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Nr. 15.

Verantwortlich für den redaktionellen Zeil: Karl Schutte, :: für die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. r.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 20, Januar 1920.

Bezugspreis: Monatlich 1,30 2Tif. ohne Zustellungsgebühr. :: In Fulda bei uns abgeholt 1,40 Alk. ::

Anzeigenpreis: DieKleinzeile (nach Colonelschrist) 50Pfg., dieReklamezeile (Textbreite) 12RL, bei Wiederholung Rabatt.

47. Zahrg.

Der Zentrumsparteitag.

ss Berlin, 19. Januar 1920.

Tie Zentrumspartei des Deutschen Reiches trat em Montag zu rhrem ersten Reichspartertag im SieichStagsgebäude in Berlin zusammen. Die allge- tneine, vorab die Verkehrslage, ist derarr unglück­selig,, daß der Besuch des Parteitages offenbar be­einträchtigt wurde. Dennoch war die Beschickung in Anbetracht eben der außerordentlichen Verhält'niffe durchaus gut zu nennen. Der große Sitzungssaal de§ Reichstages war fast bis zum letzten Platze besetzt. Die alten Veteranen der Zenlrurnspartei, die bewährten Führer »in sturmbewegter Zeit, sitzen Seite an Seite neben den vielen jun een Kräften, die ihre Tatkraft, ihren Effer und ihren Fleiß in den Dienst der Partei gestellt haben. Alle Lands­mannschaften sind vertreten. Auf der äußersten Rechtm sitzen in den Hinteren Reihen die Schlesier und die östlichen Delegierten, vor ihnen die süddeutschen Vertreter, die Württemberger und Badener, unter ihnen auch die Pfälzer. In diesen Reihen bemerkt man auch mehrere Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei. Gegen die Mitte zu reihen sich die Hessen und die mitteldeutschen Vertreter an. Die breite Mitte wird von den Rheinländern und Westfalen eingenommen, denen sich nach links zu die anderen Landsmannschaften anschließen. An der Mnisterdank sieht man die Abgeordneten Fehrenbach, Porsch, He­rold, Mausbach, Becker-Arnsberg und viele «mdere Persönlichkeiten, an ihrer Spitze der Vorsitzende der gesanrtm Zentrumspartei und für die Fraktion in der Nationalversammlung, der Abg. Trimborn.

Als um halb 11 der Abg. Trimborn zur Be­grüßung des Parteitags das Wort ergreift, bietet der Saal ein stattliches Bild. Trimborn begrüßt herzlichst die Delegierten des ersten Parteitages. Dem einen großen Ziele, der Einigkeit und Gefchloffenheit, und mit diesen Faktoren des gegenseitigen Vertrauens, soll dieser Parteitag dienen. Eine kurze Totenehrung war dem verdienstvollen verstorbenen Abg. Gröber gewid­met. Man schritt dann sofort zur Bildung des Präsidiums. Unter stürmischem Beifall wird der Präsident der Nationalversammlung, der Abg. Aeh- reubach, zum Vorsitzenden dieser Tagung gewählt. Das weitere Büro setzt sich wie folgt zusammen: zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden wurde der Abg. Porsch, der Vorsitzende der Zentrumsfraktion der Preußischen Landesversammlung, zum zweiten Stell­vertreter Fürst L ö w e n st e i n und zum dritten Stell­vertreter Redakteur Elfers von der „Westdeutschen Arbeiterzeitung", M. Gladbach gewählt. Schriftführer wurden: Fabrikbesitzer Krings, Neuwied; Redak­teur Hauser, Stuttgart; Chefredakteur Heßlein, Dres­den, Professor Dr. Most, Breslau; Frau Dr. Driesen, Westfalen, Rechtsanwalt Dr. Bauer, Konstanz, Lehrer Lammerich, Berlin und Arbeitersekretär Blank, Hil­desheim.

