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Verantwortlich für den redattioncllen Teil: Karl Schütte, für die Llnzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

Montag, §2. Januar J920»

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47. Zahrg.

Zentrum und Landwirtschaft

in der Nationalversammlung.*)

Wichtiger, unendlich viel wichtiger als alles andere, was die Zentrumsfraktion zu Gunsten der Landwirt­schaft r tim und erreicht hat, sowohl im Plenum als in dm Ausschüssen der Nationalversammlung, ist das was sie in den S t e u e r a u s s ch ü s s e n durchsetzen konnte. Denn hier wurde ein geradezu tätlicher Eingriff in den landwirtschaftlichen Besitz, ein Todesstoß in das Herz des Bauernstandes, in das Eigentum und die Familie des Grundbesitzers aufge­halten und abgewendet. Das aber hat mehr Wert als alles andere: denn es ist von dauerndem Werte. Von dauemdem Werte nicht hier blos für die Landwirtschaft allein, wie wir bemerken möchten, son- dem auch für den Gewerbe- und dm Handwerkerstand, für die ganze schaffende Arbeit, für die Fami­lie und auch für die Kirche. Hier greift die Wirt- schafts- und Steuerpolitik hinüber ins Gebiet der Weltanschauung. Das ist die Bewertung von Grund und Bodm und seine Behandlung für die Steuern.

1. Das Erbschaftssteuergesetz brachte die grundlegende Bestimmung (in seinem § 44 des Ent­wurfs, Drucksache Nr. 941):

„Set der Wertfeststellung ist der gemeine Wert zn Smnde zu fegen, d. h. der Verkaufswert. BÄ Grund- Kücken, die dauernd land- und sorftwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, einschließlich ihres Zubehörs, er­mäßigt sich der Wertansatz um ein Viertel."

Wenn diese Bestimmung stehen geblieben wäre, 6mm wäre jeder landwirtschaftliche Besitz ruiniert wor­ben; in zweiten oder dritten Erbgang wäre er so gut wie kassiert gewesen und damit die Familie zerstört. Darum wurden zunächst (jetzt § 47) die Bestimmungen aus dem Besitzsteuer- und Wehrbeitraas-Gesetz über die Wertfeststellung bei landwirtschaftlichem Gnrndbe- ßtz herübergenommen, und zwar auf Antrag des Zen- trums (Antrag Nr. 72, Herold, Farwick, Allekotte und Gerwffen). Es war ein schwerer Kampf, den hier das Zentrum gegen die Sozialdemokraten führen mußte, mn die langsame, aber totsichere Ueberführung des Privateigentums an Grund und Boden in den Besitz des Staates bezw. des Reiches zu oerhindem. Aber die Zentrumsabgeordneten haben ihn unter Führung des alten und bewährten Vertreters der Landwirtschaft Herold siegreich durchgeführt.

2. Nicht nur befestigt, sondem dauernd festgelegt wurde dann dieser Schutz des Eigentums an Grimd und Bodm in der Reichsabgabenordnung (5L2LD.). Fast gleichzeitig wie Herold und Genossen beim Erbschaftssteuergesetz, stellten die Zentrumsabge­ordneten in der Kommission zur Beratung der R.A.O. unter Führung von Durlage und Schneider (Franken) dm Antrag, die Bestimmungen des Erbschaftssteuerge­setzes über die Wertfestsetzung ländlicher Grundstücke in die R.A.O (§ 152 und ff.) hinüberzunehmen, mn sie hier nicht bloß vorübergehend irrti) für ein einzelnes Steuergesetz, sondern dauernd und für alle Steuer­gesetze und Steuermaßnahmen festzulegen. Sehr zu statten kam dabei dem Zentrum der Umstand, daß ein Zentrumsmarm Reichsfinanzminister war, Erzberger, der von gleichen Erwägungen und Grund­sätzen ausgehend, wie das Zentrum selbst, sich mit die- fet Ordnung der Dinge einverstanden erklärte. Sonst wäre die schwierige Angelageicheit wohl kaum so gut gelungen.

