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Donnerstag, 5. Februar |920

Verantwortlich für den redatlionellen Teil: Karl Schütt eller-gulba

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Der 6änsedoktor

Besteuerung der deutschen Vermögen in der Schweiz.

Der Ausschuß de» Schweizer Nationalrats zur Aufbringung der für die Schweizer Landesvertei­digung nötigen Mittel hat beschloflen, die Werte, die Ausländer bei Schweizer Banken hinterlegt gy se str «krn. Die Banke» werden ver­pflichtet, die Eigentümer der hinterlegten Werte, die heute auf 20 Milliarden Mark geschätzt werden, zu nennen.

Preußische Landesverfarnrnlitrrg.

In die Hochburg reaktionären Geistes und großagri- scheu MachtdünkeiS führte die Mittwoch-Sitzung hinein, in der die Interpellation über die L andar b eite r- Maßregelungen in Pommern besprochen wurde. Der pommersche Großagrarier sitzt auf seiner Klitsche wie em kleiner König; er schert-sich den Teufel um die neue Zeit und die neue Regierung und verteidigt mit zäher Hartnäckigkeit jedes Titelchen seiner Selbstherr, lichkeit. Er kann sich noch nicht bat ein schicken, daß seine Arbeiter eine andere politische Meinung haben können, als seine eigene stockkonservatlve, und huldigt noch immer dem alten und gern geübten Grundsatz; Wer nickt pariert, der fliegt! So erfuhr denn vor einigen Tagen die Oeffentlichkeit von Massenkündigun. gen, die in Pommern unter den Landarbeitern vor. genommen wurden, und die hoch in die Tausende gin. gen. Veranlaßt sind sie von dem Pommerschen Land» bund, einem Ableger des Bundes der Landwirte. Un­ser unerbittlichster Feind, der Hunger, steht grinsend vor der Tür, und in Pommern wirft man tausende don Arbeitswilligen einfach auf die Straße. Bis dann der Reichswehrminister diesem Vori'ehen ein Ende machte.

Dies alles kam bei der Besprechung der Jnterpella^ tion zur spräche und noch vieles andere, was auf die Vaterlandsliebe der pommcrscheü Landjunker, die sie doch so gerne im Munde führen, kein gerade ltebliches Licht warf. An Stelle der deutfchen Familien, die

Die Ueberreichung

der Auslieferungsnote.

900 Angeschuldigte. — Rücktritt v. LersnerS.

Wolffs Tel.-Bureau meldet: Die Note, in der v,e Entente bte Auslieferung don etwa 900 Deutschen verlangt, ist von Herrn Millerand am Dienstag dem Vorsitzenden der deutschen Friedens- deleganon in Paris, Freiherrn von LerSner, übersandt worden. Obwohl Herr v. LerSner bereits am letzten Samstag die ausdrückliche Wei- sung erholten hatte, eine derartige Note ohne wei« tereS an das Auswärtige Amt weiterzuleiten, hat er bte Note an Herrn Millerand zurückge- sandt mit der Erklärung, baß er es mit seinem ©ertiffcn nicht vereinbaren könne, bei der AuSIteferung Deutscher mitzuwirken. Herr V.LerS- *”901 telephonisch seine Entlassung aus dem «elchsdrenst nachgesucht und sofort erhalten.

I Hand; ich wußte nicht, was los sei, half ihr nun bte Decks I wegbringen und sie umklammerte mich und jammerte fort- । während. Da kamst Du und. . .“

.Herrgott, ja freilich,' rief Frau Betti, sich an die I Stirn schlagend; „ich hab' ja den Menschen durch den I Garten laufen sehen ohne Hut in dem Regen — wo ist I er denn, was war denn mit ihm?'

Auch Kienholz gedachte jetzt des unbekannten Gastes I und erschrak. „Der Gras!" murmelte er. „Er wird doch I kein Schwindler gewesen sein?'

„Nein, sonst etwas,' spottete Frau Bett!. „Dich na» türlich hat di« Furcht, Amalie zu verlteven, kopflos, gemacht und da gehst Du jedem Spitzbuben aus den Leim."

