47. Zahrg
Donnerstag, 19. Zebruar 1920
Nr. 41
mit
vor.
das das
„®5 ist dir Heimat," sagte er leise.
„D nein, nicht weil es die Heimat ist," entgegnete sie und warf trotzig den Kopf zurück, »weil es schön ist."
„D ja, weil es die Heimat ist," miede, holte er nachdrücklich; „die Heimat ist immer schön, immer am schönsten auf der ganzen Welt; man ist ja ein Stück von ihr und man liebt sie, wie man sich selber liebt. Darum aber darf man doch ein offenes Auge haben für die Schönheit des fremden Londes. Kennen Sie das schöne Gedicht von Seidl: An mein Vaterland?"
Sie verneinte stumm und er sprach es ihr halblaut
Landwirtschaftsminister Braun hat dor einiger Zeit an sämtliche Preußischen Landwirtschafiskammern
Etwas sedoch war trotzdem in ihr geblieben von der Scheu, die ihr jene ersten jungen Damen eingeflößt batten:
Pomearcs setzte Präsidenlenrede.
Poimare, der am Dienstag dir Präsidentschaft der französischen Republik seinem Nachfolger Dechanei übergeben mußte, hat in Verdun seine letzte offizielle Rede
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Und als die Schlußstrophe
Und als ich in der Fremde Geseh'n, gesithtt, erkannt, Ist nur ein gold'ner Reifen Um Deinen Diamant
ihren Verwandten und einigen jungen Leuten einen Ausflug nach Mödling machte; der Tag mar herrlich und Mimi war ganz m staunendes Schweigen versunken über die entzückenden Silber, die sich ihr boten. Man war zur Burg Mödsing emporgeftiegen, die ihr von unten aus sehr hoch erschienen war; nun war sie überrascht, daß sie oben stand, ohne das Steigen eigentlich gemerkt zu haben. Gustavs Freund, Heinrich, der sich auf diesem Ausfluge sehr um Mmi bemüht hatte, trat mit ihr zu den Fensteröffnung«, der Ruine und zeigte ihr, wie man aus jedem Fenster ein anderes Bild sehe und es einem schwer würde zu sagen, welches am schönsten sei. Don dem prachtvollen Herbfthimmel hoben sich die umliegenden Höhen so kl« und scharf ab, daß man meinte, die Radeln der Bäume darauf zählen zn können; hier sah man hell den Husarentempel schimmern; aus der anderen Seite ragten die trotzigen, grauen Felsen der Klause und unten lag die wohlgepflegte Promenade, die samtig grüne Meiereiwiese.
„Wir Wiener sind zu beneiden," sagte der junge Mann, nachdem er Mimi olles erklärt hatte; „eine halbe Stunde von der Großstadt weg und wir stehen mitten In einer Landschaft, die alpinen Charakter trägt und die alle Reize vereinigt, die man sonst einzeln aufsuchen muß: Wälder und Wiesen, schroffe Felsen, malerische Ruinen und das alles auf bequemen Promenadenwegen zu erreichen. Ich habe die Alpen durchwandert, habe Schönes und Gewaltiges gesehen, aber deshalb habe ich die Freude an diesem Juwel nicht verloren; wir Wiener Nkfcn stolz sein auf die Umgebung unserer Stadl."
Da wallte in Mimi etwas auf wie schmerzlicher Trotz; es war ihr dies Lob wie ein versteckter Angriff auf ihre i Heimat, wie eine Geringschätzung derselben.
f „Bei uns ist es auch schön," sagte sie schnell: „anders ! schön wie hier, aber doch sehr schön. Am Abend, wenn die Sonne hn Sinken und die Lust so klar ist, daß man »veilhin sthen kann, viel weiter als hier, ganz ins Unendliche, weil die Serge nicht im- Wege stehen — o, das j ist auch schön."
verklungen war, da rang sich ein Laut von Mimis Lippen, halb Seufzer, halb Jauchzen. Wenn sie jemand gefragt hätte, was dos gewesen sei, dann hätte sie wie der eiserne Heinrich im Märchen sagen müssen: es ist ein Band von meinem Herzen.
