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47. Zahr;

Dienstao, 10. Zebruar 1920

Nr. 3X

Derunlworilich für den rebaitioncUcn Teil: Kart Schutte, : iür die Anzeigen: I. Parzetter-Futda n

RoiaNonsoruck l Der lag der Kuldaer Äctiendluckcrei in Fulda. Fernjprecher Nr. S Trlegr.-Adresse: Fuldaer Z-itung

Bezugspreis: Monatlich 1,30 lilL ohne Zustellungsgebühr. - In Fu da bei uns abgehotl 1,40 HU. ::

Änzelgeripre a: DieK teinzeile (nach Colonel chrift) 53Psg„ die Reklamezeile(Textbreiie) 1 Alk., bei 'Li derholung :Hn5att.

Die offizielle Auslieserunasliste

(ft noxt, nicht belannt gegeben woiten. Tie amt­lichen Stellen sind noch nut der Uebersetzung des fast zwe hundert enppe ttricbine Schre bma chi» «en eiten parken Schriftstücks beictäftigt. Borans- sichtlich wnd ober der offizielle T xr im Lauf des heutigen Togks vercffenlticht. Vorläufig ist nur (estgestellk, daß mit dem auf der Liste flehenden ßräfen Bernstorfs nicht der Botschafter gemeint j,l. Auch der auf ibr genannte Trvtba ist nicht her Admiral von Trotha. 2ei dem geforderten Auer handelt es sich um einen Major Auer, also nich tum den bayerischen fo-ialdemokralischen Minister Auer.

Die Meichsregieiung hält nach wie vor die Aus- ßeferunn für undurchführbar. Tarübcr besteht volle Einmütigkeit im Kabinett, und alle gegenseiti» tzkn Behauptungen sind unzutreffend. Aber selbst- versiändlich wird sie die Noien nicht einfach zurück- veiien, sondern sie wird durch erneute Gegenvor­schläge die geschaffene Kufe zu losen versuchen Die Negierung läßt erneut festsrellen, daß die Gr en- zen, innerhalb deren ihr ein Entgegenkommen in der Auslieferungsfrage möglich ist, in oer Note vom 25. Januar festgesetzt sind. Die Hauptsache ble.br hadei, daß die Deutschen nicht dem Zugriff der En­tente ausgesetzt werden können. Deshalb wild Deutschland auch eine Verhandlung in Köln vor hem dortigen Gericht, die in der feindlichen Preße oorgeschlagen wurde, ablehnen. Im besetzten Gebiet würden die Ausgelieferten der Entente aus Gnade und Ungnade ausgeliesert sein.

Ter Auswärtige Ausschuß.

Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten be. schäftrgte sich Montag am späten Nachmittag mit der Suslreferun, Ssrage. Zum Schluß der Bei Handlungen, die wie alle Sitzungen dieses Ausschusses streng vertrau­lich waren, faßte der Vorsitzende Scheldemann da» Er­gebnis der Verhandlungen folgendermaßen zusammen: Unbeschadet mancherlei Ausstellungen im einzelnen stelle ich fest, daß der Ausschuß sich in der Auslieferungsfrage einverstanden erklärt mit dem bisherigen Verhalten und den vorgesehene» Schritten der Regierung.

Die Begrüuduug der Anklage gegen die Heerführer.

Aus der Auslieferungsliste kann ferner noch mit. gete.lt werden, daß der Frankreich betreffende Teil sicht nur die Angabe der AuSlieferungSgründe, Jcntern «ich einen groß:» Teil des Beweismaterials, das die französische Regierung gesammelt hat: Aufgefundene deutsche Armeebefehle, Aussagen von Kriegsgefangenen sowie tie Aussagen der Bevölkerung befinden sich in den Anlagen der Liste. Die Anklagen gegen eine An. «chl deutscher Heerführer, so vor allem gegen General, feldmarschall von Hindenburg und General Lu- dendorff, sind sehr allgemein gehatkttr.' Me. Mn Hindenburg wird vor allem eine Unterredung vor- gebrachr die er im ersten KriegSjahre mit einem Be- richterstatter eines Berliner Blattes gehabt hat. Weiter wird ihm vorgeworfen, die Verwüstung des Sommege. bieteS zielbewußt herbeigeführt zu haben. Gegen Lu­dendorff wird ein Armeebefehl zitiert, in dem es heißt, daß die französische Bevölkerung zu den Arbeiten her. angezogen werden müsse, und daß kein französisches Mädchen weniger arbeiten dürfe, als die zurückgeblie. bene Bevölkerung Deutschlands. Besonders umfang, reich gestaltet sich das Anklagematerial gegen den ehe. maligen Deutschen Kronprinzen und den Kron. Prinzen Rupprecht von Bayern.

