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- Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer ÄeÜtnbrytferei ft» Fnld«

M'fr.

Freitag, 16. Januar 1920.

Zum Betriebsrätegesetz.

1 Nachdem der von den Unabhängigen versuchte Ge- Waltkampf um das Letriebsrätegesetz blutig zusammen- "gebrochen ist, beschäftigt sich jetzt die Nationalversamm­lung in eingehender Aussprache mit dem Gesetz, um e baldmöglichst zu verabschieden, da es noch in diesem Monat in Kraft treten soll. Es gibt wenig Gesetze, die jo umstritten find, wie dieses.

; Arbeitgeber und radikale Arbeitnehmer lehnen es gleichmäßig ab in der Form, wie es nach gründlichen Beratungen aus den Ausschußberatungen hervorgegan- gcn ist. Das Gesetz sucht die goldene M i t t e l st r a ß e «i gehen, die es beiden beteiligten Parteien ermöglichen fön, sich mit dem Gesetz zu brsreunden. An dem Zu- Aandekommen des Gesetzes in dieser Form hat das Zentrum einen hervorragenden Anteil und besonders ;.jein bewährter Sozialpolftikcr Prof. Dr. H i tz e hat durch seinen sachverständigen Rat viel zur Verbesserung des -Gesetzes beigetragen. Als einer der besten Kenner des Gesetzes gibt Hitze in derKöln. Polksztg." eine ge­drängte Uebersicht über Inhalt und Zweck des Gesetzes, 'deren Kenntnisnahme non allgemeinem Interesse ist.

Hitze stellt zunächst fest, daß es sich bei dem Betriebs- rätegefetz nicht um einen neuen Gedanken handelt. Wie He Zentrumsfraktion schon 1891 bei der großen Arbei­terschutznovelle mit allem Nachdruck in Anträgen gefor­dert hatte: obligatorische Einführung vonArbeiteraus- schüffen" in Bergbau und Fabriken, wofür sie dann 1908 auch die Mehrheit der Arbriterschutz-Kommission des Reichstages erreichte, und was endlich 1917 in dem Hilfsdienstgesetz" für alle Hilfsdienstbetriebe (einschl. der Landwirtschaft) Gesetz wurde, das soll durch die neue Vorlage nun allgemein und dauernd gesichert werden. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nannte man esAeltesten-Kollegien", in den neunziger JahrenArbeiter-Ausschüße", heute sind es dieBe- triebsräte" Der Name hat gewechselt, auch der Inhalt ist reicher geworden, aber Ziele und Wege zum Ziele sind wesentlich dieselben.

Als wichtigsten Grundsatz stellt Hitze fest: Der Ar- . beitgeber bleibtHerr im Hause", soweit die Lei­tung des Betriebes in Frage kommt.Ein Eingriff in die Betriebsleitung durch selbständige An­ordnungen steht dem Betriebs-, Arbeitgeber- und Ange­stelltenrat nich tzu, so stellt das Gesetz ausdrücklich fest (§ 34 Zentrumsantrag).

Die Betriebsräte sind und bleiben in erster Linie und wesentlich nur Organe der B e r a t u n g und freien Vereinbarung. Nur in ganz wenigen bestimmten Fällen: bei Festsetzung der Arbeitsordmmg und bei Kündigung von Arbeitern, soweit dieseals eine anbillige, nicht durch das Verhaften des Arbeitnehmers sZentrumsantrag) oder durch die Verhältnisse des Be­triebes bedingte Härte" sich darstellt, oder der berechtigte Verdacht einer Maßregelung wegen gewerkschaftlicher, politischer oder religiöser Betätigung vorliegt, haben sie eine entscheidende Mitbestimmung, und auch da bleibt die Anrufung des Schlichtungsausschusses, der dann end­gültig feststellt, was Rechtens sein soll. Aber auch für die Arbeitsordnung ist eine rechtsverbiMiche Entschei­dung bezüglich der Arbettszeit ausdrücklich ausgeschlossen sZentrumsantrag). Im übrigen kann zwar auch, soweit es sich um eineMitwirkung" im Sinne allen sozialpolitischen Aufgaben derArbeller-Aus- schösse" handelt, in Streitfällen der Schlichtuungsaus- schuh angerufen werden, aber diese war auch schon bis­her auf Grund der Verordnung über Tarifverträge, Ar- vefter- und Angestellten-Ausschüsie und Schlichtuung von Arbeftsstreitigkeiten vom 23. Dezember 1918 rechtens; hier hat aber der Schiedsspruch keine bindende Kraft, sondern nur eine moralische Bedeutung im Sinne der Verständigung. Dagegen ist bei den am mei­sten angefochtenen neuen Aufgaben der Betriebsräte, die Betriebsleitungzur Erreichung höchster Pro­duktionsleistungen und Wirtschaftlichkeit durch Rat zu unterstützen" und, bei Einführung neuer Ar­beitsmethoden fördernd rnftzmoirken", der Schlichtungs- Ausschuß ausgeschlossen.