Die Gewählten nahmen mit Worten des Dankes an. Bemerkenswert waren die Ausführungen des Fürsten Löwenstein, welcher feine Wahl als ein Dokument der Zusammengehörigkeit von Adel und Volk betrachtete. Diese Worte fanden ebenso warmen Widerhall wie jene des dritten stellvertretend«! Vor­sitzenden, der die Zusammengehörigkeit der Arbeiter­schaft im Zentrum mit den anderen Berufsständen her- dorhob und seine Wahl gleichfalls als ein Dokument dieser Zusammengehörigkeit bezeichnete.

Nu» ergriff Präsident Fehr-vbach von der ihm wohl vertrauten Stätte aus einer prachtvollen Ansprache das Wort, welche die Herzen der Zuhörer ergriff und die Geistcr mächtig erhob. Eine erschütternde Toten­klage widmete er dem verstorbenen Zentrumsführer Abg. Gröber. Gröbers und W-ndthorsts Motto: seid einig, e i n i g, r i n l g! wüßten und würden auch die Parole der Verhandlungen dieses ersten Parteitages der Zentrumspartei des deutschen Reiches sein. Feh»

Der Simsedoktor.

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Edith ging bis zur. Grotte vor und setzte sich auf die nächste Moosbank; sie war zwar nicht rasch gegangen, aber gleich trinken mochte sie doch nicht. Und wie sie ans Trinken dachte, da mußte sie unwillkürlich lächeln; gerade so hatte sie gestern gelächelt, als ihr Liebhardt den Brun­nen angeraten hatte, imb er hatte auch sie angelächelt und sie hatten sich verstanden. Jetzt nachträglich errötete sie; war es denn recht, war es denn überhaupt mädchenhaft, diesen „ärztlichen Rat" zu befolgen? Eigentlich hätte sie ihr Verstehen nicht zeigen sollen, das wäre diplomatischer gewesen; aber — waren sie und der „Doktor" nicht eben durch das Bedürfnis der Aufrichtigkeit verbunden? Stein, es war ganz gut so; eine Trinkkur war zwar verordnet, aber eine Sprechkur sollte es werden und die tat ihr so not, so not. Daß sie es überhaupt nur so lange hatte aushalten können, alles in ihrer Brust zu verschließen! Aber warum er denn noch immer nicht kam?

Ehe sie den Gedanken zu Ende gedacht, tauchte an der Wegkrümmung hinter der Grotte eine Gestalt aus, die eilig näher schritt; er war es.

Sie stand schnell auf, ergriff ihr flaches Reifegläschen, das sie in die Tasche gesteckt hatte und eilte zur Grotte; dort plätscherte sie mit Feuereifer das Gläschen aus und sah nicht eher aus, als bis ein fröhliches: „Guten Morgen, Fräulein!" ihr Ohr traf. Dann wandte sie sich dem Grüßenden zu.

„Auch gefällig, Herr Doktor? Guten Morgen!" Sie hielt ihm das gefüllte Glas hin, er aber schüttelte sich.

„Ree, danke," meinte er gemütlich, „meine Medika­mente nehme ich nie selbst ein."

„Auch wenn sie so unschuldig sind?" fragte sie neckend.

„Auch dann nicht", gab er zurück.

„Ich verliere das Vertrauen zu Ihnen", sagte sie brohend.

«Zu meiner ärztlichen Kunst", verbesserte er; „das , dürfen Sie, aber zu mir nicht. Wenn Sie genügend Stur gebraucht haben, dann setzen wir uns ein wenig nieder und plaudern."

Sie trank das Glas leer und folgte ihm zu der Moos­bank, auf der sie früher gefeffen; und dann plauderten ffe, plauderten von allem Möglichen, bald Heller, bald Mlst. Als sie gerade wieder beim fi eiteren angelangt

renbach, dessen Ausführungen wiederholt von stürmi­schem Beifall unterbrochen wurden, war zum Schluffe Gegenstand einer gewaltigen Ovation. Der rauschende Beifall, der immer wieder sich erneuerte, bedeutet selbst in diesem sturmdurchbralisten Raume eine Seltenheit.

