Mohrenwäsche.
Der Sänsedoktor
gab
Sie
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Weißt Du", entgegnete sie verlegen, "den Seelenarzt sah, da genügte d dann später, dann war uh
ihre Faflungelosigkett und lächelte: ruhig fitzte die Bank und griff dann nach Ediths fiäi'wn; nicht anders, sie mußte sich neben ihn feyr-n: zu bie'ven oder ihm Widerstand zu leisten.
lwzusehen.
Er sah er sich aus sie konnte «nn stehen
Stocken bemerkend, haben."
Sie errötete tief, »so lange ich in T' mir Dein Famili.
So schrieb die »Deutsche Zeitung" anläßlich der Stuttgarter Rede, eS mache den Eindruck, als ob für den Krug Erzbergers das Lied vom Brünnelein bald auSgefungen sein werde; der Krug gehe so lange zu Wasser, bis er bricht. — Wer daS noch nicht deutlich genug findet, kann in der „Täglichen Rundschau" lesen, daß in Stuttgart ein Mann tn der Versammlung Herrn Erzbergereinen Strick gezeigt habe mit einer „verständlichen Geste" zum nächsten Laternenpsahl.
— Und dasselbe Blatt schreibt zum Prozeß Helfferich: „Der kugelrunde, aber nicht kugelfeste Erzberger" sei auf einem Umwege an die Verhandlungsstelle "gekommen und habe daS auch nur in Begleitung von zwei Leibwächtern gewagt. — Noch deutlicher wird der „Hannoversche Kurier": Wahrscheinlich, Werl Erzberger es nicht wagen darf, in Berlin oder anderen großen Städten de« Nordens sich öffentlich zu zeigest, ist er nach Stuttgart gegangen, um dort, fern vom Schuß, sein Herz von dem Alpdruck der auf ihn gehäuften Borwürf« zu befreien. — Wie verschiedene andere Blätter, so spottet auch die „Deutsche Tageszeitung" über d,e „zwei Privat-Mamelucken, die seine speck,,längende Körperlichkeit vor .Ueberfällen" beschützen sollen."
Mit besinnungslosen Hetzern, die die Mitschuld tragen, wenn unser Vaterland immer tiefer in den Abgrund gestürzt wird, will kein denkender Bauer
etwas zu tun haben.
Erzbergers Befinden.
ihre Vaterlandsliebe nicht mit hohlen Phrasen, fort- dern durch Taten bekunden, ist es, die Regierung in ihrem Bestreben mit allen Kräften zu unterstützen, den Irrsinn von Rechts und von Links niederzuhalten. Die werktätige Bevölkerung in Stadt u. Land hat ein Lebensinteresse daran, daß Ruhe und Ordnung im Lande herrschen. Das heiße Bemühen der Rechtsparteien, das in der letzten Zeit in katholischen Gegenden besonders auffällig geworden ist, die Bauern vom Zentrum wegzulocken und für die Teutschnationalen, d. h. die ehemaligen Kon er- vativen und ihren Anhang einzufangen, ist deshalb schon aus diesem Grunde zur Erfolglosigkeit verurteilt. \
Heute ist übrigens eine kleine Erholung'der Markvaluta festzuftellen, die allerdings noch nicht viel bedeuten will.
wmfsvoll. „Sie solllen mir alles sagen und haben mir bisher alles gesagt. Was ist denn auf einmal aus unserer Kameradschaft geworden?"
„Ich weiß es nicht", antwortete sie flüsternd, ohne die Augen zu ihm zu erheben. Er faßte ihre Hände fester - find zog sie an sich.
„Aber ich weiß es", antwortete er in einem Sone, der He zwang, zu ihm aufzusehen. „Die Liebe!"
Sie zuckte zusammen und wollte sich ihm entziehen, ■tfter sie blieb im Banne seiner Augen; wie zwingend diese hellen, guten' Augen doch blicken konnten!
„Die Liebe!" wiederholte sie leise, daß er es nur von ^reg fi!ppen ablesen konnte. Er neigte sich dicht zu ihr.
„Hast Du mich lieb?" fragte er innig. Sie lehnte den Kops an seine Schulter, zog feine Hand empor, bedeckte bsimst ihr Gesicht und fing wieder an zu weinen. Aber diesmal war's kein schmerzliches Weinen und er störte sie nicht darin. Dann, als sie ruhiger wurde, flüsterte er ihr W: „Aber was ist denn daran zu meinen, daß Du mich lieb hast? Tut's Dir leid?"
