Fuldaer Zeitung
Nr. 19.
Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. ~
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendiuckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Samstag, 24. Januar 1920.
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47. Zahrg.
Nach Schlich des Zentrumstages.
Zum Vorsitzenden des Reichsparteivorstandes wurde, wie schon aemeldet, Abg. Trimborn gewählt. Stellvertretende Vorsitzenden sind die Abg. Burla?,e- Leipzig, Hedw. DranSfeld-Köln, der Vizepräsident der Preußischen Landesversammlung Dr. Porsch»BreSIau sowie Staatsminister Stelerwatd-Berlin. Zu Ehrenvorsitzenden wurden gewählt: Präsident Fehrenbach, Abg. Herold, Abg.Dr. Hitze und Abg. Dr. Spahn. Außerdem setzt sich der Parteivorstand au5 zwölf Beisitzern und vier Schriftführern zusammen; darunter sind: Justizminister v. Brentano, Dr. Brauns, Frhr. v. Kercke- ring zu Borg, Fürst Löwenstein, Geistlicher Rat Schofer, Minister Graf-Stuttgart, Abg. Ulitzka-Ratibor, Verleger Lansing-Dortn und.
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Das Zentrum soll in feinem Wesen das alte Zentrum bleiben, rote es sich in seiner ruhmvollen Vergangenheit bewährt hat, in seinem äußeren Bau soll es entsprechend den gesteigerten An. forderungen der Zeit modern eingerichtet werden. So läßt sich wohl zutreffend die Willensmeinung der Vertreter der Zentrumswähler, die in Berlin versammelt waren, zusammenfaffen. Da§ Zentrum soll fortfahren in seinem unverdrossenen Bemühen, die staatliche Entwicklung aus dem ChaoS in Ruhe und Ordnung überzuführen, soll weiterhin auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Sozialpolitik wie auch der Kulturpolitik fruchibringende Arbeit leisten.
Es war die Aufgabe des Parteitages, das Parteileben neu anzufachen, Spannungen auszugleichen, neue Richtlinien zu geben, Parteifreudigkeit und Partetdisziplin zu heben und zur Kräftigung und zum Ausbau der Organisation eine neue Grundlage zu schaffen. Das ist erreicht, die Aussprache hat ge- Seigt, daß die Zmtrumsfraktion das Vertrauen >er Wähler besitzt, daß Wähler und Gewählte einig sind in dem Bestreben, daß das Zentrum eine echte, wahre, deutsche, christliche Bolkspartei bleibt, die nicht nur nach den bewährten Grundsätzen der aus Reichenden Gerechtigkeit das materielle und soziale Wohl aller Volksklassen zu fördern berufen und befähigt ist, sondern auch der Hort einer überzeugten christlichen Weltanschauung und Vertreterin einer zielbewutzten, dem Wohle und der Ehre des Vaterlandes nach Kräften dienenden praktischen nationalen Politik ist.
Die vornehmlichste Bedeutung deS Parteitages liegt in dem durch ihn neu angefachten Parteileben. Die Organisation der Zentrumspartei war in loeiten Landesteilen kein Ideal. Vielfach noch auf dem überlebten Vertrauensmännersystem aufgebaut, war ste nur locker gefügt, sie genügte nicht mehr den gesteigerten Anforderungen der Zeit. In der Vergangenheit ist manches versäumt worden, den Zentrumsgedanken, der im Volke lebt, aufzumuntern. Die Freunde unserer Partei sind nicht genügend darauf geschult worden, immer eingedenk zu sein, daß es ein Zentrum gibt, deffen Prinzipien zum Durchbruch zu verhelfen, sie sich zusammenschließen müffen, in der Stadt nicht nur, auch int Dorfe. Wenn der Parteitag nach dieser Richtung hin bessernd wirkt, wenn v der frische Quell wird, aus dem neues Lebenq^llt, das Pflichtbewußtsein belebt wird, daun hat f- seine Schuldigkeit getan. Allzulange ist «s vielerLrts so gehalten worden, daß die Wähler «ur yjfammengerufen wurden, wenn es galt, auf den Kampfplatz hinauszutreten. Jetzt ist der Grund gelegt worden zu einem frischen, tatkräftigen, zielsicheren Vorgehen in einheitlicher Organisation. In der neuen Zeit haben sich alle Verhältnisse unseres politischen Lebens von Grund auf geändert. Diesen neuen Verhältnissen muß sich auch die Parteiorganisation anpaffen, will die Partei bei den schweren politischen Kämpfen der Gegenwart und 'erst recht bei den Kämpfen, die uns die bevorstehenden Reichstagswahlen ohne Zweifel bringen werden,
Der Sänsedoktor.