3. 2mm in der Kommission zur Beratung des Reichsnotopfers (R.N.O) machten die Sozial- demokraten unter Führung des Abg. Dr. Quarck die größten Anstrengungen, die der Landwirtschaft so gün­stigen Bestimmungen über die Wertfestsetzung der ländlichen Grundstücke zu streichen. Aber wieder wa­rm es die Zentrumsabgeordneten, der Berichterstatter

•) Vergl. Rr. 4, 6 und 7.

Der Sanfedoktor.

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Bei dem Eintritt der beiden war Waldemar rasch «llsgeftanden, und als sich Gustav jetzt Edith näherte und mit ihr zu sprechen anfing, verließ er rasch das Zimmer. Sn der Veranda traf er auf den Dater, der eben einge­treten war und zu sich selber sagte: „Wenn ich nur den Bengel, dm Fritz fände!" /$,.<■

Dann sich er seinen Mchoratsherrn vor sich.

„Na, was machst Sn denn schon wieder da allein?" hchr er ihn an.

„Ausschnaufen von der UnterhaLung mit meinet Con- pre", entgegnete Waldemar trotzig.

„So, statt die Gelegenheit zu benützen, wenn Du mll chr allein bist . . ."

„Gerade sind ja Gustav und Fritz 'HÄtemgekommen", unterbrach Waldemar den entrüsteten Vater; „bis jetzt hab' ich ohnehin ausgehalten."

„Fritz? Sen muß ich mir nachher beiseite nehmen. Aber was ist's mit Ditha?"

„Ach Gott, Papa?" seufzte Waldemar, ,M das ein Frauenzimmer! Sa bringt man eher den Nordpol mit n-ern Schnellsieder zum Kochen als die zum Verlieben; so 'n gescornes Sing!" . '

„Su verstehst's eben nicht, sie für Dich zu erwärmen", belehrte Kienholz; „mach Sich interessant."

„Ein Schelm, der mehr gibt, als er HÄ", versetzte Waldemar achselzuckend. „Ich bin nun mal nicht inter- efforit, Papa; wie denn auch? Hab' ich denn was mit- machen können und dürfen?"

„Hast» doch eine Monge gelernt, imponiere ihr mit Deinem Wissen", polterte Papa Kienholz.

daraus geben die Mädels aber auch was!" sagte Daldemar mit überlegener Stimme. „Haben auch recht, ist Nebensache, schöner Schnurrbart ist viel mehr wert, hab' ich aber leider nicht." Dabei zupfte er wehmütig an seiner Zierlich bescheidenen Manneszierde;'sein spärlicher Schnurr­hart war vorläufig sein tiesster Kummer.

„Su setzest kein Vertrauen in Sich und das ist gefehlt," !prach ihm der Papa tröstend zu. „Uebrigens muß ich Dich auf etwas aufmerksam machen," sagte er flüsternd; „Amalie nr: durchaus einen Sottor für Ditho haben und ich habe den Siebhardt holen lasten."

Farwick, Herold und Genossen, welche Kefe Bemühun­gen vereitelten. Der betreffen!« Antrag (Nr. 156 der Ausschußdrucksachen) war auch von den zwei Abgeord­neten der Bayerischen Volkspartei Irl (Oberbayern) und Schefbeck unterzeichnet, wieder ein Beweis dafür, wie wertvoll es für Bayern und den bayerischen Bauernstand ist, daß die Mitglieder der Bayerischen Dolkspartei dem Zentrum in der Nationalversamm­lung beigetreten sind.