Denn wie eine eherne Fessel hatte in der Tat ein ellsames Gefühl ihr Herz bedrückt, em heimliches, halb unbewußtes Wehren gegen den Zauber, den die sonnige Kaiserstadt, das Leben und die Menschen darin ans sie ausübten; es war ihr immer wie ein Unrecht gegen die Heimat erschienen. Und die Worte des Gedichtes "waren eine Befreiung aus dem Bann gewesen; sie fühlte, daß dies für all« Zukunft die Zauberformel fein werde, die jeden ähnlichen Zwiespalt in ihrer Seele lösen mußte. Leise wiederholte sie die Strophe und reichte dankend Heinrich die Hand.
Mit anderen Augen sah sie von jetzt an die Schätze, die ihr die Fremde bot, es war ein freies, frohes Genießen, kein kleinliches Vergleichen mehr, und die Worte, bte ihr so ins Herz geklungen, setzte sie an die Spitze des Briefes, den sie am Abend nach Haufe schrieb und auch dort wurde das Dichterwort gerührt und andächtig nachgesprochen und mit stolzer Freude empfunden.
Roch eine andere Folge hatte die Episode auf der Burg Mödling; Gustav hatte die ernste Zwiesprache seines Freundes mit Mimi beobachtet und hotte auch die seltsame Veränderung wahrgenommen, die mit dem Mädchen plötzlich oorgegangen war, sowie das herzliche Vertrauen, mit dem es von dieser Stunde an Heinrich entgegenkam. Aus
gibt, und es wird selbstverständlich Me SeroelsantrSge der Entente genau zu prüfen haben. Nötig wird es freilich fein, die Zahl der höchsten Richter bebeutenb zu vermehren, um diese außerordentliche und umfangreiche Ausgabe zu bewältigen.
Zur Borgeschichte des Umschwunges der Entente.
Der Berliner Korrespondent der „Basler Nachr." erfährt aus diplomttischen Kienen, daß die Nachgiebigkeit der Entente nicht allein durch Berichte bewirkt wurde, die von der englischen Militär» Mission in Berlin nach London gesandt worden sind, sondern auch durch einen sehr energischen Schritt der Bereinigten Staaten von Amerika. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nämlich der Friedenskonferenz in London gleichzeitig mit der Note über Fiume und der Lösung der Adriafrage auch eine Note über die Nuslieferungsangelegenheit zugestellt, in ter darauf hmgewieseu wurde, daß es dringend notwendig fei, Sorge zu tragen, daß in Deutschland die innerpolitischen Verhältnisse nickt weiter verwickelten. Die amerikanische Note enchielt klipp und klar die Drohung, daß Amerika sich von den europäischen Angelegenheiten gänzlickzurückziehen werde, salls die Entente nicht geneigt wäre, nachzugeben.
Für das plötzliche und vollkommen unvermittelte Dazwischentreten der Vereinigten Staaten soll die Haltung der südlichen — Getreide exportierenden — Staaten (Texas, Florida usw.) maßgebend gewesen sein. Die Berliner „Nat.-Ztg." berichtet:
Die Vertreter dieser Staaten sind in Washington vorstellig geworden und betonten, daß die amerikanische Getreideausfuhr einen weiteren ungeheuren Schaden erleiden würde, wenn die gegenwärtigen Verhältnisse in Europa, besonders aber in Deutschlands eine neue Umwälzung erfahren würden. Die Südstaaten haben ungeheure Vorräte an Getreide und Mais liegen, die sie nicht exportieren könnten, wenn es in Deutschland wegen der Auslieferungsangelegenheit zu neuen Unruhen käme. Die amerikanische Regierung sah sich daher veranlaßt, in London auf die Notwendigkeit hm. zuweisen, die Ruhe in Deutschland aufrecht zu erhalten.
Aus derselben Quelle will das genannte Blatt erfahren haben, daß die amerikanische Regierung infolge des Dvrstelligwerdens der südlichen Staaten beschlossen hat, den amerikanischen Ectreideexporteuren gegenüber die Garantie zu übernehmen, daß Deutschland die amerikanischen Lieferungen bezahlen wird. Durch diese Garantie soll es Deutschland ermöglicht werden, trotz des schwachen Standes seiner Valuta Lebensmittel in großenMengen zu be- ziehen.
