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Nr. 35.

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte. :■ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrcsse: Fuldaer Zeitung

Donnerstag, 112. Zebruar >920

Bezugspreis: Monatlich 1,30 2iif. ohne Zustellungsgebühr. - In Fulda bei uns abgcholt 1,40 Mk. ::

Anzeigenpreis: Die K l e inzeile (nach Colonel'christ) 50 Pfg., die Reklamezeile (Text breite) 1M., bei Wiederholung Rabatt.

47. Zahrg.

Was ist der Zweck der Uebuna?

Je mehr von der Auslieferungsliste bekannt wird, gesto klarer ergibt sich die Undurchführbar- keit dieses Unternehmens.

Nach den ersten Mitteilungen rechneten wir mit 900 Verfolgten. Schon bei dieser Zahl wäre die Er­fassung, der Transport, die Beweiserhebung usw. eine Riesenaufgabe gewesen, die sich unter dem Aufgebot von Tausenden von Kräften und unter Unkosten von vielen Millionen jahrelang hingeschleppt hätte. In Wirklichkeit ist aber die Zahl der Verfolgten noch viel größer. Sie ist geradezu unbegrenzt. Die nicht-namentliche Liste enthält zahlreiche summarische Auslieferungsbegehren, die ganze Körperschaften zu- sammenfaffen, z. B. die gesamten Offiziere des Haupt­quartiers, eine Reihe von Kommandanten usw. Fer­ner ist zu beachten, daß die Anklagepunkte zumeist sehr mrbestimmt, und das beigefügte Beweismaterial nicht bloß sehr dürftig, sondern zum großen Teil geradezu albern ist. Ist es nicht toll, um an ein gestern schon erwähntes Beispiel zu erinnern, daß ein Offi­zier wegen Tötung von Gefangenen verfolgt werden soll, roeil eine Frau an ihn einen Brief geschrieben habe, in dem sie (nicht er) sich gegen die Anhäufung von Gefangenen ausspricht, weil sie uns -das Brot wegäßen?

Was da zusammengekoppelt ist, erscheint so kläglich, baß von jedem anständigen Gerichtshof erst von Grund auf die Beweisführung besorgt werden, also erst noch eine umständliche und zeitraubende Voruntersuchung stattfinden müßte. Wie soll das bei der Zahl von mehreren tausend Angeschuldigten möglich sein? Oben- trrtin liegt ein übergroßer Teil der ftanzösischen und belgischen Anschuldigungen schon fünf Jahre zurück. Wie sollen sich die Vorgänge aus der ersten Zeit des Krieges, während des schnellen Vormarsches unserer Truppen, jetzt noch mit strafrechtlicher Sicherheit klar­stellen lasten?

Die Unmöglichkeit dieser nachträglichen Maf- smverfolgimg springt so sehr in die Augen, daß in England schon der Konipromißgedanke aufgetaucht ist, man möge vor weiteren Schritten erst eine neue Durchsicht der Listen vornehmen, um die unklaren Fälle auszumerzen. Diese Art Voruntersuchung hätte schon vor Ueberreichung des leichtsinnig zusammenge- ftoppelten Schriftstücks erfolgen müssen. Die nachträg­liche Revision kann den schlechten Eindruck des Mach­werks nicht verwischen.

Haben nun die Gegner die hcmdgreffliche Undurch- Mrbarkeit vorher nicht bedacht? Bei einigen von ihnen mag das wohl der Fall gewesen sein. Aber bei den französischen Machthabern, die das treibende Element bei dem Unternehmen gebildet haben, muß man weitgehende Absichten annehmen. Es sieht so aus, als ob sie a b s i ch t l i ch die Sache so zu­gespitzt hätten, um den Widerstand Deutsch­lands herauszufordern. Darauf deuten auch die Hetz- und Drohreden hin, die der Ministerpräsident and der Staatspräsident zur Begleitung der Verfol­gungsliste gehalten haben

