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fit. 37.

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Par zell er-Fulda. -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Samstag, 14 ♦ Februar 1920.

Bezugspreis: Monatlich IM Mk. ohne Zustellungsgebühr. " In Fulda bei uns abgeholt 1,40 M. -

Anzeigenpreis: DieKleinzeile (nach Colonebchrist) 50pfg., die Reklamez eile (Textbreite) 17llk., bei Wiederholung Rabatt.

47. Zahrg.

Für die Aufrechterhaltung

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„Das war ein männlicher Entschluß", meinte er aner­kennend, „Du bist ein wackerer Jung«. So was muß nicht leicht fein; ich bin solchen Dingen wohl immer fern­gestanden, aber ich kannte mir -batten, daß ein Künstler, leben viel Lockendes hat und daß man es nicht ohne

in die Bewirtschaftung einbezogen wird. Trotz er­heblicher Bedenken wurden die Mindestpreise, die das Reichswirtschaftsministerium vorgrschlagen hatt^ als angemessen anerkannt. Neber geeignete Formen der Bewirtschaftung auf der Grundlage engsten Zu­sammenarbeitens zwischen den Erzeuger- und den Berbraucher-Organisatsonen sollen sofort Ver­handlungen gepflogen werden.

einer Studentin, der Tochter eines Grubenbeawten aus dem Kreise Saarbrücken, durch einen französischen Sol- baten war von französischer amtlicher Seite glattweg abgestritten worden. Wie nun die von deutscher Seite unbestellten weiteren Nachforschungen ergeben haben, hat tatsächlich ein Soldat der franzöfischen Besatzungs­truppen das geschilderte Verbrechen begangen, imö zwar in einer Weite, wie ste grauenhafter nicht gedacht wer­den kann. Die deutsche Regierung hat die französische Regierung nunmehr unter Vorlegung des vorhandenen Beweismaterials um vollständige Aufklärung der An­gelegenheit ersucht mit dem nmhdrücklichen Verlangen, daß die ruchlose Tat ihre Sühne findet und daß auch d i e Personen zur Rechenschaft gezogen werden, die versucht haben, die Untersuchung des Falles zu un­terdrück en.

* Der Skandal im besetzten Gebiet. Das englische Blatt Manchester Guardian« schreibt in einem Leit­artikel : Eine der drohendsten Erscheinungen in der Laae Europas sei der ständige Druck der französischen Poltftk, um in dem deutschen Rheinlands zu bleiben. Die Lage in dem besetzten Gebiet sei em Skandal. Die deutsche Zivilverwaltung werde mehr und mehr auf dre Seite geschoben, und die LoStrennungSbestrebungen, die bisher keinen Erfolg gehabt hätten, würden fortgesetzt Es sei an der Zeit, daß die Dinge aufhören.

der Zwangswirtschaft.

Der Wirtschaftsrat beim Reichswirt! chaftSmini- sterim nahm gestern zu dem Wirtschaftsplan des Reichkwtrtschaftsministeriums für das kommende Erutejahr endgültig Stellung. Nach eingehender Ans prache, wobei auch Vertreter der Landwirtschaft wiederholt zu Worte kamen, entschloß sich der Wirt­schaftsrat, der Reichsregierung vorzuschlagen, daß die Zwangswirtschaft sowohl für Getreide wie Kartoffeln aufrecht erhalten und daß Hafer wieder

Eine Sieben-Milliarden- Forderung.

Die französische Kommiffion hat jetzt endgültig die zum Unterhalt der Besatzungstruppen und Be­amten in den Abstimmungsgebieten für das Jahr 1920 notwendigen Gelder bewilligt. Danach betragen die Kosten für Oberschlesien 500 Millionen Franken, für Ost- und Westpreußen 475 Millionen Franken. Die Abstimmungsausgaben werden also im gegen­wertigen deu'schen Gelde rund sieben Milliarden betragen. Zu zahlen hat sie das Land, zu deffen Gunsten die Volksentscheidung ausfällt.

Gegen die wilde Einfuhr.

