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Nr. 5
Verantwortlich für den redattionellen Zeil: Karl Schütte, :: für die Anzeigen: 3- Parzeller-Fuida. u
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendrackerei kn Fulda. Fernfprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Donnerstag, L. Januar 1920.
Dezugrprei»: Monatlich 1,30 Ulf. ohne Zustellungsgebühr. :: In Fu!da bei uns abgeholt 1,40 2Hf. z
Unzrigenpreis: DieKleinzetle (nach Colonelschrist) 50pfg., die Rekla meze ile/Textbreire) 1 Mk., bei Wiederholung Rabatt.
47. Zahrg.
Der SansedokLor.
Ter Sondersriedensversuch
des Kaisers Karl.
In der feindlichen Prefle finden sich aufsehener. tegenhe Mitteilungen über den Verlauf der Versuche, die Kaiser Karl im Frühjahr 1917 mit Hilfe der Prinzen Sixtus und Xaver von Parma gemacht hat, zu einem Sonderfrieden mit dem Verbände zu kommen.
Darnach begab sich Prinz Sixtu» im Januar 1917 «rach der Schweiz, da Kaiser Kart wünschte, mit ihm direkt über den Frieden zu sprechen. Er erhielt dort «inen Brief des Kaisers, der dessen Friedenswunsch be» Sätigt und die seiner Ansicht nach grundlegenden Fri e. LenSbedingungeu mitteilt: Rückkehr Asaß-Loth« singens au Frankreich, Herausgabe Belgiens u. Serbiens, Lebergabe von Konstantinopel an Rußland,
Am 13. Februar ist der Prinz von neuem in der Schweiz und empfängt eine* Gesandten de» Kaisers mit einem Briefe desselben. Am 8. März wird der Prinz von Poin carS empfangen, dem er ein Schrei» den des Grafen Czernin zu überbringen hat, das Poin» «öti aber als unbestimmt und verschwommen empfindet. ®m geheimer, persönlicher Brief de» Kaisers dage, gen ist klar und bestimmt und erklärt: Wir werden Frankreich unterstützen und einen Druck aus Deutschland auSüben.
Diesen Bries hält PoinoarS für eine Grundlage- Sm 33. März treffen sich die Prinzen EixtuS und -Lader insgeheim mit dem Kaiser auf Schloß Laxenburg. Der Kaiser erklärt, alles tun zu wollen, um Deutsch, famb zum Frieden geneigt zu machen. Da er die -Monarchie einem Wahnwitz de» Nachbarn aber nicht Alfern wolle, sei er auch zu einem Sonderfrieden Dereit. Am 12. April findet eine Zusammenkunft !zwischen Sixtu» und PoincarS statt. Deck Prinzen wird mitgeteilt, daß England dem Plan günstig gesinnt ist. Inzwischen wird auch Italien inS Der» trauen gezogen.
> Der Prinz reist neuerdings nach Wien und erhält Hort ein neuerliches Schreiben Les Kaiser». Der Kaiser sagt, er sei entschlossen, seine Pläne durchzukämpfen, chertangt aber Sicherungen. Graf Czernin erklärt, da» prohend« Auftreten des deutschen Hauptquartier» könne ihn nicht einschüchtern, er verlange Verhandlungen. Ein Brief des Kaisers und eine beiliegende Note des Grafen Czernin verlangen für den Fall von Grenzbe- rrchttgungen Bürgschaft hinsichtlich der Unversehrt, heit der Monarchie. Graf Czernin versichert, auf Grund dieser Bedingungen könne Oesterreich einen Sonderfrieden schließen. Der Prinz hat am 20. Rai Unterredungen mit PoincarS und Rivot und am 28. Mai mit Lloyd George und dem König von England in London. We weiteren Ereignisse wartet der Prinz in Paris ab.
