47. Zahrg
Zreitag, 23« Januar >920. -
slr. 18
(Lebh., anhaltender Beifall.)
Schließlich sprach ~rL Maria Schmitz über Schule und Verfassung.
schließen mit dem Avschiet-swort Winbthorft's. das er 1887 in Köln sprach: „So schwierig auch die Vechcnt- nisie sind: trenn wir treu sind uns selbst und der -Sache, die wir vertreten, dann wird auch Gott mit unS sein. Tenn wa« wir vorzugsweise erstreben, das ist Gottes Sache!" (Lebh. anhaltender Beifall.)
Hierauf refmett Aba. Prof. RncS über
Staat u n d Kirche im neuen Deutschland.
Meine Aufgabe ist es, die toiditunten Schulbesnm- mungcn bet Verfassung vor Ihnen kurz zu werten. Zweierlei möchte ich dadurch erreichen: Einmal daß Sie alle und durch Sie die Parteifreunde im Lande dar Erreichte nicht unterschätzen dann aber auch, daß Sie erkennen, daß wir uns-über dessen Unzulänolichkett durchaus klär sind. Fa, ich möchte daß jeder Delegierte ■js sich zur Aufgabe machte, zu Hause darüber aufzuklären, welche Schwierigkeiten für die 7 -ns d-r Reichsver'asiung erwachsen tret;»
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Der Zentrrrmsparteitag.
N Berlin, 21. San. Wie das Deutsche Reich sich eine neue Verfassung gegeben hat, so soll auch die Zentrumspartei ein neues Parteistatut bekommen. Diese neuen Berbandssatzungen, die der Abg. 5r. Brauns in einem großzügigen Referat beieuch- tet. tragen aber nichts Revolutionäres in sich oder an sich, sondern wollen nur dem alten Geist des Zentrums als einer christlichen, volkstümlichen und nationalen Partei einen festeren, leistungsfähigeren, den neuen Verhältitissen und Bedürfnissen Entsprechenden Körper geben. Als neu ist nur anzuiprcchen, daß im Wleicl sthrirl mit der gesamten nativitalen Entwicklung die Z-ntrumepartei zur einheitlichen Organisation für da? ganze Reich sich entwickelt, und daß entsprechend dem größeren Einfluß und der wachlenden Aufgasten der politrschen Partei die Organisalton straffer ausgebant und auch die materiellen Grundlagen der Partei- tätigkeir nicht mehr dem guten Glück überlasten werden, tote es bislang größtenteils der Fall war.
In der Diskussion wurde von berufenen Vertretern der Zentrnmspresse beklagt, daß die Fühlung und das Zusamwenarveiten von Fraktion und Prefle nicht regelmäßig und ausgiebig sich gezeigt habe. 2te Kritik der bisherigen Mängel wurde aber gemildert durch den kühnen Plan einer Neuschöpfung, einer zentralen Preßstetle der ZentrumSpartei, die für dis Information der Zeitungen und damit für die politische Belehrung der Parteigenossen sowie für Die stete Fühlung zwischen der Fraktion und der Wählerschaft bahnbrechend wirken kann. Bei richtiger Durchführung des vereinbarten Plattes darf man auch auf die Erfüllung dieser Hoffnungen rechnen. Auf unserer Seite wird damit nur nach- geliolt, was andere große Parteien in der Vermick- lung von Berichten und Informationen für ihre Parteigenossen längst tu Gang gebracht haben.
So stand der Mittwoch bereit® unter dem Zeichen »es (rischen Fortschritts, der schöpferischen Initiative. Die formulierten Beschlüsse sollen erst au dem folgenden Reiolu-ionstage erfaßt werden: aber d:e Annahme der Vorschläge in ihren wesentlichen Punkten steht schon sicher. .
Am Nachmittag wurde noch die wichtige Fra nen- sragc durch ein umfassendes Referat von Fräulein Dransfeld in Angriff genommen. Wte man fleht, werden an Ohr, Herz und Gehirn dec He« .Vollmächtigteil zum Parteitag große Anforderungen gestellt. Es geht aber nicht anders, wenn die gewaltige Menge des Stoffes gründlich verarbeitet weiden soll. Ein Redner meinte, es sollte weniger R» fcrate und mehr Diskustion geben. Wie überall, so kommt es auch hierbei auf den Meck näßigen Ausgleich an. Ohne ein gründliches, übersichtliches Referat würde die Diskussion ins Uferlose auSein» anbei gehen, und in fielen Einzeiklat stelluvgen würde mehr Zeit verbraucht, als das klärende R-ferat et» so,deri hat. Zudem ist tatsächlich festzüstellen, daß der Diskustion überall breiter Raum und volle Freiheit gelassen woiden ist.