In allernächster Zeit ist eine Verordnung zu er­warten, nach der Waren, für die ein Einfuhr­verbot besteht, beschlagnahmt und zu Gunsten des Reiches verwertet werden sollen. Der Beschlag­nahme verfallen alle Waren, die ohne Erlaubnis seit dem 6. Februar eingeführt worden sind oder etwa noch eingeführt werben.

Aus dem besetzte» Gebiet.

* Lin ungefaßtes französische; verbrechen. Die im Herbst vergangenen Fohres «meldete Ermorduna

Gustav nickt« bestätigend. „Daß ich in diesem Kampfe nicht unterlegen bin, danke ich meiner Mutter", sagte er betnegf. „Ihr feines Verständnis für di« Kunst und ihr liebevolles Eingehen auf alle Regungen meiner Seele haben es mir ermöglicht, daß ich mich zum Verzicht auf das Unerreichbare durchgemngen habe und daß keine Bit- terteit m mir zurückgeblieben ist. In diesen Tag«, habe ich den Wert einer feingestimmten Frauenseele kennen gelernt; eine Frau, die ihrem Sohne das fein kann, was meine Mutter in der schwersten Stunde meines Lebens mir gewesen ist, verdient, die Krone der Schöpfung zu heißen."

Gustavs Augen glänzte«, als er diese Worte sprach, über Mnnis Wangen rönnen Tränen, und Kienholz sagte ganz gerührt: „Sa, sie ist «ine brave Frau, Deine Mut­ter, und sie macht so wenig aus stch und mir hat der Blick gefehlt, um ihren Wett voll zu erkennen; ich bin Dir dankbar für Dein« Worte, Gustav."

Gustav schien erst jetzt diejenigen zu sehe«, zu denen er gesprochen hatte; « gewahrt« Mnnis Tränen und KiknhÄzens bewegte TOte.te und rasch schüttelte er die eigene Rührung ab.

„Um wieder auf das Frühere zu kommen", sagte er lächelnd, „von dieser Künstterzest her ist mir eine gewisse Fertigkeit in mancherlei firmen Handwerksgriffen und ein geübtes Auge für Formen- und Farbenwirkung geblieben. Aus dem Maler und Bildhauer — ich habe mich nämlich in beiden versucht — ist ein Tapezierer- und Dekorateur- dilleiant geworden. Diese kleinen Talente haben übrigens mir selbst mehr Anerkennung und anderen mehr Freude gebracht, als jemals meine künstlerischen Bestrebungen."

Während Minis Tränen noch keineswegs versiegt wa­ren, hatte sich Kienholz non feiner Rührung schon wieder erholt.

„Höre Gustav", sagte er, „da Du so em Tausendsassa bist, könntest Du mir einen Gefallen tun. Ich werde da nun wohl eine Rede halten müffen und ich hatte heute wahrhafttg wichtigeres zu tun und zu denken als das, möchtest Du mir nicht ein wenig helfen? Nicht etwa eine Rede aufsetzen, Gott bewahre! Don einem schlichten Landwirt würde so 'n schwungvoller Klimbim nur be­fremden, aber ein paar Anhaltspunkte gib mir, daran klettere ich schon weiter."

„Na, das ist ja nicht schwer, Onkel", mehrte Gustav. „Es freut Dich, daß Edith, di« heivorgekommen ist, um ‘ier Erholung zu finden, nun außerdem ihr Lebensglück

Deutsches Reich.

** Berlin, 13. Febr. Zum interimistischen deut­schen Geschäftsträger für Argentinien ist der wirkliche Legationsrat Dr. O l s h a u s e n in Aus- sicht genommen.

(*) Inkrafttreten des neuen Tabaksteuergesetzes. In der letzten Sitzung des Reichsamts wurde zum Ausführungsgesetz über die Tabaksteuer mitgeteilt, daß es nicht möglich sei, den Wünschen der Jntereffenten entsprechend das Inkrafttreten des Gesetzes über de" 1. April hinaus zu verschieben. Das Knanzmini- sterium stellte aber in Aussicht, für die Dauer der Zah­lung der Zölle in Gold die Ermäßigung der Steuersätze weiter auszubauen. Es soll auch versucht werden, diese Ermäßigung aus die Zigaretten zu er- strecken. _____

* Ostpreußen. Der Transport der polnischen I Truppen in das bis jetzt noch unbesetzte Ostpreußen hat begonnen.