Das Verfahren gegen die Beschuldigten.
Das Neichskabinet hat sich gestern mit der Note der Alliierten in der Auslieferungsfrage beschäfiigt. Eine Veröffentlichung über das Ergebnis dieser Aussprache ist nicht erfolgt. Daraus darf man wohl schließen, daß die Reichsregierung bereit ist, sich ohne weiteren Notenwechsel mit der durch die Antwort der Entente gelckaffenen Sacklaae abzufinden. Das R e i ch s g er i ch t wird also nunmehr mit seiner Spruchtätigkeit beginnen können, sobald die Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Nicht ganz einfach ist das Prozeßverfahren selbst. Schwierigkeiten liegen in der Beschaffung des Anklagematerials und in der Art der Vernehmung der Zeugen, die sich ja meist im feindlichen Ausland befinden. Rückfragen bei den Alliierten werden dazu notwendig fein und über manche Streitfrage wird nur im Wege des Ausgleichs eine Verständigung erzielt werden können. Schon heute läßt sich übersehen, daß das Verfahren bei der hohen Zahl der Angefchuldigtrn geraume Zeit in Anspruch nehmen Mrd.
Es ist in Londoner und Pariser Zeitungen bezweifelt worden, daß eine Aburteilung durch das Reichs, gericht möglich sei, weil das deutsche Strafrecht den hier in Betracht kommenden Verhältniffen nicht vollkommen Rechnung trage. Diese Presse-Aeußerungen scheinen auch den Vorbehalt in der Entente-Note ver- anlaßt zu haben, bei nicht genügender Strafe die Sache selbst verhandeln zu wollen. Zu solchen Befürchtungen liegt aber gar kein Anlaß vor. Das deutsche Strafrecht ahndet die Ueberfchreitung der Amts- gewalt mit voller Strenge, vorausgesetzt natürlich, daß sie überhaupt stattgefunden hat. Auch das Reichsgericht kann ein Strafverfahren nur einleiten, wenn die Umersuchunug hinreichende Vslastungsbeweise er»
dem Schmerze aber, mit dem ihn diese Beobachtung er- füllte, erkannte er, wie teuer ihm die kleine Base geworden war, von beten Existenz er cor wenigen Monaten noch keine Ahnung gehabt hatte.
Seine eifersüchtige Regung verflog Indes wieder, als er sah, daß Mimi trotz 6es reichen Lebens, bas sie auf einmal um flutete, nichts Lieberes kannte, als bie Abende, an denen fit drei allein waren. Da wurde dutchgefpro- chen, was jedes tagsüber erlebt hatte; am meisten hatte natürlich Mmi zu berichten, denn ihr war ja alles neu und erschien alles wichtig. Sie beobachtete gut und hatte eine frische Art zu erzählen; so unterhielten sich ihre Haus, genosien prächtig bei der Schilderung ihrer Erlebnisse im der Kkaoierstunde, in der Schneidereischule, hn französischen und englischen Konversationskurs. Auch sprang ihr schon ab und zu ein bißchen Wienerisch über bie Lippen, fein Gassenkmbemvlenerisch, aber doch Wienerisch; insbesondere waren es bie anheimelnden, schmeichelnden Dimiimtite, als deren ersten und liebeften sie schon zu Hause bas Wort „Gusterl" fernten gelernt hatte. Und seit jenem Gespräch auf der Burg Mödling hielt sie es auch nicht mehr für Baterlanbsnerrat, wenn sie Knöpfet!, Danderk, Schach- terl ober Wäscher! sagte; bas Wienerische aber stand ihr allerliebst.
An ben Hmisabenden warb über alles gesprochen, was man bunt) Bücher, Zeitungen, im Theater ober in Ausstellungen erfahren und gesehen hatte und woran man persönlichen ober sachlichen Anteil nahm. Unb bei biefen Gelegenheiten war es, wo Mimi bie Tante bewundern lernte, die schlichte Größe dieser Frau, die sich so einfach gab, bie sich immer bcm Tone der Gesellschaft, in der sic eben war, anpaßte, immer unter ihresgleichen zu sei« chien und in Wirklichkeit immer hoch über allen ander» tanb.