4. Ebenso war es toi Ausschuß zur Beratung der Umsatzsteuer den Vertretern des Zentrums, na­mentlich dem Abgeordneten Dr. Spahn zu verdanken, daß das Kinderprivileg für die Selbftverpfleger (Land­wirte) mit der Hälfte der Behütung durchgesetzt wurde. Äe Demokraten hatten einen neuen Paragraphen (13a) beantragt, einen sogenannten Bergünstigungs- Paragraphen, wonach jemand, der weniger als 5000 Mark Einkommen hat, eine Vergütung bekommt, wenn er mehr als ein Kind unter 16 Jahren hat. Die „Vergütung" wird nach dem Einkommen abgestust. Bezüglich der Landwirte enthielt der Antrag die Be­stimmung: „Bestreitet der Antragsteller seinen Le­bensunterhalt überwiegend aus dm Erzeugnissen des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes, so besteht kein Dergütungsanspruch." Demgegenüber beantragte das Zentrum, den letzten Satz mnzuändern in die Worte: „so ermäßigt sich die Rück­vergütung auf die Hälfte". Daß diese Be­stimmung zu Gunsten des Bauernstandes durchgesetzt wurde, ist wie gesagt, dem Zentrum zu verdanken.

Abg. Dr. Heim konnte bei all seinem reichen Wissen in Steuersachen und seiner Kenntnis des wirtschaft­lichen Lebens in dieser großen Steuergesetzgebung, in diesen Lebensfragen für die deutsche und auch für die bayerische Landwirtschaft, nichts tun und nichts verhindern, weil er als Einspänner in keine Kommis­sion kommen konnte. So wäre es allen Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei gegangen, wenn sie dem Beispiele des Abg. Dr. Heim gefolgt und aus dem Zentrum ausgetreten wären. Ebensowenig konnten natürlich die Bayerischen Bauernbündler, obwohl sie vorgeben, sie allein vertreten die Interessen der bayerischen Bauern, irgend etwas zu Gunsten des Bauernstandes tun. Keiner von ihnen hat in all diesen wichtigen Fragen, in diesen Lebensfragen der Landwirtschaft, auch nur ein Wort geredet, <mch im Plenum nicht, viel weniger irgend eine Anregung gegeben ober einen An­trag gestellt.

Den Bauern und mnnenllich auch den bayerischen Bauern könnte daher kaum etwas schlimmeres passie­ren, als wenn sie sich vom Zentrum trennen ließen. Es ist nach den vchfftehenden Ausführungen ganz falsch, wenn man sagt, das Zentrum vertrete einseitig Slrbettetintercffen, aber md>t landwirtschaft­liche und mittelständische. Das Zentrum ist auch jetzt noch eine wahre Dolkspartei; es sucht die In­teressen der einzelnen Erwerbsstände, wie es in einem geordneten Staatswesen sein muß, ouszugleichen und auf einer gefunden MittMme Ui verfolgen und zu wahren.

Darum haben auch die Vertreter bezw. Angehörigen anderer Stände, auch des Arbeiterstandes, trotzdem sie mit dieser Haltung oft einen sehr schweren Stand haben, den Sozialdemokraten und ihren eigenen Leuten gegenüber, biefe Zentrumspolitik zu Gun­sten des Bauernstandes mitgemacht. Es ist bis zu einem gewissen Grade, — aber nur bis zu einem gewissen Grade — richtig, daß die ausübenden Bauern in der Fraktion schwach vertreten sind und daß die Arbeitersekretäre überwiegen. Das geben letztere auch selber zu und sind bereit, an einem Ausgleich mitzuarbeiten. Man darf aber mcht vergessen, daß bei den Wahlen doch noch sehr stark die Revo­lution nachwirkte und daß diese Revolution ganz besonders auch eine sozialpolitische Revolution war, getragen hauptsächlich von den Arbeitermassen,

Waldemar starrte den Vater nut weitaufgeristenen Augen an. „Papa, bist Su wahnsinwg?" stammelte « sosiungslas. „Was soll das?"

,Zch Hobe mehre Gründe," sagte Kienholz energisch und roanbte sich von dem Sohne ab, dessen Blick ihn un­angenehm berührte.

.„Su spielst ein gewagtes Spiel," sagte der junge Mann ernst und schüttelte mißbilligend dm Kopf.

„Doch werde ich es gafSmten," entgegnete der Vater sist.

„Weitz Gott, Papa, Ich tae nicht gern mit*

,Meil Du ein GinrpÄ bist, en dummer, grüner Junge mef der Alle empört.