* Im holländiichen Jndustrierat wurden Klagen darüber laut, daß die deutsche Industrie viele Kontrakte nicht einhalte, obwohl auch die deutsche Regierung die Einhaltung der Lteferungsverträge fordere.

Schwere Unruhen in Saarbrücken? Reisende erzählen, daß in Saarbrücken schwere Unruhen ausaebrochen seien nnd daß in Anbetracht der Lage General Wirbel den Belagerungszustand proklamiert habe.

* Ein neuer Transport von 500 deutschen Kin­der« ist in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen eingen offen, die sämtlich in Arbeiterfamilien Auf­nahme gefunden haben. Die Kinder stammen zum größten Teil aus sächsischen Industriestädten, aus dem Erzgebirge und aus Schlesien.

* Die Festung Berdnn wird wieder ausgebaut. Die Regierung unterbreitete der Kammer eine ent­sprechende Vorlage. Außerdem werden erhebliche Mittel angefordert für die moderne Ausgestaltung der F-stnn^en Tcml, Belfort, Straßbitrn itn* Metz.

* Englische Rechtsprechung. Der englische Matrose, der kürzlich von einem englischen Polizeigericht dem Obergerichtshof überwiesen wurde, weil er am Tage von Scapa Flow einen deutschen Matrosen namens Ebersberg ohne Veranlaffung niederaeschoffen hatte, wurde unter großem Beifall freigesprochen. Die Zeu. genmlssagen hatten keinen Zweifel darüber gelassen daß. der Angeklagte schuldig fft.

gemacht und Mirni fand wieder einmal, daß er furchtbar hübsch sei.

„Ach, Du hast Dich so schön gemacht und ich hab' den alten Lappen an", sagte sie traurig.

„Aber Du bist ja zum Anbeißen lieb darin, Mimerl, sei doch mn ruhig", sagte er und schaute sie zörilich an; „doch ich sehe die Rofe nicht in Deinem Haar."

„Bitte, steck Du mir sie hinein", bat ste; „ich weiß nicht recht, wo ich ste hintun soll."

„Jbmm her, das werden wir gleich besorgen!" Er hieß ste niedeffetzm, lockerte die Zöpfe, die sie etwas zu fest um den Kopf gelegt hatte, stellte ste ein wenig auf und befestigte die Blume. Bei dieser Beschäftigung über­rascht« ihn Papa Kienholz, der ebenfalls feine Toilette be­endet hatte und hierher gekommen war.

„Na, da Höft sich doch verschiedenes auf", rief er en- staunt; „frisieren tast Du auch?" Gustav lachte jwÄ führte Mimi ihrem Papa zu.

»Syfo* ich'» vielleicht nicht hübsch gemacht?" fragte er.

„Hübsch hast Dn's gemacht", bestätigte Kienholz und tätschelt« dabei feines Töchterchens Wange. „Ader sag mal chrlich, Junge, was bist Du beim eigentlich? Tape- zierer, Gärtner, Schanfensterarrangeur, Kellner, Friseur oder was fönst?"

„Bon allem ein bißchen, Onkel", entgegnete Gustav heiter, „aber von Beruf bin ich gegenwärtig Jurist im letzten Jahrgang. Eigentlich hab' ich Künftler werden wollen", fuhr er ernst fort und ein Schotten flog über fern sonst so frohes Gesicht —, „aber in einer schweren und schmerzlichen Stunde hab« ich erkannt, daß ich immer nur em passiver Künstler sein könnte, daß mir nur bie Begeisterung, aber nicht bie Straft für die Kunst verliehen fei. Und da hab' ich mich denn mii festem Entschluß auf- gerafft und habe die KünsUetträimie von mir gewiesen."

Es lag etwas in der Art des jungen Mannes, das auch den nüchternen Kienholz ergriff. War es der uner­wartete tiefe Ernst, war es die Einfachheit, mit der er über eine Sache sprach, die keineswegs so einfach war, kurz, Kienholz schaut« mit plötzlich erwachtem Jnteresie dem Neffen ins Gestcht.

gesunden hat. Vielleicht kannst Du noch etwas von Jugenderinnerungen einflechien, Du hast ja, wie Du er­wähntest, im Elternhause Tante Amaliens verkehrt."