„Cr war doch ein Bekannter von Emma; recht hübsch, I wenn sie solche Bekannte hat!" höhnte er.

I „Ein Bekannter von Emma!" entgegnete sie hitzig. I „Hat sie ihn begrüßt? Sie ist ja gar nicht zu Hause.

Der Schwindler hat einfach ausgekundschaftet, daß wir Logierbesuch haben und hat die Namen erfahren, was

I 1° ’cin Kunststück ist. Er mag wohl Emma und Gustav unterwegs begegnet sein und hat sich deren Abwesenheit hier gleich zunutze gemacht."

I Kienholz hielt sich den Kopf. „Aber da muffen wir I doch Nachsehen, was geschehen ist," schrie er und eilte hin­aus; seine Gattin folgte dem Beispiel.

I . war das ganze Haus in Alarm; einem jeden fiel irgend em Gegenstand ein, den er für wertvoll hielt un& den er richtig nicht fand. Außer Kienholz wußte niemand so recht, wo sich eigentlich der Fremde aufgehal­ten habe und in welches Zimmer er gekommen fei; so suchten sie überall und machten eins das andere verrückt.

! Manschen wollte etwas suchen und verlangte den Schlüs­selbund von der Mutter; die fand ihn nicht und erinnerte sich plötzlich ganz genau, daß ste ihn im Bevandazimmer habe liegen lasten.

Und da fing ste an zu jammern, daß nun alles ver­loren sei, der Dieb habe freies Spiel, er habe alle Schlüs­sel des Hauses in der Hand und könne kommen, wann er wolle und könne alles, alles nehmen; und er werde gewiß kommen mit ein paar Spießgesellen und jper weiß, ob ste nicht olle ermordet würden. Das alles hatte auch Fritzchen gehört und er hatte merkwürdigerweise gar nichts gesagt; nur sein« Fäuste hatte er grimmig geballt und dann war er mit ernster Miene daoongetrabi. (Forts, folgt.»

F«m Amalie hatte aber von dieser Scherzhaftigkeit Ihres Herrn Vetters einen sehr richtigen Begriff und st« ohnte den Sachverhalt. Sie umgürtete sich plötzlich mit dem ganzen Stolze ihrer erlogenen Millionen.

„Stein Herr, Sie sind das Opfer eine» sehr grausam« Scherzes geworden', sagte ste würdevoll; „mein Detter hat Be Im Unklaren gelassen, wem Sie gegenüberstehen und so hoben Ste einem Gefühle steten Lauf gelosten, das Ste fönst gewiß unterdrückt hätten. Mein allzu impulsives' Töchterchen hat es auch nicht verstanden, Ihnen Schron- len zu ziehen und so muß ich es leider tun. Mein Kind ” nicht geschaffen, Ne Frau eines, eines . .

.Gänsedoktors,' warf Ltebhardt ruhig, ein.

„5a, eines Gänsedoktors zu werden," fuhr Frau «malte fort, aber ehe sie wetterfprechen konnte, legte sich Ediths Hand auf ihre Lippen.

.Liebe, gute Storno," sagte Edith zärtlich, „sprich nicht so wyter! Franz weiß alles, alles und Du darfst mir 'sicht böse fein, daß ich mein Glück auf anderen Wegen gesucht habe als Du. Ich habe es gefunden und nun laste « mich behalten Endlich, endlich hoff ich wahr fein, Mütterchen, und Du auch, freut Dich das mcht? Ich hätte dies Leben voll Lüge nicht länger ertragen."

5rnu Amalie mußte sich niederfetzen; das war zu viel, Das ihre Tochter ihr angetan hatte. Sie schien ganz fas- prngslos, in Wirklichkeit überlegte ste sehr gut.

„Törichtes Kind," sprach sie endlich, „wie kannst Du von Jfriem Leben voll Lüge sprechen? Ahnst Du die Mo- "**• die meine Handlungen bestimmten, weißt Du, wie um uns steht? Kann die Lüge, die Du mir vorwirfst, Abt eine doppelte Lüge sein, eine Lüge, die Dich vor den Gefahren des Reichtums schütztzen sollte? Kann dies Gold, das Du für Rauschgold hieltest, nicht wirklich existie- *QI?W «.