Erinnern wir uns daß unmittelbar vor dem In­krafttreten des Frieüensvertrages das sog. Schluß- Protokoll aufgetischt wurde, durch das Deutschland zu neuen Demütigungen gezwungen werden sollte, ehe die Vollmachten des Waffenstillstandes erloschen waren Setzt^ist der Versailler Vertrag in Kraft getreten, aber die tfnmgofen glauben doch noch eine Gewaltmoßregel gegen Deutschlarrd durchdrücken zu können, wenn sie Deutschland „vertragsbrüchig" erscheinen lassen. Des­halb stellt man die Auslieferungsforderung im denkbar größten Umfange und mit der denkbar schlechtesten Be- gnmdung, so daß die deutsche Regierung und das deut­le Volk unbedingt Widerspruch erheben und passiven Widerstand leisten muß. Das soll dann den Vor- wand geben zu neuen Drangsalierungen.

Der Sänfedoktor.

• 33] _____

.Kommt denn Papa nicht zum Mittageßen?" fragte Mariechen, als man sich ohne den Hausherrn zu Tisch setzte. Die Mutter seufzte tief auf.

„Ich weiß nicht, wo er ist, liebes Kind, hoffentlich ist >hm kein Unfall zugestoßen."

„Papa versäumt doch sonst nie das Mittagessen," be­merkte WaDemar besorgt.

»Der Herr Graf meint, das Wetter wird irgendwo einen besonderen Schaden angerichtet haben und Papa wird da- ^rnch z« besonderen Maßregeln vermrlaßt," erwiderte utou Kienholz.

»So wird es sicher sein," meinte Graf bestätigend.

„Wo fft denn aber Fritzchen?" fragte Edith.

„Der muß strafweise in der Küche essen," erklärte seine Maina. «

„Doch nicht meinetwegen?" fragte Graf. „Das gebe ich >ncht zu, und überhaupt will ich den kühnen Helden näher kennen fernen."

„Im Interesse des Sünders »erlangen Sie das erst nach dem Essen," versetzte Frau Emma scherzend. „Er 'önnte hier vor Angst doch fernen Bissen hinunterbringen." »Also nach dem Esten," entschied Graf, „aber kommen »L<tz er."

Das Mahl verlief ganz angenchm zm großen Befrie- bigrmg der Familie Kienholz. Herr Graf würzte es mit allerhand Witzen, nicht gerade jüngster Prägung, aber fanden doch Anklang: beim schwarzen Kaffee wurde geholt. Er blieb in der Türe stehen und schaute »^verwandt den Gast an.

„Na, so komm doch her, Du tapferer Held Du!" redete M dieser an.

»3°, ober", klang es zaghaft von der Türe her, „lasten b,e mich auch gewiß nicht ehtfperren?"

'Braf lachte aus vollem Halft. „Vor dem Einsperren lürchbn sich der Held also doch? Na, wenn Du mir schön ui.ö Antwort stehst, laß ich Dich nichr cinfperren.“

Fritz trat heran.

„Sag nur einmal, warum hast Du mich denn gar so grauslich behandelt?" fragte Graf.

Fritz, zögerte einen Moment, dann sagte er mutig: »Weil Sie doch die Tante Amalie entführen wollten."

Graf machte ein ungeheuer verblüfftes Gesicht, aber '"eil die andern ebenso verblüfft waren, so fiel das nicht "*eiter aus. Tanke Amalie erholte sich zr>°.vst

Nach Abschluß des Friedensvertrages hat Frankreich nun freilich nicht mehr dos Recht zu müitärifchen oder sonstigen Gewaltniaßregeln, nur eine Maßregel zieht der Friedensverrrag vor, die Hinauszögerung der Be­setzungsdauer für die rheinischen Ge­biet e. die bekanntlich für die Kölner Zone auf 5 Jahre, für die Koblenzer auf 10 Jahre und für die Südzone auf 15 Jahre bemessen ist. Bereits liegt eine Meldung aus Paris vor, wonach Ministerpräsident M i l l e r a n d der deutschen Regierung eine Mittei­lung habe zugehen lassen, daß infolge der Nichtbefol­gung des Friedens von Versailles das Datum, von dem aus die Frift zur RäumungderRheinlande bemessen i st, auf un b e ft i m m t e Zeit hin - ausgeschoben wurde. Das wird in dieser Form wohl nicht stimmen, denn Frankreich kann nicht von sich allein cus über eine derartige Maßnahme ver­fügen. Da es sich um eine Vereinbarung handelt, die die Entente mit uns geschlossen hat, würde auch nur die Zustimmung der Ententemächte einen solchen Entschluß rechtlich tragkräftig machen. Außerdem muß ein solches Vorhaben der deutschen Regierung mit Befristung vor­her angezeigt werden. Man sieht aber, welche Absicht Frankreich verfolgt.

