fit. 25
Samstag, 3,. Januar 1920
Der Abgrund.
f Volk hat ein Recht darauf, da ! •Bärtig die Zügel führt, a> ch
1 strht, daran fetzt, um den Z
Parteien, in welchen Mitglieder des Zentrums, der Demokraten und der Mehrheitssozialisten sich zusammen, gefunden haben, um alle Deutschen über die Notwendigkeit des Perbleibens bei Deutschland aufzuklären. Nur ein Gedanke beherrschte alle Teilnehmer an der Kundgebung, der an das Vaterland, von dem sie sich nicht trennen lassen wollen, selbst wenn Deutschland jetzt arm geworden ist und aucy wohl noch lange arm bleiben wird. Jeder von ihnen erwartet aber auch, daß keiner der Abstimmungsberechtigten, die irgendwo sonst noch im deutschen Reiche wohnen, am Entscheidungstage fehlt. Mag die Reise für diesen ober jenen sehr weit und für alle sehr beschwerlich sein, die Pflicht ruft jeden an die Urne.
Abgestimmt wird in O st p r e u ß e n in den Kreisen Allenstein, Stadt und Land, Rörsel, Osterode und einen Teil des Kreises Neidenburg: in Westpreußen im Kreise Marienburg, Marienwerder, Rosenberg und Stubm.
Stimmberechtigt ist jede Person ohne Unterschied des Geschlechts, die am 1. Januar das 20. Lebensjahr vollendet hat und in dem betreffenden Abstimmungsgebiet geboren oder vor dem 1. Januar 1919 gewohnt
Auskunft In allen auf die Abstimmung, die. Beförderung nach den Abstimmungsgebieten bezüglichen Fragen erteilt der „Deutsche Schutzbund für die Auslands- deutschen Berlin, Schloß Bellevue; Zweigstellen in Gehenkirchen, Muh.'enstraße 22; Düsseldorf, Zietenstr. 40; Frankfurt a. M., Grauburgstr. 80; Stuttgart Friedrichstr. 20 und München, Jmmaningerstr. 22
Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte . för die Anzeigen: I. Parze Iker-Fulda.
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda.
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Abstimmung in Schleswig.
Der deut che Ausschuß für das Herzogtum Schle?- wiz teilt mit: Die Abmmmung in der ersten ^one fuiöet am 10. Februar statt. Die Fahrscheine eiten bereits vo n 1. Febru ar ab. Doch w rh tür Unterkunft un. Ve, pflegung erst vom 8. Februar ab ee orgt. Diejenigen, die nicht VerMondte o>er Bekannte besuchen und bei ihnen Unter kunft und Velpfleaung finden können, treiben da er gut tun, nicht vor dem 8. Februar in das Abslnüinungs- gebiet emutreuen. •
Der Treueschwur im Offen.
,, “"ler , voMwiAschaftlicher Mitarbeiter schreibt wi». Unter Wirtschcrstsleben steht vor dem Abgrund
auch nicht beschönigt werdend Unser Markkurs ist tn liefen Tagen auf einen früher 1HL geahnten Tiefstand herabgesunken und man sagt mcht zuviel, wenn man ausspricht, daß damit ein Zu- Itanb h-rangekommen ist, der einer wirtschaftlichen
4erilorun« Es haben sich in den
tetzten -ragen an der Börse geradezu unerhörte Vorgänge ereignet. Das bißchen vorhandene deutsche Geld wurde iinnlos verschleudert und alles suchte sich mit
landspapieren oder Auslandsdevisen einzudeck n Tie notwendige Folge davon mußte natürlich das kata- irrophale Sinken der deutschen Valuta sein
Diese Börsenspekulation kostet dem deutschen Volke Milliarden und Abermilliarden. Und was tut die Re SprungWir hören und sehen nichts! Mit Worten JujL’Z b-r Äa“e.lL- der in den Abgrund hineinschießt wcht bremsen. Will man denn immer noch nicht ein- straffe und wenn es fein muß, rück- nckitslofe Zugestuhrung an die Stelle dieses schädlichen Gehens- und Geschehenlassens treten muß? Daß wir — wir ,cheuen uns nicht, dieses Wort auszusprechen — emen Wirtschafts-Diktmor brauchen, der mit außer- ordentlichen Befugnisien ausgestattet und in die Lage versetzt hnrb sofort ohne jeglichen Verzug, dem rasen. den Pferd m die Zügel zu, fallen?
