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TamStag, 31. Januar 1920.
- Fuldaer Leitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei tu Fulda
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13 240, 33850,- 252 410,- 552 400,
" unverheirateten Steuerpflichtigen
Der Kleinhandel nach dem Friede«.
Der Kleinhandel in seinem heutigen Aufbau und in ftmer großen Zahl selbständiger Gewerbeueibender ist
höher würde, als sie heute ist. Das gilt gewiß für die ganz großen Einkommen. Dagegen gilt das nicht für die kleinen und mittleren Einkommen. Da heute im allgemeinen 300 Prozent und mehr an Gemeindezu- fchlögen erhoben werden, so wird sich für Einkommen bis 10 000 Mark, bei Verheirateten mit mehreren Kindern sogar bis 15 000 Mark eine Entlastung ergeben.
Wie hoch die Belastung des Einkommens nach den vorgeschlagenen Sätzen sich gestalten wird, zeigen folgende kurze Beispiele: Die Steuer betrögt für einen
0,91
5,00 7,00
9,20 12,60 17,85 26,48 33.85 50,48 55,24
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Die Gesamtbelastung kann
Revolutionsstreiks.
Wenn wir heute unter einem großen Wirt- s ch a f t s e l e n d leiden, unter Kohlennot, Kartoffelmangel, Lerkehrscinschränkungen, Verkehrssperrungen und anderm mehr,,so tragen daran mit ein voll- gerütteltes Maß von Schuld jene. Revolutionsstreiks, die vornehmlich im ersten Halbjahr der Revolution wichtigste Erzeugungsgebiete unserer Wirtschaft lahmleg- ten, und im Kreisläufe der Dinge die schlimmsten Folgen nach sich zogen. Im Nooemberheft des Reichsarbestsblaltes werden die einzelnen Ziffern dieser Reoolutionsstreiks bekonntgegeben. In der Tat gerade kein erfreuliches Bild vielfach unbegründeten, unüberlegten, und darum um so schädlichern Streikfiebers!
Nach den Angaben des Organs des Statistischen Amtes des Reiches brachen in der Zeit vom 7. bezw. 9. November bis zum Jahresschluß 1918 273 Streiks aus, nämlich 183 wirtschaftllche und 90 politische, durch die 5725 Betriebe in Mitleidenschaft gezogen wurden mit 724 286 Arbeitern. Die Mehrzahl der Streiks enfällt auf den Bergbau und die Maschinen- industrie. Durch die Revolutionsstreiks gingen nicht weniger als fast 2 Millionen Arbeitstage
I den; ebenso hätten die Mittelmächte im Falle ihres Sie- I ges gewiß nicht so gut wie ganz Posen, Weßpreußen und I Galizien an ein etwa wiedererstehendes Polen abgetre- I ten. Kein Mensch konnte also annehmen, daß nach Be- I endigung des Krieges Polen wieder hergestellt werden I könnte; im besten Falle konnte das nur zum Teil ge- I schehen
Nun nahm aber der Krieg einen für alle Beteiligten I ganz unerwarteten Ausgang. Zuerst wurde Ruß- I land von den Mittelmächten geschlagen und mußte im I Frieden von Brest-Litowsk seinen Antell an dem frü« I Heren Königreich Polen wieder herausgeben. Darauf I verloren die Mittelmächte die Partie und mußten I auch auf ihre früheren polnischen Gebietsteile verzichten. I Das Kriegsende vrachie die Wieder yentettung Poiens.
lieber die Anfänge der polnischen Geschichte hat die I Sage ihren Schleier gewoben; wenigstens vermischen I sich hier Sage und Geschichte in einer kaum klar zu Iren- I nenben Art. Als Gründer Polens werden Loch nud I Popiel bezeichnet; der letzte Popiel soll im 8. Jahrhun- I der! gelebt haben. Um das Jahr 850 herum tritt ein I neuer Herrscher, Namens Piatt als Herzog von Polen I auf die Buhne. Sichere Kunde hat man erst von der I Zeit, als die Polen das Christentum annahmen. Das I war im Jahre 966 unter der Herrschaft des vierten I Pichten Mstislaw 1., der von 962 bis 992 regierte. I Unter ihm wurde das Gebiet zwischen Weichsel und Oder zu Polen vereinigt und im Jahre 968 das Bistum Polen gegründet. Mscislaws Sohn, Boleslaw I., nahm den Titel „König von Polen" an und gründete um das Jahr 1000 das Erzbistum Griesen.
