Nr. 20.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parzetter-Fulda. ::
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Montag, 26. Januar 1920.
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47. Zahrg.
Einig und geschloffen. '
ES ist ein Verdienst des P arteitages der deutschen Zentrumspariei, daß er die innerhalb der Partei bestehenden Unklarheiten über die Haltung dec Fraktion ausgeräumt hak.
Tie Stellungnahme zur Revolution, die Verbindung mit der Sozialdemokratie in der Regierung, die Schaffung der neuen Berfasiung, daS Bekennt- nis der Partei zur Republik und das Vorgehen in Sachen des Einheitsstaates sind nur einige der Hauptpunkte, über die nicht überall in der Partei die gleiche Auffassung herrschte. Nachdem aber die Fraktion auf dem Parteitage ihre Stellungnahme klargelegt batte und eine gründliche Aussprache erfolgt war, wurden die Gegensätze völlig ausgeglichen und der Parteitag konnte schließlich nicht etwa nur in schönen Redewendungen, sondern in klaren kräftigen Erklärungen die Einheit und Gc- schloffenheit der ganzen Zenlrumspartei in dos hellste Lickt stellen. Es kann als einmütige Auffassung der Delegierten festgestellt werden, daß der Parteitag seine Zustimmung gegeben hat zu der Mitarbeit der Fraktion in der.Koa litio nsr e gierung, wobei selbstverständlich für die Zukunft alle Türen offen bleiben, und daß der Parteitag das Vertrauen in die parlamentarische Vertretung der Partei ausgesprochen hat.
Die erzielte volle Einmütigkeit darf aber nickt nur eine erfreuliche Tatsache bleiben, sie muß auch, so sagt die .Germania', das Berliner Zentrumsorgan, in einem Rückblick auf die Tagung, die Hoffnungen erfüllen, die der Reichsparteitag "für die Zukunft eröffnet hat. Das wird umso mehr geschehen können, wenn alle Parteianhänger im Lande draußen sich bei aufsteigenden Zweifeln gegenüber Fraktionspolitik nicht auf den Standpunkt stellen: Die Haltung in dieser oder jener Frage verstehe ich nicht, also ist sie falsch. Ihre Denkweise muß nach alter Zentrumsart die sein: Die Männer, die wir nach Berlin geschickt haben, sind lauter erprobte Zentrumskämpen, Wenn ich ihre Entschließungen nicht ohne weiteres verstehe, dann sind sie darum nicht falsch, vielmehr ist nur mir der eine oder andere entscheidende Punkt unbekannt; ich muß mich besser unterrichten. Mit anderen Worten: Das Band des Be rtrane n s, das Wähler und Gewählte umschlingt, muß von beiden Seiten mit Vorbedacht dauernd gepflegt werden. Es muß dem politischen Gegner unmöglich gemacht werden, es durch die erste beste Behauptung zu erschüttern. Wenn wir dazu wieder kommen, brauchen wir nicht zu sorgen, daß die Zentrumspartei nicht auch über die ungewöhnlich schwierige Zeit van heute der Festig test und Einmütigkeit hlliwegkommen wird, die zur Eelteiidmachung ihrer Grundsätze im öffentlichen Leben erforderlich sind. Das aber ist doch der Zweck unseres ganzen politischen Wirkens.
Das Ergebnis der Zentrumsheerfchau wird in dem Aufruf des Vorstandes d e r Z c n tr u ms- pa r t e i, den wir nebenan veröffentlichen, in die Worte gekleidet: In der Einheit liegt die Kraft! Ich erinnere mich noch le haft wie der unter diesem Motto abgehaltene Mannheimer Katholike,llag des, Lahres 1902 seine hinreißende Schwungkraft durch dieses flammende Wort erhielt. Dieser nach Einheit und Einmütigkeit strebende Geist muß auch in Zukunft den gerechten Ausgleich herbeiführen, dem eine Volkspartei, die wie das Zentrum auf der breitesten Grundlage aufgebaut ist, züsteuern muß.
In wuchtigen Worten kennzeichnet der Aufruf des Vorstandes die bisherigen Leistrmgen und die künftigen Aufgaben der Zentrumsportei in einer Form, die einem m Telegrammstil gebrachten Programm entsprechen könnte. Die Partei ist nunmehr organisatorisch vereint. Die Eigenart der deutschen Zentrnmspar- iei bestand ja bisher in dem Fehlen einer einheitlichen Organisation und eines festbestimmten Programmes.