Emen Beitrag zur Redefreiheit liefert auch die berlr anI id)e Sitzung vom Dienstag KemMenscb tarn fortan behaupt n, daß auf dem Parteitag dcS Zeutrums der rückgaliloien Meinungsäußerung irgend eine S braute gezogen worden ist, fei es auch nur mittelbar durch die Scheu vor persönlicher Kritik. Die geheime Sitzung bedeutet eine Auffordertit g, ungehemmt alles auszusprechen, was man gegen diesen oder jenen Abgeordu e t auf dem Herzen hat. Das Ergebnis dieser Probe war, daß auch gegen die meistumstritlene Persönlichkeit Erzbergers nichts zum Vorschein kam, was nicht in der Oestent- lichkeit schon gesagt ist.
Der Meinungsaustausch ist gründlich und frei; das verbürgt seine Fruchtbarkeit.
Die Kulturpolitik des Zentrums.
ss Berlin, 22. Ion.
Nachdem in den ersten Tagen die politischen, b e lvu tichaftspoliuschen sowie die organisatorischen Parteisra en auf dem Parteitage in eingehender Aussprache et örtert worden waren, widmete man den letzten Verhandlungs-ag den wichtigen Fragen der Kulturpolitik. Der Parteitag krönte damit sein Werk. Ter Bedeutung dieser Fragen entsprach der Verlauf der Sitzung. In ihre Leitung^ teilten sich der erste Vizepräsident Por i ch und Präsident Fehrend ach. Die für diesen Gegenstand vorgesehenen Referate wurden geschloffen zum Vortrag gebracht und dann einheitlich zur Diskussion gestellt. Zuerst sprach Prälat Dr. Mansbach über
die Kulturpolitik des Zentrums im Reich.
Wenn die Sozialdemokratie es an, Selbstdisziplin, an staarsmännncbem Sinn hat fehlen lasten, bann in her Art und SS»ne. die man in den ersten Wochen der Revolution gegenüber dem Poblem Staat und Stirfje beliebt hat. (gebt). Zustimmung und Beifall.) Nach- tränltrf, hat die Sozialdemokratie den Fehler eingesehen und eingelenkt. Aber das einmal gewarnte chrsiir- lid)e Deutschland ließ tiäi nicht mehr irre machen, um« somchr als auch in mehreren Einzelstaaten soztaldemo- tratikche Kultusminister einen Tatendrang zeigten, der Schlimmes befürchten ließ. An dem entschlossenen Willen der christlichen VolkSteile beider Konfeffionen kam die revolutionäre Sturmflut zum Stehen. (Bei;au.) ?(n beherrschender Stelle, in vorderster Reihe der 'Sei- teidiamm für Religion imb Kirckze stand uneischut-er^ der Zentrnmsntiim. (Lebh. Beifall.) Auf den,stürmischen Kampf der Ideen und 'Weltmuchaungen folgte die nüdncin» parlamentarifdic Arbeit in Weimar. Die Not dec, Vaterlandes erzwang die K o a l i t i o n d e r Mehrheitsparteien. Schweren Herzens beugten mit uns dem unerbittlichen Muß des Augenbl äs — selbstverständlich iinter Sickerung voller Akttonsfrei- beit auf hi Hure Han Gebiet. An sich Ware es moglick etivefen die Frage des Verhältnistes von Kirche und Staat aus der Verfassung anszm'chcidem Aber damit wäre der Sache nickt gedient gewesen. Wir, Hatteri vielmehr der bürgerlicher, und sozraldemokratiichen Lenken geradezu einen Gefallen dennit getan. Und die Folge wäre gewesen, daß wir später dock gezwungenworden toarerl reichsgefetzlich zu hem Problem Stellung zu nehmen bann aber vielleicht unter Umstanden, die für eine wirksame Geltendmachrmg unteres Standpunkte» ungünstiger waren, als setzt. (Lebh. Zust.) Untere grnndfähliche Stellung zur Trennung von K r r ehe und Staat konnte unb durste von vornherein nur ablehnend fein. (Sehr richtig.), Wir hatten aber her Sacke schlecht gedient toenn wir unsere Mit- nstrkung^ verweigert hätten. Praktische Mitarbeit unter Wahrung unterer Grundsätze erschien uns als die beste imb wirksamste Form der Abwehr. (Lebh. Just.) Wenn wir heute das Ergebnis überblicken, bann heg», mr- gewiß nickts ferner als selbsipemigsan« Zufrte^nheü Was die neue Verfassung enthält, deckt sich mckt mck unseren Idealen. Aber es hieße Polstu tm Jufhcercn Saunt machen, wollten