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Fuldaer Zeitung

Nr. 31.

Verantwonlich für Öen redalilonellen Teil: Karl Schälle, für die Anzeigen: I- Parzeiier-Fuida n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actienöruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Telegr-Adresse! Fuldaer Z-ilu ng

Samstag, Z« Februar 1920.

Bezugspreis: Monatlich 1,30 Alt. ohne Zustellungsgebühr. - In Fu.da bei uns abgeholt 1,40 Mk. r.

Äazeigenpre «: DieKieinzeile (nachColonel christ) S0Pfg„ die Rekl ameze ile(Tt'rlbrriie) 1 Mk, bei Wiederholung 'Habatt.

47. Zahrg.

Die gespannte Lage.

Zum Tröste dürfen wir uns sanen, dass au1 unserer Seile Einigkeit berischt. Abgeseh'N von den llnabhängigea, die piogrammäßig immer das Gegen­teil lun, was die anderen Parteien tun.

Sind auch die gegnerischen Mächte einig in ihrer Stellung zur Ausiiefenrngefiage? Das wird bekanntlich bezweifelt. Aber darf man daraus ob £rn, daß die feindlichen Mächte sich untereinander die Haare geraten werden? Schwerlich, denn sie haben schon wiederholt di« ernstesten Meinungsver- schiedenbetten überwunden, weil sie durchaus dem alten Feinde gegenüber geschlossen dastehen wollen. DaS Höchste, worauf man vielleicht rechnen könnte, Wäre das Einlenken auf einen Mittelweg, indem die besonnenen Genossen den Franzosen begreiflich machen, daß man doch nicht wegen der starren Buch­staben deS FiredensvertrageS einen neuen Krieg unternehmen und die Za lungSfähigkeit des deutschen Schuldner» vollends ruinieren dürfe.

Auch in diesem Falle würden die Franzosen und ihr rachsüchtiger belgischer Anhang wohl nicht auf die Bestrafung selbst verzichten, da ste sich in diese Genugtuung verbissen haben. Aber eS ist denk­bar, daß sie über die Form der Aburteilung mit sich reden lassen könnten.

Ter deutsche Vorschlag zur Güte geht bekannt- sich dabrn, daß die angeblichen Missetäter unter voller Beteiligung und wirksamer Kontrolle der An­kläger vor einem deutschen Gericht (dem Reichs- gericht in Leipzig) geprüft und abgeurteilt werden sollen. Das geschwollene Selbstbewußtsein der Sieger wird freilich gegen die Anerkennung der deutschen Richter sich sträuben. Daher ist der Gedanke aufge­taucht, die Sache vor ein neutrales Gericht zu bringen. Etwa in der Schweiz, wenn die dortige Regierung sich bereit findet, diese vielleicht ehienvolle, aber auch sehr lästige Aufgabe zu übernehmen.

Ob es unsere Ehre gestatten würde, bei einer solchen Verfolgung unserer Landsleute mitzuwirken, und ob der notwendige Rechtsschutz den Verfolgern gesichert wäre, müßte erst forgsäliig geprüft wer­den. Unter Umständen kann ein Vei fahren vor einem neutralen Gerichtshöfe als ein beträchtlicher ssortfchritt gegenüber der Auslieferung an ein feins- ächeS Parteigericht erscheinen. Es kommt aber auf sie Umstände an, die sich zur Zeit noch nicht über­sehen lassen

Im Augenblick kennen wir ja noch nicht einmal den Wortlaut der Note, die der Auslieserungsliste beigegeben war. Wir wissen also auch nicht, ob rnd wie sich darin Anknüpfungspunkte für eine Verständigung finden. Vor der vollen Aktenkcnntni» ann weder die Regierung noch die Nationalver­sammlung ihre enlschetdenden Beschlüsse fassen. Die öffentliche Meinung erst recht nicht.

Dar Ansliesenmgsbegehren.