Hierauf spricht der Dorsitzende der Zenkrumsftaklion dec Ralionalversommlung, Abg. Trimborn, in etwa dreistündiger Rede über die

politische.Lage.

Die allgemeine politische Lage wird von zwei Er­eignissen beherrscht von dem verlorenen Krieg und von der Revolution. Der Krieg ist beendet Morden nicht durch einen Frieden der Gerechtigkeit und Versöhnung, sondern durch einen brutalen Gewaltfrieden, diktiert von dem Willen, Deutschland politisch und wirtschaftlich zu vernichten. Das Demütigendste sind da? Schuldbe- kmntni? und die Verpflichtung zur Auslieferung beS Kaisers, der Heerführer und sonstiger Personen. Diele Klauseln stempeln den Vertrag zu einem Schmach­frieden. (Sehr richtig!) Alles ist, namentlich auch von der Zentrumsfraktion, auf geboten, um diese Be­stimmungen, die ohne Vorgang in der Weltgeschichte sind, auszumerzen. Erst als alle dahingehenden Be­mühungen erfolglos waren, hat die große Mehrheit der Fraktion sich zur Annahme beS Friedens entschlossen. Die Folge einer Ablehnung wäre eine sofortige feind­liche Invasion in das imbesetzte Deutschland gewesen. (Sehr richtig!) Die weitere Folge wäre völlige Anarchie int Innern, der Zerkall des Reiches, separate Friedens- schlüsie und schließlich ein noch schlechterer Friede ge= , wesen. (Zustimmung.) Die Ännahme der Bedingun. gen war eine unentrinnbare Notwendigkeit. Die Re­volution verwerfen wir vom Standpunkt unserer christlichen Weltanfaffsung cu3. Wir verurteilen und beklagen sie aber auch, weil sie unendlich viel Unheil über Deutschland gebracht hat; sie hat den Abschluß des Waffenstillstandes ebenso wie die Friedensverhandlun- -gen auf das ungünstigste beeinflußt. Trotz der scharfen Verurteilung der Revolution haben sieh die Zentrums- sraktionen sotoohl in der Nationalversammlung tote in den einzelnen Lanle'Versammlungen ans den Bo­den der Republik gestellt und mit Demokraten tmd Sozialdemokraten eine Regierung gebildet, eine .Koalition, die heute noch besteht. Der Eintritt in lic Koalitionsregierung war eine praktische Not- Wendigkeit, denn nach der Revoltrtion kam es vor allem darauf an, eine geordnete, verhandlungsfähige Regierung zu schaffen, die den Frieden herbeiführen konnte^und einigermaßen für Ordnung und Sicherheit sorgte.' Geschah "das nicht, so war völlige Anarchie die unausbleibliche Folge (Sehr richtig). _ Durch den Ein- tritt in die Koalition haben wir die sozialist. Republik der ersten Wochen beseitigt und der demokratischen den Weg gebahnt.

Unser Eintritt und Verbleiben in der Koalition bedeutet kein Bündnis mit der Sozialde­mokratie. Wir sind uns vielmehr nach wie vor klar bewußt, wie tief die Kluft ist, die Zentrum tmb So­zialdemokratie trennt. Wenn wir trotzdem in die Koa­lition eingetrcten sind, so erklärt sich das eben aus, der zwittgenden Notwendigkeit. Das war der einzige W e B,«auf dem man an das große Werk des Wieder» astfbajus Deutschlands cmf allen Gckieten herantreten konnte. (Sehr richtig!) Neben der Her- beisührnng des Frieden? war das wichtigste Werk die Schaffung der neuen Verfassung. Das politisch bedeutunWvollste Ergebnis der Beratungen über die Verfassung ist die endgültige Konstituierung des Reichs und der Sänber als Republiken. Das Zentrum hat dem einmütig zugestimmt. Damit ist ein wesentlicher Grund­satz des Zentrumsprogramms, Ivonach die Partei eine monarchische ist, durchbrochen. Diese Schwen­kung ist nicht Erfolgt, weil wir die Republik für die beste re Staatsform halten, fondern weil das Leb-nS- intereste des Vaterlandes gebot, sich auf den Toden der Tatsmhen zu stellen. Hätten wir es nicht getan, so wäre ein langer, blutiger Bürgerkrieg gefolgt. (Sehr rich. tig!) Nachdem wir' uns zur Republik bekannt haben, müssen wir alle Bestrebungen, auf einem anderen al? dem DerfaffungSwege die Monarchie wieder herzustell- len, auf das entschiedenste ablehnen. (Sehr richtig!) Tharakteristisch für die neue Verwaltung ist ihr durch und durch demokratischer Charakter. Ans dem Obrtgkeitsstaat ist der Dolksstacrt geworden. Bei der Demokratisierung unsere» öffentlichem Lebens ist praktisch das Bedeutsamste die Einführung deS p a r-

