aerZeitung
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Nr. 42
Zrettag, 2d« Februar >920
- In Fu da bei uns abgehoft 1,40 M. s J.7 "IaVm-a
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Ueberschkchte« fm Bergbau.
Ergebnisse der Essener Besprechung«?.
Ucker die Ergebnisse der Reise des Reichspräsiden, ien in das Ruhrrevier erfahren wir: Es wurde mit den Zechenverbänden und den Bergarbeiterorganisatio» nen über eine Steigerung der Produktion beraten. Die Bergarbeiter erklärten sich zur Leistung einer bestimmten Zahl von Ueberschichten bereit. Es werden nun« ^r«w°ch'""ich je zwei Halbschichten, im Monat also vier ganze Schichten in Uckerschicht geleistet. Dafür erhalten die unter Tag Arbeitenden euren Lohnzuschlag von 100 Prozent, die über Tag 50 Prozent. Außerdem werden besondere Lebens- millelzuwendungen gemocht. An Brot erhalten die an den Ueberschichten Beteiligten monatlich 12 Kilogramm als Zulage. Das Nckereinkommen tritt am 23. Februar in Kraft und dauert zunächst bis zum 14. März. In etwa zwei Wochen sollen nach Prüfling der dann erzielten Ergebnisse neue Verhandlungen beginnen.
De durch die Ueberschichten erreichte Mehrpredu?-- tion soll außer für die Lieferungen auf Grund des Friedensvertrages sowohl für dis Industrie Wir für die Landwirtschaft verwandt werden.
Um jeden Preis!
Zu den jüngsten Verhandlungen im Erzberger.Heltz- serich-Prozetz wird uns geschrieben:
Es fällt uns nicht ein, dem Endurteil int gegens tvurtrgsn CrMrger^>Merich.Prok!eß, bet allen Ach- zeichen nach noch wochenlang dauern wird, irgenitoie vorzngreif-n, das hindert aber nicht, heute schon auf gsloisse Momente hinzu weisen die bartun wie der Kampf gegen Erzberger mit allen nur denkbaren Mit. lein geführt wird, um Erzberger schließlich um jeden Preis zu Fall zu bringen.
ES ist! nun tatsächlich so weit, daß in ganz Europa Sin Spatz vom Dache fallen farm, ohne daß Erzberger die Schuld dafür crufgebürdet wird. Zu welchen LS- cherlichkeiten die Helfferich-Partei in diesem Prozeß greifen mutz, haben die lehien Verhandlunostage drräj- lich erwiesen. Fm Fall Angele und im Fall Strauß und Wolff bildete ganz gewöhnlicher Klatsch und Tratsch den Hintegrund für tagelange« Verhandeln unter einem enormen Aufgebot von Zeit, Kraft und Kosten. In einer Epoche, in welcher die wichtigsten Schicksalsfragen des ganzen! Dolles zur Entscheidung stchen und nicht zuletzt es auch um Sein oder Nichtsein der gegenwärtigen Regierung sich dreht, wird ein maßgebendes Mstgjlick dieser Regierung tagelang gezwungen, sich gegen ödeste Klatschbaser eien und gegen Be- hauptungen zu wehren, für welche bis chelfferich.P-rq- tetf erst ix den Verhandlungen selbst durch Kreuz, und Querfragen m di« Zeugen den Beweis zu erbringen sich bemüht. War es schon ritte Lächerlichkeit, daß man im Fall Angele sich stundenlang über ErzberVers Butierpakete unterhielt — wer von uns wäre nicht Sünder. — so gewann dies .Idyll', wie Helfferich st lbst seine Haupt- und Staatsaktion zu bezeichiren sich gezwungen sah doch ein ernsteres Gesicht, als es sich um den Nachweis der Heilfferichschen Dehaurstimgen von unzulässiger Verquickung politischer und ge. schäftlicher Tätigkeit hackelte.