Aus diesen Feststellungen ergibt sich, daß alle in (Eingaben und Reden wiederkehrenden Befürchtun­gen einer Revolutionierung" derBetriebe, einer einseitigenKlassenherrschaft" der Arbeiter usw. durchaus hinfällig sind. Das Gesetz ljat mit denArbeiter- und Soldatenröten" nichts gemein. Um­gekehrt bedeutet es eine Wiedereinlenkung in die allen konservativen Bahnen. Die Arbell-

Kleines ßemlleton.

Ei« Dankeroll der deutschen Wissenschaft. Die gesamte deutsche Studentenschaft erläßt einen Aufruf, in dem sie sich gegen die schwere Zurücksetzung wendet, die sie in der Tatsache erblickt, daß die Etats der Uni« versitäts-Institute heute noch dieselbe Höhe haben wie vor dem Kriege, so daß bei dem gesunkenen Geldwert kaum noch der fünfte Teil dessen für Unterricht und Forschung zur Dersügung steht, was früher dafür aufgewendet wurde. Das hätte zur Folge, so sagt der Aufruf, daß neutrale Staaten unter Aufwendung «roher Mittel versuchen, bedeutende Verttter der deut­schen Wissenschaft für sich zu gewinnen. kw.

was ist Glück?Glückwünsche" nennt m<ms, -was man feinen lieben Mitmenschen darbringt beim Wechsel der Jahre oder bei anderen Gelegenheiten. Und sei man offen: auch sich selbst wünscht man ost Glückl Aber was versteht man eigentlich darunter? Tst's Glück, wenn man ein großes Geschäft macht, wenn man ein gutes Amt hat, in der Lotterie gewinnt, en treues Weib und brave Kinder besitzt? Ach nein, das Glück ist nichts Aeußerliches. Sonst wären z. B. olle Leute glücklich, die gesund sind ober die viel Geld haben ober die hohes Ansehen genießen. Unb hoch be­finden sich gerade unter diesen recht, recht viele, die sich unglücklich fühlen! Was aber ist also Glück? Es ist letzten Endes eineinnere Harmonie"! Wer glück­lich sein will, muß entsagen können, darf nicht auf bie Befriedigung seiner besonderen Ich-Wünsche rech­nen und warten, er muß dasGlück im Winkel" zu verstehen trachten, muß zwischen leuchtenden Idealen und rauher Wirklichkeit ein Stück guter Lebensmög­lichkeiten finden! Glück ist inneres Empfinden, inneres E-leben, ein Hindurchschimmcrn des frohen dankbaren Gemüts durch das Alltagsleben, eine tapfere Erfüllung jeglicher Pflicht an dem Orte, an dem wir stehen, den vns unser Schöpfer hat angewiesen, zu dem wir uns durch eiserne Kraft emporgearbeitet! Ein Glückswert von unendlicher Größe ist's auch, wenn wir mcht immer nur an uns benfen, sondern irgendwo helfen, heilen, tröften, aufrichten! Wenn wir fürs Ganze leben, für olle uns einsetzen, bas Heil unseres Hauses, unseres Volkes, der ganzen Menschheit im Auge be­halten! Durch jegliche Arbeit, die wir gerne tun, klingt das Glück. Schwer ist es also wohl nicht, glücklich zu fern. Herrlich schön drückt es der Dichter aus:Willst du glücklich fein im Leben, trage bei zu Andrer Glück, denn die Freude, die wir geben, kehrr ins eigne Herz zurück.' Öttb ein andrer, Grillparzer, meint:Eines nur ist Glück

nehmet sollen wieder mit ihrem Betriebe mehr seeüsch, wirtschaftlich unb sozial verknüpft werden.

