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M 7.

Sarrrstag, 10. Januar 1020.

- Auldaer

Zentrum und Landwirtschaft

in der Nationalversammlung.')

2. In den Ausschüssen der Narionalnrrsawiulung.

a) Sn verschiedenen Ausschüssen.

1. Da ist in erster Linie zu nennen der Aus­schuß für Volkswirtschaft. Hier wurde schon bald nach Zusammentritt der Nationatversamm- hmg, nach unter dem frischen Eindruck der Revolution und ihrer schlimmen Folgen aus dem Gebiete des Arbeitsmarktes folgender Antrag (Nr. 11, 8. März 1919) einaebracht, beraten und angenommen; um denselben hat sich besonders Dr. Mayer (Schwa­ben) verdient gemacht:

, 3m Inieresie der besseren Verteilung der Arbeits-- krafle und der Förderung der dringenden Arbeiten m der Landwirtschaft, insbesondere der Frühjahrsbestel­lung, flnd folgende Maßnahmen zu treffen:

A. 1. Früher in der Landwirtschaft tätig gewesenen Erwerbslosen, sowie Arbeitern und Arbe.-erinnen, die aus anderen Erwerbskreissn für die Dauer von mindestens 6 Monaten zur Landarbeit übergehen, zu gewähre: a) freie Fahrt auch für unterhaltspflichtige Familienangs. hörige und Beihilfen zu den Umzugs- und Reisekosten, b) während der Dauer des auswärtigen ArbeitsverhäU- raffcs eine angemessene Unterstützung für ihre unterhalts­pflichtigen Familienangehöngen, joweit sie nicht aufs Land ziehen können.

2. Die Anordnung des Reichsemährmtgsamtes vom 8. Februar 1919 über die Bewilligung der Selb ft Der« forgerration der Landarbeiter weiter auf­recht zu erhalten.

3. Die nichtgewerbsmäßigen Arbeitsnachweise wefter auszubeuen nach Maßgabe der Verordnungen des Demo­bilmachungsamtes oom 4. Februar 1919 unter zweckent- sprechmder Dezentralisation und zur umfassenden Durch­führung der schon eingeleiteten Werbetätigkeit auf dem Lande und in den Städten.

4. Bestimmungen zu treffen, daß bei Meliorations­und landwirtschaftlichen Notstandsarbeiten, für die nach den bisher ergangenen Verordnungen Ueberteuerungszu- schüffe bewilligt werden, die 40 Prozent Zuschläge zu den Friedensa'nlchlägen nachgelassen werden, und daß bei öffentlichen Notstandsarbeiten Landarbeiter nicht beschäf­tigt werden dürfen, die ohne zwingenden Grund landwftt- sihaflliche Stellungen auf gegeben haben, und denen andere landwirtschaftliche Arbeit zu ongemeffetten Lohn- und Ar­beitsbedingungen nachgewiesen werden kann.

5. Die zu Punkt i bis 4 notwendigen Mittel, soweit sie nicht schon bereit stehen zur Verfügung zu stellen.

B. Dafür Sorge zu tragen, daß in den staatlichen und kommunalen Forsten, in den Oedland- und Mooroebieten umfassende Kulturarbeiten durchgeführt werden.

C. Die Zulassung von Ostarbeitern hält der Ausschuß zm- Aufrechterhaltung des Hackfruchtbaues in dem für die Aolksernährung erforderlichen Umfange für geboten, wenn geeignete deutsche Arbeitskräfte nicht beschafft werden können."

Bei Beratung der Reichsgetreideordnung für das Crntejahr 1919 brachte Abg. Dr. Heim (da­mals noch Mitglied der Zentrumsfraktion) folgende Re­solution ein (Nr. 36 der Ansschußdrucksachen):

„Die nach § 8 Ziffer 1 zu erlassenden Vorschriften sind dem (6.) Ausschuß zur Genehmigung vorzulegen.

