oct
Nr. 27
Dienstag, Z. Februar 1920
47. Zahrg
und die Arbeite
Der SänsedoKkor
.Holt, mein Kind, halt!" schrie st«.
t
Wuschrrtte dies« Schwell« nicht! Hier ist unserer Blei» fcens nicht mehr, hier ist Deen« Mutter beietdigt, tödlich
tmrggebend gewirkt. Steuern zahlen ist nicht angenehm und Steuern schaffen ist fern dankbares Geschäft. Müller-Fulda, der an der Schaffung so mancher notwendigen Steuer beteiligt ist, versöhnte die Steuer-
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Als er eintrat, steß st« das Mester fallen und stürzt« auf ihn zu; sie schlang die Arm« um seinen Hal, und Amnmsrte sich fest an ihn, außerstand« zu sprechen M» das Borgegangon« zu erklären.
Stob Kienholz war zur seiden Zeit damit beschäftigt. Em obem Stockwert die Fenster zu schließen, weil es hin- Mregnet« und do sah sie plötzlich einen Mann ohne tzut durch den Dorgarten und zur Gartentür« hinm» auf di» Straße laufen, al» ob « von Hunden gehetzt würde. Wir der Blitz schoß er chr durch den Kopf, daß der Mann, der Emma gesucht heckte, ein Schwindler gewesen sei. So schnell sie konnte, eilt« st« hinab, um bas Haus zu alarmiere», zuerst aber sah sie in da» Zimmer, in dem ber Fremd« gewellt hatte. We angewurzelt blieb sie In der offenen Türe stehen. Das war dos? Da log Lmali» In bat Armen ihres Mannes und er redete zärtlich zu ihr; ja, zärtlich — fk hörte ganz deutlich, wie er: Liebe» gutes Kindl zu chr sagte. Erst stand sie wie verzaubert, dann schien sie sich der Größe ihres Unglücks bewußt zu werden.
.Ferdinand!" schrie sie aus; man tonnte schwer faxen, ob mchr Schmerz oder Zom in diesem Aufschrei lag, aber er tat seine Wirkung. Ferdinand ließ mit einer höchst «ngolanten Plötzlichkeit seine Cousin« los, diese aber klammerte sich von neuem an ihn und ries flehend: .Schütz« Müh, Ferdinand, schütze mich!"
.Dor wem soll er Dich schützen, Unverschämte, etwa vor mir?" schrie Frau Detti und ritz ihren Sotten au» Amakens Umarmung. „War du» der Zweck Deines Her- övmmens, elend« Kreatur, daß Du mir den Gatten und ■»men Kindern den Vater raubst, daß Du en» Lied- schäft aufwärmst, die vor fünfzig Jahren bestanden hat? Aber das soll Dir nicht gelingen, in diesem Haufe bin *ch Herrin und werd« es bleiben trotz Deiner Derführungs- ksinste, Du Schlange!"
Eh» die vollständig verblüffte Frau Amalie zu obrer Antwort kommen konnte, traten Edith und Ltebhardt auf bte Schwell«. Schon im Vorhaus hotten si« Frau fiten« holzen» erregte Stimm» gehört und warm besorgt und beunruhigt hinzugeeklt.
den ersten Moment verblüfft, dann aber schrie ich mr» I Leibeskräften um Hilfe. Ferdinand stürzt herbei und ich I m meiner Angst klammere mich an ihn; da kommt Dettl I und macht mir eine regelrechte und ganz gemeine Ti fee» I suchtsszene. Es ist zu dumm, ich, der Fürsten zu Füßen | gelegen sind, ich werde diesen Bohnenzüchter, der viel» I leicht Lessing für den Erfinder eines Dampfpfluges hält, I feiner noch dümmeren Gemahlin abspenstig machen! Ich I da, kommt davon, roemt man aus seiner Höhe hembstrigt. I Aber ich werde mich rächen, nein. Sie werd«« mich rächen, I mein Sohn!"