Im Fall Angele wie tut Fall Strauß hat dieser Beweis nicht im gÄringsten erbracht werden können. Der letztere Fall ist besonders bezeichnend für die Methode, mit welcher von der Gesssnr- seite gearbeitet wird. Helfferich erhob die schwersten Anschuldigungen gegen Erzberger, dem er eine Degün. stigung nicht nur persönlicher, sondern auch materieL Icr Art, letztere sogar in Steuersachen seinen Schütze lingen gegenüber bortocrf. Ein charakteristisches Beispiel gibt folgender Vorgang: Die Firma Strauß hat ein großes Vermögen. Das Vcrmöaen soll durch die Steuergesetze wegbesteucrt werden. Nun behauvtet ohne den Schatten eines Beweises dafür zu erbringen, .Helfferich, daß. weil diese Firma noch ein großes Vermögen habe, Erzberger ihr eine Ausiuchmestellung in der Besteuerung eingeräumt habe. Helfferich sprach den ungeheuerlichen Satz aus: .Die Firma disponiert bei ihren großen geschäftlichen Trcmsaktionen so als ob sie die Stundung des Reichsfinanzministers bereits in der Tasche hätte." Nun sind aber erst dieser Tage die Formulare für die ÄriegSaßgabe ausgegeben worden. eine Besteuerung hat überhaupt noch nicht Platz greifen können. Helfferich weiß baS natürlich ebenfalls ganz gut. Daß er aus der Tatsache, daß jene Firma noch Vermöge» besitzt, sofort eine unzulässige
Ob die Drnge wirklich so liegen kann nicht nachgeprüft werden. Wenn die polnische Agitation aber tatsächlich Erfolg bei den Deutschen in Oberschlesien haben sollte, so kann sie diesen nur durch falsche Vorspiegelungen errungen haben. Zuverläsi^en Nachrichten zufolge spotten die Zustände in Polen jeder Beschreibung Geigen die Teuerung in Warschau leben wir in Deutsch, land noch im Paradiese. In Warschau kostet ein pol. nrsches Pfund (400 Gramm) Brot 20 Mk , ein Bücking 5 ML, ein Ei 12,50 Mk., ein kleines Sias Bier 5 Mk. ein SchnopslO—12 Mk.. ein Pfd. Butter 40 DA., ein Pfund Zucker 50 Mk., eine deutsche Zigarette 8 Mk., ein Pfd. Wurst 50—60 Mk., Damenschuhe mit Holz, absätzen 770—900 Ml.. Herrenschube 600 DA, ein Hemd für ein einjähriges Kind 100 Mk. Auf den Hauptstraßen Warschaus spielen sich täglich die furcht, barsten Szenen ab. .Halbnackt in Lumpen gehüllte Menschen schreien nach Brot. Die Korruption unter der Beamtenschaft hat in einem grauenhaften Ausmaß zugenommen. Karten für Bahnfahrten sind nur auf dem Wege des Schleichhandels zu bekommen In eine vor dem Fahrkartenschalter des Hauptbahnhofes in Warschau wartende Menge, die erregt ihrer Empörung Ausdruck gab. wurde von der Sicherheitswehr rücksichts- los scharf hineingeschosten. Man ersieht daraus, daß d'r neue Freistaat Polen sehr rasch wieder auf der historisch gewordenen „polnischen Wirtschaft" ange» langt ist.
Deutsches Reich.
• Der SteucraaSschuß der Nationalversammlung beriet das ReichSeinkommenfteuergesetz in'
Hinausschiebung der AbrüstungSfrkst.
Ter P,äsident des Obersten Rates, Llodd Georg., übersandte dem deutschen Geschäftsträger in "ondon, Otharn er, nachfolgende Note: 9
Ehre, Ihnen zur «enntniSgabe an k°^E?t'che.Reg,erung mitzuteilen, daß die Kontroll" wmm,,sion in Berlin bte Aufmerksamkeit des Obersten aEt'terten Mächte auf die schwierige Lage oe. «rnkt hat, in bte d,e deutsche Regierung gelangen würde °flu.<nen Machte auf der strikten Erfüllung r?. 10? deS Versailler Vertrages bestünden
ach dem dm gesagte Effektivstärke bet Truppen in . utschen Bundesstaaten bi» spätestens 31. «°rz 1920 bte Zahl von 190000 Mann, die Offiziere «0 bte Depoteinrichtungen eingerechnet, nicht über- ^reiten darf. Da dieser Artikel in der Annahme ent- tzorfen wurde, daß der Versa'ller Vertrag in einem r!yub.trcn®’iu'n ratifiziert werden würde, hat sich "J pbetfte Rat dahin entschlossen, zu gestatten, daß d t. >ffchen Streitkräfte bis zum 10 tiprtl 1920, ' ■ btet Monate nach be;n Inkrafttreten des Vertra-
K®' 'n Gemäßheit deS Artikel« 163 auf 200000 «ann und bis zu m 10. Juli 1920 auf 100000 Herabgesetzt werden.