Großadmiral v. Tirpitz steht wegen des unein. geschränkten U.BootkriegeS auf der englischen Ausliefe, rungsliste. Der Name Hasel er bezieht sich nicht auf den toten Gnieralfeliünarschakl, sondern auf efnen lllanenoffizier gleichen Namens. Für die französische Psyche ist es bezeic^icnd, daß eS bei einem Bis. m a r ck dessen Auslieferung gefordert wird, als Be- rufsbezeichnung bemerkt steht Enkel des Reichskauz. lerS.

(Sine deutsche Gegenliste.

Amerikanische Blätter melden nach einem Tele­gramm der bekannten d'vt ch-amerikaniichen Jour.

Der Sänsedoktor.

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Aber plötzlich flimmerte es ihm rot vor den Lugen und sein« Wangen brannten wie Feuer. Der Held, der Retter hatte von Gustav einen gänzlich unerwarteten Lohn für seine kühne Tat empfangen. Auf das fortlousende Geschrei des unglücklichen Graf eilten nun auch Frau Kien- holz mti) Manschen herbei; ohne weiter« Erklärungen brachte man Wasser und half dem Armen seine Augen nuciwaschen; man führt« ihn dann In Gustavs Zimmer und ließ ihn dort niederlegen; Gustav macht« ihm Um* schlage auf di« Augen.

Fran Emma schloß sich mit ihrer Couftne ein und er» zählte ihr den Sachverhalt, wie sie ihn von Graf ersah en hatte, hütet« sich aber, sie darüber aufzuklären, wie sie die Sache ins Reine gebracht hatte. Kienholz durfte von sei» xer Fran nicht beruhigt werden ,« mutzte feine Strafe haben, und Frau Detti schadet« ein bißchen Angst auch nicht; st« war doch Emma gegenüber nicht ganz aufrichtig gewesen in betreff Amaliens.

„Ö dieser Mann, dieser 2Rann!" jammerte Frau Kien­holz fassungslos. „Du weißt ja gar nicht, Emma, wie dar alles zufammenhängt; er wollte überklug jein und jetzt hat er nichts als Blamage auf allen Seiten!"

Und nun sprudelte ste olles heraus, was ste schon so lange gedrückt hatte: Amaliens Reichtum, die Heirats- Plön« mit Waldemar, das Fernhallen oller Männer, die Geschichte mit dem Tierarzt und als Endergebnis all' die­ser Anstrengungen Ediths Be lobung mit eben diesem Tier» »rzt, der wegen seiner Ungefährlichkeit geholt worden war. Fnm Emma halte Mühe, das Lochen zu verbergen; das war wieder etwas für Gustav, der würde Purzelbäume schlagen vor Vergnügen.

.Ich bitte Dich um Gottes willen. Emma, hilf uns ®b dieser Klemme!" fleht« Frau Kienholz. .Was sollen ®ir dem Grafen sagen, was Amalien? Und jetzt das von 8ritz. es Ist furchtbar!"

.Amalie nehme ich schon auf mich", erklärte Emma, .aber mit Deinem Mann ist das eine Geschichte, von der lch nicht eveitz, wie st« aus geht. Gegen Damen ist der Graf ungeheuer ritterlich, aber Männern gegenüber wie Bon Eisen. Und dabei so schwer zugänglich, daß man nicht einmal ein gutes Wort entlegen kann. Er läßt sich äußer­lich nichts anmerken und handelt nur nach seinem Gut- dünken."

