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hristlichen Weltanschauung aus die ideellen und male- Hellen Jnteresien aller Stände in billigem Ausgleich fördern will. Ais solche hat dar Zentrum der inneren Einheit unseres Volkes unschätzbare Dienste erwiesen.

Zwei Leugedanken unserer Partei rücke ich noch ein« mal in den Vordergrund. Der erste und oberste ist unsere religiöse Orientierung. Eie gilt auch für dar gesellschaftliche und LaS öffentliche Leben. Eine Wiedergenesung de» deutschen Volkes erachten wir ohne die Religion oder gar gegen die Relrgion als unden« bar. Die Fortexistenz einer Partei mit solchem Pro« gramm ist eine Staatsnotwendigkeit ersten Ranger. Der in den gegenwärtigen Zeitläufen diese Partei zu schwachen oder zu sprengen versucht, ladet eine unge­heuere Verantwortung auf sich. (Lebhastor BeifaD. Un­ser zweiter Leitgedanke ist der nationale. Mit dem Grundsatz: »Da» Vaterland über die Partei- haben wir ernst gemacht, selbst in den schlimmsten Zei­ten der Kulturkampfes. Wie viel mehr müssen wir er in der gegenwärtigen Zeit der tiefsten äußeren und, leider fei e« geklagt auch inneren Erniedrigung un­seres heißgeliebten Volke». Unsere Widmung an? teuere Vaterland heißt heute: .Je mehr du leidest, desto größer ist unsere Liebe; je größer deine Not, desto hingebender unser Opfersinn! (Lebhafter Beifall.)

5n der Nachmitagssitzung teilte Präsident Fehreii- bod) zunächst die Vorschläge de» vorbereitenden Komi­tees zur Geschäjtvetntei'. ung mit. Darnach wird der Parteitag bis einschließlich Donnerstag tagen wtb enden mit der Beschlußfassung über das Organisa­tions-Statut und über die Anträge und Resolutionen, sowie mit der Wahl des Partrioorftandes. Zwei Kom­missionen von je 9 Mitgliedern wurden gebildet zur Beratung des Organisaliuns-Swtuts, (Dors.: Abg. Brauns» und zur Beratung der einlaufc.iden Anträge, (Dors.: Abg Herold).

Den Rest der Rachmittaxeverhondlungen füllt eine überaus rege Aussprache über das Trimbornfche Referat aus. Man unterhielt sich in der Hauptsache über die Dündnismöglichkeit nach rechts und nach links.