Der Pariser „Temps* behauptet, daß in der Be- Zeitnöte, die Millerand im Namen der Großmächte der Auslieserungsliste vorausgeschickt, die Frage der Re- gelung des Gerichtsverfahrens offen gelassen ist, sodaß Verhandlmrgm über diesen Punkt nicht ausgeschlossen seien Das „Journal" bestätigt das, versichert aber weiter, daß die Botschafterkonferonz in­folge der Weigerung des Freiherrn von Lersner be- schlossen habe, die Note zurückzuziehen und durch eine Verbalnote zu ersetzen, die in trocke- »em Tone die Entschlossenheit der Alliierten ausdrücke, ohne Umschweife auf der A u s f ü h r u n g des Arsikels 228 nach dem Buchstaben des Vertrages zu bestehen. Dagegen will die .Poss. Zeitung", die gute Beziehungen zu den Ententemisfionen unterhalt, wissen, daß die Note poar auf dem Prinzip der Bestrafung der Schuldigen bestehe, aber in einer Weise abgeschwächt sei, die die

Der Gänfefcoktor.

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„Na weißt Du," «zählte Trine wichtig, „da läuten sie «m und wenn das Mädch«i durch das Guckloch schaut, dann sagen sie: „Ich bin der Gasometer!" Und da macht das Mädchen auf und ehe sie noch sehen kann, ob's wirklich der Gasometer ist, greift er in die Tasche, nimmt eine Hand­voll Sand und wirst ihn ihr in die Augen; dann stopft er ihr ein Taschentuch in bat Mund und da weiß sie nicht, soll sie erst in die Augen oder in den Mund greifen; wäh- kmd sie sich'« überlegt, nimmt er einen Strick und bindet sie zusammen und bann stiehlt er, was er will."

Fritz hatte gespannt zugehört. „Und," fragte er end­lich zögernd, weil er feine Unwissenheit nicht gerne ringe- stand, „was ist denn eigentlich so ’n Gasometer, daß man ihm gleich aufmacht?"

Trine blähte sich förmlich auf vor Stolz.. „Das ist doch •er Mensch, was das elektrische Licht macht und die Tür» klmgeln und die Löcher, wo man hineinreden kamt, daß ste's bis nach Amerika hören."

Er starrte sie ungläubig an. „Ja, woher wissen Sie denn das alles?" fragte er erstaunt.

»Nu, die Guste, was meine Freundin ist, die dient •vch h Berlin und da hat sie mir's erzählt, wie sie ein- nwl zu Besuch daheim war," erklärte sie.

»Hat die auch ein Gasometer umbringen wollen?"

„Das nicht; nur erzählt hat sie mir von dem Licht und den Sachen, die bei ihrer Herrschaft sind; das uon bie Schwindler und Diebe, das weiß ich aus der Zeitung. Weißt Du, Fritz," fügte sie gönnerhaft hinzu, „wenn Du recht artig bist, erzähl' Ich Dir hie und da mal aus der Zeitung, da kannst Du viel lernen."

Fritz gab keine Antwort, er schien stark mit feinen Eigenen Gedanken beschäftigt. Nach einer Weile meinte Er: „Wir haben so kein solches Licht und keine Löcher, ba kann er auch nicht sagen, er ist der Gasometer, also vwß er doch anders komme«; aber ich weiß schon, was bh tu!"

_ Er nickte geheimnisvoll mit dem Kopf und ging hinaus, während Trine ih-erfeits sich sofort in den Wirtschaftshos teflab, um den dort anwesenden Dienstleuten die auf» Eegende Neuigkeit zu berichten. Sie wußte zwar selber vur, was sie von Fritz erfahren hatte, aber das per- wug nichts; ihre Phantasie hätte auf jeden Fall alles entsprechend ergänzt; wozu denn erst sich um bie Wahr­heit ob« iroend welche Einzelheit erkundigen? Und zehn

Möglichkeit der Verhandlungen namentlich über die Formalitäten des Verfahrens offen lasse.