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Sie hatte ihm aufgeregt zugehört, er sah, daß sie sich ganz in die Situation hmeingelebt hatte; jetzt sagte sie eifrig: „Ich ginge zu dem Häuptling hin und sagte: Bitte schlachten Sie Michls
„Aha, siehst Du!" rief Gustav triumphierend; „Du hast doch gesagt, das täte em Mensch für den cmdom picht."
„Ja, stehst Du", meinte sie zögernd, „bis zum Schlachten, da wäre ja weiter nichts dabei, aber das Spicken und Broten, das wäre entsetzlich. Freilich könnte ich nichts dagegen tun, meint ich einmal tot wäre, aber ich möchte doch nicht, daß Du mich im Andenken behieltest gespickt und gebraten."
Cr konnte nicht umhin zu lächeln.
„Siehst Du, Du würdest lachen, .lachen über meinen Opfortod", rief sie aufgebracht; dann fügte sie melancholisch hinzu: „Und eigentlich wundert mich das gar nicht. Es ist ungerecht, aber wir Menschen wollen die Toten, die wir beklagen, immer von einem poetischen Schimmer umgeben sehen und darum mehren wir uns gegen manche Todes- arten, die uns lächerlich oder verächtlich erscheinen; es ist ganz und gar nicht gleichgültig, ob einer, von einem Geschütz oder von einem Mistwagen überfahren wird, ob einer im Meer oder in einem Tümpel ertrunken ist und doch haben alle dos Gleiche gelitten und sind olle ge- stowen."
Gustav hatte das Mädchen verwundert betrachtet.
»Du bist ja eine ganze Philosophin geworden," sagte er.
„Ich habe viel nachgedacht in letzter Zeit und do kommt man aus allerlei," entgegnete sie.
„Wenn Mädchen Nachdenken, dann haben sie einen Herzenskummer/ versetzte er ernst.
„Ci so, meinst Du, wir Mädchen wären gar so ober» sachlich?" rief sie eifrig. „Man tarnt doch auch mal über die Ungerechtigkeit des Schicksals und der Menschen nachdenken."
„3a, die Menschen!" sagte er tief aufseufzend. „Sie sind so ungerecht, besonders m chrem Urteil über einen andern; sie sehen nur das Aeußersiche, ohne noch den Beweggründen für eine Handlung zu suchen. Und wenn Btan’s merkt, daß man ungerecht beurteilt wird, so ist bas sehr kränkend."
„Wie — wie meinst Du bas?" fragte sie, ch« forschend betrachtend. „Hat Dich jemand gekränkt?"
nicht ins Hintertreffen geraten. Auch unser heimatlicher Wahlkreis, der in der Reorganisation begriffen, bereits erfreuliche aufbauende Arbeit geleistet hat, wird jetzt aus Grund der Anregungen, die in Berlin gegeben sind, in lebendiger und tatkräftiger Kleinarbeit mit erhöhter Parteifreude, Parteidisziplin und Parteibegeisterung sich an? Werk machen, dieO r g a n i» fation unter Dach und Fach zu bringen.
