Amalie erhob sich mit der Würde einer Königin.
„Du kommst, um mir die Gastfreundschaft zu kündigen, di« Du ohnedies schon verletzt hast; ich gehe und wäre schon gegangen, wenn mein Sohn mich nicht ausgchaiten hattet
„Ach Unftrni!” sagt« Frau Kienholz, energisch den Kopf schüttelnd; jetzt, mit ruhigem Blick, sah sie das Ge- mochte in Amaliens Würde.
„Ich komme im Gegenteil, Dich um Dein Bleiben zu bitten; ich sehe es ja ein, ich war zu rasch, aber der Schein war gegen Dich, da« nmht Du selbst zugeben.-
„Hätte ich an Augenblick der Todesmrgst an Etikette denken sollen?- fragte Ainalie. „Sieht Leben war be- droht und ich sucht« Schutz . . .”
„Ich weiß, ich weiß-, unterbrach sie Betti; „aber vorhin hab' ich das nicht gewußt und wenn man den eigenen Mann so . . .- Sie hirit inne aus Rücksicht auf Edith. „Du als Künstlerin solltest das begreifen, gewitzt hast Du so etwas schon dargestellt, eine Frau, dir ihre Rechte oerteidigt.-
„Gewitz verstehe Ich das-, entgegnete Amalle schon halb versöhnt, „aber Du wirst wohl einsehen, daß ich eine ungerechte Beschuldigung nickst auf mir fitzen lasten kann.”
„Desholb bitte ich sie Dir ab und will's später noch feierlicher tun, aber jetzt, jetzt bin ich außer mir; der Räuber hat alle Schlüstel mitgenommen, wir sind wie auf freiem Felde da. Was hat er denn zu Dir gesagt, was hat er mit Dir getan?”
Frau Amol!« erzählte mit fliegender Hast und malte alles noch viel schrecklicher aus; sie erinnerte sich an dos graufam« Hohnlächeln, an den tückischen Blick des Räubers, an alles mögliche; nicht etwa, daß sie mit Absicht log, sie glaubt« alles sAber.
„Gott im Himmel,” rief sie endlich, „gibt's denn hier keine Polizei, keine Gendarmen, wir müssen Schutz haben, Militär, wenn's nottut. Warum hab' ich meinen Sohn ziehen lasten, worum hast Du ihn nicht zmückgehaltcn? Wo sind Männer» wo sind Helden, di« uns schützen und teilen?”
„Mama, Tantel” rief Edith, „verliert doch nicht den Kopfl Räuberbanden, gibl's doch wohl hier nicht und überhaupt ift's ja heller Tag, und bis zum Abend Zeit genug, alles zu überlegen. Jetzt gilt's erst genau nach, zusehen, was eigentlich geschehen oder weggekommen ist; die Schlüstel sind vielleicht bloß veilegt.”
„Ach Dsthchen, was bist Du cm besonnenes, goldenes i) Mädchen!" rief F»au Aechi. „Dtr fall ich noch «chulisen.
das spare ich aber auch auf später, bis ich's mit Ruhe tun kann. Jetzt muß ich unten zum Rechten sehen.”
Damit enteilte sie; von unten* kam ihr Mimi !chon entgegen: „Mama, ich hab' die Schlüstel gesunden, sie hingen an Papas Kleiderschrank.-
„Gott sei Dank, jetzt ist die Hauptsache gerettet,” entgegnete si« mit einem Seufzer der Erleichterung, dann eilte sie zu Kienholz, um ihn bezüglich Liebhardts zu be- ruhigen.
Untwdeflen war Fritzchen nicht müßig gewesen. Zunächst begab er sich in die Küche zu Trinen, die bis jetzt im Gemüsegarten gewesen war und von dem ganzen Rummel noch nichts wußte.
„Trine, lasten Sie das Kochen nur gkeich stehen, jetzt gibt's Notwendigeres zu tun, sagte er befehlend.
„Na, was stt denn los, Fritzelchen?” fragte fie scherzend.
„So, das wissen Sie noch gor nicht? Ein« Sauber» bande wird uns heute nacht überfallen, alle Schlüstel im Hous sind gestohlen, sie können überall hinein,” sagte er ernsthaft. „Wir müssen uns versehen.”