Jin Jahre 1370 starben die Plasten im Mannesstamm aus; die letzte Piastin, Hedwig (Iadwiga) heiratete den Eroßsürften Iageilo von Litauen und nun regierten die Jagellonen ton 1370 bis 1572 über Polen und im allgemeinen recht gut und glücklich. Schlechter wurde es, als nach ihrer Zeit das Land ein Wahlkönigtum wurde, was von 1572 bis 1795 dauerte. Ruhm erntete in dicker Zeit nur der König Johann Sobieski, der Befreier Wiens, der von 1674 bis 1696 regierte. Dann kam es im Lande zu langandauernden heftigen inneren Unruhen und Konflikten, was schließlich für die Nachbarstaaten der Anlaß wurde, Polen zu teilen. Die Polen nahmen dieses Schicksal nicht geduldig hin. Sie machten fortwährend Aufstände, insbesondere gegen Rußland, ohne aber etwas zu erreichen.
Fast tausend Jahre gehören die Polen der christlichen, der katholischen Kultur an und haben dieser Kultur manchen Dienst erwiesen, nicht nur durch ihre Helden- wütigen Kämpfe gegen Mongolen, Tartaren und Türken, sondern auch durch friedliche Christianisierung wie in Litauen und in manchen ehemals russischen Gebieten. In den Kämpfen für feine Ideale hat das polnische Volk eine Begeisterungsfähigkeit und einen Heldenmut offenbart, die von keiner Station übertroffen wurden. Auf die Wiederherstellung fernes Laterlandes hat es mit einer Zähigkeit und Unerschütterlichkeit gehofft und in dieser Ueberzeugung Leiden und Verfolgungen ertragen mit einem Opfermut, daß auch in dieser Hinsicht kein anderes Volk ihm so leicht den Rang ablaufen wird, manches sich aber an ihm ein Beispiel nehmen kann. Und daneben bat es gerade in der Zeit seiner Staatslosigkeit in Wissenschaft, Literatur und Kunst Leistungen vollbracht, die ihm einen Platz in der Reihe der wirklichen Kulturvölker ameeifen.
Die Wiederherstellung Polens können wir nicht bedauern: Was recht ist, muß bodi recht bleiben, aber wir bedauern, daß sie in d e r Weise wie jetzt im Gegensatz zu Deutschland erfolgte.
SeiBblait? Der „Berliner Lokolanreiger" der die Hede gegen Cr-berger besovd rs raffin-e.t und gäbe betreibt! ,-.TaS sind die Rockfchöße. von denen er sich nicht ab- schutleln laßt.
Zu der Verwirrung und Verirrung vermutlich 5*5, "r tfoH Arco in München beigetragen. Tex Gras Arco bat den revolutionären Dikattor Eisner er- feboifen Er wurde vom Gericht zum Tode verurteilt; doch wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte nickt aberkannt, weil er angeblich aus patriotischen Motiven gebandelt hatte. Man wollte kein weiteres Blut vergehen und begnadigte ihn deshalb und zwar zu le. benslanglicher Festungshaft Das war zu diel der Mild«. Es hätte wenigsten? lebenslängliches <Z e- s a ng n i s fem müssen; denn Festungshaft hat keine abschreckende Wirkung, am wenigsten in den Kreisen dNe nmt dem alten Offiziersstande zusammenhängend wo Festungshaft als ein ehrenvoller Urlaub für Triel. Tanten und dergleichen Heldm aalt. . „Lebenslänglich" bef auch heutzutage keine Schrecken mehr, denn man rechnet auf Amnestie, die höchstens bis zum nächsten Umsturz auf sich warten laflen könnte. J,n dieser Zeit, wo der Resvekt vor dem menschlichen Blute so tief gesunken ist, darf man die Mörder nickt gnädig be^cn. Mn: sonst schafft man ihnen Nachfolger Slbschreckung tut not. Die gewalttätigen Naturen müllen eine em- psindliche Strafe vor sich sehen und dürfen vor allem nicht Aussicht auf eine „ehrenvolle" Behandlung Hecken.