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Infolge der geradezu ungeheuerlichen Behandlung, «>e Dkutschsand von der Entente nach dem Waffenstill- DUtd zu erleiden hatte, sind manche Deutsche geneigt.
® r dü-s-a uns aber die Gunst der Ammaner mcht verscherzen. Ihr politischer Einfluß aus lwropa mag ja abgenommen haben, seitdem die ame' rüatchchen.Bolksoeriretrr Herrn Wilsons Einmischunas- MÄ bekämpft haben. Aber die Bereinigten Staaten fmb setzt erst recht die stärkste wirtschaftliche ®0lV m der Welt. Ihre Bckeutung für die Gene° Ä^lÄni!?!iil,ertriif| noch die Bckeutung des empsindlich erschöpften England. Nordamerika hat ge° ötT rin6e”bcn Deutschland not tut: Rohstoffe und Lebensmittel. Die vereinigten Staaten koimen, wenn sie wollen, unsere Valuta und den sonstigen Krckit Deutschlands stützen, den deutschen Fabrikbetrieb fördern und unsere Rah- mngsnot mildern. Sie haben auch selbst ein Interesse daran, ihren Uckersluß in Deutschland zu verwerten. Daher wünschen |te Ruhe und Ordnung, Stetigkeit und Eunsskeit in Deutschland.
Demgemäß wollen wir uns einrichten und alle .im- Machen Ceitensprunge vermeiden, die uns Mißtrauen 2? ^T^,-9^U79 ven Hilfeleistungm zuziehen könn- käL_ Ae schlechter es mit der Eintracht bei den Siegern «isW, m so mehr muffen wir Besiegten die <$hug- »ett pflegen. ”
Ätzt M das Wart, das rm Kriege manchmal mik- «archt vmr.de. Die Zeit arbeitet für uns.
Zettgewum verstärkt die Hoffnung, daß die Lrefche ch ttrickensvcrtrag sich erweitert und die ver- N'Uche kumnnmsi in der Welt die Oberhand gewinnt. Dmch solche Ausgleiche wie fetzt einer angebahnt ist gewinnen mir kostbare Zeit. *
es schon als eine ganz besondere Gnade hinzunehmen, wenn der Gegner tatsächlch einmal nur eine von der Vernunft und Einsicht diktierte Handlung unternimmt und sich einmal nicht mtsschiiehlich von blindwütendem Haß testen läßt. Das Zugeständnis, das uns in dieser Note gemacht wird» beruht wie das in der Ausliefe- rungsfragc einfach und allein auf der Einsicht, daß tüe Durchführung der betr. Artikel des Friedensvertrages nicht durchführbar sind bezw. chre gewastsame Durchführung für alle Teste unerwünschte Folgen haben würde. Das wollen wir nicht vergessen. Man glaube nur ja nicht, daß diese Note von irgendwelcher Sympathie oder irgendwelchem Miüeid mit Deutschland diktiert ist. Der Oberste Rat hat selbst in seiner Begrün- düng auf den Umstand, daß der Vertrag von V«sail- les viel später als seiner Zeit angenommen wurde, in Kraft trat, Bezug genommen. Infolge dieser Derspä» tun-g ist die Frist bis zu dem anfangs festgesetzten Termin für die Herabsetzung zu kurz. Davon kann nicht die Rede sein, daß die Entente auf die Forderung an sich verzichtet. Daß gerade die mststärffchen Verpflich- tungen peinlich inne geholten wecken sollen, hat eben noch der französische Kriegsminister Lefere ausgesprochen, welcher wiederum Deutschland beschuldigte, daß es die militärischen Verpflichtungen des Frickens- vertrages zu umgehe« suche, daß es Kriegsmaterial verheimliche, und daß Deutschland völlig entwaffnet werden muffe. Das, was wir also jetzt an .Entgegenkommen" vor uns sehen, ist nichts andere als eine Fristverschickung, eine rein formale Angelegenheit. Von unserm Standpunkt aus können wir den Beschluß mit Rücksicht auf die Malmschasten der Reichswehr bearü- &en, denn dir Entlassung und die Rückführung auf den uns aufgezwungenen Statsstand mit allen damit in Berbindung stehenden Bersorgungsnotwendigkeiten können nunmehr ruhiger und planmäßiger sich ziehen.