„Ach geh doch, erzähl' Deine Räubergeschichten wo anders, ich habe keine Zest dafür,” murrte sie.
„So, Räubergeschichten?” ereiferte er. „Na, fo horchen Sie doch ein bischen, wie die Mama schreit, sind das bloß Geschichten?"
Er schob sie zur Türe hinaus, fie gehorchte und hörte laute Stimmen und Schlagen mit dm Türen; Fritz zog fie wieder hinein und sie ließ es in ihrem Schrecken willenlos geschehm.
„Ja, mein Jung, mm erzähl'? mal ordentlich, was ist denn eigentlich los?” fragte fie. Nun fing Fritz an, zu erzählen. „Em Graf ist dagewefen, das heißt, er hat gesagt, er ist ein Graf, dann hat er die Tante Amalie tot» stechen wollen, aber weil sie geschrien hat, ist er daoon- gelaufen und hat alle Schlüssel mitgenommen. Und die Mama hat gesagt, daß er heut' In der Nacht mit seiner ganzen Bande kommen und uns alle umbringen roirb.”
„Herrgott, Jung, und das sagst" Du nur alles fo?” jammerte sie und sank vor Schreck auf die Kohlenkiste nieder. „Aber warum schickt denn die Mama nicht ins Dorf?”
„3a, das wäre das Rechte,” rief Fritz, der vor Eifer glühte. In feiner Phantasie waren alle di« Indianer- gefchichten, die er gelesen, lebendig geworden, er sah sich und die ©*en in einer htnfHboren Getadr und er wollte
Mächte die Ehre des deutschen Volker auf dar tiefste verletzt. (8ufttmmung.) Denn wenn wir auch de» Krieg verloren haben, so haben wir doch damit unsere Ehre nicht verloren. (Lebh. Zustimmung.) DaS ist dre uner« fchütterliche lleberzeugung aller Angehörigen deS beut» chen Volkes. Die schmachvolle Zumutung ist un d urch- ühr bar und unmöglich. Die preußische Landesversammlung ist überzeugt, daß es keinenDeutschen geben wird, der daS ungeheure Verlangen der Entente erfüllen wird, (guftimmnng.) Wir wissen noch nicht, warum und unter welchen Umständeri die Auslieferung verlangt wird. Aber schon die Tatsache allein, daß die Entente die Liste der Auszuliefernden überreicht, hat eine noch nie daaewesene unieheure Empörung und Entrüstung im Volke auSgclöst. Die preußische Lan. desversammlung ist ergriffen von tiefem einmütigen Empfinden unseres so schwer leidenden Volkes. Um ihre Uebereinstimmung mit dem Volke festzustellen und der unsagbaren Trauer Ausdruck zu geben über das entsetzliche Ansinnen, daS nur in ter übermütigen Rachsucht der übermütigen ©einer seine Erklärung findet, haben die Mitglieder der Landesversammlung mit Ausnahme einer Partei beantragt, die heutige Sitzung aufzuheben. (Lebhafter Beifall im ganzen Hans, das die Ansprache deS Präfidenten, mit Ausnahme bet unabhängigen Sozialdemokraten, stehend an ehört hat.)
Ab?. Adolf Hoffmann (Unabh.) verurleilt daS Vorgehen der alliierten Mächte, protestiert aber dagegen, daß die Landesversammlung den Bruch eines von der deutschen Regierung unterschriebenen Vertrages ermattet. (Lachen.) Redner erhebt Einspruch gegen die Aufhebung der Sitzung. (Erneutes großes Gelächter.)
Die Aufhebung der Sitzung wird darauf gegen die Unabhängigen beschloffen
Nächste Sitzung am Freitag.
Beratung der Fraktionsvorstände.
Auf Veranlassung der Regierung treten am Samstag die Vorstände der Fraktionen der Natio- na Ivers amm lung zusammen, um zu der Lage, die durch das Auslieferungsbegehren entstanden ist, Stellung zu nehmen.
Der Kasseler Oberbürgermeister Scheide mann ist in feiner Eigenschaft als Vorsitzender deS parlamentarischen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten nach Berlin berufen worden.
Die AnsliefernngSliste
ist der Reichsregierung auch jetzt noch nur inoffiziell bekannt.
