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Veranrwonüch <ür den rebattionellen Teil: Kari Schütte, : 'ür die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. ::

Rorationsbruck n. Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr-Adresse: Fuldaer Zeitung

Donnerstag, 22. Januar 1920.

Bezugspreis: Monatlich 1,30 Mk. ohne Zustellungsgebühr, r. 3n Fu da bei uns abgeholt 1,40 Mk. ~

Anzeigenpreis: DreKleinzeile (nachColonelchrift) 50pkg., die Reklamezeile (Textbreite) 1 Mk., bei Wiederholung Rabatt.

47. Zahrg.

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Der ZenLrumsparterLag.

92. Berlin, 20. Ian. Ter zweite Tag brachte $>rei wichtige und tüchtige Referate über wirlschaft- und sozialpolitische Fragen. Abg. Herold war der berufenste Mann, um über die Wirtschaftspolitik einen Ueberblick zu geben und die Verdienste des Zentrums um die Landwirtschaft in daS rechte Licht ■;ut setzen. Schon die eine Tatsache, daß es dem Zen-rum zu verdanken ist, wenn die Landwirte zu den Steuern nach dem Ertragswert ihrer Be- sltz tngen eingeschötzt werden und nicht nach dem gegenwärtigen aufgeblasenen Verkaufswert, spricht deutlich genug für die Fürsorge, die das Zentrum der Landwirtschaft hat zuteil werden lasten. Sehr zeitgemäß war ferner der Hinweis, daß die Konser- vatwen bei ihrer Frondestellung gar nicht die Fähig­keit besitzen, der Landwirtschaft, insbesondere der mittleren und kleineren, die Hilfe zu bringen, die sie den Landwirten versprechen, um sie dem Zen­trum abspenstig zu machen. Minister Stegerwald sprach frisch und packend über Sozialpolitik, indem er nicht allein die historischen und materiellen Grund­lagen der sozialen Entwickelung, sondern auch deren moralischen Triebkräfte und Vorbedingungen klar« stellte und ein weitausgreifendes Programm für die Zukunft entwickelte. Sehr eindringlich war feine Mahnung, das Volk müßte wieder Vertrauen zu sich selbst gewinnen und zu der alten Arbeitsamkeit zu- rückkehreu. Im Einklang mit dem Vorredner kam et zu dem Schluffe, daß kleine Interessengruppen nn Parlament keine Rettung und kein Heil bringen können, sondern daß der gedeihliche Fortschritt auf auf dem sozialpolitischen Gebiete nur von starken Parteien auSgehen könne, und zwar von Weltan­schauungsparteien. DaS dritte Referat, vom Abg. Ehrha rdt, betraf eine Einzelfrage, nämlich das Betriebsrätegesetz; doch macht die große Bedeutung dieses Gesetzes und die Aufregung, die seine Beratung begleitet hat, eine eingehende Be­sprechung notwendig. Unter Beleuchtung der strittigen Pcknkte führte der Referent die aufgetauchten Be­fürchtungen auf das richtige Maß zurück und nahm als Verdienst für das Zentrum in Anspruch, daß "e§ getreu feiner Tradition auf Ausgleich der Gegensätze hingrwirkt, das Mögliche und Erreichbare als Ziel seiner Politik verfolgt hak. — Die inet Referate waren Prachtstücke an Reichtum der Erfahrungen, an Tiefe der Gedanken und Weitblick für die künf­tige Politik.