. Es ist ein schwacher Trost, wenn die Regierung er« Haren laßt, daß von einem Staatsbankerott nicht die Rede sein kann, und daß demgemäß keine Einstellung der Zahlungen des Reiches für den Zinsendienst der A n- • e tM e n erfolgt Käme es dahin dann freilich wäre- alles rettungslos verloren. Aber kann uns denn bi; Regierung auch die Bürgschaft dafür, ge. ben, daß sie in der Lage ist, ihr jetzt gegebenes Wort emzulmen? Haben wir irgend welchen AnhaltSpunkk dafür, daß die Voraussetzungen gegeben sind und erfüllt werden die unerläßlich sind, wenn wir das Wirt- tchaftsleben des Reiches vor dem letzten Zusammenbruch bewahren wollen? Mit der jetzig'n Wiederein- sührung der Akkordarbeit in den Staaksbettie- ben ist nur der Anfang gemacht. Die neuerliche Ben. sicherung der Regierung, daß sie sich "--^r Umstand"» «ich untex Anwendung von Gewalt gegen beabsichtigte Pritsche in den Bergwerks-Revieren zur Wehr fetzt, ist jo gut und schön, aber damit wird die Würze' des Nebels nicht ausgerottet. Wir müssen in allen Schichten bes Volkes Klarheit schaffen über das was zu tun ist. Mit Worten und Versicherungen kann man"nichts produzieren und Produktion, erhöhte Produktion, Förderung dieser Produktton mit allen dazu zweckdien- ttchen privaten und staatlichen Mitteln, Arbeit und Schaf- sin, mehr Arbeit und mehr Schaffen als je in a l l e n Standen des Volkes, aber auch die Bürgschaft für die ungehemmte, umfassende und ersprießliche Wirksamkeit auf allen wirtschaftlichen Gebieten, dazu eine vernünftige, die Interessen der Einzelnen, der Volkswirtschaft, des industriellen und des Handelslebens gleicherweise de ück- fichtigende Wirtschaftsvolitik: das wären die Anker, an die sich unser dem Versinken nahes Volks- und Wirtschaftsleben nach holten könnte. Nur wenn mit' starker Hand Ordnung in das wilde Treiben der Wi tschast gebracht wird, nur wenn es gelingt, die produktiven Kräfte planmäßig zusammenzusasien. die inländische Erzeugung ffu_ heben und unter Ausschaltung aller Luxusindustrien aui d i e Produkte ,zu konzentrieren, die -für den notwendigen Lehensbedarf oder für den Austausch mit dem Auslande gebraucht werden, mir dann kann dem Absturz allmählich Einhalt geboten werden.
Es ist ernt Sekunde vor 12 Uhr! Der Spiegel des Sumpfes, in welchem wir zu versinken drohen, steht uns bis zur Kehle. Die sozialistische Regierung darf sich nicht um deswillen, weil sie auf früher ve-kündeie Theorien , sesigelegt zu werden fürchtet, davon abhalten lassen, diejenigen Mittel und Maßnahmen zu ergreifen, die eine unerbittliche Wirklichkeit gebieterisch erfordert. Das faulenzen und Geldverschleudern für ausländische Luxus- woren kann ebensowenig weiteroehen, wie die haorsträu- benden und himmelschreienden Zustände in manchen Eiim- bahuwerkstätten und anderwärts. Jetzt muß durchgegrtffen werden, noch in dieser Stunde, in der nächsten schon kann es zu spät fein! Das Volk, dos so unsäglich feit "nun säst retfis Jahnen leidet, dieses Volk, das sich arfgeopfcrt und bas alles um des Vaterlandes willen entbehrt hat, oiescs
vachzukompien. Hört aber die Steuerzahlung auf, jo ist es mit ollen Gehaltszahlungen zu Ende, der ganze Verkehr und die Verwaltung stehen still. Wir i brauchen und können also nicht an einen Rcichs- banke i ott in dieser Form denken, weil er u n m ö y l ich ist.