I Sie hatte das olles hervorgesprudeü, jetzt schien st» | zur Besinnung zu kommen. Sie wurde auf einmal ganz I still und überlegte. Was hotte sie denn da eigentlich ge» I trat? Ihre eigenen Berechnungen über den Haufen ge- I worfen. Edith kam da mit einem Verlobten ins Haus ge» I regnet, von dem si« gar nichts wußte; Waldemar unb m4 I ihm das Gut waren beifette gefetzt und sie hcckte zu all I dem Ja und Amen gesagt, ohne nur einen Augenblick I nachzudenken.
»2ch habe ein großes Wo-rt gelassen ausgesprochen", I begann sie endlich, sich an Liebhardt wenderck); „ich hab« I Sie Sohn genannt, ohne etwas anderes zu wissen, al» | daß ich Ihnen die Gesundheit meines Kindes verdanke."
„Auch dies« nicht einmal, verehrte Frau", sogt« Lieb- hardt entschlossen. „Ich bin Tierarzt."
Sie prallte zurück. „Tierarzt?" fragte sie erstaunt;
| »aber Ferdinand hat Sie doch . . ."
„Wie ich schon gesagt habe, Mama", fiel Edith rasch I «in, „hat sich Onkel einen Scherz mit uns oder besser mit I Dir gemacht, denn ich wurde ja dann eingewecht; er wollt» I Dir zeigen, daß Deine Besorgnisse für meine Gesundheit I ganz unbegründet seien und so ließ er mich denn von
I feinem" — sie lächelte schelmisch — „von seinem Gänse» | doktor behandeln. Bis ich recht pausbäckig wär«, wollt«
er Dir's dann sogen.
Die niedliche Lüg«, die dem Mädchen so glatt von den Lippen schlüpfte, war keineswegs erst m diesem Augen- bück entstanden. Die zartfühlende Edtth hatte gleich a» di« Beschämung gedacht, die dem Onkel «wachsen würde
I trab sie hatte mit Liebhardt auf dem Heimweg« berat» I schlagt, wie sie dem Armen bte Sache erleichtern könnt», j bis sie auf diese Lösung gekommen waren. E» wmd» beschlossen, daß Liebhardt am nächsten Vormittag zuerst
I Kienholz von bet Lösung der peinlichen Geschichte unter» richten und dann zu Ediths Mutter gehen sollt«. N-m war eben allez anders gekommen.
Kienholz hotte stch tnznckschen gesoßt. „Detti, wo» hast Du getan!" jagte er streng zu feiner Gattin.
„Meine Rechte gewechrt", «ntgegnet« ffe trotzig, ob« nicht mehr jo wütewö mit vorher. Sie hatte sich Lust gemacht und mm war si« nchiger, so, ohne sich's einzuge- stchen, bereute sie ihre Heftigkeit schon.
„Ich bitt» Dich, Amalie, dos ist tta Irrtum, «in Mißverständnis, das sich aufklären wird; bleibe und laß uns oll» ruhig mMnanbet red«", suchte Kienholz zu he»
große Selbstlosigkeit und unbestrittene Leistungsfähigkeit ihrem Vaterland« so ausgezeichnete Dienste geleistet haben.
Frau Amalie ging ihrer Tochter mit ausgebreiteten Armen entgegen.
führt« sie ihm zu. Er zog die Hand seiner Schwieger- mama an die Lippen.
»3d> danke Ihnen von ganzem Herzen, Sie sollen Ihren rasche« Entschluß nie bereuen, gnädige Frau!"
Er umarmt« die neu« Mutter mehr heftig als anmutig, sagte ab« dafür in herzlichem Tone: „Du sollst mit dem Sohne zufrieden fein, Mama."
Dann zog « Edith rat sich und küßt« sie feierlich. Si« ober neigt« sich dicht cm sein Ohr und flüsterte: „Jetzt brauchst Du nicht einmal mchr den Schwalbenrock anzuziehen, in der nassen Lodenjoppe host Du den Kuß von Mama bekommen."
Das Ehepaar Kienholz hatte kn maßloser Verblüffung der Szene zugesehen. Freu Betti hatte ihren Grell gegen Amalie, Kienholz den seinen gegen Re Gattin vergessen, nur eins hatte er klar erfaßt: Edith war für WaDemar verloren tmd barmt war all« Rücksicht gegen Amalie verschwunden.
„Na, dann meine herzlichste Gratulation, zukünftige Frau Gänsedottorin!" rief er höhnisch.