Der Sünsedsktar.
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»Also, das hast Du von mir geglaubt?" fagie er und
atmete tief auf: er streifte mit dem Blick über sie hin
und wandte bann fein Gesicht ab.
„Also, das haft Dp von mir gegloubi?" sagte er und
atmete tief auf; er streifte mit dem Blick über sie hin
und wandte dann sein Gesicht ab.
Mariechen hatte ihn gespannt betrachtet, erst war sie stolz darauf gewesen, daß sie jene Araßerung gewagt batte, dann verblüfft, daß sie ihn nicht zerknirscht darüber gesehen hatte, und zuletzt, als sein Blick halb traurig, halb ?ormg auf ihr geruht hatte, war sie sich der ganzen Grund- lofigken ihres Verdachtes bewußt geworden uni) sie kam ßch so erbärmlich, so niedrig vor, daß sie am liebsten in den Erdboden versunken wäre.
„Gustav!" rief sie bittend, „fo hab' ich es ja gar nicht gemeint, gewiß nicht, ich hab' ja nichts Schlechtes von Dir gedacht, das tun ja jo viele, ich weiß es von der Irine . . ."
«Aber ich nicht," sagte er dumpf, ohne sie anzufshen.
„Nein, Du nicht," rief sie; „jetzt weiß ich es und ich halt' es auch nicht geglaubt, wenn nicht alles in tmferem Haust . . .* sie hielt nme, die Erregung schnürt- ihr die Kehle zu. „Ach Gustav, fo sieh mich doch wenigstens an!" flehte sie. Er schüttelte den Kops und da kniete sie neben ihm nieder, nicht darauf achtend, daß sie in den Feder - 'orb kniete.
„Gustav!" bat sie schluchzend, „ich will ja nicht, daß Du mich mehr liebst, aber verachten sollst Du mich nicht ganz! Ich kann ja nichts dafür, die Luft bei uns ist fo vergiftet, stlt diese Tante mit ihrer Million da ist, wir find alle krank davon, mein guter Papa und der ehrliche Wal- örmar, ja, ich glaube sogar der Fritz imd da mär’s doch fein Wunder, wenn auch Du . . . Wir haben's ja srei- hch geheim, gehalten, aber Du bist ja so klug und . . .
. . . ach Gustav, laß mich nicht so bitten, sieh mich doch an!"
_ Er wandte sich zu ihr und strich leist mit der .stand ■- uber ihren Blondkopf. „Schau, Mimi," jagte er sanft, «bas hättest Du uns beiden ersparen können; Du bitt so • Wjtg. Du solltest die Welt mit anderen Augen ansehen. s Ziehst Du, ich bin schon älter als Du und schon em roenigx her um gekommen und nicht einmal daran gedacht hab' ich, 1
Mitglieder der Zenlrumspartei!
Der erste Reichsparteiiag der Deutschen Zenirums- partei hat seine Arbeiten vollendet. Zum ersten Mal hat er die Gefolgschaft der Partei aus allen Teilen Deutschlands auch organisatorisch vereint. In den neuen Satzungen sind der Gesamtpartei die Wege dauernder, einheitlicher Arbeit gewiesen. Die großen Ideale, die ein halbes Jahrhundert uns Kraft und Segeifternng gaben, hat der Parteitag von neuem zum Leitstern unseres politischen Handels erhoben. "*■
Den religiös-gläubigen Volksteil fu= chen wir unter unserer Fahne zu saiirmeln. Den wertvollen und unentbehrlichen religiös-sittlichen Kräften wollen wir einen überragenden Einfluß auch im öffentlichen Leben sichern. Sie allein können unser Volk innerlich erneuern.
Aus dem tiefen Leid und Unheil unserer Tage muß sich ein neues Geschlecht erheben, geeint in dem gleichen Ziel, das Vaterland wieder aufZürich t e n und einer besseren Zukunft entgegenznfüh- ren. Das Vaterland über die Partei!