Der Ehrenvunkt spielt eine wesentlich« Rolle Denn hinter dem Attentat steckt g'wöhnlich die Gro ß- m a n n s s u ck t. Im Altertum wollte ein gewiller Herostratus durchaus „berühmt" werden. Ta ihm die anderen Hilfsmittel zum Weltruhm fehlten, steckte er den Tempel zu Ephesus ein? der sieben Wel'wun. der, in Brand. Jett ist ein beliebter Weg zum W lt- ruhm die Ermordung eines großen Mannes. Wenn her Hast und die Ruhmgier sich verheiraten, kann der Teuft! bald Pate stehen.
Im vorliegenden Fall ebenso wie im Falle des Grafen A>co, siebt der Mö der auf der rechten Seite im politischen Le^en. DaZ weicht von der herkömmlichen Regel ab; denn die Attentate pflegen sonst von dem linken Flügel auszugehen, von den Radikalen, die durch Venicktung ihre Herrschaft, begründen wollen und sich von den göttlichen und staatlichen Geboten vollständig losgfiagt haben. Wenn auch auf konserva. tivem Boden Mordpläne aufwachsen so ist das ein
verheirateten mit 5 Kindern
— M.
Die wirkliche Belastung stellt sich heirateten Steuerpflichtigen bei genannten Emkommen- stufen folgendermaßen dar: sie beträgt
bei noch höheren Einkommen bis nahe an 60 Prozent des Gesamteinkommens steigen. Das ist gewiß eine außerordentliche Höhe, aber man darf nicht vergessen, daß es sich bet diesen Summen um Jahres - Einkommen handelt und nicht um Vermögen. Personen, die solche Einkommen beziehen, haben doch noch einen guten Rest von Einkommen übrig, um nicht nur davon leben zu können, fodern auch ihr Vermögen noch ganz erheblich zu vermehren. Man darf freilich nicht oergeffen, daß bei solchen Einkommen, die ja keine Arbeitseinkommen sein fömten, auch die Kapitalrentensteuer, die Erwerbssteuer oder sonstige andere Steuern noch hinzutreten, so daß tatsächlich das Einkommen noch höher belastet ist, als es hier erscheint. ,
Die Belastung durch die
Reichseinkommensteuer.
Die Einkommensteuer wird au» in Zukunft das Rückgrat des ganzen Steuersystems bilden. Es soll aus >hr ein Ertrag erw-irffcfiaftet werden von TA SDiilliar» Sen Mark. Viele meinen mm, daß die Belastung viel
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Kleines Feuilleton.
