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fir. 24.

Verantwortttch für den redaliionellen Teil: Äarl Schütte, :: für die Anzeigen: I Parze Iler-Fulda. n

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Zreitag, 30. Januar 1920.

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Bezugspreis: Monatlich 1,30 Mk. ohne Zustellungsgebühr. :: In Fu da bei uns abgeholt 1,40 Ulf. ::

Anzeigenpre.s: DieKleinzelle (nachColonel christ) bvPfg., die Reklamezeile(Textbrriie) 1 Mk,beiLii derholung Rabatt.

47. Zahrg.

Zentrumspolitik.

Die Beschlüsse des Zentrumspartei­lag e s sind von uns inhaltlich un Anschluß an den Be­richt über die Berliner Tagung mitgeteüt worden. Sie stellen nicht in belanglosen Redewendungen, sondern in klaren und kräftigen Erklärungen über die brennenden Fragen die Einheit und Entschlossenheit der ganzen Zen- jrumspartei in das hellste Licht.

Es wird auf die eine oder andere dieser wegweisen­den Sätze iwch besonders zurückzukommen sein. Heute sollen sie vorab einmal zusammcnfassend gewürdigt werden. Aus der großen Zahl der Anträge war alles wesentliche und für die praktische Politik wichtige in acht Resolutionen zusammengefaßt. Die wei­teren Wünsche und Anregungen in den Einzelheiten wurden dem neuen Parteivorstand und der Fraktion Si Auswertung in der rechten Zeit*und am geeigneten 1 überwiesen.

Die acht Resolutionen aber mit den Kernpunkten des parteipolitischen Denkens und Wollens wurdm e i n- stimmig gutgeheißen.

Zunächst erhält die Zentrurnssraktion der -lationaiverfammlung von dem Obersten Organ der Partei den wohlverdienten Dank für ihre mühevolle Arbeit und das rückhaltlose Vertrauensvotum, wobei die Beteiligung an der Koalitionsregie» runo ausdrücklich gebilligt und das einlei­tende Referat des Vorsitzenden Trimborn über die po­litische GesMvtlage als offizielle Parteikundgebung aner­kannt und zur Verbreitung bestimmt wird.

Die zweite Resolution ist dein Bauernstände «widmet. Dessen störkereVertretungmdem Reichswirtschafksrat wird beantragt und die baldige planmäßige, allmähliche Aufhebung der Zwangs­wirtschaft, um die landwirtschaftliche Produktion tu heben und eine gesunde Preisblldung in die Wege zu leiten.

Der Pflege des akademischen Nachwuch­ses ist mit Recht eine dritte Enlsckzliehung gewidmet.

Die vierte Resolution berührt die brennende Frage »es sog. Einheitsstaates und drückt damit das hroße Parteisiegel auf den entwickelten Plan des or- Jamfchen Ausbaues des Reiches auf der Grundlage von ileichberechtigten und möglichst gleichmäßigen Ländern, oobet die Selbstbestimmung der beteiligten Devölke- amg gebührend gewahrt wird. Es wird noch ein Pro- jramm fürdieberufsständifcheDirtschafts- »r g a n i f a t i o n im neuen Reich beigefügt, und zur Ekiternetfolgung dieser bedeutsamen Pläne ein beson- terer Ausschuß von Sachverständigen eingesetzt.

Fünftens wird noch ein Ausschuß aus Vertre­tern der Landwirtschaft, der Ai beiter und der An- leslellren cingeient, der nicht bloß Vorschläge für die praktische Wirtschaft «Politik ausarbeiten, sondern auch sofort die Aufklärungs- und Werbe­tätigkeit in Gang bringen soll.

Die drei folgenden Resolutionen betreffen die Parteiorganisation und die Verbesserung der Gemeinschaftsarbeit von Fraktion und Presse. Auf die Einzelheiten brauchen wir hier nicht einzu- feben. Nachdem die neuen Einiichtungen die form« iche (Sencbmiaung des Parteitages gefunden l aben, werden die führenden Männer im Parlament und in der Presie alles daran setzen, um lo schnell rote möglich deren Segen sich entfalten zu lassen, und ebenso wird man tnt ganzen Partetkorper von oben bis unten hin sicherlich die sofortige Ausnutzung der verbesseiten Organtsation sich angelegen sein lassen.

