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Verantwortlich für den redaltionellen Teil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. ::

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 2j. Januar 1920»

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47. Zahrg.

Der ZenLrumsparteiLag.

N Berlin, 19. Ian. Der Anfang am Montag vor sehr schön und stärkt die besten Hoffnungen. Das erste Referat über die politische Lage, er» stattet vom ersten Vorsitzenden derZentrumsfraklion «r Nationalversammlung, dem Abg. Trimborn, leichnete sich durch strenge Sachlichkeit aus. Alles, vas die Köpfe und die Herzen in den letzten 15 Zchicksalsmonaten beengt hat, wurde eingehend be- prochen. Die lange Rede hatte ihr Gutes; denn ie war gerade darauf angelegt, um die Mißver- jändnisse von vornherein aufzuklären und ur nüchternen Erwägung der realpolittschen Ver- /ältniffe anzuleiten. Trimborn wich keiner der kri- j'chcn Fragen aus. Das Eintreten her Partei in »ie parlamentarische und ministerielle Koalition, das Zusammenarbeiten mit der grundsätzlich feindlichen Sozialdemokratie, das Kulturkompromiß von Wei- «ar, die Neugliederung von Deutschland als dezen» ralisierten (zergliederten) Einheitsstaat, unter Selbst- ürwaltung der Länder und unter Aufhebung der preußischen" Uebergewalt, — das alles wurde in len Ursache» und den Folgen klar beleuchtet, und «r heilsame Eindruck war: die Fraktion konnte inter der zwingenden Gewalt der Ver­hältnisse nicht anders handeln, .wenn sie richt das Vaterland und mit ihm alle unsere idealen mb materiellen Güter dem Verderben ausliefern ddUten. Sie hat keine Grundsätze preisge» geben, sondern hat für die deutsche Gesamtpolitik dasjenige angestrebt und nach Möglichkeit erreicht, «ras von Anfang an das Ziel des Zentrum war: Sammlung aller positiven Kräfte und Aus­gleich der Wünsche und Interessen auf der mittleren Linie. — Die nachfslgende Debatte erwies den tiefen Eindruck dieser Darlegungen von berufener Stelle. Die Ausstellungen, die laut wurden, hielten sich nicht allein in friedlichem Tone, sondern sie kon- yrrtrierten sich auf die Kritik gewiffer Einzelheiteu taktischer Natur. Wo so knorriges Holz gehauen wer­den mußte, sind natürlicherweise Späne geflogen. — Der Anfang der Verhandlungen war gut. Bleiben sie in diesen Bahnen, so ist die Fracht der vollen Eini­gung zu erwarten. Und zwar nicht bloß die Festigung des äußeren Rahmens, sondern die innerliche Einigung auf gründ der geklärten Ansichten und in der Erkenntnis, daß die starke Zentrums­partei unbedingt notwendig ist, um das -deutsche Volk vor dem Zusammenbruch zu bewahren. - Die Rede des Abgeordneten aus der bayerischen Pfalz und die Teilnahme anderer Bayern (auch der Eintritt des Fürsten Löwenstein in das Präsidium des Partei­tages) berechtigt uns, diese Einigkeitshofsmmgen auch auf B a y e r n auszudehnen. Der Parteitag ruft auch Über den Main «hinüber: Auf Wiedersehen!

• SS Berlin, 19. Ian.

Die Aussprache über das Trimbornsche Referat zur politisch. Lage drehte sich um drei Hauptfragen: 1) die Stel­lung 6er Zentrmnspartei zur Monar chie, 2) der Eintritt in die Regierung und das Zusammenarbeiten der Zentrumspartei mit der Sozialdemokratie in der Nationalversammlung und 3) nm die Frage dcS Einheitsstaates.