Auf dem Parteitage sind alle Fragen, die baS politische Leben feit dem Zusammenbruch des allen Deutschlands beherrschten, besprochen und die Haltung der Fraktion zu ihnen ist geklärt worden. Tie Erwerbstände hatten Gelegenheit zu sagen, was sie drückt und sie haben das in der AuSiprache au?« giebig getan. Das war gut so. Die Gegensätze im Kampfe um die wirtschaftlichen Interessen können nicht aus der Welt geschafft werden, aber sie müssen ausgesprochen und besprochen werden, damit man klare Richtlinien ziehen kann für den Weg der ausgleichenden Gerechtigkeit. Von besonderer Wichtigkeit war die Aussprache hinsichtlich der Kulturpolitik deS Zentrums. Jeder, der die politischen Vor- gätige seit der Revolution aufmerksamen AugeS verfolgt hat, mußte klar erkennen, daß unser gesamtes öffentliches Leben einer immer mehr zunehmenden Entchristlichung zugeführt totttbe. Diesen Bestrebungen gegenüber war eS Aufgabe und Pflicht der Zentrumspartei, ihre kulturellen Grundsätze zu vertreten und zu verteidigen. Und eS muß zugegeben werden, daß die Zentrumsfraktion diese ihre Aufgabe mit allen Kräften und mit gutem Erfolg gelöst hat. Man denke nur an die schweren Kcimp'e, die in Weimar bei der Beratung der Verfassung, über die Gestaltung des Verhältnisses von Staat und Kirche und über den großen Komplex der Schulfragen auszu fechten waren. Gewiß sind nicht alle unsere Wünsche erfüllt worden. Es galt eben, auf dem Boden eines Kompromisses mit den anderen Regierungsparteien das beste zu erreichen, was zu erreichen war. Und wenn vielfach im Lande draußen an der Fraktion verübelt worden ist, daß sie in diesen kulturellen Fragen sich überhaupt mit der Sozialdemokratie in Verhandlungen eingelaffen hat, so gilt es doch, zu bedenken, daß ohne diese Verhandlungen und ohne die Kompromißpolitik Ergebnisse zustande gekommen wären, die unserer christlichen Weltanschauung den größten Schaden zugefügt hätten. Darüber ist in Berlin alle nur wünschenswerte Klarheit geschaffen worden. Gezwungen, taktisch mit der Sozialdemokratie zusammenzuarbeiten, bleiben wir doch gründsätzlich die schärfsten Gegner der Sozialdemokratie. Das da»f kein taktisches Zusammengehen verwischen, und die Genoffen im Lande mit ihrer verbohrten Hetze gegen das Zentrum sorgen ja dafür, daß unseren Parteiangehörigen diese Wahr- heil nicht aus dem Gedächtnis schwindet. Das Zentrum bleibt, was es war, ein Bollwerk der christlichen Weltanschauung.
Die Parteitage des Zentrums sind nun ins Leben getreten. Gleich der erste hat gezeigt, wie überaus zeitgemäß diese Einrichtung ist. Loben wollen wir ihn aber erst, wenn den Beratungen und Anregungen allenthalben die Taten folgen, wenn neues freudiges Parteileben sich entfaltet, und infolgedessen der Besitzstand unserer Partei nicht nur gehalten, sondern auch Neuerwerbungen gemacht werden. Das Geheimnis solchen Erfolges ist rege Kleinarbeit! Wir wollen sie unentwegt und unermüdlich leisten. Hie gut Zentrum allewege!
Holland lehnt die Auslieferung des Kaisers ab.
Die holländische Regierung lehnt in einer Ant- worinote die Auslieferung deS Kaisers ab. Die
„Das ftagst Du noch? Fühlst Du Dich gar nicht schuldig?"
Sie riß die Augen weit auf. ,Zch?" fiagte ste erstaunt.
„Natürlich Du!" versetzte er, ohne den Blick zu erheben; er rupfte emsig cm seiner Ente.
„Aber was hab' ich Dir denn getan?" rief sie.
„Getan?" wiederholt« er. „Getan hast Du nichts, aber eine Menge Unterlasten. Du hast nicht mitgehalten, wenn wir uns all« untertjietten, Du warst nicht em bißerl lieb mit mir, hast mir kein Weckenzipfel und feinen von Dir angebistenen Apfel geschenkt wie früher, kurz, Du warst abscheulich."
„Aber Gustav," sagt« sie schlichtem, fichtlich gedrückt von dem Gewicht der gegen sie erhobenen Beschuldigungen.
„Richtig!" unterbrach er sie rasch; „Gustav hast Du auch immer gesagt statt Gustl oder gar Gusteck."