Inder Aussprache, die den Referaten folgte, tarnen keine durchschlagenden Einwände zum Vor- schein, sie gipfelte in den Wünschen, daß die Land­wirtschaft, Handel und Industrie noch mehr Vertreter in der Fraktion haben möchten. Die Fraktion wird gewiß nichts dagegen baden, wenn ihre Reiben durch tüchtige und treue Fachmänner versiälkt werden. Es wollen aber alle Stände und Schichten vertreten fein; der Ausgleich muß in den vorbereitenden Wahlkomitees gesucht und gefunden werden. Hier ist es Sache der einzelnen Stände, sich durchzusetzen und brauchbare Vertreter vorzu» schlagen. Das Wahlchstem zu der Parteiorganisa- ion, tote es in unserem kurbestischen Wahlkreis durchgeführt werden soll, gibt jeder Wählerschicht die Möglichkeit, sich eine ihrer Stä,ke entsprechende Zahl Vertreter zu sichern. Wenn die Stände sich dann nicht zur Geltung bringen, ist eS ihre eigene Lchuld. Es läßt sich über die Ans prache dos ab­schließende Urteil dahin abgeben, daß bei allen wohl­verständlichen verschiedenartigen Auffassungen, die begreiflicherweise gerade in den ^virtschaftlichen Fragen vorherrschen, die einigende Linie immer wie­der in dem Bestreben erblickt wurde, sich gegenseitig zu verstehen und durch eine einheitliche und geichlos- sene Zusammenfassung aller wirtschaftlich tätigen

Der Eäasedoktor.

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»l!nd kamst» Du mlr's nicht sagen, wer oder was Dcch so furchwar enttäuscht hat?" fragte die Tante.

Mariechen schüttelte heftig den Kopf. „Das kann ich keinem Menschen sagen, Dir schon gar nicht, Zante.“

Frau Emma strich ein paarmal liebkosend über das Hoar des Mädchens, dann sagt« sie ernst: „Siebes Kind, ebe man von Enttäuschungen spricht, die uns andere be­reiten, muß man zunächst genau untersuchen, ob man sich rächt selbst einer Täuschung h'mgibt. Man kann die Worte oder Handlungen eines Menschen ein einzigesmal falsch beurteilen und gräbt sich dann in eine »erbitterte und ge­kränkte Stimmung Hinern, di« für lange Zeit unser Urteil trübt und fälscht."

„Glaubst Du das wirklich Tante?" fragte Mariechen halb ängstlich, halb hoffnungsvoll.

„®en)tB. mein Kind, ich habe es ost 'erfahren."

»Ach, wenn Du recht hättest, Tantchen, ich wurde mich h> gerne dumm schelten!" seufzte die Kleine.

„Dazu kommt's gewiß," meinte die Tante lächelnd »Du könntest es eigentlich sofort tun, weil Du hier fitzest und weinst, statt zu schlafen."

„Und ich stehle Dir auch noch den Schlaf, Du süßes, M:s Tantchen!" rief Marie aufrichtig bekümmert.

„Siehst Du wohl, Du schlimmes Mäderl! Also geh setzt brav ins Bett und schlafe!"

„GMe Nacht, Tantchen, und bitte, fei nicht böse!" bat fr und umfchlang die Toni« innig.

Diese führt« sie zu ihrem Lager und wartete, bis die Kleine ruhig in ihren Kisten lag; dann suchte auch sie ihr Bett auf. Horchend lag sie einige Zeit; ein paa^ frfe Seufzer hörte sie, bann em schwaches Flüstern wie *in Nachtgebet und dann di« ruhigen Atemzüge der schlafenden.

»Gott schuhe Dich, Du herziges Kind!" flüsterte sie "un, aber der Schlaf kam lange noch nicht und sie dachte Ernst und tief über vieles nach.

Sie hatte den Schmerz, den die arme Kleine für so "Etdurchdnnglich und geheimnisvoll' hielt] schnell erkannt

am Ende all ihres Ueberlegens kam sie dahin, sich I Wbft zu sagen: „Gleich morgen muß ich ernsthaft mit dustav reden." Als sie bei diesem Entschluffe angelang! f ®at> schlief auch sie ein mit einem weichen, wohligen ®.- ' ft1')! im Herzen und einem süßen Traum von item wohl^ . trauten, festgefügten Lebensglück ihres Sohnes und des |

Kräfte in unserer Partei diese nur immer weiter zu stärken und zu fördern.