Edith lachte ihn ganz vergnügt an. „Na, was tttt's Onkelchen? Doktoren heiraten schon manchmal ihre Pattentinnen."
„Was soll das heißen?" fragt« Frau Amalie.
„Daß Onkel sich ehren kleinen Scherz mit uns erlaubt ttot", antwortete Edtth schnell und zog die Mutter hinaus. Sie folgte widerwillig, gab aber dennoch nach und si« gingm zusammen ttt ihr Zimmer hinauf, gefolgt von Liebhardt.
„Zunächst, Mama, was hat es mit OnkH und Tante gegeben?" fragte Edith, als si« die Türe geschlossen hatte.
Frau Amalie geriet wieder in Ekstase.
„Es tft unglaublich", rief sie; „dafür, daß ich Todesangst ansgeftanden, daß ich mich in den Händen eines Räubers befunden hab«, beleidigt man mich, wirst mir eine unerhörte Befchuldigung ins Gesicht. Denk« Dir nur, kam da ein Schwindler ms Haus, nannte sich Graf Mumpitz oder sonstwie, gab vor, Frau Riedel sprechen zu wollen; na, ich in meiner Güt« ltetz mich herbei, den Vetter Ferdinand, der doch vormittag» zu hm hat, zu entlasten, und übernahm di« Unterhaltung mit dem sogenannten Grafen, während er auf Emma zu warten vorgab. Er verwickelt mich in ein Gespräch über Kunst, ich fange natürlich sofort Feuer und während ich ihm meine groß« Szene als Dtftna Vorspiele, wirft mir der Räuber di« Tsschdecke um den Kopf; ich tc -chl. nn'te er mich
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: 3. Parzeller-Fulda. ~
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda. Fernfprecher Nr. 9. Telegr.-Lldresse: Fulbaer Zeitung
i ringelt« Arbeitszeit wirkt um so unheilvoller, als die I Leistungsfähigkeit starke Einbuße erlitten hat." Weit wir im Augenblick der Umstellung unserer Wirtschaft vom Kriegsbedarf auf den Friedensbedarf statt mehr zu arbeiten, weniger arbeiteten, ja durch Streiks dte Erzeugung sogar mutwillig unterbanden, darum habe« wir heute weniger Material, um neue Wohnungen zu bauen, haben wir teuere Mieten, haben wir vor [ allem die Aussicht einer weitern Ernährungs- i Verschlechterung.
Nachdem im Krieg der landwirtschaftlich benutz!» Boden lange ohne genügende Düngerzufuhr geblieben war, war mit Kriegsfchluß der Augenblick zu einer solchen gekommen. Die Fabriken konnten aber nicht liefern, well ihnen der Betriebsstoff in Form der Kohle fehlte. Aus gleichem Grunde konnte dis Eisenbahn nicht anfahren. Die Ernteerträge dieses Sommers und Herbstes mußten also noch wete ter zurückgehen. Um die Weihnachtszeit habe» wir der Landwirtschaft höhere Lieferungsprämien für Kartoffeln und Getreide bewilligen müssen? Warum- Dom großen Rückstand der Herb st arbeite« schrieb Anfang Dezember die amtliche Statistische Kor« respondenz: „Kartoffeln waren stellenweise bis zu 50 Prozent (so östlich der Elbe und besonders östlich der Oder), Stuben bis zu 80 Prozent (östlich der Oder) noch ungeborgen. Die Saatenstandsberichte stimmen darin überein, daß di« Verzögerung der Ernte auf die verkürzte Arbeitszeit, die allgemeine Arbeitsunlust und die dadurch verringerte Leistung, sowie auf den Mangel an geeigneten Hilfskräften, insbesondere auch auf das Fehlen der Saisonarbeiter, zurückzuführen sei." Vor allem hätten während der Bestellungs- und Erntezeit die irgendwie verfügbaren Hand-, Spann- und Maschmenkräfte unbeschränkt voll cmsgenutzt werden müssen. Das ging aber nicht, weil die Kohle fehlte. Eben lesen wir,, daß sie auch heute noch mangelt, um die Dreschmaschine in Betrieb setzen z» können, nachdem heute erst ein Drittel unserer Ernte ausgedroschen ist. Im Reichskohlen- rat wurde daher die Bereitstellung von Druschkohlen als äußerst dringend bezeichnet, soll unsere Ernährungslage nicht unmittelbar gefahrdrohend werden.