* „Aber Du, Du hast Dich doch mir um Ditha gekümmert und gar nicht um mich, alle Witze hast Du chr ex- zählt und beim Spaziergang hast Du Dich in ihren Arm gehängt und hast ihren Sonnenschirm getragen und da soll ich Dir Weckenzipfel und Aepsel schenken und Gusterl sagen, wenn Du mich doch nicht leiden magst und . . ." es ging ihr fast der Atem aus, so hastig und fast schluchzend hatte sie das alles hervorgesprudelt.
Entzückt sah sie Gustav an, sie war so herzig in ihrem Eifer mit den geröteten Wangen tntd den ftnchtschmmern- den Augen; am liebsten hätte er sie an sich gezogen und so recht von Herzm geküßt, aber er mußte seinen Vorteil wahren; und es war für ihn entschieden vorteilhafter, den Gekränkten zu spielen und sich versöhnen zu lasten als um- gekehrt die Kleine zu versöhnen.
„Na ja, wie ich sage: nach dem äutzevm Schein beurteilt," sagte er, resigniert seufzend. „Also Du glaubst, daß ich di« Ditha lieber habe als Dich?"
„Nun ja, freisich," entgegnete sie kleinlaut, durch feinen Ton stutzig gemacht.
„Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen," deklamierte er in der Art der Tante Amalie. „Weißt Du, worum ich mich ein bischen mehr um Edith gekümmert habe?"
„Nun?" fragte sie gespannt.
„Weil ich Deinen Bruder Waldemar ein wenig retzen wollte, er ist zu wenig keck im Werben, darum wollt« ich ihn eifersüchtig machen und dadurch fördern," log er kühn, denn er wollte des Mädchens kindliches Gefühl nicht kränken, indem er ihr sagte, daß es ihm eigentlich nur darum zu tun war, dm guten Onkel Kienholz zu ärgern. Die Kleine iah ihn ungläubig an.
niederländische Regierung weist darauf hin, daß die Verpflichtungen, die sich für Deutschland au5 Artikel 225 deS Friedensvertrages ergeben können, nicht geltend gemacht werden können, um die Pflichten der Niederlande zu bestimmen, die an diesem Vertrag nicht teilqenommen haben. Die niederländische Regierung könne die durch die Forderung der Mächte aufgeworfene Frage nur von dem Standpunkt ihrer eigenen Pflichten betrachten. Im vorliegenden Falle könne sie keine andere Pflicht gelten lasten als die, die ihr die Gesetze des Königreichs und die nationale Tradit on auferleg en. Weder die Etaatsgesetze des Königreichs noch die Jahrhunderte alte Tradition, die von jeher die Niederlande zur Zuflucht aller derjenigen gemacht haben, die in internationalen Konflikten unterlegen, gestatte der niederländischen Regierung, dem Wunsche der Möchte zu willfahren und dem vormaligen Kaiser die Wohltat dieser Gesetze und dieser S'.rabit'on zu nehmen. DaS Recht und die nationale Ehre, deren Achtung heilige Pflicht sei, widersetzten sich dem. Das niederländische Volk dürfe bae Vertrauen derjenigen nicht verraten, die sich feinen Einrichtungen unvertraut hätten.
Holland war es feinem Ansehen in der Welt schuldig, die Forderung der Entente aus Auslieferung Kaiser Wilhelms abzulehnen. So nur konnte dieser Staat den Beweis erbringen, daß ihm das politische Asylrecht auch in der Tat als heilig und unantastbar gilt. Wir hatten von Holland keine andere Haltung erwartet als diese, und wir sind unserem Nachbarland dankbar für diese Stell uncmolnne. Wir wiffen, daß der kleine neutrale Staat sich in einer sehr schwierigen Lage befindet. Die Entente ist Herrin der Welt, sich ihren Wünschen widersetzen, kann schwere Unannehmlichkeiten und empfindliche Benachteiligungen zur Folge haben. Die Anwendung militärischer Zwangsmittel freilich braucht Holland kaum zu fürchten, denn dazu bietet sich kein rechtlicher Anlaß. Das soll nun aber nicht darüber hinwegiäuschen, daß di« Alliierten doch Druckmittel genügend zur Verfügung Haven, um Holland das Leben schwer zu machen. Um so höher ist die mutige Haltung der holländischen Regierung einzuschätzen.
cg Genft 24. Jan. #£el.) Die ablehnende Antwort Hollands ist Freitag vormittag 10 Uhr in Pari? überreicht worden. Die Pariser Presse kündigt bereits eine zweite schärfer gefaßte Note an Holland an.