tnaren, sagte Edith auf einmal lachend: „Jetzt ist es aber höchste Zeit für mich, nach Haufe zu gchen!"

„Ja, warum denn? Haben Sie meine Unterhaltung so plötzlich satt bekommen?" srogte er.

„Satt?" rief sie lustig. „Das ist's ja eben; hungrig bin ich dabei geworden! Sie grausamer Doktor verordnen Ihre Kuren ohne Rücksichten auf den Magen Ihrer Patienten."

„Sie haben noch nicht gefrühstückt?" rief er aufrichtig bekümmert; „das ist ja schrecklich."

„Es beginnt jetzt erst schrecklich zu werden", meinte sie; „ich glaube auf dem langen Heimweg werde ich Gras eflen."

„Morgen müssen Sie frühstücken, ehe Sie Herkommen, das gcht so nicht."

„Dann ist's aber doch keine richtige Km", sagte sie schelmisch lächelnd; „Brunnen muffen immer auf nüchter­nem^ Magen getrunken werden."

Er lachte vergnügt. „Ja, das ist wahn aber wiflen Sie was? Ich bringe ein Frühstück mit für uns beide; das ist ein herrlicher Gedanke, für den ich mich selbst be- wundem muß. Meine Haushälterin ist nämllch auch nicht gewohnt, früh aufzustehen, weil ich selbst etwas lange liegen bleibe; heute habe ich sie auf ihre Frage aus Ver­legenheit recht angeschnauzt, no, aber immer gcht das doch nicht. So werde ich ihr morgen sagen, ich mache eine Entfettungskur durch und muß zeitlich am Morgen Be- wegung machen."

„Und nehmen dann sm Frühstück für Zwei« mit, bas paßt gut dazu", entgegnete Edith heiter; „die (Entfettung wird da kaum gefördert werden."

„Soll sie auch nicht", meinte er gemütüch; „aber die Sache sieht dadurch erst recht glaubwürdig aus. Die Alte wird natürlich sofort sagen: Ra, da tonnten Sie wohl ruhig daheim bleiben und dafür nur die Hälfte essen, wäre auch so gut — dabei sich beruhigen und nicht weiter noch, denken."

„Aber ich? Ich kann dann zu Hause nichts eflen und Tante und Onkel sind dann außer sich; sie stich so auf- merksam und möchten alles in mich Hein einstopfen."

„Ra, das fft doch einfach! Nehmen Sie zum Bor« manb auch ’ne Kleinigkeit mit und dann teilen mir, da­mit ksins das andere beneidet, wenn es was Besseres ha<. Ist's recht so?"

„Ja, meinetwegen; aber ich heim."

Dars ich Sie ein Stückchsl bot e» ]

lamentarifchen Systems. Es hat sich als wirksames Mittel erwiesen, um der Imparität in der Besetzung der Beamten st ellen zu Leibe zu gehen. Nachdem es besteht, haben wir im Zentrum, die wir am meisten unter der Imparität ge. litten haben, allen Anlaß, auf einer ehrlichen Durch­führung zu bestehen. (Zustimmung.)