Auf dem Parteitage ist wirklich g'oßziigige und weitschauende Politik getrieben worden. Jetzt gilt es für die Parteifreunde in Stadt und Land die Reihen zu schließen und den Geist, der auf dem Parteitage herrschte, au chdrauße» im Lande herr­schen zu lassen.

Der Sänsedoktsr.

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»Nein, ich fürchte mich nicht", entgegnete sie fest. «Laß «ns weitergehen!"

«Den Wald dürfen mir setzt rächt verlassen: wenn un» der Regen aus freiem Feld überrascht, sind wir bis aus die Haut naß; komm, ich weiß ein einigermaßen geschütz­tes Plätzchen."

Er führte sie tiefer hinein zu einem Bretterhüttchen, das eigentlich nur aus einem schadhaften Dach auf vier Pflöcken bestand; es hatte seinerzeit den Arbeitern gedient, die bei der Anlegung des Waldparks beschäfiigt gewesen waren. Man hatte es stehen gelassen, weil e» eben nicht störte, aber es durste auch noch Belieben verfallen, do es ja keinen Zweck hatte.

Kaum hatten die beiden das Dach erreicht, als das Tewitter losbrach; es goß ln Strömen herab, aber zum Glück war es windstill und -er Regen'siel infolgedesien schnurgerade; andernfalls hätte das Dach trotz der um* stehenden Bäume keinen Schutz geboten. Ganz trocken blieb das Paar ohnedies nicht, es regnete durch die Süden des Daches und darum zog Liebhardt feine Lodenjoppe au» und hängte sie um Ediths Schultern; sie wollte es nicht dulden un- gab erst nach, als er auch sich mit einem Zipfel derselben bedeckte.

„Siehst Du," meinte sie lächelnd, „was täte ich jetzt mst dem Roderich? Der könnte mir höchstens seine ®i» tone um die Schultern hängen und die würde mir nicht helfen mtd er würde sich wahrscheinlich vor dem Donner fürchten und sich überdies von der Nässe einen Schnupfen holen. Nicht wahr, Du holst Dir keinen Schnupfen?"

„Niemals," versicherte er eifrig. So kauerten sie fotz des Regens stillvergnügt nebeneinander unter dem löche- *'0en Doch und plauderten. Eie wollten nur den ersten ®UB obwarten, ober dos Wasser strömte mit gleichmäßi- Zer Stärke ununterbrochen herab. Da es nun gar nicht aufhören wollte, trieb Edith zum Nochhauseeehrn. Es war doch selbstverständlich, daß man daheim in Sorge fern sie war, sie mußte die 8H en beruhigen.

„sich werde Dich begleiten," sagte Liebhordt.

„5a, aber wo» werden sie zu Hause sagen, wenn ich 1 wi! Dir komme?" warf sie ein.

„Du lieber Gott, man kann doch einem Menschen auf hem Wege begegnen! Und im Notfälle plaben mir schon Jeutc mit unserer Neuigkeit heraus" ' >

Was lehrt die Geschichte?

Die Frage der Stärkung der Zentralgewalt des Reiches, bte Frage des Einheitsstaates steht gegenwärtig zur Erörterung. Dabei ist, was immer wieder betont werden muh, der Einheitestaat nicht etwa gedacht wie z. D. in Frankreich, sondern es soll eine deutsche Einheit geschossen werden, welche alle Kräfte des beulfd)en Volkes staatlich zusammensaßt, aber den einzelnen Stämmen weitgehenüste Rechte auf ihrem ureigensten Gebiete, dem kulturel­len Gebiete, läßt. Der staatsrechtlichen Zusammenfas­sung soll als wirksames Gegengewicht eine starke Zcr- alicdenmg in der Verwaltung entgegengestellt werden. Das wird meistens übersehen, denn sonst könnte der Gegensatz auf diesem Gebiete nicht so stark hervor- treten.

Letzten Ende« handelt es sich darum, ob das deut­sche Volk endlich zu einer einheitlichen ge­schloffenen Ration im staatlichen Sinne wer- den soll oder nicht. In diesem Augenblick ist es am Platze, daß man zurückschaut aus die Geschichte unseres Volkes und deren Lehren beherzigt.