cg Rotterdam, 24. Ian. (Tel.) Reuter meldet: Lloyd George fielt in Parts eine Ansprache an die Pressevertreter, worin der Prämierminister davon Kenntnis gab, daß die Aliierten beschlossen haben, ihre Forderung nach AuslieferungWilhelmsll. nicht abweisen zu lasten. Die alliierten Mächte seien darin einig, daß dem Kai'er gegenüber alle völkerrechtlichen Zwangsmaßnahmen anzuwenden seien. ______________
Die Heimkehr aus Frankreich.
Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit: Der auf vier Linien erfolgende Abtransport der linksrheinisch beheimateten Kriegsgefangenen aus dem französischen Kampfgebiet ist seit dem 20. Januar int vollen Gange. Aus dem französische« Hinierlanbe werden Heimkebrerzüge vom 25. Januar an abgelagert, und zwar alle zwei Tage ein Zug für Mannschaften und alle vier Tage ein Zug für Offiziere. Da die Gefangenen au5 dem linksrheinischen Gebiet, die im französischen Hinter- lande interniert sind, mit vier Zügen restlos abbe» fördert werden können, beginnt Der Ab transport der Unteroffiziere und Mannschaften, die aus dem französischen Hinterlande in das unbesetzte Deutschland heimzubefötbern sind, am 29. Januar, der der Offiziere am 1. Februar.
„Ist bas auch wirklich wahr?" fragte st«.
„Mit welchem Recht zweifelst Du daran?" fragte er beleidigt zurück.
„Weil, weil" — begann sie, bann schwieg sie plötzlich. In ihr tobte ein gewaltiger Kampf; der Papa hatte es doch so streng verboten, von Ediths Reichtum zu sprechen und werm sie es jetzt täte, so handelte sie nicht nur dem väterlichen Gebot zuwider, sondern auch zu ihrem eigenen Schaden; denn wenn Gustav sich wirklich ein wenig für Edith interessierte, so mußte die reiche Erbin noch begehrenswerter für ihn fein. Die Männer find heute so erbärmlich schlckht, das wußte Mariecheu schon von der Trine, und die hatte es an sich selber erfahren. Aber der echte herbe Mädchenstolz in ihr trug den Sieg davon; wenn Gustav dem Gelbe nachging, so mochte er gehen, sie hatte dann nichts cm ihm verloren; und mochte sie bann auch der Vater schelten, was lag daran? So roeh taten bi« Schelle nicht als die Enttäuschung, die sie in ihrer jungen Webe erlitten Hatto.
„Nun well?" fragte Gustav ungeduldig, well sie so lange schwieg. Sie warf den Kops trotzig m die Höhe.
„Well Edith reich ist, und reichen Mädchen macht man nicht zum Spaß den Hof und man hilft auch einem andern nicht ihre Gunst gewinnen; bie behält man schon für sich selber."
Nun leuchtete es in Gustavs Augen plötzlich aus wie flammende Entrüstung: er gab sich einen Ruck, daß die halbgerupste Ente zu Boden fiel und unbewußt ballte er die Hände.
Dis jetzt war ihm dke Unterredung mit Ma riechen ein süßes, reizvolles Spie! gewesen; er kannte den Her- zensznstand seiner fleinen Base so genau, teils aus feiner eigenen Beobachtung, teils aus dem heutigen Morgengespräch mit seiner Mutter. Ihre Tränen und Seufzer, ihr Sehnen noch dem Tode hatten ihm so weh getan und nur mit äußerster Selbstbeherrschung hatte er es vermocht, die andern auf dem Spaziergange zu begleiten; mit welcher Wonne war er zurückgeeilt, nachdem er sich mit em« Ausrede von den Begleitern losgemacht hatte; und als er das Mädchen erblickt hatte, rote selig hatte es ihn da durchzuckt und wie gern wäre er auf sie zugeeilt und Höste sie samt ihrem Entenkorb umarmt und ihr gesagt: „Sei mein, Du mein Liebstes für alle Zeit!" Aber da war es ihm plötzlich reizvoller erschienen, fie langsam, ganz langsam vorzubereiten für das große Glück, das er 1 ihr schenken wollte. Und mm war auf einmal das häßliche gekommen, das er m dies« reinen jungen See!« wie i gesucht hätte, der verdacht einer Berechnung
^Fortsetzung folgt} l
Aus de.u besetzten Gebiet.