Ministerpräsident M i l l e r a n d selbst hat sich mit der Kammerkommission für auswärtige Angelegenhei­ten über die Mittel geäußert, die der Entente zur Ver­fügung stehen, um die Erfüllung der Friedensbedingun- gcn zu erzwingen. Den Blättern zufolge erklärte Mil­lerand, daß nach.dem Versailler Friedensvertrag die Fristen für die Besetzung des Rheingebiets ver­längert würden, falls die Bedingungen nicht erfüllt würden. Diese Bestimmung dürste allein schon genü- gen, um Deutschland gefügig zuimachen.

Keine Vertretung in Paris.

Der deutsche GsschäftSträ-zer in Paris, M nister Dr. Mayer, «st von München in Bettln einge­trost n. Er bleibt einige Ta e dort, um an len Beratungen der Regierung teilznnehmen. Auf diese Weise b'etbt der unerwünschte ZuilanD, daß Deutsch­land gerade in diesen schicksalsschweren Tagen ohne jede diplomatische Vertretung und daß auch uniere Friedensdelegation in Par-s augenblicklich verwaist ist, zunächst noch bis in die folgende Woche hinein bestehen. Selbstverständlich wir» alles getan, um ihm |o schnell als möglich ein Ende zu machen.

v. Lersner über seinen Rücktritt.

Der gestern in Berlin eingetroffene Freiherr von LerSirer bat in ein r llnterreöun i mrt Dem „Lokatnuz." folgendes mrtpet.ilt: Der Brief MillerandS fei nn ihn persönlich berichtet gewesen, habe bie iluilicfctungelrfte und eine Note enthalten, bie, rote darin getagt wurde, durchaus nicht die Namen aller Hebeltätcr entbalie, sondern nur bie der am schwersten belasteten. Es fei auch nicht beabsichtigt bte nicht Genannten zu amnestie­ren , sondern eS würden später in der Beantwortung einer Note LersnerS vom 25 Januar; dte'Bebin un en mit etcili werben, unter benen bie qUiterten Mächte die Bestimmungen des FriedensvertrageS über bie Vius- lieferung a uSgeführt zu (eben toüplebten. Lersner führt bann weiter auS, er habe die Äustieferung-ffrage seit Monaten persönlich bearbeitet, zehnmal schriftlich und breizehnmai mündlich wiedeihott, daß kein deutscher Beamter sich finden wurde, der seine Hand zu einer Mitwirkung bieten würde. AuS bte,em Grunde habe er die Annahme der Note und der Liste verweigern müssen und sie zurück efanbt, weil er ja sonst mit sei­nen bisherigen Versicherungen und Ueberzeugungen in Widerspruch geraten wäre. Er habe bie Geschäfte bet Friebensdelegation und der Botschaft in PariS nieman- dem übergeben können, roeil er niemand zumuten könne eine Handlung zu übernehmen, die er selbst als gegen sein Gewissen verstoßend habe ablehnen müssen. Wenn auch bie Negieruni ihn jetzt abschüttele, werde sie, doch in der Sache voll Und ganz hinter ihm stehen.

Die Haltung der Generale.

Generalfeldmarichall v. Hindenburg und General Ludendorff stehen, w-e dem „Berliner Lokalanz." mitgcteilt wird, in der Auslieferung?» frage auf dem Srankpunkt, der durch den Beschluß, der am 7. Januar in der Versammlung der Heer­führer gefaßt wurde, festgelegt ist. Also auch ste sind wie Generalfeldmarschall v. Bülow der An­sicht, daß sich kein Deutscher freiwillig ausliefern lassen dürfe. Das genannte Blatt erfährt weiter, daß General Ludendorff an der Einberufung der Ver­sammlung und an dem gefaßten Beschluß hervor­ragend mitgewirlt hat.