wir das Erreichte auchchltetzlich messen cm unseren Idealen und nicht auch ent oet Wirklichkeit und harten Tatsache, die nickt von unserem Dillen abhängen Das erreicht wurde, ist dos H o ch st> maß dessen was unter den 9C O/.1) to.a.rf 1 gen politischen M a ck t v e r h a I t n i sl e n überhaupt zu erreichen war. (Leoh.Detstt Redner,hielt sodann einen Ueberblick über die einschlägigen Bestimimmgen der Reichsverfassunw und werft 'm Besonderen darauf hin, daß völlige Glaubensfrei, beit geschaffen ist, völlige Freiheit für die religiös en Orden und Genosienschaften und zede Ausnahmegesttz- Mmng gefallen ist. (Lebh. B-if.) Alles in allem-genommen hat hie in der Verfassung angebahnte Neuorientierung zwischen Staat und Krrcke sich tn ertr ag- sichen Formen vollzogen. Der Komprom ßcharakter ter Weimarer Verfassung in der Frage der Trennung von Staat und Kirche liegt offen zutage. Zwei Welr- linschaimngen ringen miteinander. Ans her einen Seite bc§ Zentrum auf der anderen Seite der buraerlicke Freisinn und ter Sozialismus. Die Weimw-er Der. fastung steht am Wendepunkt Zwischen dem christlichen imd dem relichös-neittralen Staate. Kein Wunder, daß in dnn ^Kampfe ter gegnerischen Anschauungen Gedanken aus beiden Lasern in ihr zusmnmengeslossen sind. Die Weimarer Verfass'.lng bedeutet also für Deutschland einen Wendepunkt in dem Liahrhunderle alten Verhältnis von Staat und Kirche. Wo wird her Bten der hier beschritten wird enden? Wird er einen Ausstieg bringen., ober einen Absturz. Tas ist d'e Schicksalsfrage, di« jedem, der Land und Volk liebt, auf dem Herzen bremst. 'Zuversickklich, wenn auch ernst und sorgenvoll sieht das katholttcke Deut,cklemd der kommenden Trennung entgegen. (Lebh. Beifall ) Eines müssen wir dem modernen Staat laut und eindringlich zürnten daß er selbst ter Leidtragende sein wird wenn er di» Kräfte hemmt itrh lähmt, auf denen letzten Ende« seine eigenen Grundlagen ruhen. (Sehr richtig.) Wenn irgendeine Staatssorm der DurelGbm'na durch die lebendigen Kräfte der Religion und Sittlichkeit bedarf bann ist es die Demokratie. (Lebh. Zickt.) Wehe hem iMinen demokratischen Deutschland, wenn es jemals glauben wollte aick sie verzickten zu können. (Lebh ' Frist.) Acht' heißt den Machthabern bet neuen Zeit mit aller Einbringkichkeit zuzurufen: Sorgt basür. daß die Altäre stehen bl et* benl (Beifall.) Die Trennung von Staat und Kirche ist in der Reicksdetfasiimg höchstens an gebahnt, aber keineswegs dirrckaesührt. Alles wird davon abhangen, tote die Änsführmigsgesetze sich gestalten. Der Rahmen, der in Weimar gezogen wurde, ist elastisch genug, um eine Form für die Auseinandersetzung zu finden, tue hem neuen Deutschland Ehre machen kann. (Lebh. Frist.) Hier erwächst dem Zentrum eine Aufgabe von säkularer SBebeuhmg. Bleibt das Zentrum stark dann wird bte Durckfühmmg der in der Reicksverfasnmq niedergelgten Grundsätze für Religion und Kirche stich auch toeiterbin in frietlichen.Bahnen bewegen. i«ehr richsiaB Wehe im6 aber in demselben Augenblick, wo wir duick Uneinigkeit im eigenen Lager das Bollwerk unterminieren wollten, da? altem die G"wäbr einet aussichtsreichen Zukunft für Religion und K rcke bietet. (Lebh Zust.) Don der Klugheit unb Kraft, von her Stärke und Ucberzeugungstreue des Zentrums wirb es in erster Linie abhänaen welches die ösfentli ätzt e ck t» liche Stellung der Kirche im neuert Deuts chland sein wirb. (Stürm. Zuit.) von ihm wird es abhänaen ob cs gelingen wird, unser Vaterlanb wieder zur Höhe zu bringen, in eine glücklichere Zukunft wo Deutschland einntünbet in die Bah. neu einer christlichen Demokratie, bie in sozialer Ge. reckstigkeit iimd aufrichtigem Brudersinn bem Volke gibt, toaß des Volkes ist. aber auch Gott, was Gottes ist.