Das lehrt die Vergangenheit? In einem einzigen Satz ausgedrückt lehrt sie uns: Das deutsche Volk war politisch und wirtschaftlich stark, wenn es einig war, wenn eine kraftvolle Zentralgewalt vorhanden war; es kam in bitterste Rat, sobald diese 'Einheit schwand. So war es im Mittelalter gewesen, so an der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. Solange die deut­schen Kaiser wirklich Macht besaßen im Lande, ging es auch dem deutschen Söffe politisch und wirtschaftlich gut. 3n dem Augenblick ober, wo die alte Kaiserge- roall anrpehöhlt wurde durch die Einzclfürften, die uns erst so recht die Zersplitterung des Deutschtums gebracht haben, zerfiel auch das Staatsleben, zerfiel vor allem die Wirtschaftsblüte.

Es gibt Schickfalrstunden nicht bloß im Einzelleben, sondern auch im Leben der Völker. Solch eine Schick­salsstunde war es beispielsweise, als kurz vor dem Dauernkriege (1525) auf einem Reichstag in Nürnberg der Antrag gestellt wurde, Deutschland mit einer einheit­lichen Zollgrenze zu umgeben. Wäre dieser Antrag dnrchgeführt worden, so wäre dem deutschen Volke ein langer, harter Leidensweg erspart geblieben, seine schöne Wirtfchaftsblüte, die es damals erreicht halte, hätte sich weiter entfalten und gute Früchte bringen können für alle Erwerbrstände. Die Idee des Einheitestaates lag damals in der Luft. Auch beim Bauernkrieg wurde eine Stärkung der Zenlraleewalt im Sinne eines kraftvollen einheitlichen Deutschland gefordert. Aber kleinliche Eigensucht der Städte und politischer Unverstand der ausschlaggebenden Faktoren verhinderten die Verwirklichung dieser gesunden Ideen. Und was war di« Folg« dieses verhängnisvollen Ver­paffens einer günstigen Gelegenheit? Noch nicht ein Menschenalter später kam der völlige Zerfall des Reiches und der deutschen Wirtschaft. Des Hand­werks goldener Boden schwand, die Handelsblüte sank dahin, weil die starke Hand fehlte, welche die Geschicke des Reiches einheitlich leitete und eine geschloffene ziel- bewußte Wirtschaftspolitik durchführte. Und nicht lange dauerte es, da kam die furchtbare Zeit des dreißig­jährigen Krieges über Deulfchland als eine Fol"e der gewaltigen Zersplitterung, die in politischer Hinsicht ein» getreten war. ,

Infolne der staatlichen Zersplitterung Deutschlands in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit sind die besten Kräfte des Deutschtums zerrieben worden, und das deutsche Volk hat seine vorher führende Stel­lung im Wirtschaftsleben vollkommen verloren. Erst in dem Maße, in dem der Zug nach Einheitlich­keit, ausgehend von den wirtschaftlichen Dedürfniffen im Zollverein, sich verstärkte, wurde Deutschland auch wieder wirtschaftlich mächtig, konnte das deutsche Volk

Er erhob sich, hals Edith aufftehen und sie gingen miteinander in den 9tegen hinaus; eng aneinander ge­schmiegt gingen sie und sprachen nicht. Edith dachte mit einiger Angst an die Szenen, die ihrer harrten, ehr sie ihren Willen durchsetzen würde, Liebhardt hingegen ge­noß in seiner Men Weise das Mück der eben durchlebten Stunde noch.

Unierdeffen war daheim ein Gewitter losgebrochen, weit heftiger als das in der Natur; der es hervorgerufen hatte, der tonnte jetzt hn strömenden Regen der Straße nach dem Dorse zu, als ob Mörder hinter ihm wären und atmete erst auf, als er die ersten Häuser sah. Und er ahnt« nicht, daß eine kindliche Schwäche von ihm In ber ganzen fremden Familie Unhell gestiftet und Ihn selber in Todesangst versetzt hatte. Das war folgendermaßen gekommen.