Fast sämtliche unserer siegreichen Heerführer, zahlreiche U-Boolkommandanten und Flieger, eine große Anzahl Mtvlomaten und Minister sollen wir alS „KriegsvRMecher" der Rache unserer Feinde ouslte- fern. Außerdem enthält die Liste die Namen zahlrei. cher Kommandanten der ©cfängenenlager Etappen- Offiziere und -Mannschaften, die Namen von Industriellen unb viele andere. Wir brachten gestern einige der wichtigsten Namen aus der Liste. Wir wiederholen den Auszug heute, durch weitere Namen ergänzt und oeordnet: Es stehen auf der Liste u. a.:,
Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Kronprinz Nup precht von Bayern, Groß, »erzog von Hessen, die Prinzen Eitel Fritz Sluguft Wilhelm, OSkar und Friedrich von Preußen,' Herzog Albrecht von Württemberg, Prinz Ernst von Sa bien, Herzog von Mecklenburg, Prinz von Hessen, Prinz v. Ratibor, Fürst ö. Wittgenstein. •
Die Gsneralfeldmatschällv: v. Hin. benburg v. Mackensen, sogar der gestorbene Feldma-fchall Gras H S s e l e r wird genannt. e
Die Generale: v. Ludendorsf, v. Falken- hayn, v. Below Fritz (geft.), Otto v. Below, Sixt v. Arnim, v. Gollwitz v. Bcseler, v. Boehm, Bülow, Graf Bothmer, v. Francois, v. Huticr, Hoffmann, Neiiihardr (ehemaliger Knegsmimstet). Graf v. Bernstorfs, v. Oven, die beiden Kommandanten des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Kaffel.Niederzwehren v. Tvem. ming und v. Krusko, v. Gall, v. d. Marwitz, Linsingen, v. Hausen, v. Kluck
Tie Admiräle: Großadmiral. v. Tirpitz, Admiral v. Capelle, Jngenohl, Scheer.
UnmSglich.
DaS ganze deutsche Volk ist sich einig, daß das Auslieferungsbege ren der Entente unerfüllbar ist. Die Liste der Auszuliefernden übertrifft die schlimmsten Erwartungen. 900 Opfer verlang der rasende See des Hasses. ES mögen manche auf der Liste stehen, die sich brutal und Verb echerisch gegen wehrlose Menschen begangen haben. In allen Millionenarmeen wird es Verbrecher geben. Ader auch sie stehen nicht außerhalb der RechtSgcmeinschaft ihres Volkes. Sie sollen ihre Strafe erhalten, wir wollen nur, daß sie ein deutsches, nicht ein fremdländisches Gericht bestraft, das nicht die geringste Gewähr für ein gerechtes Urteil, dagegen nahezu die Gewißheit für das Walten einer grausamen Rache gibt. Der gerade^ ungeheuerliche Charakter der Liste ergibt sich durch die Aufführung fast aller deutschen Heerführer, dyen Auslieferung, gemeinsam mit der des Hin. v. Bethmann Hollweg, verlangt wird. Hindenburg, Ludendorsf, Bülow, die Belows, Macke ns en und alle die Generäle, die vier Jahre lang ihre Armeen siegreich geführt haben, wünscht man, auf* einer französischen oder belgischen Anklagebank, zwischen Gendarmen zu sehen. Dazu Hunderte von Männern, von denen viele nach der allgemeinen Anschauung nichts anderes als chrr Pflicht getan, die mit Einsetzung ihres Lebens, vom besten Glauben erfüllt, gewirkt haben. Eine Regierung, die wirklich Männer wie Hindenburg, Bethmann Hollweg u. s. w. ausliefern wollte, würde den Bürgerkrieg her- aufbeschwören. Es wird sich niemand finden, der die Lertragsleistung durchführen kann.