Statt aber schon bei Kriegsausbruch auf ehre SW» gerung der Dodenerzeugung bedacht zu sein, unterhielt man sich an gewissen verantwortlichen Stellen über —' die Sozialisierung der Landwirtschaft. Heute aber schreibt der Gewerkschaftliche Nachrichtendienst der freien Gewerkschaften: „Die Steigerung der Produktion muß in erster Linie bei der Landwirtschaft beginnen. Arbeiten wir in diesem Sinne, dann handeln wir sozialistisch. Wird dadurch eine Verteuerung der Lebenshaltung bedingt, dann ist es die Aufgabe der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft, einen Ausgleich in der £ofcN höhe herbeizuführen." — An ehre Sozialisierung ber Landwirtschaft sei selbst nach Koutsky erst in letzter Linie zu denken.
Binsenwahrheiten! Ja Binsenwahrheiten! Aber wie lange werden sie noch wiederholt öetbeo müssen!?
Die Fahrt ins Abstimmungsgebiet.
Der Deutsche Ausschuß für baS Herzogtum Schleswig teilt folgendes mit: Alle Stimmberechtigten der» ersten Zone des schleswigschen Abstimmungsgebietes^ die bereits im Besitz einer Bescheinigung beS amt* lichen Abftimmunasausschusses über die erfolgte Etni tragung in die Stimmlisten sind, benen aber noch kein Gutschein fürbte Freifahrt zugegangen ist, bitte» wir dringend, dies sofort dem Deutschen Ausschuß Flensburg, Südergraben 59, Fermprecher 2227 und 2557 mitzuteilen. Alle, die sich zur Abstimmung tn
Binsenwahrheiten des Wirtschaftslebens.
Im Augenblick stchen wir alle einmal wieder unter einem starken Druck unserer so unbefriedigenden wirt- schaftlichen Lage. Wenn wir aber nach den Ursachen hierfür suchen, dann dürftn wir uns auch nicht verschweigen, daß diese Lage zu einem guten Teil mit« verschuldet ist durch die Revolutionsstreiks, mit denen Hunderttausende unserer Arbeiter im lieber« schwang der Revolutionszeit glaubten, die neue Zeit „begrüßen" zu müssen. Daß unserer Volkswirtschaft mehrere Millionen Arbeitstage allein in wenigen Wochen des November und Dezember 1918 verloren gegangen sind, sei aus der amtlichen Statistik noch festgestellt. Die Streiks hörten, obwohl sich leicht auf dem Wege der Verhandlungen zwischen dm Unternehmern und Arbeitern ein Ausgleich er« zielen ließ, auch im FrWahr 1919 nicht auf. Von besonders einschneidender Wirkung auf unsere Wirtschaft mußte der große Ruhrstreik im April 1919 sein. Heute bekommen wir zu fühlen, was durch die Revolutionsstreiks gesündigt worden ist.
Ein altes Erbstück aus der Friedenszekt ist, daß unser Volk bis in di« sog. gebildeten Schichten hinein so gern die wirtschaftlichen Zusammenhänge übersieht ober sie gar nicht sieht.
Auch früher wurde gestreikt. Das ließ sich aber ertragen; wurde vielleicht oftmals nicht ungern gesehen. Hatten wir doch im Gegensatz zu heute vielfach einen Warenüberfluß, so daß sich Ausfälle mit Leichtigkeit wieder hereinholen fielen. Heute ist das anders. Wr leidm auf allen Gebieten an einer Warenknappheit, ja einer Warmnot. Jeder Streik vermindert dann noch unsere ohnehin überaus geschwächte Erzeugungsmöglichkeit und kurze Warm« decke. Die Warmknappheit steigt bann noch mehr. Bei dem starkm Bedarf wird die Nachfrage noch größer. Zwar wird durch Lohn- und Gehalts e r h 3 h- tingen auf Gremd immer neuer Papiergeld- a u s g a b e dem BÄürfni» der Konsumerttm nach weiteren Kauf» und Zahlungsmitteln Genüge geleistet. Vermindertes Warmangebot und erhöhter Anspruch an den Morst auf Grund vermehrten Papiergeldumkaufes führen ober totstcher zu neuen Preissteigerungen tmd fortwährender Geldverschlechterung.