„Unb wenn es existierte, Mamg," entgegnete Edith Wt „so könnte es an meinem Entschlüsse nichts ändern. •Mente es wie den Schatz Her Nibelungen, ich klage nicht ®entm- Den Schatz, den ich gefunden, den gebe ich nicht d« alles Gold der Welt; das einzige, was mir zu meinem Äüi* fehlt, das ist Dein Segen. Slutter: aib ihn mir und X Dir «via bauten.'

.Die Tat des Herrn von LerSner ist eine Eigen- Mächtigkeit. In den amtlichen Schritten der Entente Stellung zu nehmen, ist Sache der verantwortlichen Regierung, nicht aber! die eines einfachen ausführenden Organs. Die Schwierigkeiten Deutschlands werden durch v. Lersners Auftreten nur vermehrt. Er hat den unversöhnlichen; Gegnern den willkommenen Anlaß geboten, die Stimmung der Völker aufs neue gegen uns aufzuschüren.

Uebereinstimmung in der Regierung.

DaS Reichskabinett trat gestern abend zu einer Beratung über die Note zusammen. Die Ge­rüchte von einer Regierungskrise werden der »Frkf. Ztg." zufolge als zum mindesten verfrüht bezeichnet. Das Kabinett ist einstimmig der An­sicht, daß die Auslieferungsforderung die Ehre deS deutschen Volkes auf das tiefste verletzen muß. Deutschland hat zwar den FrieoenSverirag unter­zeichnet, man dürfe aber nicht vergessen, daß wir nur der Gewalt wichen, als wir seinerzeit die Un- erschrift unter den Vertrag setzten. In diesem Zu. amwenhang wird auch die Frage aufgeworfen, ob >ie Nationalversammlung nicht schleunigst einzuberufen sei. Von unterrichteter Serie wird mitgeteilt, daß kaum mit der Einberufung zu rech­nen ist, es fei denn, daß neue Momente eintreten. Die verlautet, ist damit zu rechnen, daß die Reichs­regierung nochmals eine Note an die En­tente abgehen läßt, um auf die etwaigen Folgen mifmetliam zu machen, die durch die für die Aus­lieferung notwendigen Maßnahmen entstehen dürsten.

Die Kabinettssitzung war nach einer tele­graphischen Meldung um Mitternacht noch nicht be- «rdet. Es hat sich aber schon volle Gnmütigkett dahin ergeben, daß an dem Standpunkt, wie er in der am 25. Januar in Paris überreichten Note bargefegt ist, unter allen Umständen festzuhalten sei. Schon bei Unterzeichnung des Friedensvertrages hat rie Regierung keinerlei Zweifel darüber gelassen, daß Ne Durchführung der verlangten Auslieferung > n m ö g l i ch ist.

Sie trat neben Ltebhardt hin unb schmiegte sich fest an ihn. Frau Amalie erhob sich würdevoll; der Schein war gerettet, ste war zufrieden.

„Fern fei es von mir, in die Speichen des SHicksals- vades einzugreifen," sagte ste feierlich. „Du hast gewählt, mein fiitti), unb mutzt tragen, was Du auf Dich genom­men; was aber ich gewirkt und wie ich für Dich gedacht unb gesorgt habe, das wirst Du sehen, wenn ich meine müden Bugen einmal geschloffen haben werbe. Jetzt willst Du nichts von mir als meinen Segen, Du sollst ihn haben."

Sie test mit erhobenen Händen vor und die beiden beugten unwillkürlich das Haupt.

„Genießet, was Euch blüht unb denket meint So zahle ich die letzte Schuld des Lebens." klang es durch den Raum und das junge Paar empfand nur unklar das Theatralische dieser Szene. Ediths Seele nxrr zu tief bewegt von den Vorgängen dieses Morgens und Liebhardt hörte unb sah überhaupt nichts als das Mädchen an feiner Seite. Und überdies hatte er sich auf ein vollgerüttelt Maß Ueberfpamiiheit vorbereitet — feine ärztliche Visite stand ihm noch in gutem Andenken — und er wunderte sich eigentlich, daß alles so hübsch glatt und eben ging; also gab er sich auch gar keinem Ge­danken über bte zitierte „letzte Schuld des Lebens" hin.