Kienholz schüttelte energisch den Kopf. „Damit ist nichts zu machen", erklärt« er abwehrend.

„Nim, also nicht", fuhr Gustav fort. „Aber da hängt ja doch das Blld von Ediths Großmutter gerade in dem Zimmer, wo bie Verlobung gefeiert wird, wir haben e- fogar bekränzt und es wird sich sehr hübsch machen, wenn Du erwähnst, daß bie Enkelin hier gleichsam unter den Augen der Großmutter dieses schöne Fest feiert."

„Großartig, großartig!" rief Kienholz entzückt. „Du bist «in Prachtjunge, Gustav! Es fft schon genug, ich habe genug für ehre Rede, der Rest ist dann ein kräftiges Hoch; o, bas wird ein prachtvolles Fest werden, ja, der Kienholz läßt sich nicht spotten!"

Er rieb sich vergnügt die Hände und als Frau Detti tu 9)rem vollen Staat« eintrat, lief er ihr entgegen und «mannte sie stürmisch. Nach und nach tarnen sie alle und jetzt erst fanden bie Hausgenossen Gelegenheit, Edith und ihre Mutter zu beglückwünschen; di« beiden letzteren sahen froh und erwattungsvoll aus.

Auch Fritzchen hatte Gala anlegen müffen, was ihn übrigens einigermaßen zu verstimmen schien, denn er bückte mit sichtlichem Verdruß auf seine weiße Matrosen­bluse.

„Na, Fritzel, imarum schaust Du denn Deine schöne Bluse so zuwider an?" fragte Gustav.

-Weil ich doch 6dye(te tri ege, wenn ich sie beschmutze," entgegnet« Fritz; uni) bann, sich feines Grolls gegen Gustav erinnernd, wandte er diesem plötzlich den Rücken zu. „Du hast mich überhaupt nichts zu fragen. Du Grob­sack Du," jagte er keck.

Gustav lachte. „Na, ich will Dir was sagen, Fritzel," mehrt« er gutmütig; „verdient hast Du ja bas gewisse Ding heute reichlich, aber weil gerade ehr Festtag ist, will ich Dich für den Knalleffekt am Vormittag durch einen anderen entschädigen."

Der zürnende Mtz hatte stch schon wieder halb um- gewandt und schielte nach Gustav hin.

„Da hast Du," sagte dieser und hielt dem Shtaben ein paar dünn zusammengedvehte Papierchen mit einem Knöt­chen am Ende hin. Fritz roanbte sich ganz herum.

„Was ist das?" fragte er neugierig und griff schnM nach Heu Peqüerchen.

' Wottsetzung folgt.)!

Prozeß Erzberger-Helfferich.

In der Verhandlung vom Donnerstag handelte es stch darum, ob Erzberger bereits vor ferner Tätigkeit als Schiedsrichter für den Aufsichtsrat der Firma Ber­ger in Aussicht genommen worden sei. Zeuge Set. g e r bestreitet trotz mehrerer Vorstöße von selten Helf- ferlchs entschieden, daß die Wahl Erzbergers zum Auf. sichtsvatsmrtglied vor dem Schiässpruch getroffen wor­den fei, und überreicht zur Aufklärung die schriftliche Einladung an die Wionäre zu der Generalversamm­lung, in den Erzberger zum Aufsichtsratsmiglied ge- wöhlt wurde. Berger bekundet dann weiter, daß er, als er aus der Broschüre Helfferichs den Angriff auf seine Firma erkannt habe, den Angeklagten gebeten habe, feine Behauptungen daß der Schiedsspruch zu- Wnsten seiner Firma gefällt sei, zurückzunehmen, wo. zu er ihm das ganze diesbezügliche Material zur Ver­fügung gestellt habe. Hiervon habe Helfferich jedoch keinen Gebrauch gemacht, Helfferich erklärt, daß er davon heute nichts mehr wisse. Er fügte hinzu: „Ich hätte das Material auch nicht eingejehen, denn ich brauche! es nicht, da es für mich unfehlbar fest­ste h t daß es Pch so verhält." R-gierungAiaurneistsr Hatzki, früher Geschäftsführer der Firma Berger, behmbet, daß trährend der Zett, da die Gerichtssachen liefen, nicht davon gesprochen worden fei, Erzberger in den Aufsichtsrat zu wählen. — Der nächste Zeuge von der Verteidigung Helfferichs geladen, Re,gierungsrat Morgenstern, ehemaliger Vorstand in der Berger- Gesellschaft, bekennt von vornherein, daß er nur Em. pfindungen habe, jedoch an den Verhandlungen nicht teilgenmmnen hübe. Er erklärt, daß man Erzberger, weil er sich für die Kcmalarbeiten interessiert hätt«, zum Schiedsrichter gewählt habe. Von einer Pflicht­verletzung, daß Erzberger zugunsten der Firma enit- schiedc ■ hätte, könne keine Rede sein. Auch wäre es unumgänglich notwendig gewesen daß Er^hergsr we­gen der Schwere der Sterterie häufig informiert werden mutzte. Wohl ist er der Ansicht, daß die Unterrebntt. gen etwas zu oft stattgefunden haben — Exzellenz Spahn führt ans, datz in der damaligen Budgetkcm- misiion ein Schiedsspruch besprochen worden wäre, der

