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Nr. 26.

Verantwortlich für den redatlionellen Teil: Karl Schütte, für dir Anzeigen: I. Parzrller-Fulda. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

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Montag, 2. Februar 1920.

Bezugspreis: Monatlich 1,30 Mk. ohne Zustellungsgebühr.

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Anzeigenpreis: DieKleinzetle (nach Colonel'christ) 50Pfg„ die Reklamezeile (Textbreite) 1 !llk„ bei Wiederholung Rabatt.

47. Zahrg.

Der GänfcÖoktor

nretnen

fragte

Hcmd-

i

„D, wie herrlich/ sagte er mit ungeheuchelter Bewun­derung. ^ich habe die traurigen Stücke so gern; ich weiß, es sieht komisch aus, wenn ein Manu meint, aber ich muß mich ost zmückhalten, wenn etwas Trauriges gespielt wird und manchmal läuft'» mir ganz kalt über den Rücken, wenn so recht inhaltsschwere Worte gesprochen werden/

Er hatte ganz selbstvergessen gesprochen, denn er war ein wirklicher Theaterfreund; um so mehr erschrak er, als auf einmal Frau Amalie auf ihn zufprang und fein» Hand erfaßte. Blitzschnell fiel ihm Kienholzens Warnung wie­der em und er fing an zu zittern.

r Graf, Sie lieben die Kunst, Sie sind ein edler Mann!" rief Frau Amalie begeistert. „D, wenn Sie mich hätten sehen können, dennals, als ich im Zenit mei­ner Ruhmes stand!"

Sie hielt feine Hand, die er ihr m wieder erwachter Angst entziehen wollte, fest und schaute sie wie m sinnen­der Bewunderung an.

„Wie schön ist diese Hond, wie reich ist siel Prinz, biefe Hand

Hat noch zwei kostbare Geschenke zu vergeben« Ein Diadem und Carlos' Herz — und beide. Vielleicht an eine Sterbliche? An Eine?

Ein großes, göttliches Geschenk! 2Bemti)e

Für rine Sterbliche zu groß/

Sie hatte es 'm schmeichelndem Ton deklamiert und bfidte setzt zu ihm aus; er sah mit einem nicht eben geift«

»Nicht eben das, aber es ist sehr gemütlich und man sindet oft sehr interessante Leute dort; Frau Riedel ist ehre sehr liebe Frau", berichtete Graf, froh, einen wenig «cheyerSen Gesprächsstoff zu haben.

„Wohl eine Freundin Ihrer Gemahlin?" fragte sie srichthin.

„Ihrer Gemahlin? Das heißt meiner GemaWn?"

Br wußte nicht gleich, was er sagen sollte, die Frage vor eben schon em wenig gefährüch; so beschloß et, bei der Wahrheit zu bleiben. Meine Gemahlin — ja, ich habe nämlich keine."

„Also Witwer ober Junggeselle?" forschte sie.

„SunggefeBe", entgegnete er.

„Warum haben Sie denn nicht gch erratet?" fragte |k beinahe streng. Er erschrak.

„3d), ich weiß es nicht," stotterte er.

Sie lachte. „Also die Scheu vor dem Unbekannten? Das ist feig, das müssen Sie gutmachen; Sie müssen hei­raten/

„3a, freilich/ sagte er kleinlaut; ihr kategorischer Ton schüchtert« ihn ein.

„Wie müßte denn die Frau aussehen, die Sie hei- raten würden?" fragte sie und sah ihn forschend an. Ihm wurde heiß unter diesem Blick, er zog sein Taschentuch unb wischte sich die feuchte Stirn; was sollte er sagen? Schließlich meinte er, es fei am besten, wenn er sie nach dem Bilde fernes Gegenübers beschrieb; Frauen sind immer eitel, diese da würde keine Ausnahme machen.

Et studierte also ängstlich ihre Züge und dabei trat, ohne daß er es merkte, eine längere Pause ein.

„Warmn sehen Sie mich denn so sondernbar an?" fragte Frau Amoste mst kokettem Augenaufschlag. Er ti*er merkte die Koketterie nicht und erschrak mm wieder über die Frage.