Eine andere Frage ist allerdings, wie wir jenes Zustandes von Staatsbankerotts,' inmitten dessen wir uns infolge der Balutaverschle.' ung befinden, Herr w.rden. Vielleicht würde eine international fundierte Anleihe von Erfolg begleitet sein. Aber das Gelingen einer derartigen Finanzaktion vorans- g.'setzt, womit sollen wir denn den Zins- und Rück- za lungsverpflichtungen einer derartigen Anleihe nacbforrmen? Da doch bei uns eine Ärbeitsunlust grassiert, die ohne gleichen ist? Es bleibt dabei, nur durch Arbeit, aus der auch als der einzigen Duelle die Mittel zur Erledigung der Verpflichtungen aus einer Valutaanleihe hei flössen, könnten wir das Vertrauen des Auslandes erringen. Haben wir ober dieses, so beginnt schon die Valuta zu steigen ohne erst auf den Abschluß einer Anleihe zp warten' Die Arbeit, die Pr obukt i ve A r beit, die Produktion und die Produktionsförderrrng allein sind es letzte i Eudes, welche die Valuta zu
'heben ve> mögen.
Daneben muß verlangt werden, daß endlich mit der Ausgabe weiteren Papiergeldes Schluß gemacht wird. Der „Vorwärts" erlebt die Forderung, daß die für das Reich nötigen Mittel ftott durch die Wehere Ausgabe von Banknoten durch eine Zwangsanleihe aufgebracht werden. Eine Zwair'sanleibe ist ein zweischneidiges Schwert, je- denfalls läßt sich vieles dagegen sagen. Zuzustimmen aber ist der eoiderung, die oben schon angedeutet wurde, daß eine Anzeigepflicht für Devisen- guthaben in neutia!en Ländern einnefübrt wird' e§ ist heute die irnbedingte Pfl cht jedes Volksgenossen' der über ausländische Zahlungsmittel verfügt, diele dem Reich in feinet Not zur Verfügung zu stellen.
Wenn man auch niht zu befürchten brauch', daß der allzemeine Staatsbankero t, also der plötzliche Zu ammenbruch des ganzen StaatslebenS in seiner m ritterlichsten Form eintreten wird, w ist doch vor falscher Hoffnungsfreudigkeit zu warnen, als ob doch „noch alles gut geren" würde. Auch anstrengendste Arbeit bringt uns nicht in kurzer Zett aus dem snmp'. Das Reich und die deut che Wirtschaft gehen ohne Zweifel sehr ernsten Zeilen ent» aegen. Tie Z? t des Hung-rns ist noch nicht zu Ende, aber wenn nicht noch in der zwölf en Stunde alle Kräfte zuammengefaßt werden, und wenn nicht versucht wird, durch planmäßire Wirttchaftsfüh'unq oem Absturz Widerstände entgegenzusetzen, so kann aus dem Hun.iern leicht an vielen ' Stellen ein Verhungern werden.
* Dolk hat ein Recht darauf, daß die Regierung, die gegenalles, was m ihrer Macht «...— — Ztifar-mienbrütz der deutschen , Wirtschaft und damit dir furchtbarste Prüfung, di« errisetz- iichste Not und das jammervollste Elend zu oerhuiderp.
„ Wir haben unferm Mitarbeiter, einem bekannten Zentrumspolitiker, das Wort gelassen, um un>ern Lesern zum Bewußtsein zu brin en, wie ernst die Lage in volkswirtschaftlich unterrichteten Kreisen an- ge ehen wird und w e bearündet die lleberzeuauna ist, daß sofort etwas geschehen muß, um die drohende Katastrophe aufan'-alten. Seit die vorstehenden Ausführungen geschrieben winden, hat sich ja der Markkurs um eme Kleinigkeit gebessert, und find dem- entspiechend die Auslandsdevtfen gesunken. Während man am 27. Januar für 100 Mk. in Zürich 5'/r Frk., in Amiteidam 21/» Gulden erhielt, bekam man am 29. fd)on in der Schweiz 7 Frk., in Holland 3 , - Gulden. Ob sich aber diese erfreuliche Bewegung sm Netzen oder wied-r in ihr Gegenteil verkehren wild, weiß man natürlich noch nicht. Vorläufig steht der Kurs feit.