Aber dann zerschlägt sich alle» und der letzte «wähnte Brief deS Kaiser» wird von der Entente urch t beantwortet. _ ■
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Durch die schon langer bekannte Wiener Enfhuk- kvngen war klar gestellt worden, daß der österreichisch- ungarische Kronrat von 1914 durch die Zuspitzung der serbischen Angelegenheit einen europäischen Konflikt herbeigeführt hatte, während die deutsche Politik sich vergeblich zu bremsen bemühte. Deutschland wurde in den Weltbrand hineingeriffen, ohne daß seine Interessen und Wünsche gehörig beachtet wur- bett. Wir hatten genügenden Grund gehabt, uns rechtzeitig zurückzuziehen; aber die Bündnistreue überwog alle selbstischen Regungen. Deutschland trat solidarisch für die habsburgische Politik ein, obschon eS das Vorgehen des Verbündeten nicht bM- gen konnte. Deutschland siel so als Opfer seiner »Nibelungentreue^. Das Ergebnis bleibt ja traurig für uns, pster immerhin ehrenvoll. Zuviel Bündnis- treue ist nmer noch schöner als zu wenig.
Opferwilligkeit Deutschlands muß man im Ange behalten, um den Sonderfriedensversuch des Kaisers Karl richtig würdigen zu können. Die Lierzu jetzt veröffentlichten Dokumente ergeben zwei- (eisfrei, daß Kaiser Karl, der Nachfolger des treuen Franz Joseph, als er an einem glücklichen AuSgang
JJXama," sagte sie nach ein« Panse gepreßt, „wenn Du etwas zarter warst, würbest Du mell sicht bester zu Deinem Ziele gefangen. Mir ine gezeichneten Pläne vor» fegen, heißt mir die Unbefangenheit tauber, Dn solltest doch meinen Gefühlen Zeit zur Erttwkckbmg laßen.*
„5a mm, svsiSch,' entgegnete die Mutter «sch, ,chamik M sich recht gründlich rretfrren können, wie zum Seifpiet \ $a diesem Tapezierer/' •
„Ich versichere Dich nochmaL, daß mir der „Sfape» derer* genau so werüK HeMveh verursacht als der Haus- fohn, aber ganz im allgemeinen möchte ich bemerken, daß ich auch mit einem Bettelmusikanten glücklich wäre, sofern ich ihn mu lieb hätte.*
.Diese Bemerkung ist nur M Betons Setoer Unreife,* entgegnete die Mutter. ,Du bist ein dummes Kind, das nichts vom Leben weiß; laß also mich für Seine Zukunft sorgen: ernst wirst Du mir für meine Fürsorge danken.*
„Ich glaube nicht, nein, nein, nein, ich werde Sir niemals bauten,“ fegte das junge Mädchen leidmfchastkch bewogt.
„Samt werbe ich mich mit dem Bewußtsein begnügen, meine Pflicht getan zu haben,“ rief die Mutter pathetisch: „ich opfere mich auf dem War der Mutterliebe. Du aber, undankbarer Kind, fluche Seiner Mutter, wsm Du «Mst, aber fei glücklich und geborgen!“
AusichluchzeMi barg Edith ihr Haupt in den Kissen der Bettes: Frau Amalie aber warf sich mit einem mächtigen Seufzer auf ihrem Lager herum und schlief längst schon sonst, als ihre Tochter noch immer leise weinte. Das war für Edith der Abschluß des ersten Tages, den der Haus- Herr in der Freude feines Herzens rot im Kalender an- strich.
Die Folge jener nächtlichen Unterredung mit der Mutter war, daß Edith Waldemar mich, was ihr indessen ziemlich schwer wurde, da dieser auf väterlichen Befehl ihre Gesellschaft suchte. Mer fie mochte ihm die Am. Näherung schwer; stumm ging sie neben ihm hin, feine krampfhaften Demührmgen, sie zu unterhalten, kaum beachtend; ja, sie markierte zuweilen sogar ein Gähnen. Das brachte ihn ganz aus der Fassung; bescheiden, pie er war. suchte er in sich selbst alle Schuld und schatt sich chM LöM, einen ®
deS Krieges zweifelte, feine Krone und fein Gebiet zu retten suchte durch einseitige Verhandlungen mit den feindlichen Mächten. Als bereits 1917 von den Anbiederungsversuchen deS Prinzen Sixtus von Parma etwas bekannt geworden war, gab es einen DepeschenauStausch zwischen Kaiser Karl und Kaiser Wilhelm, der die österreichische Bundestreue vor der nichteingeweihten Welt wieder in bengalische« Beleuchtung erscheinen lassen sollte. Die Briefe, die jetzt au die Ocffenilichkert gelangen, bestätigen aber leider, daß Kaiser Karl entschlossen war, Deutschland im Stiche zu lassen, um sich selber in Sicherheit zu bringen. Er war zn einem Sonderfrieden bereit. Er hatte nichts dagegen, daß dem unbesiegten Deutschland der Verlust von Elsaß-Lothringen zugemutet wurde. Nur die Unversehrthett der eigenen Monarchie lag chm am Herzen.