Das alles solltm eigentlich Binsenwahrheiten sein. Aber weil fie es nicht sind, und well der Irrtum sich immer wiederholt, muß auch die Wahrheit immer von neuem auf den Tisch gebracht werden. Die Daluia- konunisston hat daher dieser Tage in die Mitte ihrer AMfsoorschlSge gegen unsere WSHrungsrwt die Sätze gestellt: „Das einzige durchgreifende Mittel, auf die Dauer zur Besserung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse und der Valuta zu gelangen, fie^t in der Förderung der inländischen Gutererzeugung, die m erster Linie nur durch gesteigert« Arbeit des ganzen Volkes erreicht roerben kann. Es muß nicht nur überhaupt mehr gearbeitet roerben, sondern auch mehr als ttt dm Ländern, die dm Krieg gewonnm haben. Tier«
Herr Rich. Müller ist kein Freund von Dcmkesbe- zeugungen, wir respektierm das. Um so herzlicher darf der Bftmsch sein, daß Gottes Gnade und Güte noch recht viele Jahre seine Dienste der Kirche und dem Vaterlande erhalten möge, daß sein Wort und Beispiel noch recht viele befruchtend aneifere für idealen Bürgersinn und hochherzige gemeinnützige Arbett!
Nach der Reihenfolge der Kandidaten auf dem Wahlvorschlage der Zmtrumspartei für die Wahl zur Nationalversammlung rückt jetzt Herr Volksvereins- fefretär Frank (Fulda) als Abgeordneter nach. Es steht zur Zett noch nicht fest, ob ihm fern Amt die Uedernahme des Mandats möglich macht.
„Nicht um bi» WEI" rief Imafte.
»Aber was tft denn geschehen?" fragte Edtth ängstlich.
„Ein Verbrechen!" schrie bte Mama und hob dte Hönde xmn Himmel; „man hat bas Gastrecht verletzt, da» sclbft den Wilden heilig ist. Komm, laß uns fliehen, ob e» auch stürmt und wettert, und wenn ich aus der Straß« übernachte« müßte, hier kam, ich nicht bfeiben."
Jetzt trat Ltebhardt vor, der sich bisher auf der Schwelle, halb im Dunkel gehalten hatte.
„Gnädige Frau, ich weiß zwar nicht, was m>r gegangen ist und ob Ihre Auflegung ganz gerechtfertigt ist, aber ich biete Ihnen meine Dienste an."
Fast erschrocken schauten ihn alle außer Edtth an, sie hatten ihn vorher nicht bemerkt. Kienholz faßte sich zuerst.
„Mit welchem Recht msschen Sie sich in fremde An« gelegenhriim?" fuhr er ihn an. Da ächtete sich Edith hoch auf.
„Mit dem Rechte meines Bräutigams", erwiderte sie an Stell« Liebhardts. Kienholz starrte ihr verblüfft ins Gesicht.
„Deines Bräutigams?" stmmnelte er.
„Deine, Bräutigams?" wiÄtecholte auch Frau Ama» fit erstaunt.
Liebhardt trat auf ste »u.
„Verehrte Frau, Ihre Tochter hat mfl die Erioubni» gegeben, ihre Hand von Ihnen zu erbitten; es war nicht in ein« Absicht, es in dieser Stunde und kn fs formloser Steife zu tun, aber da es die Umstände fo gefügt haben, bringe ich ttTfUK Werbung vor: Ich bitte Sie, mir Ihr Kind anzuverirouen, ich werbe w glücklich machen."
Edith sah mit feuchtende« thtgen »v ihm -ruf and schmiegte sich an di« Mutter. „Gib mich ihm, Mao», ich hab' ihn fo herzlich lieb!" fugte sie bittend.
Hingerissen von der dsmnMfchqn Sznm überlegte Frau Amalie keinen Augenblick.
