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47. Zahrg.

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Nr. 36,

Kerantworiiid) für den rebanionrllcn Teil: Karl Schütte, : lür die Anteiaen: I- Par zeit er-Fuida 2

Roiaiionsdruck u. 'Leilag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-Adrefle: Fuldaer Z-itung

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Die N Hs! «grenze.

Jeden Tag wird es deutlicher, tvas die Fronzo'en Deutlich wollen: sie wollen 'L orwände schaffen, um b:e jeitwe hpe Annexion des linken Rheinusers in eine baue n?e zu v? wandeln. Ter Parijer «jjiaiin' halte die Lieben-würdigke't, die französischen 'Aar en offen auszudrcken und es oh-e Umicbroeife •tt sagen, daß Frankreich irgend e nen beliebigen Ko'wand zum Anlaß nehme, um vom Rhein nicht wehr wegzugehen. Ter /Katin' kleidet das in folgende biutalcn Worte:

.Die Sache ist ganz klar: Werden die Angeklagten Ml auSceltefcrt, so wird das linke Rheinuser auf keinen Falt geräumt; wild keine Sohle fiehcfeit, yira eS auch nicht geräumt und erhält Frankreich nnht feine Milliarden von Deutschland, so wird das tiuie Rheinuser erst recht nrcht geräumt.''

Man weiß eS nicht erst seit beute, daß das eigentliche Ziel der franrösiichen Poli.ik in diesem Ar,ege nicht so sehr Eliaß-Loihringen als vielm-br die Vortragung der s>anzösischen Grenze biS zum Rhein ström war. Der Rhein soll Frankreichs Grenzebilden.Unterdem ls.Febr. l9l7teiltederfranzö- sischrMinister desAeuHeren dem Botschafier Frankreichs in Petersburg als Fiiedensbedingunaen Frankreichs mit, daß neben der Rück >abe Eisaß-Lothringens und her Erweiierung der Grenzen, dlirch welche das ganze Essenerzrevier Lothringens und das aanze Kohlenbecken deS Saarreviers in Frankreich einv-i- leibt würden, auch „die übrigen linksrheini« schen @- biete, die jetzt zum Bestände des Teilt« schen Reiches gehören» von Deutschland abge­trennt und von jeder politischen und Wirtschaft lichen Abhängigkeit Deutschland gegenüber befreit werden." Das war das Zel, auf das Frankreich schon immer losüeuerie. Dicses Dokumen- ist zwar schon lange in der Oeffentlichkeit bekann', es ist aber norwendig, eS jetzt wieder in Erinnerung zu brinnen. Es ist schon so, wie der ,Malin' sagt: Der Frie- densvertrag hat Fußangeln genug, um uns eine Falle zu stellen. Bei jedem Anlaß, bei welchem sich die Unmögltchkeit der Erfüllung irgend einer der wahnsinnigen Forderungen herausstellt, würden wir gewärtig sein müssen, die Drohung zu hören, daß das Rheinland nicht geiäumt wird.

Man muß sich bet dieser Gelegenheit auch daran erinnern, wie sehr das deutsche Volk belogen worden ist, als es auf die Wilsonschen 14 Punkte hörte, denen, wie uns offiziell durch Lan­sing mitqeteilt wurde, alle beteil inten Mächte zuge- stimmt ha ten. Dabei war es, wie oben dargetan, schon int F.bruar 1917 für die Franzosen eine aus­gemachte Sache, daß sie nicht nur El laß, die loth­ringischen Erzgebiete und das Saarrevier, sondern auch das ganze linke Rheinufer haben müßten. Wir ober, die wir auf die W:l onschen Punkie und also auch auf hie Annahme des Grundsatzes des nationalen Selbstbestimmungsrechtes vertranten, sind wie in so vielem anderen, auch in diesem Vertrauen betrogen worden.

Protest der Armee gegen d!e Auslieferung.