Es ist dabei für Gerste vorzusehen, daß dem Erzeuger nach Ablieferung von 60 Prozent der festgesetzten Liefer­pflicht die restlichen 40 Prozent, mindestens aber 20 Zent­ner, zur beliebigen Verwendung hn eigenen Betrieb und für Saatzwecke" freigegeben werden.

Für Hafer sind Richtpreise festzusetzen. (Weimar, 17. Juni 1919.)

(Dieser § 8 Ziffer 1 der Reichsgetreideordnung lautet:

„Trotz der Beschlagnahme (des Getreides) dürfen Un­ternehmer landwirtschaftlicher Betriebe aus felbstgebautem Brotgetreide und felbstgebauter Gerste verbrauchen: die zur Ernährung der Selbstverforger und zm Fütterung des im Betriebe gehaltenen Viehes vom Reichsernährungsministtt mit Zustimmung des Staaten« Ausschusses festgesetzten Mengen; die zm Fütterung be­stimmten Mengen dürfen nur in gedroschenem Zustand verfüttert werden, soweit nicht bet Kommunalverband Ausnahmen gestattet/')

Bezüglich der Preise für landwirtschaft- l i ch e E r z e u g n i s s e fei hier noch beigefügt, daß auf das Verlangen nack höheren Preisen der landwirt­schaftliche!, Produkts die Regierung am 16. Dezember dem Wirtschaftsausschuß den Entwurf einer Verord­nung über Zahlung von A b l i e f e r u n g s p r ä m i en für Brotgetteide, Gerste und Kartoffeln vorlegte. Bei der Beratung der Vorlage sprachen sich die Sozialdemo­kraten, insbesondere auch der bayerische sozialdemokra­tische Abgeordnete Burgau mit großer Heftigkest gegen dieselben aus und drohten direkt mit dem Generalstreik der ganzen deutschen Arbeiterschaft. Die Zentumsabg. Schneider und Stapser aber traten mit aller Entschieden­heit für dieselben ein. Sie ließen keinen Zweifel da-

•) Berat. Nr. 4 und 8.

Unpolitische Zeitläufe.

N. Berlin, 7. Januar 1920.

Erzberger Hai in Stuttgart eine dreistündige Rebe gehalten; Wilson liegt in Washington gelähmt im Bett.

'ZBas hat bas für einen Zusammenhang? Aus beiden mochte ich eine Warnung obleiten: Wem, du einen ge­liebten Sohn hast, so laß ihn nicht Minister oder Präsident werden; denn das sind dornige Berufe, nt betten sich der Mensch leicht auf reibt. Mel Ehrenpreis, doch noch wehr Schweiß!

Erzberger steht noch in den besten Jahren und 'm der Fülle feiner Kraft; aber wenn er so weiter arbeitet, wird auch feine robuste Natur erschöpft werden. Wllson ist schon zusammengeknickt unter der Last bet Arbeite« und Sorgen, der Verantwortlichkeit und der Enttäuschungen.

Hast du schon einmal eine dreistündige Rede gehalten? Versuche es mal! Oder vielmehr: Versuche es nicht! Es würde deinen Hausgenosien schlecht bekommen und dir selber auch. Drei Stunden vor einer großen Ver­sammlung zu sprechen, ist schon eine gewaltige Anstrengung für Geist und Körper. Vollends für einen Minister, der da weiß: All die Tausende von Sätzen, die ich da spreche, werden Wort für Wort ausgeschrieben und veröffentlicht, von aller Well kritisch gemustert, von meinen Gegnern nach irgend einer Schwäche mit Luchsaugen durchstöbert. Kein Wörtchen darf mir in den drei Stunden entschlüpfen, das ich nachher lieber nicht gesprochen haben möchte. Es fit wie ein langwieriger Marsch auf dem gespannten Seile: der kleinste Schiestrttr kamt zum Purzeln und Stürzen führen.

