Hause von mir behaupteten, ich gäbe einen der harr- gesottrnsten Junggesellen ab. Vielleicht sag ich gerade deswegen mehr als die andern . .?

Nach dem vortrefflichen Mi i tage mahl leg!« ich mir! -Mr kurzen Ruhe nieder und als ich wieder crtoccbi.' hatte sich diese Kürze zur Länge gemacht — cs iva, gerade zehn Minuten nach vier.

Und draußen fiel ein feiner Siegen — eber c-2 ßhaute nicht so ernst aus. Mir kams so vor als ob der Himmel mich für die verschlafene Zeit trösten inollte. Es gelang ihm nämlich auch „Es hat ja doch ge­regnet, sagte ich mir und schffeb dem Freunde nlcid; eine Ansichtskarte.

Dann wehte eine goldene Abendluft draußen . . . ich war schon wieder im Wald . . .!

Wie es hier nach frischer Erde roch und dazw'stheu fächelte der linde Wind feine Tanne »rüste mir ,m Irgendwo oben hämmerte ein Specht. Ich suchte di« Höhen ab konnte ihn aber nickt entdecken . .

.Hallo — — Sie, Vorsicht, mein Herr!" „Effchrocken blieb ich stehen.

Quer über den Weg lag ein Tannenftamm, den itf durchaus nicht gesehen hatte — und am Weg raue lag noch einer; darauf saß die jung« Warnerin und lä­chelte mich an.

„Wollen Sie mich denn nicht sehen," frug sic. -Heute vormittag genoß ich bereits das Vergnügen, eines Stückchen Himmels wegen von Ihnen vA". eben zu werden."

Wortfebuno folatj