Der Sänsedoktor.

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Gustav deckte auch selber den Tffch, faltete kunstvoll 6ie Servietten, ja sogar in die Küche ging et und hals bie Schüsseln Herrichten; Edith und ihre Mutter durften nicht in bas Erdgeschoß kommen; bie waren feierlich hin- auf verbannt worden. Kieicholz hatte ihnen gesagt, baß Liebhardt für heute geladen fei und daß Verlobung ge­stiert werde; beide Frauen freuten sich wohl herzlich dar­über, aber sie hätten gern bei den Vorbereitungen ge­holfen und langweilten stch schrecklich, weil sie nicht mit» öm durften. Sie benützten also die ganze Zeit, um sich ststlich zu kleiden.

Fritz, den man ebenfalls aus dem Feftramn verbannt hatte, imar empört über diese Zurücksetzung;' sein Groll Segen Gustav, dem er bett unerwarteten Orden für die Heldentat für heute vormittag noch nicht verziehen hatte, wuchs hts Unendliche.

Als alles fertig war, wurden bi« Fensterläden ge­soffen und eine Beleuchtungsprobe vorgenommen, die Äänzend ausfiel; das Ehepaar Kienholz und Frau Emma, man herbeigerufen hatte, fanden das alles feenhaft und Kienholz klopfte Gustav anerkennend auf bi« SchÄter.

-Du bist doch ’n ganzer Kerl, Gustav," sagt« er be­wundernd. Nun ging man an die Toilette; angesichts wunderschönen Zrmmerdekoration tat man auch ein übriges, sogar Frau Betti, die von der Küchenarbett und »er Aufregung des Tages ziemlich müde war, scheute die ^ühe eines sorgfältigen Ankleidens nicht. Frau Emma

«in hellseidenes Kleid an, zu besten Benützung ste “’s jetzt noch gar keine Gelegenheit gehabt hatte.

Ausland.

* Schweiz. Als Nachfolger des BundeSrats Ca- londer wurde der von den bürgerlichen Parteien vorgeschlagene Nationalrat Häberlin in den Bun­desrat gewählt.

** Im englischen Unterhause wurde der Antrag der Arbeiterpartei auf Verstaatlichung de Bergwerke mit 379 gegen 64 Stimmen a bge- lehnt.