Sie richtete sich rasch empor. „Leid?" rkf sie. Dann Wob sie seine Hand, die auf ihrer Wange ruhte, an ihre, Sippen und küßte sie. Er aber umschloß die ganze schlanke «ädchsngestait und küßte sie.
So mitten aus ihrem Schmerze heraus in das Gesicht des Mamies zu sehen, um den sie eben geweint hatte, das brachte sie ganz aus der Fassung. Sie griff verwirrt nach ihrem Taschentuch, um sich die Augen zu trocknen und strich sich statt dessen damit über die Haare, sie glättete mit zitternden Händen ihr Kleid, und das alles, ohne ihn
Aus Dem besetzten Gebiet.
Neues Verbot aller Kundgebungen für die Heimkehrenden. Zm besetzten Gebiet haben die Besatzungs- behörten crufS neue eine Verfügung erlassen, die jede öffentliche Begrüßung der heimkchrcnden Kriegsgefangenen verbietet. 4Inierfagt find sogar Zurufe, Zuwinken und Blumenwerfen, sowohl während des Eisen, oavntran,partes als auch während SeS Manches der Heimkehrenden durch die Ortschaften. Für etwaige Kundgebungen vonKindern werden die Leh rer verantwortlich aemackt.
FranzSfische Ansprüche. Auf Wunsch deS französischen Oberkommandos muß die Stadt Mainz den zwischen dem großherzogl. Schloß und dem JustizpalaL liegenden freien Platz, der für ein neues Rathaus b# stimmt ist, gärtnerisch Herrichten, weil der Oberkommaneierende ein angenehmes Gegenüber haben will. Der Platz war seither schon fest eingeebnet und für Straßen- und Fußgängerverkehr benutzt. Die Kosten, die der Stadt erwachsen, sind, da der Platz mit Gartenerde aufgefahren werden muß. unverhältnismäßig hoch und betragen 50000 Mk. für eine Verschönerung von vorübergehendem Charakter. Gegenüber Gegen. Vorstellungen verharrten die Franzosen auf ihrem Willen.
war ste im Augenblick zu schwach.
. „Worum meinen Sie?" fragte er weich. Sie keine Antwort.
„Können Sie es nicht sagen?" fragte er wieder, schüttelte den Kopf.
„Aber das ist doch gegen die Abrede", sagte er
\ schen Nationalversammlung, Abg. T r i m b o r n , hat i an den Reichssinanzminister Erzberger nachstehendes Beileidsschreiben gerichtet:
I Namens her Deutschen Zentrumtpartei und der Zentrumsfraktion der Nationalversammlung gebe ich der tiefsten Entrüstung Äusdruck über das rud'lo'e Attentat, das wesentlich mit verursacht worden ist durch die seit vielen Monaten gegen Sie m Wort und Schrift betriebene gewissenlose Hetze Partei und Fraktion wünschen von Herzen und'hoffen zuversichtlich, daß Sie, hochgeehrter Oerr Reichs Minister, die Folgen der Verletzung glücklich überwinden und recht bald wieder in ungebrochener Kraft Ihres schweren Amtes walten und in Partei und Fraktion weitcrwirken werden.
An die Gemahlin des Reichsministers Erzberger hat der Abg. Trimborn nachstehende Zuschrift gerichtet:
In diesen Tagen bitteren Leids und schwerer Sorge spreche ich Ihnen namcn» der deutschen Zentrumspartei und der Zentrumsfraktion der Nationalversammlung die herzlichste Teilnahme au«. Möge Gott Jhrzen Mut und Kraft, verleihen, auch diese schwere Prüfung zu überstehen.
Die Zentrumsfraktion ber ißreuf;. 8anbe§üer» sammlunghat durch ihren Vorsitzenden, Geheimrat Dr. Porsch, an den Reichsfinrnzminister Erzberger folgendes Telegramm gesandt: Die Zentrumssrakrion der Preußischen Landesvermmmlung spricht ihre Entrüstung aus über den verbrecherischen" Anschlag und wünscht Euer Exzellenz in herzlicher Teilnahme baldige Befferung.
Auch die preußische Staatsregierung hat an Erzberger eine Beileidskundgebung gerichtet.