Freiherr von K e r k i n g sprach von der Mißstim­mung in ländlichen Kreisen über die Arbeitsgemeinschaft -mit der SozsiaNCmokratte und warf die Frage der Stellungnahme zur Monarchie auf. Abg. Dr. P o r f ch, der Vorsitzende der preußischen Zentrumsfraktion er­widerte in ausgezeichneten Hinweisen auf Windthorsts 'Verteidigung gegen Bismarck, als der letztere ihn als welfischen Parteigänger zu brandmarken suchte. Windt- lwrst erklärte, daß die Anhänglichkeit an sein Königs. Haus voll und ganz forttentere, daß man aber auch <m die Worte der Heiligen Schrift sich erinnern müsse: »Du sollst untertan sein den Gewalten, die über Dich gesetzt sind!" Die Bekräftigung Dr. Porsch's, daß auch er auf diesem Standpunkte stehe, löste einen stürmischen

Der Sänsedoktsr.

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Edith und M arisch en schienen die Rollen getauscht zu haben. Immer rosiger erblühten Ediths Wangen und immer bleicher wurden diejenigen Maricchens; immer hel­ler strahlten Ediths Augen und immer trüber bkickten die des Hausiöchterchcns. Dem Auge der Mutier blieb das nicht verborgen, aber auf ihre besorgten Fragen gab di« Kleine zur Antwort, daß sie häufig Zahnschmerz habe und deshalb und auch wegen der Hitze feine Nacht schlafen könne.

Die Mutter schickte sie natürlich zum Zahnarzt, aber Mariechen weigerte sich, hinzugehen, da es ganz gewiß nur Rheumatismus sei, denn sie habe fernen einzigen hohlen Zahn.

Frau Bettis Kinder hatten olle die, guten Eigenschaft, nicht viel Wesens aus ihren Leiden zu machen, wenn sie selber fühlten, daß sie nur vorübergehend waren, und fo wurde auch nicht wegen feder Kleinigkeft der Doktor ins Haus gehetzt. Wenn Mariechen sagte, es sei nichts, nun dann war's eben auch nichts und es würde schon wieder gut werden; also machte sich die Mtftter weiters keinen Kummer. Und das mit der Hitze war ja auch richtig; man schlief fetzt tatsächlich schlecht, wenn man auch die Fenster in der Nacht cmgelweit offen lieh.

In einer dieser heißen Nächte war es, daß Frau Emma von einem schluchzenden Laut erwachte; sie horchte und nach einer Weile hörte sie ihn abermals. Sie richtete sich im Bette auf und blickte nach dem Fenster hin, da der Ton aus dieser Richtung kam; hell schien der Mond her­ein und beleuchtete die Gestalt Maricchens, die in ihrem weißen Nachtgewande am Fenster saß, die Ellenbogen oufg Fensterbrett gestützt, die Hände ineinander verschlun­gen, das Gesicht zum Himmel emporgewandt; von Zeit Zu Zett senkte sie die Sttrn auf die Hände und dann er­tönte wieder das leise Schluchzen. Eine Weile beobachtete die Frau das junge Mädchen, dann stand sie leise aus, trat ebenso leise hinter die Kleiye und legte den Arm Um ihre Schultern. Mariechen schrack zusammen.

„Was ist Dir denn, Mimi?" fragte die Tante zärtlich.

„Mir ist — ich habe Zahnschmerzen", sagte sie ver­legen.

Die Tante nahm das Gesichtchen ihrer Nichte in fee Hände. „Wegen Zahnweh weint fo eine tapfere üciite Maus nicht, das sit nicht wahr; kannst Du mir’» nicht jagen, Herzerl, was Dir fehlt?," -

Beifall aus. Die Vorwürfe der Rechtskveise gegen die Zentrumspartei in diesem Belang weist Porsch unter einhelliger Zuslimmung des Parteitages mit aller Ener­gie zurück. Bezüglich der Stellungnahme zur Revolu­tion und der durch sie geschaffenen Lage konnte Tr. Porsch aus die Aeußerungen des verstorbenen konsev- vativen Führers Freiherr bon Zedlitz-Neukirch verwei­sen, daß nach Lage der Dinge nun pflichtgemäß jeder Preuße sich aus den Boden der geschaffenen Lage stellen müsse. ■ i

Die Einheitsfrage, die in längeren Ausführungen von dem hessischen Jusrizminisier von Brentano angeschnitten worden, behandelte Dr> Porsch im Sinne einer Verteidigung des Beschlusses der Preußischen Landesversammlung. Der Gedanke läge durchaus fern, Süddeutschland zu verberlinern. Den süddeutschen Ständen soll durchaus vollste Freiheit und Selbständig­keit gewahrt werden. .