Es ist hocherfreulich unb eine Abkehr von bem ein­seitigen Klassenstanbpunkt, wenn heute bie Mehrheits- sozialisten sich zu diesem Stanbpunkte durchgerungen haben. Um so unverantwortlicher wäre es, wenn heute die Arbeitgeber sich weigern wollten, auf den nun gemeinsam gewonnenen Boden zu treten. Es ist bet einzige Weg, um wieder zum Frieden und zur Verftän- digung und damit zu geordneten Verhältnissen zu kom­men. Gewiß, es erfordert viel guten Willen, Einsicht und Geduld. Die starken gewerkschaftlichen Organisa­tionen, bie Einwirkungen bes Krieges unb bie Aufre­gungen der Revolution haben das Selbstgefühl und die Ansprüche der Arbeiter sehr gesteigert. Es ist auch wohl begreiflich, daß sie die auf Grund des Gesetzes neu gewonnenen Rechte zu überspannen geneigt sind, wie andererseits die Arbeitgeber sich noch schwer an die Tonart und die Forderungen der neuen Zett gewöhnen können Es gehört viel g u t e r W i l l e a u f b e i d e n Seiten dazu, um das rechte gegenseitige Verhältnis zu gewinnen. Es ist n i ch t einseitig bie Schuld der Ar­beiter, wenn es zu solch scharfer Spannung gekommen ist. Hätten bie Arbeitgeber dreißig unb vierzig Jahre früher es verstanden unb sich bereit gefunden, bie Ar­beiter durch Arbeiter-Ausschüsse zu einer geordneten Mitwirkung in der Betriebsverwaltung angemessen zu beteillgen, so würde es damals noch mit Dank angenom­men und hoch eingeschätzt worden sein und auch die er­ziehliche Wirkung nicht versagt haben, während es ihnen heute durch Gesetzeszwang aufgedrungen unb von ben Arbeitern als ihrRecht" geforbert wird. Was so in Jahrzehnten versäumt ist, soll heute nun in kurzer Zeit eingeholt werben. Anderseits haben aber auch bie Er­fahrungen der gewerkschaftlichen Kämpfe unb die Dis­ziplinierung in ben gewerkschaftlichen Organisationen bas Bedürfnis nach Frieden unb Verständi­gung geweckt. Man ist sich bewußt geworden, daß es neben ben Gegensätzen der Interessen boch auch in viel weiterem Maße, als man sich dessen bisher bewußt ward, eine Solidärität der Interessen gibt; daß es neben den Kämpfen um Lohn unb Arbeitszeit, die we­sentlich in Tarifverträgen geregelt werden, doch noch viele Dinge im einzelnen Betrieb gibt, die auch für bas leibliche unb materielle Wohl und Wehe unb für bas, persönliche Wohlbefinden von größerer Bedeutung^ sind, als dos gewöhnlich in Schrift unb Reben gewürdigt wurde. Endlich ist man sich auch bewußt geworden, daß Arbeitgeber unb Arbeiter trotz aller Gegensätze der Interessen, die im Kampf der Organisationen mit aller Kraft ehrlich unb loyal ausgetragen werben, doch des­halb sich nicht auf Schritt und Tritt mtt wildem Blick unb innerem Knirschen zu begegnen brauchen, sondern auch sich als ehrliche Menschen einander nähertreten unb über bie gemeinsamen Angelegenheiten ber Fabrik sich friedlich uhtertjalten unb zum gemeinsamen Besten ver­ständigen können.