Angesichts der kritischen Lage der Mark ist es begreiflich, wenn die Frage nach dem Staatsbankerott die aufgeregten Gemüter beschäftig,. Wie ve hält es sich damit? Nominell ist der Staais- bankerott vorhanden, wenn unsere Valuta im Auslande auf dem Niillpupkte angelangt ist. Dann bat düs deutsche Geld im Auslande überhaupt keine Kaufkraft mehr. Das wird schlimm sein, aber doch nichi ganz so schlimm, wie man sich das vorstellt. Man kann ja schon Heu te mit deutschem Gelde im Ausland nichts mehr kaufen. Was wir beute aus fern Auslände an L bensmttteln und Rohlloffen be- zieden, das wird mit Guthaben an fremdem Gelde bezahlt, die untere Banken, Jnkustiiellen und Handelshäuser im Auslande stehen haben. So- lanae wir noch wiche Guthaben draußen besitzen, läßt sich das Schlimmste abwenden. F'estich ist die
jetzige 'chwierige Sage zu einem erheblichen Teile dadurch ent »ariden, daß die Guchaben, die Deutsche im Auslände bind) Warenausfuhr genommen hasten; nicht der ganzen Wi ischaf, dienstbar gemacht worden sind, andern zurückgehalt n wurden, teils zum Zwecke her steuer flucht, teils zur Re eiVierung für ipätere Verpflichtungen. Es muß nach M'iteln oek.,cht werden, daß die e Guthaben nicht als to.es Kapital liegen bleiben.
. Even tatsächlichen Staaksbank^rott haben wn also beim Rillstande un srer Mark noch nicht. Er würde, wie wir die er Tage schon dorse ten erst dann einireten, wenn das Reich seine Z-u s oer- Pflichtungen nicht mehr anerkannte und feine ■il,Ic,ben annullierte. Daß uns diele Möglichkeit bevorsteht, befürchien mir im Gegensatz ,u den Be- orgmffen, die in dem vorstehenden Artckel ansqe- Prosten sind, nicht. Abgesehen davon, daß der Äiaatsbankerott nicht -n erster Linie das Groß'apital, wndern den kl inen Besitz träfe, — was wä-e die Folge nach außen? ,LVn Berlin amtiert feit einigen Tagen eine sogenannte Wiedergutmachungskommifston der Entente. Sie hat nachzuprüfen, was wir leisten können. Wenn w r den Staa sbankerott ei Härten, bann Ware die unausbleibliche Folge, daß die e Wieoergulmachiingslomimfsion die Oidnung un eier Finanzen selbst in die Hand nehme, weil die Entente
wnst keine Möglichkeit hat, ans Deuischlanb e was herauszuholen. Staatsbankerott tofi de heben en oafc Deutschland auch den sttzten Rest feiner Selb^ ftanbt feit Verliert. Zu einer beiartigen Ka anro strn« paltttf kann eine deutsche Regierung uumäistch die Hand bieten; deshalb sind B sorgnisse wegen Erklärung eines förmlichen Staaisbankeroits grundlos. Außerdem muß man bedenken, daß auf den staai- > chbn Zinszahlungen zu einem großen Teil die Fähig- keit der Steuerzahler beiubt, ihren Bervfli tiingen
-Woher weiß es de"n Sie?" fragte der Popo.
„ore hat ihn doch grs-hen, wie er gekommen ist", berichtete bet Kleine.
„Schrecklich!" murmelte Kienholz uni noch im Gehen 30g er den Drillichrock aus, den er vormittags in der Wirt- fdfaft zu tragen pflegte und ging in fein Zimmer, um ihn mit einem besseren zu vertauschen. Dann suchte er den Fremden auf.
®rof erhob sich, als der Herr des Hauses emtrat und fteBte sich etwas im deutlich vor; Kienholz hörte mir das Wort „Graf" deutlich.
„Ich habe wohl das Vergnügen, mit Herrn Kienholz, »em Verwandten der Frau Riedel zu fprechen?" fragte er.
„Derselbe", entgegnete Kienholz, sich verbeugend. Er bat den Herrn Grafen, seinen Sitz wieder emzunehmen und entschuldigte die Abwesenheit feiner Cousine. Der Herr Graf möge indessen mit ferner, Kienholzens Gesell- fdjeft vorlieb nehmen. Sie sprachen dann von allerlei, der Fremde lobte schließlich den frischen Knaben, der ihm zuerst entgegengekommen sei.
„Es ist ein guter Junge", sagte der Vater geschmeichelt, „aber zu schaffen macht er auch genug."