** Fünf amerikanische Unterseeboote sind zwischen den Vermuda-Jnseln und der virginischen Küste gesunken.

Eine nnaereckte Aitklaae . eieß bet Unabhängigen zu verhindern. Was wäre

b Ey g . । ,n dresem Falle die Folge für die von der Ausliefe«

' Dem Auslieferungsverlangen der Entente stattzuge« I rung betroffenen Personen gewesen? Die Unabhän- ken, ist unmöglich. Darüber ist sich in Deutsch- I gigen und Kommunisten hätten zweifellos nicht ge- tonb alle Welt einig. I zögert, entweder sie dem Feinde auszuliefern oder

Leider wird die Einmütigkeit beeinträchtigt durch I kurzerhand an die Wand zu stellen. Die Nichtunter» die alldeutsche Preffe, die versucht, ihre Suppe an I Zeichnung des Friedens hätte also keineswegs die von dem Feuer der allgemeinen Entrüstung zu kochen, I der Auslieferung betroffenen Personen sichergestellt, indem sie auf die Reichsregierung hinweist als die- I sondern sie aus das allerfchwerfte bedroht, ja man jenige, die uns in diese böse Lage gebracht tabe. I kann mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß in Hätte dieRegierung nicht dem Friedensvertrag zu« I diesem Falle viele der von der Auslieferung betros- gestimmt, so sagt sie, dann würde man uns heute I fetten Persönlichkeiten heute nicht mehr unter den nicht diese Verpflichtung, bte_ wir unterschrieben I Lebenden jein würden.

haben, unter die Nase halten können. I Von einer Schuld der Reichsregierung uud der

So einfach liegt die Sache doch nicht. Die I Mehrheitsparteien kann sonach in keiner Weife die Rechtspresse beruft sich darauf, daß die Demokraten I Rede sein. Die Zeit hat vielmehr den Beweis er« and Männer wie Scheidemann, Landsberg und I bracht, daß sie r e ch t gehandelt haben. Gegenden andere die Unterzeichnung des Friedens für einen I Sommer vorigen Jahres ist die Gesamtlage int deut- Fehler angesehen hätten und deshalb aus vem Kabi- I scheu Reich eine wesentlich bessere geworden. Das nett ausgeschieden seien. Dem ist entgegen zu Hal- I Reich als solches ist erhalten geblieben. Die Mscht- ten, daß die Demokraten und die Mitglieder des I mittel der Regierung sind gefestigt worden, sodaß ste Kabinetts, die seinerzeit gegen die Unterzeichnung I heute Umsturzversuchen mit Ruhe entgegensehen kann. ■ des - Friedens waren, sich mit der Mehrheit völlig I Die Arbeitslust hat sich gehoben, wie überhaupt in i darüber einig waren, daß die Nichtunterzeich'- I der Masse des deutschen Volkes deutliche Anzeichen »ung des Friedens den sofortigen Untergang I für die Wiedergesundung des deutschen Deutschlands bedeuten würde. Wenn sie trotz- I Volkes auch in moralischer Hinsicht festzustellen sind, dem glaubten, der Unterzeichnung ihre Zustimmung I Demgegenüber steht die Tatsache, daß die Einigkeit versagen zu müssen, so geschah das, weil ste auch I der Entente sich stark gelockert hat. Ste kann es von der Unterzeichnung des Friedens die Abwendung I nicht mit der gleichen Sicherheit wie damals wagen, des Unterganges Deutschlands nicht erhoffen zu I Deutschland aufs neue mit Krieg zu überziehen. Da­können glaubten. Sie glaubten, daß Deutschland I mit soll keineswegs eine Unterschätzung der jetzigen auf alle Fälle verloren sei und daß man I schwierigen Lage ausgesprochen fern. Aber wer die nicht auch noch die Schmach, das eigene Todesurteil I Verhältnisse im Sommer vorigen Jahres und die unterzeichnet zu haben, auf sich laden solle. I heutigen gerecht gegeneinander abwägt, der muß zu-

Die Gründe der Demokraten haben seinerzeit in I gestehen, daß die heutige Lage des deutschen Reiches Weimar keineswegs ihren Eindruck verfehlt. Wenn I eine nicht unwesentlich günstigere ist, als sie es die Mehrheit der Kabineltsmitglieder und der Mehr- I im Sommer vorigen Jahres war. Daß dem so ijt, heitsparteien dennoch schließlich nach schweren I das ist unzweifelhaft ein Verdienst der Retchsregie- Kämpfen, die jeder einzelne von ihnen innerlich I rung u. der Mehrheitsparteien, die Hoffnung auf di» I durchzumachen hatte, zur Unterzeichnung des Friedens I Wiedergeburt des deutschen Volkes nicht aufgegeben I entschlossen hat, so geschah das, weil im Fall der I haben, sondern den Mut beseffen haben, trotz aller I Nichlunlerzeichnung der Untergang Deutschlands I Anfeindungen und Verleumdungen das zu wählen, I unvermeidlich gewesen wäre, während die Un- I was allein bett Wiederaufstieg Deutschlands ermög- I terzeichnung des Friedens immerhin die, wenn auch I liehen konnte.