An die lange Rede im Saale schloß sich noch eme An­sprache vom Balkon an das neugierige Publikum, das draußen harrte und scharrte. Das ist die richtige Strapaze für den Rachen und die Lmige: erst die andauernde Ar- beit im warmen Saale und dann das volle Ein- und Ausatmen der kalten Winterluft. Das macht Erzberger fo nebenbei: als Zeitvertreib auf einem Sonntagsausflug ins heimatliche Schwabenland. Die eigentliche Berufs­arbeit besteht darin, daß er an allen anderen Tagen von morgens früh bis abends spät stmit und (tret’ 'd sorgt und schafft für die Hebung der zerrüttelten F rn und alle der sonstigen schweren Aufgaben der Reg! .ung. Es gehört zu den Rätseln der Natur, daß solch überlastete Stute nachts überhaupt noch einschlafen können.

rüber, daß ihnen das System der Prämien nicht weniger als erwünscht und sympatisch sei; aber nach­dem alles, was bet Bauer kaufen muh, um viele hun­derte von Prozenten gestiegen ist, muß doch mit den Preisen der landwirtschasfltchen Erzeugnisse einiger­maßen nachgerückt werden. Sonst geht eben noch mehr Getreide in den Schleichhandel und ins Ausland. Auch sollen dem Selbstversorger und seinen Angehörigen ent­sprechende Rationen überwiesen werden, dann werde er das übrige der Allgemeinheit zu annehmbaren Preisen zur Verfügung fallen. Was ou- der Sache wird, kann zur Stunde nicht ersehen werden. Aber so viel kann jetzt schon festgestellt werden, daß das Zentrum auch in dieser wichtigen Frage mit aller Entschiedenheit für die Interessen der Landwirtschaft eingetreten ist und was ganz besonders betont und hervorgehoben sei, auch die Ärbeitervertreter innerhalb ber Fraktion diele Politik trätmachen.

2. In dem Ausschuß zur Beratung des Deirieb- rätegesetzes ist es den Zentrumsabgeordneten in zäher Ausdauer gelungen, für die landwirtschaftlichen Betriebe die Bestimmung durchzufetzen:

„In biefen Betrieben ist erst dann ein Obmann zu wählen, wem: mindestens zehn ständige Arbeitnehmer vorhanden sind, von denen mindestens drei nach § 13 wählbar sind."

(Nach § 13 sind wählbar als Obmänner nur Arbeit­nehmer, welche 24 Jahre alt sind).

3. In der S i e d l u n g s k o m m i f f i o n stellten die Zentrums-Abgeordneten (Herold, Blum, Alle- kotte ufa.) mehrere Anträge, die von dem Ausschuß auch angenommen wurden und die eine wesentliche Verbesserung des Reichs-Siedelungs- g e s e tz e s bedeuten So wurde die Summe der Hek­tare der dem Vorkaufsrecht des Siedeltmgsunterneh- mens unterlegenen Grundstücke von 20 auf 25 Hektar erhöht, wurde die Frist für die Weiterveräußerung im Falle der Nichtverwendung vonseiten der Siedelungs- kommission auf 10 Jahre festgesetzt und dem § 3, wo­nach als Entschädigung für das enteignete Er mL stück der kapitalisierte Reinertrag zu gewähren ist, den das Grundstück im mwerbeffcrten Zustande hat, der wichtige Satz hinzugefügt:

„Die Enteionungsbebörbe tsann jedoch dann eins höhere Entschädigung feftfefcen, wenn besondere Verhält­nisse dies als angemeffen erscheinen lasten."

Ebenso wichtig ist die Deftimmuna, daß dem Besitzer, der enteignet werden soll, eine Frist von einem Jahre gewährt werden muß, um ihm die Mögsichkeit zu bie­ten, das Grundstück selber zu kultivieren.

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Kus dem Kachvargevier.