Auf eine große Zahl von Anregungen und Anfragen antwortete Seichsfinanzminifter 6tjberftr: Biele Wähler haben im vorigen Jahr an eine bürgerliche Mehrheit in der Nationalversammlung gedacht und waren über unsere Koalition mit der Sozialdemokratie überrascht. Trotz der bürgerlichen Mehrheit wäre eine bürgerliche Negierung aber akkionSunfähig gewesen und hätte keine Woche bestanden. 35ei einer Regierung von Demokraten und Sozialdemokraten allein härte das Zenrrum die Zeche bezahlt. Denken Sie an di, Schul­politik. Nur die heutige Koalition konnte Deutschland retten. Da» Zentrum hat de»ha!b nicht ein Jota seiner Grundsätze aufgegeben. Allerding» das Wesen der Koalition zwingt zum Ausgleich, man mutz an der Peripherie des Programme» Opfer bringen. Wenn Sie die deutschnationalen Abgeordneten kennen würden, würden Sie einsehen, daß ein Zusammen­arbeiten mit diesen Herren unmöglich ist. Sie lehnen direkte Steuern, indirekte, selbst den Etat ab. -Denn das Zentrum in der Opposition wäre, würde e» eine Torhert begehen. (Lebhafte Zustimmung.)DaS Ausscheiden der Demokraten aus der Regierung ergab sich au» der UnterzeichnungSfrage. Am FrohnleichnamStage morgens 5 Uhr waren sieben Minister für die Unter­zeichnung, sieben dagegen. Eine Regierung war in Deutschland nicht mehr vorhanden. Ein Versuch, die Demotraten heranzubringen, scheiterte. Die Entscheidung fiel durch die Erklärung des Staatspräsidenten und Mrnisterpräsidenten von Hessen. Baden und der übrigen Länder. Wenn die Rekck^regierung den Frieden nicht unterzeichnet hätte, so wäre in 48 Stunden fein einziger dieser Ministerpräsidenten mehr am Ruder gewesen uns eS hätten andere Negierungen in Karls­ruhe, Darmstadt usw., jede für sich, einen Sonderfrieden abgeschlossen. Im letzten Augenblick wäre e» uns wohl gelungen, in den beiden Ehrenpunkten eine Mil­derung herbeizuführen. Die französischen Unterhändler glaubten uns da» zusagen zu können. Da kam die Verbrennung der Fahnen in Berlin und da kam Seapa Flow, zwei Ereignisse, die törichte Kreise in Deutschland bejubelt haben, von denen ich sofort sagte, daß sie un» eine schöne Stange Goldes kosten werden. Wir haben auch den MmderheitSparteien die RegierungSldilbung angeboten. Die Deutschnationalen antworteten nicht. Graf PosadowSky erklärte mittag» 1 Uhr (da» Uttim«- tum lief abends ab), die Rechte tvürde einen Eintritt in die Regierung in Erwägung zu ziehen, wenn sie die Unterstützung der MehrhettSparteten im Reichstage fände. «Ifo wir, die wir füc die Unterzeichnung des Friedens waren, sollten eine Minderheit tn den Sattel setzen, um den Krieg fortzusetzen. (Hört! Hört!) Die Oppo­sitionsparteien haben sodann ihre Erklärungen angeboten, die auch in öffentlicher Sitzung der Nationalversamm­lung abgegeben worden find, daß sie unsere Vater- ländischen Gründe für die Unterzeichnung nicht bezweifeln. Man sollte ihnen diese Erklärungen um den Kopf schlagen, damit sie mit der Verleum­dung aufhören, das Zentrum sei vaterlandS- los gewesen. Da» war in der Stunde der Not. Daran läßt sich die Rechte heute nicht mehr gern er­innern. Um so lauter mässen wir e« tun. (Lebhafter Beifall.) Es wurden Beamtenfragen angeschnitten. Bei allem Entgegenkommen gegen die Beamten werden Wir einen Beamten streik nicht dulden. Er wäre ein Widerspruch zum Wesen des Statt« und gitm Wissen des Beamtentums. Die schärfsten Dl Ittel da­gegen anzuwenden, ist die einmütige Absicht der Mlni- sterpräsidenten. Da? WortTinzelstcmt" sollte ver- ichwinden, es hat viele Mißverständnisse ungerichtet. Da» Reich braucht eine starke Zentralgewalt ; fie_ ist durch die Reichsoerfassung garantiert. Tie aus­wärtige Politik, das Finanzwesen, ba? HeereSwescn und das Verkehrswesen sind- die vier starken Pfeiler der Reichsgewalt. Das Ziel muß die Einheit des deutschen Volkes die Festigung aller deutschen Stämme sein. Wenn Sie kat«isihestZstaat" nennen, so stehe und falle ich mit diesem Einheitsstaat. Der Beschluß der preußischen LandeSversammkuna war eine große Tat, dem alten Staate Preußen ebenbürtig. Lei­der hat man nicht überall Verständnis dafür gehabt. Herold sagie richtig: Bayern tut alle? damit Preußen recht groß bleibe. (Heiterte i und Znstimmnwg.) Der preußische Antrag will Deutschland seine natürliche Gliederung in möglichst gleich große Länder geben bte «ruf dem Boden der Gleichberechtigung ein neues Reich bitten sollen. Dieser Grundgedanke ist varsikulari, stischer als alles, was das Zentrum bisher an Barliku. ilariSmuz an den Tg gelegt hat. Di- Bayern, Bad-n-r und Württemberger sollen Bundesgenossen finden in den Rheinländern, Hannoveranern und Thüringern. AbsplitterungSverst'chen im Reiche kann nur dadurch entgegentreten 'und auch nur dadurch das Ziel jedes < Deutschen erreicht werden, daß sich alles zusammen- findet was deutsch spricht, in einem Reiche, was "tm8 leider bis jetzt der FriedenSverlrag noch verbiet- Wir sprechen nicht darüber, aber denken stets d- (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

* Die Auslieferung.