Am Nachmittag hielten die Bevollmächtigten eine vertrauliche Sitzung ab, um über interne Parleiangelegen heilen sich rückhaltSloS awszusprechen. Damit nicht die Vermutung aufkommt, als ob es sich da um heikle Dinge gehandelt habe, wollen wir gleich feiifteUen, daß alles das, was in der „gehei­men" Sitzung behandelt wurde, auch ganz gut in der Oeffemlicbkeit hätte gesagt werden können. Der allgemeine Eindruck Ivar schließlich, daß man sich den Ausschluß der Oeffentlichkeit hätte sparen können. So kamen auch am Dienstag die Hoffnungen und Erwarmngen der Gegner des Zentrums, die in ihren Betrachtungen auf dem Reichsparteitag der Zentrumspartet schon von tiefgehenden Risten und undichten Stellen im Zen. rumSturm gesprochen hatten und ihre Freude darüber kaum zu verbergen mochten, nicht aus ihre Rechnung. Sie wurden im Gegenteil arg enttäuscht. Und sie werden, so weil man den ferneren Verlauf des Parteitages zu beur­teilen vermag, auch weiterhin nicht auf ihre Äoftett kommen.

?s. Berlin, 21. Januar.

In der heutigen Vormittagssitzung des Partei­tages sprach zunächst Abg. Tr. Brauns, M. d. N. über Parteiorganisationen und Parteipresse.

Gewisse Kinderkrankheiten des politischen Lebens find bei uns noch nicht überwunden. Es wird not­

wendig sein, den Parteien ihre volle Kraft erst zu geben. Das wichtigste Mittel dazu ist erstens di« Organi­sation der Partei. Sie ist der Träger und Ber- mittter des gesamten parteipolitischen Lebens. Man hat dem Zentrum auch den Namen „Christliche Dolkspariri" gegeben, weil es mehr als andere Partei«, das reli­giös-sittliche Moment, wie es im Ehristenttm so unvergleichlich mid wirkungsvoll ausgeprägt ist, als Norm und Leitstern auch des politischen Lebens heiratetet. Daraus ergeben sich Folgerungen, nicht blos für Zis!« und Wege der Politik und Partei, sondern auch für ihre Drgtmifation. Der politische Charakter der Partei muß sich in der Organisation ebenfalls deutlich ausprägen. Die Zentrumspartet ist politisch in ihrer Zwecksetzung. Bei aller Anerkennung der hervorragenden Bedeutung der Kulturpolitik im engeren ©trme wäre es doch rin ver­hängnisvoller Irrtum zu glauben, mit her Einigung auf , kirchmpolstifchem Gebiet und mit Kirchen Politik allein könne ' man eine Partei aufrechterhalten. (Sehr richtig.) Jede politische Partei verlangt ein allgemeines politisches Programm mtd Uebrrrinftimrmmg ihrer Anhänger in allen wesentlichem Teilen desselben. Dieser politische Charakter der Zentrumspartei ist eine alte wertvolle Windthorst'sche Ueterliefertrag. An ihm festzuhalten ist heut« notwendiger als früher. (Sehr richtig.)

Hier und da begegnet man der Ansicht, di« Entwick­lung der Gegenwart führ« von selbst zu einet gtundfätz- lichsn Kcrafessionaiisiermig der Zentrumspartei. Man weist darauf hm turf di« steigenden Interessengegensätze und glaubt, daß diese nur durch dar religiöse Moment zu überbrücken seien. Darum ntüffe man dieses auch im par- " riposisischen lieben sich auswirken lassen, indem man eine ausgesprochen konfessionelle Partei schaffe. Die Tatsachen scheinen mir das Gegenteil zu beweisen. Di« unleugbar vorhandenen Absplitterungsbestrebungen vor allem auf der rechten Teste der Zentrumspart« zeigen, wie wenig man sich selbst in diesen Kreisen durch das ideelle Moment nach der wirtschaftlichen, sozialpolitischen und allgemeinpokitischen Seite beschränken lasten will. (Sehr richtig.) Diese Stimmung wurde durch eine Kon- festionalisierung der Partei nicht gebessert werden, denn eine solche wurden di« bezeichneten Kreise nur- als etne noch stärkere Einschränkung ihrer politischen Bewegungs­freiheit betrachten. Endlich würde bte groß« Mn ff- der Wählerschaft und insbesondere auch der augenblickliche Inhaber der Mandate für eint Konfessicmalisiermig der Partei sicher nicht zu haben sein. (Sehr richtig.) Eint solche Partei wäre zur völligen Bedeutungslosigkeit nenn« teilt. 3m übrigen ist die heutige Zentrumspartri mit ihrem kulturpolitischen Programm so ideal gerichtet, daß die unbedingt notwendige Mäßigung der materiellen In- terestenveriretung und die Möglichkeit der Ueberbtückung -----—-mnn-mwim -irr-irrrrrT.TiwTmmiiMoii ni>i ~il ij iiii■ iw h iiiiihm ii ii— i reinen, warmfühlenden Mädchens, in besten Seele sie heute geschaut hatte.