(Ein schwerer Hebet rdff der Belgier. Ein«, färmeren Eingriff in die deutsche Justiz haben sich die Belgier im Kreist Mors zu schul!, * *n kommen taffen. Die Ll.-G. Friedrich Heinrich hat m. Steinkohlenbergwerk in Ant- sort< (Kreis Mörs), besten Aktien sich na: dem Kriege teil (Seife in französischem Besitz befanden, während des Krieges ab« im Wege bet gesetzlichen Liquidierung an das benachbarte rheinifche Stahlwerk Duisburg-Meidench überging; die beiden Gesellschaften haben sich dann fusioniert. Durch den Friedensoerimg sind bie Liquidierungsmaßnahmen, die während des Krieges in bezug auf feindlichen Besitz auf gesetzlichem We^- getroffen, worden sind, grundsätzlich mich für die Zukunft als gültig an«« kamst worden. Nun haben die französischen Aktionäre, statt Ansprüche auf Schadenersatz aus den ihnen zustehenden Werken bei deutschen Gerichten zu «he^n, einfach militärische Mittel angeroanbt. Aw 10. Januar hat der belgische General Michel an das Amtsgericht . Lüstfort den Befehl «taffen, die Liquidierung rückgängig zu machen und bie vorkriegsmSßigen Eintragungen in Handelsregister imb Grundbuch cngeotiwut Das htbsw Ser Gerichtsasiestor Hüsgm und der Registerchühr« Braut- lach a I gel ebn t, obwohl Hnsn Geroaltmahnah» m e n angedroht worden waren. Darauf ergriff der belgische General selbst bas Handelsregister und das ®'unb> buch und mlichte eine Eintragung, welche den vorkriegs- Niäßigcn Zustand wird« herstellte. Eine Zusatzbemer- kung des Assessors Hüsgen erklärte die belgische Eintragung als widerrechtlich oorgsnommen und daher ungültig. Hüsgen und Brautloch wurden bann verhaftet und im Lastauto nach Krefeld v«bracht, wo ste vor das belgische Zuchtpolizeigericht gestellt werden.
Koblenz, 23. Jan. Der Äuaenarzt Dr. Herman.-, in Neuwied jft von einem belgischen Beamten in Seglet- tuna eines amerikanischen Soldaten ohne Angabe bmt Gründen verhaftet und abtran«portiert worden. Man vermutet, daß diese nach dem Rheinlandabkommen und dem Friedeurvertrag unzesetzliche Verhaftung in Zusammenhang siebt mit der militärischen Dienstleistung Hermanns als Kommandrmtuiarzt während deS Kriege» in Tournai in Belgien.
Erhöhung der Wirtschaftlichkeit.
Unter dem Vorsitz deS EisenbahnministerS Oes« fanden Beratungen über die Neuordnung der Organisation der Eisenbahn-Hauptwerk statt en statt. Der Versammlung lag eine Denkschrift Über diese Neu« -orbnung vor die umfassende Vorschläge macht. AuS diesen Vorschlägen ist besonders hervorzuheben, daß die Hauptwerkstätten der Eisenbahnen mehr als bisher selbständige Unternehmen werden sollen. Au ihrer Spitze werden mit weitgehenden Befugnissen und eigener Verantwortung ausaeftatteie Leiter stehen, bie das Werk in technisch.wirtfchaftlichem Geiste verwalten sollen. Durch eine sorgfältige Unf ofte-nb ermittlung Wird bie Wirtschaftlichkeit jeder AbeiiSausführung über, loscht, um so bie Leistungen der einzelnen SZSer'ftätfe mit tenen anderer staatlicher Werkstätten und aleich- arriger Industrieunternehmen vergleichen zu können.