den bamit das christliche Volk sick rüste, seine Recht« zu verteidigen, tarnst es nicht am Zentrum irre werde Ivenn demnächst vielleicht Schulkämvfe kommen die wir Abgeordnete vorausgesehen haben, aber leider nicht aö wenden konnten. Das größte Interesse haben für uns natürlich die Bestimmungen, die die religiös, konfessionelle Erziehung sichern sollen. Das Zenrrum steht unverrülkt auf dem Standpunkt, daß die konfessionelle Schule bte beste, unb darum soweit irgendwie möglich erstrebenswert ist. Es gehört eint große Menge von Mut dazu, in der Lage, in bet wir Mis befanden, den Versuch, öffentliche laufen terneue Schulen zu retten doch zu unternehmen. Die Zentrumsfraktion hat ’ ben Kautpf um dieses Ziel ausgenommen. Wenn es uns allen auch hier fcuntoeritattT. lich erscheint daß in eine konfessionelle Schule Rel r g i o n S u n t c r r i ch t das entsprechenben Betenntnst- ses hineittgehöre, so haben wir es hoch ratsam gehalten, das durch die Verfassung ausdrücklich festzulegen. Ra- mciillick schien es aber notroentig, Bestimmungen über den Religionsunterricht zu treffen tm Hinblick auf bte Simullanschulen. Wir dürfen es als eine errungen« schuft bezeicknen. daß Artikel 149 ben Religionsunter- riebt als ordentliches Lehrfach der Schulen festlegt und auch bestimmt er solle in Uebereinstimmung, mit cen Grundsätzen der betreffend«-! Religionsgefellschasten erteilt werden. '
Wir haben et nach der Lage ■ der Dinge noch als einen Erfolg auseben müssen, daß ter Charakter des ordeistlichen.' Lebt stackes gewahrt wurde d. h., «ines Lehrfaches, das in der Schule erteilt werden muß. Ick macke austrücklick daraus aufmerksam, daß in diesem Artitel nickt etwa nur von bet Volksschule die Re^ ist Es heißt ganz allgemein „ordentliches Lehrfach ter Schulen". Der Religionsunterricht, muh fonttl auch in anderen Schularten, auch in den höheren Schulen im Lehrplan enthalten sein. Die übrigen Bemm. mungen zur Sicherung d-s konfesiwnellen b»r Schulen beziehen sich ausbrücklich aus die Volksschulen Höhere Brivatschulen müßen genehmigt werden toernn sie in ihren Lehrzielen ElnricktunMN unb her Wissenschaftlicken Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen zurückstehen, wenn sie ch« Lehrkräfte in wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht entlprcckenb stellen und wenn sie keine Wsonderung ter besser gestellten Schüler bewirken. Damit werden hohe Anfordeiumen an die Privatschulen gestellt Wir werden nackdrücklickst fordern müssen, baß . durch ,kte Reichsschulgesetzgebung grundsätzlich «rniytamti tratD, tnft sie aus öffentlichen Mitteln Zuschuffe erhalten. Und ich glaube das christliche Volk wirt Ück mehr als bisher an den Gedaukeii gewohuen müssen, setost Opfer zu bringen wenn es feine Privatschulen erhalten troll. 6tera.de für die höhere Frauenbilbung, die zum sehr gao» üen Teil in ihre-r Hand liegt, ist die Stärkung bet Privcttsckulen von äußerster Wchtigkett.