Einen stürmischen Beifall lörte die Amprache des Pfarrers Land aus dar Nheinpfalz aus, der dis Grüße aus der deutschen Pfalz überbrachte und die Er-, Körung ab gab daß das pfälzische Zentrum beim Neichszentrnm bleiben werde. Die Psalz werde und müsie auch die Brücke bilden, um Bayern wieder dem Reichszentrum zuzuführen. Größte Aufmerksamkeit fanden sodann die Ausführungen des badischen Finanzministers Abg. Wirth. Die Richi- linien der Zentrumsvolitik legt dieser mit der Zustim­mung 'des Hmises tote folgt dyr: „SB eher nach rechts noch nach links haben wir uns in takti­schen Fragen festzulegen. Wir haben allein der Stimme der Vernunft Gehör zu schenken." Wirths Aeußerung, daß die Throne nicht um der Fürsten willen gestürzt tvurdrn, sondern daß die Throne stürzten über fee Politik die die Träger der Kronen machten, hatte wie­derum starken Beifall für sich. In der weiteren De. batte kam u. a. auch Freiherr von Recken berg zu Wort welcher dem Ahg. Trimborn den Dank für sein großzügiges und erschöpfendes Referat aussprach.

Nach der Rede Erzberger, über die wir schon berich­teten, rechtfertigte Praf. Mausbach die Haltung der ZenirumSfrccktton zum Artikel 1 der Verfassung, wonach alle Macht vom Volk auszehe. Diese Fassung wider­spreche nicht der christlichen Auffassung, daß alle Gewalt von Gott ausgehe. Abg. Hoffmann (Ludwigshafen) warnt davor, der Trennung der Bayern von der Partei allzu große Bedeutung beizulegen. Er ist der festen Hoffnung, daß die Etnigkett der deutschen Zen­trumspartei in allen großen Fragen sehr bald wieder heraeftellt sein wird.

Die Beratungen zogen sich bis in die späten Wend- stmtden hin, ohne daß noch wesentlich neue Gesichts­punkte zutage gefördert lvurden. Sie waren durchaus einheitlich in der Tendenz: der Zentrumspartei des Deutschen Reiches mit allen Kräften zu dienen.

* Berlin, 20. Ian.

Tie heutige Vormittagssitzung brachte zunächst drei Referate über die Fragen der Wirtschafts­und Sozialpolitik, die beifällig ausgenommen und aufmerksam angetzött lvurden. Den Vorsitz führte heute Fürst Löwenstein.

Zunächst gab Abg. Herold, der greife westfälische Bauernführer den Bericht über

Finanz- und Wirtschaftspolitik

Durch den Krieg und seine Folgeerscheinungen hat sick eine Schuldenlast angehäuft, die jeder.Zahlenvor­stellung spottet. Die Neuordnung der Finanzen, die Be. schasfung gewaltiger Drittel ist eine Aufgabe so groß wie sie noch nie einem .Volk erwachsen ist. von ihr hängt die Zukunft des Vaterlandes ab. Die Mittel müssen beschafft toerben, imt den Zusammenbruch zu verrnei- Men. Gin Staatsvimkerott mit seinen furchtbaren Folgen für Volk und Vaterland wäre garnicht auszu- denkcn. (Sehr richtig.) An der schwierigen Lösung müssen alle Bolkskreise in Verbindung mit der Regie­rung Zusammenarbeiten. Eine völlige Ilm ge st al. tun ß unseres Steuersystems ist eine Not­wendigkeit. Eine Vereinheitlichung durch das Reich läßt sich nicht mehr umgehenen, um eine gleichmäßige Veranlagung zu sichern.