Erzberger gegen die Ausllefernng.

Auf ein dem Reichsfinanzminister Erzberger aus Parteikreisen zugegangenes Telegramm äußerte sich der Minister auf das Bestimmteste über die o ö l- lige Unmöglichkeit der Auslieferung auch nur eines Deutschen an die haßerfüllte Rache der Gegner und fügte hinzu: „So wie ich, denkt und handelt die ganze Regierung in völliger Uehereinstimmung mit dem Willen unseres Volkes.

Minuten später flüsterte der Jörg der Dore im Stolle zu, daß die „Amerikartische" von einem Prinzen, dem sie einmal beinahe das Herz gebrochen hatte, erdolcht worden fei; er habe sie aber nicht ganz totgemacht, weil sie um Hilfe geschrien habe, er sei davongeritten, habe aber ge- schworen, daß er in der Nacht mit seinen Rittern wieder­kommen und sie entführen werde, wenn er auch olles niebermefceln und verbrennen müsse. Es würden in aller Stille Vorbereitungen zur Gegenwehr gemacht, man dürfe ober nicht tun, als ob man etwas wüßte, die Trine habe es nur zufällig erlauscht.

Nun glomm unter den Dienstleuten weiter, was bei der Herrschaft schon am verlöschen war. Nachdem sich die Schlüssel gefunden, wurden die Gemüter ruhiger und es fand sich nach und nach alles, was man in der Er­regung gesucht hatte, ja sogar noch mehr, nämlich ein ele­ganter Ueberzieher und dito HM. Beide Kleidungsstücke wiesen die Marke von Wiener Finnen auf, der HM sogar dieselbe, die sich in Gustavs Hüten fand. Die Frauen waren sehr erfreut, daß man auf diese Art die Spur des Räubers finden könne, Kienholz ober wurde sehr, sehr nachdenklich.

Ihm fiel es ein, was er zu dem Grafen gesagt hatte; Amalie batte dann Theater gespielt und der arme Monn, geängstigt durch seine Warnungen, war aus Angst da- vongelausen. Wenn er es dann Emma erzählte? Es wor furchtbar, diese Blamage! Und all das umsonst! Edith war nun doch für Waldemar Valoren, überhaupt dos ganze Spiel war verloren; feine Frau hatte recht gehabt, es war ein gewagtes Spiel gewesen und er schämte sich nun vor ihr und noch mehr vor seinem Sohne; der hotte immer mit Widerwillen die Rolle gespielt, die ihm der Vater auf gelungen.

Herr Kienholz fuhr sich aufgeregt durch bie Haare. „Ich Pechvogel, ich elender Pechvogel!" beklagte e: sich selber und seine Gedanken spannen sich weiter. Wenn dieser Herr Graf fein Schwindler und vielleicht auch fein Heiratskandidat gegen Provision, sondern wirklich ein guter Bekannter Emmas 'war, dann konnte Emma doch auch nicht das arme Schluckerchen fein, als das er sie immer angesehen hatte. Freilich ohne Berechtigung, wie er sich jetzt ein gestand, bloß aus Opposition gegen feine Frau, weil diese stets bestrebt war, Amalie herobzusetzm.

Im Grunde genommen war Emmas ganzes Auftreten viel eleganter und gediegener als das Amaliens; ihre Toiletten, ihre Geschenke an -feine Kinder, ihre Freigebig­keit gegen die Dienstleute, das alles ließ auf Wohlhaben-

_ Bayern hinter der Reichsregierung.