In kurzen, herzlichen Worten dankte er der Mutter feiner Braut für das Vertrauen, das sie in ihn fetzte, ver­sicherte, daß er ihr Zett feines Lebens für das Glück, bas sie ihm schenke, dankbar fern werde und sagte ihr schließ. lich,daß er ihrem Kinde, wsmi auch keine sehr hervor­ragende, glänzende Stellung in der Gesellschaft, so doch eine äußerst behagliche Existenz bereiten könne und daß feine Liebe ersetzen werde, was allenfalls an sonstigen wünschenswerten Gütern der Erde fehlen sollte.

Darauf gerührte Küste, Umantungen und Tränen; diese letzteren ließ Frau Amalie nicht unbeachtet verfliegen, fonbrrn apostrophierte sie mtt den Worten:

„Das höchste Glück hat kein^ Lieder, Der tiefste Schmerz hat keinen Laut; Ste spiegeln beide still sich wieder Im Tropfen, der vom Auge taut.* Dann nahm sie das Taschentuch und tupfte feierlich den tauenden Tropfen vom. Auge fort Endlich schied

ften Tagen und Wochen unser gesamtes politisches Le­ben beherrschen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Entente nach dem Friedensverttag formell berechtigt ist, die Auslieferung von der deutschen Regierung zu verlangen. Aber eine andere Frage ist es, ob die Re- giemng biese Verpflichtung auch ausfuhren kann. Es ist natürlich eine leichte Sache, sich an den grünen Tisch zu setzen und einfach zu dekretieren, dies und jenes muß geschehen, wie es bei der Abfaffung des Friedens­vertrages geschehen ist. Aber die Entente muß sich doch auch einmal darüber klar werden, wie denn heute die Lage in Deutschland ist. Die erdrückende Mehrheit un­seres Volkes sträubt sich mit allen Kräften g e g en die Schmach, die ihr angesonnen wird, mag die Auslieferung nun gewöhnliche Bürger und Soäafen oder Heerführer tmb Staatsmänner betreffen. Und keine deutsche Regierung wird es leicht wa­gen, gegen diesen fast einmütigen Willen des ganzen deutschen Volkes die Auslieferung durchführen zu wollen, weder Misere heutige Regierung der Mehr­heitsparteien, noch eine Regierung von ganz links.

Es erhebt sich deshalb für die Entente die Frage, wie sie die von ihr verlangte Ausliefcrug erreichen will. Will sie sie durchfuhren unter Anwendung von Ge­waltmitteln, wozu sie natürlich in der Lage ist, so muß sie sich von vornherein sagen, daß die Gefahr besteht, daß nach schweren inneren Erschüt­terungen die jetzige Mehrheitsregierung durch eine andere Regierung ersetzt wird und was sehr wahr- ■ scheinlich ist, durch eine nationalistische. So würde also die Entente mit einer gewaltsamen Erzwin­gung der Auslieferung nur dazu beitragen, das gegen- wärtige Regierungssystem in Deutschland und damit die beste Garantie für die Durchführung des Friedens­vertrages und die Erfüllung ihrer Forderungen zu zer- stören. Aber auch bei Anwendung von Gewalt würde die Frage, wie sich die Auslieferung in der Praxis ge­stalten soll, auf einem anderen Statt stehen. Wie das Spiel mit beiti Feuer enden könnte, sollten die hoch- wohlweislichen Herren in Paris und London und auch in Rom selber misten, wenn sie nicht von allen guten Geistern verkästen sind. Nach den Schrecken eines fast fünfjährigen Krieges und dem seelischen Leiden der fünfzehn Monate nach dem Zusammenbruch, ist es nicht ratsam, dem armen gequälten deutschen Volke noch schwerere Nervenproben aufzuerlegen. Ein in Ver­zweiflung sich auflöfendes Deutschland wird seine Peiniger mitindenAbgrund reißen.