nalistkn v. Wiegand, daß Deutschland die Ausliefe- luagSlisie der (interne mit einer deutsche» Ufte ju b antworten beab ichtiae, die eine Aussteiliing von Angehöiteen oller atli.eiten Staaten enthalte, die beschuldigt werden, Beidiechen und Oben Itaten gegen die KriegSge etze bedangen zu loben. ^Tiese Liste solle als Anhang der deut chen Aniwoit auf die Auslie» ferungcforderung der Emenie in den nächsten Tagen überreicht werden. Deutschland werde keine Aus- lieferung foidern, wolle aber der Welt beweisen, daß nicht nur die Enienremächte solche Anschuldigungen erheben könnten. Es bandle sich dabei um eine um» fannreiche Ar e t, in der die Berb-echen ro4> Kre«<-» Eorien eingeteilt und aufgezählt würden. Das Be­weismaterial sei beigesügt. Es würden in der deut­schen Liste aber kein« höheren Staatsmänner und Armeeführer der Alliierten verzeichnet sein, sie be­schränke sich nur auf solche Personen, die wirklich Ver­brechen begangen haben sollen.

Diese Mitteilung des Herrn v. Wiegand bezieht sich offenbar auf das Material, das während des Krieges bei verschiedenen deutschen Amtsstellen über verbrecherische Handlungen durch feindliche Staatsan­gehörige gesammelt worden ist, und auch die Feinde werden nicht bestreiten wollen, daß bei einem so lan­gen Krieg die Roheit auch bei Angehörigen ihrer Länder durchgebrochen ist. Solche Taten und Ver­brechen sind auf allen Seiten begangen worden.

Sie Grenze der Tyrannenmacht.

Fr. Stampfer stellt im „Vorwärts" fest, daß nach dem Friedensvectrag die Entente nur das Recht habe, die militärische Besetzung länger auf­recht zu erhalten, wenn Deutschland die Ausliefe­rung verweigert. Ein anderes Recht steht ihr ver­tragsmäßig nicht zu. Jnsbe andere hat sie wed-er das Recht, die Gefangenen zmückzuholten, noch die Blockade zu verhänaen. noch weitere Ge­biete Deutschlands zu besetzen. Blockade und Einmarsch könnten nur vom Völkerbund angeordnet werden, die Zurückhaltung der Kriegsgefangenen zu verfügen, stände rechtlich auch diesem nicht zu. Deutschland hätte da­nach, wenn rein vertragsmäßig vorgegangen würde, überhaupt keine unmittelbar wirkenden Zwangs maßregeln zu befürchten. Die zeitliche Verlängerung der feindlichen Besetzungen würde erst nach fünf Jahren beginnen, sich geltend zu machen, und was dann fein wird, vermag niemand vorauszusehen.

Die Kohlenlieferungen an Frankreich.

Die Drohrede des französischen Mimster- prösidenten Millerand in der Kammer, er werde »üt ihm möglichen Maßnahmen treffen, nm von Deutschland alles zu erholten, was es nach dem Friedensvertrage schuldet, ist nicht überraschend. Wir wissen, daß den französischen Machthabern die aller- schlimmsteti Absichten zuzutrauen sind.

Auffallend an der Drohrede ist nur das Hervor­kehren der Kohlenfrage. Millerand sagte:

Deutschland müsse 27 Millionen Tonnen Kohlen jährlich liefern. Die Deutschen verbrännten mehr Kohlen als die Franzosen. Das sei eine Laxe, die er nicht annehmen könne. Er verlas alsdann das Kohlenabkommen und erklärte: falls Deutschland seinen Verpflichtungen nicht Nachkomme, werde man zu wirt­schaftlichen und finanziellen Druckmitteln und allen an­deren nützlich erscheinenden Maßnahmen greifen, ohne daß Deutschland da» Recht habe, sie als einen feind­seligen Akt zu betrachten. Die Alliierten bedielten sich das Recht vor, militari) d?e oder andere ZwangS- maßnahmen zu treffen.

Liegt wirklich die Kohlen Pressung der französischen Regierung so sehr am Herzen, daß sie deshalb einen neuen Krieg in Gang setzen möchte? Oder werden dir Kohlen nur vorgeschoben, um für die weiteren Gewalt­maßnahmen einen besseren Vorwand zu finden, wie die Nichtauslieferung der verfolgten Personen?

grau Kienholz fuhr empor. »Er wird sich doch", stam­melt« sie erbleichend, „er wird sich doch nicht duellieren wollen?"

„Hoffentlich wlrd's nicht so arg werben", entgegnet« Emma beruhigend, „ich werde tun, was ich kann. Ich gehe gleich zu ihm."