„Heiliger Egoismus" war bekanMch die Parole der italienischen Realpolitik. Kaiser Karl war leider von diesem Trieb auch beseelt. Daß sein Reich weniger Kampfkraft und Zähigkeit hatte, als Deutschland, war nicht überraschend. Aber die Schwäche der habsburgischen Monarchie war schon im Jahre 1914 kein Geheimnis. Damals gingen die österreichischen Staatsmänner nur deshalb so verwegen vor, weil sie sich auf die Hilfe des „Maßen Bruders* verließen. Hätte nun 1917 das Ehr- und Anstandsgefuhl ihnen nicht sagen sollen, daß sie mtt dem Bundesgenossen, der für sie eingesprungen war, auch bis zum Ende treulich aus« halten mußten? Hinter den, Rücken Deutschlands Verhandlungen mtt den Feinden aus Kosten des Bundesgenossen anzubahnen, war nicht schön. Zudem war es unklug, denn bei richtiger lleberlegung hätte sich Kaiser Karl sagen müsien, daß durch seine Friedenslütte die Entente nur in ihrer Kampflust und ihrer Siegeshoffnung gestürtt werden würde und daß nach Lage der Verhältnisse die gewünschte Schonung des habrbnr- mschen Besitzstandes überhaupt nicht zu erwarten war. Sie Gegner wollten einen vollen Sieg erringen, und fie haben ihn leider errungen. Sie bereits wackelnde Herrlichkeit in Wien war ihnen sehr nebensächlich; über Kaiser Karl und seine Interessen wären sie auf jeden Fall zur Tagesordnung übergegangen. Sie hatten sie den Tschechoslowaken, den Italienern und den Süd- flawen kaltlächelnd geopfert.
Eine andere Frage ist mm die, ob die deutsche Staats- und Heeresleitung ivi Jahre 1917, als He Erschöpfung Oesterreichs und bfe dortigen Abfallgelüste ihr bekannt geworden, nicht ihrerseits entscheidende Schritte zur Anbahnung eines erträglichen Friedens hätte unternehmen sollen. Unsere Führer hatten damals geglaubt, das Unhrll noch wenden zu können. Wem, das Irrtum war, ss war es wenigstens kein Verrat.
Nebenbei räumen die Enthüllungen mit einem Vorwurf auf, der insbesondere gegen den Abg. Erzberger erhoben wurde. Ihm wurde nachgesagt, er hätte durch die Erwähnung eines Gutachtens des Grafen Czernin die feindlichen Mächte über die Erschöpfung Oesterreichs informiert. Jetzt sehen wir, daß die feindsichen Mächte durchaus mcht einer Erzberger- schen Gelegenheitsrede bedurfien, sondern vollständig und gründlich informiert waren über die physischen und morallschen Schwächen unseres Bundesgenossen und zwar durch die Dertraueusmänner des Kaisers Karl selbst.
Diese unb alle enteren Enthüllungen und Untersuchungen tonnen an der Lage nichts mehr ändern. Sie geben uns nur das Bewußtsein, daß tste deutsche Politik vielleicht zu wagemutig oder auch unvorsichtig gewesen ist. aber doch immer ehrlichundloyalge- handelt hat.___ ___________
Die Reform des Rechtsgarrges
in Strafsachen.
N« der Revolukftm find wir nun anscheinend her- aus. Aber eine Hochflut non Reformen ist herein-
schen. Wenn er aber daran dachte, daß er andern Mädchen, viel hübscheren als diese Edith, genügt hatte, dann fing er die überseeische Kusin« beinahe zu hasten an. Nur die Frucht vor dem strengen Vater hinderte ihn, sie fernen Gefühlen entsprechend zu behandeln und manchmal trieb ihn der Ehrgeiz, di« schmierige Eroberung dennoch zu versuchen. Edtth hatte ihn anfangs wegen feinet Se» rnühulqzeN um fie ein wenig verachtet, später aber be* dauert, als fie einmal bei einer Keinen Unmchnsrkfamkeih bte sich Waldsnar ihr gegenüber z» schulden kommen ließ, einen strafenden Wick Ktenholzens aufftog. Waldemar war vielleicht ein Opfer der Baterliebe, wie sie eines der Mutterliebe war.