(T> Hildcrö. Nackdem bereits tont 13.—18. Dezör in unserer Gemeinde Exerzitien furJungfrauen ftattficfimben hatten, waren die Manner und Jüng. Hatte vom 3.—7. Januar zu einer Reihe religiöser Konferenzvorträge eingeladen. Ein FranziS- kanerpater führte den < eilnebmern in ernster, überzeu­gender Unterweisung und Belehrung die hohen wichti­gen Ausgaben eines christ-katholis.hen Manner und Jünglings in diesen Zeiten des Kampfes und sittlichen Niederganoes vor Augen. Wie jeder, entsprechend seiner Stellung und Aufgabe, in der Familie Mitarbei­ten kann und muß an der Erneuerung und Vertiefung katholischen GlaubenSgeifteS und DlaubenSlebens, wurde nachdrücklich bargelegt Tie Totenfeier am Abend deS 4. Januar ließ uns der gefallenen Kameraden Mahnruf an den Ernst ber Ewi fett vernehmen. Nach- dem bereits am Montag viele Teilnehmer sich zur hl. Beichte eingefunden hatten, erschienen am Morgen deS 6. Januar etwa 200 Männer und Jünriinge an der Kommunionbank. In der feierlichen Dankandacht am Abend war eS ein ergreifender Augenblick, als aus vieler Männer Mund.und Herz die feierliche Erneue­rung ber Taufgelübde, das Männerwort „Ich glaube!", der Männerschwur „Ich widersaget" erscholl. Mit der Generalkommunion der Männex und Jünglinge am Morgen deS 7. Januar und einem feierlichen Dankamt wurden die Gnadentage beschloffen. Die recht zahl­reiche Teilnahme und der Eifer in dem Besuch ber Vorträge zeigte, daß auch die neue Zeit mit ihren neuen Lehren und Bestrebungen, einen Mann und Jüngling, ber noch katholisch ist und katholisch fühlt, nicht wankend machen kann. Verhältnismäßig wenige nur sind fern geblieben, nicht, wie man wohl annehmen kann, aus innerer gegenteiliger Ueberzeugung, sondern vielmehr, weil ihre Seele in dem Kampf der Geister sich noch nicht hat frei machen können von falschem, unkatholischem Einfluß. Ein „Vater, gedenke Ihrer!" und ein innig dankbares „Großer Gott, wir loben Dich am Ende dieser Tage, im Auftrag vieler, em glücklicher Teilnehmer.

X Rückers b. Flieden. Am letzten Sonntag sand im Gasthause von Emil Seng bei vollbesetztem Saale eine Dolksvereinoversammlung statt. Rach fm—tBB irrwrinwT iiiBr-m hmt—rn iirii'iii mwhbmb—

Erzberger Hai dir feltfame Gewohnheit, daß er immer gerade denjenigen Posten für sich auswählt, der am lästigsten und am undankbarsten ist. So übernahm er vor 14 Monaten den Abschluß des Waf­fenstillstandes. Er wußte natürlich im voraus, noch bester als wir, daß Marschall Fach die grausamsten Be­dingungen stellen und erpressen würbe. Er konnte auch voraussehen, daß kurzsichtige und böswillige Leute ym die Schuld znfchreibrn würden, wenn die Waffenstillstands- bebingungen so schlecht cusfielen, wie sie au-fallen muß­ten. Er sprang doch m Bresche, tfftil fein anderer be­reit war. Später übernahm et die ßeifimg bet Reichs- sinanzen, obschon deren (Sfcnb zum Himmel schrie und von vornherein feststanb, baß bet Datei ta notwendigen Steuer gesetzt der bestgehaßte Mann in ganz Deutschland werben müßte. Die spitzigen und zmn Test giftigen Dornen an diesem Strauch hat er trenn auch schon reichlich zu kosten bekommen. Er fetzt aber unbeirrt und rastlos die Arbeit fort auf dem undankbaren Posten. Ich will ihm keine Lobrede zur Verteidigung halten, sondern nur daraus Hinweisen, daß der Erzberger bas gerade Gegenteil von einem „Drückeberger" ist: er ist immer dort zu finden, wo ber politische Kampf am schärfsten tobt, wo der Schweiß am heißesten rinnt und wo der Applaus ber Masten am wenigste» zu erwarten ist.