Auf das große Ganze richten mir den Blick. Das Wohl des gesamten deutschen Volkes in ollen feinen Ländern trnö attf jedem Gebiet ist unser Streben. Wir find und.bleiben eine politische Partei. Weder Geschlecht noch Stand und Beruf, noch Konfession darf diejenigen scheiden, die von unserem Geiste erfüllt sind.
Mit Stolz hat das Zentrum stets den lernen einer echten Volkspartei getragen. Wir bleiben der treu, wenn wir uns heute ehrlich und entschlossen zu der neuen demokratische n Versüssung bekennen.
Sozialen Geist in Gesetzgebung mid Verwaltung zu verwirklichen ist alte Ueberlieferung des Zentrtims. In ihm bauen wir auch die neue Ordnung. Dem nackten Individualismus und der Alleinherrschaft des privaten Gewinnstrebens stellen wir entgegen den Geist des Pflichibewußtseins utid des Dietiers gegenüber dem Nächsten, der Familie, dem Stand und der Gesellschaft. Das Gemeinwohl sei olterstes Gesetz der Wirtschaft. Aber auch die Einzelpersönlichkeit hat von Gottes- vnd Nallrrwegen ihre Bedeutung und ihr Recht. Sie sollen 'hr bleiben! Die beste Sozialpolitik ist heute d-e nachdrücklichste Förderung unserer Aüter- erzeugung. Richtige Produzentenpolitik ist heute auch
wirksamste Konftimenienpolilik! Darum Hebung und Belebung aller Werte schaffenden Arbeit in Wissenschaft, Ackerbau, Handel und Gewerbe! Von ihr allein kommt uns Genesung. Sie sei uns darum ernftlichstc Sorge!
Jede Gesundung unserer Gage nach Innen und nach Skiffen, in der Wirtschaft wie im Staat, ist nur denkbar auf dem Boden der R e i ch s e i n h e i t. Eine starke Zentralgewalt war seit den Tagen Kettelers und Windthorsts Zentrumsprogramm. Aber das neue Reich bedarf anderer Daseinsformen als das alte. Eine Neugliederung ist ihm Lebensnoiwsndigkeit. Den zentralistischen Einheitsstaat nach westlichem Muster lehnen wir entschieden ab. Noch Landsmannschaften, nach wirtschaftlichen und nach kulturellen Gesichtspunkten ist das Reich neu zu gliedern. Was die Verfassung an Eigenleben den L ä n - dem garantiert, muß ihnen bleiben. Das Zentrum war und ist und bleibt ein Hort landsmännischer Eigenart. Auch das Reich muß sie in weiser Mäßigung und wohlverstandenem Eigeninteresse schirmen und entwickeln helfen. Reichseinheit und Stammes- eigenart sind nicht Feinde, sondern Stützen einander.
Wohlan denn Parteifreunde! Folgt unserem Ruf! In Stadt und Land, in Ost und West, in Nord und Süd schließt die Reihen! Die eine Zentrumsfahne führt uns alle. In der Einheit liegt die Kraft.
Berlin, den 22. Januar 1920.
Der Vorstand der Deutschen Zentrumspartei.
Trimborn, Vorsitzender,
Präsident Fehrenbach, Freiburg. Abg. Herold, Abg. Prälat Dr. Hitze, Staatsmmlfter Abg. Dr. Spahn: Ehrenvorsitzende. Reichsgerichtsrat Burlage, Leipzig, Abg. Frl. Dransfeld, Köln. Präsident Dr. Porsch, Breslau, Stontsminifter Abg.
Stegerwald, Berlin: Stellvertretende Vorsitzende. Verbandssekretär Albersmann, Düsseldorf, Abg. Astor, Bernrastel, Aba. Frl. Beyerlo, Konstanz, Justizminister Abg. von Brentano, Darmstadt, Direktor Abg. Dr. Braune, W.-Glodbach, Sanitätsrat Dr. Beyersdörffer, Neustadt- Pfalz, Dr. Kremer, Dortmund, Abg. Esser, Euskirchen, Minister Graf, Stuttgart, Oekoiwmllrat Grow, Wormditt, Geheimrat Jischert, Berkin, Abg. Joos, M.-Gladbach, Freiherr o. Kerckerinck zur Borg, Rmckerade, Verleger Senfing, Dortmund, Fürst L »wem test-, Kl em-.Heubach, Verbandsvor- sitzender Otte, Düsseldorf, Abg. Schofer, Freibumg, Abg.