Es war schon ziemlich spät am Morgen, als sie er­wachte; Mariechen hatte längst das Zimmer verlassen, und Frau Emma stand mm schnell auf und machte Toi­lette, um doch noch mit den Hausgenossen frühstücken zu formen. Als sie ins Speisezimmer trat, eilte Mariechen der Tonte entgegen und druckte zärtlich deren Hand an ihre Wange; innig umschloß diese das junge Mädchen und erneute bei sich selbst bas Vorhaben, das fit in bet Nacht gefaßt hatte. Gleich nach dem Frühstück gab fit Gustav einen Wink und er folgte ihm in ihr Zimmer.

Als er wieder herunterkam, war Irin Gesicht ernst, aber jein Auge leuchtete; ein Blick suchte Manschen, doch Edith trat ihm entgegen. „Bist Du endlich fertig?" rief fte; „wir warten schon auf Dich, die Butterbrote find gestrichen und eingeparft, und mm kann es losgehen; also nun etwas schnell vorwärts!"

,3a, wohin denn?" fragte er geiftesabwefenb.

„Nach Eberswalde. Wir hatten es uns doch oorge» nomtnen, wenn einmal ein trüber Tag wäre, well der Weg dorthin so sonnig ist; nun, heute ist es endlich ein­mal trüb und so wagen rolt’s."

„Trüb! Jst's heut« trüb?" fragte er wieder und bann, wie zu sich kommend, rief er lustig: „Ach was, trüb ober nicht, tragen wir's! Entweder wir zergehen in der Hitze oder wemt's regnet in der Näste."

Man hing die Brot- und Botatstsierbüchsen um, nahm — vorsichtshalber — die Regenschirme zur Hand und schickte sich zum Gehen an.

„Adieu, arme kleine Marie", tief Edith zurück.

„Warum denn arme Marie?" fragte Gustav.

„Weil sie zu Hause bleiben muß", entgegnete Edith; „die dumme Trine ist heute bei der Wäsche und da muß Bärchen in der Küche helfen; ich habe mich der Tante auch schon angetragen, aber sie will mich nicht."

Gustav erwiderte nichts und ging mit den andern vor­wärts; sie waren aber kaum eine Dierteistun.be gewan­dert, als er sich vor die Stirn schlug. „Alle Wetter!" rief er aus, „ich hab ja einen heillos notwendigen Brief zu schieiben! Wie ich nur das hab vergessen formen!" • „Deswegen mußt Du doch nicht zurück; den Postboten erreichst Du ja ohnedies nicht mehr", meinte Fritz, als er sah, daß Gustav umfchren wollte.

„Das wohl, aber wenn ich vom Ausflug zurückfomme, bin ich müd und hab' feint Lust zu schreiben, alfo muh • es jetzt fein."

materieller Interessengegensätze innerhalb der Zentrmns- partti dadurch so weit gewährleistet ist, als sie im poli­tischen Leben überhaupt gewährleistet werden fattn. (Leb­hafte Zustimmung.)

