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FuldaerZettung

Mittwoch, 11. Zedruar 1920

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47. Zahrg.

Nr. 34.

Verantwortlich für den redattioneüen Teil: S'-rl Schütte, : für dir Anzeigen: I. ParzeUer-Fulda -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerel in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefle: Fu ldaer Zeitung

Der Sänsedoktor

Die Auslieferungsliste.

Mit der amtlichen Veiöffrnllichung der Lilie ist begonnen worden. Tie Lifte umfaßt zwei Teile: !inen Teil, der die Namen der Beschuldigten mit -em Verbrechen enthält, deren sie sich iu aibig ge­macht haben sollen, und einen Teil, der nurPer- frechen" aber die Na men derTä'er nicht anneaeben. So werden unter anderem angefordert: Ganze Kom- pandanluren von Truppenteilen oder anderen Heeres- pstanzen, sämtliche Kommandanten mid Lagerärzte von rieten Gefangenenlagern, Kommandanten eines Ortes, jte natürlich im Laufe der Jahre oft gewechfell haben, juch sämtliche Personen werden verlangt, die für den yefangenendienst an der deutschen Ostfront verantwort- jch gewesen sind.

Die nichtnamentliche Liste ist eigentlich noch viel ,ef ähnlicher als Die namentliche, denn, wie aus brem Vorhandensein hervorgeht, nehmen sich die Alliierten das Recht, eine beliebige Anzahl von Per- orten für dieseStraftaten" anzufordern und obzu­rr teilen. Diese Liste soll offenbar die Bestimmung ttS Friedensvertrages verwirklichen, nach der auch ite Personen zur Verantwortung gezogen werden Annen, deren Namen noch nicht bekannt sind. So sonnen Tausende und Abertausende Volksgenossen rock nachträglich in die Liste derSchuldigen" ein* festigt werden. Welche Unsicherheit wird damit in «nser Volk getragen, welche Quälerei, welche Folte- umg bedeutet das.

Wenn man dieBegründungen" der Ausliefe, mngsliste kennenlernt, dann ist man geradezu ent* ritzt darüber, welche ungeheuerliche Frivolität in tiefem von der En ente beliebten Verfahren ohne» Haltet hat. Man kann nicht anders als die Be­handlung einer so erschütternd wichtigen Frage als unerhörte Fahrlässigkeit und leichtfertiges Spielen feit Menschen und Sachen zu bezeichnen.

Bei der weitaus größten Zahl der .Fälle' ist ftm der Angabe einesTatbestandes" im juristi- ichen Sinne gar keine Rede, sondern es handelt sich iur um allgemeine Behauptungen. Um nur einige Beispiele herausruheben:

: Die französische Liste stellt da? Prinzip der Der- vrtwortlichkeit der führenden Persönlichkeiten auf. Ta. *r fordert sie auch alle im Westen während der Kriegs­ichre tätig gewesenen Heerführer an. Sie durch- tricht dieses Prinzip wieder, indem hinter den Heer. Lhrern Mitglieder sämtlicher Chargen, die irgend nie an der Ausführung von Anordnungen b e t e i l i gt earen, zur Verantwortung hererngezogen werden foC im. Das Material bestecht meistens darin, daß irgend '»eiche unkontrollierbaren Angaben von deutschen Ge. wigenen, ja selbst Auszüge aus Briefen aus der Hei- mf zitiert werden. Was ist damals nicht alles in vlchen Briefen an Angehörige ins Feld geschrieben Sorten! Welche Uebertrerbungen hat es dabei gege­ben. Nun aber sollen begeisterte Aeußerungen, die ein lasches Ende durch raschen Sieg der Waffen wünsch. en, zum Anlaß von Verfolgungen gemacht werden. ®n »bischer Hauptmann wird verlangt, weil es in in em Briefe seiner Frau an ihn heißt:Wir Frauen lütten keine Gefangenen machen die immer nur unser Jtot aufessen." Die Anklage gegen einen General ist tofgebaut auf dem Tagebuchbericht eines deutschen teutnants, in dem u. a. bemerkt ist, daß beim Durch­marsch durch R e t h e l aus der Mädchenschule ein Tisch pid einige Stühle für den Schützengrabendienst ent- tzommen worden seien. Daraus konstruiert man nun iiePlünderungen" und das Recht der Auslieferung les Leutnants, aber auch des ihm vorgesetzten Gene, vls. Dabei weiß jeder, ter im Felde war, daß die feindlichen Schützengräben genau so und oft noch in nel höherem Maße von Möbeln und Gebrauchsg'gen- tänten ans Privathäusern ausgestattet waren, als die Bsehen Gräben. Bezeichnend ist weiter, wie auf Aus-