„Ach, sie wird eine Szene machen", seufzte das Mädchen betrübt; „sie wird von ihrem Vermögen reden oder won den Ansprüchen, die ich machen darf, o, es wird schrecklich sein! Sie wird Dich beleidigen und Du wirst sie hassen und verachten und das, das kann ich ja doch nicht ertragen." •
„Hassen und verachten, die arme Frau, die ich beraube?" fragte er. „Siehst Du, ich habe ihr gegenüber doch ein schlechtes Gewissen, denn ich Hobe ihr eine Million abgeschwindelt und noch dazu nicht die, von der sie spricht, sondern die, die sie wirklich hat: Dich, mein Lieb. Und um diese Million, da will ich zunächst betteln und dann erst kämpfen, wenn's fein muß; aber hassen werde ich Deine Mutter nicht, hn Gegenteil, ich kann sie wohl verstehen, daß sie für Dich einen Prinzen will; ein Prinz wäre auch lange nicht zu gut für Dich."
Sie schmiegte sich zärtlich an ihn. „Die Prinzessinnen Im Märchen triefen immer nur kluge Hirtenjungen ober - kühne Schneidergesellen zum Mann und um wie viel mehr' bekomme ich!"
„Du kriegst einen Gänsedoktor", sagte er lachend.
„Aber der Gänsedoktor, der bist Du, Du, Du und mir der liebste auf der ganzen Welt", entgegnete sie innig. „Und wenn alle Könige der Welt kämen, ich wiese sie ab."
„Na, also siehst Du", meinte er vergnügt; „wir zwei zusammen, wir werden das bißchen Mama schon klein kriegen, nur keine Bange! Schlaf Du hübsch ruhig heut nach! und morgen komme ich feierlich mit dem Schwalbenschwan! wnö den weißen Klauen, da wird ein bißchen mit Mamc parlamentiert und paß auf, nach einer Viertelstunde hab ich einen gerührten Kuh von ihr und bin ihr lieber Sohn."
„Ach wenn's doch so wäre!" seufzte sie.
„Natürlich ist's so, wozu wäre ich denn Seelenarzt?" entgegnete er verschwitzt lächelnd.
„Daß Dich nur Deine Kunst nicht im Stiche läßt", meinte sie zweifelnd.
„Gibt'e nicht; aber weißt Du, Lieb, daß es merkwürdig dunkel geworden ist? Ich fürchte, der Himmel wirk den Baß zu unserem Liebeslied singen."
„Meinst Du, daß ein Gewitter kommt?" fragte ste ängstlich. „Mein Gott, hier im Walde und ich fürchte mich so sehr."
„Auch, wenn ich dabei bin?" fragte er. Sie sah ihr an, und wie sie feinem ruhigen Blick" begegnete, wich de- -woitonn» Ausdruck auus ihren Zügen. ~ (Forts, folgt.)
Kein Staatsbankerott.
In letzter Zeit mehren sich die Gerüchte, die von einet Einstellung bet Zahlungen bes Reiches wissen wollen. Von zuständiger Stelle wird dagegen mit allem Nachdruck betont, daß alle Gerüchte von einer Einstellung des Zinienbienstes ber Reichs- unb Kriegsanleihen sowie der bundesstaatlichen Anleihen völlig aus der Luft gegriffen sind.
.Das weißt Du nicht einmal?" fragte er lächelnd, ihr ,Du mußt mich iber schön lieb
Dir gegenüber befangen und wollte Dich nicht fragen. Zu Hause aber, da sprach ich nie von Dir. Mir erschien's immer wie — nun ja, loche mich nur aus — wie eine Entweihung, wenn ich von Dir zu andern sprechen sollte, denen Du gleichgültig warst."
„Siehst Du, mein Herz, das freut mich!" rief er. „Denn so hab' auch ich unpoetischer Mensch gefühlt. In Grünlinde haben sie erfahren, doß ich bei Kienholzens war und haben mich nach den amerikanischen Damen gefragt; da hab' ich gelogen, ich hätte ste nicht zu Gesicht bekommen, berat nicht um die Welt hält' ich zu den. Bieronkels da unten von Dir reden mögen, nicht um die Welt! Ja, aber Kind, meinen Namen muß ich Dir doch fetzt sagen; hm, ich kann nichts dafür, aber ich heiße ebep nur Franz, fchlichtweg Franz; ich würde ja mit Vergnügen Roderich oder Adolar ober sonst was heißen, aber ich habe den Franz mm mal weg, den unpoetischen, urgewöhniichen Franz, Du mußt mir ihn schon verzeihen."