Ulitzko, Ratibor: Beisitzer, Schriftführer und Rechner.
Trotz des losen äußeren Gefüges war aber der innere Kern und damit der innere Zusammenhang und die innere Einheit und Geschlossenheit um fo. fester Der religiös-sittliche Charakter des Wirkens und Schaffens der deutschen Zenlrumspartei war ein mächtiges Band, das alle anderen Interessen uitd Gegensätze zt! einer Unterordnung unter die über alles ragenden hohen und hehren Ideale zwang. Diese Ideale waren program- matische Richtliien der Partei seit einem halben Jahrhundert und sie werden es auch fürderhin sein.
Dem Vaterland zu dienen und allen seinen Gliedern nutzbar zu sein, das ist Wesen, Sinn und Ziel unserer politischen Arbeit. Sv mich das Zentrum feinen neuen Weg als echte, wahre Vokksparlei schreiten, bestell von „dem Geiste des Pflichlbewußtseins, gegenüber dem Nächsten, der Familie, dem Stand und der Goscil'chast. Dos Gemeinwohl sei oberstes Gesetz der Wirtschaft!"
Wenn wir diese Richtlinien, die der Zeiitrumsans- ruf zeichnet, iimeholkcn, bann werden wir dem Wieder- niifbnt! unseres Volkes und Landes am besten bienen.
Eine Weltanleihe?
Die Lage auf dem internationalen Geldmarkt ist ungemein beunruhigend. Nickt nur die deutsche Va-
daß Du meinem bischen Kurmachen bei der Ditha Jo häßliche Motive unterschiebst."
Sie hob das tränrabiafle Gesicht zu ihm empor. „Das hab' ich auch nicht, Gustav, eigentlich ist mir das später erst durch den Kopf geschossen, ursprünglich war ich nur ganz gewöhnlich eifersüchtig und habe nur geglaubt, Du seist in Ditha verliebt, weil sie ja in jüngster Zeit fo merkwürdig gewonnen hat. Das Garstige hab' ich mir dann erst emgeredet, weil ich Dich nimmer lieb haben wollte und da hab' ich Dich vor mir selber schwarz gemacht; und daß ich Dir's gejagt habe, das war auch mir, weil Du nach nicht für ein ganz dummes Gänschen halten solltest."
„Mrk Deiner Weisheit hast Du prunken wollen? D Du Ganseri, Du!" rief er.
Sie jah ihn fo selig an, als ob er ihr die größte Schmeichelet gesagt hätte. „Du verzeihst mir?" fragt« sie schüchtern. „O wie gut Du bist! Ach, wenn Du wüßtest, wie leid es mir tut, daß ich nur eine Minute lang schlecht von Dir gedacht habe, ach wie feib£ wie leid!"
„Versprichst Du mir, nie wieder so abscheulich von mir zu braten?"
„Niemals, niemals wieder!" beteuerte sie. „Ich hab' ja selbst so sehr darunter gelitten, mein Gott, wie viele Rächte hob' ich Deinetwegen durchweint!"
Nun stieg es ihm fdbet heiß in die Augen und er hatte Mühe, den ernsten, inquisitorischen Ton sestzuhalten, mit dem er fort fuhr: „Und wirst Du mich auch wieder lieb hoben, fo schön und fo heilig und gläubig wie damals im Wald, wie der Fritz mll feinen Ameisen kam und da- mals auf dem Apfelbaum, wie wir den Orakelapfel auseinander gebifcn haben und damals auf der Stiege, wo ich Dir den Kuß geraubt habe . . ."
Des Mädchens Augen leuchteten, als sie an all diese lieben schönen Augenblick dachte; sie fprang auf, daß die Federn aus dem Korb um sie auf mir beiten, und erfaßt« Gustavs beide Hände. „Jo, Gusterl", rief sie aus, „fo lieb tote damals und nach viel tausend-, taufenbmal lieber lieber hab' ich Dich!"
Da zag er sic an sich mrb küßte sie, und dann drehte er sich übermütig mit ihr herum, habet rissen sie den Fe- dernkorb um und es war ein Gestöber m dem Schuppen, daß man kaum hindurchsah. Und gerat* in diesem Augen, blick kam Momo Kienholz, um nach ihren Enten zu sehen.