Berantwoniich für den reboUionellen Teil: Karl Schütte, ifir die Anzeigen: I. Parzeller-Fuiba. n Rotationsdruck u. Verlag ber Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. S. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Trüben Zwist — hüben Eintracht.
Entente bedeutet auf deutsch Einklang, Einverneh- Men. Damit war es auf der Gegenseite während des Krieges leider sehr gut bestellt; aber nach Erjagung der Deute schlich sich allmählich die Zwietracht ein. Es zeigen sich Gegensätze zwischen den französffchen Rache- potiüfem und der stalienisch^englischen ^eoaMtig-.est und die Spannung zwischen Wilson und den europäischen Alliierten ist wegen der Fiumefrage schon in einen öffentlichen Skandal ausgeaiiet
Demgegenüber sieh! es mit der Einigkeit in Deutschland zur Zest bester aus, als bisher. Richt etwa, daß wir Deutsche schon allzumal und ausnahmslos ein Herz und eine Seele wären: das wäre ja nach den bisherigen Erfahrungen der deutschen Geschichte ein Wunder. Aber es ist schon viel gewonnen, wenn die Gegensätzlichkeit der Parteien in Deutschland eine sichtliche Milderung erfährt und die Zahl der „Opponenten um jeden Preis" sich auf kleinere Gruppen von Außenseitern beschränkt.
Die Auslieferungsfrage hat bei uns sammelnd gewirkt. Allerdings meint die „Kreuzzeitung" noch, .eine mutvolle Regierung, die alles an die Ehre der Nation setze, mußte auch die letzte Note der Alliierten ablehnen". Doch dieser Kampfruf des hochkonservati- nen Blattes und einiger anderer PreMmmen tönt von den vernünftigen Aeußerungen auf der Rechten, die sich entschicken gegen eine „entrüstete, aber völlig nutzlose Lerwerfung" des angckotenen Ausgleichs aussprechen. Unsere Regierung hat zwar keinen vollen Sieg, aber doch einen ansehnlichen und wertvollen Teilerfolg errungen, und dessen Eindruck macht sich westechin geltend auch In denjenigen Kreisen, wo es bisher Regel mar, alles zu verunglimpfen und zu bekämpfen, was Jliefe" Regierung tut.
Auf die Schwierigkeiten und Gefahren, die sich bei oem angebahnten Strosverfahren immer noch ergeben, 'st auch von uns gebührend hingewiesen worden. Diese Lost und dieses Risiko dürfen uns aber nicht abhalten, auf dem vorgeschlagenen Wege des Ausgleichs der Regierung einträchtig zu folgen.
Wem wurde ein wagehalsiger Widerstand nützen? ött erster Linie den französischen Gewalt- Menschen. Die Weigerung Deutschlands würde ihnen das beste Hilfsmittel bieten, um im Obersten Rat wieder die Kampf- und Bernichtungspolitik durchzu- setzen und die Ansätze zur Mäßigung bei chren Veckiin- öeten wieder ersticken. Liegt es etwa in unserem In- iereffe. den Riß m der Entente wieder zu flicken und
Lloyd George auf die Bahnen von Clemenceau und Millerand zurückzudrängen?
In den Streit zwischenW i l s 0 n und der euwpäi- Ekltente wegen Fiume haben wir uns nicht unmit- teckar einzumischen. Wohl aber haben wir ein Inte- reffe daran, uns mit Amerika auf freundlichem Fuße weniger wegen der zweifelhaften Persön- lichkeü Wilsons, »er ja so wie so bald vom Amte und
Schauplatz der Weltgeschichte scheiden muß, al» aus Rücksicht auf die Volks st immung in Ame- rtfa, die zwcifelos nach Ruhe und Hondelsfre-Heit oer- langt. Wenn Deutschland die angebotene Verständigung °blch.n-m oder bei der Durchführung sabotieren wollte, wurde man uns die Schuld an der weiteren Frie- dens- und Geschäftsstörung ?u-chreiben, und Diu:fch. lack wurde sich neuerbings Mißtrauen und Haß zu- yCyen.