Infolge der Weigerung deS Freiherrn v. LerSner, . £°‘e wetterzubefördern, ist diese Note noch nicht im Besitze der deutschen Regierung. Eingetroffen ch dagegen die Liste mit den 900 Personen Imn Auslieferung gefordert wird. Der allgemeine Emdruck ist, daß die Liste alles übertrifft, waS selbst Me größten Pessimisten für möglich gehalten hätten. Havas meldet: Das mit der Liste der Schuldi­gen übergebene Schreiben weist alle Einwmdunas- Ersuche Deutschlands zurück und betont, daß die Alllierten auf dm genauen Einhalt des Art. 228 des Versailler Vertrages bestehen. Frankreich und Belgien fordern je 834 Schuldige, England un- Mahr 60.

Die Auslieferungsliste.

.Die offizielle AuslieferungSliste ist der ReichS- ' regrerung infolge der Weigerung deS Herrn v. LerS- ner noch nicht zugegangen. Wohl ist ihr aber aus Sari« inoffiziell eine solche Liste übermittelt worden, ' dre allerdings eine Gewähr für volle Richtigkeit noch nicht verbürgt und auS der sich wegen deS Fehlens deS AmtScharaklerS auch nicht überall erg br, welche Personen geweint sind. Hinter jedem Namen ist das Land angeführt, daS die Auslieferung gefordert bat. (Die Abkürzungen bedeuten: D — Belgien, ® - England, F -- Frankreich, I --- Italien, P --- Polen, R = Rumänien, E --- Südslawren.) Mr geben aus der Liste folgende bekanntere Namen wieder:

Albrecht von Württemberg, Herzog (B), Sirt von Arnim (E). Prinz Rupprecht von Bayern (5), m Delow (B) (E) (F), v. Delow Otto (3), Bernstorff, ®raf v. (F), Bechmann Hollweg o. (B), Boehm v. (F), Brousardt v. Schellen darf (B), Bülow v. (F) (B), Bülow Otto o. (E). Capelle Eduard o: (E). Enver Pascha (C), .ruft von Sachsen, Prinz (33). Faltenhahn (P), Falken- yayn, v. (F), Prinz Friedrich von Preußen (33). Gall, Frhr. v. (B), Gollwitz o. (S) (B). haefeler Graf (F), Hamel o. (B), Hessen, Prinz v. (F), Großherzog von Hessen (F), Generalfeldmarschall o. Hindenburg (F) (iß), Prinz August von Hohenzollern (F), Prinz Eitel Friedrich von Hohenzollern (F), Kronprinz Friedrich Wilhelm (F), (B), Prinz Oskar von Hohenzollern (B), Hutier v. (B). General Ludendorff (F). Mackensen, Gmsralfellnnarschall (S) M, Manteuffel o. (93), Marwitz v. der (F), Herzog von Mecklenburg (F), Mov'gctas v. (8)-- Oven, v. (F). Prttrz v. Katibor (SB). Sixt v. Armin (23). Tirpitz o. ($). Trotha, v. (E). Fürst v. Wittgenstein (F).

Die deutsche Warnungsnote, die sich gegen die Auslieferung wendet, wurde am 25. Januar dem Präsidenten der „Friedenskonferenz" überreicht. Ihr Wortlaut wird jetzt bekannt gege­ben. Sie nahm Bezug auf die deutsche Note von Anfang November, in der die verhängnisvollen Fol- gen dargelegt waren, die eine Durchführung der in den Artikeln 228 bis 230 des Friedensvertrages ent­haltenen Bestimmungen über die Auslieferung von „schuldigen" Deutschen haben würden. Die deutsche Regierung wies nachdrücklich darauf hin, daß das Auslieferungsbegehren in Deutschland zweifellos die schwersten Erschütterungen nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete auslösen würde. Die Note wiederholt den bereits früher jur Erwägung gestellten, die Interessen aller Machte befriedigenden und praktisch durchführ­baren Vorschlag und erklärt dann:

Die deutsche Regierung wird die deutschen straf­verfolgenden Behörden anweisen, gegen alle Deutschen- die ihr als eines Verstoßes gegen die Gesetze und Ge. bräuche des Krieges schuldig genannt werden, un­verzüglich ein St rasv erf a hren auf Grund des zu übersendenden Materials einzuletten. Sie wird aue Gesetze, die der tuus svlu^u ^erfah­

rens etwas entgegenstehen, außer Kraft setzen, insbe. sondere die bestehenden Amnestiegesetze insoweit aus- heben. Zuständig für das Strafverfahren soll baS höchste deutsche Gericht, baS Reichsgericht in Leipzig sein. Außerdem wird der jeweils beteiligten alliierten Regierung das Recht «inyeräumt sich an dem Versah, den unmittelbar zu beteiligen. Die deutsche Regierung ist fest davon überzeugt, daß sich auf diesem Wege und nur auf diesem Wege di« den Artikeln 228 biS 230 des Friedensvertrages zugrunde liegende Absicht der alliierten und assoziierten Hauptmächte tatsächlich verwirklichen läßt.

Würden diese Mächte dementgegen auf der AuSliS. ferung der angeschuldigten Personen bestehen, so wär. den sich aller Voraussicht nach nur solche Personen freiwillig den ausländischen Gerichten stellen, die sich schuldlos fühlen und deshalb auf eine Freisprechung rechnen können. Die wirklich Schuldigen dagegen wür. den der Bestrafung entgehen, da die deutsche Regie, rung tote in der anliegenden Auszeichnung bargelegt ist, keine Organe ftnben würde, di« bereit toi. ren, die Verhaftung und Auslieferung «u rchzusührem

Die Schmach.

Die Anslirfsrungsfrage, die jetzt durch die lieber« reichung der Liste akut geworden ist, wird in den nach-

sich rascher und bester erledigen, was naturgemäß eine größere Ernte und einen höheren Reinertrag zur Folge haben mutz. Nach dem gellenden Rechte konnten bis­lang wirtschaftlich« Umlegungen behördlicherseits nicht erfolgen; sie setzten stets einen Antrag der Betei­ligten voraus. Hier will der vorliegende Entwurf ändernd und be ff ernt) eingreifen, indem er von amtswegen die Einleitung der Umlegung von Grundstücken ermöglicht. Eigentum verpflichtet! Nicht liebgewordene Gewohnhetten des Einzelnen können ausschlaggebend sein, sondem die Forderungen der Ge­samtheit muffen heute in erster Linie Berücksichtigung finden. Die Hemmungen, die sich der Zusammen­legung der Grundstücke bis dahin entgegenstellten, sol­len fallen, um die Möglichkeit geschlossener landwirtschaftlicher Besitzungen zu schaffen, welch« die Gewähr dafür bieten, dem gegebe­nen Grund und Bpden die denkbar höchsten Ern- ten abzuringen und damit dem Allgemeinwohl« zu dienen. ______________

Es bleibt bei der Zwangswirtschaft.

Im Reichstoirtschaftsminifterium fanden gestern Besprechungen wegen unserer Ernährungsiage statt. Sie führten zu folgendem Ergebnis: Die Regierung hält die Zwangswirtschaft im Interesse der Volkseruährung weiter aufrecht, bewilligt da­gegen der Landwirtschaft höhere Preise für die kommende Ernte. Danach wird sich der Erzeuger­preis für eine Tonne Roggen auf 900 Mark stellen, der Weizenpreis soll auf 1000 Mark für die Tonne erhöht werden. Für den Zentner Herbstkartoffeln wurden 20 Mark in Vor­schlag gebracht. Außerdem wird der freie Handel mit Hafer wieder aufgehoben und auch der Hafer wieder öffentlich bewirtschaftet.

* Verwahrung gegen die polnischen Uebergriffe. Gegen hie von den Polen hervorgerufene Verkehrs­störung hat das ^Auswärtige Ministerium schärfste Verwahrung eingelegt und die Wiederherstellung der Verbindung verlangt.

* „Rur" 100Ö Milliarden. Der französische Nationalökonom Guide erklärt in der Zeilung ,Nouvelle', das ständige Fallen d e r M a r k sei nicht weniger beunruhigend als das Sinken deS Franks. Die 200 Milliarden, die Deutschland nach dem Friedensvertrag an Frankreich zahlen solle, stellten nach dem jetzigen Kurs 1000 Milliarden dar. Wre könnte Deutschland eine derart fabelhafte Summe an Frankreich bezahlen und tote könne Frankreich es dazu zwingen.