Die Betriebsräte befassen sich mtt den Fragen des einzelnen Betriebes. Sie können und sollen nicht etwa die Arbeit der Gewerkschaften ober ber Ar­beitsgemeinschaften ersetzen, sondern sie ergänzen, gleichsam inbidualisieren. Umgekehrt können unb sollen bie Gewerkschaften bie Betriebsräte stützen unb fördern. Dem trägt das neue Gesetz auch bewußt Rechnung, in­dem die anerkannten tariflichen Bereinbarungen bevor­rechtet werden. Ebenso blieben natürlich bie allgemeinen gesetzlichen Arbeiterschutzbestimmungen, bie Unfallver- bütungsvorschriften, bie Gewerbeaufsicht usw. in voller Geltung, aber ber Betriebsrat sorgt mit dem Arbeit­geber für eine zweckmäßige Durchführung unb Aus­gestaltung im einzelnen. Der Arbeitgeber nimmt seine Anregungen entgegen, überlegt mit ihm bie beste Aus­führung, zieht ihn bei Durchführung zur Mitwirkung heran. Aus ber gemeinsamen vertrauensvollen Aus­sprache werden sich auch gewiß so manche weitere 2ln- regung zu praftischen Einrichtungen und Organssationen zum Besten ber Arbeiter unb ihrer Familien ergeben, Vielleicht, daß eine Zeit kommt, wo jeber größere Be­trieb als eine Ehrensache und als eine wesentliche Er­gänzung und notwendige Ausrüstung bes Betriebes be­trachtet, durch hohe, lichte und gut ventilierte Räume, durch beste Schutzeinrichtungen, durch zweckmäßige Wasch-, Umkleide- und Badeeinrichtungen, Aufenthalts- unb Eßräume usw., durch ansprechende Ausstattung unb gärtnerische Umgebung der Fabrik, durch Anlegung von Turn- und Spielplätzen, durch bequeme Versorgung der Mahlzeiten (Kantine, Verabreichung von Kaffee, Milch

hienieden, eins: des Innern stiller Frieden, unb die schuldbefreite Brust!" ,zn

Plauderstündchen für Eheleute. Ists wirklich notwendig, daß uns bas moberne Leben soviel ber Poesie bes Lebens beraubt, wie es in Wirklichkeit ge­schieht? Wohl nicht! Wenn man sich mir immer erinnern möchte, baß nur in ber Arbeit Glückempfin- ben blüht. Aber um rüstig arbeiten zu können^ ist erst wieber ein onberes Glück nötig: bie innere Har­monie, bie Stimmung, ber Drang nach einem gewissen Befriüiiglsein. Unb wo anders könnte man bas alles finden, äs in seinem Daheim, umgeben von ben Sei­nen. Sorgen und Kämpfe, Aerger unb Leid bleiben ja niemand erspart, mancher hat eine gar gewaltige Last zu tragen, andere wieder legen nach des Dichters Rezept Geduld zur Bürde unb wandern mutig auf ihrer Erdenreise. Es gibt wenig Menschen, die wirk­lich die Kunst des Lebens, die Kunst, richttg zu leben, verstehen. In jungen Jahren haben sie geheiratet. Vorher und nachher, ach, was gab es da für herrliche Plauderstündchen zwischen ihm und ihr! Es war eine Seligkett in ben Herzen, nicht allein von der Liebe biöiert, sondern eben auch bi hier! von ben gemein­samen Gedanken über die Gegenwart unb über die Zukunft, von den gemcinfamen kleinen und großen Sorgen, Besorgnissen und Besorgungen, man war allein beieinander unb plauderte. Unb später? Wo sind sie hin, die Plauderstüdchen zwischen Eheleuten? Gibt es wirklich noch viele Eheleute, bie sich bann unb wann zueinandersetzen und nun ihre Alltagsgeschafte besprechen, ihre Kümmernisse vorttagen, ihre Gedan­ken austauschen über die Kinder, über ben Beruf, über bie Zeit unb über die Welt, bie gemeinsame Studien machen, sich mit Kunst unb Wissenschaft beschäftigen, sich geistig gegenseitig anregen unb burch alles bas immer von neuem das Leben verschönern? Ach, wie geänbert ist doch heute die Welt! Wir haben selbst ein gut Teil Schuld, wenn wir nicht glücklich sind, weil wir das Glück draußen suchen unter den Menschen, wo es nicht ist, statt bei uns selbst, statt in treuer Liebe zu denen, bie uns die nächsten sind! Zurück ins Haus, zurück ins eigene Herz! möchte man allen zurufen, denen es am Glücke mangelt! Richte man nur wieder Plauderstündchen ein,w.e einst im Mai, wie in ber Brautzeit, ohne Gegenwart eines Dritten, dann wird gar manches Eheleben, das prosaisch ober gar unstim­mig geworden ist, auch wenn viele Jahre darüber ins Land gegangen sind, wieder neuen Glanz erhalten, wieder sonnig werden zum eigenen Segen unb zum Segen derer, bie in uns- ihr Vorbild erblicken, zum Se­gen der Kinder! zn.