Sie hielt ihm den Mund zu.
„Schmähe mir den Franz nicht, das beleidigt mich! Wenn ich mir einen Roderich mit parfümierten Locken, mit seidenen Kniestrümpfen unb Schnallenschuhen und einer Gitarre im Arm erwählt hätte, dann würde tch's nicht ertragen, daß er Transtiesel anzieht, in Ställen tzerum- steigt und den Dauern gelegentlich Grobheiten sagt. Nachdem ich aber den Franz erwählt habe, der Gänseboktor ist, eine Lodenjoppe trägt unb sich im Sommer, bar Haar glatt scheren läßt, so will ich diesen Franz auch so hoben. Ich würde ihn auslochen, wenn er mit der Gitarre unter meinem Fenster stünde, wenn er sich Pomade in den Bart träufelte und mit Handschuhen zu seinen Patienten käme. Und wenn Du Roderich ober Adokar hießest, so würde ich Dich Franz oder Anton rufen, weil mir das ander- nicht zu Dir paßte. Du bist mein lieber, lieber, goldener Franz."
„Und Du meine liebe, fuße goldene Edith", rief er. „Schau, ich könnte es wieder nicht vertragen, wenn Du Walburga ober Scholastika oder so was dergleichen hießest."
So plauderten sie fort, Kluges und Kindisches, Wich- tiges und Nebensächliches bunt durcheinander, und achteten nicht aus die Zeit unb nicht auf bas Gewitter, das hinter dem Walde drohend aufstieg.
„Aber Mama, was wird Mama dazu sagen?" fragte Edith plötzlich, fast erschrocken, daß sie nicht früher daran gedacht.
Preußische Landesversammlung.
Die rpreutzische Landesversammiuna nahm am Mittwoch die Abstimmung über die zur Frage der Zwangswirtschaft gestellten Anträge vor.
Der Antrag Friedberg (Dem. , der-in einem Teile bedangt, alle wirtschaftlichen Erzeugnisse oet Ernte 1920 mit Ausnahme von Getreide und Milch freizu>eben, wurde an dem landwirtschattlichen Ausschuß verwiesen. Der weitere Teil des Antrages, für Diejenigen wirtschaftlichen Erzeugnisse, für welche die Zwangswirtschaft aufrechterhalten werden soll, schon jetzt Höchstpreise für die nächste Ernte festzusetzen, wurde gegen die Stimmen der.Rechten angenommen.
Einstimmige Annahme fand dagegen der Antrag Friedberg (Dem j-Herold (Ztr.y den Landwirten für einen ausgedehnteren Kartoffelbau Saatknrto ffetn in hinreichendem Maße zu belassen.
Die anderen Anträge, besonders Oie betr. der Zucker- bewirtschaftuni. werden dem Ausstu*; überwiesen.
Dos Hous wandte dann [ein Interesse den Conbarbeiterfragen zu. Der Ausschuß hat hierzu ein Gesetz über Arbeitsgerichte, die für alle aus dem Arbeiisoerhältuis zuständig fein sollen, mir besonderen Abteilungen für Land- und Forstwirischas! beantragt.
In der Debatte sprach vom Zentrum der Abg. Dr. Dtzrgmann, der in längerer Rede sowohl die Frage von Arbeitsgerichten, gegen die im Prinzip nichts einzumenden sei, als auch die Cnichtung landwirtschaftlicher Inspektionen, der wichtige Gründe entgegenstehen, und alle anderen einschlägigen Fragen wirklich sachkundig behandelte. Die Landesversammlung kann ja nur Anregungen geben, da die Ausführung Sache der Reichsgesetzgebung ist. An diesen Anregungen ließ es der Abg. Bergmann denn auch nicht fehlen, und man kann nur wünschen, daß diese und sein waimh-erziger Appell zu einer Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf dem Lande auf fruchtbaren Boden fallen.
Schließlich wurde ein Antrag angenommen, die Nationalversammlung um Regelung des gesamten Arbeitsrechtes zu ersuchen.