Dahinter steckt ein Wagemut, bet auch dem geschwore­nen Gegner etwas Respekt etnflösen sollte. Die Frage ist bloß: Wie lange läßt sich eine derartige Belastung von Geist und Körper aushalten?

Wir gewöhnliches Bürger rühm«, uns schon ber patriotischen Pflichterfüllung, wenn wir unsere Zeitung lesen und dabei räsomsieren, zeftweflig in einer Versamm­lung Platz nehmen und bei feder Wahl einen Stimmzettel in die Urne befördern. Damit wir nicht zu bequemen Pharisäern werden, ist es recht angebracht, wenn wir uns zum Bewußtsein bringen, welche eine Arbeitslast die ge­wissenhaften Minister und Volksvertreter im Dienste des Volkes zu tragen haben.

Wir haben neulich unseren Gröber bestattet, ber sich in ber rastlosen Arbeit als Volksvertreter buchstäblich auf- gerieben hat. Und doch trifft man immer noch unver­ständige Leute, die den Abgeordneten um feine Diäten und den Minister um fein Gehalt beneiden, obschon doch dieses bißchen Lebensb irf außerordentlich sauer verdient werben muß, sogar aus. S often ber Gesundheit und ber Lebenslärme. Darum jagt ich: Laß deinen Sprößlmg.

Leitung

--

Druck der Fuldaer AetieudrAckeret ht Frrldv

herzlicher Begrüßung der so zahlreich Erschienenen durch unfern hochw. Herrn Dechanten von K e i tz be- fandelte Herr Loiksvereinssekretär Frank aus Fulda in klaren und überzeugenden Werten das Thema: „Der Wiederaufbau Deutschlands und wir Katholiken." Herr Pfarrer Dicke von Neuhof zeigte sodann, wie gefahr­voll die freien Gewerkschaften unserer katholischen Hei­mat seien und daß gerade der Volksverein in kultureller und politischer Beziehung vortrefflich unterrichte. Der Verein erhielt einen erfreulichen Zuwachs van Mit­gliedern. 2m Anschluß an die Bersammlung wurde auch ein Zentrumsverein für unsere Gemeinde ins Leben gerufen. — Am 2. Weihnachtstage und cm Feste der hl. Drei Könige brachte unter allgemeiner Be­teiligung unser hiesiger Iungsrauenverein meh­rere Theaterstücke zur Aufführung. Der Präses, Herr Dechant von Keitz, legte den Anwesenden den Zweck und die Ziele des Vereins dar, der sicher zu manchem Guten führen wird. Großen Beifall ernteten die Dar­stellerinnen, die sich gut in ihre Rollen hinemgefunden hatten.

A Gersfeld. In der hiesigen evangelischen Stadt­kirche sollen zwei Tafeln mit den Namen der Ge­fallenen und Vermißten angebracht werden. Ferner soll die unbenutzt dastehende Friedhofskapelle zu einer Gedächtniskapelle für unsere Gefallenen und Entschlafenen eingerichtet werden. Bisher sind vom hiesigen Dürgerverem 100 von privater Seite 3000 Jl für diesen Zweck zur Verfügung gestellt worden.

-f- HerSfelb. Der Magistrat hatte die Gründung einer Kriminal-Wach tmei st er st eite beschloffen. In der letzten Ltadtverordnetensitzung hielt man in­dessen die Schaffung einer bereinigen neuen Stelle nicht für notwendig r.nb lehnte die Vorlage mit 15 gegen 14 Stimmen ab.

vermischtes.