n übrigens gänzlich ungenannter Soldaten An. Digungen erhoben und demgemäß Auslieferungen gefordert werden. So wird u. a. bei der Beschuldigung leS Kronprinzen geltend gemacht, daß ein unbe- tainter Soldat, der zur Armee des Kronprinzen gehört

*2]

Frau Kienholz las den Brief und seufzte erleichtert *f; »ieter einmal bewunderte sie die Klugheit ihres Man­nes, ter sich so gut herausgeholfen hatte.

Was schreibt denn Papa?" fragte Fritz neugierig.

JEt muß fortreifen, aber wohin, das wird er erst totgen schreiben," entgegnete die Mama:aber Du darfst « niemantem sagen."

Fritz versicherte eifrig, daß er sich lieber in Stücke hauen ließe, als daß er etwas sagte.

^ern Herrn Grasen gehst Du nach Möglichkeit aus dem Wege," setzte" die vorsichtige Mama hinzu:denn daß Du's nur weiht, für Deinen gräßlichen Uebersall kann er Dich einsperren lassen!"

Der erschrockene Knabe versprach gerne, sich verborgen in halten, und damit war die Sache vorläufig e.lebigt.

Frau Kienholz allerdings mußte Emma ms Vertrauen «ichen, damit triefe den Nervenzustand Kienholzens dem Trafen gegenüber entsprechend betone. Bei diesem Men­schen verrauchte vielleicht der Zorn nicht so schnell, viel- leichf war er gar einer, von denen sie schon gelesen hatte, die Bluttnche nehmen noch an Kindern tmd Enkeln: darum ®at5 bester, wenn sie ihren Mann für einen Kranken ausgab. Sie eilte zu Emma und gab ihr ten Zettel zu lesen.

Die las ihn mit großem Ernst and einem stillen Be­dauern, daß sie mm um das Vergnügen kam. den guten Vetter beimHenkersmahl", wie sie das heutige Mittag­essen bei sich genannt hatte, zu sehen. Aber ihren Haupt- l®et?, ihn gründlich ins Bockshorn zu jagen, hatte sie doch "reicht.

Ich werte versuchen, alles ins Reine zu bringen," ^Ste sie großmütig und begab sich Herrn Graf. Na- türlich fiel es ihr nicht ein, von Kienholzens Nerven zu reden hatte sie ja doch besten Benehmen schon auf ihre <Seife erklärt sie sagte ihm nur, daß ter Hausherr >it)t anwesend sei und bat Graf im Na wen ter Hausfrau *** Tisch. Graf, testen Augen sich bereits ziemlich erholt Wien, machte Toilette, was mit einigen Anleihen bei Gustavs Wäscheschrank zur Zufriedenheit gelang.

Emma meldete ihrer Kusine schnell, daß sie den Grafen k>w Mittagesten eingeladen habe, und daß er bei Tisch Erscheinen werde, bann lackte sie Amalie auf. Diese ,

habe, erklärt hätte, daß er wieder von anderer Seite gehört habe, daßvon oben ein Befehl gekommen" fei, alle Dörfer zu verbrennen, in denen französische Sol­dat :n angetroffen würden und daraufhin wird der Kronprinz zur Auslieferung verlangt!

Tas hauptsächlichste Moment in der Anklage gegen den Fcldmarschall v. Hindenburg wird in einer Unterredung mit dem Mitarbeiter ei: V§ Berliner Blattes vom November 1914 erblickt, worin der Feld, marschall erklärte, daß der grausamst: Krieg der kür­zeste und deshalb' empfehlenswerteste sei.