— Große Ersparnis beim Heizen. Wir möchten an eine altbewährte Methode der Ersparung von Feuerungsmaterial erinnern, die leider von der Mehrzahl I der Frauen noch unbeachtet bleibt. Bei der jetzigen i Kohlennot müssen wir unbedingt sparen, zumal allge- ' mein unrationell geheizt wird und eine ungeheure Menge Kohlen geradezu verschleudert werden. Es mag unglaublich klingen, dennoch steht die Tatsache fest, daß man bei einiger Hebung namentlich im Küchenherd tagsüber nur die Hälfte der Kohlenmenge verbraucht bei folgender ganz mühelosen Methode: Sie besteht einfach darin, daß man die unter den Feuerungsrosten befindliche Asche nach der Abkühlung nicht ein- fach wegwirst, sondern in einem geeigneten Behälter etwas anfeuchtet, so daß ein steifer Brei entsteht, und diesen Brei bei großer Glut nochmals anlegt. Die Glut wird dadurch zwar gedämpft, was jedoch z. B. in Küchenherden und einfachen Zimmeröfen oft ganz erwünscht ist, aber sie bleibt länger erhalten und die Kohlen verbrennen viel langsamer, wodurch man eben unendlich weniger Kohlen braucht. Auch läßt sich die Glut ganz prächtig regulieren, indem man je nach Bedarf nach dem Schüren des Feuers neue Kohlen auflegt oder wrcder Aschebrei usw. Auch befinden sich in der Asche von Kohlen, nicht in der von Briketts, stets noch eine Menge unverbrannter Schlacke- und Kohleteilchen, die unausgenutzt durch den Rost gefallen sind und die auf diese Weise vollständig ausgenutzt werden! Mögen unsere Hausfrauen zu ihrem eigenen Vorteil diese Methode probieren; sie werden bald Geiallen an ihr finden! ts •
— Alleckel Weisheit. In Griechenland läßt man einem zum Tode Verurteilten noch zwei Jahre Frist bts zu: Bollüreckung des Urteils. — Alljährlich gehen auf den verschiedenen Meeren ru.nd 203c Schiffe zu- gründ im Durchschnittswert von über 300 Mtll'rnen Ma k und rund 120 000 Mens chen verlier en dabei ihr Leben. — Zu einem Turban, wie ihn die Türken und Inder tragen, sind 15 Meter feiner Stoff erfor- derlich — Schmettcrlina« können bis gegen 4000 Mete: hoch fliegen. nw
eure Parteipolitik, daß sie nicht mehr so giftige Blüten treibt!
. Für den angegriffenen Teil ist bas Attentat eigentlich eine Auszeichnung, eine Ehrenbezeugung aller, dings eine lebensgefährliche Huldigung. Nur wirklich hervorragende Leute werden von den Äugeln der Toll- köpfe bedroht. Kommt der Angegriffene mit dem Le- :'en davon, so erhöbt das Attentat ’eut Ansehen und verstärkt seinen Einfluß. Hoffen wir, daß Erzberger dte Verwundung überwindet, wenn sie auch als ernst betrachtet werden mutz, da die Kugel noch in der Schulter kteckt. ,
I Am schlimmsten Falle würde er einen ruhmvollen Abschluß seines irdischen Wirkens finden, einen Hel. dentod auf dem politischen Schlachtfelde in treuer D'ensterfüllung bis zum Ende feiner Lebenskraft. Die 3^5ne1, die er nach len feindlichen Schüssen finken lassen mußte, würde dann von den überlebenden Kameraden aufg^grifsen und weiter getragen werden Die Regierung imb die Gesetzgebung würden doch in demselben Gleise bleiben; kenn was Erzberger vertritt, ist nicht seine versönliche Politik, sondern in allem wesentlichen die Marschroute die dem b drängten Vatcrlande vurck d:e t/iachr oer Verhältnisse vor eichrieoen wuroe
Es gehört Mut da-u. nm in dieser wilden Zeit als „Mann an der Spitze" tätig zu sein. Erzberger hat immer einen großen Wagemut bewiesen. Manchmal hat er sogar mit einer gewissen Verwegenheit Aufgaben übernommen, vor denen andere vorsichtig sich drückten. Tie größte Kühnheit d"s Geistes muß freilich versagen, wenn die Körperkraft durch eine vergiftete Wunde auf. gerieben wird. Doch liegt yoch kein Grund zu solcher '.‘■ifiin tun vor. Nehmen mir hebei an, daN auch dieses Attentat, wie die meisten seiner Vorgänger, das Gegenteil von dem erreicht was der Verbrecher erstrebt. -.
Mir kommt eS vor, als wenn dieser Blitzstrahl schon lustreinigend und klärend wirkt. Auch dort, wo bisher wild und wüst gehetzt wurde, predigt man schon Besonnenheit. Die brauchen wir allerdings dringend in dem armen Deutschland.
Jeder p-reDt'l, ma er von rechts oder von links kam. men. mutz alle braven Bürger mcchnen, sich um so fester um 0'6 ipl-nner brr Ordnung und brr rvett u 'waren um allen feinen oder groben Ruhestörern entschieden entgeaenzutreten.
U n f e r* Banner hat der vortreffliche Parteitag gehißt.