Ein besonders wichtiges Kapitel bei den Verfassung?- beratungen betraf das Verhältnis deS Reichs zu den bisherigen Einzel stauten. .Die Zuständigkeit des Reichs hat durch bie Verfassung eine große Erwei­terung erfahren. Vor allem iit die Finanzhoheit der einzelnen Staaten beseitigt. Das bedeutet einen star­ken Schritt zum Einheitsstaat. Der Einheitsgedanke hat auch in unseren Reihen immer mehr Boden ge. Wonnen. DuS Zentrum gibt die dem bisherigen Föde­ralismus (selbständige Bundesstaaten) zugrunde lie­gende llrantoairuna nicht auf eS vaßt sie nur de» ver­änderten Zeitverhaltniffen an. ES bleibt der Grund, gebaute bestehen, daß im Gegensatz zum zentralisier­ten Einheitsstaat die Glieder des einheitlichen Gesamt. organiSmus sich einer mit den Lebensintercffen des Ganzen verträglichen Selbständ igkeit erfreuen sollen, damit sie ihre kulturelle und wirtschaftliche Eigen­art behalten und iveiterpflegen können. (Beifall.) Das Ziel einer vernünftigen Neugliederung fall sein die wirtschaftliche und kulturelle Höchstleistung des deutschen Gefamtvolkes. (Beifall.) Den Traditionen des Zen­trums entspricht eS. wenn wir einer V e r p r e u ß u n g Deutschlands' widerstreben, dagegen eine Neugliederung deS Reichs verlangen, die in erster Linie eine Umgestaltung Preußens notwendig macht. Preußen muß im Reiche aufgehen, aber nicht in einem straff zentralisierten, sondern in einem noch vernünfti­gen Gesichtspunkten neugeglicderten Reich.

Parallel mit dem innerpolitischen Wiederaufbau muß Wiederaufbau unseres Wirtschaftsle­bens gehen. Dadurch, daß e$ der Koalitionsregierung gelungen ist. die äußere Ordnung und den regelmäßi- gen Gang der Sraatsmasclnne aufrechtzucrhaltcn. har sie eine notwendige DoranSsetztmg für den wirtschaftli­chen Wiederaufbau geschaffen. Das ist Sin unleugbares Verdienst. (Beifall). Nach anfänglicher Defferung der wirtschaftlichen Lage haben die letzten Wochen eine deutliche Wendung zum schlechten gebracht. Auch die Ernährungsverhältnisse haben sich in letzter Zeit ent­schieden verschlechtert. Diese ernste Sachlage erfordert die äußerste Umsicht und Tatkraft. Eine klare, ziel- bewußte Wirtschaftspolitik ist setzt eine wirkliche Le. benSfrage des deutschen Volles. (Lebh. Zust.) Ihr unverrülDareS Ziel muß die Wiederbelebung der ge- weMichen Produktion sein. Einsetzen muß diese Polittk bei der Landwirtschaft, denn fie ist mehr denn je ein Grundpfeiler unserer Wirtschaft (Sehr richtig). ES kann weiter keine wichtigere Aufgabe geben als die Hebung der Arbeitsfrendigkeit und zwar nicht nur beim Arbeiter, sondern amfi Beim Arbeitge­ber (Sehr richtig). Unser Wirtschaftsleben kann nicht wieder zu dauerndem Gedeihen gelangen, ohne Wieder- gesundung unserer Finanzen. Es mutz anerkannt werden, daß der Reichsfinanzminister Erzberger mit kühner Entschlossenheit schnell uni? nach einem groß­zügigen Plan an deren Lösung Beran getreten ist. Es ist nickst unwahrscheinlich, daß sich bei der Durchführung der Steuergesetze Mängel ergeben. Wir glauben aber, daß der wesentliche Zweck, wieder ein wohlgeordnetes und. gesundes Finanzwesen zu schaffen, erreicht wird. (Seif.) Ein wichtiger Teil rmserer WirtschaftS« und Finanzpolitik ist die BeamtenbefoldungS- frage. Das Staats intereffe verlangt dringend ein in seiner Existenz gesichertes, ausreichend besoldetes und deshalb zufriedenes Beamtentum. Dem Gesichtspunkt der Sparsamkeit muß dadurch Rechnung getragen wer­den. daß alle überflüssigen Stellen eingezogen werden und von den vorhandenen Beamten die volle Arbeits. leifhmg verlangt wird. (Beifall.)