Frankreich will seine Rache haben. Ganz ähnlich wie es die alten Römer zur Zeit ihres Niederganges machten, die die besiegten germanischen Feldherren im Triumphzug herumschleiften, möchten die Franzosen die seindlichen Heerführer und Staatsmänner als Opfer ihrer Rachgier und zur Befriedigung ihrer „Sieges- frsude" mit Schmack» und Schande überhäufen. Die Franzosen behaupten natürlich, sie wollten nur Recht und Gerechtigkeit zum Siege verhelfen. Die ganze Welt lacht über diese Heuchelet. Nein, Deutschland soll moralisch vor aller Welt niedergeschlagen werden, nachdem es militärisch nicht möglich war. Man will uns das Kennzeichen ^einer moralischen Krätze anhaf- । tat, eines Aussatzes, der unseren Umgang meiden macht. Es muß heute mehr denn je die Frage auf- geworfen^ werden, wo denn die deutsche Regierung ihr in Hülle und Fülle zur Verfügung stehend« Material über die niedrigsten Grausamkeiten und Kriegsverbrechen unserer Gegner verborgen hält, und weshalb sie mit der Bekanntgabe , dieses Materials Zurückhält? Heraus mit hem Material. Dann mag die Welt sich selbst ein Bild davon macken, ob der deutsche Soldat weniger zivilisiert war als der auf der Gegenseite.
Die Ztellun znabme der Regierung.
B's jetzt hat die Reicksregierung noch nickt Gelegenheit gehabt, sich mit der Forderung der Entente im einzelnen zu befassen ober zu überlegen, in welcher Wei e die Note der Entente branttrortet werden fall. Voraussetzung bafüt ist di« Kenntnis der offiziellen Note und bet offiziellen Attsliesernngs- liste, sie liegen aber infolge der Weigerung v. Lers- ners in Berlin noch nicht vor. Noch Meldungen aus Paris und London sollen die Aktenstücke nun- mehr durch den englischen Geschäftsträger Lord Kilmanrvck in Berlin übergeben werden. Dadurch würde sich die zunächst geplante Abreise deS Geschäftsträgers Dr. Meher-Kausbeuren nach Paris erübrigen.
Ein Mitglied der Reichsregierung äußerte sich über den Standpunkt der Regierung zur Frage der Auslieferung gegenüber Vertretern der Presse und erklärte dabei u. a: Wir befinden uns gegenwärtig in
einer kritischen Lage, ähnlich der im Juni vorigen Jahres, als die Regierung vor der Frage stand, ob sie den FriedenSvcrtrag unterzeichnen wolle oder nicht. Wir machten damals den Versuch, die sogenannte Ehrenklausel in dem „riedensverttag abzulednen. AlS aber die Entente die unveränderte Annahme verlangte, haben wir unter dem Drucke deS Einmarsches uns entschlossen/ dieser Forderung Folge zu geben. Wir fyiben dann weiterhin immer und immer wieder gegenüber d«r Entente betont, daß die Durchführung der Auslieferung für uns unmöglich wäre, da sich keine Regierung finden werde, der die Durchführung mög» ltch wäre. Wir haben weiter den Versuch gemacht, die Liste der AuSzulieferndcn unter Angabe der Beschuldi, gungen zu erfahren, damit wir selbst gegen die Be- 1 «huldigten einschreiten könnten, sind aber stets auf Ablehnung der Entente gestoßen. Im November vorigen JahreS chriben wir dann Sen durch die letzte Veröffentlichung bereits bekanntgewotdenen neuenVersuch durch Herrn von Simson gemacht, ’ in der Auslieferung zu einer Verständiguna zu gelangen; jedoch wiederum ohne Erfolg. Wir wissen heute noch nickt, waS die Enteilte tun wird. Jedenfalls ist die KeichSregierung einmütig der Ansicht, daß eine Er. füllung deS AuSlieferungSbegehren» un- möglich ist und daß in Deutschland auch keine andere Regierung denkbar ist, die in der Lage wäre, SaS AuS- liefetungsbegehren zur Duichführung ,u bringen. Die Negierung hält es für bedauerlich, daß Herr v. Lersner entgegen seiner ausdrücklichen Instruktion die Weiterleitung der Note an die deutsche Regierung abgelehnt hat. In einer solchen ^aae müßte das Wohl des Ganzen höher stehen als die Ehrauffassung eines Einzelnen. Die Regierung ist jedenfalls nach wie vor bestrebt, durch weitere Verhandlungen einen Ausweg zu finden. Es ist bekannt, daß die Ver- einigten Staaten und daß Japan jede Beteiligung an dieser Auslieferung abgelehnt haben. Es ist ein öffentlicher Geheimnis, baß auch Italien schwankend war und erst im letzten Au enblick durch einen Druck von Paris her sich in den Wagen der Auslieferung®» liste hat hineinspannen lassen. Wenn die Entente sieht, daß bei der Weigerung der Reichswehr und sämtiicher Beamten die deutsche Negterunq nicht die Möglichkeit zur Auslieferung hat. daß dagegen der Bürgerkrieg auszubrewen droht, der uns dem ChaoS ent-egenfübren würde, dann so hofft man, wird sie mit sich reden lassen und den deutschen Vorstellungen in zwölfter Stunde doch vielleicht noch Gehör geben.