»Aus der Unbändigkeit eines Knaben in diesem Alter mürbe ich mir nicht viel machen", meinte der Fremde, -aber kleine Kinder sind mir ein Schrecken. Wenn ich's recht bedenke, habe ich bloß deswegen nicht geheiratet; große K'nder hab' ich ganz gern, Reine könnt' ich nicht ertragen."
Der Graf ahnte nicht, was er mit seinen Worten art« gerichtet hatte; Kienholz erschrack bis ins Innerste
Dieser Mann war also Junggeselle, mochte kleine Kinder nicht, liebte aber die großen, der war imstande, eine Witwe zu betraten, noch dazu, wenn reich war; das war em gefährlicher Mann! Was für harmlose Schns«- märnier waren dagegen der Steuerinspektor, der Gym- nasialdirektor und der Verwalter auf Müglitzk Ja, ja. Betti. hat recht, auf dir würde Amalie keinen Anspruch machen, aber der da, das war em Monn für sie. Und lmed« durch diese Emm«! Die hatte es gewiß schon weg, daß Amalie reich war, de mochte er reden, roas er wollte ober hie und bo auf bie Stirne beuten, wenn Amalie von ben großen Verhältnissen sprach, m denen fit drüben lebte — Emma war klug, bie wußte wohl, wie sie baran war. ^cfsi hatte sie den Grafen^ herbestellt und vermittelte eine ftfirat; dafür bekam sie wohl Provision oder wenn auch dcs nicht, so hatte bei Gras Schulden bei ihrem Satten ge«
-fc r- JU gu ihrem Gelde z.
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Alle diese Gcdanken du chsagten das Gehsin des guten Rt i Holz in rom .;tn -efunbea, und ehe er noch auf Abwehr sinnen fmrie. öffnete sich die TL und Frau Amulie trat ein. Wie hübsch sie aussah! Sie trug das »»laß« molette Kleid und den Bernsteinschmuck, der ihr sehr gut ftent); bie rote Blume im Haar unb die stark geschminkten Lippen störten zwar, wenn man genauer hinfah, ober im großen unb ganzen machte sie einen stattlichen Eindruck.
^wirrt stellte Kienholz vor. Frau Amalie begrüßte den Gast unb bann wandte sie sich mit freundlichem Lächeln an Kienholz.
„3ifj habe mich sehr beellt, als ich von Fritzchen erfuhr, ”6 Du Besuch hast: ich weiß. Du unb Bettt, Ihr selb sihr beschäftigt unb ich bin mit Vergnügen bereit, Dich in Deinen gesellschaftlichen Pflichten zu unterstützen. Ich hoffe, der Herr Graf nimmt auch mH meiner Gesellschaft vorlieb. 11
2er Herr Graf, dem es plötzlich etwas heiß gemo.ixm war, beeilte sich, eine verbindliche Antwort zu geben.
Daß da auf einmal eine Dame ihm gegenüberftanb, , 011 ^'TTe Gröflichkeit glaubte, war ihm sehr unanoe- nehm; aber ebenso unangenehm war es ihm, vor be selben ^*Um ““fauflären. Sie imponierte ihm sehr, und n fürchtete sich völlig, eine geringschätzige, enttäuschte Miene bei chr z» sthm.
Man setzte sich wieder unb etn Gespräch kam in Fluß, ra . "Holz plötzlich: „Liebe Amalie, ehe ich unfern liebenswürdioen Fürsorge überlafle, muß ich Dich nur bttten, mir für Ditho einen Mantel zu oeben, ich mo^te Christian ihr entgegrnfchicken; sie wagt sich vielleicht Nicht aus bem Wald, weil sie den Regen fürchtet." Frau Ama sie sprang auf; sie schämte sich wirklich ein wenig, weil pe auf Edith vergessen hatte. Sich entschul- digend eilte sie hinaus, einen Mantel für Edith zu holen. Kienholz wandle sich rasch an den Gast.
„Es ist mir unendlich peinlich, Herr Graf, baß meine (Voufine Ihnen Gesellschaft zu leisten und mich ju entfernen wünscht, ober ich borf ihr nicht wiberstehen, um sie nicht zu reizen. Es ist nicht ganz richtig bei ihr im Od-rsiübchen, aber sie ist recht gut und liebenswürbig, wenn man sie' entsprechenb behanbeft Gehen Sie auf alles ein, was sie fogt, widersprechen Sie nicht, bann wird Ihnen ihre Ge
sellschaft ganz angenehm fein."