Die wirtschaftliche Genesung Deutschlands mutz vor allem von einem geistigen GesundungSprozetz begleitet treiben. Eine nachhaltige, .praktisch wirksame Bereiche­rung und Veredelung ter Volksseele kann letzten En. des nur durch eine Berti ef ung des religiö­sen Lebens erzielt werden. Ohne diese arbeiten wir vergebens au der großen Aufgabe deS sittlichen Wiederaufbaues in unserem Volke. (Lebh. Zust.)

Diel mehr als früher müffen wir uns jetzt mit der auswärtigen Politik beschäfttgen, denn da» deutsche Doll hat noch eine Zukunft. Wenn die Ein,

ficKung unserer auswärtigen Politik in der Richtung, gegen eine bestimmte Macht oder eine Gruppe von Mäch­ten abzulehnen hat. so schließt das nicht auS, daß bieffi Politik doch ein klare? Ziel hat. Dieses Ziel kann nur eines fein: die Abänderung des nngerechten. kul. turfeindlichen, unerfüllbaren und unhalt­baren Friedensvertrages. Für jeden ver- uünfttgcu Politiker ist es völlig ongSeschloffen, dieses Ziel anders als auf friedlichem Wege zu erreichen. Wir müssen nnS loyaler Weise bemühen, den übernomme­nen Pflichten nach besten Kräften nachzukommen. Um so klarer wird sich die Unerfüllbarkeit des Frredensver- träges Herausstellen. (Sehr richtig.)

Eine zielbewußte und erfolgreiche auswärtige Polittk ist nur möglich auf der Grundlage gefestigter innerer Zustande. Eine starke Regierung ist jetzt die wichtigste Aufgabe. ES muß erreicht werden. daß alle, die auf dem Bodeu der gegebenen Verhältnisse unter Verzichr cnrf jegliche Gewaltpolitik, auf Reaktion und Revolu­tion. am Wiederaufbau redlich mitarbeiten wollen, sich hinter tiese Regierung stellen. Die Zus am m e n. fassung aH'et aufbanenden Kräfte ist daS Leitmotiv der Zentrumspolitik feit dem Zusammen­bruch gewesen. Diesen Gedanken mutz das Zentrum auch für die Re i ch StagS wahl en. die nicht mehr lange hmauSgefchoben werden dürfen, unverrückbar im Auge behalten.

' 1. Aus diesem Gesichtspunkt werden wir m der WalMcwegung den Eintritt in bie Koalition und das Verbleiben in derselben gegen alle Anfechtungen als eine unbedingte Staatsnotwendigkeit rechtfertigen.

2. Die Wahlen zum Reichstag müssen eine Situa-, tion schaffen, welche die Bildung einer möglichst starken Regierung ermöglichen.

3. Soweit sich die Verhältnisse gegenwärtig über­schauen lassen können für die Bildung der Regierung nur solche Parteien in Betracht kommen, die auf dem Boden der neuen Verfassung am inneq- und außenpolitischen Aufbau unter voller Verantwort.' liebfeit positiv mitzuarbeiten aufrichtig gewillt sind. Eine, Partei, die nur darauf auSgeht, durch reintnegative' Kritik den Wiederaufbau den Hemmschuh anzulegen oder, gar auf einen erneuten Zusammenbruch spekuliert, um! auf den Trümmern die Monarchie oder die Räterepu-. blik aufzurichten erachten wir als ungeeignet für eine Regierung des Wiederaufbaues nach dem Zusammen-' brnch deS KriegeZ.

4. Die Regierung wird um so stärker sein, je breiter die parlamentarische Koalition ist, auf der sie sich auf« baut ’ Unter Ausschaltung der Extreme von links und I rechts muß sich eine starke Mitte bilden.