2kote der Alliierten, in der die AuSlieferu» Kaiser Wilhelms verlangt wird, ist jetzt Holla»o übergeben worden. Sie ersucht Holland uttUt HinwetS auf Artikel 227 des FricdenSvertra-S (öffentliche Anklage wegen schwerster Verletzung der international Moral und der Heiligkeit der Ver­träge) und auf die angeblichen Kriegsberörechen de» Kaisers, die Alliierten bei der Turchfnhrnng der Strafverfolgung z« unterstützen. Die holländische Regierung sei in hohem Maße daran interessiert, nicht den Schein zu erwecken, als ob sie den Hcmpr- urbebet beschütze, indem sie ihm Zuflucht auf ihrem Gebiet gewähre, sondern den Anschein, daß fie das Gericht erleichtere.

Man könnte auS der Fortsetzung der Rote, die zwar recht eindringlich ist, die Vermutung ziehen, die Entente wolle weiter keinen Zwang anwenden, sondern werde sich mb den üblichen Protesten zufrie­dengeben, wenn Holland die Auslieserung unter Be­

rufung aus sein Dfylrecht ablehnt. Die amtliche Aufforderung an Holland muß'e freilich ergehen, nachdem die Entente im Versailler Vertrag sich auf die Verfolgung deS Kaisers ausdrücklich festgelegt hatte. Es ist aber wohl möglich, daß man inzwischen erkannt har, rote wenig Ehre oder Vorteil habet zu erwarten ist. Z«r Wahrung der Ehre deS inter­nationalen Rechtes muß Holland da? politische Be­gehren der Alliierten zurückweisen. Die Niederlande liefern grundsätzlich wie alle Kulturstaaten wegen politischer Vergehen keinen Menschen aus, der sich in ihre Obhut begeben hat. Dieses Prinzip ist in den zwischen Holland und den Ententestaaten abge- schlossenen AurlteferungSverttägen der Vorkriegszeit überdies ausdrücklich festgelegt worden. Man steht also nicht, tote eS Holland möglich sein soll, den Kaiser her Rache der Entente auszuliefern. Im Interesse de» unglücklichen Monarchen und au8 unseren eigenen Gefühlen heraus würden wir eS natürlich begrüßen, wenn dieser skandalöse ^Kaiser- Prozeß" unterbliebe.

Schließung weiterer Eisenbahnwerkstätten.

Außer der Eisenbahnhaupttoerkstätte in Nied hat die Regierung während de» letzten Eifenbahnerstreiks wegen der Untoirtfchaftlichkeit des Betriebe» auch die Eisenbahnhcnlptwerkstätten in Wedau, Speldorf,NipPeS und Krefeld-Oppum geschlossen und sämtliche Arbeiter entlassen. Ferner wurde den Eisen- batmarbeifern bei der Berriebswerkstätte in Kirch- toephe, die zunächst in passive Resistenz und kann gleichfalls in einen wilden Streik traten, eine Frist zur Wiederaufnahme der Arbeit gesetzt. Da die Arbeiter weiterhin ihrem Dienst fernblieben, sind sie gleichfalls entlassen worden. In allen Fällen glaubt die Re­gierung, wie bei der Schließung der Eisenbahnhaupt- stätte tn Nied, eine weitere Vergeudung von Staatsgeldern vor dem Volk nicht mehr ver­antworten zu können.

Derhastung von Radikalen.

* Dftfin, 19. Jan. Heute wurde der Führer des radikalen Flügels der Unabhängigen, Säumig, im Auf­trage brr Reichsregierung durch das Oberkommando in den Marken verhaftet. Die Untersuchung hat das Bestehen eines kommunistischen Aktionskomitees er­geben, das verhetzend vorgeht.

Ans dem besetzten Gebiet.