Wir leben in einer Zeit der Auslösung der alten Staat-o-dnmig und der alten Staatsautoritär. Die Linke erweist sich aber nicht fähig, die neuen Aufgaben zu mei­stern. Wenn wir aus diesem innerpolitischen Chaos einen Ausweg find«, sollen, dann ist eine breite, große Wahlmassen erfassende Mittelpartei un­entbehrlich, «ine Partei, die religiös-sttüiche Gnmdlagen hat und bereit ist, auf diesem Fundament den bemokia- tischen und sozialen Wiederaufbau Deutschlands durchzu- sühren. Eine solche starke Mittelpartei, der sich di« gläu­bigen Wählermasien, gleich welcher Konfeffion sie sind, »n- schließen können, der sich insbrionbere wegen ihres so­zialen und volkstümlichen Charakters mich eine mchtfozia- listssch-proletarische Bewegung angliedern kann, liegt auch im wohlverstandenen Inieresie rrasere wirtschasÄichen B e- rufs- und Stanbesorganifation. Unsere Zen- trumrpart« ist mn erlich befähigt, die beschriebenen poli­tischen Notwenbigkeiten zu erstillen, wetui ihr- Führer und Anhänger weitherzig unb energisch, ben Blick nach Dormcrtc richtend, dem deutschen Dolke neue Wege zur mnerpolitischen Gesundung weisen. (Lebhafter Beifall.)

Redner verbreitet sich bann über die Einzelheiten der Parteiorganisation, für die er als erstes Erfor­dernis die Einheitlichkeit für bas ganze Reich ausstellt Entsprechend dem Geiste der Zeit müsse bet Aujo.ru der Parteiorganisation demokratisch sein. Leben und wirken uni demokratisch verfahren könne eine Parteiorganisation in der Gegenwart aber nur dann, wenn sie über reich­liche Gridmittel verfuge. Referent schlägt als Mtndest- jahrcsbeitrag den Satz von 2 <,H für das einzelne Partei« milgtitb vor. Wichtiger als Geld aber fei das geistige Rüstzeug für Leben unb Wirken der Parteiorganifa.lon. Die notwendig« Fühlung zwischen Wählerschaft unb Frak­tion sei nur zu erreichen durch einen unausgesetzten poli­tischen Auffliirungsdienst, sowie durch fystema- iische staatsbürgerliche Erziehung. Für die organisato­rische unb 5Berbcaibt.it sind di« Errichtung von Partei- fetretariaten für kleinere Bezirke, für Provinzen über Länder unb endlich für bas Reich erforderlich Na- menllich voni richtigen Aufbau unb den gediegenen Lei­stungen des lstzteren werbe die Zukunft der Partei w-tevt- lich obhängen. Das Reichssekretariat müsse die Arbeiter- zcntüiie der Partei werden. Hinsichtlich des Partei­vorstandes vertritt der Referent die Auffassung, daß er sich nicht decken lassen kann mit dem Fraktiorsvoistand des Reichszentrums. Redner kommt dann auf di- Par­te i p r e s s e zu sprechen, der eine besondere Bedeutung zukomme. Neben der entsprechenden Leistungsfähigkeit sei die Freiheit bet Presse rin unabwendbares Erfordernis. Eine abfo!’rte Freiheit könne es aber für die Partripresse nicht geben, berat es fei Pflicht der Parteipresse, die Ftak- tion und ihre Politik zu vertreten, sowie die felbfroer« stänblich- Pflicht die Parteiemhett und die Parteimter- essen im allgemeinen zu wahren. Der Referent empfiehlt die Errichtung von Presseausschüssen und verbreitet sich über die Frage bet Errichtung einer offiziellen Zent- tnunrirakiionskorrefponbenz.