®rof starrte hn erschrocken an.
„Aber ch bitte Sie", stammelte er, „ich kenne ja bie iflme gar n cht, wie soll ich sie denn zu behandeln ver- stbgen? Bleiben Sie hier ober schicken Sie nur jcmmb ober — am besten, ich empfehle mich unlerbesien; bas Gewitter, dos — bas macht ja am Enbe nichi viel uni ich kann ja allenfalls in einem Wagenf.finpp n ober sonstwo unterstehn, oder allein mit bet Dame . .*
-2ch bliebe mit Vergnügen, aber sie wirb mich hinaus- fomplimenticrcn, Sie werben sehen", sagte Kicnyolz ochsel« zuckend, bann aber fügte er beruhigend hinzu: „So schlimm ist st» di« Sache überhaupt nicht, nm nicht viel fragen, zweifeln aber widersprechen, im übrigen werden Sie sich ganz gut unterhalten."
Ehe Graf eine Antwort geben konnte, trat Frau Amalie wieder ein.
„ülun, lieber Ferdinand", sagte sie freundlich, „stelle ich mich Deinem Saft zur Verjügung, unb Du kannst Deinen Geschäften nachgehen."
„Du bist. sehr gütig, liebe Amalie", entgegnete Ären» holj, unb mit teuflischem Lächeln wanbte er sich an ben unglücklichen Graf: „Da Sie einen so liebenswürbigen Ersatz für mich haben, werben Sie mich gewiß gerne ent» schülbigm, Herr Graf."
schiele nicht des verzweiflungsvollen Blickes, ben der Gast ihm zuwarf unb ging hinaus.
Frau Amalie fetzte sich unb lub ben Herrn mit einer Haubdewegung ein, ebenfalls Platz zu nehmen; er tat es, obwohl er bas Gefühl hatte, als ob er sich auf einen gluhenben Rost fetzte.
„Frau Ricbel wirb wohl noch längere Zeit auf sich warten lassen", begann sie: „wahrscheinlich hat sie Gelegenheit gefimben, bas Wetter hn Trocknen obzuwarten und sie wirb erst kommen, wenn es oorüber ist"
»Dos, bas wäre sehr bedauerlich", meinte Gras.
„Haben Sie es so eilig?" fragte sie.
„ »3a, jawohl", entgegnete er, „ich möchte mit bem nächsten Zuge wieber weiter."
»Mit bem nächsten Zug?" Sie lachte hell auf. „Der 8«ht nachmittags um vier Uhr; so lange wirb Cousine Emma wohl nicht ausbleiben." Er seufzte.
„Sind Sie mH Frau Riebel sehr eng befreundet?" begann ffrau Amalie ihn langsam auszuholen.
- "2)a5. S^ade nicht, ober ich komme immerhin häufige in ihr Hous", entgegnete er.
TOatt sie ein großes Haus?" examiniert« sie weiter, (Fortfetzuna folgtl
Prozeß Erzberger-Helfferkch.
Gestern wurde die Verhandlung wieder aufqe« nommen. Es wuide mitgeteilt, daß Erzberaer vorousiichtlich wieder am 9. Februar vor Gericht erschernen kann. Inzwischen sollen Veihandlunaen nebensächlicher Art erledigt werden und dafür etwa
Verbandlungstaqe einge choben werden, damit die hochstzulafftge viertägige Pause nichi überschritten wird. Das Zeugenverhör über den Fall Qsiropa, das darauf wieder ausgenommen jourbe, ergab die interessante Tatsache, daß Erzberger ohne sein Wissen, wie der Zeuge Micheli, Prokurist der Qstropa, aus- drucklich erklärt, zum Beirat bie er Gesellschaft ge- wählt und eingetragen wurde. Die Aussagen der zweiten Zeugen, des Kaufmanns Fr. Höhne, bestätigten, daß Erzberger nichts mit der Gesellschaft Ostropa zu hm hatte. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt. ' a
Erzbergers Befinden.
DaS Befinden Errberaers ist g!s d" ch^us aut zu bezeichnen. Puls und Temperaiur sind normal. Der Wundverlauf ist günstia. Gestern durfte der Minister- zum ersten Male das Bett auf einige Stunden verlassen. Der Kiäftezustand wird sichtlich besser-
•.................... ............ '
Maßnahmen gegen streik..,de Bergarbeiter.