* Die feindliche Handelsspionage. Nachdem erst vor wenigen Taaen dir Zeitungen berichtet haben, daß in den Badischen Anilin- und Sodafabiken wichtige Unterlagen für ein chemisches Geheimver- fahren entwendet und von ungetreuen Angestellten an das feindliche Ausland verkauft- sind, ist schon wieder ein. schwerer Fall von Handelsverrat und Handelsisiionage aufgedeckt. In einem Berliner Werk, in welchem Anlagen, die erst während des Krieges erfunden und deshalb unseren Feinden noch unbetannt sind, i$nb die sowohl für die Landesver­teidigung als auch für die Landwirtschaft und da­mit für die Volksernährung von größter Wichtigkeck sind, hergeftellt werden, hoben zwei technische Ange­stellte die Unterlagen für die Herstellung jener An­lagen trotz strengster Ueberwachung entwendet und der Handelsabteilung bei der Botschaft einer feind­lichen Macht zum Kauf angeboten. Es gelang, die Ausführung des Handelsverrats im letzten Auoen- blick zu vereiteln. Während der fremde Unterhänd­ler auf die endgiltigen Weisungen seiner Regierung wartete, glückte es, die ungetreuen Angestellten und ihren Mittelsmann zu verhaften und das entwendete Material zu beschlagnahmen. Hoffentlich gibt es auch eine Möglichkeit, den fremden Unterhändler, welcher sein Gastrecht bei uns in solcher Weise miß­braucht, zur Verantwortung zu z'eben.

* Tas Erdbeben in Mexiko. Die letzten Nach­richten besagen, daß in der Provinz Veraeruz em Dutzend Städte oder Törfer durch Erdbeben ganz oder teilwezse zerstört wurden. Die Stadt Ca!ca- hulco (?) sei in einem Abgrund verschwunden, von dem ganzen Orte sei nichts übrig gebiieben, als eine mit Trümmern angefüllte Grube.

Kurzllg aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in ber Zeit vorn 1.—9. Jan. 1920.

1. Provinzial Rabbiner Dr. Michael Cahn, Witwer 70 Ihr. 4 Mt, 21 Tg. 7. Rentenempfängerin Luzia Schnopp, 76. Ihr. 16 Tz. Privatmann Witwer Joseph Reith, 66 Ihr. 8 Mt. -5 Tg. AuSzugcr Peter Hillen­brand, auS Keulos, 81 Ihr. 4 Mt. 13 Tg. Witwe Anna Waider, geb. Haseneier, 72 Ihr. 5 Mt. 17 Tg.

Märkte.

r--- Fulda, 10. Aan. AufdemheutigenSchweine- markt standen 153 Ferkel und 14 Läufer zum Verkauf. Bei wenig lebhaftem Handel notierten Ferkel 210,180 und 150 Läufer 400,350 und 300 Mk.

lieber Schuster werben, als Minister ober Volksvertreter! Dom geschäftlichen und vom gesundheillichen Standpunkt aus ist das ehrbare Handwerk ober ein friedliches Geschäft vorzuziehen. Wer durchaus einen Amtstitel haben will, der mag meinethalben sich einen Poften suchen, wo nach Schema F regelrecht verwaltet wird. Nur nicht eine Spitzenstellung, wo die Verantwortlichkeit schwer druckt und die steten Sorgen foltern.

Wir lernten in ber Schule unter anderen Weisheits­sprüchen auch den Sers: Sollen dich die Dohlen nicht nnffchrmen, mußt du nickt Knopf auf dem Kirchttnm fein! Die Dohlen könnte man vielleicht noch mit QerachtwW (trafen; aber bet Knopf auf dem Kirchturm ist auch dem Wind und Wetter, dem Regen und dem Sonnenbrand rücksichtslos ausgescht, und der Blitzstrahl trifft ihn cher, als den Stein am Sockel.