SinAnschlag" gegen Dorfen. Die Wiesbadener Rhein. Vc-Ikrztg." veröffentlicht einen längeren Be­richt über einen angeblich aufgedeckten Ansch'ag der Berliner Regierung gegen den famosen Dr. Dor­ten und seine Msthctser. Die Berliner Regierung habe Dr. Torten durch einen willigen Kommunisten gegen eine Belohnung von einer Million Mark ums Leben bringen lassen nullen. In Lerbindung damit stehe die Verhaftung des Polizeidirektors Thom durch die fron- zösischen Behörden. Eine Anfrage beim zuständigen Ministerium ergab, daß die ganze Meldung eine lä­cherliche Erfindung ist. Polizeidirektor Thom ist sofort wieder entlassen und in seinem Amt belassen worden, was sicherlich mchi geschehen wäre, wenn auch nur ein Teil dieser Behauptungen zuträfe.

Weltkonferrnz für Europas Finanzgesundung.

Die ,Frkft. Ztg^ meidet aus New Dort: Bekannte Burger, darunter im Namen der New Iorker Han­delskammer Karl Warburg und Frank Dvnderlip, sowie Vertreter England», Frankreichs, Hollands, der Schweiz und der skandinavischen Staaten, werden eine Wellkonserenz für die Finanzgesundung Europas einberufen. Auch Deutschland soll dazu eingeladen werden. Der Wiedergutmachungs-Kommission wirb Mäßigung empfohlen.

* Prozeß Erzberger ° Helsserich. Gestern begann in Berlin der Prozeß gegen StaatSminister a, D. Helsserich wegen Beleidigung des Reichsfinanz- Ministers Erzberger.

* In der Arbeiterbewegung macht sich eine all- aemeine Entspannung bemerkbar. Im Reiche herrscht überall Ruhe, nur in Sachsen und Schlesien sind noch gewisse Reibungen mit den Eifenbahnarbeitern festzustellen. ' -

* In Thorn sind am Sonntag polnische Truppen einmarschiert. Da? übrige westpreußische Gebiet wird in neunzehn Abschnitten von den deutschen Truppen geräumt.

* Vertreter von 36 deutsch-westungarischen Ge­meinden der Bezirke Güssing und Gotthart lehnten einstimmig die Teilnahme an den Wahlen für die ungarische Nationalversammlung ab und stellten verschieden- Forderungen hinsichtlich deS Anschlusses Teutsch-WestungarnS an Deutsch-Oesterreich.

KmlMö.

* * ,> ranleeich. Clemenceau hat, nachdem er bei der Wahl zum Präsidenten der Republik unterlegen ist, auch fein Amt als Ministerpräsident mifgegeben und scheidet aus dem politischen Leben au». ' TaS neueKabinett wurde durch Mill er and gebildet. UnlerMillerand darfmander französischen Politikmehr Besonnenheit und Mäßigung erwarten als wenn Clemenceau nut der ganzen Kraft seines brutalen HasseS auch weiterhin seinen Grundsatz vertreten härte: der Friede sei nur eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Clemenceau behält borlättfh den Vorsitz tut Rat der Alliierten bei.

Am dem AaySargevler

[:] Hilder» (Rhön). .Für den am Sonniag, den 25. Januar, nachmittags 1 Uhr, int hiesigen 4. Schulsaale beginnenden 3. Meisterkurfus haben sich bi§ heute 16 Teilnehmer gemeldet. Die Zahl derselben wäre jedenfalls schon höher gestiegen, wenn der eifrige Förderer dieser Kurse, Obermeister Ed­mund Hohmann, uns nicht inzwischen durch bett Tod entrissen worden wäre. Meldungen sind noch bis zum obengenannten Zeitpunkte an das stellver­tretende Mitglied der Handwerkskammer, Herrn Lackierermeister Damian Wehner in Hilder? zu richten. Auch bei ihm liegt die Angelegenheit tn bewähtzen Händen.

(::) Cannerz. Hier und in Weiperz fanden am verflossenen Sonntag gutbesuchte Versammlungen statt, die der Wiederbelebung des Volksvereins zu dienen bestimmt waren. Nach ermunternden Ansprachen der Herren Pfarrer Hüber und Kaplan Roth und allseitig befriedigenden Vorträgen des Volks- vcreinSsekretärS Frank-Fulda konnten inSgechmr 98 Mitglieder dem VolkSvetein zugeführt werben. An diesem Mitglieder,uwachS sind erfreulicher Weife auch 34 Frauen und Jungfrauen beteiligt, von denen eine sich als VertrauenSpsrson des VolkSvercinS frei­willig meldete. Möge ihr Beispiel allseitige N ich- ahwung in der katholischen Frauen- und Männe.- Ivel- finden.