Geffun ist die militärische Beletzung des L>igan«Oelsnitzer Kohlenreviers erfolgt. Zu Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Die Kützung der Lebensmitiel für die -streikenden Bergarbeiter tritt am Montag ein. Die Re ierung hat diese Maß. regel deswegen ang--ordnet, wett fie es nicht verantworten kann, den Leuten, die nicht arbeiten, mehr zu geben als den Arbeitswilligen.
Ein ersrenNcher Beschluß.
Eine Versammlung von Funktionären des allgemeinen Eisenbahnverbandes beschoß nach eingehender Aussprache, mit Rücksicht auf die ge- zahrlrche Lage un cer Volkswirtschaft und die bet» fetitgen Verhältnisse unter ben Ei enbabneru, von einer K a mpfauiage an die Ettenbahnverwaliuna entschied en Abstand zu nehmen.
Der Sänsedoktor.
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»Na. ich denke wohl, sie wirb sich sputen", meinte Christian; „'s steht ja ’n grimmiges Wetter ba."
„Nachdem hier in der Nahe gor keine Unterkunft ist, werbe ich wohl genötigt fein, bie Gastfreundschaft biefes Hauses zu erbitten; ist niemand hier als der Rente Storni bo?"
„D jo, beinah' alle sind daheim", entgegnete Christian bedächtig. „Ich werbe Sie zum Herrn führen."
„Ich bitte, melden Sie mich: „Graf von Melzig!"
Er weidete sich an dem erstaunten Ausdruck in bem langweiligen Bauerngesicht. „Graf ton Melzig", wieber- Ö°lte er. Auch Fritz hatte bas gefrört unb erstaunt bie Augen ffufgeriffen; er wußte zwar nicht viel von ber Wett, ober baß ein Graf kein gewöhnliches M-njchenkinb fei, bas wußte er aus Geschichtenbüchern: er wu.i'we sich nur. daß dieser Gras nicht gerJten ob -r mit v>e» Pferden ge» fahren kam: in bm Oeschtchienbüchrrn gingen bie Otofen W zu Fuß.
Ehe ber b-'dich ; -e Chrift-an si y uns hielte, bie S.-iten- türe zu öffnen war Fritz lännft ins Hous gerannt; er itieß fast Tante Amalie um, die eben, von Sorge um Edith erfüllt, frerunierfam.
„Tante!" schrie er sie an, „ein Gras kommt zu uns» rin wirklicher Gras!"
„Ein Eros?" entgegnete sie verwundert, „was will er denn hier?"
»Er will mit Tonte Emma sprechen, und weil sie nicht hier ist, will er auf sie warten", berichtete Fritz.
Frau Amalie schüttelte sinnend • das Haupt. Diese Dante Emma war doch nicht so „ohne", sonst kämen keine Grafen zu ihr. „Wie sieht er denn aus?" fragte sie, „ist tr jung ober alt?"
»2ch weiß nicht", antwo'tete ber Knabe; „aber er hat "ur auf j?inem Auge eine Brille. Siehst Du, ba kommt tr schon." Sie wmf einen raschen Blick hinaus.
„Du lieber Himmel unb ich bin'im Schlafrock!" rief sie “Jü» eilte die Treppe hinauf in bie Stube. Unterdessen führte Christian ben Fremden in bas Beranbazimmer, wahrend Fritz weiter nach bem Vater suchte. Enblich sand rr ihn unb teilte ihm bie Neuigkeit in seiner üblichen ge« wuschvollen Manier mit. x
.3H es beim auch wahr?" fragte Kienholz zweifelnd.
„Gewiß wahr", beteuerte Fritz. „Die Tante Amalie
Die großen K-i-'dgef-'.mgen. die am 20. Januar in öen Lstorovinzer statt sanden, und die an mehr als 400 Orten m den einen großen Treueschwur ausklangen: ^oede Stimme muß abc»geben werden für das Serblet» ben bei Deutschland, sind in der Oessentlichkeit viel zu wenig beachtet rrprben. Einberuser dieser Kundgebun- gen^waren die Arbeitsgemeinschaften der politischen fair men. Kurz unb gut, ba war eine schreckl che Gefahr^ ober wie sie obroenben?