Si« erhob sich und verließ das Zimmer, Frau Kien- Holz schickte Kinder und Dienstleut« auf di« Such« nach ihrem Manne. Auch Fritz kam ihr unter die Augen, aber ste vergaß in ihrer Herzensangst ganz, ihn für seinen un­geheuerlichen Streich zu bestrafen, sondern rief ihm nur zu: „Lauf, Fritz, was Du kannst und such den Papa, sag ihm, daß der Graf da Ist und daß ich in Todesangst bin."

Und Fritz lief und war auch der erst«, der den Vater sand; dieser erschrack, als er {einen Sohn auf sich zu- rennen sah.

„Was ist denn?" fragte er mrruhig.

„Der Räuber ist wieder da, Papa", berichtete Fritz atemlos, „aber er ist gar kein Räuber, er ist ein wirklicher Graf, und di« Mama hat gesagt, datz si« in Todesangst ist."

Derselbe Gedanke, der Frau Kienholz durchzuckt hatte, durchzuckte jetzt auch ihren Gatten; augenblicklich dachte er an ein Duell und es überkam ihn eine rasende Angst. Wenn er so verbluten mutzt« wegen dieser Amalie und sein Weib und feine Kinder hilflos zurücklics.

Rein, bas durfte nicht geschehen!

„Komm, Papa!" bat Fritz, dem es neben dem schwel- groben Mann, auf besten Gesicht sich dir innere Angst widerspiegelt«, ganz bang wurde.

„Wart, mein Kind, ich mutz mir was überlegen", jagte Kienholz sanft, bann setzt« er sich aus den Haften Wiesenabhung und blickte starr rot sich hin. Endlich zog er sein Notizbuch, das er immer aus seinen Gängen durch die Wirtschaft mit sich trug, um alles zu notieren, was er hier und dort zu bemängeln fand, aus der Tasche, riß ein Blatt heraus und begann zu schreiben.

„Liebe Betti! Ich ahne, was mit droht und nicht Feigheit ist es, die mich fliehen läßt, fonbe n nur Liebe zu Dir und den Kindern. Ich gehe sofort zu Fuß nach Grürlinbe und bleibe A Elefanten, bis ich Nachricht von Dir habe, sprich unterdessen in Gegenwart des Grafen unbestimmte Befürchtungen in betreff meiner Person aus. sage, ich batte in den letzten Tagen über Kopfschmerz und böse Träume geklagt. Wenn der Gras länger zu verweilen beabsichtigt, schicke mir am Abend durch Christian, dem xTu einen Schwur zum Schweigen ahn im ' -'nen Koffer ‘. mit dem Nötigsten >ind vor w Elefanten;

Die Kohlensroge läuft schließlich auf dasselbe tote Mais, wie die Aurlkfcrungsfrage: Deutschland kann das Unmögliche nicht leisten.

Deutschland hat, wie die sranzösische Presie selbst berichtet, der Botschafterlonserenz eine Denkschrift über­mittelt, in der ziffernmäßig dargelegt wird, wie die deutsche Kohlenförderung durch die Abtrennung von Grubenbezirken im Osten und im Westen sowie durch die Verkürzung der Arbeitszeit und der Ar­beitsleistungen beeinträchtigt worden ist, und daß nach Abzug der unentbehrlichen Kohlen für Heizung und Berkehrsmittel sowie nach Abzug der Im Friedensver­trag vorgesehenen Lieferungen für die deutsche Industrie nur 7 Millionen Tonnen ver­fügbar bleiben, während die Industrie vor dem Kriege 93 Millionen Tonnen gebraucht habe.

Wir Deutsche können nur den Kopf schütteln, wenn wir hören, daß in Paris der Ministerpräsident srisch- weg behauptet, wir verbannten mehr Kohlen als die Franzosen. Wir spüren es Ja unmittelbar an unseren frierenden Gliedmaßen, an der Finsternis in unseren Wohnräumen und auf der Straße bei versagender Gas- und Kraftlieferung, wie jämmerlich es mit unserer Kohlenverssrgung bestellt ist, und wie die Werkstätten, die Eisenbahnen unter dem Kohlenmangel leiden, sehen wir mit eigenen Augen, können es auch von den halb oder ganz Arbeitslosen hören. Wenn die Franzosen trotzdem, wie der Jude von Venedig, auf ihrem verpraßten Schein bestehen und uns mit Gewalt den letzten Rest unserer Rotkohlen entreißen wollen,, von dem sie auch nicht warm werden können, so kann man den Verdacht nicht los werden, daß die sranzösische Regierung immer noch mit dem Gedanken spielt, über Deutschland herzufcllen, um ihre alten Liebhabereien zu verwirklichen: Besetzung des Ruhrgebiets, Bordringen am Main herauf, Absperrung von Süddeutschlanü, An­gliederung des Rheinlandes ufw.