Frau Riedel stand dem Geschäfte, trofcbem sie es ver­kauft, hatte, noch immer nicht ganz fern; ihr Nachfolger war ein entfernter verwandter Ihnes Mannes und da er nicht sehr kapitalkräftig war, so hatte sie nicht Ihr ganzes Der- mögen sofort aus dem Geschäft gezogen, sondern tat es erst nach uni nach, wenn es ohne Schaden für die FI ma ging. Der Nachfolger unternahm denn auch nichts Grö- ßtves ohne ihren Rat und ihre Einwilligung; und es war nicht nur das mitarbeitende Kapitol der früheren 2nhal»er!n, das ihr diesen Respekt bei dem Nachfolger verschafft hatte, sondern auch ihre Tüchtigkeit und ihre liebenswürdige Art; auch ein gewisser Aberglaube sprach > mit, beim tatsächlich gelang alles, wozu Frau Riedtt ge­raten hatte: sie hatte eben eint glückliche Horch.

Darum verkehrte der neue Chef am liebsten persön- sich mit ihr; er scheute sogar eine kleine Reist nicht und hatte sie wiederholt in einem Badeort ober in Irgerch einem tllpenneft ausgesucht, statt zu schreiben; wenn er nicht abkommen konnte, dann schickte er feinen vertrau­ten, den Herrn Gros, der schon unter dem alten Chef gebient hatte.

Der Mairn war rmbebingt ve läßlich, treu wie Gold und hatte nur eine Keine Schwäche, bte eigentlich künsll ch in ihm erzeugt worden war. Er pflegte, wenn er sich m Vertretung feines Chefs zu andern Kaufleuten begab, sich stets: „Graf. Firma Melzig" rorzustellen. Er war bekannt in der Geschäftswelt und einmal, als er in ein Gasthaus trat, wurde er im voriiberg'hen an ei: em Tisch ron einem klund-n der Firma gegrüßt. Cr blieb st.Herr >'"d wv de dem Tischneckn-or des irren rorg stellt. „Tas ist der Herr Gras ron M'lzig", sagte der, die Sch ab- kürzend; man wechselte em paar Worte, dann ging @ - j

die in ihm schlummernden großen Fähigkeiten auch tatsächlich entfalten.

Soll npn wieder neuer Stammeshader auftauchen oder sollen wir endlich, durch die Not gezwungen, ein geschloffenes starkes Staatswesen aufrichten? Das ist die Frage, welche der Gegenwart gestellt ist. Von Ihrer Lösung hängt auch nach der wirtschaftlichen Selle hin alles ab. Gerade die Not der Gegenwart kann nur getragen werden, wenn das ganze Volk zielb-wußt alle seine Kräfte einspmmt zur Erreichung des Zieles, allen Schwierigkeiten zum Trotz sich zu behaupten. Innere Zwistigkeiten und Reil'ungen unter den ein« zelnen Ländern muffen unsere Straft so schwächen, daß man ob der Zukunft die größte Sorge haben könnte.

Mr müffen aus der Geschichte lernen, die da war- nend vor uns steht, um so mehr, als wir beule nicht mehr ein Volk sind, das sich auf eigener Scholle er­nähren kann, sondern ein Volk, dar in die Deltwirt- schaft aufs engste verflochten ist. Eine falsche Lösung der politischen Fragen würde zu der größten Not des ganzen Volkes führen. Wenn darum Preußen in der Frage der Stärkung der Zentrol'tewalt. des Aufgehens Preußens in Reiche vorangeht, so erfüllt es damit eine historische Mission.

Dar Befinden ^rzvernerS.

Professor Pie ch erklärte flrftem nachminag nach 'einem Beuche beim Reit sfincinzminLter: Der .Kranfteiiszüstemd ift n’« ab o!»r no mal zu bezeichn! n. Temperatur 36,4 Puls 83, .Qöipetfunflionm tadellos. Die Keäste haben sich gestoben. Es bettetet die Hoffnung, daß det Minister seineTätigkeit baldigst wieder ausnehmen kann.

„Ter Kerl mutz weg!"