.Die glücklichsten kn 6er SMzsr Gesellschaft waren wohl Gustav, Marivhen «nd Fritz. Kienholz war froh, warn Gustav die Gesellschaft Martechens suchte; er war barm wenigstens mm Edith abgetan tt, und daß er Manschen des Kopf verdrehen tonnte, fürchtet« er nicht, dazu war die Kleine noch riet zu kindisch, f prang sie doch mtt Fritz um die Wette über die Schnur, die Gustav gespannt hatte und nahm keinen Anstand, eine etwaige Meinmigs- verschiedenhett mit dem Brüderchen vor den Augen des Detters mit der Faust auszugleichen.
Da sie sich fÄ derartige Aufwallungen nachträglich furchtbar schämte mck> daß die Tante Emma dann des Abends eine lange und breite Geschichte erzählte, wieso das eigentlich gekommen war, das wußte Papa Kienholz mcht. Mariechen selber wußte aber auch nicht, warum fie sich bä der Tante rechtfertigte, wenn sie etwas Un- schickliches getan hatte, das ward ihr «st später klar.
Einmal beim Mittageste« rief Fritz feiner Schwester zm „Mimi, Du hast mir mein Brot weggegessen, gib mir setzt von Deinem!“
„Mimi?“ fragte Kienholz, »wer soll denn das fein?“ ,Na, weißt Du's denn nicht, Papa, daß unfer Marie- chen setzt so heißt?“ antwortete Fritz.
„Ist mir ganz neu,“ entgegnete der Papa: ,w« hat ihr denn den Affennamen gegeben?“
Mariechen würbe dunkrirot. »Ich habe mir ihn selbst ausgesucht,“ rief sie eifrig, »well er mir so gut gefällt; Tante Emma hat mir erzählt, daß sie in Wien zu den Marien immer Mitzi oder Mimi sagen und da — da habe ich Mimi gewählt, weü's mir fieber war.“
gebrochen. Immerhin ein Fortschritt; denn die Umwälzungen auf dem Wege der GewaÜ sind eine viel schwerere Heimsuchung, als die schärfsten Neuerungen auf dem Wege der Msetzgebung. Doch die wett- und tiefgreifenden Reformen auf allen möglichen Gebieten des öffentlichen Lebens erfordern eine Masse von Sorgen. und Arbeit, sowohl von den' Gesetzgebern selbst als auch von dem Volk, das sich mtt den Neuerungen abfinden muß.
So werden wir uns dis Ausübung des Wahlrechts im neuen Jahr erst wieder verdienen müssen durch das Studium und die Anwendung eines neuen Wahlrechts, da das Verfahren vom vorigen Jahre mit feinen großen Liftenbezirken ans mehrfachen Gründen für verbesserungsbedürftig erachtet wird.
Dazu kommt nun neuerdings noch ein großer Reformplan, der den Strafprozeß auf eine neue Grundlage stellen will. Der Reichsjustizminister hat über drei bezügliche Gesetzentwürfe den Vertretern der Prefle Mitteiümgen gemacht, die manche Hoffnungen erwecken können, aber auch Besorgnisse wegen der wachsenden gesetzgeberischen Ausgaben erregen muffen.
Die Gerichtsverfassung soll geändert, der Rechts- gang in Strafsachen soll einschneidend reformiert und schließlich für die Jugendgerichte eine gcutz neue Ordnung geschaffen werden.