.Verzeihung, aber — aber Gnädige kommxn mir so bekannt vor und ich weiß nicht . ."

„Waren Sie in Amerika?" unterbrach sie ihn. Wie- ba war er 'm Verlegenheit.

„Ich weiß wirklich nicht," stammelte er gedankenlos.

„Sie wißen nicht, ob Sie in Amerika waren?" fragte fe erstaunt. „Das ist doch unmöglich."

Er errötete. Für welch' einen Dummkopf mußte ihrs diese Frau doch halten! Wenn sie auch eine Närrin mar, Jo litt sie gewiß nur an ehret fixen Idee and war tu

nur fein Herz unb dafür gab ich meine Kunst und Rrchm."

„Gnädige waren Schauspielerin, Sängerin?" ®rof zaghaft.

„Tragödin," erwiderte sie mit großartiger bewegung.

Wie gekämpft wird.

Wieviel Aufhebens wurde nicht mit den Anklagen gegen Erzberger im Falle Thyssen gemacht, und waS war das Ergebnis? Man hat Erzberger nichts ehren« rühriges nachweisen können, und alle Zeugenaus­sagen haben nicht den Nachweis dafür erbringen können, daß Erzberger eine unzulässige Handlung begangen hätte. Er hat sich als unbestählich er­wiesen.

Ein Ruf «ach -em Schiedsgericht.

Der Osserv. Nomano", das päpstliche Blatt, spricht sich mit der größten Entschiedenheit gegendieBer- folgung des Kaisers aus, es nennt den Pro­zeß gegen ihn eine Ungeheuerlichkeit. So sammelt das Blatt glühende Kohlen auf das Haupt der Hetzer, dis zu behausen wagten, „Rom" sei der ge­schworene Feiich der H^enzoller.,.

2n der Kundgebung, die so mutig für den Schutz des besiegten Monarchk!» erntxitt, verdient besondere Be­achtung der Hinnwcis auf das Schiedsgericht. Es wird da ausgcführt: „Ein Schiedsgericht des Völker- bundes würde eine 8' frage Hollands, ob es zur Aus- lleferung verpflichtet sei, sicherlich mst Nein beant­worten."

Darin steckt eine vemichtende Krstik der Rache- Politik, die von den Machthabern der Entente betrieben wird. Sie deklarieren in den höchsten Tönen non der „Gerechtigkeit" und bezeichnen als Ziel ihres ganzen Strebens, daß fortan in der Welt RechtvorMacht gehe. Aber das geeignete Mittel, um das Reich der Ge­rechtigkeit im Völkerleben zu begründen, nämlich die schiedsrichterliche Entscheidung der Streit- unb Zweifelsfragen, schieben sie beiseite, wenn der Richter- sxruch ihren gewaltsamen Planen gefährllch werden konnte.

Bei dem Notenwechsel über das „Schlußprotokoll" zum Friedensverttage war bekanntlich von d e u t s ch e r Seite beantragt worden, die Prüfung und Entscheidung in einer Ersatzpflichtfrage einem Schiedsgericht zu über­tragen. Das wurde schroff abgelehnt mit der Bemer- kung, es handle sich hier um die Auseinandersetzung «tn dem Sieger und dem Besiegten. Damit wurde iktatur des Uebermächtigen proklamiert, der sich nm keinen Rechtsspruch zu kümmern braucht.

Bei dem Konflikt zwischen Holland und der Entente handelt es sich aber nicht um „Sieger und Besiegte", sondern um einen Streit mit einem neutralen Staat, der am Kriege gar sticht beteiligt war und also auch von den obsiegenden Mächten in keiner Weise ongetaftet werden darf. Obendrein ist Me aufgeworfene j Streitfrage rechtlicher Natur. Es handelt sich darum, ob es völkerrechtlich« Vorschrift«! gibt, die Hol- land zwingen könnten, etwas zu tun, was seinen eige­nen Slaotsgesetzen nicht entspricht. Die Prüfung die- ser angeblichen Verpflichtung Hollands ist vorzüglich, wie kaum eine andere Frage, für ben schiedsrichter­lichen Austrag geeignet.