Friedberg. Tie auS dem Hcnmrcr Mch « schiebet Prozeß bekannte Scharmülle bet dritte! wHin­durch einen Brand einaeäscherl.

hk Saffet an Der Sitzung der Stadtverordneten am Montag erfolgte die Ein f ü hr ung Philipp Scheideinann? als Oberbürgermeister der Stab t. Schon lange vor Beginn bet Sitzung herrschte, starker Andrang zum Zuhörerraum und die aus oH*n Devölkerungsklassen flammenden Schaulusti­gen füllten auch einen Teil des Sitzungssaales. Nach­dem de: Stadwerordnewnvotfteyer dm neuen Ober­bürgermeister mit kurzen Worten begrüßt hatte, über­richte Regierungspräsident opringorum dem Neu- gewählten die Bestätigungsurkundc und forderte in längerer Rebe zur Beseitigung der Parteigegensätze und zu gemeinsamer Tat im D-cnste des Vaterlandes auf. Er gdachtr auch mit Werten des Dankes der Tä­tigkeit des früheren Oberbürgermeisters und jetzigen Reichsministers Koch sowie des Bürgermeisters Brun­ner, der über ein Jahr lang die Geschäfte der Stadt teilet. Oberbürgermeister Scheibemann dankte für die Begrüßung und sagte mit Rücksicht auf die par­teipolitischen Gegensätze, man müsse die Ueberzcugung eines jeden achten. Schr'bemann wies auch auf seineaTätigkest. als Ministerpräsident hin und meinte vom Prinzen Max von Baden, es habe ihm an guten Willen nicht gefehlt, aber es fei damals zu spät ge­wesen. Scheidcmann ging kamt auf fein kommunales Programm m längeren Ausführungen ein. Die Rede wurde ost von Beifall unterbrochen und rief zum Schlüsse laute Bravos und Händeklatschen hervor. Die Stadtverordneten waren vollzählig erschienen mit Aus­nahme der 11 Mitglieds der beiden Rechtsparteien. Bürgermeister Brunner gab feiner Freude darüber Ausdruck, baß wieder ein Sohn d-r Stadt Kassel an der Spitze der Stadwerwaltung stehe und forderte zu reg­ster Mitarbeit am Gemeinwohl auf. Als die rechts- stehenden Stadtverordneten nach dem Einführungsakt wieder im Saal erschienen, wurden sie von der Linken mit höhnischen Zurufen empfangen.

A:rS Oberhesien und den hoff. Aemtern.

A Marburg. Die Polizei beschlagnahmte auf bcm Bahnhose bei drei fremden Hamsterern insgesamt 65 Pfund Butter und zwei'Kisten mit Weizenmehl. Weitere 110 Eier, die sie noch bei. sich führtet-, mutzten ihnen belassen werden.

totales.

Fulda, 20. Januar 1.-20.

Der Kinoflandal.

Der Besitzer deS CrntralktnoS halte ein Mitglied unlerer Redaktion auf Veranlassung seines Rechts- beistandeS Dr., Loew auf gestern nachmittag zu einer Vorführung ringe laden, die der Begutachtung deS FilmS:Die Pest in Florenz* dienen sollte. Wir letzten durch, daß weiterhin mehrere katholische Mit­glieder der Stadtverordnetenversammlung und des Ma gistratS, sowie der katholischen Lehrerschaft, auch Frauen, her Vorführung bei­wohnen konnten. Bisher hatte b'er Stellungnahme der .Fuldaer Zeitung" gegen bett Pestfilm die illu­strierte Beschreibung in einer Filmzeitschrift ynb die entrüsteten Mitteilungen, die unS von gelegentlichen -Kinobesuchern gemacht worden waren, zu Grunde gelegen. Nachdem wir den Film nunmehr gesehen haben, sind wir im Einverständnis mit den oben genannten Begutachtern zu her Ueberzeugung ge­kommen, daß ein hiesiger Kinobesucher Recht hatte, der uns dieser Tage sagte: Die Fuldaer Katholiken müßten Schlappschwänze fein, wenn sie sich das gefallen ließen!