Im Finanzausschuß des bayerischen Land­tags gab Dr. Dirr (Dem.) im Namen aller Parteien eine Erklärung ab, in der in voller Uebereinftimmung mit Reichsregicrung und Reichsrat dem Gefühl der E m p ö - ru n g über das allen Grundsätzen de» Rechts und der Gesittung hohnfprechen-de Auslicferungsverfohren und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wird. 3m Romen der Regierung erhärte Ministerpräsident Hoffmann, daß die Regierung sich dem Pioteste des Landtages vollinhalt­lich anfchlstße. Di Reichsregierung habe unter dem stärk­sten Drucke der Feinde den Friedensoertrog unterzeichnet, aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie auch beim besten Willen die Bedingung der Auslieferung von Dolks- oenossen nicht erfüllen könne. Das ganze bayerische Volk stehe geschlossen hinter der Reichsreglerung.

Gexen die Musfitferung des Großherzogs von Hessen.

Gegen die Auslieferung des Großherzogs von Hessen hoben sämtliche Landtagsabgeordnete einschließlich der Un­abhängigen einmütig Protest erhoben. Die . sozioldemo- krotische „Franks. Bolksst." schreibt: Der Großherzoo von Hessen war während des Krieges ein einziges Mal in Frankreich, wo er den Soldaten Suppe in die Teller füllte. Er war ein entschiedener Gegner der alldeut- scheu Politik und hat sich sicher keines „K iegsoerbrechens" schuldig gemacht. Ausgerechnet dieser gutmütigste von den 21 ehemaligen Landesherren steht auf der Liste der- jcnigen, die der Schadenfreude boshafter Elemente in den Ententeländern zum Opfer gebracht werden sollen.

IFrrfengen des Auksteferungsbegehren».

Aul Grund der Anslieferungkforderung halten es, tote die „D. Tagesztg." meldet, diejenigen Offiziere, welche den der ?,nfheltion der Fliegertruppen der Lti't- fahrttviedenskommiision unterstellt waren um die En» tentekontrollkommission auf ihren DesuchSreisen durch die Indiistrietoerke zu begleiten, für unvereinbar njit ttrer Würde, ihre Tätigkeit weiter auSzuüben nachdem ihre Kam roden von der Eniente zur Befriedigung ihres Rachedurstes gefordert Werten. Tamil mußte die Tätigkeit der Kontrollkommission auf­hör e n, da diese laut FriedenSvertraa nur in B glei. hing eines deutschen Beamten auSgesührl werden dür­fen. Die Offiziere sind an die Ausübung ibreS Amtes nicht durch Befehl gebunden, sondern üben dieses frei» willig auS.

welche Ziele verfolgt Frankreich?

In der Berliner Presse wird der Gedanke erörtert, welche Ziele Frankreich mit dem rücksichtslosen Vor­gehen in der Ausliefenmgsfrage verfolgen kann. Das „Berliner Tageblatt" schreibt:

„In Frankreich haben die Regierung, da? Parla­ment und die Presse — mit 'hrntgen Ausnahmen — nur die eine Idee: weitere deutsche Gebiete zu besetzen, die Okkupation des Rheinländer zu einer dauernden Besitzergreifung zu ma­chen und Deutschland so zu zerstückeln und zu knebeln, daß man es nicht mehr zu fürchten braucht. Frankreich würde freilich auch bann noch in Furcht leben, aber die Grenzen würden dann doch wenigstens weiter hinauS- gefchoben fein. Um solche Ziele zu erreichen, solche Wünsch? zu verwirklichen, hat man durch Häufung und Auswahl der Namen jede Annahme der Forde, rung unmöglich machen wollen. AuS allen Steue­rungen der Pariser Presse geht daS deutlich hervor. Wie auf Verabredung und vermutlich in Befolgung einer auSgegebenen Parole spricht diese ganze Presse jetzt von der dauernden LoStrennung des Rheinlandes, von der AuSSdehnung des Besetzungsgebietes, und von ähnlichen Dingen mehr. Sie erklärt einstimmig Frank, reich habe bei der Abfassung der Friedensbedingungen, durch Wilson und andere weichliche Abmahner genötigt, sich nicht genügend gesichert. Deutschland wolle den Friedensvertrag nicht halten, ind deshalb brauche Frankreich „reale Garantien". So ist die Lifte zu» standegekommen.