I ein Ergebnis Cer Wirtschaftsentwicklung der letzten 50 I Jahre. Lange Zett kannte er nur Aufschwung und Ge- I deihen. Da drang der Großbetrieb mit Großkaufhäu- I fern und Konsumvereinen ein; es drängten sich zu I viele in in den Beruf, der infolgedessen übersetzt wurde. I Letztere Konkurrenz schädigte mehr als jene der Groß» I betriebe Vor dem Kriege war es infolge der lieber« I setzung des Berufes unmöglich, daß alle auskömmlich I leben konnten. Dazu reichte die Stunbfdjaft und deren I Kaufkraft nicht aus. Viele, die ein Geschäft eröffneten, I waren nicht genügend beruflich ausgebildet, hatten nicht I genügendes Kapital. Tüchtige mußten leiden unter l'unlauierm Wettbewerb von Berufsgenossen.
All das konnte solche ungünstige Entwicklung nur I nehmen, weil der Kleinhandel die Berufsorganisationen, I deren Reform- und Hflssarbeit vernachlässigt hatte. Um I so mehr rief man stürmisch nach Staatshilfe. Und doch I kann diese dem Kleinhandel in dem Maße weniger un= I nisilelbar helfen, als der Kaufmann durch persönliche I Tüchtigkeit, durch natürliche Begabung und erworbene I Kenntnisse der Waren, der günstigen Bezugsquellen, I der Wünsche und Eigenart des Kunden, durch Finden und Wegen erst ferne Unentbehrlichkeit erweisen u. sein
I Glück machen muß. Der Staat kann ihm also nur I Beihilfe leisten, ihn hier und da schützen u. fördern. In I allem Wesentlichen aber,muß der Kaufmann selbst I der Mann sein.
I Diese Erkentnis verleitete aber gerade die Tüchtigen I dazu, die Unentbehrlichkeit der berussgenosienschaftlichen I Selbsthilfe zu übersehen. Und wo man sich für diese I organisierte, sah man treten Hauptwert nicht in der I Gemeinschaftsarbeit des Standes, welche die I Kräfte des Einzelnen nicht bloß mechanisch, rein äußer- I geschäftsmäßig, nur nebeneinander zu Kongressen, I Petionen, zu einzelnen Handlunoen oder Geschäften zu- ^mmenführt, sondern sie zu Organen, zu lebendigen Gliedern des Standes als einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft innerlich zusammenwachsen und als solche sich dauernd betätigen läßt. Diese Gemeinschaftsarbeit ist nicht eine bloß zufällige, in nebensächlichen Dingen, sondern sie will erst den Gemeinschaftswillen aller stan- desbewußten Standesgenossen bilden und in der Gesellschaft und im Staate durch schaffende Arbeit durchsetzen. Erst solche Gemeinschaftsarbeit, die organisches Leben
I weckt und pflegt, vermag die einzelnen Kaufleute zu | Menschen zu bilden, denen die fachlichen und wirtschaft- ! lichen Aufgaben des Gewerbes nicht bloß innerlich vertraut, sondern deren liebevolle und einsichtsvolle Bewältigung auch Lebensaufgabe, Berufs- und Standes- fache geworden ist. Dann wird in Urnen jenes Standes- bewußtsein und Pflichtgefühl lebendig, das sie die Schick- falsverbundenbeit aller Standesgenoffen wie auch die natürliche Verknüpfung ihrer Sta>"de<'ftftr' bensintereffen der Volksgemeinschaft erleben läßt. Sol« mer Art seelisch miteinander verwachsene Kleinhändler können für sich, für ihren Stand Tück fiaes leisten und bieten der Volksgemeinschaft ein lebenschaffendes Glied, welches das Gemeinwohl fördert und staatserhaltend ist.