„Mein Sohn, ich gebe u£l$ Recht, ’i- !
schütz*»", rtef ft, «mschlaig ^utz «* dem Ltt. .d
Das bevorzugte Feld seiner Betätigung war das Gebiet der Reichsfinanzen. Hi« war er ein Kenner von hohem Grabe, em Könner von unermüdlicher Tatkraft, ein FmanzpolMer ersten Ranges. x das I ®eim b*6 Finanzpolitik des Zentrums ein« gute Note ueimat- I Der^ent und sie verdient sie, dann hat das Hauptver- _ „. -----------imm'er'wachsenden Mehrheiten W Müller-Fulda. Auch an der
.gewählt. | Losung rotrtschastlkher Fragen war er hervorragend
- 5 Herr Müller hatte sich schon länger mH dem I beteiSgt, wir erinnern nur an ten Zolltarif, den Han- Gedanken getragen, sein Mandat ntederzuleqen und I desvertrag, das Depotgesetz, das Reichsbankgrsetz usw. emgeweihten Kreisen kommt sein Ausscheiden aus I 500 immer für das Reich Ersparnisse zu machen, dem Parlament nicht unerwartet. Bereits vor der | ®° Mißstände aufzudecken und zu beseitigen waren, Wahl von 1912 hatte er in bet Vertrauensmänner» | wo es galt, Deckung zu schaffen für notwendige Aus- derfammlung ber Zentrumspartei unseres Reichs- | gaben, da konnte man sich« sein, daß der Abg. MA- tagSwahlkreiseS erklärt, baß er die Zeit gekommen I ler-Fulda mit Rat und Tat beteiligt war. Sein Name fühle, die parlamentarische Tätigtest auf jüngere j ist untrennbar mit den finanzpolittschen Maßnahmen Schultern abzuwälzen, ba körperliche Schwäche sich I des Reiches in den letzten Jahrzehnten verknüpft, als tmnter unleidlicher bemerkbar mache. Den Teil- | führendes Mitglied der Bubgettommission hat er rich« «ehmern jener Versammlung wirb unvergeßlich sein, mst welchem tiefgebenoen Bedauern die Vertrauens«
I tnänner diese Erklärung entgegen nahmen und wie einhellig sie Herrn Müller mit Bitten bestürmten, bas Mandat nochmals zu übernehmen. Herr Müller hat I gegner durch eine gerechte Verteilung der Saften und | schließlich dem allgemeinen Ansturm nachgeben müssen, I durch Vereitelung von Steuern, die dte breiten Massen Bim vorigen Jahre bei der Wahl zur National- I übermäßig belast«». (Eine feiner Großtaten war die ammlung zu erleben, daß ihn bte Wählerschaft I Deckung des Ftttonzbedürfnisses bei der Flottenvorlage I dann noch nicht freigeben wollte. „Der Name I von 1900, wobei es ihm gelang, dte Gesamtesten um Müller-Fulda ist ein Programm", so hieß eS damals 1 300 Millionen herabzusetzen. Schon bei dem Tirpitz« « der Bertrauensmännerversammlung; baS Pro- I fchen Flottenplan von 1897-98 hatte er eine Ersparens i »ramm, das uns so oft zum Sieg geführt hat, muß I von 53 Millionen erreicht, ohne daß der Gesamtplan
»uch tn dieser kritischen Zeit uns voranleuchten, die I eingeschränkt zu werden brauchte. Dabei wurde auf
Snentbehrlichen und unersetzlichen Kenntnisse und I seine Veranlassung noch festgelegt, daß keine Erhöhung Fahtgketten unseres bisherigen Abgeordneten sind I oder Vermehrung der indirekten Steuern bei Aufbrin- bet den großen Aufgaben, die mir der Neberleitung i gung der Kosten eingeführt werden bftrfe. Ern be-
ta em neues Staatswesen verknüpft sind, nicht zu sonderes Kapitel der Müllerschen Erfolge bieten die
V «’nen. Sie Parteifreunde tn den übrigen kurhefftschen Kämpfe um die Fmanzresimn von 1909. Sie sollte
£TrIeiknnb *r, Nassau d'« Mit uns zusammen ohne das Zentrum und gegen das Zentrum durch den ta dem heflen-nassaufchen NationalNxchlkrets bereinigt Bulowblock gemacht werden. Der Dülowblock aber ^nude dteser Willensflrndge- I gmg in Trümmer, und das ausgeschaltete Zentrum / den fl93^<rr ani!t §Err I mußte wieder ausschlaggebend mitorbeiten. Bei den
I k!6 e«l€ h'e 6Ena I ehemaligen Dlockleuten weiß man natürlich recht gitt,
JEslhah es. j wessen zäher und überlegener Arbeft sie es vornehm«
| "8/ b« neue Last, bte man sich w verdanken haben, daß dte Dlockherrkichkett so
damit auf kne Schultern etnes Manne« legte, ber noch I iKmmerküh verhaaeite.