Nm Arbeit kann uns retten; das ist das politische Evangelium für bas neue Jahr. Es gilt für alle. Wer da sagt, die „Herren da oben" wollten bloß bas Volk schuften und schwitzen kaffen, ist ein Dummkopf oder Böse­wicht. Die führenden Männer arbeiten mehr, viel mehr, als du und ich. Den Achtstundentag haben sie für die Handarbeiter eingeführt; sie selber haben keine Uhr, die ihnen den Feieratond einläutet, sondern arbeiten täglich so lange, wie bar Gewissen sie treibt und der Körper es vorläufig noch aushält.. Dis zu solcher Opferwilligkrit werden wir untere« Fleiß wohl nicht hinaufschrauben kön­nen; doch sollten wir allzumal etwas mchr Arbeitslust uns angewöhton.

Das beste Schlafpulver, süß und gesund ist und bleibt doch das Bewußtsein am Abend: Heute bin ich fleißig gewesen; heute habe ich meinen Poften treulich ausgefüllt: jetzt kann ich mit ruhigem Gewissen mich auf bas Ohr legen. Morgen wirb weiter geschasst!

Emen erquickenden Schlaf und ehu schone Sonntags- ruhe nach der Werktagsmühle wünsche ich allen Lesern. Insbesondere aber den leitenden Männern an veraniwort- ticher Stelle, deren Nerven so arg strapaziert werden. Wir wollen sie nicht beneiden und sie nicht quälen durch un­gerechte Kritik, sondern ihren guten Willen anerkennen und ihren Fleiß im großen uns zum Muster im kleinen nehmen.

Die Kleinarbeit schafft auch riesige Werte. Aus einem faulen Volk können auch die besten Führer nichts Rechtes machen, ,

Eottesdienslocdnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 11. Jan. Dom. ’/s6, 6, */i7 u. 7 SR, -/,7 M. u. Korn. f. b. Jungfr.-Sob. i. d. Marien!, u. f. d. christenlehrpfl. Jungsr. t Dom, 8 Pfarramt m Pr« */slO Kathedralamr m. Pr., 11 Chr., l/»12 M. nt Pr., Vi2 Rutter-Gottes-A., 2 Ehr., 4 Pr. u. A., 7 A. rn. Segen t. d. Marienkapelle. (Montag nachm. 5 S.) — Stadtpfarrkirche. 5*/« Kam., 5’/* M. u. Korn. f. d. Dienstlnädchen-Kongreaation.S'.'-M. u.Kom. f.b. Jungfr.- Sod. u. d übrigen christenlebrpfl. Jungfr., 8 M. u. Pr. (1. Schulgb), 9Vi Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Sckmlad.i, 9'/, Ehr. f. b. Jüngl. i. b. Severikirche, 2Vi Bruderschaft v. d. Todesangst d. Herrn, 3V« A. f. b. Juncffr.-Sod, 4'/« A. f. d. Dienstmädchen-Kongregation i. d. Severrk. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. */«7 Som, 7 Frühm., 8 Pr , Amt m. Korn., Vs5 Chr., 5 8L — Srveri. kirche. Sonntags und werktags >/,7 M. — Herz-Jesu» Heim. 6 Frühm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5—7 M., 8 Bruder, schaftsm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr„ nachm. 2 Pr„ S u. 11mg. f. d. Fünf-Wunden-Bruderfchaft.

Evaoaelifchcr Gottasdieutz.

Sonntag, 1L Januar. Vormittags 9*/, Sup Ruhl, nachmittags 2 Pmrrer Weber. — Bleberstrin Vormittags S Pfarrer Reich.

Bekanntmachung!

Wegen Arbeitsüberhäufung kam» mündliche Aus- ksnst in Sentenangclegenf)eilen bis auf weiteres tun MMS Mtz MW VS 8 8i51W erteilt werden.

Eilige Anträge betreffend Lazarettaufnahme find hiervon ausgenommen und können täglich von 8—12 Uhr gefielst werden.

Hanau, den 8. Januar 1920.

BerssWWWe Sanaa

DerforgaugsabkeUuag

(Infanterie-Kaserne).

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F. W. Rupperi.

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