Bemerkenswert ist, daß das französische Material meist aus dem Jahre 1914, also der aufgeregtesten Zeit des großen Vormarsches, stammt. Die Mehr­zahl der aus dem besetzten Gebiete stammenden Aus­sagen sind al o erst etwa vier bis fünf Jahre später gemacht worden, als die betreffenden Er­eignisse sich abgespielt haben. Bei allen Anschul­digungen handelt'es sich, was ausdrücklich hervor­gehoben werden muß, nicht um nachgewiesene Handlungen, sondern um lediglich noch zu be­weisende Anschuldigungen.

Es fei in bie:em Rahmen übrigens noch bemerkt, daß der Reichsjustizminister sofortnach Bekanntwerden der Auslielerungsliste den Oberreichsanwalt in Leipzig beauftragt bat, auf Grund des dort an­geführtenVeweismaterials" das Verfahren gegen die betreffenden Persönlichkeiten zu eröffnen, namentlich soweit es sich um Anschuldigungen über Verfehlungen in den Gefangenenlagern handelt. Die Reichsregierung ist gesonnen, alles zu tun, um den Sachverhalt aufzuklären und vor allem ihre Bereitschaft und ihren Willen zu zeigen, w i r k l i ch e Ver­gehen zu sühnen. Alle Kreise des Volkes werden ein derartiges Verfahren begrüßen. Aber nie und nimmer kann es gebilligt werden, daß auf Grund beweisloser Behauptungen und eines so frivol und* oberflächlich zusammengestellien Materials Personen an den Pranger gestellt werden.

Aus ter Liste ter nicht mit Namen genannten An ge­schuldigten sind hervorzuheben: Der Kommandeure des Leib-Inf.-Regts. Nr. 115 vom 22. bis 31. August 1914, der Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 118 vom 20. bis 31. Aug. 1914, ter Kommandeur des Jnf.-Regts. 3. hest. Nr. 117 (18. Armeekorps) im Sept. 1914, der Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 83 vom 4. bis 22. Aug. 1914, der Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 115 vom 22. bis 31. Aug. 1914, ter Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 116 im Sept. 1914, tesgl. vom 21. bis 31. August 1914, ter Kommandeur des 11. Iäger-Batl.Marburg" vom 23. bis 25. August 1914.

Kundgebung der sächsischen Kammer.

In ter Sitzung ter sächsischen Volkskammer vom Dienstag erinnerte Präsident Fräsdorf-, in einer flam­menden Protestrete an die Hungerblockade der Entente, welcher Hund:rte deutscher Frauen und Kinder zum Opfer gefallen feien. Er erinnerte ferner an die Schandtaten ter Ententelänter, u. a an den Karls­ruher Kintermord und an die in Sernot befindlichen deutschen Matrosen. I,etzi solle Teutschland 900 Lands­leute zur Aburteilung an fremde feindliche Gerichte auÄiefern. Die Angeforderten feien schon verurteilt, bevor ter Prozeß beginne. Damit wolle man jede Schuld auf Deutschland abschieben und sich selbst der Welt gegenüber als schuldlos hinstellen. Dte Ausliefe­rung ist eine Unmöglichkeit. Sie würde einen Bürger­krieg zur Folge haben. Wenn Schuldige zu bestrafen seien, so habe dies von deutschen Gerichten zu geschehen. Unter dem Hefen Eindruck ter Worte b'S Präsidenten beschloß das Haus, als äußeres Zeichen tes Protestes sich zu vertagen- Nur die Unabhängigen erhoben Ein­spruch dagegen.

Der Kronprinz will sich aasfiefern.

Der Adjutant des ehemaligen deutschen Kronprin­zen richtet ein Schreiben an dasAllgemeen Handels­blad" ,in dem er das holländische Blatt ersucht, ein Telegramm zu veröffentlichen, das der vormalige Kronprinz an die Oberhäupter der feindllchen Staaten

empfing sie mit ungewöhnlicher Herzlichkeit, denn sie brannte *or Neugier. Als die e:fte Aufregung über den Räuber vorüber war, hatte sie es nämlich angezeigt ge- firten, noch eine Zeitlang trotz Bettis Abbitte die Ge­kränkte zu spielen und hatte sich auf ihr Zimmer zurück­gezogen: mich Edith hatte sie untersagt, himmterzugehen. Und das hatte sich schwer gerächt. Sie muhte den:m hören, den tobenden Grafen in Gustavs Armen sehen, die Aufregung im ganzen Hause wahrnehmen und erfuhr nicht, was corging; Fritz, auf den sie im stillen hoffte, war unsiObor. So kam ihr Emma sehr gelegen, aber sie wollte doch nicht direkt aus ihr Ziel lossteuern.