Zum Schluß feiner Ausführungen führt der Redner aus: b% Hauptfach« ist, ob wir uns sagen können, di« Leitgedanken, von denen wir uns führen lassen, find die rechten. Dieses Zeugnis können wir uns Gott fei Tank geben. Wir alle, gleich welcher Konfession unb welchem Stande wir angehören, sind getragen von dem unerschüt­terlichen Glauben an ben Wett der Religion für bas menschliche, gesellschaftliche und Staatsleben. (Sehr richtig.) Df« Vergangenheit der Zentrumspartei genießt nach dieser Seite Weltruf. In Zukunft wird sie sich, ror.w auch unter ganz anderen Umständen und mit anderen Mitteln neue Verdienste in dieser Richtung ernte ben müssen' und es wird wahrlich nicht der schlechteste Volksteil lein' der habet zu ihr steht. (Lebhafte Zustimmung.) Dem Gottes g! auben gehört die Zukunft, in ihm wirken wir auch unser aesellschaftkicher Teil. Die alte Wirtschaft ist an ihrem Leitgedanken gescheitert. Nackter Individualismus und Alleinherrschaft des privaten Ge- winnstrebenI find gortes- nnb menschheitsfeinblich. An die Stelle dieser verwerflichen Maxime muß ein anderer Geist treten, der Geist be$ Pflichtbewußtseins und de» Dienens gegenüber dem Nächsten, der Familie, dem Staate, der Gesellschaft. (Lebh. Jnstim- mung.) Unsere Partei hat auch in dieser Hinsicht eine große Vergangenheit, auf die sie stolz fein kann. Nur

Er verabschiedete sich von ben andern unb ging zurück; Waldemar ließ ihn ohne Trauer ziehen, Fritz war einen Augenblick unentschlossen, aber da er wußte, baß Gustav doch nur um zu schreiben nach Hause ging, versprach et sich kein Vergnügen mid trabte mit ben 2lusf!üglem. Er hott« es nicht zu bereuen, denn Ebilh jagte die ganze Zeit mit ihm herum, spielte unb scherzte mit ihm, so daß Wal­demar gar keinen Gewinn von dem Weggänge des Vet­ters hatte.

Gustav ging miterbessen heimwärts; der Brief schien in der Tat große Eile zu haben, denn, der ihn schreiben sollte, schritt sehr rasch aus. Er kam von her Wiesensrite her unb hatte allo den Wirtschaftshof zu durchschreiten; mit einem Male blieb er stehen. Dori drüben hatte sich rin« Ture geöffnet, die von bet Küche m den Geflügelhof führte unb eine zierliche Gestatt ward sichtbar.

Mariechen wat es; sie trag ritten flachen Korb und ging darntt auf ben kleinen Schuppen zu, in dem Holz gespalten und andere ähnlich« Verrichtungen gemacht wur­den. Er veränderte feinen Platz, um in ben Schuppen hinrinzusehen; Mariechm hatte sich auf einen bet Holz­blöcke gesetzt, die drinnen umherlagen, dann nahm sie eine Ente aus dem Korb, legte si« auf ihren Schoß und begann sie zu rupfen. Sehr rasch ging aber bi« Sache nicht von stattm, das Mädchen blickte häufig zum Himmel empor und ließ die Hände rühm, unb wenn es sich auf die Ar­beit besann, dann war es rin so melancholisches Rupfen von einzelnen Febern, als ob die junge Küchengehilfm weiland Gretchen kopierm wollt«, nur baß ein Entenflü- grl die Stell« bes Gänseblümchens vertrat. Als aber gar der weiße Schürzmzipfel dazu benützt würbe, hin und wieder die lieben, blauen Augen zu trocknen, da hielt es Gustav nicht länger m seinem Versteck; rasch eilte er über den Hof und stcmd plötzlich vor Mariechen.

Erschrocken und doch sichtlich angenehm berührt, sah sie zu ihm auf. „Du kommst zurück, Gustav?"

„Ja, mir ist unterwegs eingefallen, daß ich einen wich­tigen Brief zu schrribm habe."

„Ach so!" fagte sie mit gemachter Gleichgültigkeit; „das ist Dir wohl schr unangenehm."