Der Chef der Heeresleitung hat die folgende Mitteilung an die Oberbefehlshaber der Reichswehr­gruppenkommandos gerichtet:

.'Auslieferun;sliste enthält 900 Namen, darunter Hindenburg und fast alle großen Führer, außerdem noch über KO ungenannte Truppenkommandeure usw. insgesamt über 1000 Deutsche. Deutsche Neuerung hält Auslieferung für unmöglich. Niemand kann und darf Mitwirkung zugemutet werden. Es be­darf keiner weiteren Kundgebung, daß das deutsche Heer einheitlich auf diesem Standpunkt steht. Hee-es» leitung wird ihn unter keinen Umständen verlassen, gez: Reinhardt, Generalmajor u. Chef der Heeres­leitung.

Der Sänsedoktor.

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Ach, wenn seine Pläne für Waldemar ein Derbrechen gewesen waren, bann sühnte er dieses Verbrechen jetzt tausendfach; er glaubte zu fühlen, wie sein Haar ergraute.

Und nun, nun war es wirklich da, bas Unglück!

.Herr Kienholz sst nicht da!" hört« er die helle Stimme Des Stubenmädchens, bann eine brummige, oon der er nichts verstand.

.Ich weiß nicht", ertönte es wieder aus des Mädchens Munde, bann wieder das unverständliche Gebrumme und beim wieder hell: .Danach habe ich nicht gefragt."

Kienholz stand zitternd in seinem Winkel und als er nichts mehr hörte, faßte er einen heroischen Entschluß: er wußte den Boten schen. So vorsichtig als möglich lugte er durch den Fenstervorhang hinab und sah — Christian, wie er kopfschüttelnd mitten auf der Straße stand und ratlos hin- und herschaute. Und da war es als ob ein Stampf in seiner Brust plötzlich nachließe; mit nnem Schrei stürzte er hinaus, vorbei an dem verblüfften Stu­benmädchen, an dem staunenden Hausknecht, und fiel dem erschrockenen Christian beinah um den Hals.

.Herein, herein, nur schnell herein!" rief er keuchend and zog den guten Mann hinter sich her, die Treppe hin- auf und in sein Zimmer. Tort endlich ließ er ihn los, versperrte die Türe und fragte atemlos: .Was ist da- heim?"

Wenn Kienholz gehofft hatte, ihn auf diese Art zu einer kurzen und schnellen Antwort zu bringen, so war bas ein großer Irrtum gewesen. Christ.an suchte zuerst einen Stuhl, den er sorgsam prüfte, ob er ihn auch aus­hielte, bann setzte er sich umständlich nieder und schnaufte zunächst gründl'ch ton dem imgewohnt raschen T'epnen- fteigen aus; die zappelnde Ungeduld feines Herrn störte ihn nicht im geringsten. Endlich sagte er langsam: .Na, svas soll denn wohl sein?"

Wieder ergoß sich ein Strom von Fragen über ihn, er ®ber krabbelte in der Tasche seines Rocks und zog endlich sein totes Taschentuch heraus, aus dem er wieder langsam rincn D ies wickelte, den er Kienholz hinhielt. „Tas soll H Ihnen geben", sagte er ruhig.

Kienholz riß ihm das Schreiben aus der Hand, öffnete ” und las:

.Teuerster Ferdinand! Komme gleich zurück, es ist alles m Ordnung; Emma hat alles geschlichtet, es ist

Der Berluft der ersten Zone.

Dos Ergebnis der Abstimmung in der er st e n kchleswigfchen $ o n e wird von dem Pressebüro der Internationalen Kommi'iwn wie folgt veröffent­licht: Abgegeben sind insgesamt 100 382 Stimmen und zwar 75151 für Dänemark und 25 231 für Deutschland.

Durch den Ucbergaug der ersten Zone an Dänemark erleidet-Deutschland einen Gebietsverlust von 300 000 Hektar. Hiervon sind 57 Prozent Acker-, 12 Prozent Wiesenland und 3^ Prozent Wald. Die deutsche Minderheit macht etwa 25 Prozent der Grsamt- bcvölkerung aus. die 1(57 000 Einwohner beträgt.