Ein wirkliches Schiedsgericht mit den Garantien der Nnabhängigkett, Unbestechlichkest und reinen Sachlichkeit wäre ein gewaltiger Kulturfortschritt und könnte zum größten Segen für die friedensbedürftige Welt werden. Letzt gibt es noch keinen richttgen Völkerbund, es ! wird nur Völkerhaß weiter gepflegt und der Aus- I trag der Streitigkeiten wird nach wie vor auf dem rohen I Wege der Gewalt betrieben.

Der Siegesrausch muß erst verstiegen, die Leiden- I schoflen müssen gedämpft werden; dmm wird sich die Erkenntnis durchringen, daß die Welt einen ehrlichen I Völkerbund und ehrliche Schiedsgerichte braucht, um I zum richtigen Frieden zu gelangen, und man wird dem I heiligen Stuhle dankbar sein für den zestgemäßen Hin- | Weis auf das, was leider noch fehlt.

f Ta aber kam der Fall „Ostropa!" Die Erz- I berget- gegnerische Presse jauchzte vor Vergnügen.

Schien sich doch hier eine Gelegenheit zu bieten, um I Erzberger wirklich tödlich beikommen zu können. Erz­berger hatte zwar unter seinem Eid erklärt, daß er diese Gesellschaft nicht einmal dem Namen nach I kenne und daß er nie etwas mit ihr zu tun gehabt | hätte, aber so leicht läßt sich diese Presse nicht den I fetten Braten entliehen. Just nach dieser kakegori- I scheu Erklärung traf ihn das verhängnisvolle Ge» I schoß. Noch am selben Tage, in derselben Nummer, I in welcher das Attentat, daS beinahe Erzberger daS I Leben kostete, geschildert wurde, brachte die alldeut- I sche „Deutsche Zeitung" in riesiger Aufmachung den I Abdruck der handel 'registerl. Eintragung der „Ostropa" I und danebenErzbergerSAussage. Es wurde ganz un- I verhüllt dem Mann, der kurz zuvor unter Eid jede Kenntnis dieser Gesellschaft bestritten hatte und der | im Augenblicke deS Erscheinens jener ungeheuerlichen I Anschuldigungen auf das Schmerzenslager geworfen I war, der Vorwurf deS Meineides gemacht. Iu Auf- I machung und Fassung jener Notiz war alles getan I worden, um Erzberger zuguterletzt noch eine der I schimpflichsten Anklagen ins" Gesicht zu schleudern.

Und waS ist schließlich herausgekommen? Eine | Komödie, eine Schieberkomödie war es! Erzberger I hat in der Tat nie etwas von dieser Gesellschaft er« I fahren, er wurden ohne daß er überhaupt eine Ah- I nung davon hatte, in ihren „Beirat" gewählt und I eine Mitteilung über diese Tatsache hat ihn nie I erreicht. Die Verdächtigung deS Meineides wurde I aber gegen Erzberger geschleudert in dem Moment, I in dem er am allerwenigsten in der Sage war, sich I dagegen zu wehren. Diese Anklage konnte tagelang I wirken. Jetzt wird iu derselben Presse die Ange« I legenheit als eine nichtssagende Harmlosigkeit ge­schildert und keck behauptet, daß kein Jntereste mehr an der Sache bestände, „feit Erzberger gefchworen habe, daß er die Gesellschaft nicht kenne." Diese Worte zu schreiben, hatte dieselbe Zeitung, die „Deutsche Zeitung" die Stirne, die kurz nach jenem eidlichen Zeugnis TrzbergerS, die oben näher ge« schllderte Anklage gegen erhob.

Kann eS gegenüber einer solchen Kampfesweise ein anderes Gefirhl als daS des Ekels geben?