„Na ja, Briefe schreibt kein Mensch gern", meint« er: habet nickte er einen Holzbock her unb setzte sich neben das Mädchen. Als sie nichts sagte, fuhr er fort:

„I Mensch tut manches, was er nicht gern tut, weil er eben muß; rupfst Tu seht gerne Enten?"

„Gon; unb gar nicht; um so weniger, wenn man die lieben Tierchen hat -mswachsm sehen, sie gepflegt hat unb lieb aewonnen; wir Menschen sind sehr grausam."

darf sie nicht glauben, es seien auf dem Gebiete keine Fortschritte mehr möglich, es gäbe in jedem Teil, sozia­listischer ttebertreibungen geaenüber, nur noch eine „Rückkehr zum Alten". Ich fühle mich eins mit dem Reichsparteitag, wenn ich diese Auffassung ausdrücklich ablehne. (Seht). Zustimmung.) Das Zentrum ist von jeher stolz darauf gewesen, eine Volkspartei zu sein. ES kann dem Zentrum nicht schwer fallen, den Ergeb­nissen der großen Umwälzung Rechnung tragens, die demokratische Verfassung anzunedmen, auszubauen unb ihr den rechten Geist einzuhauchen. Wer heutzutage den sozialen Gedanken richtig erfaßt, der muß auch echt demokratisch fern. ES ist ein alter Ruhmestitel der Zentrumspartei, daß sie auf ihrem Bodrn alle Stäube unb Berufe gleichmäßig vereinigt, daß sie die Inter» effenregensätze (d ort innerhalb der Partei aus <leicht. Wenn jemals, so hat heute diese vrogrammatische Haltung unserer Partei Beoeutung, das kann nicht laut genug ins Land hinausgerufen werden ange­sichts der törichten Sonderbestrebungen, die hier unb da bet einzeinen Ständen unb tn einzelnenLandesteilen auftauchen. (Lebh. Beif.) Manchen Parteimitgliedern ist' das Zentrum an redlich „zu weit nach lin:§" geraten. Ich bin nicht dieser Ansicht. Bestrebungen in dieser Richtung würden lediglich eine weitere Zersplitterung der rechten Hälfte des Reichstages, vielleicht sogar eine Verstärkung der Linken sein. Was uns not tut, ist eine breite, nicht sozialistische Mittel Partei, die den Kern der tünfitgen Regierung zu bilden geeignet ist. Der Ausgleich der ständischen Interessen innerhalb der Partei ist und bleibt eine wertvolle Parole für unser inner- politisches Leben und auch darin ist die Zentrumspartei vorbildlich. kBeifall) Darum ist eS auch ihr allein von allen nicht sozialistischen Parteien moultdj gewesen, eine für gesamtes Gesellschafts- und Staatsleben wertvolle Arbeiterbewegung um ihre Fahne zu scharen. Den Vorzug darf sie in der neuen Zeit erst recht nicht ver­lieren. Eine führende und Deutschland neugestaltende Partei ohne Arbeiterbewegung ist undenkbar. ES bleibt dadei, Bauer und Städter, Arbeiter und Ar- beitgeber müssen sich in einer Partei die Hände reichen. (Beifall.) DiencuzuschaffendeOirani» jation bet Zentrumspartei ist berufen, diesen großen Ideen der Partei neues Leben zu geben, fie in alle Lcmdcstetle und in alle Kreise unsere? Volkes hinein» zutragen und für fie zu arbeiten und zu werben.