Du kommst wohl, um uns zu beglückwünschen?" fragte sie heiter.

Das kann ich nicht, weil ich zu wenig weiß," ent­gegnet« Emma: Betti hat mir nur ganz nebenher gesagt, daß Edith' verlobt ist, aber gratulieren werte ich erst, wenn ich genauer unterrichtet bin; das ist ja bei ter Auf­regung, die nn Hause herrscht, nicht möglich."

Was ist denn eigentlich los?" fragte Amalie schein­bar erstaunt.

Das zu erklären, bin ich eben hier," entgegnete Emma. Du warst so freundlich, einem Bekannten, ter mich heute auffuchte, in meiner Abwesenheit Gesellschaft zu leisten und hast ihm sogar einige Proben Deiner Kunst gegeben. Der (Erfolg war einerseits ein sehr schmeichelhafter, ander­seits ein sehr unangenehmer: der Graf hat Dich nöml'ch wirklich für irrsinnig gehalten und vor Dir die Flucht er» griffen."

Ist das möglich?" fragte Amalie in frohem Erstaunen.

Ja, es ist so," bestätigte Emma nochmals.Ich fand ihn im Gemeintewirlshmis noch ganz unter dem Eindruck Deiner Kunst und ich hatte alle Müh«, es ihm auszureden, daß Du wahnsinnig seist. Dann natürlich gab es kein Hatton für ihn, er mußte zurück, um Deine Verzeihung zu erlangen.

Die ist im voraus gewahrt," versetzte Amalie enthu­siastisch,einen solchen Irrtum verzeihen Künstler gern."

Nun laß mich zu Ende kommen," fuhr Emma fort. Das Benehmen des Grafen hat feibstverständl'ch hier Anlaß zu Mißdeutungen gegeben, man hat ihn für einen Schwindler oder gar Räuber gehalten und der Empfang war dementsprechend. Fritz hat ihm einen Hand voll Sand in die Augen geschleudert."

Dieser abscheuliche Range!" ries Amalle empört. Uebrigens, das Kind kann eigentlich nichts dafür, das ist Erziehungsjache. Im Vertrauen gesagt, teuerste Emma

richtet. Der Kronprinz erklärte darin, das Verlangen nach Auslieferung deutscher Männer habe sein Vater- f land von neuem einer Krisis gegenüber gestellt, welche bisher im Leben eines Volkes noch nicht dagswesen sei. Wenn die feindlichen Regierungen ein Schlacht­opfer nötig hätten, dann sollten sie ihn nehmen an­stelle ter 900 deuffchen Männer, die keine Verbrechen begangen hätten, als ihrem Daterlande oedfett zu haben.

Eine neue Kaisernote.

Die Londoner ,Times^ meldet, daß der Oocrstc R a t in Paris eine neue Note über die Auslieferung tes deutschen Kaisers verfaßt, die der niederländischen R gierung überreicht werden soll. Diese Note wird in London bei der Zusammenkunft der alliierten Minister besprochen werden.

Die Abstimmung in Schleswig.

Die Abstimmung in der ersten Zone brachte am Dienstag in Nordschleswig viel Leben in das Land. Seit früh morgens war der Zudrang der Stimm- beretbttoten zu den Wahllokalen außerordentlich stark. Die Abstimmung scheint im allgemeinen ruhig ver­laufen zu sein. In allen Städten und Dörferu waren die Fahnen heraus. Auf dem Lande über­wogen die dänischen, in den Städten die deutschen. Die vielen Stimmberechtigten von auswärts gaben dem Leben ein fremdes Gepräge. Sehr zufrieden äußerlen sie sich über den herzlichen Empfang, der ihnen überall geworden sei.

wtb Kiel, 11. Februar. (Tel.) Bis gegen 3 Uhr morgens wurden für Deutschland 20 924 Stimmen, für Dänemark 25 279 gezählt. Eine Anzahl Landgemeinden steht noch aus.

Oberschlefien vor der Uebergabe.