Zu ganz ähnlicher Auffassung gelangt auch die „Deutsche Tageszeitung", wenn fie schreibt:

Die fnmzosische Polstik arbette auf Verletzung des Ver­sailler Vertrages durch Deutschland zielbewußt hin, um daraufhin den Vertrag über den Hausen zu werfen, den Eroberungsfeldzug fortzusetzen und die enbgüüige Ver­nichtung der deutschem Einheit herbeizuführen.

hest schließen. Es war eine absichtliche Verblendung sei­nerseits, das alles zu übersehen.

Und Amalie? — Er erschreck vor dem Gedanken, der sich ihm da plötzlich aufdrängte — Amalie war vielleicht das arme Schluckerchen, das von Millionen sprach, die sie nicht hatte; nein, sie sprach nicht einmal davon, sie beutete es nur ab und zu an. Aber gleichviel, Amalie war ja jetzt für ihn abgetan. Er blieb nichts als eine tiefe Be- fchämtheit vor sich selbst, seiner Frau und seinen Kindern. Am liebsten hätte er sich mst dem Kof in die Erde ge­wühlt, um nichts hören und sehen zu mässen.

Er ging seinen Leuten aus dem Weg« und wenn ihm stgend eins begegnete und wieder eine Vermutung bezüg­lich des Räubers aufstellte, da knurrt« er unwillig über die alberne Mordriechevei.

Der Hauptstrom der väterlichem Uebellaunigteit «goß sich über Klein-Fvitzen, allerdings nicht ganz schuldloses Haupt.

Al« nämsich Papa Kienholz dmch den Wirtschaftshos schritt, da es mittlerweile zu regnen ausgehört hatte, schlug etwas an seine Füße; eh« er sich noch besinnen konnte, riß es ihn nieder und wie ein Stück Holz schlug er hin in eine trübe Regenlache. Mit einem Wutgeschrei rap­pelte er sich wieder auf, aber feine Füße waren gefesselt; vor ihm jedoch stcmd, ein Bild des Schreckens, fein fiing- ster Sprössling und hielt das andere Ende der Lerne in der Hand.

„So hilf mir doch!" schrie er den Knaben an und mechanisch gehorchte dieser, seine oft bewährte Taktik des Davonlaufens ganz vergessend. Kienholz sprang aus die Füsse und erg-.iff feinen Sohn am Kragen.

„Range, elender, erbärmlicher, was war denn das wieder?" schrie er und schüttelte sein Opfer.

„2—t—i", stotterte Fritz, den das Schütteln am Reden hinderte; das sah denn auch der Vater ein und hörte auf zu schütteln, fasste ober den Jungen dafür am Ohr>

-Ich hab' mich nur geübt im Lassowerfen", gestand Fritz; „ich wollte aber Dich nicht feigen, Papa, nur den Pflock, den ich dort drüben eingeschlagen habe. Du bist bloss zufällig in die Schlinge gekommen."

„So, im Lassowerfen haft Du Dich geübt? 3m Rech, neu fällt Dir's nicht ein, wie? Na warte, Bengel, Dir werd' ich die Indianergeschichten einfalzen, verlaß Dich darauf!" rief er, und im nächsten Moment hatte er seinen Sohn über bie Knie gelegt.

(Fortsetzung folgt.)

| * Unter fremden Joch. Ter polnische Minister»

rat bat die allgemeine Mobilmachung auch auf die von den Teuifchen abaetuteren Gebiete ausge­dehnt. Alle waffenfähigen Männer zwischen 19 und 82 Jahren werd n einberufen.

* Aufgehobene Zeitungsverb ste. Tie radikalen SBerlmet 3-ttungen ,Freiheit' und ,Rot« Fahne' dür­fen von Montag ab wieder erscheinen. Jedem Ver- luch, auf eme Störung der Ruhe und Ordnung bin» zuwirken, totrb Der Obeibesehlshctder mit Rücksicht auf die furchtbar erniie La e, in der si h das Reich befindet, mit dein größte» Nachdruck auch in Zulunst entgegeutre en.