Von gut unterrichteter deutscher Seite wird das Ab­stimmungsergebnis als glänzend bezeichnet. Man hat nicht damit gerechnet, daß so viele deutsche Stim­men, mehr cis ein Viertel der Gesamtzahl, abgegeben würden, wie es der Fall war. Wenn trotzdem die Dä­nen, wie rorauszuschen war, in der ersten Zone eine überwältigende Mehrheit davontrugen, so darf man deswegen noch lange nicht die Nordmark verloren geben. An den über die schleswigschen Verhältnisse unterrichte- ten Stellen hat man Pie feste Zuversicht, daß die zwei re Zone allgemein deutsch stimmen wird. Darauf baut sich die Hoffnung auf, daß auch die erste Zone noch nicht ganz verloren ist. Die Städte T o n - d c r n und Hoyer haben fast ganz deutsch gestimmt. Ihrer Bevölkerung würde ein großes Unrecht zugesügt, wenn man sie vom Mutterland« losreißen wollte. Da über die schleswigsche Frage nicht von der Entente allein, sondern auch von Neutralen mitentschieden wird, so braucht die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben zu werden, daß es noch möglich sein wird, über Ion» dern und Hoyer mit Dänemark zu einer friedlichen Ver­ständigung zu kommen, vielleicht im Wege eines Aus­tausches mit dänischen Bezirken in der zweiten Zone.

Die erste Zone hätte auch durch eine verstärkte Agitation nicht gerettet werden können. Für die zweite Zone muß aber tüchtig gearbeitet werden, um die eifrigen Bemühungen der Dänen und ihre Unterstützung durch die Entente hinfällig zu ma­chen. Wenn der Ausfall der Abstimmung in der ersten Zone dazu einen Antrieb bildet, so hat er eine gute Seite.

Der Rippenstoß muß auch über Schleswig-Holstein hinaus wirken und insbesondere unfern Eifer für die Rettung Oberfchkefiens neu beleben, das für unsere Volkswirtschaft ungeheuer wichtig ist. Dort ist soeben die interalliierte Kommiflion für die Bolksab- stimmung unter dem General Le Rand «ngetrosfen. Nach den bisherigen Meldungen hat sich der Obrig­keitswechsel ohne Störung vollzogen. Die gegensei­tigen Ansprachen waren korrekt, und wenn der fran- zösische General „Gerechtigkeit" versprochen hat, so kann man damit zufrieden sein unter der Voraus­setzung, daß die Kommission wirklich die Gerechtigkeit nach beiden Seiten hin gleichmäßig durchführt. Es wird sogar berichtet, daß das Befestigen polnischer Plakate an öffentlichen Gebäuden und Lokalen ver­boten worden sei. Das wäre ein günstiges Zeichen, doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Es können noch Maßregeln folgen, die uns nicht lieb sind.

In Oberschlesien wie in dem noch strittigen Teil von Schleswig dürfen wir uns auf nichts anderes verlassen, als auf die Treue und auf die Rührigkeit der deutschgesinnten Emwohner. Wir, außerhalb der Ab­stimmungsbezirke, kannenda in der Regel nicht viel hel­fen, aber wir wollen doch aus der Mahnung zur eif­rigen Agitation die Nutzanwendung ziehen hinsichtlich der bevor st ehenden Reichstagswahlen. Die Agitation muß so früh wie möglich und so breit wie möglich einsetzen. Namentlich durch die Kleinarbeit, die den schwankenden Elementen Belehrung und Unterstützung bietet.

Jeder tue, was er kann: unverdrossen und nach­drücklich, aber immer gemäß der Mahnung des Pho­tographen: „Bitte, rech 1 freundlich!"

Friede und Freude überall. Du mußt Dich bei Emma sehr schön bebauten. Der Graf fährt jetzt mit dem Zuge fort, Du kannst den Wagen mit Emma und Gustav zum Nachhausefahren benützen. Und siehst Du, ich habe doch recht gehabt wegen Amalien; denke Dir, Ditha bekommt nichts als Mamas Segen und etwas Wäsche. Und jetzt meine ich, sollten wir zum Trotz recht freundlich mit Amalie sein und Dithas Verlobung ordentlich feiern; sie soll sehen, daß wir uns nicht grämen. Hier schicke ich Dir Geld und bitte, wenn Du noch etwas Zeit hast, be­sorge mir Zitronen; ich merkte soeben, daß sie mir aus» gegangen sind.