Solche Gemeinschaftsarbeit wird nach dem erfolgreichen Beispiele, das darin die Handwerker gegeben Ijaben, örtliche Fachvereine bilden und lebendig machen, diese zum Ortsausschuß örtlich zusammenfchließen, mit btefer Standesorganisation, welche den Geist der Gemeinschaftsarbeit pflegt, die Wirtschaftsgemeinschaften organisch verbinden: den Rabattsparverein, die Einkaufsund Kreditgenoffenschaft, die Verwattunasstelle; sie wird die Ausgabe einer Rechtsauskunftsstelle, eines c5m^n9£amtes unö Einigungsamtes übernehmen, auf Besserung des ^Zahlungsverkehrs hinwirken, Lehr- I stellen vermitteln ufw.
_ Alle diese durch Erfahrungen bewährten Gedanken- gange und Vorschläge sind gründlich und ausgiebig erörtert tn dem Suche von T-r. IWhoriw: ,.D--r «Hein« I ijanbel nach dem Frieden". (M. Gladbach 1919, Volks- verems-Verlag. M 3 60.) Sein Verdienst ist, die an mehreren Orten seit Jahren in stiller Arbeit geleisteten er«ol"reichen Versuche kaufmännischer Gemeinschaftsarbeit gesammelt und klar herausgestellt zu haben. Man darf sagen, daß die rechten Weae, Art und Mittel einer Erfolg versprechenden Organisation des Klein« Handels non diesem selbst nunmehr gefunden sind. Die Zeit des verzweifelten Ratens und Suchens, des Tappens im Dunkeln darf als abgeschlossen erklärt werden I Mögen die traurigen Erfahrungen während der Kriegszelt nun überall im Kleinhandel den beherzten Willen zur Tai zeitigenl
Bon größter Wichtigkeit ist, daß in den unteren Stufen, besonders bei den kinderreichen Familien, die Einkommensteuer vielfach niedriger ist als in der Gegenwart. In Fulda, wo 230 Proz. und unter Zurechnung des 5. Steverquartals rund 290 Proz. Zuschläge zur Einkommensteuer erhoben werden, wird die Belastung des Einkommens durch die neue Steuer für alle diejenigen niedriger werden, die ein Einkommen bis rund 10 000 M beziehen. Bei kinderreichen Familien sind die Milderungen noch viel bedeutsamer. Dort können sie bis über 15 000 und 16 000 J*. gehen, wobei immer die Belastung mit 290 Prozent Zuschlag angenommen ist.
Die Reichseinkommensteuer bedeutet also, trotzdem durch sie so erheblich höhere Beträge herausgewirtschaftet werden, einen großen sozialen Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand, da ja alle Zuschläge und bisherigen Einkommensteuern mtt der Reichseinkommensteuer verschwinden.
Die Wiederherstellung Polens.
Eine Frucht des Weltkrieges ist die Wiederherstellung Polens, das seit 1795 aufgehört hatte, ein eigenes Reich ZU sein. In den drei Teilungen von 1777, 1793 und 1795 hatten die Nachbarstaaten Rußland, Oesterreich und Preußen nach und nach das ganze Polenland unter sich auf geteilt, Polen war damit vonder Landkarte verschwunden, aber die Polenfrage war keineswegs erledigt, im Gegenteil sie lebte auf und stand das ganze nachfolgende Jahrhundert im Vordergründe des Inte- reffes.
Man kann es den Bolen von ihrem Standpunkt kaum verdenken, wenn sie den Ausgang des Krieges als em „Gottesgericht an den drei Teilungsmächten" erklären, denn'für ihre Beurteilung kommt natürlich zu allererst das Schicksal Polens in Betracht. Und wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt, ist der Verlaus und Ab- schluß des Weltkrieges allerdings im höchsten Maße merkwürdig. Das gesamte Polen konnte nach menschlichem Ermessen nur dann wiederhergestellt werden, wenn alle drei Teilungsmachte besiegt wurden; wie konnte das aber möglich <ein, wenn sie unter einander in Krieg gerieten ? Der Sieger hätte doch feinen polnischen Anteil nicht wieder herausgegeben. Wenn Ruß- land siegte, so konnte unmöglich Russisch-Polen frei wer-
Geht es nur um Erzberger?