Herr Schisser, der Reichsjustizminister, hat in dem Schlußwort kurz, drastisch und verlockend die Ziele seiner Reform dahin zusammengesetzt: Es solle weniger anFeklagt und verurteilt, weniger eingesperrt, weniger geschrieben, weniger gelesen, weniger mtt Beam- ten und mehr mtt Laien gearbeitet werden. Also Ersparnisse an Zeit, Kraft und Personal! Sehr schön, wenn nur die Hoffnung sich bestätigt, daß diese Vereinfachung sich erreichen ließe, ohne die Rechtsförderung zu beeinträchtigen. Die Unschuldigen zu beschützen und Len gutwilligen Verirrten die Besserung zu erleichtem, ist ein wahrhaft erstrebenswertes Ziel. Doch nmß man bei jeder Bestimmung sorgsam abwägen, ob nicht auf der einen Seite die Vereinfachung zu Fehlurteilen gegenüber weniger gewandten Angeklagten führen oder auf der anderen Seite geriebene Missetäter durch die Maschen des neuen Verfahrens hindurchschlüpfen können.
Die neuen Entwürfe sollen eingestandenermaßen „nichts absolut Neues* darstellen, sondern vielmehr die Reformbestrebungen zusammensaflen, die seit Jahren schon eingesetzt haben. Wenn die Wurzeln der Vor- schlage so weit zurückgreifen in die vorrepublikanische Vergangenheit, so gibt das eine gemiffe Gewähr, daß die Gedanken schon gereift sind. Demgegenüber erhetä sich aber die Frage, ob dann diese große Reform noch erledigt werden soll und kann in einem Zeitpunkte, wo die Nationalversammlung schon die Hand an der Türklinke hat.
Herr Schiffer versicherte, die Parteiführer hätten sich mtt der Einbringung dieser Gesamtreform des Strafverfahrens einhellig einverstanden erklärt, doch mit dem Wunsche, daß sie der Rationaloersammrung alsbald nach ihrem Zusammentritt voroÄegt werde. Letzteres ist allerdings eine unabweisliche Voraussetzung, wenn überhaupt die Strbeit noch ernstlich in An- griff genommen werden soll.
Auf jeden Fall würde die Gesetzgebung, um schnell zum Ziele zu kommen, sich eine Beschränkung dahin auferlegen müssen, daß nur die gereiften Reformgedanken sofort zur Durchführung gelangen und die zweifelhaften oder besonders gefährlich erscheinenden Neuerungen für eine spätere Erledigung in Muße zurückgestellt würden. Das käme dann darauf hinaus, daß man zunächst ein Notgesetz schaffte für die dringendsten Verbesserungen und die vollkommene Reform des Strafoerfahrens sich vorbchielte für ein Er- gäiHungsgssetz. Was der Rkichsjustizminister jetzt an- gekündigt hat, sieht ober nicht nach einem Provisorium aus, sondern scheint der Abschluß einer einschneidenden und umfassenden Neugestaltung des ganzen Strafver- fahrens zu bilden. Schritt für Schritt und Stufe um
ber Papa. „Ich würbe höchstens ebtat Affen oder einen Pmtsch« so rufen.“
Am Nachmittage gingen die ferri, Gustav, Mariechen und Fritz, tmrch bas Kiefernwäldchen, das zum Gut gehörte; Fritz war zurückgeblieben, er hatte mit dem Stack «men Ameisenhaufen aufgestochert und sah interessiert dem Treiben des aufgeregten Völkchens zu.
„Sag mal, Mimi,“ begann Gustav, nachdem er sich umgefehen hatte und Fritz in Beobachtungen vertieft sand, »hätte mich Drin Papa mrsgezanki, wenn Du gesagt hättest, daß Ich Dir den Stamm Mimi gegeben habe?"
„Slusgezankt mcht, aber lustig gemacht hätte er sich über Dich,“ entgegnete bas Mädchen.
»Und das wolltest Sa nicht, Mimi, gelt?“ fragte er etodringfich und sah fie baba ernst und zärtlich an.
Sie senkte dm Blick und errötete tief. »Nein, das wollte ich nicht,“ sagte fie leist.
süße Heine Mimi,“ flüsterte Gustav innig, „hast Du mich so Beb?* Er ergriff ihre Hand und zog fie an die Lippen. „Sag’s doch, süße einzige Mimi, nur einmal fag’s!“
Da kam Fritz herangestidmL. .Du, Gustav, ist's wahr, daß die Unreifen ganze ®täl* toben mit Häusern und Palästen und Schulen und Spitälern?"
»Natürlich ist', wahr,“ entgegnete Gustav kurz.