Das läuft auf nichts Geringeres hinaus, als auf die wirtschaftliche und politische Vernichtung Deutsch- lands. Die Verbündeten Frankreichs scheuen davor zu­rück, weil sie Deutschland als leistungsfähigen Schuld­ner am Leben erhalten wissen möchten. Die französ. Regierung aber wird nicht allein von unauslöschlichem Hasse getrieben, sondern auch von einer peinlichen Furcht vor einem genesenden Deutschland. Das zeigte sich schon von Anfang der Friedensverhandlungen an in dem krampfhaften Streben nach außerordentlichen „Sicherheiten" sür Frankreich, das auf seine eigene Kraft keine Hoffnungen setzt, sondern in Schutzbünd­nissen und vorgeschobenen Militärposten seine Gemüts­ruhe suchte. Das alles schemt den ängstlichen „Sie­gern" noch nicht ausreichend zu sein. Sie suchen wei­tere Sicherungen und arbeiten deshalb darauf hin, die Genesung Deutschlands zu verhindern, den gesürchteten Nachbar vollends zu v e r n i ch t e n.

Es fragt sich nur, wie lange die anderen feindlichen Mächte sich noch an diesen Wagen des Verderbens spannen lassen.

Vergewaltigung deutscher Kriegsgefangener.

In Basel kam e» bei der Durchfahrt «ine» T-anS- portzuge» mit deutschen Krieg» lefangenen zu einem Zwischenfall. Es handelte sich um deutsche Kriegsge­fangene, die au» ehemals zu Deutschland gehörigen, jetzt an Polen abgetretenen Gebieten stummen. Sie weigerten sich in Basel plötzlich, weiteigufabren und machten Anstalten, den Zug zu verlassen. Es gelang der militärischen Begleitmannschaft, ine Leute wieder in die Waggon» zu bringen. Aber auf der Fahrt nach Zürich gelang e» trotzdem 35 Mann, zu flüchten, indem sie aus dem in voller Fahrt befindlichen Zug sprangen. Die Leute sollten nach dem Wuniche der Entente nach Polen geführt werden, um gegen Sowjetrußlanü zu iänpsen. Sie weigerten sich aber, dies zu tun, sie hallen sich nicht für Polen, sondern für Deutsche. Die Geflürbteten wurden von oer Polizei und Militär ver- solgt und zum Teil wieder eingebracht. Der Zug Wurde bis Sargan» von bewaffneter Züricher Polizei begleitet, auch folgten ihm vier Äutomooil«, um eiwn-ze Ftücht-

lch habe nicht einen Pfennig bei mir. Ich reife dann mit dem ersten Mo:genzuge ab und gebe Dir von irgendwo Nachricht, datz lch einen Nervenarzt aufzusuchen ober mich in eine Heilanstalt zu begeben gedenke. Es ist schrecklich, womit man sündigt, damit wirb man gestraft. Werde Dir das später erklären. Dein stets besorgter und für Euch all« sich aufopfernder Galt« Ferdinand."

Es hat!« lange gedauert, bis dieser Dries beendet war, aber nun flog ein Lächeln bes Triumphes über Kienhol­zens bisher so düsteres Antlitz. „Der Kienholz tft ihnen doch über!" sagte er zu sich selber, faltete den Zettel kunst­voll, datz er nicht von unberufenen Händen ausgemacht werben tonnte und übergab ihn Fritz.

„Patz auf, mein Junge", sagte er eindringlich. „Du bekommst was Wunderschönes, wenn Du alles so machst, wie ich Dir's sage! Du gibst diesen Zettel heimlich der Mama, wenn Du sie allein triffst, sagst aber sonst überall. Du hättest mich nicht gefunden. Hast Du mich verstanden?"

„Ja, Papa", erwiderte Fritz und wiederholt« wie ein Soldat den Befehl; bann lief er eilends nach Hause.