usw.), durch Bibliothek und Vorträge usw., den Arbei­tern das Leben leichter und angenehmer zu gestatten, bie Schaffensfreudigkeit zu heben und sie so auch für bas Gedeihen der Unternehmung wir m zu interessieren. Es sinds o z i a l e E i n r i ly t u n g c n des Betriebes", die, aus einem neuen Geist geboren, für ben wittschast- lichen Erfolg des Werkes ebenso bedeutsam sind als Maschinen unb Technik, unb bie den Menschen zu bie­nen bestimmt sind, bie bem Betrieb ihre Kräfte leihen. Sie leisten zugleich Pionierbiensre für ben wetteren Aus­bau ber Gesetzgebung.

Das ist überhaupt ber Sinn bes Detriebsrätege- setzes: ber Arbeiter als Mensch soll wieder in der Fabrik mehr zur Geltung kommen. Er ist mehr als eine Maschine, bie man zwar gut behandelt, sorgfältig repariert, schmiert unb ölt, so lange man sie braucht, im übrigen aber zum alten Eisen wirft, fobalb sie ihren Dienst getan hat. Der Arbeiter will als Mttarbeiter gewürbigt werden, fein Urteil und feine Stimme soll mehr zur Geltung kommen unb soweit es ohne Schädi­gung der Produktion möglich ist, Berücksichtigung finden. Er soll seelisch wieder mehr mit dem Betriebe verwach­sen unb jedenfalls wieder wenigstens das Gefühl haben, baß man ihnanhort" unb nicht einfach über feine Wünsche ohne jede Prüfung hinweggeht. Bei beider­seitigem guten Willen werden sich manche Reibungen vermeiden ober ausgleichen lassen und soweit dieses nicht gelingt kann jedenfalls so manches Mißver­ständnis beseitigt unb durch Aufreizung der Gründe der Versagung ein gutes Teil ber Bitterkeit ausgeräumt werden. Aber nicht bloß für das friedliche Zusammen­leben, sondern auch für bie Einrichtungen unb bie Förderung des Betriebes selbst wirb aus ben Bera­tungen sich manche Anregung unb praktische Frucht er­geben. ________________ ___________________

DieUnabhängigen" als Vorbild.

Man kann überall ettvas lernen, wenn man offene Augen unb Ohren bat. Sogar von ben Un­abhängigen. Auf deren Parteitag, der jüngst in Leipzig abgebalten wurde, stand u. a. ein Antrag zur Verhandlung, den Wochenbeitrag für die männ­lichen Mirglieder auf 80 Pfg., für die weiblichen auf 60 Pfg. zu erhöhen. Der Antrag wurde ein­stimmig angenommen. Man las darüber in allen Zeitungen. Aber welcher Leser hat sich viel dabei gedacht? Und doch redet dieser Beschluß eine ge­waltige Sprache! Er enthält eine Mahnung, bie wir ändern doch recht sehr beherzigen sollten! Wohl­verstanden : 80 bezw. 60 Pfg. betragen die w ö ch e n t» lichen Beiträge. Das sind jährlich 41,60 bezw. 31,20 Mark, die sich die Mitglieder der U. S. P. in parteipolitischer Begeisterung als Steuer für ihre Zwecke selbst auferlegen! Und nun frage man sich: Wieviel gibt der brave Bürgersmann, wieviel die wahlberechtigte gute Bürgersfrau wöchentlich und wieviel jährlich aus für jene politische Partei, die ihre Interessen vertritt? ES gibt wenige sozialde­mokratisch gesinnte Arbeiter, bie nicht eingeschriebene Mitglieder einer ber drei sozialistischen Parteien sind; so kommen allwöchentlich sicher viel mehr als eine Million Mark zusammen, bie ohne Murren frei­willig geopfert werden, um damit Parteipolitik in größtem Maßstabe zu treiben. Wieviel Männer und graue« ober, bie sich zum Zentrum bekennen, haben sich der Zentrums-Parteiorganisation angeschlossen? Unb wenn schon, wie gering ist doch ber Mitgliebs- beilrag, ber bescheidentlich alle Monate einmal er­hoben wird! DaS frage man sich und bann gehe man hin, nehme sich die U. S. P. zum Borbild.