Das fühlte man erft nachher, wenn sie über alle Ding« imb Menschen sprach. So klar unb ruhig war ihr Urteil, so miß) und nachsichtig; allem Uebcrmaß brach sie die Spitze ab, was Mimi gegenüber sehr oft nötig war. Bei der lag alles gleich nebeneinander, Berounberung unb Verachtung, Empörung unb Mitleid; ein Wort konnte ie vom einen zum andern bringen; bas alles in ruhige Bahnen zu lenken war Aufgabe der Tante. Und sie erfüllte diese Aufgabe in so wohltuender Weise, daß das junge Mädchen manchmal meinte, bie lante anbeten xe müssen.
^Fortsetzung folgt);
zurückging, tmb andererseits versucht würbe, hn Schleichhandel höhere Prise zu erhalten, um die Un- lofl'n decken zu können. Bisher wurde der Landwirt, schäft dadurch entaxgenztckommen versucht, baß man vcrschiebenavtig gestaltete Prämien fest setzte. Dieses Prömiensystem konnte aber nur bewirken, daß bie ton- bffnbenen landwirtschaftlichen Produkte ab geliefert wurden, während auf den Anbau damit kein Anreiz atüsgeübt wurde. Tie Landwirtschaft selbst war kein Freund der Prämien, wenigstens nicht die Landwirte, die stets ihre Pflicht der Allgemeinheit gegenüber getan haben. Die pünktlich ablicferten, hatten oft das Nachsehen, oder aber bie Prämien mußten auch für die Produkt« gewähtt werden, bie bereits abgeliefert waren. Das hat bei vielen Verbitterung ausgelöst. Dieses Mal fetzte man die Preise frühzeitig fest, um einen Anreiz für verstärkte« Anbau zu geben. Die Landwirtschaft ist jetzt in die Lage v-rsetzt, sich bie nötigen Arbeitskräfte, Maschinen unb Düngemittel (soweit sie natürlich vorhanden finb), zu beschaffen, weil fie weiß, daß der Anbau sich auch bei ben gesteigerten Produktionskosten noch rentiert.
Wenn wir hn neuen Erntejahr nicht ben völligen Zusammenbruch tmfer'r Ernährungswirtschaft erleben wcDn, dann heißt es fetzt, alle Möglichkeiten au»- mchen, die Produktion zu steigern. Mir stehen heute weit schlechter da, als hn Frühling 1919, obwohl damals erst seit kurzer Zeit die ®affen ruhten. Wir wissen heute noch nicht einmal, ob die ländlichen Arbeitskräfte wirklich überall in vollem Umfange vor. Händen sind. Und dabei geben bte Zwischenfälle in Pommern und in anderen ländlichen Gebieten aus der vorjährig?» Ernte zu denken!
In unserem Bezirke, wo bie Bewirtschaftung mit eigenen ober doch nur wenig fremden Kräften vorwiegt, sind fa Störungen nicht in dem Maße zu befürchtens wie in den Gebieten d(S Großgrundbesitzes. Gerade darum darf man aber von ben Landwirten unserer Heimat erwarten, baß sie olles tun was in ihren Kräften steht, um die bittere Not von uns fernzuhasten. Ve. sonderer Mahnung bedarf unser heimischer Sauern« stand ja nicht, er besitzt die Liebe zu unverdrossener Arbeit, die ihn au3 dem Boden heraiusholen läßt, was herairszuholen ist, er fiat auch genügend Verantwortungsgefühl, das Kn feine Pflicht ter Mgemeinfieit gegenüber erkennen läßt. @g kann aber gar nicht scharten wenn er sich unnachtsichilich klar macht, wie schlimm es mit uns steht, daß nur die denkbar größte Steigerung der Produktion unb die Ab- lief erung der geernteten Produkte so- Wohl jetzt wie hn neuen Wirtschaftsjahr bie schwere Bedrängnis mildern kann. Wer auch die arbeitenden Schichten in der Stadt müssen bedenke«, daß eine Steigerung der Produktton auf dem Land nur möglich ist, wenn die Industriearbeiter genügend Waren Herstellen, nicht mir Geräte imb Verbrauckswaren für die Landwirtschaft, frmitern überhaupt Produkt«! für di« Erhaltung unseres ganzen Wirtschaftslebens. Bricht es zusammen, dann fehlt den, Landwirt bet Ansporn, für den Verkauf zu produzieren, et wird dann nut soviel ziehen wie er zur