5. Die Tatsacke, daß der so gebieterisch notwendige moralische Wiederaufbau des Vaterlandes ohne freiestes Entfaltung der religiösen Kräfte keinen dauernden Er»' folg verspricht, macht es dem Zentrum entsprechend fei»' nen Grundsätzen zur Pflicht, in keine Koalition einzu» ! treten, die nicht Bereit ist, die in Der Verfassung um-j schriebene Rechtslage der Kirchen und das Recht! der Elfern auf eine konfesfionelleErziehung! in der Volksschule festzuhaltcn und loyal auszn»^ Bauen. Diese Erziehung umfaßt: a) Gleichheit der Konfessionen bei Schülern und Lehrern, b) Erziehung der Schüler im Geiste der beftimmten Konfession, der such in den dem Unterricht zugrunde liegenden Lehr­büchern zum Ausdruck konnten muß, c) eine Ausbildung der Lehrer, die zu einer solchen Erziehung befähigt, d) Vertretung der Geistlichkeit als gegebene Repräsentanten', der Konfession in dem Organ, welches die Aufsicht über' die konfeffionelle Schule führt. .

Auf die unter 1—8 umschriebenen Ziele wird dm»? Zentrum seine Politik und Wahltaktik in umsichtiger: und weitherziger Weise einstellen und sie mit Energie' festhalten und verfolgen. (Lebhafter Beifall.) Gewisse Kreise innerhalb unserer Reihen müssen davon ablassen, die Koalition in Bausch und Bogen für die heutigen Zustände verantwortlich zu machen. Die Koalition ift- nichts andere«, als der Verwalter des aus dem Zusam- menbruch sich ergebenden Konkurses. Nur ein Tor kann den Verwalter für den Konkurs selbst verantwortliche machen. (Sehr richtig.) Auf der anderen Seite sollte, man es auch unterlassen, daS alte-Regime so maßlos' heruuferzureißen, wie es mitunter geschieht. Wichtiger^ denn je ist endlich, den Zentrumsgedanten in seiner, vollen Klarheit wieder zur Geltung zu bringen: Die Zentrumspartei ist keineStan des», sondern die allgemeine Dolkspartei, die vom Boden der

„Nur bis an den Ausgang des Wäldchens."

Sie gingen en? aneinander, wert es der Pfad nicht errBus erlaubte; ein; Weile schwiegen sie, dann meinte Edith plötzlich ernst: „Gestern hab' ich mich beklagt, daß ich betrügen müsse und heute tu* idj’s freiwillig; es ist nicht recht, daß ich hierher komme, das fft ein doppelter Betrug."

„Aber ich bitte Sie, Fräulein, das ist ein ehrlicher Betrug."

„Betrug und ehrlich, das fft eine zweifelhafte Zttfam- , menstellung", sagte sie lächelnd.

„Aber doch äußerst logisch", entgegnete er. „(Eine dop­pelte Verneinung fft bekanntlich eine Bejahung, und ein doppelter Betrug ist daher eine Ehrlichkeit."

Sie lachte hell auf. „Sie sind kühn in Ihren Schlüs­sen, aber ich beuge mich Ihrer Logik. Auf Wiedersehen also morgen."

Sie bot ihm ihre Hand, die er herzlich drückte, aber nicht küßte, dann eilte sie heimwärts. Sie sand die Hausgenossen beim Frühstück versammelt und wurde von ihnen bereits mit Ungeduld erwartet; ihr heller Blick und ihre geröteten Wangen wurden gebührend bewundert und Kienholz würbe nicht müde, des Doktors Lob zu singen, der sich 3um Hymnus steigerte, als et Ediths Appetit sah. Und es war ihm Ernst mit diesem Lobe; als ihm seine Gattin am Morgen die Mitteilung von der Brunnenkur gemacht hatte, war er ihr entzückt um den Hals gefallen.