„Samt hab' ich setzt eine Stadt zerstört, eine ganze, große Stadt,“ erzählte Fritz vergnügt.
„Da hast Du was Rechtes getan,' versetzte Gustav imfrmm.dstch, denn er war böse, daß Fritz so zur Unzeit dahergekommen war. Dann wandte er sich wieder dem Mädchen zm „Sag'», Mimt, sag'», ist es so?“ bat er.
„Das will sie D>- denn mcht sagen?“ fragte Fritz neugierig; „soll ich fie kneifen, bis sie Sit’s sagt?“
„Danke, Fritze!, nein," jagte Gustav» „sie wirb’s schon selber sagen, gelt, Mimi?“
„Sä', antwortete sie.
„Was Ja?“ fragte Gustav wieder; „bloß, daß Sa’s fegen willst oder daß es so ist wie ich glaube?“
„Daß es so ist, wie Du glaubst,“ entgegnete Ma» riechen.
Da faßte sie Gustav plötzlich mn bk Mitte, hab sie in die Höhe und Meß einen so lauten Juhschrei aus, baß dir Geschwister zusammenfuhren.
„Warum hast Du denn so geschrien?“ fragte Jritz-
„Üta, werm’s Dir gefällt, mir kann's recht fein, mrr
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Stufe läßt sich inner Umständen mehr erreichen, als mit einem wagemutigen Sprung.
Auf keinen Fall darf sich die RationaloersammlunK durch diese Justizreform behindern lassen in der Lösung- derjenigen Aufgaben, die uns geradezu auf den Fingerm brennen, namentlich der wirtschaftlichen und finanzpolitischen Arbeiten. Was wir zm Genesung der zerrütteten Volkswirtschaft brauch«:, verträgt keinen Aufschub. 216er das alte Strafverfahren; ist doch nicht ganz so schlecht, daß wir nicht noch ein Jährchen unter der bisherigen Rechtspflege durchhalten können. . . ,J
(Sin neuer deutscher Protest.
T»e deutsche Regierung hat wegen der AuSwei« sung deS BerwalturtgSgerichtspräsidenten von Hal» fern (Saarbrücken) in Paris eine Protestnote über* reicht, da nach den Bestimmungen des Waffenstill»^ standSdertrageS die Alliierten kein Recht haben, deut«; sche Beamte von ihrem Posten zu entheben.
Die Stärke der DssaßungStruppen.
In einer deutschen Rote vom 2. Januar an den Obersten Rat war mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage TeuischlandS um Herabsetzung der für die Abstimmungsgebiete vorgesehenen Trusts Pen stärken der Alliierten ersucht worden. In bet, Antwort der Alliierten heißt es, durch die Nichtbeteiligung Amerikas seien diese Truppen schon um ein Viertel vermindert, an eine weitere Herabsetzung sei nicht zu denken.
DaS Urteil der Neutralen.
Die Kriegsgefangenenfrage im Spiegel des Auslandes.
Im neutralen DuSlande verbreitet sich immer mehr die Ueber^ugung., welch barbarisches Unrecht dem! deutschen Volke tmrch die, Zurückhaltung der Gesänge. nen in Frrmkreich atupetan wird. Der schwedische Forscher Sven Hedin erließ einen bot Entrüstung flaut, wenden Aufruf. In einem dem Obersten Rat in Pctz- ris zugestellten Appell verlangte der »Jnternarionals christliche Arbeitervund“ in Zürich namens aller christlichen Ärbeiierverbände die sofortige bedinguwgZloft Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen und nennt die gan-e Angelegenheit wörtlich: „Einzig bostehen8 in der Geschichte der zivilisierten Völker, einen Schandfleck für unsere Zeit und ein Verbrechetn gegen die eiet menfarsten S3egriffe von Recht und Gerechtigkeit.