Ein neues Beiipiel von der untrrau 'vmliichen per örtlichen Hetze her Tent'kbnM mmlen gtzen den Reichsfinanzminister Erzbera er findet sich in einer Plauderei der „Po Irr em-in „Blld-r ans Oft« sriesland" nberjchrieb-nen Aufs ch a bt der Bersaffer ein anaeblicheS Gespräch mit einem Bauer wieder. Dabei wird auch Erzbergers „liebevoll" gedacht. Der Autor läßt den Bauern u. a. das Ro'^ente sagen:

„Tiffe Erzberper, de ftüert uns jewall noch in Grund un Dod.n rin!*

„'•fr'oo’t h n fall, ick tocet nid)!"

„De Kirl mutt weck!*

„Ter Keil mutz weg!" Kein 9Tu ' e wenn aus einer solchen Preßhetze le cht eirejwre E >uunt die letzten Folgerungen zielten.

Amerika und der Friede"svcrtrag.

Die Ru:ift ierung des Fr ed-nch.-rrrags durch bie Bereinigten Staaten hegt noch immer in weiten Banken. In einer stürmischen Sitzung der Sena- toie-’ beider Richtungen teuere etf'ä t, daß noch fein Weg gefunden sei, der zur Nolisnte nng des F'iedensveiträges führe S-na arHit^cock erhärte, daß, falls fein Ausgleich geschaffen winde, er den Katvps in den Senat tragen meroe.

Ter Ausruf an bie Bergarbeiter.

Tie vier Btrgardetervtrlände erlassen einen tlu'ru' an ihre lütt lieber tmRichr eurer, in dem eS u.a. helfet: »Wieder einmal sind anlauteeeEl-menteain Werk um Euch Alte Arbeiten ederlegun,i Mt veranlassen. Seid deshalb tn den nächsten Ta ten auf der Hut. ü 'fet Euch nickt Bon unverantwortlichen Leuten binrerfecn, töten Warten Folge ru leinen Die Gechsstundenschtcht fann nur, wenn die nötigen technischen Einrick tun,reu dazu getroffen sind und wenn sie international zur Einfiihtun i getan t, Bestand haben. Qkivalt'ame (Sin. suhrumi der SechSstundensck icht bedeutet die He aht einer ,toang#toeife verlört erten Arbeitezeit im Berg­bau. Wer die Parot- der Cracnifntirn besol t, wird

weiter, sich ein Tischchen allein zu suchen. Es fiel ihm auf, daß der Kellner so ungemein höflich war, auch die Bierbuben und das üb ige Personal waren besonders re- spektvoll, man bebier.T ihn so aufmerksam, gaffte ihn aber ebenso aufmerksam an.

Da erinnerte er sich an die Vorstellung des Rauf« marms und er lächelte; also die guten Leute hier hielten Ihn für einen Arafen tmd das machte in dem ziemlich bescheidenen Wirtshäuschen Suffehen.

Er zuckte geringschätzig bie Schseln über dieses Dienern vor einem titel, fühlte sich aber doch veranlaßt, ein be- sonders reichsichcs Trinkgeld zu geben.

Ja, er brachte der Dummheit der Leute ein weiteres Opfer; er fing an, sich kavaliermäßig zu kleiden mid — ein Manokle zu tragen. Im Geschäft fiel das auf, aber man schob diese Gelüste des sonst so einfachen Mannes tnif eine stillbrennende Flamme für eine hochstehende Dome; ein Zufall erst brachte die Kollegen auf den wah­ren Grund.

Zwei junge Leute aus dem Geschäft kamen einmal tn dos nicht eben nahe gelegene Gasthaus, sahen die Dicnstbesliffenheit der Kellner und das geringschätzig herob- laffende Wesen des Herrn Graf. Da sie ihm im Rücken saßen und er sie nicht sehen konnte, f önten si- den Kell­ner lc:le, wer denn der f)trr da vorne sei. Der Kellner warf sich in die Prust: „Der Herr G as von TOelyg, er speist olle Tage hier, ein seht seiner, lieber Herr, tin echter Kavalier!"

„Ach so!" machten sie verwunde'!. Diesmal nutzten sie ihre M'ttagspause gar nicht aus. sondern rannten nach ihrer Mahlzeit spornstreichs ins Geschäft zurück und er­zählten dort das Gehörte. Als Graf w'eder eintrat, wurde er natürlich sofort mit tiefster Ehrfurcht begrüßt.