DaS „Nueisüllbar" des ReichSratS.
Der ReichSrat stimmte in seiner.gestrigen öffentlichen Sitzung der folgenden vom preußischen Slmifter deS Innern Heine Detlefenrn Erklärung zu:
Der Reichsrat als verfassungsmäßige Vertretung der deutschen Lände^ bekennt sich zu dem heute kund- gegebenen Stankpun.t der Reichsregierung in der Frage der Auslieferung Deutscher an die Entente. Der ReichSrat, weit entfernt, gesetzlich strafbare »atrn einer ordentlichen Unten ui um und Ahndung vor deutschen «Berichten entziehen zu wollen, teilt die Empörung deS deutschen Volkes über die Zumutung der Entente, ihr Hunderte von deutschen Männern aus i.ulicfern. Der Reichsrat ist überzeugt, daß die Bevölkerung aller deutschen Länder hierbei geschloffen hinrer der Reichs- re. ierung steht. Auch er erklärt mit der Reichsregierung das Verlangen der Entente für unerfüllbar. Der Reichsrat appelliert gegen diese dem deutschen Volke angetane Schmach an den Gerechtigkeit s sinn der Welt.
Die Mitglieder deS Reichsrates hatten sich während der Verlesung von ihren Plätzen erhoben.
Eine Kundgebung
der prentz. Landesversamnrlung.
Die auf gestern mittag annesetzte Sitzung wird erst um 2 Uhr eröffnet, da inzwischen die Fraktionen beraten haben.
Präsident Lcinert eröffnet die Sitzung mit folgender Erklärung: Sie haben alle Kenntnis davon erhalten, daß gestern der deutschen ReichSregierung die Liste der auszuliefernden deutschen StaatSangehö- eigen zu gestellt ist. ifiub diesem Anlaß bat sich des Volkes eine Unuehture Erregung bemächtige. Alle empfinden, daß das B'tlangen der gegnerischen
„Ich danke Ihnen, Herr Liebhaedt, und ich wünsche ^' nei. auch recht herzlich Glück zu Ihrer Verlobung; unser M.h«hm ist ein süßes, gutes Dingelchen, aber die Zugabe, Liebhardt, die Zugabe!”
Ee lacht«. „So schlimm ift's nicht”, sagt« er gemütlich. »Sw ist ’ne gute Frau, nur so 'n bißchen tragisch. Si« vwcht nichts wie andere Menschen, immer so, daß es großartig oder schrecklich ober sehr schön aussieht, na eben, tis ob immer tausend Leute Zusätzen."
„Glauben Sie, daß «s nur so wegen des Effekts ist, sie irgend etwas sagt oder tut?” fragte Frau Brlti «-sch.
„Na, gewiß, versicherte er.
»Dann habe ich ihr vtelleichk heute doch unrecht ge» fcm?" sagte sie halb für sich. x
Ich hoffe, wir feiern das Derlobungsfest doch alle ■üteinanber im schönsten Frieden”,, meinte er lächelnd, fäwttelte ihr noch einmal die Hand und ging.
Sie blieb einige Sekunden firmend auf der Treppe 2*hen. Die Reue wallte in ihr jetzt fo rasch auf wie uüsier der Zorn; mit schnellem Entschluß eilte si« die stufen hinauf und pochte an Amaliens Tür; ohne eine Antwort abiiroarten, trat fy ein.
Der (sänssdoktor.
t8] -----—
(Eben als Frau Kienholz wieder einmal die Treppe #htaufeilen wollte, trat ihr Liebhardt in den Weg, der von oben hetuntenkam.