Es küßt Dich Deine Dich ewig liebende

Gattin Detti."

Kienholzens Antlitz ward Immer Heller während des Lesens, zuletzt lachte er ganz laut und schlug Christian vergnügt auf die Schulter.

„Hast Du die Herrschaft zur Bahn gefahren?" fragte er. Christian bejahte und fügte aus eigenem hinzu, daß ein Junge die Pferde beaufsichtige.

„Na, also lauf und sage Frau Riedel, sie möge ein wenig auf mich warten, ich tarne gleich nach; hast Du verstanden?"

Christian nickte nur und erhob sich bann schwe. fällig, um den Befehl seines Herrn, mit Ausnahme des Laufens, bas nun einmal nicht in feiner Natur lag, pünkt.'.ch aus­zuführen.

D"r Zug mit Herrn Graf war abgebampft, aber F au Emma imd Gustav erwarteten Christian tein.-smrgs mit Ungeduld. Die Mutter erzählte dem Sohn: den ganzen Spaß mit Kienholz und Graf, und sie unierhi-lten sich prach'-oll dabei. Als Ch iftian mit der Nachricht oon fei­nem Herrn kam, hatte Gi stao nur die eine Sorge, baß er frine Heiterkeit ror dem Onkel mcht werde verbergen kön­nen und er fing sofort an, seine Gesichtsmuskem ba-aufljin zu üben

Kienholz hatte ^zwischen seine arg mifa.-.ommene Toilette etwas mftar» setzen lassen und berichtigte burn feine Zeche. Der Wirt fragte teilnehmend, ob er briricM- genbe Nachricht erhalten habe, woraus ihm Kienholz mite 1 teilte, daß seine Familie in dem Best eben, ihm eine Ueberra'rfjung zu bereiten, dies etwas starke Hiitcl ange­wandt hätten, um ihn vorn Haufe fernzuhalten. Aber er werde ihnen schon tüchtig die Leviten lesen trotz der guten Meinung.

Tarn eilte er zum Bahnhof; als er Frau R'odel er­blickte, stxckte er ihr von weitem beide Hände entgegen.

Aus Grund einer E naobe der dänis dien Vcr» tra ienslente d»r zwei en Zone an die Internationale Kommission ist der A b st t m mnngsrer m i n f ixr bte zweite Zone auf Sonntag, den 14. März bet] choben worien.

Die neue Ententenote an Holland.

Au? London wird gemeldet: De neue Note der Alliierten an Holland über die Frage der Ans- liefernng des Kaisers wurde am Donnerstag von den Premierministern unterzeichnet und abge- jandt.

Die Zustände in den EtsenbahnwerkstZtten.

Heber die Zustände, wie sie in manchen Eisenbahn- werkstälten herrschten und zur Schließung der Betriebe geführt haben, erfährt mau von amtlicher Seite: Ganz abgesehen davon, daß in den Werkstätten für den Staat nichts mehr geleistet wurde, fei vor allem darauf attsmerksam gemacht, daß staatliches Ma­terial in bedeutenden Mengen entwendet worden ist und die Arbeiter sich sogar nicht scheuten, dieses ent­wendete Mcterial sürPrivatleute inden Dienst­stunden zu bearbeiten. Sie ließen sich hohe Stunden­löhne geben, bestahlen den Staat und verschoben das Material und ihre privatim in den Dienststunden ange­fertigten Sachen Im Lahre 1919 hat der Staat für 200 Millionen Mark Werkzeuge gekauft, für 4 989 930 Mark Werkzeuge sind von den Arbeitern gestohlen wor­den. In zwei Monaten sind 2700 'Essenbahner wegen Diebstahls angezeigt. Unter diesen Umständen war eine durchgreifende Reform am Platze. Interessant dürften auch noch einige weitere Zahlen sein: 1919 wurden 1100 Millionen Mark für Lohne, 1753 Millionen Mk. für Materialien verausgabt (1913 insgesamt nur 200 Millionen Mark), 1920 sind die Ausgaben für die Werk­stätten auf 2853 Millionen Mark veranschlagt. Kein Wunder, daß eine Tarisresorm die andere ablöst.