Unsere Leser mögen es unS erlassen, daß wir die fwttzr Filrnfadrl in ihrer antichristlichen und ami- katholischen Tendenz hier aufrollen. ES wird darin versucht, die Kirche als Unterdrückerin jeder Sinnen« freude darzustellen; Kardinale, Bischöfe und Ordens« leute erscheinen als geile Mucker und astlochtchnüf» kelnde Zeloten. Der Sache ist eine fadenscheinige Nsttaiffance-MaSkerade umgehängt, die den Wider­spruch aber nur um so heftiger herauSfordert, da die katholische Kirche der Renaissancezeit eher zu viel als zu wenig Zugeständnisse an die sinnliche Welt ge­macht hat. Der Schlußgedanke, daß ein büßender Mönch unter ,bigott em Gebahrcn die Pest nach Flo- renz dincinträgt und damit Gott versöhnen will, ist eine Entweihung des ChristcngotteS, der em Gott der Liebe und der Erbarmung ist. Nur in alttesta­mentarischer Denkweise kann so eine Auffassung ent­stehen.

Run nehmen wir ort, daß die meisten Kinobe­sucher sich um solche grundsätzliche Gedanken wenig kümmern. Ihr Sinn hastet an her Oberfläche, an Den Einzelheiten. Und gerade diese Einzelheiten find in derPest in Florenz*, wenn man tue Sache von dem lokalen Standpunkt unserer Stadt beurteilt, maßlos herausfordernd. Nur einiges sei verzeichnet: der Kardinal wirft, während er mit einer Monstranz den Segen erteilt, einem Frudenmädchen geile Blicke zu. Dieses Bild erscheint in übertreiben­der Größe, wodurch die Wirkung sich verschärft. ES treibt dem Katholiken das Blut in den Kopf. Ferner werden die Gesichter kirchlicher Würdenträger und Mönche in allen Schattierungen geilster Sinnlichkeit gezeigt. DaSGanze muß schließlich als schärfste Aufreizung zum Priesterhaß wirken. Ein Einsiedler, der mit Kreuz und Rosenkranz ununter­brochen hantiert, den Namen Franziskus trägt, wird schließlich von der Dirne verführt. In abstoßendster Weise wird gezeigt, wie er der Geilheit verfällt Da­bei verwandelt sich vor seinen Augen wiederholt ein lebensgroßer KrucifixuS in die halbbekleidete Dirne «nd dann wieder zurück. Genug davon! In Fulda mit feiner katholischen Vergangenheit und feiner weit überwiegend katholischen Bevölkerung wagt man solches vorzuführen! Die Katholiken können sich , diese Schmach nicht gefallen kaffen. Sie werden j alle gesetzlichen Mittel anwenden, um zu ihrem i Reckte zu kommen.

Nun aber weiter! Das, was die Katholiken be­rührt, ist nur ein Grund für jeden warmherzigen Freund unseres Volkes, gegen diePest in Florenz" ] zu protestieren. Ganz int allgemeinen erreicht der Film einen Tiefstand. Wir können auch hier nicht auf alles eingehen. Es wird genügen, wenn j wir feftstellen, daß einmal sich zahlreiche Liebespaare I auf den Stufen eine» Altars in geiler Glut wälzen, I ferner, daß der Mönch den früheren Liebhaber der I Dirne erwürgt und neben dem Leichnam seinen Liebe?» I bnnd mit dieser schließt, schließlich daß unS einen I ganzen Akt lang zugemutet wird, daS Wüten | der Pest mit anzusehen, daS plötzliche Umfallen der I Totkr.iulen, das Fortsckaffen der Kadaver und die 1 rohe Beseitigung der Leicken im Massengrab. Die Frau deS ,Fuldaer KreiSblattS", die angeblich infolge Aufregung über das Zerbrechen einer Fensterscheibe bei der Kundgebung der Schüler schwer krank ge» roorben ist, kann froh sein. Wenn sie diese qual­vollen Peftbildcr gesehen hätte, wäre sie bei ihrer anscheinend sehr schwachen Konstitution sicher ganz fettig gewesen. Wenn tm Kreisblatt ferner a'nge- dcntcl wird, daß es tn den modernen Films vielfach noch berechtigtere Gelegenheit zum Einipntch aus sittlichen Gründen gebe als bei derVeü". so