dluße wohl »er» I Wenn wir bei der Erinnerung die arbeite« tmd er- WtrL .d^ öu tragen fein I wlgreiche parlamentarische Tätigtest des Herrn Richard
verlängert sich aber bte I Müller-Fulda uns bewußt werden, wie ungeheuer viel !oet]amntlung von I wfl durch feinen Mckttttt verlieren, so wollen tmr doch eS ouS, als ob sie noch ^tch dankbar gedenken, daß wir tmge^uer viel an ihm ha« So I gehabt haben. Da» soll uns damit aussöhnen, wenn
s9< bCxr-*^>J*rtee I roit künftig unseren WahlkrÄ» nicht mehr durch tmseren
^Afei6ElL en»11^ tod) ee» I langjährigen Abgeordneten vertreten sehen. Wir Hof.
ÄerÄ“n0 Ä sen, daß der Wiüe und die Arbeltekrast dteses tatkrA.
R“; h ^attonalverfammluttg I gen und unermüdlichen Mannes durch bte Beschwerden,
-r? “1®8 I die das nabende Greisenalter mst sich bringt, nicht et«
~ ’L ö^° En eteMtreten. I schöpft, fonbem unserer Partei noch weiter zu Nutzen
Der Name Richard Maller, der so manch« Jahre nut gereich«, werden. Wenn er auch nicht mehr ate 53er«
bem Namen mtseres ReAslogswahlkreises verknüpft tretet unserer Interessen ttt Berlin tätig sein kann, so
war w» thn nut hohem Glanz umwoben hat, ist von wird uns doch sein erfahrener Rat nicht fehlen, und als
chm gelost. So sehr man den SLunsch des bald 70« Vorsitzender unserer heimischen Wahlorganisatton wird
sahregen, dessen körperlich« Kraft von den Sttapazen er hoffentlich noch lange Jahre für die Ideale wirken des parlamentarischen Lebens hart mstgenommen tft I können, denen feine Lebensarbeit galt
Zum Rücktritt des Ada. Müller-Kulda. I !oba£ 618 Ausübung fernes Mandats m der letz.
m „ ... . . , H r 0 | ten Zett oft unmöglich wurde, so schr man den Wunsch
_ „“.an” tn m-n teuifer„3^•* I nach Ablösung als berechtigt anerkennen muß, so
^fW0H«a<»r «T ,toJe Achard Muller, em Mann, I schwer wird es für uns doch sein, uns damit abzu«
Wtlle und dessen I finden. Das Bedauern über den Rücktritt Richard
fast bret Jahrzehnte lang Müllers von der poMscheu Bühn« in Derlln wird bei
haben UIt^ segensreich geltend gemacht I ben Parteifreunden allgemein fein. Es gibt keinen
Sein Rücktritt vom parlamentarischen Leben ist ßÄL®* 1 L^^^wteMch^illere Per-
ein schwerer Verlust für bte Zmtrumsparteh ' Muhtetten, tee durch unantastbare Umckhängigkest, sie verliert mit ihm eine- bet hervorragendsten Mit» »lieber ihrer Fraktion in ber Nationalversammlung, deren Fachmann in finanztechnischen Fragen er war.
Se;t 1898 hat Richard Müller ununterbrochen der Zenttmmsfraktion beS ReichsparlamentS angehört. Damals ton^be er vom Wahlkreise Fulda- Gersfeld-Schlüchtern tn den Reichstag geschickt, 1898 eroberte er den Wahlkreis Homberg-Höchst für bas Zentrum,' fest 1903 vertrat er wieder feinen Heimat. Men Wahlkreis, mit i "" ‘ ~ '