AttS Overheffen und den Hess. Aemtern.

7S Marburg. Durch daS Hochwasser find in den Lagerräumen ber Marburger Tapetenfabrik für mehrere Hunderttausend Mark Tapeten und Roh­materialien zerstört. Zweihundert Zentner Zement, die in einer Baubude lagerten, sind eben­falls vernichtet. Ferner sind eine Anzahl Lastwagen und sonstige Fuhrwerke von ben Fluten entführt worden. Die vielen Balken, Bretter und Baumstämme, die gestern mittag hier durchkamen, stammen von Zimmerplätzen und Holzschneidereien in der Bieden­kopfer Gegend. Durch das Hochwasser sind auch eine Anzahl Zigeunerfamilien, bie seit langer Zeit sich auf dem Viehmarkiplatze heimisch gemacht hatten, verschwunden. Als das Wasser immer höher stieg.

Der Baumschnitt im Winter. Wer im Herbst nicht Zeit fand, seine Bäume zu lichten, kann das recht gut noch in den kalten Monaten nachholen. Die Haupt- fache bleibt aber auch hier, nicht aufs Geratewohl» zuschneiden, sondern erstens: So wenig wie möglich, und zweitens nur dort, wo, von unten nach der Krane zu betrachtet, ein Lichten durch zu viele, sich kreuzende und reibende Zweige unbedingt nötig ist. Jedes Zu, viel schädigt nicht mir die kommende Ernte, sondern, schlägt auch dem Baum mehr Wunden, als er füglich vertragen und vernarben kann. Auch das Abscbnerven an sich erfordert ebensoviel Sachkunde, wie das Aus­lichten. Cs ist nicht richtig, die «säge von oben einzu­schneiden, weil der fallende Zweig gar zu leicht ab­splittert und die Rinde mit einreißt. Man e oder schneide stets also von unten, nur bei starken Zweigen kann man unten anfangen und dann von oben fort­fahren. Das Absagen muß fernerhin stets am sogen. Astring stattfinden, dort, wo der Ast am Stamme sitzt und eine kleine Verdickung auftvmst. Auf diese Weise heilt die Wunde sehr viä leichter und schneller, be. sonders wenn sie nocu mit kauflustigem Baumwachs vor den Unbilden des Wetters und vor dem Eindringen von Schädlingen geschichi wurde. Geht man zu nahe an den Baum heran mit der Säge, so wird seine Rinde verletzt, und es entstehen sehr leicht krebsartige Bil. dun en. Läßt man aber den Aflttumpt zu weit der- Vorstehen, dann bildet dieser Stumpf sehr bald einen Unterschlupf für schädliche Insekten. Käfer, Würmer, einen Nährboden für Pilze, Bakterien usw., die alle nach dem Innern de? Baumes zu ibr Zerstörungswerk fortsetzen. Eine weitere Regel cit5 ber Praxis ist die, daß man an älteren Bäumen überhaupt nicht mehr herumschneidet; sie besitzen nicht mehr die Kraft junger Bäume und vertralgen jedwede Wunde sehr schlecht. eS.

Der Honig als Mittel gegen Zahnweh. Was gibls doch alles an Mitteln, die gegen Zahnschmer­zen helfen sollen! Das einfachste unb billigste aber, den Honig, läßt man unbeachtet, teils, weil mans noch garnicht kennt, teils, weil man sich sagt: Honig? Der machts doch noch schlimmer! Aber man ver­suche nur einmal das treffliche Mittel in gegebenen Fällen und wird Wunder erleben! Das Zeug schießt" allerdings in bie Zähne, wie man sagt, der Schmerz steigert sich, aber nur auf eine kurze Zeit; bei jedem weiteren Löffelchen Honig, den man anwenbet, wird der Ausfluß der Speicheldrüsen geringer, und in ein paar Minuten ist der Schmerz vollständig gestillt! Wie hat man sich diese überraschende Wir­kung zu erklären? Leute, die alles gehörig lauen, haben selten schlechte Zähne und also auch selten Zahnschmerzen, bei solchen aber, bie viel von Suppen unb Kaffee leben und alle festen Speisen in großen Bissen herunterschlingen, haben die Speicheldrüsen nichts zu tun, infolgedessen setzt sich der Speichel .

packten sie ihre Habe eiligft zusammen und flohen in die Lahnberge.