„Io ... ja, mos ist denn das? was geschieht denn da?" fragte sie erstaunt, ohne sich hn ersten Augenblick auszukennen. Die beiden'fuhr« auseinander.
Iura, auch die Devisen aller Länder sind, zumal in den letzten Tagen und Wocken, ht einem erschreckenden Rückgang begriffen. Man ist sich feit langem in internationalen Geschäftskreisen darüber einig, daß hier mit kleinen Mitteln nichts erreicht werden kann. Man weiß auch ganz genau, vorab in den Ländern der „Sieger", daß ein wirtschaftlicher Zusammenbruch Deutschlands das volkswirtschaftliche Leben der übrigen Lander unvermeidlich mit in den Strudel reißen würde. Von diesen Erwägungen ausgehend, ist nunmehr unter Mitwirkung der angesehensten Vertreter der internationalen Geschäftswelt an die Regierungen der Ententesänder eine Denkschrift gerichtet "worden, die geradezu einem Hilferuf ylrichkommt. Es wird mit überzeugenden Worten die Notwendigkeit einer internationalen, einer Weltanleihe betont und begründet. Wte die Dinge liegen, ist in der Tat ohne eine derartige internationale Finanzaktion der Zerfall der Volkswirtschaft Europas nicht aufzuhalten. An einer immer tieferen Verschuldung der einzelnen Staaten hat niemand ein Interesse, am wenigsten die Gläubiger dieser Länder. Die Bemühungen, die augenblicklich, übrigens nach schon vor langer Zeit eingesetzten umfassenden Vorbereitungen im Gange sind, haben den Zweck, auf dem Wege einer international
„Ach Mama . . . ach Mama", stammelte Mimi ocr= legen.
„Du bist do, Gustav?" fragte Frau Kienholz, bex Neffen jetzt erst erblickend, „ich dacht« doch, Du seist mH den andern?"
„Ich mar's auch, Tante", entgegnete Gustav, der sich inzwischen gefaßt hott«; „aber da ist mir eingefallen, daß ich noch einen notwendigen Brief zu schreiben habe, und da bin ich umgekehrt."
„Ach so, do hast Du wohl so heftig geschrieben, daß die Federn umherfliegen?"
Gustav lachte. „Nein, das nicht, gar fo eilig ist her Brief wieder nicht; ich hab' mir mit der Mimi einen Tanz probiert."
„So, fo; mt, das wirb Dein Magen büßen muffen; morgen, während wir die Enten essen, rortt Ou tanzen; da fprefett wir Grille und Ameise", sagte die Tante.
,D, da muß ich bitten, ich hab« sogar mit gerupft", vetteDigte sich Gustav.
„Na, weißt Du, ein cmderesmÄ lieber nicht", meinte sie lächelnd: „Deine Mitwirkung ist etwas zeitraubend."
„Du hast mich tief gekränkt, Xante, ich ziehe mich zurück und überlaffe Dir mein begonnenes Werk, ohne auf die Mrtautorfchaft Anspruch zu erheben."
Er ging und die Xante wandte sich zu den auf dem Boden liegenden Enten.
„Ra, Mariechen, Du bist fetzt doch wohl schon alt genug, um zu wissen, daß ich Deine Hill« brauche", sagte sie ärgerlich zu ihrer Tochter; „statt mir aber ordentlich unter die Arme ju greifen, treibst Du da Norrenpoffen."
„Ach Mutter, es war nur ganz kurze Zell und es war so hübsch", stammelte Mariechen verlegen.
„Dummheiten find immer hübsch", brummte die Mutter und ergriff eine der Enten, die sie eifrig zu rupfen begann; dabei schalt sie weiter, was aber sichtlich fernen Eindruck auf ihre Xochter zu machen schien. Diese saß zwar gehorfam neben der Mutter und rupfte ebenfalls emsig, aber höbet lächelte sie stillselig vor sich hin und dachte sogar nicht einmal, daß sie ihr« Sreblmgsenfe unter den Händen hott«; fo undankbar sind die Menschen, wenn sie glücklich sind.