3n diesem Augenbtick ging die Türe mss und Gustav mA Edith und Fritz traten ehr; Kienholz flüsterte Walde­mar rasch zu: „Also verrate Dich nicht und imponiere ihr!* Dann ging er auf Edith zu, die ihn mit einem müden: „Guten Morgen, Onkel!" begrüßte.

„Guten Morgen, Dithchen! Nun, was ist?" Er strei­chelte ihre Wange. ,Mill man gar keine roten Backen bekommen? Du ißt zu wenig, mein Kind, und gehst zu. wenig fposieren. Waldemar ist ein schlechter Ritter, er zeigt Sir nicht einmal die Sehenswürdigkeiten unserer Gegend. Warst Su schon bei der Luifenquelle?"

„Nein," antwortete Edith gleichgültig.

„Na, siehst Su, Waldemar, wandte sich Kienholz vor­wurfsvoll an seinen Sohn, aber da fiel Fritzchen nase­rümpfend em: „Ms ob's da was zu sehen gäbe! Nnftr Brunnen läuft viel dicker."

Ms Kienholz die Stimme feines Jüngsten hörte, wandte er sich ihm rasch zu: „Sa, Fritz, richtig. Dir hab' ich was zu sagen."

„Was denn, Papa? So sag es, bitte," sagte der Kleine keck, aber seine Augen blinzelten unruhig.

„Nicht hier, komm mit mir, Fritz!"

„Papa, ich hab' es nicht umgebrochen, das Rosenbäum- chen, wirklich nicht," verteidigte sich der schuldbewußte Wicht, den niemand angeklagt hatte; dabei zog er sich zur DerandatLro zurück.

„Na, komm nur mit," sagte der Papa fast wohlwollend; was lag ihm derzeit an dem Rofenbäumchen! Aber der junge Mann war mißtrauisch.

„Der Pluto hat's getan, wirklich der Pluto," rief er weinerlich, dann floh er durch den Garten und verschwcind.

„Msserabler Bengel!"schnaubte Krentir'- wütend A «Tv chm mKs, vchke^M, bitte’" Y;- Helle Edith.

höchstens daß m Bayern der Bauernstand durch die Bauernbündler eine unrühmliche Ausnahme machte. Wenn dem aber so war, das mußte sie doch auch geltend machen in der Aufstellung von Kandi­daten für die Wahl zur Naüonalversammlung. Das kann und wird aber wieder geändert werden, nament­lich wenn die Bauern anstatt sich vom Zentrum zu trennen, bei und in demselben bleiben und Mitarbei­ten! Möchten sich die Dauern namentlich nicht durch die deutschnationale Agttatton betören lassen. In der Oppositton ist leicht polittsieren und kritisieren: aber besser machen ist schwer. Wir können einen furchtbaren verlorenen Krieg und die entsetzlichen Wir­kungen der Revolution nicht in wenigen Monaten gut machen. Und heute, wenn die Monarchie und die Deutsch-Nationalen an die Regierung kämen, könnten sie auch nicht sofort wieder die Zustände wie vor dem Kriege herbeiführen, so wenig wie die Sozialdemo­kratie ihren „Zukunftsstaat" verwttklichen kann.

Die Inkraftsetzung

des Friedensvertrages.

Samlltag .nachmittag 4 Uhr unterzeichneten im Kabinett des Ministers für auswärtige Angelegen­heiten Ministerialdirektor v. Simson und Frhr. v. Lersner in Anwesenheit der Mitglieder des Obersten Rates das Protokoll vom 1. November. Sodann übergab GIemencec.it die Bestätigung über die Herabsetzung der Schadenersatzforderun­gen für Scapa Flow. Damit ist der Frieden in Kraft gesetzt. Clemenceau erklärte, daß am selben Abend der Befehl zur Heimsendung der deutschen Gefangenen unterschrieben wird. Die Heimschaffung soll beginnen, sobald die nötigen Eisenbahnwaggons aus Deutschland eingetroffen find, und wird bann ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden.

An die verlorenen Brüder.