Befriedigung der Bedürfnisse feiner Familie nötig fiat. Die Rettung unserer Ernäh- tnngSwirtschaft ist nur möglich bei angestrengtester Ar. beit bet Dauern und der Städter. Wir müssen uns klar. werden, daß wir mit Hilfe unseres Berges von Papiergeld nicht aus dem Sumpf herauskommen. Das Banknoten-Gebirge mag sich bestechend auSnehmen, aber es trägt keine Arche Noah, in der wir vnS ans der Flut des Verderbens retten konnten Wir sind soweit mit unseren Vorräten im Rückstände, daß nur eine ungünstige Witterung zu kommen braucht, und wir wissen nicht mehr aus noch ein. Darum alle verfüg' baren Arbeitskräfte heran znr Rettung von der Hun. gerSnotl • ,
einen Erlaß gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß eine nachhaltige Besserung unfern Ernährungslage nur möglich ist durch die Hebung der land- wntschafllichen' Erzeugung. Gleichzeilig aber wiid ben Landwirten dringend ans Herz gelegt, aus freien Stücken heraus das Letzte abzuliefern, um die Ernährung unseres Volkes über die kritische Zeit bis zur Einre hinaus sicherzustellen und bannt das Schlimmste abzuwenden. In dem Erlasse heißt es:
.Wenn auch oie letzte Störnerernte verhältnismäßig gut ausgefallen rst, so hat doch bie Ernte in Hackfrüchten infolge der ungünstigen Wetter- und Wirtschaftsver- hältnisse stark gelitten, sodaß die Versorguu; der groß, städtrschen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sich immer schwieriger gestaltet. Körnen wir bie Ernährung unseres schwergeprüften Volkes bis zur nächsten Ernte nicht sicherstellen, dann ist ein SBieberauibau unseres Wirtschaftslebens unmöglich und der Zu» sammenbruch unvermeidlich. Diese Katastrophe muß abgetoenbet werden unb sie kann abacwendet werden, wenn das Volk in allen seinen Schichten sich des Ernstes der Situation bewußt wirb und einmütig zusammenwilkt, um die kritische Epoche zu überwinden, die Deutschland jetzt durchmacht. Eine nachhaltige Besserung unserer Ernährungslage ist einzig und allein durch die Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung zu erzielen. Ich kenne und würdige die Schwierigkeiten, die in landwirtschaftlichen Betrieben jetzt obwalten und bin unablässig bemüht, auf ihre Milderung und Beseitigung hinzuwirkcn und alle zuständigen Stellen des Reiches und des -Staate» für die weitgehendste Förderung der landwirtschaftlichen Er- zeugung zu interessieren. Wir müssen im Lande das Letzte noch zusammen raffen, um unser Volk über die schwerste Zeil Hinwegzubringen."
Der Minister verweist auf die Schwierigkeit der Bersorgun g der g r o ß st ä d t i s ch e n Bevölkerung. Die Sache ist noch schlimmer, selbst in Mittelstädten wie Fulda, steht die Brotversorgung vor dem Zusammenbruch. Tas zeigt deutlich, wie dringend notwendig die Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung und die Ablieferung der irgend entbehrlichen Nahrungsmittel ist.
Verantwortlich für den rebaltioneUen Teil: Karl Schütte, : für die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. -
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeret In Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Die ErnLhrungswkrtschaft.
Die Schnellpressen auf denen das Papiergeld ge. fcuett wird, haben Tag und Nacht zu tun. Aber auch mit Tauscndmarkscheinen kann man kein Mittagessen fodjeit, wenn bie Zutaten für tie Küche fehlen. Trotz aller hohen Gehälter und Lohne ist der Hunger nicht von der Tür abzuwehren, wenn Kartoffeln und Brot, van anderen Lebensrnitteln gar nicht zu reden, fehlen. EZ ist höchste Zeit, daß Vorsorge getroffen wird für di« unumgängliche Vermehrung dies KavtofselbaueS, bie kräftige Forderung des Getreidebaues.