„Sitte, auf ein Wort, Frau Kienholz”, sagte er freunb- öch. „Ich bin fett einer Viertelstunde der erklärte Bräu» ttgarn Ihrer Nichte und betracht« mich sonnt zu Ihrem Hause gehörig. Zu meinem Bedauern besteht gerade jetzt eine Differenz zwislhen Ihnen und meiner zukünftigen Schwiegermutter; hoffentlich wird bas bald ausgeglichen fein, aber für den Augenblick wird dadurch die Aussprache über einen kleinen Scherz verhindert, den sich Herr Kienholz unter meinet Mithilfe mit Ediths Mutter gemacht und von dem wohl auch Sie nichts wissen.” Et er» Mte ihr nun die Geschichte seiner Tätigkeit als Arzt bei Tdfth in der Form wie sie Amalien dargestellt worden war und bat sie, ihrem Manne mitzutrilen, baß Frau tinalie von dem Scherz bereits unterrichtet fei.
Frau Kienholz verstand den feinen Takt Liebhardts wohl zu würdigen und sie ergriff dessen Hand und drückte
Die Staatsmänner: Ehern. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, v. Falkcnhausen (Gene- ralgouvetneur on Belgien)^ Staatssekretär a.D.Z i m- nr ermann, Unterstaats»ekretät v. H'aniel, der frühere sächsische Ministctptäsidnt Graf Vitzthum von Eckstädt, Oberbürgermeister Don Danzig Sechm, bcr frühere Chef der Zivilverwaltung in Belgien v. Sanbt
D i e U-B ootkom Mandanten Aruauld be la Pertiere, Moroth, Nergcr, Stalentiner, der Flieger. Oberleutnant Allmenröber, der Lonbonflieger Haupt, mann Branbenburg. •
Selbst ber m e h r h e fct § s oz i a l i st i s ch e bähe, rische Minister Auer, tm Felbe Unteroffizier in der belg. Etappe, steht auf der Liste.
Nicht nur Männer will die rächende Hand der En> tente treffen, wir finden sogar eine Frau Elsa Schei- tter unter den vielen Namen, bet auch „Kriegsverbre« chen", von ben Franzosen zur Last gelegt werden.
Die Ansicht der Heerführer.
In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „Bert. Lokalanz." betonte Generalseldmarschall von Bülow, daß die Männer, die auf der Auslieferungsliste stehen, nur ihre vaterländische Pflicht erfüllt hätten. Die Ausliescrungebestimmung sei daher eine Schmach, der sich kein Deutscher freiwillig fügen dürfe. Er selbst würde sich unter keinen Umstanden freiwillig der Entente zttr Verfügung stellen. Der Generalfeldmarschall glaubt mit dieser Ansicht im Namen der meisten Heerführer zu sprechen, die auf der Liste stehen. — Der „Berl. Lokalanz." veröffentlicht gleichzeitig den Beschluß einer Versammlung zahlreicher Vertreter des Heeres und der Marine, darunter der hervorragendsten Führer, die Anfang Januar stattfand. Dieser Beschluß spricht ebenfalls aus, daß kein Deutscher sich freiwillig stellen dürfe. Gegen jeden etwa erlassenen Haftbefehl sei sofort die Rechtsbeschwerde einzulegen.
Die Neutralen iolidarisch mit Holland.
Die schweizerische Preßinformation meldet aus Stockholm: Es wird bestätigt, daß die skandinavischen Regieiungen sowie Spanien und die Schweiz ihre Solidarität gegenüber der £mlfung der niederländischen Regierung in der Frage der' Auslieferung des Kaisers bekundet haben.
* In England befinden sich nach amilicheu deutschen Informationen entgegen ber englischen Meldung, alle Kriegsgefangenen hätten den englischen Boden verlass n, noch vier Oisiziere und 14 Mann, ein U-Boo lo nmandant mit einigen Leuten von dem U-Bootgeschwoder im Mittelmeer, ferner eine Reihe von Mannschaften des Bombengeschwaders, die über England abgeickosscn wurven.
Der Prozetz Erzberger-Helfferich.