* wesst offen. Auch eie Euenbahmverk a t Har­burg in wegen Unwirischastlichkeit geschlossen worden. Sie wiid demnächst unter Arbeitsbedin mngen wieder eröffnet, die die Wirt chasilichkeit des Betriebes und erhöhte Aibeitsergebnisse ermöglichen.

• Die genaue Zahl unserer -r-Voste. Auf Grund der neuesten Feststellungen der amtlichen deutschen Ansschüffe waren bis zum November 1918 372 Unterseeboote gebaut worden und 202 verloren ge­gangen.

* Die Räumung Oberschlesiens. Tas General­kommando deS 6. Armeekorps teilt mit: Die Zone 11 des 'Abstimmungsgebiets in Oberschlesien (Oppeln) wurde ohne Zwiichenfälle geräumt. Die militärische Räumung Ooerfchlesiens ist damit beendet.

* Tic Stadt Memel wurde am Mrttwoch von der Reichswehr beiatzung nach einer eindrucksvollen Feier geräumt. Am Donnerstag rückten Franzosen ein.

Verständigung zwischen Stadt nnd Land.

Schärfer als früher werden heute die Interessen­gegensätze der verschiedenen Stände ausgetragen. Landwirtschaft, Industrie, Handel, Arbeiterschaft und Angestellte bekämpfen sich, ohne einen Ausgleich zu sin- den. Es muß ober, wenn auch die Klassenunterschiede nicht beseitigt werden können, auf eine Milderung der Gegensätze hingewirkt werden durch gegenseitiges Ver­stehen und Zusammenarbeiten. Hoch und niedrig, reich und arm müssen einsehen lernen, daß wir ein Volk von Brüdern werden müssen. Im Zentrum hat man diese Notwendigkeit erkannt und handelt danach.

Gelegentlich deS Berliner Parteitages der Zen­trumspartei trafen sich Vertreter der Arbeiter und der Landwirtschaft zu einet gemeinsamen A u s- sprache. Wir notwendig sie war, zeigte der 93 r«

„Siebe Emma, ich danke Dir tausendmal für alles, was Du getan hast; zähle auf mich jederzeit!" Sie wehrte bescheiden ab; Gustav hatte sich beim Erscheinen des Onkels rasch abgewandt, was letzterer irrtümlich für zarte Rücksicht hielt; in Wirklichkeit war der junge Mann da­mit beschäftigt, seine unbotmäßigen Gesichtsmuskeln zu zähmen. Als er endlich imstande war, fein Antlitz in ehr­bare Falten zu legen, trat er wieder auf Mutter und Onkel zu.

„Und nun, Hebe (Emma, möchte ich Dich noch um einen Gefallen bitten", sagte eben der Onkel. „Ich will heute Dithas Verlobung feiern, bitte, hilf mir die Einkäufe für einen guten Abendtifch besorgen. Und Du, Gustav, hilf in wenig dar äußere Arrangement der Tafel machen", wandte er sich an den herzugekommenen Neffen; „Deine Kollegen hoben Dich ja immer, wie Du selbst sagst, den Kellner genannt . .

„Tapezierer bitte!" fiel Gustav ein, froh, daß er lochen durfte.

„Das kommt auf dasselbe heraus", meinte Kienholz vergnügt; „Du host die Sache so hübsch gemacht damals beim Empfang, so wirst Du's ja setzt auch wieder treffen'

Sie trennten sich, nachdem sie noch einiges wegen der Abendtafel besprochen hotten, und jedes ging, um feinen Teil an Einkäufen zu besorgen. Frau Emma hatte die Cßworen übernommen, Gustav d'e Dekootionssachen und Kienholz den Wein. Christian mußte die Pferde in einem kleinen Gasthof in der Mitte des Städ'chens einst ll°n und die Pakete erwarten, die man dorth'n scherten wollte.