Der mißleitete Bursche, der die Revolverfchüffe auf Erzberger abgab, hat es als eine vaterländische Sat betrachtet, Erzberger zu beseitigen: die deutsch- nationale, parteipolitische Agiiar on wollte oen Reims- sinanzminister moralisch unmöglich machen, ihn politisch beseitigen. Erzberger ist der Rechten ver- haßt, nicht nur, weil er das Kapital scharf anpackte, nm Ordnung in unser verlagertes Finanzwesen zu brin en, er paßt ihr nicht, to:il ihr die ganze Rich- tung nickt Paßt, alS deren einflußreichster Vertreter et ibt erscheint. Die jetzige Regierungsmehrheit und die Politik, die sie einichlägt, um Deutschlands Zukunft zu retten auf dem einzig möglichen Wege der Demokratie, sie sollen in Eiberger getroffen werden. ES geht nicht nur um die Person Erzbergers, es geht um mehr, um die Koalition.
Man braucht nicht zu den kritiklosen.Anbetern ErzbergerS zu gehören, mag von einzelnen Zügen seines Wesens nicht begeistert zu fein, mag selbst einzelne seiner Steuerpläne nicht für die glücklichste 2ö ung des Finanzproblems halten, wenn inan sonst auch die beroorragenden Fähigkeiten, den guten Willen, die Tatkraft und den Fleiß Erzbergers anerkennt, die Koalition aber, die er r epr ä en fiert. und die Politik der Koalition, die die Politik Erzbergers ist, sind heute eine Notwendigkeit. Es gibt keinen andern W-g, als den der Koalitionsregierung, Deutschland in die neue Zeit hinüberzuretten. Eine Partei, die wie das Zentrum die mittlere Linie mit zielbe. wußter Zähigkeit sisthalten muß, darf weder die Koalition noch die Person des Reichsfinanzministers preisgeben. In die'er Beziehung hat die „Köln. Bztg." Recht, wenn sie, die nicht zu den Verehrern Erzbergers zahlt, mit Bezugnahme auf den Reichs- Parteitag der deutschen Zentrumspartei schreibt:
„Zweierlei steht fest: 1. Der Parteitag hat die Politik der Fraktion gebilligt, 2. die Resolution der geschloffenen Sitzung stellt fest, baß die Zentrurns- ftakfion die Politik der Koalitionsregierung und damit die Politik ErzbergerS gebilligt bat. Wer diese beiden Dinge ignorier, der stellt ßch damit außerhalb der Zentrumspartei. Im übrigen hat keiner unserer Parteifreunde die Der- i pflichtuno, Herrn Errberger gefühlsmäßig zu der- j ehren und zu ihm als einem großen Mann aufzu- ! schauen. Wem gewisse Eigen betten seiner politischen Persönlichkeit nicht gefallen, der mag ruhig bei fei« ner Meinung bleiben. Er ist darum ein nicht minder guter ZentrumSmann. Vor einem aber möchten wir dir Herrn Erzberger kritisch gegenüber- stehenden Parteifi eunde warnen: daß sie sich nicht durch deutschnationale und nationalistische Phraien ms Garn locken lassen. Mit waS für Politikern wir es bei den Teutfchnanonalen zu tun haben, ist auf dem Parteitag deutlich zum Ausdruck gekomm-n. Jeder, der die Politik und, die politischen Kampf« Methoden dieser Herren im Parlament aits näch- ster Nabe beobachten, ihre Presse verfolgen kann, I bet wird die Schärfe der Erzbercterschen Polemik mindestens verständlich finden, wenn er auch nicht I jeden Ausdruck billigt, und wird Bedenken tragen, I sich, zu einer zu engen Nachbarschaft und Ideenae- metnlchast mit ihnen bei führen zu lassen. Solange die Teut ^nationalen eine so maßlose und persönlich, gehässige Opposi'ionspolttik treiben, wie sie es'in der Nationalversammlung und in- ihrer Presse tun, so« I lange die Parteien selbst nicht die geringste Ne'gung I erkennen lassen, die Blöcke der Derständtgung zu be» I treteu, solange sie im Bunde mit den Unabhängigen, I bie Notlage des Vaterlandes praktisch verkennend, I dem Vaterlande ner agen, was es zum Leben braucht, I ist an ein» Zusammen ar beit mit ihnen ! sch lech ter dkng s nicht zu denken."