Grunbsätzlick beiHmmt jetzt die Verfassung. daß Kinb-r aller Stände in jede Schule ausgenommen wer. den können (Art. 146), daß durch öffentliche Mittel ärmeren Schülern der Zugang zu den höheren Scksilen erfcklossen, imb für sic bis zur Beendigung ihrer Ausbildung gesorgt werden mülle daß selbst bie ^.rida^ fchulem i-3 möÄick macken müssen. Kinder aller Stanve mifzunehmen. (Art. 147.) Der Aufstieg auch au8 ben unteren Ständen unseres Volke? durch bessere Sckulbilbimg soll dadurch gewährleistet sein daß alle Schularten auf einer gemeinsamen Grundschule ante bauen, unb bah sick ba§ übrige Schulwesen orannisH bckr Volksschule analie^bert. Aus dem gleicken Mrunb« gedanken und bem Wunsche der Versöhnung der Sande geht auch bie Bestimmung des Art. 147 hervor, daß privat- Vorschulen aufzulösen sind.
Ts ist selbswerständlick, daß bte Reichsverfassung sich nickst in bie Einzelheiten tes Unterr'ckstS und sein« Erford-rniste eiulallen konnte. Aber al? Grundgesetz eines Staates icmnte sie wohl nickt stt'll'cktoeigenb u6ar bie Erforbernijse ber staatsbürgerlick-n B-ltung htnweg- fehen Gerne hätten wir al? Christen darüber Tiefe, res aesaat. Immerhin begrühen wir e? baß Art 148 sagt' daß in allen Schulen sittliche Dilbimg uaatsbur- aerlicke Gesinnung, persönlickie und berufliche T-icktig- leit im Geiste bes deuffcken Volkstums und der Dölker- berfohnrng zu ersircken ist.
Holsen wir, baß au§ der Neugestaltung der deutschen Sckule uns ein neues Geschleckt voller Einsicht, Tücktigkcit imb sittlick-r Kraft erwachse unb möge das Zentrum in Stadt imt Land, in den P-rrt<unenten tote brcmßen weiterhin seine aanze .Kraft dafür einsetzen, daß mögl-ckst vielen unseres Volkes und möglichst gründlich durck die Schule das vermittelt toerbe, toas auch für den Vostssiaat bie beste Grundlage staatsbürger- tiefer sitesimmmg bildet, echtes wahres Christentum! (Lebhafter Beifall.) .
Dor E-niri t in die ewentsiche mtlhirbebatfe machte Ab-, kpohn auf bie Vedeutuno des kommenden Wahlkampfes aufmerffont. E? komme habet noch mehr als bisher auf jede einzelne stimme au, da nach den neuen Wahlgesetzen die Stimmen im ganten Lande m'ammenaezäblt werden. Es wird wichtig für die Agitation im Lande draußen sein, diesen Hinweis forafältig tu beachten. Prof. Schreiber bespricht das Verhältnis be8 Zentrum? tu den Inden und betont, daß das Zentrum dir Gefährlichkeit der antisemitischen Strömung erkannt und von jeder «IS christentumsfeinblich und politisch nnfruch'bar erklärt bade. Winbthorst nut Grob r hätten sich stets in diesem Sinne betätigt. Weiterhin hat dir Zentrumsfraktion beS Preußischen Abaeorbnetenhaickes mit allem Nachdruck beim Volks« schulnwerdaltiingsaefetz den berechtigten Forderunaen des Iud-mturnS Rrßnung getragen. Die großen I idenhetzen, die in den 90er Jahren unb später in der deut'chrn Parteigeschichte einsetzten, haben sich als politisch aerakezu zerrsi-tend Herausocstellt. Wir haben irotz allen Lärmens prakli'ch kein Ausnabme- gesetz gre-en die Inden zustande gebracht. D i-ckes die eb wäre im übiigen auch intolerant, unparitämch gewesen. Wer Antisemit ist, besorgt bte Geschäfte derDeutschnationa! eu, und daß Anbänger berZen- trnmspartei die Ge-chäfte eines politischen Gegners beforgen, da? darf nie und nimmer geschehen. (Lebhafter Beifall.)