Droben aber, ix Xante Emmas Zimmer, da saß Gustav und schonte freudig zu feiner Mutter auf, die ihm zärtlich über das Haar strich und schmeichelnd sagt«: „Weißt Gusiel, im Herbst, wenn wir von hier fort gehen, dann nehmen anr dir Mimert mit und da sollt Ihr Euch beide erst —' ordmtfich trauen lernen. Ich weiß, Du
len Anl eihe eine Gesundung der Weltfinanzen her- beizufithren. Von einer besonderen Wahrnehmung der deutschen Interessen ist dabei keine Rede. .Wenn Deutschland mit tn diese Aktion hineingezogen wird, so geschieht das, wie bereits dargetan, lediglich unter dem Gesichtswinkel, daß die Ententeländer an einem leistungsfähigen Deutschland eben das allergrößte Interesse haben.
Die Abstimmung in Nord-Schleswig.
Die Abstimmung in der 1. Zone findet am Dienstag, den 10. Februar 1920, statt. Auf Grund des Freifahrscheins, den jeder Abstimmungsberechtigte gegen Abgabe des ihm von FlenSburg zugehenden Gutscheins am Fahrkartenschalter erhält, kann der Nordmärker die fahrplanmäßigen Zuge benutzen. Äußer diesen fahren eine große Anzahl Sonderzüge, ab Hamburg xnb ab Kiel (Eckernförde, Flensburg). Sonntag, den 8. Februar, fahren außerdem in ganz Schleswig- Holstein die Züge in bemfelben Umfang wie an Werktagen. Unterkunft und Verpflegung wird auf Wunsch in Hamburg oder Lübeck unentgeltlich gewährt. Nach der Abstimmung fahren von Mittwoch, den 11. Februar, bis Freitag, den 13. Februar, Sonderzüge nach Hamburg und Kiel (Lübeck). Von hier gehen am gleichen Tage Abend- bezw. Nacht-Sonüerzuge nach Köln, Frankfurt a. M., Leipzig, Berlin und Neubrandenburg weiter. Die Donderzüge sind geheizt. Bei der Hin- und Rückfahrt ist je eine dreimalige Fahrtunterbrechung gestattet. Ein kurzer Aufenthalt zu Ver- pflegung grlk nicht als Fahrtunterbrechung.
Es ist also jedem Abstimmungsberechtigten, auch dem, dem e? sonst feine Geldmittel nicht gestattet hätten, ermöglicht, in das Abstimmungsgebiet zu gelangen unb dort seine Stimme für Deutschland abzugeben. Ein jeder, der das Recht dazu hat, hat auch, das sei ihm hier noch einmal ausdrücklich zugerufen. die unbedingte Pflicht, dieses Recht auszuüben. Jede 9lu§» rede ist ihm durch die gebotene Erleichterung genommen. Ganz Deutschland erwartet es von jedem Abstimmungsberechtigten als selbstverständlich, daß er an feinem Teil daran mitarbeitet, daß alte deutsche Kulturgebiete, die seit Jahrhunderten deutsch sind, auch fernerhin deutsch bleiben.
13 Eifenbahnwerkstätten geschloffen.
Halbamtlich wird mitgeteilt: Alle Bemühungen der Eisenbahnverwaftung, die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn- werkftätten zu heben, haben einen genügenden Erfolg nicht gehabt. Auch den zu diesem Zweck eingesetzten Arbeiter- oertretungen ist es nicht gelungen, die Arbeitsergebnisse zu bessern. Die Stiftungen der Werkstätten sind vielmehr, «ach vorübergehender Besserung im Herbst, in den letzten Monaten ständig gesunken. Die Gefahr einer gänzlichen Stillegung des Eisenbahnbetriebs rückt infolge der Knappheit des rollenden Materials immer näher. Gleichwohl verschlingen die Werkstätten riesige Zuschüsse.
Die Regierung hat aus die hierin für die Arititerschaft liegenden Gefahren {eit tartgemWingeroiefen. Sie sieht sich nunm ehr gezwungen, in vollem Bewußtsein ihrer $ ereilt- Wartung vor dem Volke die besonders unwirtschaftlich arbeitenden Werkstätten, Berlin 1 und 2, Breslau 2 unk 4, Stargard, Sebalsbrück (Bz. Hannover), Darmstadt 1 und 2, Salbke (Bez. Magdeburg), Frankfurt a. M„ Jena, Gotha und Königsberg i. Pr. vom 26. Januar ob zu schließen imh sämtlichen Arbeitern unter gleichzeitigem Verzicht auf weitere Dienste zu kündigen.