Oberschlesien wird am heutigen Mittwoch über­geben. Die Vorbereitungen zur Uebernahme des Abstimmungsgebietes durch die in eralliierte V>r« waltirngs-und Abstimmungskommission sind vollendet. Der deutsche Abstimmungskommissar, Dr. Brüning, hat sich bereits nach Oppeln begeben und ist dort empfangen worden. Seine Wahl ist eine besonders glückliche, da er bei der gesamten Bevölkerung großes Vertrauen genießt und ein bewährter Fachmann für alle in Frage kommenden Angelegenheiten ist. Ein Abstimmungstermin ist noch nicht festgesetzt. Nach dem Friedensvertrag soll die Abstimmung nicht früher als 6 und nicht später als 18 Monate nach dem Amtsantritt des internationalen Ausschnsses statt finden.

Aufhebung des deulsch-belgifchen Fluanzverirüges

Der Reichsminister des Auswärtigen, Müller, hat die belgische Regierung verstäMgt, daß wegen der Be­teiligung Belgiens an ter Auslieferungs­liste das Ente November vorigen Jahres abgeschlos­sene deutsch-belgische Finanzabkommen hinfällig sei. Die belgische Regierung hatte in den Verhandlungen über dieses Abkommen sormell erklärt, daß sie auf die Aus­lieferung verzichte. Diese Zusage hat die belgische Re­gierung ebensowenig eingeholten, wie die Zusage, die deutschen Vermögen in Belgien nicht zu liquidieren. Da beite belgische Erklärungen vom Finanzvertrage untrennbar sind, so ist mit dem Wort der gegebenen Zu­sage auch der Finanzvertrao aufgehoben . (Nach dem Finanzabkommen sollten 6,1 Milliarden deutscher Mark, die sich seit der Besetzung Belgiens durch unsere Trup­pen dort befanden und zum Zwangskurse von 1,25 Fr. für eine Mark zirkulicrien und nach der Räumung Bel­giens aus dem Verkehr gezogen waren, von uns im Zeitraum von insgesamt 40 Jahren eingelöst werden.)

Avs t(tn ltscttcri Eckiet.

* MitteleuropS scke Zeit. In der Nacht mm 15 Fe­bruar wirb im (Sijenbabnbetrieb des besetzten Gebietes anstelle der westeuropäischen Zeit unsere eine Stunde frü^r he en de mtttelcurrp tiirhe Seit ein enlhri.

Tie Blutsauger. Infolge ter Umrechnung aus der fr mten Währung, in ter Teutschland die militä­rischen Ueberwachungstommissionen der Entente auf deutschem Boden zu bezahlen hat bekommt der gemeine Soldat etwa 250 Mark, der Unteroffizier 325, jetet Kommissar 800 und jeder Vorsitzende 900 Mark täglich. Tie Offiziere erhalten außerdem eine einmaligeEnt. schädisungssumme" von 20 000 Mark.

Derdeutsche Ausverkauf", ,o wird vom Nieder­rhein berichtet, scheint in den letzten Tagen auf uns-re holländischen Nachbarn ganz besondere Anziehunaskrast auszuüben. Alle von der Grenze nach Deutschland führenden Landstraßen sind buchstäblich schwarz von Radfahrern, die in den kleineren und größeren Städten in Dülken, Viersen, Gladbach, Krefeld usw. alles, aber auch buchstäblich alles auftaufen und auf ihren Rä­dern nach Holland verschleppen. Der iieie Stand der deutschen Valuta hat für die Holländer etwas Verlocken­des und da, wo der deutsche Konsument mit schwerem Herzen auf notwendige Käufe verzichtet, kauf der Hol­länder zu einem für ibn spottbilligen Preis. Auch die nach Hotlano fahrenden Zage werden benutzt, um Deutsch­land möglichst schnell von allen Gegenständen des täg­lichen Bedarfs zu entblößen. Infolge dieser Auskäufe nähern sich die Preise im besetzten Gebiet mit unheim- licher Schnelligkeit den Weltmarktpreisen, damit für die Bewohner des linken Niederrheins ganz unerträgliche Zustände schaffend

* Verboten wurden sämtliche in Neustadt in der Pfalz erscheinende Tageszeitungen auf drei Tage, toril sie ein Inserat über Die Grenzspende für die Abstim­mungsgebiete veröffentlichten. ___

Tas französische Polizeigericht zu Jülich (Rhcrn- lanb) verurteilte die Witwe Frantzmann von dort, weil sieals sie die Kommandantur verließ, in einem An­flug von unverkennbarem Zorn heftig die Tür zuge» schlagen hat", zu 100 Mk. Geldstrafe.