• Vertragsbruch der Franzosen in OSerschlesten. Die Besatzungstr,ippen in den Abstimmungsgebieten hoben nach dem Fnedenkveriraq nur für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Weitere Rechte haben sie nicht. Trotzdem tagt, wie schon gemeldet, in Gleiwitz ein französisches Miliiärgericht, um über oberschlesische Bürger Recht zu sprechen. Devische Demon- firaufen sind in großer Anzahl verurteilt worden, polnische freilich nicht. Die Urteile haben in der Bevölkerung starke Erregung bet borgerufen. Es handelt sich hier um eine ganz empörende Verletzung des Friedensvertrages durch Die Franzosen. D«e Reichsregierung bat bei der Ententekommiffion in Berlin und beim Obersten Rat in Paris scharfen Protefl eingelegt.
* Tas Flensburger Tageblatt wurde auf Anordnung der internationalen Kommission toefien einer sich gegen die Dänen richtenden harmlosen Lokalnotiz verboten.
_♦ Die Deutschen in England. 13 766 Deutsche befinden sich gegenwäitig in England. Ausweisungen auf Grund des Ausländergesetzes vom Jahre 1919 haben nicht stattgefunden.
* Noch immer Gefangene in Rumänien. Aus einem der „B. Z." zur Beifügung gestellten Brief eines deutschen Gefangenen in Bukarest ist zu ersehen, daß von den ursprünglichen 6000 Gefangenen sich noch immer 900 Hinter dem Stacheldraht befinden, obwohl schon 12 Gefangenenzüge nach Rumänien gefandt worden sind. Grund: Immer wenn ein Gefangenenzug ankommt, arbeitet die Bestech,'.ng und stait der Gefangenen fahren rumänische Z vilisten nach Oesterreich und Deutschland, um ihre Gesckäfre zu besorgen. An sich ist die Behandlung der Gefangenen nicht mehr schlecht, aber es muß etwas geschehen, um ihnen die Freiheit wiedetzugeben.
Begünstigung durch Erzberger konstruiert, nur teeil Erzberger mit tem Firmmiuhabcr befreundet ist, zeigt, auf welchsr Höhe diese Art von Angriffe steht. Auf diese Weise käme man alsbald dahin, zu behaupten,: daß es überall, wo heute noch Firmen über Vermögen verfügen, mit unrechten Dingen zugehe, uck daß Erz. berget dahin!er stecke. Erzbeuger hat diesen Fall reff« los aufklären können und auch die Zeugen haben et»' klärt, daß sie niemals, in geschäftlichen Be. ziehungen zu Erzberger gestanden, oder von ihm Ratschlage finanzieller Art erhalten hätten.
Wie weit wir int politischen Kampf — denn nm einen solchen handelt es sich im Grunde in diesem Prozeß — gekormnen sind zeigt auch der Umstand, daß Erzberger jedes Frübstiick und jedes Mittag, und Abendeffen, das er mit irgend jemand gehabt hat. hochnotpeinlich im Sinne einer „unzuläffigen Vers, mengung politischer uck geschäftlicher Tätigkeit" an. gekreidet wird. Mit solchen Erbärmlichkeiten und Lä. chl'rl'.chkeiteu zugleich sucht ein Staatssekretär des eljek maligen kaiserlichen Deutschland einen Mann politisch unmöglich zu machen, der eine traurige Erbschaft <m.\ türien mutzte die nicht zuletzt mit verschuldet ist durch eben diesen ehemaligen kaiserlichen Staatssekretär.! Darüber muß man sich klar sein, datz dieser Prozeß! ein politischer Prozeß ist und daß es sich bei ihm um nichts anderes als um eine Auseinander, setzung zwischen dem alten und dem neuen System hackelt. Die eitlen Geschwätzigkeiten eines Helsferich mit der allmählich langweilig werdecken Einleitung: „als ich noch im Amte war", oder „zu meiner Amtszeit" fallen einem auf die Nerven. Wan merkt die Absicht und wird verstimmt. Helfferich will nichts anderes, als eine Gloriole um das alte nredergcbrochene Systnn weben, deffen Haupt, träger er kurz vor seinem Zusammenbruch gewesen ist, während^ das neue System als verrucht und korrupt in Gruck und Boden gedonnert werden soll.