Redner befaßt fick dann mit per parlamentarischen Erledigung der einzelnen Steuern sowie den gegen sie erhcckenen Bedenken und fährt fort: Aber noch eine schwierigere Aufgabe hat es zu lösen, die Durchführung

Schon während der Liebkosung der Tante hatten sich die lieben großen Kmderaugen mit Tränen gefüllt und langsam rollten sie jetzt über die Wangen herab; langsam schüttelte Mariechen den Kopf.

„Sehnst Du Dich nach etwas?" fragte die Tante.

Mariechen umschlang sie plötzlich. „Nach dem Tode", flüstette sie. Sie sah es nicht, daß die Tante lächelte, aber selbst wenn sie es gesehen hätte, dies Lächeln hätte sie nicht gekränkt. Es war das milde, gütige, verständ­nisvolle Lächeln des Wissenden, der einmal Gleiches em­pfunden.

Die Jugend ist so schnell zum Sterben bereit; sie will keinen Schmerz ertragen und sie weiß keinen andern Aus­weg, ihm zu entgehen, als den Tod. Der Tod allein ist wirksam und poetisch; daß es em prosaisches Ende für den Schmerz geben könne, ein Verwinden und Vergessen, das will die Jugend nicht gelten lassen.

Sterben, nur Sterben! Das ist die Rettung aus allem. Ans Sterben denkt sich's fo leicht, wenn man keine felbst- auferfegten Pflichten hat; an die Pflichten gegen fee treuesten Menschen, fee Eltern, denkt man nicht; man sieht nur den Glorienschein, der sich um das Haupt eines jungen Toten webt. Und das Bewußtsein, daß der- oder diejenige, die uns gekränkt, verzweifelnd an unserer Bahre uiedersmkt, weil das bittende und versöhnende Wort nicht mehr an unser Ohr gelangen kann, rote süß ist dies Le- wußtsein; das ist mit dem Tode nicht zu teuer erkauft.

Daß fee Stunde der Verzweiflung sich nicht über ein ganzes Leben hin au-fehnen kann, daß fee Asche des Vergessens sich mit der Zeit auch üfer die glühendsten Gefühle fentt, daß ts Saiten gibt, die nicht reißen, jon- dern Nachlassen, wenn man sie spannt, das glaubt die Jugend nicht.

Frau Emma war ei" e Wissende. Als fee Eltern sich gegen ihre Wahl gewehrt, da Halle sie den Tod herbei» gssehnt mit aller Kraft und da er nicht kommen wollte auf ihren Ruf, da hatte sie ihn zwingen wollen. Zu dem Geliebten war sie gegangen und hatte ihn gefragt, ob er mit ihr sterben wolle, sie fei zu allem bereit; da hatte er sie angeschaut mit seinen ernsten, guten Augen, hatte ihre Hände in die seinen genommen und hatte ruhig gesagt: „Wenn Du schon so wett bist, so geb noch einen Schritt weiter und versuch es, mit mir zu leben! Nicht gemeinsam sterben wollen *.2r, sondern gemeinsam leben und dem Leben und seiner Härte (rotzen. Willst Du das?" — Sie wollte es, weil er es wollte, obgleich sie nicht begriff, daß das Leben größer fein sollte als das Sterben. Und er