»Haben gräfliche Gnaden wohl zu speisen gench!"" Mang es ihm entgegen. Er stutzte -inen Moment, bann lachte er. ..Woher habl's denn das rtxebrr?"

„Der Wieser und der Gollmg sind von ihrem Glücks- ftern an die Stätte geführt worden, wo gräfl'che Gnaden hochdero Magen zu stärken geruhen," berichtete der Buch- Halter.

Gas zuckte Ke Achteln. ..Was kann ich Mf”t daß '-ch Gras fjei'e und daß m'ch die Dnmm'önse si r einen Grasen j hallen, f14* habe insofern meinen Vorteil dabei, a.t ich ‘ refpellrotl d-hmrd-It und glänzend bedient werde; soll 'ch das mit Gewalt absch ssen und jedem Kellner g'nmie Vnrkin st geben? Da wäre ich ein ösel lind da ich

mein« Aerfit bezahle und feine hochstaplerischen Zwecke ,

gut fahren, wer baae en bandelt, ist ein disziplinloser Gewerkschaftler und versündigt sich an der Polfs- gemeinschaft.-

AuS vem besetzten Gebiet.

Der Markkurs. Die französisch« Besatzungsbehörde hat den Markkurs im besetzten Gebiet auf 10 Centimes festgesetzt.

Die französische« Behörde» erlaffen durch die Orts­polizeibehörden eine Verfügung, wonach den deutschen Besitzern strengstens verboten wird, die Räum- l! ch k e i t e n,_ die einem Angehörigen der Besatzungs­truppen vermietet oder überwiesen sind, in Abwesenheit des Mieters oder ohne seine besondere Erlaubnis zu betreten oder eigenmächtig irgendwelche Gegen­stände daraus zu entfernen Solche Handlungen wer­den künftig als „Spionageversuch" oder als Attentat gegen die Sicherheit der Truppen (!!) verfolgt und schwer bestraftl

Nachvenklichts zur TozkalisterungSsrage.

Mir den Sozialisierungside-n geht» wie mit so man­chen anderen Dingen im Leben. Sobald einmal der erste Rausch verpflegen ist. kommt die Nachdenklichkeit und die Einsicht 'm die Schwierigkeiten, die mit einer Aufgabe verbunden zu sein pflegen. So bekannte sich denn auch der Untersiaatesekreiär im Reichswirlschafts- amt, Dr. Hirsch, zu dessen Bereich die Sozialisierung ge­hört, dieser Tage zu dem allerdings recht gewählten Satze: „Di? Sozialisierung kann in diesem Augenblicke, wo die ganze Wirtschostsentwicklung unsicher ist, nur mit größter Vorsicht durchgesührt werden." („Zum Prowamm des Rcichswirlschafteministeriums" 1919. S. 17-18).

Heute kann man aus Grund der zahlreichen Aeuße- rungen sozialdeniokraiischer Gelehrter und Praktiker wohl sagen: je mehr sich die Blasien von der Sozialisie­rung oetipradjen, je entschiedener sie nach ihr als einer „wirklichen Errungenschaft der Revolution" riefen, um so mehr suchten die Gelehrten und Praktiker Waffer in den schäumenden Wein zu gießen.

Unter ihnen tut das ;oeben wieder A. Ellinger, ein praktischer Gewerkschaftler, in der Beantwortung der Frage. Inwieweit ist die Sozialisierung heute schon durchsiihrbar? im mehrhenssosial'istischen „Hamburger Echo" (1919. Nr. 555). Ec klingt nicht nach all-u gro­ßer Begeisterung für eine entschiedene Sozialisierung wenn er in seinen Anssührunaen u a. zu bedenken gibt' . ich möchte sagen, daß man bestehende Betriebe oder Inbustrie-weige tiernünftmertreife nur ö a n r sozialisieren soll, wenn daran ein wirtschaftlicher For 1 sch rr i tt in Gestalt einer höheren Ertragfähig­keit und lines größern Nuhens für de Arbeiter und die Allgemeinheit zn. erwarten ist. Ich weiß, es gibt gute Sozialdemokraten, für die der Sozialismus eine Religion ist und die ibn deshalb unter allen U uv ständen venvirkhchen wollen, mich bann, wenn da­von bie Arbeiter feine Verbesserung, sondern eine Ver- fdMedjterrng ib er Leb'nshaltung zu erwarten hätten. Tiefer Meinung bin ich n i ch t; denn d-r Zweck deS ganten Kampfes der Arbeiterklasse ist nicht d e Der. wirklichm-g eines abstrakten Vrin-ips. sondern eben die Verbesserung der Lage der Arbeiter."