-ss- Ziegenhain. In dem Schwalmdor se LoS- hausen mußte infolge des Hochwassers das Vieh ans den Ställen gebracht werden unb wo es nicht ging, hat sich das Vieh durch das längere Stehen im Wasser derartig erkältet, daß zwei Kühe unb acht Sauen abgeschlachtet werden mußten. Dem Gutsbesitzer Nickel sind etwa für 10000 Mark Düngemittel und große Mengen ungedroschener Hafer verdorben. In Zimmersrode wurde durch Blitzschlag und Sturm der Schornstein des Wie» gaudschen Elektrizitätswerkes umgeworfen, sodaß ba$ Werk betriebsunfähig und die umliegenden Orte ohnz Licht sind. ___________

vermischter.

Die Entfernung der Fürstenbilder^ Der Beam­ten- und Arbetterrat des Leipziger Hauptbahnhofes hatte bei der Detriebsdirektion einen Antrag gestellt, der die Entfernung der Bilder von ehemaligen Monarchen undKriegstreibern" aus den Diensträumen verlangtes Darauf hat di« Eisenbahndirektion Leipzig geantwortet,- daßBilder der erwiesenen Kriegstreiber wie Elemenceaw Poincare, Lloyd George, des Königs Eduard von Eng­land, der Mitglieder der russischen Großfürstenpartei. usw. in den Amtszimmern einer deutschen Verwaltung keinen Platz gefunden hätten. Die Bilder der Fürst, lichkeiten, die in den Diensträumen des Hauptbahnhofes hingen, seien Eigentum der Verwaltung, so daß schließ- lich die Verwaltung bezw. die Regierung über die Ent­fernung die endgültige Entscheidung zu treffen habe. Andererseits müsse eS dem Ermessen dos Einzelnen überlassen bleiben, in welcher Weise er sein Dienstzim­mer ausschmücke, wenn nicht dem . ersten Grundsatz emes demokratischen Staates, wonach einem jeden Staatsbür­ger die Freiheit des Denkens und Empfindens gewähr­leistet wird widersprochen werden soll.

* Wie eS in Paris aussieht. Es ift ein Irrtum, an- zunehmen, daß im Lande des Siegers eitel Wonne und Freude herrsche. Frankreich und gerade Paris ist lange nicht mehr das, was es vor dem Kriege war. Ein Be, richterstatter desTag', dem es gelungen ist, nach Pa< ris zu kommen, schreibt von dort: Die Läden, die Re­staurants, die Cafes, kurzum alle die Orte, wo in frühe­ren Jahren das Pariser Leben wogte und stürmische Wellen schlug, find heute fast leer. Selbst auf dem Montmartre, der vor dem Kriege der beliebteste Treff, punkt der eleganten Lebewelt von Paris war, wo nach acht Uhr abends ein Meer von Licht den Besucher Bien, bete und eine ausaelassene Menge sich an den Kassen der Kabaretts und Tanzsäle drängte, ift es heute dun. kel und leer. Auch auf Paris lasten Kohlennot und Teuerung. Die Züge verkehren selten und unregel­mäßig, die Freguenz der Straßenbahnen und Autobusse hat sich unaemein verringert, und selbst in größeren Hotels herrscht empfindliche Kälte. Die Preise sind im allgemeinen kolossal gestiegen. So kosten z. B. ein Paar Schuhe 125 Fr., eine einfache Spitzenbluse 8090 Fr., was ja für deutsche Verhältnisse bet dem heutigen Stand der Valuta geradezu unerschwinglich ist, aber auch dem Pariser kaum erträglich erscheint. Auch der politische Horizont ist kaum geeignet, im Pariser be- sonders freudige Hoffnungen zu erwecken. Frankreich fürchtet Deutschland trotz seines Steges und des glor- reichen Friedens von Versailles und die Angst vor einer Revanche in absehbarer Zeit läßt den Franzosen nicht schlafen. Deswegen auch der Haß gegen alles, was halbwegS deutsch kttngt ober an Deutschland erinnert: Die einzige wirklich erfreuliche Erscheinung im Pariser Leben ist die glänzende Lage der Lebensmittelversorgung.' In dieser Hinsicht befindet sich Paris in wahrhaft be- neidenswerter Lage. Und dabei ist die Pariser Küche trotz ihrer Reichhaltigkeit und Güte verhältnismäßig billig. So kostet ein Diner aus fünf Gängen mit Käse und Dessert nur zehn Frank. Zu jeder Mahlzeit wird eine so gewaltige Menge des wundervollen französischen Weißbrots serviert, daß selbst ein starker Esser nicht imstande ist, seine Portion zu bewältigen und der uw verzehrte Rest wieder in die Küche wandert, wo er alt) wird und verschimmelt. Bei diesem Anblick kann man) sich schwer deö Gedankens verwehren, welch ungeheuer) wichtiges Verdienst im Namen der Menschlichkeit sich) Frankreich erwerben könnte, wenn eS nur die Brosamen) von seinem Tisch, statt wegzuwerfen, den hungernden Kindern deS Erzgebirges und Oesterreichs zugute kommen" lassen würde. Aber sich zu großartiger Geste aufzuraffen,' ist daS Frankreich von heute nicht fähig. Der Haß gegen denBoche" stumpft jedes menschliche Empfinden ab,