der Sparsamkeit auf allen Gebieten. Alle Steuern in ihrer Riesenhöhe nützen nichts wenn die Ausgaben nicht beschränkt werden. (Lebhafte Zu­stimmung.) Unbedingt erforderlich ist auch, daß bei den Eisenbahnen und der Post die großen Zu­schüsse beseitigt werden. Sie müssen wieder wie früher zu Einnahmequellen werden, einmal durch rationelle Betriebseinrichtungen, dann aber auch durch Tarife, die der heuttgeni Preisentwicklung Rechnung trenn’. Die Gesundung unserer Finanzen ist eine Vorbedingung unserer wirtschchllichen Entwicklung. Auf unsere "wirtschaftlichen Berhälinisse übt aber der Stand unserer Valuta einen entscheidenden Einfluß aus. Ter Tiefstand der Mark erschwert uns die Einfuhr der wichttgsten Bedarfsartikel in erschre­ckender Weise. Außerdem bedingen die Schwankungen unserer Valuta eine große Unsicherheit, namentlick für alle auf auswärtige Einfuhr angewiesenen Fabrikations. zweige Die Verbesserung unserer Valuta ist in erster Linie durch gesteigerte Ausfuhr anzustreben. Bei der Entziehung der gewaltigen Steuern aus dem Wirtschaftsleben ist zu beachten, daß sie zum großen Teil wieder in dasselbe zurückfluten und so befruchtend wirken. Die Vorbedingung für jede Verbesserung un­seres Wirtschaftslcbeft? ist eine ausreichende Koh. henförderung. Von ihr hängt schließlich jede Produktion ab. Hier mit aller Kraft einzusetzen, muß unsere vornehmste Aufgabe sein. (Sehr richtig.) Die Ernährungsfrage liegt außerordentlich schwie­rig . Für die wichtigsten Lebensmittel — Getreide und Kartoffeln — sind wir schon mit Rücksicht ans den hohen Weltmarktpreis int wesentlichen auf die einheimische Erzeugung angewiesen. Auch hier muß die Prodnktions- steigerung unsere wichtigste Slufgffbe sein. . (Sehr, rich­tig.) Insoweit die Zwangswirtschaft nicht beseitigt werden kann — für Brotgetreide ist sie zurzeit noch aufrechtzuerhalten — muß eine ausreichende Preisfest­setzung stattfinden sonst gehen wir der schwersten E r- nährungskatastrophe entgegen. Eine furcht­bare Verantwortung lastet in die dieser Beziehung auf der Regierung Sie kommt mit ihren Maßnahmen zu spät. (Sehr schtig.) Unter diesen Verhältnissen ist angesichts der Mißstimmung der Landwirtschaft der Uebergang zur extensiven Landwirtschaft außerordent­lich groß, viel größer als der ReichstoirtschaftZminister annimmt Die Regierung muß daher Vorausschauen und rechtzeitig mit den zu ergreifenden Maßnahmen einsetzen In weiten landwirtschaftlichen Kreisen besteht eine tiefgehende V e r st i m m u na g e g en die Zen­trum s f r a k t i o n, von der Erwägung ausgehend, daß die Landwirtschaft in ten Fraktionen in Staat und Reick der ausreichenden Vertretung entbehre. Der Fraftion als solcher kann ein Vorwurf nicht gemacht werden, denn die Abgg. sind durch die B e r t r au en» männer der Wähler bestimmt worden. Für die Zu­kunft ist aber zu erwarten, daß eine Besserung ein­tritt Die maßgebenden Steven werden sich nach dre. ser Richtung bemühen. (Beifall.) Die Frage ist aber die hat die ZentrumSfrccktion in der Vertretung landwirtschaftlicher Interessen «rgend etwas verabsäumt bat eS für die Landwirtschaft etwas geleistet und Erfolge erzielt? Ich kann aus vollster Üeberzeugung erklären, daß die Z e n t r u m s P a r t e t auch in dieser Hinsicht voll ihre Schuldigkeit getan hat. (Lebh. Beifall.) In der Zentrums- partei besteht seit ihrem Entstehen der Grundsatz des Ausgleiches der Interessen aller Stände« Dadurch allein konnte das Zentrum seine Erfolge erzielen. Die Land­wirtschaft wie jeder andere Berufsstand bedarf zur Er­reichung von Mehrheiten die Stimmen aus anderen Berufsschichten Einen bedeutenden Erfolg haben wir durch die Einführung des Ertragswertes für dftn ’ Grundbesitz jeder Art erzielt. Bei den hohen Neuern würde der Kaufwert für den Grundbesitz ge. rafcegu vernichtend gewirkt haben. Nur allmählich ist es uns gelungen, den Ertragswert zur Geltung zu brin­gen, denn auch bei einem großen Teil der RechtSpaft. tein stießen wir auf Widerstand. Bei den neuen Steuern sollte der Ertragswert nach dem Verlangen der Regie» nmg wieder beseitigt werden. Dem einmütigen Ein­treten aller Berufsstände im Zentrum ist es gelungn, fetzt allgemein für alle Steuergesetze den Ertragswert durchzuführen. (Lebhafter Beistill.) I,m übrigen ha­ben sowohl während de? Krieges als nach demselben die Zentrumsredner in den Parlamenten immer wie­der aus die zunehmende Bedeutung der Land­wirt s ch a f i und den notwendigen Schutz