Wenn diese Pläne nicht zur Verwirklichung gelan­gen sollten, so wurden wir das nur der erwachenden Besonnenheit der Verbündeten Frankreichs zu danken haben

Eine Erklärung des Reichspräsidenten.

Zu der Anslieferungsfraoe gehen dem Reicksprälr- denten fortdauernd aus allen Teilen und Schichten des Volkes Zuschriften zu, die von der tiefgehenden Erre- pun' der Bevölkerung über das AuslieferungSver^angen der Gegner und von der Genugtuung über die rührte und standhafte Haltung der Re ierung Zeu nis ablegen Der Reichspräfident dankt für diese Kundgebungen des Vertrauens. Er ist mit der gesamten Reichsregie- rung der Ansicht, daß die Forderung der Entente unerfüllbar ist und versichert allen Einsendern, daß er und die Regierung alles daran zu setzen gewillt sind, um Deutschland diese schwerste aller Forderungen zu ersparen. Unsere Aufgabe mutz fein, die Entente tm Sinne unseres Vorschlages vom 25. Januar von der Unmöglickckeit der geforderten Auslieferung zu über­zeugen zu suchen.

Deutsche Gegenliste.

Wie von zunändiger amtlicher Stelle verlautet, ist eine Lifte der von der deutschen Regierung wegen völkerrechtswidriger und ungesetzlicher Hand­lungen beschuld'gier AngehörigerderEntente bereits fertiggestellt und gedruckt. Ihre Veröffent­lichung ist in den nächuen Tagen zu erwarten.

Die römische Kurie

zu der Auslieseruugssrage.

-Ter „Osservatore Romano" batte bereits sehr entschieden die Unmöglichkeit juristischer Rechtfertigung einer Auslieferung des Kaisers dargeleot. Weniger bekannt als dieser Artikel ist ein zweiter Artikel aus derselben Quelle über die Frage der Auslieferung der Heerführer. (Tiefer zweite Artikel des „Os- servawre Romano" ist damals wegen des Buchdrucker» ausstandes in Rom in der „Unita Cattolica" in Florenz erschienen.)

Auch dieser Artikel prüft die Frage vom Rechts«, nicht vom politischen Standpunkt und kommt dabei zu einem Vern ichtenden Urteil. Nirgends sind von neutraler Stelle die Gründe, welche 'die Unge­heuerlichkeit des ganzen Borge ens unserer Feinde in diesen Fragen da, tun, schärfer und wirksamer dareestellt worden. Es kann versichert werden, daß auch der zweite dieser Artikel die Auffassung der römischen Kurie darstellt. Der Artikel ist über­schrieben: „Der Prozeß gegen die deutschen Heer­führer." Er betont im Eingang, daß er die Frm e im hellen Lichte der Strasrechtwiffenschaft untersuchen wolle und macht materiellrechtliche und - prozeßrechi- liche Einwände geltend Zum Schluß heißt es:

„Also mich hast Du beschützen wollen, Du süßer Junge?" rief sie erfreut. „Ach so komm doch her und laß Dich küssen!"

Fritz traf keine Anstalten, dieser Aufforderung Folge zu leisten, und Graf sagte weiter: „Ja, wer hat Dir denn das nur g.sagt?"

„Der Jörg", entgegnete Fritz schnell; „o, er bat mir noch viel mehr gesagt, eigentlich der Dore, ich hab's bloß gehört." Und er erzählte alles, was er gehört hatte.

„Wer ist denn dieser Herr Jörg?" fragte Graf inter­essiert; „das muß ja ein riesig gescheiter Herr sein."

„Es ist der Pferdeknecht", rief Tante Amalie empört. „Wie er zu solchen Geschichten kommt, ist mir ein Rätsel."