Die Umlegung von Grundstücken.

Don amtlicher Seite wird zu dem Gesetzentwurf Wer die Veranlagung von Grundstücken, der am Dienstag in erster Lesung in der Preußischen Lan­desversammlung verhandelt wurde, geschrieben:

Der Entwurf blldet ein bedeutsames Glied in der Kette von Maßnahmen, die von dem prettßischen Land­wirtschaftsminister zur Durchführung seines Agrar- pragramms eingeleitet worden sind. Di« Lage der Verhältnisse erheischt es mit zwingender Notwendig­keit, die landwirtschaftlich« Erzeugung weitgehend st zu steigern. Ein wesentliches Erfordernis hierfür bildet die räumliche Vereint gung der oft recht ver- strettt liegenden landwirtschaftlich benutzten Flächen. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß ein gut arrondierter landwirtschaftlicher Besitz mit ausgebautem Wege- unb Grabennetz gegenüber einer Wirtschaft in Gemeng- fage unter sonst gleichen Bedingungen bedeutend im Vorzüge ist. Die Bestell» und Erntearbeiten lassen

Liebhardt mit dem Versprechen, morgen vormittags rote« derzukomrnen; bis dahin mußten die Verhältnisse im Kienholzschen Haus« irgendwie geklärt sein und man konnte bann besprechen, wie, wann und wo die Derlobung ge- seiort werden sollte.

Als Amalie mtt Edith und Ltebhardt das üteranba- zimmer verlassen hatte, waren Kienholz und ferne Frau wie erstarrt stehen geblieben. Frau Setti schölte sich zu- erst.

„Ich habe Dtt's immer gesagt, Ferdknand, Du spielst E gewagtes Spiel," rief ste. „Da hast Du's nun, das Mädel nimmt doch nicht unfern Waldemar und Du bist j blamiert, furchtbar blamiert. Und vor dieser Person! Es ist schrecklich!"

„Dieser Schuft!" knurrte Kienholz wütend. „Wo hätte ich denn dem dicken Dämelsack fo viel Schlechtigkeit zu- getraut. Mich fo zu betrügen!'

„Aber er hat doch nichts g-tan," entgegnete Frau 33etti. „3m Gegenteil, er scheint vom Fleck weg bei der Woh heil geblieben zu fein, Ditha weiß ja alles."

„Darin besteht eben bte Schleicherei, ich habe ihn doch I gebeten, die Rolle als Arzt zu spielen; statt dessen macht sich aber der Kerl wahrscheinlich durch sein offenes Ge- I ständnis interessant und hat mich schonungslos eingetunft." I

--Hai er Dir beirh fein Wort gegeben, Dich nicht zu I verraten," sagte ste.

Kienholz kraute stch verlegen den Kopf. „Das mm I eben nicht; im Gegenteil, er wollte durchaus nicht an- I beißen, ich ließ ihn eigentlich m der Patsche sitzen; als Amalie etntrat, stellte ich ihn vor und schob rasch ab."

-Hai, dann kannst Du nichts gegen ihn sagen," meinte I grau Betti; „übrigens scheint er nur Ditha ins Vertrauen I gezogen zu haben, die Alte war selbst überrascht, als Du I chn GSnfedoktor namrteft. Das hättest Du nicht tun sollen."

--Hall' ich auch nicht getan, wenn ich nicht so aufgeregt j gewesen wäre und daran bist Du schuld mit Deiner eben- I fo verrückten als ungerechtfertigten Szene," fuhr er sie an. I

„So, ungerechtfertigt?" schrie sie empört: „wenn Ihr Tuch in den Armen liegt und sie Dich nicht einmal in | meiner Gegenwart lostassen will?"

„Weil ste halb verrückt war vor Angst," entgegnete er. „Sie schrie um Hilfe und wie ich hineinkonnne, steht sie da, gcmz in die Tischdecke verwickelt, ein Messer in der