soll dem nicht widersprochen werden. Für westau» den größten Teil her Fuldaer Einwohnerschaftge. nügt" das, was in derPest" geboten wird, schon vollauf. , Wir sind der sicheren Ueberzeugung, daß wir Katholiken in diesem Kampf gegen die Kino. Schmutzflut nicht allein stehen. Die gesamte ernste Prcffe Deutschlands, mit am tatkräftigsten bte sozialdemokratische Presse (die in dem beson- dcrs rücksichtslosen und verjckkagenen Filmkapital ihren besonderen Feind sieht) kämpfen gegen diesen Schmutz. In der Fuldaer Stadtverordneten. Versammlung haben im Herbst bei der Beratung über die Vergnügungssteuer Vertreter aller Par. teicn sich gegen die Auswüchse des KistoS erklärt. Gerade heute bringen die Zeitungen Mitteilung von einer Verordnung des evangelischen Oberkon. Moriums in Darmstadt, welche die evangelischen Pfarrämter und Kirchenvorstände auf daS Vordringen des Kinowesens und seiner Üblen Begleiterscheinungen aufmerksam macht. Gegen anstößige Vorführungen solle Einspruch erhoben und voigrgangen werden. Was schließlich die Fuldaer Juden angeht, ;o werden auch sie gegen eine von den Katholiken als verletzend empfundene Kinovorstellung Einspruch er­heben. Sie wissen, daß gegen die Juden ihrer reli­giösen Ueberzeugung willen in vielen anderen deutschen Städten, z. B. im nahen Marburg, eine Hetze geführt wird, tote sie in Fulda glücklicherweis unbekannt ist. DaS katholische Fulda hat den Sinti, semitismus immer abgelehnt. Die Juden haben kein Interesse daran, daß in Bezug auf Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme in Fulda andere Auf. faffungen Platz greifen und sie werden unsere Siel» lungnahme verstehen, wenn sie sich an die Stelle der katholischen Priester und Ordensleute in derPest in Florenz" Rabbiner und sonstige jüdische Reli. gionsdiener denken.

ES bleiben als Schutzgarde des KinoS das-r^ FuldaerKreiSblait und seine Einsender, barnntez der Rechtsbeistand des Kinobesitzers, Rechtsanwalt Dr. Loew. Von einer berufenen Seite läßt sich das KreiZblatt in einem wenig berufenen Deutsch schreiben,es solle endlich einmal festgestellt werden, ob die einseitige Bevormundung, unter dessen (!) Alpdruck unserer (!) Stadt leider heutzutage steht, weiter bestehen muß und darf". Fulda hat nach dem freiesten Wahlreckt seinen Magistrat und seine Stadtverordneten gewählt, nachdem es schon vorher als eine Stadt her Toleranz bekannt und gerühmt war. Toleranz besteht aber nicht darin, daß sich die Mehrheit von der verschwindenden Minderheit der Freunds deS Zenkralkinos alles gutmütig gefallen lassen muß. Dann wäre das Ende der Schmach für uns Katholiken gar nicht ab­zusehen.

Herr Dr. Loew ergriff gestern zu einigen Be< merkungen im KreiSblatt daS Wort. Er tat ei wie im Sperrdruck gesagt wird, in seiner Eigen­schaft als Rechtsbeistand de? Herrn Otto Müller. Er äußert sich dahin, die ,Fuldaer Zeittrng" wolle Andersgläubigen das Recht und die Fähigkeit absprechen, über Empfindungen der Katholiken zu urteilen. Rein! Wir wollen nur für bte Ka- tholiken das Recht in Anspruch nehmen, zu­nächst selbst über ihre eigenen Empfindungen zu urteilen. Als berufene Sachvetstänbige über die Stellung b er Katho liken zu böm Pest. Film könrien selbstverständlich nur Katholiken ein Gutachten abgeben, da? von Katholiken aner­kannt werden kann. Sonst könnte man auch Astro­nomen al» Sachverständige für Milchfälschunget­heranziehen.