„Mir nicht", bemerkte Emma mit tiefernster Miene. „Der göttliche Funke, der heute unserem Gast als Flamme entgegen gelodert ist, hat auch die Phanialle der armen Dienstlente entzündet, daß sie so Ungeheuerliches geleistet, hat; man umgibt Dich eben mit dem Glanze der Ro- mantif."

Amalie sah Emma zweifelnd an. Etwas an dem Redeschwall gefiel ihr nicht; daß er eine Nachahmung ihrer eigenen etwas schwulstigen Redeweise war, merkte sie jedoch nicht und da Emma mroeränbert ernst blieb, be­ruhigte sie sich. „Was die Seirtc sich alles zusammendich­ten!" seufzte sie nur.

Gustav und Waldemar hatten einen Blick gewechselt; aber teils aus Rücksicht auf Edith, teils aus Furcht, mit dem Lachen loszuplatzen, unterließen sie eine Fortsetzung der Augensprache.

Das harmlose Mariechen schaute neugierig drein und Frau Kienholz saß wie auf glühenden Kohlen, feit der plaudernde Fritz im Zimmer war.

„Na, weißt Du, mein lieber — Fritz heißt Du, ja t- also weißt Du, lieber Fritzel", wandte sich Graf wieder an den Knaben, „das ist ja so weit ganz schön von Dir, daß Du Deine Leute von Räubern hast befreien wollen, aber ein anständiger Held wirst nicht mit Sand aus dem Hinterhalt, sondern er stellt sich mutig dem Feind ent­gegen; das mit dem Sand ist Diebsmanier."

Fritz senkte beschämt den Kopf, aber dann richtete er , sich Plötzlich auf. „Auf das hat mich erst die Trine ge- ! bracht mit ihrem dummen Gasometer", schrie er.

„Gasometer?" fragte Graf erstaunt. Und nun gab Fritz Trinens herrliche Definition des Gasometers und alle ihre Erläuterungen zum besten. Da war nun des Lychens kein Ende und auch die gequälte Hausftau konnte nicht umhin, mitzulachen. Unter Scherzen trennte man sich; Graf begab sich mit Frau Emma in deren Zimmer/»

Aus diesen Ueberlegungen ergibt sich klar, daß der Prozeß gegen die deutschen Heerführer ebenfalls auf unüerwinbliche rechtliche Hindernisse stützt. So möchten wir denn im ^nteresie aller hoffen, daß die, Diächte von der Freiheit, die sie sich da vor. behalten haben, keinen Gebraus machen, und ganz besonders möchten wir hoffen, daß eine solche recht­liche Sinnlosigkeit, die zugleich ein großer politischer Fehler wäre, . von einem Lande nicht begangen werde das sich die Heimat eines Becca. ria, Filanrieri Romagnosi und Carrara nennt.

Der Appell rlch-el sich rote aus dem «chluß her­vorgeht, in erster Linie an die Italiener; aber seine Sprache ist wahrlich eindringend genug, um in der ganzen Welt gehört zu werden.

Der Verlust der Rordmark.

Mehrheit für Dänemark.

Nach dem amtlichen Ergebnis der Volksabstim­mung in der ersten Zone Nordschleswigs wurden abgegeben: 25 223 Summen für Deutschland 74 887 für Dänemark.

Tie erste Zone wird also an Dänemark fallen. Das war zu befürchten, denn im nördlichen Teil Schleswigs, unmittelbar an der dänftchen Grenze war immer das Dänen nun überwiegend. Für die Deutschen kam es nur daraus an, einen Achtungs­erfolg zu erringen, eine Minderheit, die der Welt zeigt, einem tote rroßen Teil, der in geschloffenen Distrikten bei'ammen toohnt, difch die Ab tirnmunos- art schweres Unrecht zugefügt wird. An den einzelnen Ergebnissen fällt auf, daß die Stadt e, mit Aus­nahme von Hadersleben, durchweg deutsche Mehr­heiten aufbrachten, während auf dem Lande überall die dänischen Stimmen überwogen. Für eine Propa­ganda auf dem Lande war freilich auch so gut wie gar nichts getan worden. Der nordschleswigsche Bauer be­kam in diesen entscheidungsvollen Tagen kein deutsches Buch und keine Zeitung in die Hand, die ihm die Be­deutung des Abstimmungsergebniffes auseinandergefetzt hätten. Einen starken Gnfluß auf das Ergebnis hatte auch das parteiische Auftreten der feindlichen Befatzungstruppen, die den Deutschen die Werbearbeit erschwerten, wo sich nur irgendwie Ge­legenheit bot und dabei sogar vor Waffengebrauch nicht zurückschreckten. Wo deuffche Fahnen sich zeigten, wur­den sie herunterbefohlen, oder heruntergeriffen, wäh­rend die Dänen ungehindert ganz Nordschleswig mit ihrem Danebrog überschwemmten.