Der Reichspräsident und die Regierung haben am Tage des Inkrafttretens des Friedens einen Ab- schiedsgimß an die von ihrem Vaterlande losgerissenen Deutschen erlassen. Es heißt dort:

Der unglückliche AuSgang des Krieges hat uns wehr­los der Willkür der Gegner preisgegeben und legt uns unter dem Titel des Friedens die schwersten Opfer auf. Unter Nichtachtung ihres Rechtes auf nationale Selbst­bestimmung werden Hunderttausende, deutscher Volks­genossen fremder Staatsgewalt unterstellt. Deutsche Brüder und Schwestern! Nicht nur in der Stunde des Abschieds, sondern immerdar wird die Trauer über diesen Verlust unsere Herzen erfüllen, und wir geloben Euch im Namen de» gesamten deutschen Volkes, daß wir Euch nimmer vergessen werden. Auch ihr werdet das gemeinsame deutsche Mutterland nicht ver­gessen; dessen sind wir gewiß. Mit allen Fasern un­sere? Denkens, unseres Liebens und ganzen Seins Blei­ben wir verbunden. Was von unserer Seite geschehen kann, um Euch die Muttersprache, die deutsche Eigen­art und den innigen geistigen Zusammenhang mit dem Heimatlande zu erhalten, das wird geschehen. Wie e§ schon, soweit Verhandlungen möglich waren, unsere vornehmste Sorge war. Euch trotz der Trennung Eure nationalen Lebensrechte zu bewahren, so werden wir nicht aufhören, dafür einzutteten, daß die vertraglich gegebenen Zusagen gehalten werden. Unsere Schulen aber und alle unsere Einrichtungen für die Bildung des Geistes und für die Pflege her Wissenschaften und Künste sollen Euch auch fernerhin wie bisher offen stehen. Herüber und hinüber soll iegfidier Austausch gepflegt und jedes seelische Band geschützt imt> gestärkt werten. Der unermeßliche und unversiegbare Schatz an geistigen Gütern, den das deutsche Volk besitzt, ge. hort Euch mit. Seine national« Bindekraft wird sich bewähren.

lieber alle Grenzpfahle hinaus bleibt der deutsche Volksstamm ein einziges Ganzes. Seid stark mit uns in dem Glauben: Das deutsche Volk wird nicht untergehen. AuS der tiefen Trübsal dieser Tage

„3, wo werd ich trennt" entgegnete er rasch besänf­tigt. „Aber sag mal, Waldemar, hast Du Sich geärgert?" wandte er sich an feinen Sohn.

»Nicht, daß ich wüßte," gab dieser zurück.

„Weil Deine Narbe so glänzt," meinte der Papa leichi- hin.

„Mestre Narbe?" Waldemar griff nach der Stirn.

„Hast Du eine Narbe?" fragte Edith.

„Ach ja," siel Gustav em, „eine „schlimme Buben- nartre", ich habe sie auch schon bemerkt."

„Was verstehst Du darunter?" fragte- Kienholz.

„Nichts anderes, als was das Wort sagt; alle zchlim- men Bittren schlagen sich irgend einmal ein Loch in bett Kopf, und man wird festen ehren jungen Menschen ohne Schramme auf der Stirn finden; achte nur einmal darauf, Onkel, Du wirst sehen, daß ich recht habe."

„Waldemars Narbe ist kehre solche," erklärte der Onkel fast feierlich. „Sie stammt von einem Duell."

„Einem Duell?" fragten Edith und Gustav gleichzeitig, während Waldemar frören Vater mit dem Ausdruck unge­heuerster Verblüffung anstarrte.

„3a, von einem Duell," wiederholte Kienholz. „Na, deswegen brauchst Du nicht rot zu werden, Waldemar, fürchte Dich mcht, ich bin nicht so indiskret, den Namen der Dame zu nennen, derentwegen . . ."

Das Erröten, das Kienholz gerügt hatte, erfolgte eigent- Lch erst jetzt, dafür aber äußerst intensiv. „Aber Papa, ich bitte Dich!" stammelte Waldemar. Kienholz wehrte wohlwollend ab.

„Brauchst nicht zu bitten. Asso, Dithchen, nach dem Doktor ist schon geschickt, hoffentlich macht et Dir rote Backen."