hatte Recht gehabt, er kannte das Leben, denn er war em Kind der Armut gewesen.

Wenn ihr später, als sie ihm gefolgt roar und als die Not an sie herantrat, der Gedanke an den Tod kam, da wies sie ihn weit von sich, denn sie wußte, daß es einen gab, der mit ihr stand und fiel, daß sie des liebsten Men­schen Halt und Stütze roar. Und sie trag das Leben, sie nahm es rote es kam, und es kam endlich besser und besser und ward dann so schön, so schön. Aber mich das ver­ging imd der erst gerufene und später gefürchtete Tod erschien und riß den geliebten Mmm von ihrer Seite. Und als sie mit wilder Klage sich über den Leichnam warf utrh leidenschaftlich rief: „Nimm mich mit, nimm mich mit!" — da war es ihr gewesen, als ob der Tote ihr ins Ohr flüstere: Bleibe und trage! Auch das geht vorüber — Du hast noch Pflichten."

Sie roar geblieben und hatte getragen, sie hatte ihr Kind sich entwickeln sehen und hatte Freude und Leid mit ihr geteilt, ihr Schmerz hatte sich geklärt imd ihr war ein neues Leben geworden, em Leben nicht für sich, fon« dem für andere.

Des alles ging ihr durch den Kopf, als sie das wei­nende Mädchen an sich gedrückt hielt und langsam perlte auch ihr Träne um Träne über die Wangen und fiel in die gfänjenben Flechten des Mädchens. Lange hielten die beiden Frauen sich umschlungen, das erwachende Herz und das andere, dem an der Bahre des liebsten Toten der Begriff des Lebens aufgegangen war: das Verstehen uick Mftsühlen von allem was menschlich roar.

Frau Emma war nicht wie die meisten, die ihr Glück schwer errangen ho'-en, sie sagte nicht: „Das Glück muß mit Herzblut erkauft werden" — sie meinte: „Was man der Jugend gibt, gibt man für immer." Und fo beugte sie sich zu der Weinenden und fragte leise: „Was tut Dir weh, Mirni? Kenn es nur der Tod heilen, nicht viel­leicht auch das Leben?"

Die Kleine richtete sich auf, wischte mit der Hand über ihre Augen und schaute dann wieder zum Himmel empor. „Ich will nichts vom Leben, Tante", sagte sie traurig, „das Leben ist so häßlich. Da ist alles vergänglich und die Menschen sind so a-enfeimütig; kein Gefühl ist echt und dauernd. Was ka-n das Leben denn gutes bringen? Nichts. Es ist eine Reihe von Enttäuschungen und viel­leicht eme immer bitterer als die andere; drum möchte ich ft er fern." ->

((Fortsetzung folgt)]