Kienholz trat, ehe er sich un den Wein tümm-rte. noch einen ,euren Gan? an; er ’übte L'ebha dt auf Zu­fällig war dieser daheim und empfing den Oheim feiner Braut sehr freundlich; er ließ ihn nicht zur Entschuld gung kommen, worüber Kienholz nalmlich ungeheuer froh war. So bat er denn Liebhordt mit großer Herzlichkeit, abends bestimmt zu kommen, man wolle die Verlobung feiern; Lic'chardt sagte selbstverständlich mit Freuden zu.

Und nun mochte sich Kienholz erleichterten He zens ans Einkäufen. Seine Helfer waren auch nicht müßig gewesen und Christian schüttelte immer nachdenkl'cher sein schwer bewegliches Haupt über die vielen Pakete, welche tarnen.

Gustav war überall umh:r"erannt, um Feuerwerks­körper . aufzut eilen, aber außer einigen Sternraketen konnte er nich's finden; zuletzt eilte er zu einem Gärtner und ließ einen Tafelst-auß binden; den wackern Mann und noch mehr dessen junge Gehilfin brachte er fast zur

lauf der Debatte. Tie einzelnen Stände beurteilen die Frage des Wirt chaftslebens meistens von ihrem Standpunkte, ohne dabei die Ge amizutemmenstönge genügend zu berückfichtijzen. Kämen die Bert eter vo r Stadt und Land öi er zusammen, um sich gegen- jeitig nicht nur ihre Rot zu Hanen und auf Die Schwierigkeiten hinzuwessen, mit denen sie zu rech­nen haben, sondern auch nm fachlich die Probleme zu erörtern nnd praktische Vorschläge zu machen, dann wäre damit viel erreicht. Ter v rbittert ge­führte Kampf würde dadurch bald einer sachlichen Auseinanderiehunr Platz machen. Aus Anregung der Dcrfantmelten Vertreter Der Landwirtschaft, Ar­beiter und Beamten bat deshalb der Parteitag be- fannhet) einstimmig beschlossen,

„au» Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Industrie, des Handwerks, der Arbeiter- und Be. anuenschaft einen Ausschuß zu bilde i, der die Aus. gäbe haben soll, die gemeinsamen volkswirtschaftlichen und naatspotitsschrn Probleme zu e öttern und dem Parteivorstand Vorschläge zur praktischen Wirlschatts- po-itik zu unterbreiten. Insbesondere sollen smart Werbe- un o A u s11äru naS<ru§ schü, se rn allen Ländern und Provinzen errichtet werden, die die Aus­gabe haben, tn Stadt uns Land aus die ZcntrumS- wähler ausreichend zu wirken und sie in das Ver­ständnis der vorliegenden potrtrschen Fragen der tite- gcniDart emzurühren."

Dieser Beschluß ist zu begrüßen. Es wäre zu wünschen, daß auch andere Parieien einen ähnlichen Weg einichlagen. Unser Volk würde dann eher zur Ruhe kommen. Mehr gegenseiiiaes Verltäud» nis, mehr allgeme ne praftt die Wut chossspoliti! und weniger Jntereffenpolft k würde sicherer als alles andere zur Geiundung un eres darniederliegenden Wirtschaftslebens beitragen.

Reichstagswahlsn im Juni.

Einer Meldung von zuständiger Stelle zufolge, sollen die Wahlen zum Reichstag, der an die Stelle der Nationalversammlung trtit, im Juni vattfinben. Tie Regierung habe beschlossen, der Naiionalver- jammlnng Vorlagen von polilsscher Bedeutung nicht mehr vorzulegen.

Die Wahlen zur preußischen Volksvertretung werden dagegen erst im Spätherbst erfolgen, da dte Landesverfammlung u. a. den Verfafsnnasent- rourf, das Wahlgesetz und die Besoldungsrejorm er­ledigen muß. ,

Deutsches Keich.