Einige Minuten blieb Kienholz noch fitzen, dann erhob er sich mit einem Seufzer.

„Wenn ich bloß nicht so hungrig wäre!" murmelte er; „aber so mit knurrendem Magen die schmutzige Straße nach Erünlind« wandern, das ist kein Spatz."

Er setzte sich doch in Bewegung und stapf!« rasch vor- fwärts, nur hie und da einen Fluch knurrend, wenn eine Wasserlache gar zu breit oder der Schlamm gar zu zähe war. Unterwegs dacht« er nach, was er beim Elefanten sagen werde, wenn er in diesem Aufzuge und ohne Geld hinküme. Und mitten in einem Regentümpel blieb er plötzlich stehen, schlug sich vor die Stirn« und larfj'e auf.

„Das ich doch eigentlich für 'n geriebener alter Fuchs bin!" sagte er laut, sich selber ar.fiaur.enb; bann ging er vergnügt weiter bis zum nächsten Kilometerstein, lieft sich darauf nieder, zag wieder sein Notizbuch hervor, ritz ein Blatt heraus und schrieb. Auch diesmal dauerte ej lange, trotzdem es nur zwei Zeilen waren, die er aufs Papier warf.

I „Sehr geeh-ter Herr Kienholz, kommen Sie so rasch als ; möglich in den Elefanten, es handelt sich um Ihr eigenes Interesse in einer wichtigen Geschüftsangrlegenheit. Eile tut not."

„Sc," sagte er befriedigt und nickte; „für alle Fälle j kann ich den Zettel zeigen und schlieftlich war’s eine Misti- 1 fitaticn, bas schadet meinem Renommee nicht."

Ihne verfolgen zu können. Dank dem loyalen Entge­genkommen der Schweizer Behörd m hat der Zwischen» fall eine rasche und befriedigende Lösung gesunden. In Buch» wurde tm Beisein eines Sei tretet» der deutsche» Gesandtichait eine Äbst.mmun i unter dea Insassen dei Transportes vorgenommen, bei der si Y 800 Mann all deutsche ReichSangedörige bezeichneten, während sich die übn en 200 Mann al» Polen bekannten. Der Bunoesrat hat daramyin an eocSnet, d^ß der Tran»« Port aus schweizerischem Boden aus zu lös en sei. Dis bOO Mann, die die Heimfudrun i nach Deuts bland bet» langt hatten, wurden in Konstanz den deuts l en Behör­den ü.ietaebcn, die übrigen 20 J Mana werden übet Oesterreich nach Polen die Reise fortsetzen.

Abermals Schließung

vor» Eisenbahn-Werkstätten

Tie preußische Eisenba'ynverwa.tung bat, wie er­innerlich, vor einiger Zit 13 Elienbahnwerkstäitett zeitweilig geschlossen, weil diese Beiriede infolge fort­gesetzter Streiks und dauernder psivr Resistenz völlig unrentabel arbeiteten. Die W.rk tatten wur­den später w edec geöffnet, ober es wurden nur solche Arbeiter eingestellt, die die Arbeit zu den von der Regierung qefteUien Bedingungen (Alford Y'tem) aufnahmen. Wie ge tern gemeldet wurde, hat die Behörde jetzt «uch ein Haupistättenimt in Bres- l a u geschlossen. Heute erfährt man weiter, daß auch die E'senbahnwerkstätlen Halle, Delitzsch, Magdeburg-Buckau, Lüneburg und Göttingen, ebenso die in Limburg oe' schlossen wurden

Gen ralstreik in Solingen.

In der Solinzet und benachbarten Kleineisew industrie ist Montag morgen der Generalstreik aus- gebiochen. Die Zahl der Ausständigen beträgt zu­nächst 40 bis 50000. Die Ursachen für den Streik sind darin zu suchen, daß die Fabrikanien wegen ungenügenden Leistungen der Arbeiterschaft für den 19. Februar eine allgemeine Aus sperre in Aus­sicht gestellt hatten. Das Streilkomuee hat angeord­net, daß auch Notstandsarbeiten durch die Strecken­den nicht ausgefü^tt werden dürfen. Eine Sei mitte- lung der englischen Besatzungsbehörde ist bisher nicht erfolgt._______________