Ein anderes Bild! Die »Nationale Jugend^, die offizielle Zeitschrift des Nationalen Jugendbundes, die sich besonders an die empfänglichen und leicht beeinflußbaren Gemüter der Jugend wendet, schrieb in ihrer Nummer vom 4. Jull vorigen Jahres übet Erzberger:

„ES ist zu bedauern, daß Erzberger nicht gezwungen wurde, sein Werk zu unterschreiben, tote jener Hamburger Konservenfabrikant gezwungen wurde, sein Fabrikat, daS aus Hunden, Katzen und Ratten bestand, zu fressen. Dieser und andere DaterlandSverräter laufen noch immer frei herum und nehmen hohe Staatsstellungen ein. Sie führen das deutsche Volk immer tiefer ins Unglück. Ihre Namen wollen wir mit der Glut des Hasses und der Verachtung in unsere und ine Herzen unserer Nachkommen brennen! Wir predigen unseren Kinoern Haß und Rache gegen jeden, bet die deutsche Ehre angetastet hat.«

Es ist bekannt, daß die »Nationale Jugeniri ge­rade an dem Steglitzer Gymnasium, dem der Attentäter Hirschfew angehörte, eine besondere Ver­breitung hat. Für die geistige Umwelt, in der der jugendliche Verbrecher lebte, ist auch bezeichnend eine Meldung, die durch die Berliner Blätter geht, wo­nach die Eltern des Hirschfeld sich geäußert hätten, sie könnten die Tat ihres Sohnes nicht miß­billigen. Der Prozeß Helfferich-Erzberger sei im Familienkreise häufiger besprochen worden, und aI8 der Attentäter einen Revolver verlangte, habe man ihn anstandslos gegeben.

Die schon erwähnte alldeutsche „Deutsche Zeitung" erzählt, in ihren Kreisen sei ganz allgemein die lieber- allem übrigen wahrscheinlich ganz verständig.

„Derzechung, gnädige Frau, ich hatte Ihre Frage überhört," sagte er verlegen; ich war noch ganz in Ge­danken, wo ich Sie schon gesehen haben könnte."

„Darum fragte ich ja eben, ob Sie schon in Amerika waren; es wäre ganz gut möglich, daß Sie mich dort in Ausübung meinet Kunst gesehen hoben."

„Ihrer Kunst?" fragte et.

--Ja, ich bin, ober vielmehr ich war ÄönfHertn," fegte sie stolz. „Mein Name hat ehren hohen Klang da drü­ben, und baß ich die Stätte meiner Triumphe verlasse» habe, daran war nur die Liebe fchuD. Nicht das Gold meines Gatten hat mich fortgdodt; er hätte mir alles zu Füßen gelegt, was ich begehrte, aber ich verlangte

zeugung oerbreitet gewesen, Erzberger fei „in seiner Bedenkenlosigkeit" auf den Gedanken gekommen, das Attentat auf sich zu bestellen, um „durch einen Knall- eifett die Aufmerksamkeit von den Feststellungen des Prozesses abzulenken". Nach dieser Offenbarung ihrer vornehmen Gesinnung fährt das Blatt fort:

Setther hat man indessen erfahren, daß Erzberger, woran zuerst fern Mensch glaubte, in der Tat getroffen worben, ja daß er uns überhaupt nur durch den glück­lichen Zufall erholten geblieben ist, der feine Uhr- kette der Zeit, da dos Gold dem Vaterlande gehörte, entgehen ließ. Das ändert natürlich die Sache, eo viel Schauspielerei, sich um der Sache willen ernsthaft a n - kratzen zu lasten, war ja gerade H-rrn Matthias Erz- berget nach seinem Verhalten bei anderer Gelegenheit kei­nesfalls zuzutrauen.

Ist das krankhafte Derfolgungsfucht oder mora­lische Verworfenheft? — Die „Tögl. Rundsch." schrieb nach dem Attentat in Ihrer Prozeßbesprechung:

Ein törichter junger Mensch bat mit einem vorsint­flutlichen Revolver zwei Schüsse auf Erzberger abgegeben; eine der Bleikugeln soll dmch den Wmterpaletot hindurch- xedrungen, und m der Schulter stecken geblieben sein, so daß der Reichssimmzmmrster sich in ärztliche Behandlung begeben muß, während die andere aus dem Bauche Erz- bergers, an der Uhrkette abprallte.