* Das Vetriebsriitcgeietz in Kraft. Die neueste Nummer des.Reichsanzeigers' enthalt die amtliche Veröffentlichung des Betriebs'ät gefetzes, das danach am 4. Februar vom Reichsrat genehmigt worden ist. Gleichzeitig wird die Wahlordnung für die Betriebsräte veröffentlicht. Die Wahl erfolgt auf Grund deS Prinzips der Listenwahl. .Die Listen müssen von mindenens drei Wahlberechtigten unter­schrieben sein und sollen die Doppelzahl der wähl­baren Pr r onen ent alten. Eine Listenverb nditng ist unzulässig. Die Wahl ist geheim mit Sitte eines Stimmzeitelkastens. Die Berechnung des Wahler­gebnisses geschieht auf Grund der Verhältniswahl. Die Kosten soweit sie sachlicher Natur sind, trägt für die Wahl der ^Betriebs Unternehmer.

c Die neue preußische Bersassnn^svsrlage. liebst den Inhalt der neuen preußischen Ve.faffungsvmläge wird mitgeteilt: Dre Be fassung wird beherrscht von demokratischen Gesichtspunkten. Sie Befugnisse des früheren Königs übernimmt das Staatsmini­sterium. (S n Staatspräsident kommt nicht in Frage, um den kleineren Bundesstaaten mit gutem Beispiel voranzugehen, un > den Gedanken des Ein­heitsstaates zu fordern. Träger der Staatsgewalt ist das Volk, das sie dem Landtage in Wahlen über­trägt. Die Regierung des Landes führt unter A u f- Derzweiflung, weil er olle Blumen verwarf, ja die gekränkte Künstlerin. lieh sich sogar zu der Bemerkung hinreißon, daß er's doch selber machen möge, wenn er's so gut verstünde. Als es aber fertig war, mußte sie doch zugestehen, daß sie noch nie etwas Hübscheres ge­sehen habe. Dann ließ er sich noch eine große Schachtel voll Farrenwedel und anderes Grün, sowie eine Menge Blumen patten und ging endlich zu dem Gasthofe, wo er bereits die Mutter und den Oheim vorfand. Nun führe« sie rasch nach Hause.

Frau Bett! empfing den Gatten mit großer Zärtlich- ftit und hatte eine lange Unterredung mit ihm, in der er alles erfuhr, was sich in feiner Abwesenheit zuge­tragen hatte, auch Fritzens Untat. Als Kienholz das Schlafzimmer, m dem die Unterredung mit feiner Gat- tin stattgefunden hatte, verließ, stellte sich ihm sein Jüng­ster in den Weg, der im Hochgefühle seiner Vertrauens- mission schon auf den Vater wartete, um die versprochene Belohnung einzufordern. „Papa, was krieg' ich denn, well ich den Brief so gut besorgt habe?" fragte er keck.

„Keine Prügel für Deine Eselei mit dem Sand," knurrte ihn der Baler an und ließ den Verblüfften stehen.

Fritz philosophierte eine Weile über den Undank der Welt im allgemeinen und den feines Vaters im be­sonderen und kam schließlich zu dem Resultat, daß die versprochene negative Belohnung auch nicht zu verachten und daß serner der Zeitpunkt zu etwaigem Schmollen keineswegs geeignet fei; er hatte es schon gehör,, daß es heul' abend ein Fest und furchtbar gute Sachen zu essen gebe.

Gustav hatte sogleich Mim', und Waldemar zu seinen Gehilfen gemacht und durchforschte mit ihnen Boden unt Keller, um etwas Brauchbares zu Dekorationszwecken zv finden,, und sie fanden auch allerlei. Einige alte rostige Radreifen wurden mit Grün und Blumen uminunden, mit Lichtern besteckt und es ward eine prachtvolle Niesen- frone daraus, die über dem Platze des Brautpaares schwebte; bte selige Großtante bekam natürlich auch eine festliche Girlande, Lampen und Armleuchter wurden ge- sehmückt, ja sogar Gürtelsträuße für die Damen, die zum Gedeck gelegt wurden, band Mimi unter Gustavs Leitung. Fux Mimi aber band Gustav selbst das Sträußchen und es war das allerschönste, wie sie mit Freude konstatierte; und eine belle Rose suchte er extra aus, die sie ins Haar stecken sollte.

'Zortjetzung folgt.).