Stud. Müller aus Marburg wünscht Lehrstühle für Politik, die mit Vertretern unserer Wetton chauung besetzt werden sollen. Gegenüber ber ungeheuren Agitation ber beutsch-nationalen Volkspartei muffe auch die katholische Studentenschaft mit Mannhaftig« feit auftreten. Die Akademiker müßten mehr als bisher in die Parteiorganisationen hinein. Die Ausfuhr unacn des Redners fanden lebhaften Widerhall, । bem Vizepräsident Porsch daburch besonderen Nach- : druck verlieh, daß er dem Redner ben Dank bei Parteitages ausdrücklich aus p ah und die Akade- mifer in allen Oiganisalionen auf das freudigste willkommen bieß. Des weiteren wurde bie In a end. frage noch angeschnitten, der die Par - be sondere Aufkett zuwend-n i .
Derontwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte, tür die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefse: Fuldaer Zeitung
Die Mitarbeit des Zentrums mit der Sozialdemokratie toar aus politischen Gründen notwendig zur Rettung des Vaterlandes. Aber tote konnte das Zentrum daran denken an her Seste einer sozialist-sck-n Fraktion ben höchsten sittlichen unb religiösen Aufgaben gerecht gu toerbe n bie ihm von jeher besonders am Herzen Ionen? Der Kult:rgedanke ist nun einmal zu tief in das Werden und Wachsen ber Zentrumsvartei e.nge- ienft ihr D -ck zu stark aus jene höchsten Interessen des Gesellschasistebens eingestellt, als daß sie diese Fragen in einem Augenblick hätte zuücksteNen können, da es galt nach furchtbarstem Ziisammenbru» den Bau des bent'drn Re cks unb Volkslebens von Grund auf zu erneuern. Wollte man des drohenden kukturkämvfe. rischen Ansturms Herr toerben, so mußte man versuchen vom Reiche aus Sicherungen zu schaffen. (Lebh. Zustimmung.) Tas Z-ntrum hat we'enF ch burdi eigene Kraft unb Ueberlegung feine alten Grundsätze über Relioion imb Kirche, Bilbung und Sckule zu neuer Lsiikflchkctt durchsetzen müsien. Seine a'icn Grundsätze! (S--hr ricktzg!) Cs gibt im Zentrum in diesen wichtigen Fragen keine Meinungsverichiebenhe t, keine Abschwäckung der alten Ideale und Arbete"e e. (Beifall.) Die neuen Grundrechte und Grunk psi ick en ber Deutschen, bie ins'öesonbere kulturpolit-;chen Inhalt haben, finb reichhaltiger als bie, Grunbrechie der '[r°n*= futter unb ber preußischen Be fassung; sie entha jen mehr von Religion unb Kirche, als irgend, eineVetfassung.