„Der Liebhardt ist ein himmlischer Kerl", hatte er ge­rufen, „mein Lebtag hätte ich dem Dicksack nicht so viü Geist zugetraut. Das fft ja eine prächttge Id«! Dem Mädel fehll ja nichts als Bewegung im Freien, sie ist bloß verhockt und verttäurni, und das hat der Mensch mit einem Blick durchschaut. Küssen könnt ich ihn, küssen!" — Und da der Herr Doktor Liebhardt gerade nicht an­wesend war, küßte Herr Kienholz feine Gattin, was triefe mit Befriedigung geschehen ließ.

Einige Tage hindurch herrschte In der ganzen Familie eine fröhliche, fast gehobene Stimmung; Edith war heiter, manchmal beinahe knabenhaft übermütig; sie tollte mit Fritz umher, so daß dieser für die Cousine, um die er sich sonst wenig gekümmert hatte, zu schwärmen begann.

Aber auch Gustao war jetzt merkwürdig viel in ihrer Gesellschaft zu sehen, zum großen Mißvergnügen Walde­mars; jetzt, wo das Mädchen lebhafter geworden war und es keine so schreckliche Aufgabe mehr war, sich mit ihr ’*■ «ntetfurlten, brauchte er triefen witzffrübentzxg.

luftigen Detter ganz und gar nicht. Roch dazu schien eS Gustav darauf abgesehen zu haben, ihn gerade in Gegen­wart des Papas auszustechen; denn wie ausgerechnet, ließ immer, wenn dieser dazu kam, Gustav seine blendend­sten Mtzraketen steigen, bezauberte die ganze Gesellschaft und hüllte Edith geradezu in Liebenswürdigkeiten uuö Aufmerksamkeiten ein.

In dem ersten Freudenräusche über Edtths sichtliches Wohlbefinden wurde das alles kaum bemerkt, aber nach und nach ebbte die begeisterte Stimmung ab und alle die kleinlichen Berechnungen und Befürchtungen traten wieder an die Oberfläche. Kienholz war wütend über Gustav.

„Jetzt ist der verdammte Kellnerjunge hinter ihr her", sagte er zu feiner Frau; „wenn er Erfolge erringt, wenn ich nur ein «nzigesmal bemerke, daß sich Edtth für ihn zu interessieren beginnt, bleibt mir die Abenteurersippe keine Stunde mehr im Haus, merke Dir das!"

„Na, laß nur gut fein", beruhigte Frau Betti, „we­nigstens wird unser Waldemar ein wenig angestachelt;: der Junge ist ohnedies ein bißchen schlappohrig."

Kienholz ließ das zwar gelten, gab seiner Frau auch recht, aber das hinderte ihn nicht, etwas kratzbürstig gegen Frau Emma und ihren Sohn zu sein.

Diese schienen jedoch eine merkwürdig dicke Haut zu besitzen, denn sie quittierten jeden billigen Ausfall mit einem fast vergnügten Lächeln. Wenn er gewußt hätte, wie königlich sie sich in ihrem Zimmer über seinen Zorn unterhielten, wäre er zum Schornstein hinausgefahren.

Gustav hatte seiner Mama Fritzens vertrauliche Mtt- teilungen erzählt und sie hatten über Ediths vermeintliche Million und Kienholzens Hoffnungen viel gelacht, denn ihnen beiden schien dies« Million äußerst zweifelhaft. Gu­stav, der Schalk, hatte sofort den Plan gefaßt, der Erbin zum Aerger Kienholzens auf Leben und Tod den Hof zu machen und freute sich diebisch, wenn er sah, daß Ohm Kienholz feine Wut darüber mir schwer bemeistern konnte. Frau Emma inbeflen, wenn sie sich auch sehr gut habet unterhielt, mahnte doch zu wellen ab, da sie ja schließlich Gäste im Hause waren.

Während so klein« Stürme kleine Wellen auf der Ober­fläche des geselligen Lebens im Hause Kienholz warfen, ahnte niemand, daß in der Tiefe einer jungen Menschen- brüst «in Sturm tobte, der tausend helle Blüten vom Baume der Hoffnung riß, und daß ein junges Meafchea» herz aus einer tiefen Wunde blutete. '-----