Man wird abtvarten müssen, wie weit ihm das gelingt. Aber auf eines muß im gegenwärtigen Augenblick doch schon hingewiesm werden: Auf die Art. wie Helfferich sein Material und seine Informationen er- ballten hat. Immer wieder kommt er mit Briefen: Erzbergers, die nut aus ganz vertraulichen S-t a a t s a k t e n stammen können. Vielfach handelt es fick» bei diesem Material arm photographietLe Briefe. Im Interesse der allgemeinen Sauberkeit, nicht zuletzt ober auch im Interesse des Vertrauens, zur Beamtenschaft bei den obersten Behörden des Reiches uck im Intereffe des Ansehens dieser Beamten ist es bringen?» geboten, daß über diese Dinge Klarheit geschaffen wird. Wie ist es möglich, datz Helfferich und seine Verteidigimg zu solchem Material gelangen tonnen, das nur aus den geheimen Aktenschrau^ kcn in den Staatskanzleieu stammen kann? Wir hoben auch kürzlich g.'hört, daß sämtliche' SteuererIlarungen Erzbergers von den Kröten 1904 bis 1918 von den Originalen photographiert und zur Veröffentlichung in einer Broschüre bestimmt waren. Da geht doch etwas nicht mit rechten Dingen zu. Der Verdacht, daß ein gewisser Teil der Bram, t e n s ch a f t hier Hilfsdienste leistet, um einen unbequemen Politiker los zu werden, oder aber sich an ihm zu rächen, muß aufgeräumt werden, Beamte, die sich aus parteipolitischer Vcrranntheit zu solchen niedenirächtigen Kampsmethoden verleiten ließertz gehören schleunigst an die Lust gesetzt.
Im wesenüichm kommt der Beschluß, der Mtächst allerdings nur auf drei Wochen Gültigkeit haben soll, an deffen Verlängerung wtd Verbesserung aber wohl rucht zu zweifeln tff, darauf hinaus, daß von jetzt an «ne 8^stückige Arbeitszeit im Bergbau Platz greift. Sie deutsche Oeffentlrchkeü wird nicht verfehlen, der Dergarberterfchast ihr- Anerkennung für die Einsicht und das Perständnis auszusprechen, welches sie den Notwendigkeiten unserer Tage entgegenbringt. Diese Anerkennung fft umsomehr am Platze, als ja von der Mehrförderung an Kohlen die Befriedigung der Ve- dürfniffe fm eigenen Lands nicht nur, sondern auch die ErfMimg der vertraglich übernommenen Kohlen- liefenmgspfsichten abhSngt. Auch unsere Landwirt- sck)aft hat von einer solchen Mehrfordening unmittelbaren Vorteil, weil ihr Maschinen, Düngemittel und dergleichen in erhöhtem Maße zugewiefen werden können.
Wenn wie jetzt bei dm Berglrrcken auch anderwärts das Eigeninteresie dem der Allgemeinheit unter« geordnet wirb, dann können wir wieder Hoffnung schöpfen. Dann ist der erste Schritt zum Wie-
Preutzische Landesversammlung.
Am Donnerstag vekhanbelw man zunächst den Ent- 1 warf über die Erhöhung der EifenbahnstachlzufchlSge im Güter- und Tiewerkchc um 100 Prozent.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Oeser, begrstu-- Ibete den Entwurf mit den riesigen Materialpreizsteigs- rungen und Lohnerhöhungen, die der Eismbohn einen Fehlbetrag von 6698 Mill, verursacht hätten. Den Fehlbewag müßte di« Eisenbahn möglichst selber decken, darum bleibe nicht» anderes übrig, als das sehr unerwünschte Mitt«! der Tariferhöhung. Besonders bemerkenswert ist die Mitieilmrg des Ministers, daß die Eisenbahrwerwaltung neuerdings auch zur Derwensung von Koks neben Kohlen übergegangen fei, obgleich die Derfeuerurrg von Koks in Lokomotiven als durchaus un= wirtschaftlich bezeichnet werden müsse. Aber die Kohlew- notl Dabei stellte die lOOprozentige Tariferhöhung, wie ste heute oorgeschlageir werde, durchaus noch keine voll-- güüige Anpassung an die allgemeine Preiserhöhung dar. Die Eisenbahnverwallung nehme Rücksicht auf dos Wirtschaftsleben, verhehle sich aber nicht, datz mit der Fracht-- steigerung auch wieder die Warenpreise und damit di» Kosten der allgemeinen Lebenssühnmg steigen werden. Die bekannt« Schraube ohne Ende.