Es fol l öie Beratung von neuen Slnträien über gesetzliche Regelung des Rechtes der Hausangestellten (Dienstboten).
Rednerinnen aller Parteien erklären diese Re elun- für notwendig. Sehr warm nahm sich die Zentrumsabg. Frau Heßberger der Hausangestellten an. So hat all- mählich eine solche Vielgestaltigkeit der Hausdienstverträge Platz gegriffen, daß keiner der Beteiligten mehr befriedigt ist, deshalb ist eine alsbaldige gesetzliche Regelung des Arbeitsverhältnisses der Hausangestellten dringend erforderlich. Bei einer solchen gesetzlichen Regelung ist aber nicht mir die volle Berücksichtigung der berechtigten Wünsche ber Hausgehilfinnen zu verlangen, sondern ebenso auch die volle Berücksichtigung der Eigenart des Haushaltes und der Bedürsnisie eines geordneten Wirtschafts- und Familienlebens. Dor allen Dingen sollte man sich hüten, die
Berlin, 28, Jan. Seit einigen Tagen schwirren im AuZlonde unheimliche Gerüchte über !ie Folgen unserer schlechten Finanzlage umher. So wird behauptet, die deutsche Regierung habe ihre Eisenbahnen für fünf Milliarden an Amerika verpfändet. Die Nach- ricCit entb-hrt jeher Begründung. Ferner hat eine so. eben in Berlin abgehaltene Konferenz ter Gliedstaaten, regierungen wegen Uebernahme der Eisenbahnen auf bas Reich . zu wilden Gerüchten, Anlaß gegeben. Es hieL, man habe sich über btc Notwendigkeit de? St^ratsbankerottes unterhalten Diese Mel. inmg entspricht ebensowenig den Tatsachen. Keiner ter führenden Staatsmänner Deutschlands denkt daran, den Staatsbankerott zu erklären. Weder in den Ein. zelstaaten, noch bei her Reichsregierung spielt man mit oiesem Gehanken, Wenn auch zugegeben werben muß, haß hie allgemeine Finanzlage heS Reiches so schleckt ist, daß ein gewissenhafter Kaufmann sie längst für konkursreif erklärt hätte, so muß dem doch ent- gegengebalten werden, daß eine solche Frage bet einem großen Staatswesen von ganz anderen Gcsichtspunkien zu betrachten ist. Die Reichsregierung hat den festen Vorsatz, nicht auf den Staatskonkurs, sondern auf eine allmähliche Gesundung unseres Wirtschafts- und Finanzlebens hinzuarbeiten und ha es auch von außen her keine Kraft gibt, die uns znm Konkurs drängt, so fehlen wichtige zwingende Voraussetzungen für eine solche Katastrophe. Größe Besorgnis erregt neuerdings her rasche Sturz unserer Markwährung im Auslände, die schon zu der Meldung Anlaß gegeben hatte die Mark stehe in Holland auf Null. Ganz so schlimm ist es noch nicht. Gestern stand die teu-sche Reichsmark in her Schweiz auf 4% Pfennig, nachbem vorgestern noch 5% Pfennig bafür bezahlt worden waren Dieser geradezu unheimliche EntwertungSpro-eß ist nach Ansicht unterrichteter Finanzleute vor allem auf hie Unsicher heit unseres Schult enbe- standeS zurückzusühren. Solange Deutschland nicht weiß, wieviel Schulden es zu bezahlen hat, kann es keinen Anspruch auf ernsthaften Kredit erheben und wir tnerhen darüber erst klarsehen, wenn die Gegner uns ihre enbgültige Rechnung überreicht haben werden .
DaS Befinden des Reichkfinanzministers Erzber eer hat sich gestern.nachmittag erheblich gebessert. Die | Schwellung ist gurütLegangen, ebenso die Empfindlichreit der Wunde.
Tteifo'bsfonbgcbnngcn.
Der Vorsitzende der Deutschen Zentrums- Partei und der Zentrumsfraktion der beut-
„Nun sag mir bloß, warum hast Du gemeint?" fragte er endlich. „Wohl, west Du Dein Herz an einen so unpoetisch aussehenden Menschen verloren hast, nicht wahr?"