Niemand weiß besi.r als bie Fraktion, daß das unter schtoierigsten Be hältninen era-beitete Werk nichts Vollkommenes barstellt, daß die Grundrechte auch Bestm, .... —•o„h.Ä
mungen enthalten, die sozial unb kulturell bedenklich mal?, niemals! In dieser Zuversicht darf «ch i Schu e -n-
sind unb darum von uns bekäytvft werden mußten. Aber die Politik ist nun einmal bie .Kunst des Möglichen. (Sehr richtig.) Es wäre die größte Torheit, wenn wir den Sinn bet G imbrechte von vornherein vcssi- inistisch herabsetzen imb eineiigen wollten statt sie in ihrer natürlichen Fassung und L>pannwe:te,auszulegen. Wollten wir hrte tun, so würden wir selbst dazu beitragen, bie Rechtsprechung im Sinne ber Öteaner zu beeinflussen. (Sehr ricktig.) Zu einer ehrl.chen und gerechten Würbigung gehört auch, baß wir, uns vergleichsweise erinnern an die schlimmen Aussichten unb Befürcvtungen, die wir alle vor Jahresfrist hegten unb hegen mußten. Die volle G l a n.b e n s- und G e- iv i s s c n s s r e i h e i t ist tatsächlich vom Reick jedem einzelnen garantiert, bie Sthtoebr aller Hntcrbritcfung aber auch der positive Schutz für die n «41 estörte Re ligi ans Übung: ztveifeklos eine wertvolle Waffe gegen alle lleinstaatücke Intoleranz unb gegen einen neuen radikalen Rcligionshaß. (Lebh, Zust.) Freie, felb)tänb:gc Orbnrmg aller religiösen Angelegenheiten verbürg jie Berfasiung, auch den Religionsse- fellschäfte«. Neben b *r Glaiibens- und Gcwiffe«sfrei- hest babe-i wir auch zrngestrebt die volle Unter- r i ch t s f r c t 6 e i t. Diesem Verlangen stellte sich, bet schärfste Widerfpruck ber Demokraten und Sozialdemokraten entgegen. Nur ber äußersten Anstrengung ist cs gelungen bie private Volksschule der Diaspora zu retten, das Prinzip ber Toleranz für alle Unterrichts, betriebe in ;ie Bexsavungbringen unb Heu höheren Privatichul.-- ein größeres Maß von Freiheit unb Un» rtl'hängigkeit zu sick rn. (Veifall.) Auch die Freiheck der r e l i g iö s e n Gen o > s e n s ck a f t en konnte nach Ueoerwindung metndter Scktoiertgkeiten gesickert werden Für d-n ckristlichen Politiker galt es vor allem, neben der Freiheit der Kirche ihr- wohlertoorbenen Rechte ihre öffentliche Stell-'ng im Staats- und Kulturleben «t ipahten. Ser Komm ist -ruck hier n-cht fruchtlos geblieben. Im Schul, unb Wldimgstoefen ist als Element der öffentlick'n Recktskuttur wenigstens der R e l i g i o « s n n t er t f cht festgelegi. (Dei-'all.)
Nun ist richtta. daß Var allem die Schulartikel unter dein dunkeln Sdiaffett stehen ben die Sorge um die konfessionelle Schule «ns auf-wingt unb c3 ist Befrern- ben oeäußert, baß und to t die Fraktion dem zwecken Schiilkornvrimckß habe zu st im men fönneu. Unter dem Druck bet Gesakr, daß das bisher Erreichte verloren gehne könne bc3 zweite Kompromiß zustande gekommen Gegenüber dem ersten Kompromiß bed-'utet es eine Verschlechterung aber im Vergleich zur Ans- schußfassnng bleibt er ein großer Fortschritt. (Beifall, s Ich- nttnbe mich nun den Zusiinsismifgckben unserer Politik m. Wir müllen und wollen dem Chtistenwm feinen Platz an bet Sonne, fein Reckt im öffentlichen Völkerlehen wahren. (Lebh. Beifall.! Freisich rnnsien wir prüfen imb unterscheiden, was sich vorn Altererbten in der neuen Ordnung hacken läßt. Wir müsien, auch, nachdem manches zusarnm-ngebrocheu ist, uns auf tot*, tere Möglickkecken eintickten wir müsien in g-m- anderer Weise wie bisher b*n freie« Trieb unb Zusammenschluß der Bürger wegen und orgmnstetrcn. Dos Uesterkiefetzte möge in Ehren bleiben, aber «eben ihm mtck ein neues erstehen ans innerltcfr-r. Ktetbckt. Denn der Staat unS nicht mehr bie chrtstsiche Sckule ber- bürat, fe muß sie durch ben organisierten E l- t e r tt to i 11 e n ceholten werden Denn d»r Ztoong ,ur Erteilung des ResigimsuntertichteS ■ woasässi, muß die vertrauensvolle Fübsirng zwischen Leh re r s ck a f. unb Kirchengemcin d'e n um fo mehr gepflegt werden. Die Krtlwliken b-r Welt sollten sick oe'^ützr mck ihre große ksichsiche Einheit. Wiebe- im religiösen td-a'ismu? die Hand reichen, itm die Men'ckhett einer wirkl'chen FriedenSära näberzubtingen. (Lebh. Dcif.)