Es dreht sich in der gestrigen Verhandlung um einen Artikel des „Berliner Tageblatts", überschrieben „Eine eigenartige Finanzteansaktion Helfferichs", bet nach ber Behauptung Helfferichs von Erzberget veranlaßt worden war. Der zu diesem Punkte vernommene Redakteur des „Berliner Tageblatts" erklärt, baß et den Artikel nicht von EtZbetget erhalten habe. Geheimrat Driesen, Pressechef der Wasfenstillstanbskommifsion bekennt sich als Ein» sendet des Artikels imb erklärt, daß er Erzberger nichts von der Sache mitgeteilt habe. Geheimrat Hämmer bekundet, daß Erzberger das Material gesehen habe, aber über di« Verwendung nicht unterrichtet worden sei. Helffe- rich war in der Sitzung von einer ausfallenden Aufgeregtheit. Er erging sich in Reden und Ausdriicken, die ihm di« schärfsten Rügen des Vorsitzenden eintrugen. Helffe- tich zog bei dieser Gelegenheit auch noch die Ausliefc- rungsfrage und die angebliche Beteiligung Erzbcrgers an ihn heran, wurde aber auch bei diesem Punkte vom Vorsitzenden scharf zur Sache verwieserz, Man hat allgemach den Eindruck, daß Helfferichs Nervofität um so mehr steigt, je mehr sich »hercmsstellt, wie zu ganz bestimmten Zwecken eine Mücke zum Elefanten gemacht wird. Mit „Dftropa" fing es an, „Pnigodin" war bi« Fortsetzung und wo das Ende sein soll, kann man heute noch gar nicht erkennen.
der Held [ein, der sie durch seinen Mut und sein« Schlau, heit daraus errettete, genau so wie's in den Ge[ch chtov stand.
„Wir find doch seÄ>stverständlich schon umstellt,” fuhr er wichtig fort. „Wenn mir einen Baten abfchicken, so wird er abgefan^en und vielleicht" gelötet und wenn dann alle Männer aus dem Hause sind, dann kommen fie in der Nacht und morden und brennen . .
Ein Angstgeschrei aus Trinens Kehle unterbrach ihn. Fritzens lebendige Schilderung hall« so aus sie eingeroirt^ baß, sie bas Messet des Räubers an ihrem Halse fühlte.
„Hör auf, um Gottes willen, hör auf!” ächzte fie. „S» slhfimm witd's ja doch nicht werden.”
„Es roirb so schlimm," versicherte Fritz, „aber ich werde Euch retten."
„Du? Ach Du armes Würmchen Du!” meinte Trim mitleidig. Aber^ba stieg Fritzchen in die Höhe.
„Meinen Sie, weil ich noch nicht ganz groß Mn?” sagte er entrüstet. „Dafür bin ich zehnmal klüger als all« tm Haus.”
Trine schüttelte den Kops über diese bescheidene Aeuße- rung.
„Sie sollen nicht den Kopf schütteln, sondern hm, was ich sage,” befahl er streng. „Tragen Sie das Waschfaß herein und füllen Sie es mit reinem Wasser an, auch di« Badewanne!”
„Ja, wozu denn das?” fragte Trine, die sich von ihrem erften Schrecken einigermaßen erholt hatte und deren Gehirn wieder zu funktionieren begann. „Zum Feuer» löschen?”
„Rem, zum trinken,” erklärte Fritz. „Wenn fie uns in bet ersten Nacht nicht Hrintriegen, so werden fie uns be» lagern und nm haben ben Brunnen doch nicht im Hause. Seien Sie bann so gut und nehmen Sie das Wasser nicht zur Wäsche wie der dumme Tommy im „Sigismund Rüstig"! Denn wenn ich Euch alle dann Durst leiden sähe, dann ginge ich doch hinaus zum Brunnen und die Räuber wurden mich bann mit ihren Pfeilen durch bohren.”
Trine schüttelte immer heftiger den Kopf. „Wie Du Dir das denkst, Fritz, so ist das nilht; da? ist nur so in die alten Geschichten von den Wilden, aber jetzt machen fte das ganz anders.”
„Und wie machen fie's denn jetzt?” fragte Fritz hast ärgerlich, halb neugierig.
(Fortsetzung foloi.1
Nr. 30.
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Sreitag, 6. Februar |92O>
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47. Zahrg.