Sofist es m der Tai! Ginge es nach dem Willer derer, die unter allen Umständen hrmlifieren wollen, damit die Mallen wenigstens einmal einen Anfang mit dem Zukimst: staal gemacht sehen, so gibt es nur zweier­lei: entweder man sozic>!'siert und verteilt möglichst hohe Gewinne unter die Arbeiter, was aber nur möglich ist bei entsprechenden Erträgen. Oder aber jene Gewinne bleiben aus und mau verteilt doch, dann verzehrt man zwar den kapitalistischen Mehrwert", untergräbt aber mit derselben Sicherheit dir Existenzgrundlagen der Un­ternehmung. Denn unter allen Umständen bleibt wahr, was auch Ellinger betont: ,Auch die sozialistische Ge- scllsckiast hat nicht mehr zu verzehren, als

verfolge, kcmn ich den Leuten dos bißchen Freude an dem vornehmen Gast wohl taffen."

Man gab ihm recht, aber man neckte ihn doch, wo man konnte: dar verdarb ihm indes di« Fieude an feiner Grafschaft nicht, es gab Augenblick« in feinem lieben, wo der gute Monn wirklich fast vergaß, daß er krm Graf war, und dar war, wenn er mit Dienftleuten jroee Art zu tun hotte.

In Gegenwart solcher war es ihm höchst peinlich wenn ihn ein Bekannter, der den Wiener Dialekt sprach anredete. Da wußte man gleich, wie man daran rot«, denn dar breit«, hell« v, das her Wiener nur den Fa­miliennamen und einigen wenigen Wörtern, wie z. 5. dem „Vattern" gönnte, verriet sofort, daß der Ange-ora- chene kein wirklicher Graf war; der wirNiche Graf muß sich die mundorttich« Trübung des A in feinem Titel ge­fallen lösten.

Indessen, wi« schon erwähnt, mißbrauchte Herr Gros seine Gräsiichkeit nicht; tr begnügte sich mit der scheuen Ehrfurcht kleiner Leute und darum hatte er sich angt» wähnt, den anmeldenden Bi«neu ober Stubenmädchen niemals eint vifitxnkarte zu übergeben, sondern nur ein nacki'ittttges „Graf ron Melzig" hinzuwerfen. Damit c ar er rückenfrei. Die brirmen wußten ja, wer er mar, • und was sich bie Dien ft teilte dachten, war nicht feine Sache.

war der Mensch beschassen, der heute im Auftrag« feiner Chefs Frau Riedel ouffuchie.

Als er am Gitter des Vorgartens stand, der zum Kien- ho!zfchen Hanf« gehörte, blickt« tr erst eine Weite umher, statt anziiläuten; einmal erschien Mimi im Eingang des Hauses, da trat tr rasch hinter die Böscht, di« längs des Gitters gepflanzt waren. Er sah, daß dies Mädchen kein bienftborer Geist mar und er wartete auf einen solchen. Der Hammel war sehr dunkel, dar Gewitter im Anzuge, so mußte er sich doch endlich entschließen, zu läuten, aber no cheht er es tot, kamen hinter dem Haust Christian und Fritz htrvor. Iter letztere bemerkte natürlich sofort den Fremden an der Gartenpforte und lief hinzu.

„Wohnt hier Frau Emma Riedel?" fragte der Fremde.

„Io, dar ist meine Tante", entgegnete Fritz und fügte hinzu: „Aber sie ist nicht zu 5)auft, fit ist mit Gustav fpaz'-»n gegangen '

Unt-rd.sten war auch btt langsame Christian heran- refommen.

„Wann dürste Frau Riedel wohl zurückkommen?" fragte bei Fremde weiter.

(Fortsetzung folgt.)