Sie sah ihn mit leuchtenden Augen an. „Du bist ja gar nicht unpoetisch; Du bist so gut und die Güte ist poetisch. Aber ich habe geweint, weil Du immer so gleich, mäßig gut warst und da habe ich gefürchtet. Du fährst in mir nur die Patientin und wärst nur aus Mitleid mit mir so gut. Und Du warst immer so froh, und ich, ich war oft so sterbenstraurig unb so unzufrieden mit mir und ber ganzen Welt . . ."
„Und da dachtest Du", fiel er ein, „Du seist mir gleich, gültig oder trautest mir überhaupt keine Ltebesfähigkeit zu? Ja siehst Du, ich bin nun eben nicht vom Stamm jener Asra, welche sterben, wenn sie lieben", meinte er lächelnd, dann fuhr er, ernst werdend, fort: „Aber dafür sind meine Schultern breit, um die Lasten und Sorgen des Sehens zu tragen und meine Arme kräftig, um das Weib, das ich liebe, zu schützen vor aller Unbill. Willst Du mein sein .Edith, willst Du in meinem bescheidenen Heim die Herrin sein,^willst Du Dich begnügen mit meiner unpoetischen Liebe unb meinem impoetischen Beruf, willst Du den Träumen entsagen, die Deine Mutter für Dich spinnt, harnt sieh mir in die Augen sind sage nichts als ein einfaches Ja; mir soll es gelten als em Schwur sürs ganze Leben."
Und sie legte ihre Hände in die seinen unb sah ihm tief in die Augen, ernst und lange. „3a", sagte sie feierlich; „nimm mich zu Dir und schütze mich und ich will Dir dienen mein Leben lang, wie es in der Bibel steht."
„Wie's in der Bibel steht", wiederholte er und seine Augen wurden feucht. Dann aber hob er Edith empor wie em iKnd, herzte sie und jubelte so recht in vollster Seligkeit, die sich nicht zu fassen weiß. Und sie lachte dazu und hielt sich nur fester an ihn, wenn er sie hoch in die Lust hob. Als ihm endlich der Atem ausging, setzte er sich wieder auf die Dank unb zog Edith neben sich.
„Meine, meine Edith!" sagte er innig.
„Mein, mein . . .', sie stockte.
®ie Mitarbeiter der deutsch-nationalen Blätter schreiben sich die ginget wund, um die Verantwor- mnp >ür das feige Verbrechen, das an dem Reichssinanzminister Erzberger verübt worden ist, »an sich abzuwälzen.
L . Vergebliches Bemühen.' ES kann gar kein Zweifel an dem Charakter des Attentäters und fei- f iien moralischen Urhebern aufkommen, nachdem bei Tä'er selbst eingestanden hak, aus welchen Beweggründen er handelte. Bei seiner Vernehmung gab I “ er bekanntlich selbst zu, daß ihm der Gedanke, den Gattung*der^Preffe^gekominen^ei''^er^abTteaHdi $ft baS ni*f eitte Sprache, die geradezu anrei- den von seinen Eltern gehaltenen „Lokalantetge!" «?- wirren^mub an G-müter^die Anlage zu einer
; lesen. Mit ihrer jedem journalistischen Anstand --ruhmvvsten Gewal.tat haben .
bahnbrechenden Hetze gegen Erzberaer bat die Prelle „ Mieren Datums, aber ebenso bezeichnend, ist eine
der Rechten den Boden bereitet? aA dem das Alten- ^Slassung der „Deutschen Zeitung- vom Ium v I»
Rechtsparteien
einem fchar,en pautl.chen Gegensatz zu Erzberger I gekommen, unb die Stunde der Abrechnung für
stehen, verdenkt ihnen kein Mensch, und so lange I diesen Hochverrat kommt ganz sicher.-
drese Gegnerschaft in ehrlicher Kampfesweise zum | Damitz kommen wir auf das große Kapitel' der Austrag gebracht wird, ist sie eine Erscheinung, die I aröbsten Schmähungen wegen des angeblichen in einem demokratischen Staate berechtigt ist Abe* I Kainszeichens auf her Stirn, des Dolchstoßes in ben die Art und Weise, tote die Rechte und ihre Dresse der Armee, her „Inkarnation der deutschen
schon seit fairen Erzberaer bpfämhft fmt r;* . Sunde, die uns ms Elend gebracht bat."