Prentzische Landesversammlung.

Der Aettestenrat der Landeeversammtung war zunächst Der Ansicht, dass in der gespannten politischen Lage, die durch die AuStteferungc-liste der Entente ge­schaffen worden ist, dieLundesversammlunz die Aufgabe habe, zunäch i weiterzuta en, solan e das ReichSparla- ment non nicht zmainineugetreten ist. Da nun aber bte Nationatverstimnnung nicht emberuien wird, so wurde am ,reüa' beschlossen, daß Die Landesder- sammtunr sich Born 6 biö zum 18 Februar ver» tagt, da sie nicht die Ausgabe haben kann, auf die Dauer bas Parlament des Reiches in wichtigen politischen Fra­gen zu vertreten.

Für die letzte Sitzung vor der Vertagung war eine um- famgreiche Tagesordnung ausgestellt, die aber nur zum Teil erledigt wurde. Dor der Beratung der Tagesord- nunfl wurden Anfragen der Deutschnationalen und bet Sozialdemokraten über die Erschwerung des Ver­kehrs zwischen Ostpreußen und dem Reich durch bie Polen besprochen. Es ist sa allgemein be­kannt, wie die Polen fast alle eingegangenen Vertrags« Verpflichtungen mißachten und ihrem Uebermut bi« Zügel schiessen lassen, wie sie besonders durch bie Sperrung des berüchtigten „polnischen Korridors" Ostpreußen fast völlig vom übrigen deutschen Reiche absperren. Es war des­halb nicht zuviel gesagt, wenn Unterstaatssekretär Göhr« erklärte, dem Polen schein« Bertragstreue ein unbekannter Begriff zu sein. Das Verhalten der Polen zwingt un« zu Gegenmassregeln. Wie der Redner der Deutschnatio­nalen, Abg. G.as fianif], erklärte, ist Polen viel mehr aus Preußen angewiesen, wie umgekehrt. Was wollten die Polen z. D. machen, wenn wir den gesamten Post- und Eisenbahnverkehr sperrten, die Ausfuhr sämtlicher deutscher Industrieerzeugnisse verböten und bie noch in Polen ge­bliebenen deutschen Beamten zurückiiesen? Die Angele»' genbeit ist nicht nur eine preußische, sondern auch eine deutsche, und deshalb sollte auch bas Auswärtig« Amt sich mit aller Energie ihrer annehmem. Minister ber öffent­lichen Arbeiten Oefet konnte mitteilen, dass bie Regierung bereits Der Handlungen eingeleitet hat und daß jetzt der Zustand bereits erheblich besser ist, der Güterverkehr ist wieder ausgenommen worden, er erfährt aber Schwierig­keiten durch Durchsuchung teilens der Polen, bie ungemein zeitraubend sind, schon weil die Polen die Kontrolle nur am Tage vornehmen und nachts den Güterverkehr sperren. Mit warmen Worten trat der Zentr.-Abg. Lehrend-Danzig dafür ein, daß alles geschehe, um es den Danzigern zu ermöglichen, ihre treudeuische Gesinnung ungeschmälert z» bewahren.

Außerhalb der Tagesordnung begründet« dann noch ber Zentrumsabg. Herkenrath einem Antrag, bie Saat- preise für Kartoffeln in ba» richtige Verhältnis zu ben Verkaufspreisen zu bringen. Es folgte aus Me­tern Anlaß IDieber eine längere Aussprache über bie Zwangswirtschaft. Man überwies bie Anträge schließlich dem Landwirtschaftlichen Ausschuß. Ein Kommissar Des Lanbwirisihafisministeriums erklärte, bi« Einführung von Höchstpreisen für Saatkartoffeln fei nicht beab» H hierauf wurde eine Interpellation über den Erlaß des Unterrichtsministeriums, nach dem die bisherigen Ge­schichtslehrbücher nicht weiter zu benutzen sind^, durch den Abg. Dr. Dölitz begründet, bie Besprechung ober vertagt.