Wir meinen, daß es uns nach dieser Zusammen» I arbeit auch gar nickt zu gelüsten braucht, denn die I wlit sche Vergangenheit der Teutschnationalen, der I ehemaligen Konservativen und eines Teiles der Nattonalliberalen, ist nicht dazu angetan, diese Zusammenarbeit als besonders erstrebenswert er dj inen I W lassen. Darum braucht auch die Zentiumspartei I nicht zu befürchten, daß ein Teil ih et Wähler zur eutschnationalen Partei abichwenken würde. Die I Kulturkampfsg elüfte dieser Partei sind bei un8 noch bekannt, und daß maßgebende Kreise der Deutsch- nationalen auf diesem Gebiete auch heute noch nichts vergessen und nichts gelernt haben, dafür sind in neuester Zeit genügend Belege beigebra.hr worden. I
Unpolitische Seitläufe.
N. Ser litt, 27. Januar 1920.
. angteschossen 1 Eine Bluttat
recht sich an die andere. Das fünfte Gebot gilt nicht mehr; über 'bie anderen neun Gebote Gottes fetzt sich dte neue Zeit auch hinweg.
Erst wird gsschimpst, gelästert verleumdet, gehetzt -- wochenlang, monatelang in allen Tonarten, in 3ettung.cn, Flugschriften. Versammlungen und Ge« rtchtZverhandlungen, mit allen Mitteln und Künsten «r Aufreizung. Wenn nun der geschürte Hatz m «nem Brausekopf zu einer mörderischen Flamme auft schlagt, so waschen Re Brandstifter ihre Hände in lln« schuld und sagen: das ist die Verirrung eines bunt, men Jungen, so etwas haben wir nicht gewollt.
W nn sie es nicht getvollt haben, so haben sie eS herbeigeführt. ihrem blinden Hatz «wen sie nicht bedacht, wohin schlicßlich die maßlose Hetzerei führen muß.
-Das kommt davon, wenn man den politischen nicht mehr sachlich führt sondern die gan-e -«ur gegen eine bestimmte Person richtet. Alle -^age wurde geschrieben und geschrien: Erzberaer sei Mi all'm schuld: der grausame Wasfenstill'tand. den w® uns aufgezwungen, fei ErzbergerS Werk; die Auslieferung der Flotte, die Lloyd George erzwungen 1ei Erzberoers Werk; die schweren Steuern, die uns vor dem Staatsbankerott retten müssen, seien Erzber- yers Liebhabere'. U. f. w. Daß Erzberger nichts tun lann, ohne die Zustimmung d?r übrigen Minister und der Volksvertretung, wurde verschwiegen. Er wllte der Sündenbock fein für alles was nicht schön und lieblich tt«r. Ihn machte man zum Türkenkopf, auf den ge. bauen und gestochen werden soll. „Nur mit geistigen Waffen" sagen die „feinen" Hetzer. Aber es findet schließlich ein Zuhörer, der nicht fo viel Unter« ™’ebe und Umstände macht, kondern einfach resolviert: Wenn der Mann fo ein fürchterlicher Schödling ist, 1° muß er bei'eitictt werden: also schieße ich ihn nieder bn Namcn d:Z Vaterlandes! b
. Nun soll der Verbrechw al? „Dummer Junge" bei- serie geschoben werden. Er ist zwanzig Jahre steht ^'so an der Sckwelle des WoklalterZ, ist schon Fäbnr'ch 'm Kriege gewesen, sitzt seht in Oberprima bat fleissig geitungen gelesen und auch die Verhandlung im ichwebenden Prozeß Hessfer'ch-Er'berger besucht. A'so
sinnloser Grünling Und was war das Haut
schlimmes Zeichen für die Entartung dieses Ackers. Wo
11 •1 ■«/■«•’ ’ur'iin vcfuup. u i« • die Lockpfeite der Rechtsvarteien ertönt, da kann der kein sinnloser Grünling. Und was war das HaüS- unbj besonnene Bürger mü Recht sagen: Erst bessert mal