• Die Abstimmung in Nordschleswig findet für die erste Zone heute statt. In 22 Sonderzügen trafen Stimmberechtigte aus verschiedenen Gegenden Deutsch­lands ein. die mit großem Jubel empfangen wurden. Mit erheblichen Mitteln arbeitet die dällische Propa­ganda, um Stimmen zu werben. Bon verschiedenen Orten wird die Verteilung größerer Summen an Stimmberechtigte berichtet. Die Dänen versuchen auch den Stimmberechtigten ihre Papiere abzukaufen; es werden Preise vou 500 bis 1200 Mark geboten Schamlos! _____________

Deutsches Reich.

c Achtstündige Bureauzeit. In Uebereinftimrnung mit der Stellungnahme, welche der Allgemeine Deutsche Beamienbund >n einem Ausruf an die Be- amienschoft zum ÄuSdiuck gebracht hat, bat daS ReichSfinanzminifterium die achlstündige Bureaudientizeit an Stelle der bisheiigen fiebenflün» digen eingesührl. Ter Beamtenousschuß bat dazu beschlossen, daß er es als selbüveinändlich onfiebt, daß jeder Beamte nach wie vor sich für ve> pflichtet hält, auch über die Bu'eaudienfizett hinaus DÜenst zu tun. — Hoffentlich macht das Beispiel in der Beamienschast Schute.

* Allenstein. RegierungSasjessor Graf Brüh! wuide zum Landrat des' Lanrkreiies Allenstein ernannt. Damit ist die Berwaliung dieses fast rein katholischen Kreises zum ersten Mal wieder nach laugen Jahren endlich wieder einem Katholiken übertragen worden.

Dann stand er auf. und verfolgt« seinen Weg weiter; den Zettel aber drehte und walkt« er immer in der Hand, bis er ziemlich schwer leserlich wurde und die verstellten Schriftzüge weniger deutlich

9m Elefanten machten si« große Augen, afs der dort wohlbekamüe Kimholz in nichts weniger als salonfähigem Zustande ankam. Er schien das nicht zu bemerken und er­kundigte sich mit gut gespielter Hast, ob niemand nach ihm gefragt hab«. Auf die verneinende Antwort schüttett« et sehr lange und sehr verwundert das Haupt. „Sann wirü's noch kommen," sagte er und im selben Atemzuge bestellte er einen sehr ausgiebigen Imbiß. Während des Essens, bas er äußerst gründlich besorgte, setzte sich der Wirt zi ihm und suchie durch vorsichtiges Fragen dl« Gcjchicht, herauszulocken. Nachdem chn Kienholz lange Zeit nur ml knurrend hervorgcsloftenen, sehr orakelhaften Aussprüche», abgespeist hatte, zeigte er ihm im tiefsten Be trauen bei Zettel. Worauf sie alle beide ernst die Köpfe schüttelten und ihre Meinung dahin einigten, daß da etwas Beson­deres dahinterstecken müsse.

Kienholz lieft sich schließlich ein Zimmer an weifen, um etwas auszuruhen und berab sich dorthin, nachdem er den Wrri gebeten hatte, jeden Menschen, der nach ihm frage, sofort hinaufzujchicken.

Endlich gelangte er zur Ruhe; gleich konnte er freilich nicht einschlafen, denn die seltsame Lage, m der er sich be­fand, machte ihm Sorgen; aber der starke Ma sch und das nicht minder starke Mahl übten ihre Wirkung und bald ruhte Kienholzens kühner Geist im Schlummer.

Fritz hatte sich mitllerweife seines Auft ages glänzend entledigt. Mama war in der Küche gewesen, als er heim­kam und ihr erzählte, daß er Papa absolut nicht habe fin­den können. Er zwinkerte jedoch dabei jo hastig mit den Augen, daß es jedem anderen als der einfältigen lanti hätte auffallen müssen; aber nicht genug an dem, ve setzt» er der Mama in seinem Eifer einige den kindlichen Re­spekt so tief verletzende Püffe, daß diese keinen Zweifel an einer besonderen Mission hegen konnte.

Si« zog ihn daher fort ins Schlafzimmer und sch« unterwegs steckte er ihr den Zettel zu. „Mamä, aber kei­nem einzigen Menschen darfst Du's sagen," flüsterte er aufgeregt, „das dürfen nur wir drei wissen: ich, Du und Papa."

If^oitfehuti« foW-V