* Die Reisen in die Abstimmnngsbezirke. Zur Deförberung der Abstimmungsberechtigten in die Ab-- stimmungszone von Nordschleswrg, in der ant 10. Februar die erste Abstimmung stattfinden soll, bat die Eisenbcchnv rwaltnng eine Reihe besonderer Maß« nahmen gerroffen. So werden aus allen Teilen Deutschlands, inSbeionbete von Frankfurt a. M., Köln, Dresden, Leipzig, rote auch von Berlin am 8. Februar abenbS bezv. nachts Entlattungszüge zu ben fahrplanmäßigen Zügen gefahren werden, die in den Morgenstunden des 9. k. M. in Hamburg eintreffen. Die sich hier versammelnden Abstimmungs- beiechtigten werden dann in den Vormittagsstunden besondere Züge nach ihrer engeren Heimat finden. Die Rückbeförderung au$ den Äbstimmungsbezirken soll auf gleiche Weise geregelt werden.
* Die Finanzierung der Ausfuhr nach Europa. Die Londoner .Daily SRaU* berichtet aus New- Ao rk: Eine Anzahl Bankie'S bat ein C earing- house (Abrechnungsstelle) mit einer Milliarde Dollars errichtet zur Finanzierung der Ausfuhr nach Europa.
* Im Ruhrgebiet herrscht in der Arbeiterschaft wieder eine gewisse Spannung. Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbetierverbänsen wegen eines neuen Tarifvertrages, der auch bie Arbeitszeit umfaßt, sind im Gange. Gewisse Teile der Berg- aibeiterschaft, die dabei auch von politischen Motiven getrieben werden, wollen von der Forderung der SechSstundenschicht nt t ablassen, ja, sie gehen sogar darauf aus, die abermalige Verkürzung der AkbectS- zeit durch Gewalt zu erzwingen.
Erzberger—Helffrich.
Donnerstag wurde bei b« Fortsetzung der DerhanN- lungen im Prozeß Erzberger-Helfserich mit her Be. weiSaufnahme über die Behauptung HelfferichS bezug, lich einer Verquickung der politischen Tätigkeit Erzbergers mit der geschäftlichen begonnen. Der Hauptzeuge zu diesem Punkte, ter Großindustrielle August Thyssen, war wegen Erkrankung nicht erschienen. Da beide Prozeßparteien auf diesen Zeugen unter keinen Umständen verzichten wollen, soll August Thhffen lonnnis- sarisch vernommen werden. Dr. Helffertch warf Erz. berger vor, daß er während bet Zugehörigkeit zum Thysienschen Unternehmen für weitgehende Annexionen eingetreten ist, während er nachher sich zu einer gegen- sätzl. Auffassung bekannt habe. Erzberger habe die der normannischen Küste vorgelagerten Inseln, ferner das Erzbecken von Brietz und andern territorialen Zuwachs befürwortet. Nach feiner Wiener Reise fei Erzberger von diesem Programm abgekommen. Eigenartig sei auch daS Verhalten Erzbergers in Sachen der Ausfuhrabgaben für Eisen und Kohle. Ter von der Re. giewunig geplanten Erhebung dieser Abgaben brachte Erzberger erst keinerlei Verständnis entgegen _ Nach, dem er aber aus dem Thhsienkonzern cruS geschieden war, habe er selbst einen Antrag eingebracht, solche Abgaben nicht nur in Zukunft zu erheben, fondern dstfe auch nachträglich noch von der Industrie einzuziehen.
E r z b e r g e r, als Zeuge vernommen, schilderte fein Verhältnis zu dem Thyssen-Konzern. Thysien sei wiederholt in ben Reick-Stag gekommen und habe mit ihm über volkswirsichaftstche Dinge gesprochen. Thysien gab im Verlaufe der Jahre oft sehr wichtiges Volks- wirtschaftliches Material, das Erzberger verwendete. Niemals habe ich. fo erklärte Er-berget, dafür eine Vergütung oder auch nur ein Geschenk angenommen. Ich hab« solche Beziehungen auch zu anderen Industrie, tonten unterhalten und bin z. B für die Förderung der Fabrikation deS Dieselmotors bet ZeppelinwerkstA» ten ufto. eingetreten. Im Mai 1916 bat mich Thysien, eine Auft'ichkSralSstelle im Thyssen-Konzern und in einem damals in Der Thysienschen Familie schwebenden Erbschaftsprozeß die Stelle eines TesramentSvollst^^'"