„Sa, Onkel", entgegnete Edith.

„Unterhaltet Euch gut, Kinder, ich habe zu arbeiten.* Damit verließ er das Zimmer. Er hatte seinen ttnall- effett gehabt und ging ab wie ein Schauspieler nach seiner großen Szene. Die Zurückbleibendro schauten einander ein wenig verlegen an und Waldemar bat rasch in die Veranda, wo er den Bücken der beiden verborgen war.

Ein merkwürdig gemischtes Gefühl hatte sich seiner be- mächügt. Einerseits war er tief beschämt über die kühne Art, in der fein Vater ihn zum Helden gestempell hatte, anderseits Mite er sofort, wie ihn das in den Augen der anbem gehoben hatte. Trotz seiner Verlegenheit hatte er, Ediths neugierig interessierten Blick bemerkt und Gustav hatte ihn aud) Jo sonderbar, betz°uhe respektvoll angesehen.

wird es sich entporarbeiten. Trotz allen Schmerzes wollen wir uns voll Hoffnung und Zuversicht in dieser Abschiedsstunde zurufen: Treue um Treue! Für! das Recht unseres Volkstums wollen wir miteinander einstehen alle Zeit und mit aller Kraft.

Für die besetzten Gebiets gelten mit dem Inkrafttreten des Friedens neues Bestimmungen, die als sehr hart angesehen werden. Insbesondere bedeuten sie eine schwere Hemmung für die Presse. Nach amtlicher Auffassung sind die neuen Bestimmungen geradezu als Bruch des Frieden sver trages anzusehen, sie schaffen einen Zustand, der in mancher Beziehung schlimmer ist als der bisherige. Man erhält so keinen erfreu­lichen Vorgeschmack von den langwierigen Verhand­lungen, die für die nächsten Jahre wegen Auseinander­setzungen und anderer Fragen mit der Entente noch zu führen sind.

Aufhebung der Ostseeblockade.

» Die Ostseeblockade ist seit Samstag nachmittag aufgehoben. ____________

Bayerische Volkspartei und Zentrnm.

Heber den Verlauf des Landesparteitages der- Bayerischen Volkspartei, der die Trennung von der Zentrumspartei des Reiches beschloß, wird noch ge­meldet:

München, 9. Fan. Der aus allen Teilen Bayerns stark besuchte Parteitag der Bayerischen Volkspartoi hat heute in München mit überwältigender Mehrheit nach einem Anträge Dr. Heims die soforttge Lösung der Arbeitsgemeinschaft mit dem Reichstagszentrum, also den Austritt aus der Zentrums, fraktion der Nationalversammlung, beschlossen, irr® zwar mit der ausdrücklichen Begründung, daß Erzber­gers Stuttgarter Rede mit der Forderung des Einheits. staates dem Fasse den Boden cmsgeschlagen habe. Gei­gen den Antrag sprachen sich der Vorsitzende der Frak. iton in der NationcLverfammlumg. Wg. Leicht, bet Führer der bayerischen christlichen Arbeiterorganisation Wg. Schirmer und die Abgg. Beherle und Gcrstenbet- ger. Sie betonten, bte Bayerische Dolkspartei fei in die Zentrmnsfraktion ein getreten aus dem Bedürfnis, sich an eine große Partei anzuschließen, mit der sie gemein­same Grundsätze verbänden. Eine starke Partei sei not­wendig, die die kulturellen Güter schütze. Nach der Tren­nung vom Zentrum müßten die Bayern aus allen Aus­schüssen ausscheiden und könnten an wichtigen kulturell, len Gesetzen dann nicht entsprechend Mitarbeiten. Dem föderalistischen Gedanken werde in keiner Weise ge. dient, vielmehr würden sich die Bayern jedes Einflusses begeben. Es sei auch zu bedenken, ivas das katholische Deutschland verliere wenn die deutsche Zentrumsfrak­tion geschwächt werde. Mit großer Schärfe trat ber Vorsitzende der daher. Land tags fraktion, Abg. Held, gegen ein weiteres Verbleiben in der Zentrumsfraktion. auf. Die Unstimmigkeiten in der bayerischen Volkspar­tei seien letzten Endes aus der Reichsverfassung ent»- standen. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde' eine Resolution auf Ablehnung des Einheits- staates einstimmig gefaßt, nachdem Dr. Heim undl Finanzminister Speck ihr Bedauern darüber ausgespr»-« dien hatten daß das Zentrum seinen bundesstaatlichen' Grundsätzen untreu geworden sei. Ferner entschied sich der Parteitag mit sehr großer Mehrheit dafür, daß' der Parteitag des Zentrums im Reiche nicht beschickt werden soll.