E M» Z Wenn her Abg. v. Gräfe, der Wortführer her
Ti Sachlichkeit und Ehrlichkeit ent- deutschnationalen Fraktion, in her Presse über das Un-
fernt. Erzberger war der Rechten verhaßt als der glück öes deutschen Volkes klagte, so schob er den „Fluch Mann der Friedensrefoluuon, durch die den Ast- I dieses Schicksals in erster Linie auf die Leute deutschen ihre annexionistischen Träume zerstört tour« I dom Schlage des Herrn Erzberger.- Die persönliche ben, und ihre Wut erreichte in mannigfachen Steige- I Zuspitzung ans diesen bestgehaßten Mann konnte auch rungen ihren Höhepunkt, als der Reichssinanzminister ” versagen.
durch seine Steuergesetzgebung auch den Besitz zu I . ’1Ue °te,c Aeußerungen sind nur retu zufällig Bet den allgemeinen Lasten kräftig mit heranzog. I etner oberflächlichen Rückschau auf die Erzbergerhetze
Noch nie und nirgends in der Geschichte ist ein I auS i)en Blättern der Rechten herausgeriffen wor- Ainanzminister glimpflich behandelt toorben, der der I ben. Sie lassen sich nach Belieben vermehren. Wie Not seines Landes durch den Zugriff auf die großen I °Lt Erzberger Landesverräter, Reick«verberber ober, Geld schränke Erleichterung verschaffen toostte, aber bfte ihn u. a. die „Post" nennt „Vertrauensmann tote der jetzige Finanzminister angepöbelt worden ber Entente" beschimpft toorben ist, laßt sich nur an ist, das ist beispiellos in der Geschichte. Jeder An- I ®anö einer umfangreichen Statistik Nachweisen, laß, selbst wenn er an den Haaren herveigezogen bleibt die Tat v. Hirschfelds an den Urhebern werben mußte, war gerade gut genug, Erzb'rger zu I dreier Hetze hangen. Sie sind die Mitschuldigen schmähen, zu verdächtigen und herabzusetzen. Dieses | diesem Verbrechen. Davon streiket keine Treiben wurde gekrönt durch die allbeutsche Be-> I -lb.eugnung etwas ab.
richterstattung über den Prozeß, den der Reichs- j Bisher war es das Vorrecht des Wurzel- und finanzminister aegen den ehemaligen Staatssekretär valerlandslosen Abschaumes, sich der politischen Mo-d- - Helfferich angestrengt hatte und deflen weiteren Ver- I to.affe 8“ bedienen ‘ die Deutschnationalen arbeiten lauf die Kugel des Attentäters nun vorläufig ein "ur Arm in Aim mit dem übelsten Gelichter F Ziel gesetzt hat. Bisher hat die beut dje Presse es Spariakusbrüber innerhalb und außerhalb des als eine ihrer Ehrenpflichten angesehen, in schwebende Parlaments auf die Herbeiführung des Chaos hin, Gerichtsverfahren nicht einzugreifen, sondern erst i?nbern baben sich auch deren übrigen Methoden zu i . ha§ E gebnis abzuwarten In dem Prozeß Erz. ! 5.'^» gemacht. Pflicht aller guten Staatsbürger, die berger-Hetfferich hat sich jedoch die Presse der Rech- *• *•
ten vom ersten Tage an nicht gescheut, angebliche Ergebniffe vorweg zu nehmen, und, durch sie auf die . Siimikrnng des törichtes, der Zeugen und des brei
ten Publikums einzuwirken versucht, ein B-ginnen, bei dem be'onders sich hervorgetan zu haben der 5; allbeutsch-schwerindustrielle Berliner „Lokalanzeiger" den traurigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann. Diese widerliche Preßhetze ist in erster Linie verantwortlich für das Verbrechen.
Die offiziöse „Deutsche Astg. Ztg." hat sich der unangenehmen Aufgabe unterzogen, aus dem Unrat, ber gegen Erzberger geschleudert wurde, einige Proben he-auszuiuchen. Da zeigt sich, daß die Hetzer nicht bloß die wüstesten Schmähungen, sondern auch geradezu Drohungen mit einem „Strafgericht" nach dem Lynchsystem in die Weir geschleudert hs- den. i
Fuld aerZettun
Verantwortlich für den rebotlioneDen Stell: Karl Schütte.
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Nr. 23
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer llctfenbrutferei in Fulda. Donnerstag, 29. Januar 1920
47. Zahrg
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