Die ausgezeichneten Darlegungen des Redners fanden lebhaften Widerhall. Die im einzelnen auf» geworfenen Probleme gaben ®eiegenf;ett zu einem regen Gedankenauslau ch. Tie Werbearbeit der Zentrumspartei, die Organisation der Partei im einzelnen nnb ihr örtlicher und provinzialer Aufbau, die Bereitstellung aber auch der finanziellen Mittel für die Parteiorganisation boten eine Fülle von Material, das von den Disiussionsrednern gründ­lichen Erörterungen unterzogen wurde. Ein Redner beklagte den Umstand, daß dir Werbearbeit der Zen- irumsparlei vielfach ungenügend fei. Er konnte dabei auf die rührige Propaganda der Deutsch-natio­nalen Volk-Partei Hinweisen, welche als Flugschrift Nr. 49 die von Helfferich im Prozeß Erzbergers gegen ihn beabsichtigte Rede zur Massenverbreitung ankündigte. .Diese Rede war tatsächlich zur propa­gandistischen Veiwendung in der Helfferich nahe­stehenden Preffe und Parteiorganisationen sorasam vorbereitet. Helffertch hat sich'ia auch in dem Vor­trag seiner Rede durch die Einwendungen des Vor­sitzenden nicht behindern lassen. Es ist richlia, daß man ans der Entfaltung einer derartigen Propa­ganda schon etwas lernen kann, vor allem die Fol­gerung, daß wir aus einer unangebrachten Zurück­haltung öfters herausireten müßten. — Eine beson­dere Aufmerksamkett fand die Rede des Berliner Rechtsanwaltes von Reh bin der, der sich unter dem Beifall deS Parteitages als evangelisches Mit­glied der Zentrumspartei einführte und über den interkonfessionellen Charakter der Zentrumspartei sich verbreitere. Ein Zentrum als große Riiltel- partei, die den Kern einer Regierung bilde, sei unbedingt nonvendig. Die Zentrumsparrei habe das Meisterwerk vollbracht, alle Stände in sich zu verei-

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Dabei fuhr der Schürzenzipfel wieher über hie Augen.

„Ja, bas smb mir", bestätigte Gustav ernsthaft; als sie nichts erwiderte, sagte er: „Du, Mimi, ich werbe Dir rupfen helfen, gib mir Deine Lieblingsente, ich will sie mit Gefühl rupfen."

Sie sah ihn mißtrauisch an, da aber sein Gesicht ernst blieb, sagte sie nur: „Du hast ja Seinen guten Anzug an, Du könntest Dich beschmutzen."

„Du könntest mir ja Seine Schürze leihen."

„Sie brauche ich selbst, aber —" sie schaute im Schup­pen umher und rief dann erfreut: „Sort hängt ein Schurz Christians, den kannst Su umbinöen."

Er stand auf unb band den groben, dunklen Schurz vor, daim trat er zu dem Korbe. Welche soll ich neh­men?" fragte er.

Sie gab ihm em schneeweißes Tierchen in Me Hand.

„Sie hab' ich gepflegt, rote fie einmal das Füßchen gebrochen hatte", sagte si« und ifjre Stimme war ganz umflort; „nun muß sie auch sterben für uns."

„Für Dich hätte si« es vielleicht gerne getan", meinte et.

Sie schüttelte ben Kopf. „Ganz abgesehen davon, baß rin« Ente doch wohl anders empfindet als rin Mensch, würde auch rin Mensch so nicht für einen andern sterben wollen. Sterben können aus Herz weh, bas ja, aber ge­schlachtet und gebraten werben — nein."

Gustav wollte hellauf lachen, aber Mariechen sah so schwermütig drein und darum bezwang er sich. „Also braten ließest Su Dich auch für ben liebsten Menschen nicht?" fragte er.

„Nein", entgegnete sie ernsthaft.

Er dacht« eine Weile nach, bann fing er an zu spre­chen; hie unb ha zuckte ein leises Lächeln um seine» Mundwinkel.

„Stelle Dir einmal vor, Mariechen, Du und ich, wir machten in größerer Gesellschaft eine Reise nach Afrika und fielen alle m die Hände von Menschenfressern; die verlangten bann als Bedingung für die Freilassung der andern rin Glied der Gesellschaft als Braten. Man zöge natürlich bas Los unb es fiele auf mich, Su müßtest zu- fetjen, wie man mich umständlich schlachtet, spickt unb brät — sag einmal, was dächtcst Su ha? Dächtest Su: Ge­schieh! ihm schon recht, er hat mich oft geärgert — oder büchtest Su: Ser arme fiert, es ist doch eigentlich schnbe um ihn?"

Fortsetzung folgt."