Derartige Aeußerungen zeugen von einer Der- wftderung der Sitten, die nach Wlldwest riecht. — Als vor einigen Tagen in einem Berliner Kino die Nachricht von einer Verschlimmerung im Befinden Erz- bergers auf der Leinwand erschien, ertönte, wie von einem Augenzeugen berichtet wird, aus dem Zuschauer­raum ein vielseitiges „Bravo!" und Hände­klatschen! — Da kann man sich nur mit Grausen abwenden.

*

Auf daS Schreiben deS^Vorfitzenden der Zentrums­fraktion, Abg. Trimborn, an Reichsfinanzminister Erzberger, ging von letzterem folgende Antwort ein:

Von allen Kundgebungen treuer Freundschaft, die mir auS Partei- und Fraktionskreisen zuteil geworden find, haben die schönen Worte, die Sie in ihrer Eigen­schaft als Borsitzender der deutschen Zentrumspartei und der Zentrumsfraktion der Nationalversammlung an mich zu richten die Güte hatten, besonders tief an mein Herz gegriffen.

Von den zwanzig Jahren politischer Kampf gemein- schäft in der Partei habe ich siebzehn Jahre in der Fraktion des Reichstages verbracht, in der ich soviel Liebes und Gutes, soviel Anregung und Treue erfahren habe. Niemals bin ich mir der Zugehörigkeit zu Partei und Fraktion so bewußt geworden, als gerade an den Tagen, da der Tod hart an mir vorübergepangen ist. In dieser Stunde empfinde ich eS besonders tief und als Trost, Stärke und Genugtuung, wie beglückend die sittliche Verpflichtung unserer Partei ist, sich restlos unb selbstlos für das Wohl der Gesamtheit «inzusttzen, und wie eS vor all^m gilt, die wetten Volksgüter schützen zu helfen. Wenn ich dies bisher als meinen Lebens­zweck angesehen und zu verwirklichen gesucht habe, so hat mich bte ernste Siunbe vom 26. Januar barin noch bestärkt.

DaS Bewußtsein, daß ich in demselben Sinne mit« arbeite, schafft der schweren Aufgabe Erleichterung unb stärkt Die Entschiedenheit deS Entschlusses. Daher sei el auf dem Krankenbette mein Gelöbnis: Durch den Dienst in der Partei, durch die Verwirklichung ihrer Grundsätze meine Liebe zum Baterlande zu bekunden und all meine Kraft und mein Können für den Wie- beraufbau unseres Bolles einzusetzen.

Die Besetzung Oberschlestens.

In O p p e l n ist der französische Stab der Entente­kommission für Oberschlesien eingetroffen. Die Besetzung Oberschlesiens begann am Samstag.

Rach dem deutsch-polnischen Beamtenabkommen sollen die deuffchen Beamten ht dem abgetretenen Gebiet ihren Dienst weiter versehen, da es den Polen an Be­amten fehlt. Die Polen haben versprochen, die Beam­ten nicht zu behelligen, sondern sie bei Ausübung ihres

reichen Ausdruck zu ihr nieder; Verblüffung, Verlegenheit «md ein birchen Angst malte sich auf feinem Gesicht. Er atmete tief auf, als sie ferne Hand losließ.

„Das war aber sehr schön," sagte er mühsam.

Er hätte für fein Leben gern etwas Großartigeres gesagt, es fiel ihm jedoch nichts ein. Sie aber nahm es dankbar an.

„Ergreift es Sie auch?" fragte sie mst triumphierendem Lächeln. „So hat mich mein Gatte zum erftenmd gesehen >md in dem Augenblick faßte er den Entschluß, mich zu «ringen um jeden Preis. Und als er mir vorgestellt wurde, da ergriff er mente Hand und sagte den Vers, nur daß er meinen Namm statt Earios sagte."

Sie hieü ihre weißen, wohlgepflegtm Hände am sich hm und betrachtete sie scheinbar selbstvergessen.

«Gnädige haben sehr schöne Hände," stammelle et verlegen, nur um etwas zu sagen.

Sie lächelte geschmeicheü. „Ja, sie waren berühmt meine Hände; man ging in Macbeth, nur um in bet Nachtszene meine Hönde zu sehen."

Sie streckte plötzlich die Hände weit ab, starrte sie an, dann begann sie dieselben zu reiben, als ob sie etwas wegwifchen wollte.