Runmear raub Der Kampf um die zweite Zone entbrennen, vor allem um Flensburg. Das Ergebws der Abstimmung in der ersten Zone be­rechtigt zu der zuversichtlichen Erwartung, daß in der zweiten Zone der deutschen Sache der Sieg be- schieden sein wird.

lieber das Abstimmungsergebnis der ersten Zone Nort schleswigs hat sich Ministerpräsident Hirsch gegenüber einem Vertreter der „National, zeitung" folgendermaßen geäußert: Die preußifche Re­gierung lasse sich durch den Ausfall dieser Volksabstim­mung, der eine große Mehrheit für Dänemark gebracht habe, keineswegs entmutigen. Sie werde vielmehr mit verdoppelter Energie an die Vorbereitungen für die Abstimmung in der zweiten Zone Herangehen. Aus dem Ergebnis der ersten Abstimmung ziehe Deutsch­land verschiedene Lehren die man bei der Sntfdjcilung in der zweiten Zone befolgen werde. 'Die Negierung habe mit dem vorliegenden Ergebnis vorn bornberlin gerechnet, deshalb seien die Wahlvorbereitungen nicht in dem Umfang und mit dem Nachdruck getroffen toor. den, wie von feiten der dänischen Regierung. Narnent. lich bezüglich der Agitation stand- Deutschland hinter Dänemark weit zurück.______

Ueber 100000 Heimkehrer aus Frankreich.

Nach den letzten Berichten sind 105426 Soldaten und 1935 Offiziere ans Frankreich wieder in der

Heimat eingetroffen. Man rechnet mit Bestimmt. h-it darauf, daß die Auslieferungsforderung de» Abtransport der Gefangenen in keiner Weise beeim flussen wird. _________________________

Die Ciscnbahnwcrkstntten.

Bei den neuerdings geschloffenen Eisenbahmver» stätren geht die Wiederein nellungvon Arbeitern, die sich den Bedingungen der Verwaltung fügen, glatt von statten. Das Angebot an Kräften ist wieder so reichlich, daß die Eisenbahnoeitoaltung die ihr geeignet erscheinende Auswahl treffen kann. Es wird nach wie vor Bedacht daraus genommen, uniubeftiftence Elemente von den Eifenbahnwerk­stätten fernzuhalten.

Spende des Papstes für deutsche Kinder.

Wie der römische Vertreter der „Kölnischer Volkszettung" meldet, hat der Papst dem Kardinal und Fürstbischof Bertram in Breslau V2 Million Lire für die bedürftigen Kinder Deutschlands übermittelt.

Preußen und die Rheinlande.

Ministerpräsident Hirsch, der von seiner Rhein landreise zurückgekehrt ist, die er in Begleitung von tuet preußischen Ministern unternommen halte, äußerte einem Mitarbeiter des Wolffsbüros gegen­über Folgendes:

Wir hoben uns bemüht, die Stimmung im Lande kennen zu lernen. Zwei Ergebnisse möchte ich vor allem festhalten, einmal: die rheinische Bevölkerung leidet unter der Herrschaft ter Besatzungstruppen ganz außerordentlich schwer. Der seelische Druck, icr auf ihr lastet, ist auf die Dauer einfach unerträglich. Und ferner: die Überaus starke Be­lastungsprobe, der die vaterländische Gesin­nung der Rheinländer in dieser Zeit ter Fremdherr­schaft ausgesetzt ist, wurde von bei Bevölkerung bisher glänzend überstanden. Wir sahen weiter, daß. die Politik der Franzosen äußerst geschickt ist, und datz sie entsprechende Gegenmaßnahmen notwendig macht. Die preußische Staatsregierrmg ist fest entschlossen, alles zu tun, um jeden Nest von Mißstimmung im Rheinlande zu beseitigen. Sie wird dafür sorgen, datz es in die.' fer Hinsicht nicht bei Versprechungen bleibt. Ich habe deshalb Auftrag gegeben, alle Wünsche int Form einer Denkschrift, nach Ressorts getrennt, zusam- meuzustellcn. Tas Staatsministerium wird unverzüg­lich zu ihr Stellung nehmen und teilweise auch in ge­meinsamer Sitzung mit der Reichsregierung die not­wendigen Entschließungen treffen. Ich hoffe, daß, toemt wir das nächste Mal im Rheinlande fein werden, man drüben bereits gesehen haben wird taß in Berlin alles getan wird, um den rheinischen Brütern in dieser schweren Zeit nach Kräften zur Seite zu stehen.______________________

Die Folge der Unordnung. Kürzlich hatte die argentinische Regierung einen Austrag auf etwa 4500 R >d ätze für die Staatsbahn nach den Ver­einigten Staaten vergeben, mußte ihn^gber infolge von Unregelmäßigkelten zunächst wieder zurückztehen. Daraulhin hatte sich sogleich eines der größten west­deutschen Stablweike um die Bestellung bemüht. Es erhielt folgende Antwort: „Die argetuini chen Be­hörden stellen nach den letzgemachten Erfahrungen auf dem Standpunkt, daß Deut chland doch nicht liefern kann, und haben die 5000 Radsätze nochmals in den Bereinigen Staaten bestellt. Wir können nur hoffen, daß die deutsche Industrie allmählich doch wieder beweisen wud, daz sie lieferungsfähig ist". Das ist ein Bei Piel für viele, wie uns Mil- lionenaufträae infolge unserer unsicheren Zu­stande, unserer Arbeitsunlust und Unruhen »er« lote n geben! dJ.

* Amerikanisierung der Industrie. Der ameri­kanische Maizenakonzern kaufte die deutschen Stärke­fabriken Klebenmüller-Gräfenbainichen. Eggert-Halle,

mn endlich über di« Sache zu sprechen, um derentwillen er eigentlich hergekommen mar. Frau Betti gab Chri- ftian den Befehl, anzuspannen und den Gast zur ge­eigneten Zeit 3um Bahnhof zu fahren, dann ging sie in die Küche und packte alle möglichen Leckerbissen in eine große Bicchdose; sie wollte den Grasen für fein- Reise versorgen, um ih" tii etwa nachkommenden Racher,Myleu versöhnlich zu fhmrncn.

Bei dieser Beschäftigung wurde sie von Edith ausge­sucht; das junge Mädchen war so glücklich und fuhtte das Bedürfnis, sich auszusprechen, aber dieser aufregende Tag war ja so ungeeignet zu einem gemütlichen Plaudern. Sie war ftoh, als sie die Tante allein in der Küche fand.

„Ach, Tante", sagte fte vorwurfsvoll, „hast Du denn noch immer feine Zeit gefunden,mir ordentlich zu gratu­lieren? Nimmst Du denn nicht ein bißchen Anteil mit mir?"

Frau Betti ließ das Bratenstück, das sie eben zer­schneiden wollte, liegen und ellie mit ausgebreiteten Armen auf das junge Mädchen zu. Das Tranchiermesser hatte sie wegzulegen vergeß«, und es ragte jetzt drohend zwi­schen Edtths Schultern empor, als sie dieselbe umarmte. „Du süßes Dingelchen Du, verzeih mir nur, daß ich mich io wenig mit Dir beschäftigte", bat sie unter Tränen der Rührung, „aber wenn Du wüßtest, was ich heute schon für Qualen ausgestarwen habe, wurdest Du's begreifen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen Glück und ich hoffe. Du wirst's finden, ein guter Mensch ist er ja, der Lieb- Hardt."