Wie stehen wir heute da? Wir habe« ht Sattof» fein unt Korn ein Minus und die größte Sorge, tote jtfr unS bis zur neuen Ernte durchschlagen. Wir jjaben auch kein vollwertiges Geld, um aus dem Aus- fati* M kaufen. Di« Gatreidebestellung hn letzten Herbst fiat unter dem frühen Muter sehr gelitten. Der noch mehr muß ersetzt werden. DaS wette Kar' toffdgebiet des Ostens Ht zum erheblichen Teil an Boten gefallen nach Ostpreußen, soweit eS deutsch geblie. ben ist- wird der Verkehr durch polnische Maßnahmen sehr behindert. Auch in den noch ausstehende« W. NnrnnmgKgebieten sind Hemmnisse vorhanden, und bas fruchtbare Nords-bLeÄvig 'st uns verloren. Dabet ssnd den Schwerarbeitern ncch v- stärkte LebenSrnMelra'i»- nen versprochen worden. Wie soll das alles 6etöafft »erben? Wir müßten bald nochmal fotnel ernten tote 1919, unb dazu gehört viel Borfierethmg.
Ein Schritt dazu ist dieser Tage gemacht worben tot» die Aufhellung des WirtsKaftSp laues für das kommende Erntesahr Di« Eutscheidimy geht 6dkmnÄi* dahin, baß fite Brotgetreide und Kartoffeln auch im neuen WirtschaftSiafire bte ZmangSbetoirtschastung bet behalt en werben soll. Ter Hafer, der in letzter Zeit frei war. Wirb wieder in die ZwangSbetotttschastung einbezoge«, Todainn wurden folgende Mindestpreise festgesetzt: kür Weizen 55 Mk. her Zentner = IWO pro To., für Roggen 50 Mk. der Zentner = 1000 Mk. pro To., für Gerste unb Haler 45 Mk. der Zentner ist = 900 Mark pro To., ffir Kartoffeln 25 Mk. der Zentner ist -- 500 Mk. pro To.
Die Lanbwittschast weiß jetzt, woran sie ist. Sie tarn jetzt kalkulieren. Die Vertreter der Lanbwittschast haben zwar besonder« fite Getreide noch West höher« Preise verlangt. der Forderung wurde jedoch nicht üattgegchen, einmal, weil man den jetzigen Mindestpreis für ausreichend hält, nicht nur die Produkttons. Wen zu decken, sondern noch einen angemessenen Gewinn zu erzielen, imb dann auch, weil man Rücksicht zu nehmen hat auf die Versorgung der Städte. Berglet- &n wir Me letztjährigen Preise mit bett soeben festgesetzten Preisen, dann ergibt das für Getreide eine Preiserhöhung auf mehr als da» Doppelte und für i Kartoffeln auf mehr als das Dreifache. Berücksichtigt man ferner, daß bas garantierte Mindestpreise finb, und daß es nicht ausgeschlossen ist, daß je nach dem Ausfall bet Ernte und der weiteren Steigerung irr Produktionskosten kurz vor bet Ernte bie Höchst, preife noch übet tie fetzt geltenden Sätze hinaus festgesetzt werden, bann kann man sich selbst ausrechnen, um wie viel teuerer die Kartoffeln, das Brot unb d'e Mhrmstel den Konsumenten zu stehen kommen. Diese erhebliche Belastung der Konsumenten wird wi der Au. laß zu neuen Lohn- unb Gehaltsforderungen oder Teuerungszulagen sein. Trotz allem haben sich bie maßgebenden Instanzen den von bet Landwirtschaft targettagenen Gründen über bie Rv Wendigkeit einet erheblichen Preiserhöhung nicht verschließen können. Tie Produktionskosten sind' besonders durch das Hin. auflchnellen der Preise für Kohlen, Dünger, Maschinen, Arbeitskräfte und dergleichen so wesentlich gestiegen, daß es bet Landwirtschaft nickt möglich ist, bei den jetzigen Preisen damit auSzukommen. Das war ja auch der Grund dafür, daß infolge her Unrentabilität einerseits die landwirtschaftliche Produktion immer mehr
Der Sänsedoktor.