Gegen ben Vorschlag, das Haus dis zum 18. Februar zu vertagen, erhob Abg. fjergf namens der Rechten Einspruch, den er mit der Auslieserungssrage begründet«. Sein Versuch, die Auslieferungsliste eingehender zu b» handeln, wurde vom Präsidenten Ceinert abgeschnitten tmb er mußte sich von den Vertretern der Mehrheitsparteien unb der Unabhängigen den Dvrwurs gefallen lassen, auch diese Frage, in bet das ganze Volk einig sei, agitatorisch 5ür feine Partei ausiwetten zu wollen. Es blieb bei der Vertagung bis zum 18. Februar.

Deutsches Reich.

Die Mitschuld der Rechten am Attentat auf Erzbergei.

In seiner Rede in der Montagfitzung bet Preußischen Landesversammlung beschäftigte sich der Abg. Granowski (Ztr.) auch mit dem Verhalten der Rechten nach dem Mordanschlag aus be» Reichsmimster Erzberger. Er führte dazu aus:

Ich hab« das Empfinden: bie Schreibweise ernte gro­ßen Teiles Ihrer (noch rechts) Zeitungen ist so ge» hässig, ist so niederttächiig und schamlos, daß sie un­zweifelhaft die Quelle dieses Attentats gewesea ist. (Sehr richtig!) Leider muß gesagt werden, daß selbst nach dem Attentat gistgefchwollen« Artikel erschienen sind, bk einfach unerträglich sind. Redner teilt eine Reihe von Aeußetungen in der Presse unb Ver­sammlungen mit, speziell aus der Dortmunder Zeitung unb aus der Schlesischen Tagespost, die ein Bild mit einem Text gebracht habe, die an Schamlosigkeit unb Gemein­heit alles denkbare übertreffen. Man sieht hier im Bild Herrn Erzberget auf einem Beischemel lie­gen vor gntm Geldschrank, und darunter folgenden Text: „Du mein treuer Gott, wie danke ich Deiner gütigen Vor­sehung, Deine weife Fügung hat es mir erspart, von mir aus ein Attentätchen zu inszenieren als letzte Stellung meines sterbenden Ansehens" (stü mische Pfuiruse und Entrüstung im ganzen Hause). Ich freue mich, daß auch Sie (nach rechts) in der Verurteilung dieses schamlosen Angriffs mit mir einig sind. Aber dann sollen Sie doch ihren Einfluß geltend machen, daß solche Schamlosigkeiten im Ihren Blättern nicht mehr Vorkommen. (Beif. im Ztr.) Der Redner schloß mit der Mahnung, unter die Ber» gangenbeit einen dicken Strich zu machen unb sich zusam» menzuschließen, um am Wiederausbau des Boi» k e s gemeinschaftlich zu arbeiten.

Inzwischen gehi Die Hetze lustig weiter. Wie fie bie Gehirne einzelner Zeitgenossen wirkt, baS mögen folgende Beweisstücke zeigen. In ben letzten Tagen sind dem Finanzminister (n großer Zahl anonyme Zuschriften geschickt worden. Sie, strotzen von Ge­meinheiten, Roheiten und Unflätigkeiten. Einige tn gibt die „Germania" wieder.

, Am 31. Januar schreiben Berliner Bürger, die mit „hoch lebe die alte Regierung« unterzeichnen: „Wtr j bedauern sehr, Vatz die Kugel bei Ihnen nicht töd­lich gewirkt hat.« Sehen lassen dürfen Ste sich nicht

| mehr, die nM>te stuoel ist für «Sie 'chon geaasten."