In der Aussprache trat der Gedanke in dm Doider- grurö, datz die Ausgaben der Eisenbahn durch dl« Eiunohmen gedeckt werden müssen, daß man aber auf der anderen Seite in den Tariferhöhungen auch einmal em Ecke scheu wolle. Bor allem solle man die 4. Klaffe schonen. Die Vorlage wurde dem Haushaltsausschutz überwiesen.
In der Debatte über die Ellernbelrrrlswahlen, bte dar auf fortgesetzt wurden, betonte Abg. Gottwald (Ztr.), datz die Idee der Elternberräte einer alten Forderung des Zentrums entspreche. Der Erlaß des Ministers müsse aber in mancher Beziehung abgeändert werden. Der Sozialdemokrat Haller erhob ein Angstgeschrei, daß die Schule „zu Instrumenten der Kirche und der Geistlichen gemacht" würden, während Frau Arendsee von den Unabhängigen sich den Dank der Schuljugend zu erwerben suchte, indem sie Schülerröäte forderte, die neben bte Elternräte gestellt werden müßten und den Schulunterricht beausfichttgen tömüen. Damit schließt die Besprechung. Die Abstimmung erfolgt heute.
Ein Antrag Dl Friedberg (Dem.) auf Vorbereitung eines Gesetzes über die Vorlegung von Baulaften- büchern wird einstimmig angenommen.
Es folgte die Beratung der Verordnung vom 16. November 1918 über die Auflösung des Abge. or d n e te sth au ses und die Beseitigung des Herrenhauses, die der Verfassungsausschutz zur Annahme vorschlägt. Ministerpräsident Hirsch mackste bei dieser Gelegenheit Mitteilung über diie Vorlarbeiten zur neuen Verfassung. Vor der Auflösung solle die Landesveffammlung noch einige nichtige Gesetze zur Durchführung der Demokratisierung erledigen. Die Verordnung wurde gegen die Sttn»- men der beiden Siechtsparteien genehmigt.
Nächste Sitzung: Freitag.
Aus de« besetzten Gebiet.
Die fronzöfische Gewaltpolitik in Saarbrücken. nrariSSttbci bringt in den Saorzeitungen durch öfferrt- Itche Kerapntmachungen schon zum drittenmal der Be- vStkernng die lSeftimmungen be« Belagerungszustände« „in Erinnerung'. Unter den Bestimmungen befindet sich auch dt« Warnung, datz sich die Einwohner nickt an den fenstern, die nach ber Straße zu liegen, zeigen sollen, da das Militär Befehl habe, auch auf Schatten an den Fenstern zu schießen. Diese Bestimmung erregt natürlrch neben dem Verbot, Spazterstöcke zu tra- gen, die ebenfalls a!« Waffen gelten, größtes Aufsehen
Französische „Sultur'-Taten. In welch unglaublicher Weise mancherorts französische Truppen während ber Besetzung mit deutschem Eigentum geschaltet und gewaltet haben, davon kann das Schloß Braunshardt bei Darmstadt ein Sieb fingen. Es bietet ein Bild schauderhaftester Verwüstung. Die ganze kostbare Ein. richtung deS DchloffeS ist ein Trümmerhaufen Die Möbel sind zumeist zerschlagen. Von Ledersesseln ist da» Leder oogeschnitten, au« eingelegten Tischen sind die Einlagen ouSgckrochen worden. Bilder von Zkunst- wert find verschwunden, ebenso alle Antiquitäten. Sämtliche Lorhän-e und Stoffe wurden entfernt GlaSsachen und alles Silberzeug ist entwsder zerschlagen oder weg. geschleppt worden. Am schlimmsten ist der Bibliothek mitgespielt worden. Ter Besitzer, Professor von Bam» berg, schätzt seinen Verlust an Büchern, die zum Teil unersetzlich find, auf etwa 30000 Bände. — Hier ist nicht non Plünderung im Kriege, sondern tm Frieden die Rede.
Polnische Wirtschaft.
®8. kvird neuerdings diel iahen gesprochen, daß ine Stimmung der Bevölkerung in Oberschlesien immer mehr zugunsten deS polnischen Staates Umschlag. Zeitungsmeldungeu aus dem Osten behaup- ren logxn-, es sei heute schon im oberschlesischen Ab. stimmunsSgebiet eine polnische Mehrhelü Vorhäuten. .