„Der Than von Fife hatte eine Frau —" murmelte sie — „wo ist sie mm? Was? wollen diese Hände nim­mer rem werden? — Nichts mehr, mein Gemahl! O nicht doch, nicht doch, Ihr verderbet alles mit diesem starren Hinsehen!"

Nach einer Pause begann sie mieber: „Das riecht noch immerfort itach Blut. Arabiens Wohlgerüche alle oer- süßm biefe kleine Hand nicht mehr. Oh, oh!"

Sie stöhnte tief, und unbewußt stöhnte auch Graf. Er hatte tijr mit Grauen zugesehen und zugehört; ft- lich wußte er, daß sie nur eine Szene spielte, aber er wußte auch, daß sie nicht ganz bei Sinnen war und wer konnte benn sagen, wann sie die Grenze übersprang, bte die Vernunft ootn Wahnsinn trennte? Und wie schnell konnte das fern, wenn sie sich in solche Erregung hinernspiclle!

Sie wartete auf eine Deifallsbezeugmtg. „Nun, Sie bleiben stumm?" fragte sie gekränkt.

„Gnädige, mich hat wirklich ein Grauen erfaßt/ ver­sicherte er und wischte sich die Tropfen von der Stirn. Sie war berauscht von ihrem schauspielerischm Trwlge und vergaß in diesem Augenblick alle ihre Zukunftspläne, ihre Eroberungsgelüste, alles. Die Lust, durch ihre Kunst, auf jemand zu wirken, ward mächlig in ihr.

Dienstes zu schützen. Doch kaum waren sie in Dirschau eingezogen, als auch schon die Belästigungen der Be­amten anfingen, sie sollten die Kokarden ablegen und den polnischen Adler anlegen usw. Zum Protest gegen dieses Verhalten der Polen haben die Eisenbahner ei­nen 24stündigen Proteststreik begonnen. Infolgedessen ist für die Zeit des Streiks der Verkehr mit Danzig abgefchnitten. __________________________

Die Heimkehr der Scapa-Flow-Leute.

Admiral Reuter und die Besatzungen von den Scapa-Flow-Schtffen sind am Sonntag in Wilhelms» Haven eingetroffen. Der Chef der Admiralität b. Trotha hielt eine Begrüßungsansprache. Ztvei Fliegeroffiziere, bte von Scapa-Flow zurückerwartet wurden, »sind nicht mit zurückgekehrt. Sie werden in London festgehalten, wo sie vor einem Strafge­richt verurteilt werden sollen, weil sie an einem Fluge über London teUgenommen haben.

Wiederaufnahme der Arbeit

in den Etsenbahnwerkftätte«.

In den preußischen Etsenbahnwerksiätten haben sich nach Mitteilung von amtlicher Stelle so viel Arbeitswillige gemeldet, daß in kurzer Frist der Be­trieb in vollem Umfange wieder ausgenommen werden kann. In einzelnen Betrieben haben sich sogar mehrArbeiter unter den neuen Bedingungen gemeldet, als emgestellt werden können. Bei den Neueinstellungen wird stark gesiebt. In erster Linie entscheidet die sachliche Tüchtigkeit, bann die Dauer der Tätigkeit und schließlich die Familien- Verhältnisse. Bekannte Hetzer werden nicht eingestellt.

Aus dem besetzten Gebiet.

• Die Sühne im Jülicher Mord. In Jülich erschoß, wie bereits gemeldet, ein französischer Soldat einen vor kurzem erst aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Jülicher, der mit feiner Frau in ben städtischen An­lagen spazieren ging. Am Montag würbe eine Kommission zu dem französischen Stabtkommandanten geschickt, bte folgenbeS als Sühne für ben erschossenen Jülicher Bürger verlangte: 1. Gerichtliche Bestrafung des Täters. 2. Verbot des Waffentragens. 3, Entfernung der Kolonial­truppen. (Der Täter soll als ausbilbender Unteroffizier bet ihnen gewesen sein.) Diesen brei Forderungen wurde von der Militärbehörde stattgegeben.