Sie küßte Edith herzlich und dann, sich wieder ihrem Braten zuwendend, sagte sie mit einem Seufzer: „Frei­lich. Ditha, ein wenig anders haben wir uns die Sache wohl gedacht; wir meinten, Du sähest Waldemar so gern, wie er Dich und wft hätten Dich mit Freuden als Toch­ter begrüßt."

„Tante, sei ftoh, daß es nicht so ist", oerfttzte Edith ernst; „ich bin keine Frau für Waldemar, denn erstens fühle ich für ihn ebenso wie er für mich nur Freundschaft und zweitens muß Waldemars Frau Vermögen ins Haus bringen; ich habe genug von den Verhältnissen der Landwirte gehört, um dos zu wissen."

„Aber Du — Ihr habt es doch", sagte Frau Bern in chrlichem Erstaunen; „Deine Mama spricht ja doch — freilich nur andeutungsweise — von ihren Besitztümern."

Edith errötete. „Was Mama hat oder nicht hat, weiß ich selbst nicht" .sagte sie verlegen und fuhr dann fröhlich fort: „Aber das eine weiß ich, daß ich jetzt nur Mamas Segen und etwas Wäsche bekomme"

„Ja, das ist ja doch gar nicht menschenmöglich, Ditha; Mama spaßt doch bloß" meinte Frau Kienholz zweifelnd.

Edith zuckte ganz vergnügt die Achseln. „Spatz oder nicht, mir ist es gleich; sie hat es Franz gesagt und er nimmt es ernst und will mich doch, mich ganz allein und das macht mich stolz, Tante. Und über das, was Mama da geheimnisvoll von ihrem Tode spricht und von den Augen, die wir nachher machen werden, das 'idjt uns gar nicht an; wir denken bloß, daß wir uns haben wer­den, Franz und ich."

„Daß Du Dich in den versieben könMest, das fjätf ich nicht gedacht", sagte Frau Betti kopfschüttelnd.

„Unverhofft kommt oft!" entgegnete Edith froh und suchte dann Mimi auf. Bei dieser erfuhr sie schon mchr Verständnis für ihre Jubelstimmung; Mimi fand es zwar im Innersten unbegreiflich, daß Edith sich über Gustav hinweg in den dicken Liebhardt verliebt hatte, aber feden- salls war ihr der Seelenzustand ihrer Base sehr sympa­thisch. Und so sprachen sie nur ttn allgemeinen von der Liebe und verstanden sich sehr gut; in der einen Plauder» stunde kamen sie einmrdner näher als es in den vielen Wochen des Zusammenseins geschehen war und die beiden Mädchen waren in manchen Augenblicken wie ausguwech- selt; die ernste Edith spann kindischfrohe Zukunftspläne, die muntere Mim! gab hausfrauliche Ratschlage.

Indessen war' es Zeit geworden, zum Bahnhof zu fahren; nachdem Christian angespannt hatte, wurde er von der Hausftau in geheimer Audienz empfangen.

„Christian, jetzt hören Sie mich gut an und hm Sie genau, was ich säge", redete sic ihn an. „Wenn die Herr­schaft am Bahnhofe aussteigt dann ersuchen Sie, ob Sie schnell etwas besorgen dürften und eilen dann sofort in den Elefanten und laßen sich zu meinem Mann führen; ihm geben Sic dann diesen Brief; haben Sie verstanden?"

„Da gibt's auch viel ut verstehen", meinte Christian geringschätzig.

„Es mutz aber genau jo gemacht werden, wie ich gesagt habe", versetzte Frau Kienholz eifrig, „und vor allen Din­gen — geschwatzt wird nicht darüber."

„Weil das Schwatzen schon so meine Sache ist", er­widerte Christian beleidigt, worauf Die Herrin sofort ein­lenkte: „Na eben Darum gebe ich Ihnen den Auftrag."

Die ScherdesMnde schlug, Graf nahm gemütlichen Ab­schied, bedankte sich sehr schön für Den Reiseimbiß uni sichr unter den Segenswünschen der Familie Kienholz ab;

i Frau Riede! und fWriteten ihn.