Beruhigung in Oberschlesien.

Die Erregung in Oberschlesien beginnt sich zu be­ruhigen. Dazu hat das vernünftige Verhalten der französischen Lesatzungsoffiziere beigetragen, die von Vergeltungsmaßnahmen wegen der Gleiwitzer Unruhen abgesehen haben. In Oppeln fand am Freitag die letzte Parate ter deutschen Truppen auf oberschlesi­schem Boden statt. Vertreter der staatlichen und städ­tischen Behörden sowie eine große Menschenmenge wohnten ihr bei. Mit zum Teil umflorten Geschützen zogen die Truppen vorbei während aus den Dächer» die Fahnen auf Halbmast hingen. Immer wieder wur­den die abmarschierenden Truppen von ter Bevölke­rung beorüßt und ihnen ein Wiedersehen zu gerufen. Unterdessen arbeiten die fremden Missionen fieberhaft, um die interalliierte Verwaltung pünktlich mit Ablauf tes militärischen Interregnums, also am 11, Februar übernehmen zu können.

* In Ttrafiburg fand kürzlich eine von Tausender von Beamten. Lehrern und Vertretern der Gewerkschaf, ten besuchte Versammlung statt, in ter einstimmig er­klärt wurde, daß die Stellung unb die s o z ia l e n Rechte der Beamten durch die deutschen Gesetze weit kräftiger geschützt worden seien als durch die fran. zösischcn.

* Bosnische Truppen in sranzösischer Uniform. Der »Ostdeutschen Morgenpofff wird ans PIeß ge­meldet, daß von der dort einaetroffenen französischen Besatzung in Stärke von 250 Mann nicht nut der größte Teil der Mcmmchafteri, sondern auch ein großer Teil der O fiziere Polnisch spricht. Offenbar handelt es sich um polnische T>Uppen in fianzö» sischer Uniform. Auf wlche Weise legen die Fran­zosen den Friedensveitrag aus und suchen die Ab­stimmung zugunsten des Anschlusses an Polen zu beeinflussen.

* I« Plauen im Vogtlande sind Reichswehr­truppen eingerückl. Tie Besetzung steht vermutlich

diese Kienholzen sind von einer Unbildung, schrecklich! Der arme Graf!"

Nun, ich sehe. Du bist geneigt, feine Entschuldigung freundlich entgegenzunehmen; ich bitte Dich, komm dann zu Tisch."

Frau Amalie sagte bereitwillig und erfreut zu.

Unterdessen hatte sich Graf, von Gustav geleitet, ins Derandaziimner begeben und Gustav war bann gegangen, die Tante zu holen. Graf, ter gute Mann, konnte sich eines bangen Gefühls nicht erwehren, als er so allein in dem Zimmer saß, in dem er einige Stunden vorher To­desangst ausxestanten hatte. Unwillkürlich fah er sich nach dem Papiermesser um, erblickte es aber nicht, und ebenso unwillkürlich saßt« er eine Quaste der Tischdecke. Er schrak zusammen, als sich die Türe öffnete, und war inner« sich froh, daß die Einttetente nicht Amasie hieß.

Frau Betti trat in sichtlicher Befangenheit auf ihn zu.

Herr Graf," sagte sie bittend,lassen Sie Gnade für Recht ergehen, beim sonst weiß ich wahrhaftig nicht, nrie und wo ich ansangen soll, mich für die Ungeheuer­lichkeiten zu entschuldigen, di« Ihnen in diesem Hause wi­derfahren sind, teils durch ten nervösen Zustand meines Mannes, teils durch die grenzenlose Dummhett meines Jungen. Ich kann Sie nur um Verzeihung bitten."