Was die Kundgebungen der katholischen Schüler anbetrifft, so fürchten wir vr> m strafrechtlichen Standpunkt nichts für diese jugendliche Begeiste- nmgstat. Im übrigen sei hier aber festgestellt, daß Der Kampf gegen den Kinoskandal von Anfang an, heute und immer nicht von der Jn-rnt allein geführt wirb, sondern daß die katholische Bevölkerung Fuldas in ihrer Gesamt­heit, in all ihren Organisationen und Vertretungen, die Angelsgenheit als Ehrensache betrachtet und ihr« Standpunkt in jeder zuläsfigen Form geltend macht.

ch Militärpersonen-Nachrichten. Hauptmann von Fnmetti, vor dem Kriege beim Füsikier-Regi- ment Nr. 80 und während des Kriege» mehrere Jahre RegimentSabjutant in dem genannten Regi­ment, wurde unter Beibehaltung seiner bisherigen Uniform zu den Offizieren der Armee versetzt zur Dienstleistung beim R ei ch s-Wehr«Mini­sterium kommandiert. Das Kommando gilt als Versetzung.

n. 'Die Rektoratsprüfung hat am 16. b. MtS. Kassel Herr Lehrer Hermann Ha en dl er zu Seelen­berg im TaunuS bestanden. Er besuchte von 1903 bi» 1906 das hiesige Lehrerseminar.

)-( Meisterprüfung. Vor der PrüfungSkommisfio» für Elektrotechnik in Kassel bestand Herr Albert Jaenecke von hier die Meisterprüfung mildem PrädikatSehr gut".

-^ Verliehen wurde dem Eisenbahn-Gütervorfteher Wissemann hier das Berbienstkrenz für Kriegshilfe.

'CP Postverkehr mit dem besetzten Gebiet. De» im französischen Besetzungsgebiet qufgelieferten und den dahin gerichteten Päckchen Dürfen* nach militärischer Anordnung keine schriftlichen Mittei­lungen beigefügt werden.

«= Kath. Frauenbund. Wie au» dem Dnzeigenieu ersichtlich, beginnt am Mittwoch den 21. Jan. abend« 8 Uhr die 2. BortragS-Serie des hochw. Herrn Dr. Cap istran über da» Thema: »Jesus von Nazareth, wie wir ihn noch heute scheu im Lichte des Glaubens und der Wissenschaft.* Wir möchten an dieser Stelle noch einmal ganz besonders auf diese Vorträge Hit»- weisen uud herzlich dazu einladen.

Letzte Nachrichte«.

wtL Amsterdam, 20. Jon. Zur Note her Entente betreffend bte Au S l i c fe rn n g des Kaisers schreibt ,,Tijd": Möge unsere Regierung, selbst auf dw Gefahr, in den Enlenreländern tmfreut!bliebe Ge. fufile zu erwecken, die Bürgschaft der R-ckstssicherhett schützen. Sie wird nicht allein unser-nt Lande sondern der ganzen Menschheit einen Dienst damit erweisen, wenn sie selbst unter den schwierigsten Umständen mit Festtgreit für die Forderung der Gerechttgkeit eintritt. , 20- Jan. DieVoss. Zeitungy" berich­

tet daß ahnffch- Diebstähle wie auf dem Trupycn- ubnngsplatz Jüterbog unb cuf dem Schießplatz T e g e I, auch auf dem Döberitzer Uebungs - Platz ttotgefemunen sind. Scharen von Kugelsuchern holen tagltch, teilweise mit HandwEn, das wertvolle Geschoßmaterial und veräußern es an bte am Platz- renbe wartenden Händler, wobei sie oft Tageseinnah­men von 200 Mark und darüber erzielten. Erst fetzt feten miliärifcherfetts Bestimmungen getroffen worden durch scharfe Bewachung die auf den Plätzen liegenden, Metallsprengstücke vor unbefugten Zugriffen zu schütze».,

W Berlin, 20. Jan. DemBerl. Lo.-Anz " aus A l l e n ft e t n zufolge treffen dort zahlreiche Zivilisten aus Solbau, Neidenbnrg unb Neustadt ein/dte vor den polnischen Besatzungstruppen flüchte- Leit Sw berichten von unglaublichen GrevÄtateu, die dis Polen verübten.