derselben hingewiesen. Insbesondere hnrrbe möglichst der Abbau der Zwangswirtschaft und De. schränkung auf tic notwendigsten Erzeugnisse verlangt. (Beifall.) Die Mißstimmung in weiten landwirtschaftlichen Kreisen ist daher unverständlich. Tatsächliche begrün, bete Vorwürfe können der Partei nicht gemacht werden. (Lebhafte Zustimmung.) Die. Landwirtschaft wird! die wirksamste Unterstützung er).- fahren, wenn die Landwirte entschieden für d i e Zentrumspartei einireten und in ihr ihren Einfluß zur Geltung bringen. Nichts aber würde nachteiliger auf sie etntoirfgn als die Bil­dung einer Landwirtepartei. Auch ein Uebergang zu den Rechtsparteien wäre verfehlt, weil diese als oppo­sitionelle Minderheitspartei keine fruchtbringende An- beit leisten könne. (Sehr richtig.) Bet vielen wird- die Mißstimmung damit begründet, daß das Z e u t r um mit der Sozialdemokratie die Regierung ge. bildet hat. Es bleibt sür das Zentrum aber eine große Tat von höchster vaterländischer Bedeutung, daß es sich hierzu entschlossen hat, denn viel Unheil ist dadurch von Deutschland abgewendet. Die Zentrumsvartei hat. das wolle man wohl beachten übrgens ihre volle Selbständigkeit behalten.

Aus toirtschaftl. u. materiellen Gründen sollten, um. smnehr als die Gefahren des Umsturzes noch nicht be./ fettigi sindt alle Berufskreise dais Zentrum unter­stützen. Höber freilich stehen unsere idealen, kulturellen Güter, die das Zentrum nachdrücklich und tatkräftig wie keine andere Partei vertritt. Wie in der Vergan­genheit. so wird auch in Zukunft das Zentrum den unüberwindlichen Turm in dem Geisteskampf darstek- len, wenn uns die Wählerschaft die alte erprobte Treue belvahrt. (Beifall.) Die Bedeutung des Zen­trums wird wachsen, toeil sie den festen, starken Pol in einer schnellebenden Zett bildet. Hoffnungsvoll blickr fte deutsche Zentrumspartei in die Zukunft. (Lebhafter Beifall.) Sie ist in erster Linie Berufen, unser ge­liebtes Vaterland in tvirtschaftlicher und kultureller Be­ziehung einer neuen Blüte enkgegenzuführen. ^(Leh- Hafter. anhaltender Beifall.)

Hierauf verbreitete sich der preußische Wohlfahrts- Minister Stegerwald über

Sozialpolitik.

In einem Rückblick auf die Entwicklung, die die deutsche Sozialpolitik seit Bismarck genommen hat, er- klärte der Redner, daß die Sozialpolitik in Deutschland in der Hauptsache stets eine Arbeiter- und Armeleute- politik war. Wichtiger wären Vorkehrungen gewesen für Mutterschutz, Säuglingsschuh, Tuberkulosebekäm­pfung, Bekämpfung der Wohnungsnot u. a. Mit der äußeren Gesetzgebung in der Sozialpolitik hat die Ent-, Wicklung unserer sozialen Gesinnung nicht Schritt ge-' halten. Auf wohnungspolirischem Gebiet stehen toiti vor den ungeheuerlichsten Schwierigkeiten. Obwohl wir während des Krieges Millionen von Menschen verloren haben, hat sich die Zahl der Haushalte doch nicht oer- ringert, sodaß wir gegenwärtig eine Million Wohnun­gen benötigen. -lFn eine: Würdigung dcr Tätigkeit der Nationalversammlnng auf sozialpolitischem Gebiet er- klärte Stegerwald, daß das bisher Geschaffene nichtsOrga- nisches darstelle, sondern erst als Aufräumungsarbeit angesehen werden könne. Allen Uebeln und Schwierig-, feiten könne nur eine gesteigerte Produktion, in erster Linie im Bergbau, und eine Besserung unserer staatlichen Verkehrsverhältnisse begegnen. Die Entwicklung der künftigen Sozialpolitik müßte unter zwei Gesichtspunkten geleitet werden: Wir müssen die Volkserzichung und Volksbildung mit neuem Geiste er­füllen und nach einer Versittlichung unserer Wirtschaft streben. Deshalb hatte das Zentrum an der Forderung der konfessionellen Schule fest und verlange, daß bei der künftigen Errichtung von Volkshochschulen^ auch diesen der konfessionelle Charakter verliehen wird. Stegerwald verteidigte dann seine Verordnung über die Höchstmieten. Er verlangte, daß die künftige Wohl­fahrtspflege, für die bisher der Staat in der Hauptsache die Mittel aufbrachte, auf der allerbreitesten Grundlage organisiert wird unter Umfassung der weitesten Volks­schichten. Die polittsche Entwicklung verlange starke Parteien und Weltanschauungsparteien. Mit der Aen- berung unserer Wirtschaftsordnung müsse eine tiefe sittliche Läuterung des deutschen Volkes Hand in Hand gehen. (Lebh. Beifall.)