In: Jttnetn Dei'ifchlcmd« ist das Zentrum Mon= ber§ berufen das stark erschütterte deutsche Ein- heiks-esübl zu festigen ttnb das geschwundene Vertrauen zur Staats- und GetellschastSotbn"na neu M beleben: bsides <nt8 bem fi*tl'(6»religi3frn Volks-e st heran? fe« e§ in feinen Dählermasi-n v-tkörp-rt. (Set« mTf.) ' Die Wohlfahrt des Volkes, d'e fr e», siche Ordnung ttnb Erstarkung des Volksg a n- z'e n das ist der oberste Zweck tert Gott aller -staats- netoaH ersetzt hat unb der alle Bürger zur Staafsirwe verpflichtet, alle« (jefeWichen Maßnahmen bie sit l che aqfeilie oibt (BckßallF Daher können wir nickt einer Politik zu'timmen die stet? nur Widerwillen und Erbitterung argen die new» Ordnung erteoi. (Sehr riefüta 1 Unsere Friodensbosinung nach innen «nb m'ßen kann nur dann Ersüllimg finden, toeim wir endlich mifhürrr, uns seckst durch Anklagen zu Zerfleischen trenn jeder Deutsch- «nb jeder S'cmb eudsich anrSngt, sick selbft zu bessern, sich selbst und d.e Seinen zur schaffenden brüderlichen Arbeit an z «- eifern (Lebh Z"sO Tas Fentriirn vor allem 'ft Heut» berufen das Vertrauen ber wfunbeften sWJs, matten auf die Partei selbst hin-isienken. dem ratlosen Volksgewissen gewissermaßen, nlS eine Autorität gegeii- überzntreteii, in ber die sittlichen Ade en der alten Ze> geblichen sind in ber aber auch em kräftiger, lehendt- ger Wille zur neuen Crbmma unb Geitaltung deS Reiches vorhanden ist. (Lebh. Beifall.)
ES ist klar und deutlich airSsgesptvckerii, lvß die Grundfragen der Kulturpolittk bie teliyiösen und sittlichen Grundsätze bes Zentrums bon ber Koasitlan in feiner Weife berührt werden, baß vielmehr der g e t. st i ge Kamps in unverminderter Schärfe f o r t° dauttrt. Das schließt aber nicht ans. daß tn vielen nationalen und pÄittschen, ja auch in einzelnen sozialen und weltlich kulturellen Fragen ecke vrakttsche Z n. sammenarbeit mit den Mehrheitssozial i st e n möglich imb notwendig ist. Man wolle dock nicht vergesien. daß ein so gewärtiger Teil M deutschen Volkes tote er durch die Sozialdemokratie vertreten wird, beim Neitbau des deutschen Reiches nicht auKaschaltet werden kann. (Sehr richtig.) Der Kampf gegen den Sozialismus f oll unb muß fo rtdanern. aber er wird tn verfchteoener $onn geführt werden, je nach dem feine Vertreter Ver. ständniS und ehrlichen Willen zeigen für e’.ne Politik, die bcm Geiamtwohle imb den Fnteresien de- ckrntlicken Mehrheit des Volkes gerecht wird. Tas Zentrum hat dabei einen großen Vorsprung vor bem Sozialismus, toeil es nickt eine einfettige Klastenvartei ist sondern eine wahrhaft organische Aufsasiiing der Gesevfchaft vertritt in b»r alle Stände des Volkes zu lebendiger Geltung unb Entfaltuna kommen. (Sehr richig.) Es ist unb bleibt bie Aufgabe vor allem ber christlichen Volkspartei den Sckatz sittlicher Weisheit und religiöser Kräfte und Hoffnung, der im Volke ruht, mit heiligem Ernst zu bewahren, damit wir ans der Erschlaffung ber Gegenwart herauskommen und «in neues gesundes Volksleben schaffen. (Beifall.)
Wir stehen beute in einer Zeitwende die schwieriger unb fo'a»nreicker ist als je zuvor, tn einer Sage für unsere Partei die noch peranttvortungsvoller fft als je für alle die sich zu ihren religiös-sittliche«, sozialen ! und politischen Grundsätzen bekennen. Auch heute würde jene Inschrift zutreffen: .Bon den Feinden , nie besiegt, aber ben den Freunden verlassen' wen« I das Zentrum sich der Lag« ntcht gewachsen zeigt. Doch auch in dieser SckücksalssöuiHe werden alle Freunde im Lande entschlossen und begeistert rufen: Nie-