Die Werkstätten werden demnächst unter neuen Bedingungen geöffnet, die eine Wirtschaftlichkeit und erhöhte Arbeitsergebnisse ermöglichen. Die Wiederaufnahme sämtlicher bisher beschäftigter Arbeiter ist unmöglich. Aufge- nommra werden nur diejenigen Arbeiter, die sich schriftlich zu einer verständigen Akkordarbeit auf Grund der neu vereinbarten Tariflohnsätze und zu einer täglichen Arbeitszeit von vollen acht Stunden verpflichten. Di« mit den Gewerkschaften geführten Tmifverhcmdlungen erkennt die Regierung voll cm. Die neuen Tarife bilden die Grundlage für die Festsetzung der Sätze. Die Regierung bietet damit der Arbeiterschaft die Möglichkeit, bei guten Leistungen noch mehr als die Tariflöhne zu verdienen. ________________
Die Schichtzeit der Sergerteitcr.
In Bochum trat am Samstag die Generalverscrmm- lunbg de§ ctlen Bergarbeiterverbandes zusammen, um .............................. m um i ■iniiiii n ^-.a bist ein ehrlicher Bursch und Dir ist's nicht ums bloße Kopfoerdrehen, aber man kann sich auch in sich selber irren; unb die Mimi ist ein herziges, natürliches Ding, aber sie hat noch keinen anderen gesehen als Dich und hat daher auch noch kein Uriril über ihre eigenen Gefühle. Drum denk' ich, dos fall erst ausreifen bei uns daheim; fitzt es tief genug bei Euch beiden, dann geht ein Herzenswunsch von mir in Erfüllung; roar’s eine Täuschung bei einem von Euch oder bei beiden, so wird sich's zeigen und es ist dann jedenfalls ein leichteres Trennen, als wenn ein bindendes Wort gesprochen tft, ehe sich beide Telle von der Unwandelskxrrkell ihres Gefühls überzeugt haben. So Goll will, wird olles recht werden."
Gustav schloß di« Mutier innig in die Arme.
„Ich bin doch unter einem besonderen Glücksstern geboren," rief er; „ein so liebes gutes, gescheites Mutter! hat kein Mensch auf der ganzen Welt."
„Und einen fo lieben, guten, aufrichtigen Buben Hai keine Mutter auf der ganzen Welt," entgegnete sie gerührt und küßt« seine blühenden Wangen.
Nun kam eine Zeit der sonnigsten Zufriedenheit übet das Haus Kienholz; Gustav und Mariechen waren glückselig, Waldemar hotte vollkommen freie Bahn bet Edith, er war viel in ihrer Gesellschaft, worüber sich Frau Amalie ebenso wie Herr Kienholz freute. Und dieser letztere ahnte nicht, daß bei diesem reinen Himmel das Ungewitter so nahe war, ja, daß gerade die frohen Zu- kunstsousfichten für Edith in Fron Amalie Gedanken für ihre eigene Zukunft erweckten.
Wenn Waldemar Edllh heiratete, fo was das ja sehr gut und schön; sie traute sich das Geschick zu, di« Ord- ' nung der Vermögrasangelegenheiten bis nach der Hochzeit hinouszufchieden, aber endlich einmal mußte doch 'alles heraus und dann war es für sie nicht gut fein im Hause Kienholz. Einen Tril des kleinen Vermögens mutzt« sie N»ith doch herausgeben und mit dem Rest außerhalb der FomMe leben ging schwer; eine gute Partie war dieser Waldemar eigentlich doch nicht, well die Geschwister do waren, aber es war keine Aussicht, eine bessere zu finden und lange konnte sie aus mancherlei Gründen nicht warten. Zunächst hatte sie jebesmal wieder Ediths Wi- derstaiÄ gegen ihre Pläne zu fürchten; zu einer direkten Auflehnung kom es freilich selten, aber der passive Wider- stand war schwerer zu besiegen und gefährlicher. Edith grämte sich im stillen und ward dann immer bleicher, schmal« und einMnger; damit rrer-b ein Mädchen nicht gewinnend«. /^arti. folgt.)