Da§ letzte Referat erstattete Abg. Ehrhardt über das l

Betrrebsrätegesetz.

Er gab einen Ueberblick über die langen und schwe ren Verhandlungen, die der Verabschiedung des Gesetzes durch die Nationalversammlung vorausgegangen sind. Völlig unrichtig sei die Behauptung, daß das Betriebs- rätegesetz und der Näteqedanken in Deutschland ein Ab- klatsch des russischen RätegedankenS sei. Mit der rus­sischen Ratediktatur habe die Vorlage nichts zu tun. Das Betriebsrätegesetz sei der erste gesetzliche Versuch zur Schaffung einer demokratischen Arbeitsverfassung.

Die Gewerkschaften regeln die Lohn- und Arbeits- bedmgimgen allgemein, den besonderen Verhältnissen im Betriebe können sie aber nicht immer ihre volle Aufmerksamkeit schenken, andererseits ist es aber nötig, daß die im Betriebe zur Wahrung der Arbeiterinter^ essen tätigen Arbeiter unter besonderen Schutz «stellt werden. Betrachtet man die Verhältnisse unter diesem Gesichtspunkt, dann kommen wir zu dem Ergebnis, daß die Betriebsräte eine wirkliche und wefentliche Ergän. zung der Gewerkschaften darstellen. .(Beifall.) Das Betriebsrätegesetz will dem Arbeiter und Angestellten in allen Punken volle Gleichbervchigung sichern, die aus dem ArbeitsoerhAtms sich als unmittelbare Arbeiter» iutereffen ergeben. Das Betriebsrätegesetz will ferner ben Arbeiter üt, stärkerem Maße am Betriebe selbst 'mc reffteten. Er soll bas Gefühl toieber erlangen

daß auch er ein lebendiges Mied lm Produktionsprozeß ist. Redner geht bann näher auf die einzelnen Bestim­mungen der Vorlage ein und verbreitete sich darüber, wie bas Zentrum m besonders hervorragendem Maße an einer gerechten Vertretung der Arbeitnehmer im Betriebs- rätegesetz mftgearbeitet hat. Don einer Gefährdung der selbständigen Entschließungsfreiheit des Betriebsleiters kann keine Rede fein. Entsprechend einem Antrag Hitze ist ausdrücklich bestimmt, daß fee mit der Betriebsleitung getroffenen Beschlüsse nur von dieser ausgesührt werden dürfen und daß irgend welche Maßnahmen seitens der Be­triebsräte nach dstser Seite hin unzulässig sind. Ein wei­terer stark umstrittener Punkt ist die Vorlegung der Bi­lanz und die Vertretung der Arbeiter in den Aussichts­räten. Die diesbezüglichen Bestimmungen der ursprüng­lichen Vorlage find entsprechend einem Zentrumsmttrag da­hin abgeänbert, daß jetzt nicht mehr eine Bilanz, son­dern lediglich eine Detnebsgewinn- und Derlustrechnunv vorzulegen ist und zwar auch nur in solchen Betrieben die 300 und mehr Arbeitnehmer beschäftigen. Dadurch isl erreicht, daß alle in erster Linie auf Personalkredit an gewiesenen Unternehmungen nicht geschädigt werben kön­nen. Auch bezüglich der Einstellmig sind an der Vorlage wesentliche Verbesserungen vorgenommen; eine Mitbestim mung oder Kontrolle im Einzelfallc sst ausgeschlossen und dem Arbeitgeber steht das alleinige Recht der Einstellung zu. Sei .(Enttafiur.g ift.j^n EmtzruHsvttht w besonderem