Israelitischer Gottesdienst.

SamStag, 17. Januar. Vorabendgottesdienst 4,30 morgens 8,30, nachm. 8,30, SabbathauSgang 8,40 Uhr. Wochengottesdienst: morg. 7,10, nachm. 4,30, abs. 5,40ühn

das Wasser, am Zahnfleisch an unb bringt Rheuma, Fisteln und Geschwüre zuwege, die wieder die Nerven schädigen und so ben Schmerz Hervorrufen/ Honig aber reizt bie Drüsen gewaltig zur Abgabe des alten, schlechten Speichels, es wässern einem ordentlich die Zähne, und der Speichel Wirb immer neu ersetzt. Die Anstrengung aller Organe ist ja eine Hauptbedingung für unsere Gesundheit; denn sie be­wirkt den notwendigen Stoffwechsel. Zudem reinigt der Honig das Blut, wodurch ebenfalls besonders dem Zahnleiden vorgebeugt wird. Daß dieses ange­nehme und einfache Mittel aber nicht bloß vor­beugend, sondern auch heilend wirkt, liegt in ber fäulniswidrigen,antiseptischen Eigenschaft bei Honigs! Ein Arzt sagte einmal: Wenn alle Menschen reich­lich Honig äßen, mußten Tausende von Aerzten brotlos werden! mo. j

Verregnetes Pelzwerk. Ist Pelzmerk naß ge- worden, so darf es auf keinen Fall am warmen Ofen getrocknet werden. Zwar trodnet es dort schnell, aber bas Leder wirb leicht hart, zieht sich oftmals zusam- men unb die Haare werben brüchig. Man bürste bas Haar mit einer weichen Bürste nach bem Striche glatt unb hänge bas Pelzwerk bann in normaler Zimmer­temperatur zum Trocknen auf. Ist es völlig trocken geworben, so kämme man es mit einem sehr weiten Kamm zuerst nach bem Strich unb bann gegen ben Strich. Dies Verfahren hat ben Zweck, bie Haare wieder locker zu machen, sie bürfen habet jedoch nicht in Unordnung geraten. Zu allerletzt streicht man mit ber flachen Hand ober mit ber weichen Bürste noch- mlas ganz leicht über bas Pelzwerk, unb zwar in ber Richtung ber Haare, unb nun hat es sein vorheriges gutes Aussehen wieder erhalten, ist locker und doch glatt. Der Regen an sich schadet bem Pelzwerk rrichd

Ein INiklionen-Derlust für bie Schweiz. Im Jahre 1865 verpflichteten sich bie Schweiz, Frankreich, Italien, Belgien und Griechenland durch bie sogenannte lateinische Münzkonvention gegenseitig zur Abnahme ber von ihnen geprägten Münzsorten. Daher ist z. B. in der Schweiz auch bas Geld ber übrigen Staa­ten in Umlauf. Während des Krieges ist nun aber das fremde Geld, nicht etwa nur das deutsche, in fei­nem Wett stark gefüllten, sodaß hierdurch die Schweiz bereits einen Verlust von etwa 30 Millionen Franks, wenn nicht noch viel mehr, erlitten hat. Sie plant deshalb eine eigene Währung unb Loslösung von: Konvention. _ as