“ — Im „Tprchladet“ schreibt der schwedische Journalist Tchorsteinsson: .Das deutsch« Volk hat wahrhaftig itt den letzten Jahren so schwere Prüfungen durchgemacht, wie vielleicht lein Volk in der Geschichte in einer fj» rurgen Zeit. Schon lange hätte jeder, der einen Funken von menschlichem Gefühl noch in sich hat, sagen müssen: Die Heimsendung der KriegSgefangemen darf nicht als Druck dafür benutzt werden, von den Besiegten noch weitere materielle und moralische „Zugeständ. nisse“ zu erlangen. Alle anständigen Menschen werden ihr Mitgefühl nicht versagen können. Die Ange- legeribeit hat sich schon lange über alle Grenzen moralischer Würdigung entwickelt. Der Gefangene ist ganz gewiß eine billige Arbeitsraft für Frankreich, sie ist aber um so teurer für die Menschen selbst, für ihre Frauen, Kinder, Eltern und Verwandte M:tb für alle! ihre Landsleute." — Und da» norwegische „Otabanger Astenbladet" äußert sich voller Abscheu: «Haben betret die Alliierten mcht soviel Machtmittel Deutschland gegenüber, daß sie unterlassen tonnten, die unglücklichen Kriegsgefangenen zu nnßbranchen. Die Antwort ist wohl die. daß hinsichtlich der Gefangenen Frankreich h»ie größere Dechandlungen mit den Alliierten auf. treten kann, was leichter ist d3 irgend ein ander» Mittel das Derhandlungsn vorauSsetzt und wo Einig, fcit schwer zu erreichen ist. Die Gefangenschaft bet Juden in Babylon hat Jahrtausende nach Babylrin» Fall in der Geschichte Weitengelebt. Mitten im moder, nen Europa wiederholt sich die Geschichte; aber nicht zwischen dem Euphrat und dem Tigr'.S, sondern zwi. schen der Aikne und der Marne lebt heute eine halbe Million in Gefangenschaft.“
„Sn den österreichischen Bergen da schreien sie so, wann sie sich übet etwas freuen, so recht vom Herzen heuen,“ erklärte Gustav; „rmd feit ich das in den Bergen gelernt habe, weih ich auch, daß es nichts Natürlicheres und nichts Dribfwerfiändlicheve, gibt, als feine Freude fo ouszu- drücken. Juhuuu!“ klang es wieder aus Leibeskraft und Fritz schrie mtt, weil ihm das ungeheuer gefiel.
„Su hast nur geschrien, Fritzel, und nicht gesuchezk,“ sagte Gufttw ganz ernsthaft, ^sichst, fo mußt Du's machen.“
Un6 er juchezte vor und Fritzel machte es noch, bis sie beide außer Wem waren.
Ms sie ein wenig verfchnaust hakte», fragte der Knabe: „Aber feg, Gustav, worüber hast Du Dich dem, eigent« sich fo gefreut?'
Gustav schwieg einen Augenblick, dann fegte er lächelnd: „Weißt Du, die Mimi hat mir was versteckt und hat mtr’s nicht zeigen wollen und mm hab ich'» erraten.“
„Was hat sie Dir denn versteckt?“ fragte Fritz neugierig.
„Ein Herz,“ antwortete Gustav schnell.
„Eins von Zucker?“
„Natürlich, ein süßes, ein ganz flitzes,“ erwtberte ber Detter und sah dabei Mariechen innig an.
„Wo haft Du's denn versteckt?“ wandt« sich der unabweisbare Fritz an die Schwester.
„Ja, Dir werd' ich's extra fugen,“ entgegnete das Mädchen, bas sich inzwischen gefetzt hatte, .chamtt ich gar nichts vor Dir sicher habe. Du kommst mir ohnehin über alles.“
„Ich werb's schon finden, Du falsche Katze, wart mal' drohte Fritz.,
„Ja, such' nur!' rief Mimi fröhlich, und unter Scherz und Lachen fetzten sie ihren Weg fort.
Ab« von ter Stunde en ward Mariechen anders; fie sprang nicht mehr über die Schnur, sie ließ die Zöpfe nicht mehr hermtterhöngen, sondern legte fie um den Kopf, sie weigerte sich, die kurzen, alten Kleider zu tragen und fie kniff und puffte den Bruder mir mehr, wenn er zuerst damit anfing. Ganz mit dem Puffen und Kneifen aufzuhören, wie sie es gerne gewünscht hätte, ging leibet nicht an, sonst wäre Fritz gar zu frech geworben; mit Ernst und Würde kam man bei dem schlecht am, da» verfing nicht bei fern. -- _ f'
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