0 bitte, bitte, gnädige Frau, nicht jo temütic« Worte!" sagte Graf verbindlich.Angenehm nur en ja die Sachen nicht, da müßt' ich schon lügen, wenn ich das behaupten wollte, aber jetzt ist's vorbei und es hat ja mciter keine Folgen; also mag's auch vergessen sein."

Ich danke Ihnen, Herr Graf, Sie sind zu gütig," rief Frau Betti erfreut.Ich wollte, es wäre nicht mein Mann gewesen, ter Sie heute morgen empfangen bat, fo wären Sie wenigstens nicht dos Opfer seiner Nervosität geworben. Sein Zustand erfüllt mich wirklich mit Angst, ich kenne mich gar nicht in ihm aus, er ist so unberechen­bar und hat fo merkwürdige Einfälle und sonderbare Ideen."

Herr Gras zog die Augenbrauen in die Höhe; ihm war jetzt der erleuchtete Gedanke gekommen. Aha. dachte er bei sich, jetzt wird mir die Geschichte klar: ter Herr Vetter vom Land hat selber ein Radel zu viel und wie alle Nar­ren hält er andere dafür. Na, jedenfalls mache ich mich fo bald als möglich auf die Strümpfe; das ist ein gefähr­liches Haus, mag Frau Riedel sogen, was fie will.

Frau Kienholz aber fuhr klagend fort:Heute zum Beispiel kommt er wieder gar nicht nach Hause, ich weiß rri&t, wo er bleibt bas hat er jonjt r» getan; er ist doch

bloß in die Felder gegangen, und da verspätet er sich sonst höchstens um einige Minuten. Heute hab« ich Ihret­wegen, Herr Graf, die Speisejtunde später angesetzt, uni) er ist noch nicht da; ich fürchte einen Unfall."

Herr Graf war ruchlos genug, das innerlich nicht als Befürchtung zu empfinden, er sagte aber beruhigend: Nun, nun, das Unwetter wird eben irgend einen Scha­den angerichtet haben, dessen Erhebung längere Zeit dauert."

Sie mögen recht haben, Herr Graf, hosfentsich ist es nichts anders", entgegnete sie.Daff ich Sie aber jetzt zu Tisch bitten?"

Graf verneigte sich und sie gingen zusammen, beite froh, daß di« fatale Sache abgetan war.

Aber im Speisezimmer harrte Frau Amasie des Gastes unb sie stürzte auf ihn zu, ihm beite Hände entgegen» streckend.

Ich danke Ihnen für ten Triumph, den Sie mir heute bereitet haben", rief sie aus.Sie sind ein Opfer meiner Kunst geworden, aber ich hoffe, Sie schlagen die Unannehmlichkeiten, die Ihnen daraus entstanden sind nicht zu hoch an."

Graf hatte sich schnell gefaßt.Sie sind bereits ver­gessen", entgegnete er anscheinend begeistert,aber di« Erinnerung an den hohen Kunstgenuß wird bleiben."

Sie sollen noch mehr davon haben," versprach sie großmütig.Schenken Sie uns noch einige Tage das Vergnügen, meine Verwandten werben gewiß entzückt sein."

Gewiß, gewiß," beeilte sich Frau Betti zu versichern.

Ich muß leider den Vieruh zug benutzen, so gern ich auch in diesem Hause verwetten möchte," beteuerte Graf, vor sich selber über diese dick aufgetragene Heu­chelei errötend. Frau Vetli ihrerseits hatte Mühe, ihre Freute über diese Aeußerung zu verbergen.

Dann ging es ans Vorfällen der Kinder, das heißt mit Ausnahme Fritzens, ter Ordre erhalten hatte, in ter Küche zu essen, em« Strafe, die er aus Furcht vor dem Grafen sehr gern annohm. Trine hatte efft versucht, ein Gespräch anzuknüpfen, aber Fritz ve harrte in düsterem Schweigen, teils weil er fürchtete, es könne ihm wider Willen ein Wort von dem Geheimnisse entschlüpfen, teils wett er ihr mit diesem Schweigen imponieren wollte. Dies gelang ihm nun allerdings nicht, denn Trinens allem Hohen abgeroanbter Sinn suchte den Grund feiner düsteren Stimmung nur in einer besonders ausgiebigen Ration Prügel, die er erhalten haben mochte.

(FoUjetzuug folgt.'