* Massenkündigungen von Landarbeitern waren in P o m m e r n borgenommen worden, wo die Land­wirte vielfach die Felder nicht bestellen wollen, weil ihnen die Arbeit nicht lohnend erscheint. Minister Noske hat nun den Mililärbefehlshadkr für Pom­mern angewiesen, die Kündigungen für unwirksam zu erklären. Die Entlassung Tausender von Arbei­tern, die bestenfalls durch unerfahrenere Kräfte er­setzt werden könnten, stelle eine Gefährdung lebens­wichtiger Betriebe dar und müsse dazu führen, die unzulängliche Ernährung der Bevölkerung im näch­sten Jahre weiter zu verschlechtern.

* Dentsch-Ostasrika wird von jetzt an den Name» Tanganykagebiet führen.

* Eines der österreichischen Kriegsschiffe, die an Frankreich übertragen wurden, ist auf der Reise von Cattaro nach Brindisi gesunken.

* Präsident Wilson wird sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu längerem Aufenthalt nach Kali­fornien begeben.

* Die SteinkohlenauSfnhr aus den Vereinigten Staaten ist verboten worden.

* „Völlig undurchführbar." Den englischen Slot­tern zufolge erklärte Asquith in Painley auf Be­fragen, die von der Friedenskonferenz den Feinden auserlegten Bedingungen seien völlig undurchführbar

„Graut Ihnen vor mir?" flüsterte sie erregt „0, es soll Ihnen noch ärger grauen. Wissen Sie, wer ich bin? Ich bin Orsina, die Wahnwitzige. Hat er es Ihnen ge­sagt? Nun, es mag leicht keine von seinen gröbsten Lügen sein. Ich fühle so ms! Unb glauben Sie, glau­ben Sie mir: wer über gewisse Ding« den Verstand nicht verliert, bet hat keinen zu Dcrfieren."

Er starrt« sie entsetzt an. Jetzt tom’s, jetzt tarn'», was er schon lange gefürchtet, ein Anfall, Hervorgerufe» durch die Erregung des Spieles. Wenn sie nur um Bot, tes willen nicht immer zwischen ihm und der Türe stände, daß er fliehen könnt«. Während er diesen Gedanke» faßte, fuhr sie wieder fort im Geist ihrer Rolle.

„Daß Sie mich nicht verachten! Denn auch Sie habe» Verstand, guter Aller, auch Sie. Ich seh' es an triefte entschlossenen, ehrwürdigen Miene. Auch Sie Haden Verstand, und es kostet mich ein Wort — so habe» Sie teuren. s

Er griff sich mit unwillkürlicher Bewegung an die Stirn, wie um sich zu vergewissern, ob bas kostbare Ding sich beim noch an seinem Platz befinde, bann späht« ee wieder angstvoll nach der Türe.

,4)a, ich verstehe!" rief sie. „Damit kann ich aus« helfen!"

Sie eilte zu dem Tisch und ergriff bas Paprermefler, das auf einer Zeitung lag. ,/sch hab' einen mitgebracht. Da, nehmen Sie, nehmen Sie geschwind, eh' uns je­mand sieht! Auch hatte ich noch etwas — Gift. Wer Gift ist mir für uns Weiber, nicht für Männer. Neh­men Sie ihn, nehmen Sie!"

Er wich ängstlich zurück, als sie auf ihn eindrang; w fürchtete sich vor dem Papiermesser in ihrer Hand, und bas einfachste Mittel, es wirklich an sich zu nehmen, fid ihm nicht em.

„Stecken Sie beifeite, geschwind beiseite! Mir wird die Gelegenheit versagt, Gebrauch davon zu machen. Ihnen wird sie nicht fehlen, diese Gelegenheit und si« werden sie ergreifen, die erste, die beste, wenn Sie nur ein Mann sind. Ich, ich 6m nur ein Weib, aber fe tarn ich her, fest entschlossen! Kennen Sie mich? Ich bh Orsina, bi« betrogene, verlassene Orsina. Zwar vielleicht nur van Ihrer Tochter verlassen, doch was kann Ihr» Tochter bafür? Bald wird auch sie verlassen sein. Und dann wieder eine! Unb wieder ehre! Ha! welch eine humciische Phantasie!"

^Fortsetzung folgt.); «