Das Ausscheiden der bayerischen Volkspartei aus der Arbeitsgemeinschaft mü der Zentrumsfraktion der deutschen Nationalversammlung ist sehr bedauerlich, aber man muß davon nickst gleich eine grundstürzende Aenderung befürchten.

In Bayern geht man von jeher gern seine eige­ne n 33 e g e. Dort ist der Part» kularismus, die Pflege der politischen Sonderart stärker ausgebaut als in irgend einem anderen Bundesstaat. Man wacht eifersüchttg über die bayerischen Reservatrechte und ist mißtrauisch gegen alles, was von Merlin kommt, und leider hat es die kaiserliche Regierung' nicht verstanden, die süddeutschen Stimmungen und Ge­fühle richtig einzuschätzen. Daß in Preußen-Deutsch- land große Aenderungen vor sich gegangen sind, daß

Sn, der Vater hatte doch recht, imponieren mutzte man bett Leuten, und wenn man schon einmal angefangen hatte, bann imponierte ihnen alles, was man tat. Nun hieß es für ihn, sich in Szene setzen. Er blieb eine Weile in brr Veranda, dann trat er wieder ins Zimmer.

„Ser Fritzel ist ein köstlicher Fratz", hörte er Gustav sagen. „Jetzt hat er schon wieder was angestellt; das ist der dritte Bruder von Max und Moritz. Mir tat er leib, wenn er Prügel bekäme, die Um furchtbar weh, das weiß ich"

„Wir müssen ihn schützen", meinte Edith. „Er soll bei uns bfeiben, vor Zeugen wirb ihm der Onkel nicht» tun."

„Eigentlich sollte er heute Prügel bekommen", mischte sich Waldemar mä einer gewissen Nachlässigkeit ins Ge. spräch; „es ist ein historisch denkwürdiger Tag und solche sollten einem fest eingeprägt werden."

„Den wievielten haben wir heute?" fragte Edith.

„Den achten Juni", entgegnete Waldemar.

„Und was ift beim da so Großes geschehen?" fragte sie weiter.

„O, eine ganze Menge", erklärte Waldemar. „Da ist zmn Beispiel ün Jahre 632 Mohammed gestorben."

„Daß Su sogar den Tag weißt!" rief das Mädchen bewundernd.

Um Gustavs Mundwinkel zuckte es, aber er blieb oti» und sagte: „Und 1626 hat QLy am 8. Ium Haruwoer erobert."

WaldMmr sah ihn groß an und fügte darin würdevoll hinzu: „Und Mchden."

„Hnb Minden, sehr richtig", gab Gustav ebenso würde­voll zu.

Waldemar fuhr fort: „5m Jahre 1794 starb an diesem Tage der Dichter Gottfried August Bürger."

„Und am selben Tage wurde in Frankreich dH Göttin der Vernunft abgesetzt", sagte Gustav mit einem schwer- mutigen Seufzer, als ob ihn dies Ereignis schmerzlich be­rührte.

„5m Jahre 1815 wurden die deutschen Dundesakte ver­saht", rief Waldemar säst hitzig, denn chm kam dies g-ege» fettige Ueberbieten an Weisheit wie ein Duell cor.

„Und im Jahre 1876 wurde unser Kaiser, der Kaiser von Oesterreich, in Ofen gekrönt", rief Gustav, der fick von dem Schlage des früheren Geschichtsereiamsses erfe/ zu hab-n Wen, vergnügt.

WortschwB falgLl!