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Und da waren am Abend em paar junge Mädchen gekommen und sie hatten ihnen in hell« Begeisterung von dem gesttlgrn Theater erzählt; bte aber zogen die Naien m bte Hohe und sanden überall zu tadeln, am Stück unb beet Künstlern. Das Stück war zu sentimental und di« Künstler entsprachen nicht, ber eine schrie zu viel unb d» andere war zu steif, die eine war zu weinerlich und Me ander« so unmöglich stsstett und dies« und jene hatten ihre Rollen nicht tichttg aufgefaßt. Mimi tun verblüfft ®tb kam sich entsetzüch albern vor neben ben Mädchen, bte das fabelten, was sie begeistert hatte: sie blieb auch ben tanzen Abend schweigsam und medee geschlagen.
Aks bie Leute endlich alle fort waten, sagte sie zur «tnte: „Die Mädchen sind wohl alle seht klug, aber ich möchte nicht so klug sein wie sie, da hat man ja an nichts mehr Freude, wenn man alles so kritisiert."
Die Tante strich ihr über das Haar. „Du mutzt das Mcht so nehmen, wie sie's sagen," meinte sie lächelnd, s »Das hören sie so in ben Gesellschaften zusammen unb ■ lagen es nach, weil es ihnen irgend ein Grasfrosch gesagt qK hat, ber ihnen gerade ein bißchen ben Hof macht und sei- aerseits mit feinet^ reifen Urteil prunken will: vielleicht hat «■ ober sie bos Stück gar nicht gesehen, aber wenn sie 63 sehen, gefällt ihnen olles genau so gut wie Dir."
v »Aber das ist fälsch unb frech und anmaßend." rief ®imi empört. „Das ist eine Beleidigung für bte Kunst- •et, bte doch so viel gelernt haben müssen unb sich bann I« verurteilen lassen müssen von jemand, der nichts rer. hchi ob« absichtlich verkennt."
Die Tante lächelte wieder. „Die Backfische beidnlei ^afchlcchis schreiben ja keine Rezensionen und ihr Gericht keineswegs bas Weltgericht; bie Künstler haben feinen ®runb, ber Jugend grom zu sein. Du wirst unsere Sie- Kind« «och von ber enthusiastischen Seite kennen ler- tatt, warte nur. Du bist eben zufällig auf ein paar Exem- Mare geraten, bie sich blasiert geben wollen."
Die Tante hatte recht gehabt wie immer. Mimi lernte ^kkich anbere Machen fernten, die in glühenden Briefen Me Künftlet um einen alten Handschuh baten, was sie Mich wieder nicht begriff. Aber auch solche lernte sie ken- ®en, bie waren wie sie selber: einfach, warm unb herzlich.
Rur ckne Ausnahme
soll das von England angeregte Entgegenkommen der Entente in der Auslieferungsfrage bilden, das wohl, ebenso wie auch die Uneinigkeit der Ententeländer in Weser Frage, auch auf die Stirn» mung in den hohen britischen Offizierskreisen zurück- zuführen ist, die genau wissen, wie es im Kriege wirklich zuging. Daß es sich nur um eine Ausnahme von den Bedingungen des Friedensvertrags handeln soll, die Deutschland keine besonderen Rechte für die Zukunft gibt, hat auch der sehr gemäßigte Lord Curzon im englischen Oberhmise hervorgehoben. Diese nachdrückliche Betonung, daß Deutschland im übrigen den Vertrag zu beobachten habe, bezieht sich auf die Fi- nanzfrage in erster Linie, Sie wird auch in London unliebsam empfunden, seitdem dort die Amerikaner um Zahlung der rückständigen Zinsen gemahnt haben. Da die jetzige Aendcrung in Paris sehr verschnupft hat, wird man in London und in Rom auch ein übriges tun, die Einigkeit einstweilen zu erhalle«.
bte Fmcht als Provinzlerin bespöttelt zu werben, unb tat ihrem frischen Wesen einigen Eintrag. Aber auch sollte anhers werben.
7.
Es war in ben ersten Oktobertagen, als Mmi