zunächst nur schwache Möglichkeit bot, den Sturz I o

Deutschlands in den Abgrund zu verhüten. Bet I Verhandlungsbereitschaft bet der Entente.

der Abwägung dieser beiden Möglickkeften hat die m Der Londoner Sonderberichterstatter des Pariser damalige Mehrheit mit vollem Recht diejenige ge-- I ;Tal!n' glaubt zu wissen, daß die Antwort auf wählt, die wenigstens die Aussicht ließ, Deutschland b,e Note der deutschen Regierung vom 25. Januar als Reich zu erhalten. I »war tm Tone fest sei,jedoch Raum für Verhand-

Was wäre denn geschehen, wenn Deutschland den I lungen lasse.

Frieden nicht unterzeichnet hätte? Zweierlei. Ein- I Londoner Konferenz.

mal wäre der Krieg im gleichen Augenblick wieder I Aus London wird gemeldet, daß die Besprechungen I ausgebrvchen. Frankreich hatte beträchtliche Truppen- I der Ministerpräsidenten der Alliierten'in London massen angesammelt, nm den sofortigen Einmarsch Donnerstag früh begonnen haben. Ein amerikanischer in Deutschland zu vollzieben. Es brannte förmlich I Vertreter nahm an ben Verhandlungen nicht teil. Einer darauf, Deutschland militärisch z« besetzen. Im I Reutermeldung zufolge befaßte sich der oberste Rat auch I Osten schwellte das Kriegsfeuer noch weiter und im I mit der Frage der Ausliejerung der „Kriegsverbrecher" I Augenblick der Nichtunterzeichnung des Friedens I und es wurde, so wird weiter gemeldet, in dieser Frage I wäre es zu Hellen Flammen aujgeloderk. Dazu volle Uebercmftimmuiig gegenüber den Vorstellungen I kam die Gewißheit, daß im Falle her Nichtunter- | Deutschlands erzielt.

zeichnung des Friedens es der Entente gelungen fein würde, Süddeutschland vom deutschen Reich loszusprengen und den Westen loSzureißen. Damit wäre der Anfang zur Auflösung des Reiches gegeben gewesen. Aus dieser Situation hätte sich für die von der Auslieferung be­troffenen Personen ganz zweifellos die Gefahr er­geben, daß sie, soweit sie sich in den besetzten Ge­bieten befanden, sofort in dieGewalt der Feinde gefallen wären, soweit sie sich im unbesetzten Deutschland befanden, daß sie vomFeinde selbst ergriffen worden wären.

Das andere, was eine unausbleibliche Folge der Nichtunterzeichnung des Friedens gewesen wäre, wäre das Aufkommen der Unabhängigen und Kom­munisten zur Macht gewesen. Die vamalige Reichs- regier«ttg batte nicht die Machtmittel besessen, den

Mimi hatte ein weißes Battistkleidchen gewähü; es a>ar wohl schon oft gewaschen und nicht mehr besonders hübsch, aber Gustav hatte es gewünscht und so nahm sie die schöne blaßblaue Gürtelschleife, die ihr Tante Emma dazu geschentt, hob das alte Kleid ein wenig. Die Mimi musterte nur ängstlich das Fähnchen und sichte, ob man diesen oder jenen kunstvoll ausgebefferien .v'B nicht sah und dabei gewahrt« sie gar nicht, wie herzig ''E aussah. Die Blum«, bie ihr Gustav gegeben hatte, «Kelt sie in der Hand; die mußt« er ihr selber ins Haar Wen, ff« wußte nicht recht wohin damit. Als sie fertig T01' Sing sie hinunter in die Stube, bie neben dem Fest- ----— —.

emnn lag; Gustav <war bereits dort, er hatte Salontoilette Kampf aufgibt.'