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Nr. 4.
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Zentrum und Landwirtschaft in der Nationalversammlung.
Don SB. Hebel, Mitglied der Nationalversammlung.
. Die Deutsche Nationalversammlung hatte, wie schon ihr Name: „Verfassunggebende deutsche Nationalversammlung" besagt, zunächst und hauptsächlich die Aufgabe, dem deutschen Volke auf Gründ des abgeschlossenen Waffenstillstandes den Frieden nach außen und nach dem Umsturz durch die Revolution durch Schaffung einer Verfassung den Frieden nach innen wieder zu geben. Aber ebenso dringlich wie der Ruf nach Friede machte sich der Schrei nach Brot geltend. Die Nationalversammlung konnte und durfte daher an der Lebensfrage des deutschen Volkes, an dem Wiederaufbau seines zerstörten Wirtschaftslebens nicht achtlos vorübergehen. Und sie hat das auch nicht getan. Mt unermüdlichem Fleiß und nicht ohne Erfolg hat sie hier eingegriffen. Zu den allerwichtigsten Zweigen unseres Wirtschaftslebens gehört die Landwirtschaft. Der Nährstand ist und bleibt, wie er es vor und während des Krieges war, ebenso und noch mehr nach dem Krieg und der Revolution der lebenswichtigste Stand unseres Volkes.
Was hat nun die Z e n t r u m s f r a k t i o n in der deutschen Nationalversammlung zu Gunsten, zur Rettung, Erhaltung und Förderung des deutschen Bauernstandes getan?
Auf diese Frage möchte ich in den folgenden Aus- fihrungen Antwort geben! Nicht eine erschöpfende Antwort l Ich kann aus dem vielen nurdaswich» tigste, nicht einmal alles wichtige zusammenstellen. Ergänzungen und namentlich weitere Ausführungen müssen vorbehalten bleiben bis zum Ausschluß der Arbeiten der Nationalversammlung.
1. 3m Plenum der Nationalversammlung.
Reden im Plenum der Nationalversammlung.
1. Am 6. Februar 1919 trat die Nationalver- .Ämmlung zusammen. Schon am 19. Februar, aus Anlaß der allgemeinen Aussprache im Anschluß an die programmatische Erklärung der Reichs- regierung wurde die wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes behandelt. Im Namen der Zentrumsfroktion sprach einer der besten Kenner des Wirtschaftslebens in Deutschland und weit darüber hinaus, Dr. Mayer (Schwaben), zu diesen Fragen. Bezüglich ksr Landwirtschaft wies er hin auf den beispiellosen Aufschwung der deutschen Landwirtschaft vor dem Kriege und ihre bewunderungswürdigen Leistungen während besselben und betonte, daß dieselbe auch jetzt der w i ch- tigste Teil unserer Binnenwirtschaft sei. Darum müsse derselben auch di« größte Beachtung und Förderung zuteil werben. „Von der Heimatscholle muß die Gesundung (unseres Volks- und Wirtschaftslebens) ausgehen. Mr müssen unbedingt soweit kommen, daß unsere heimische Landwirtschaft dem inländischen Konsum, soweit es irgend möglich ist, genügt, und wir werden unsere Lebenshaltung diesem Erfordernis anpassen müssen." (Sten. Der. S. 188.)
2. Am 1. März sprach der Abg. Dr. Heim bei der dritten Beratung des Entwurfs eines Uebergangsge- fetzes in Verbindung mit einer Verordnung über di« Sicherung der A ck e r - und G a r t e n b e st e l l u n g. Er äußerte sich dabei über die Fragen, wann und inwieweit ein Zwang zur Feldbebauung am Platze und gerechtfertigt fei, über den Zwang in der öffentlichen Wirtschaft, so wohl was Verteilung der Güter als was Produktion anbelangt und anerkannte unter Umständen deren Notwendigkeit und wies besonders hin auf die Gefahr der Verhinderung der Landwirtschaft an der Arbeit, wie sie von gewisser Seite getrieben wurde und die im Augenblicke (im Frühjahr, zur Zeit der Saatbestellung!) geradezu „himmelschreiend" fei. „Diese Lebensmittelsabotage ist geradezu frevelhaft im gegen-
Der Sänsedok-or.
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„Und ist im Gründe genommen dann doch nichts anderes als hier", sagte Amalie. „Man setzt eben auch an alles einen größeren Maßstab."
Und nun verdrehte sie plötzlich schwärmerisch die Augen und sagte seufzend: „Das Glück wohnt übrigens in Hütten und nicht in Palästen; ich beneide Dich um Dein stilles Leben, Ferdinand."
Ferdinand zuckte zusammen und warf einen Blick voll Liebe auf sein hübsches Familienhaus. Da sprach diese Amalie von einer Hütte! Wie mußte sie gewohnt hohen!
Er wandte sich ihr zu, und da Emma vooaurgegangen und ihn nicht hören konnte, sagte er teilnehmend: „Deine Bemerkung sieht nicht noch Glück aus; Du bist doch auf den Höhen des Lebens gestanden."
Sie seufzte. „Man wände« nicht ungestraft unter Palmen", sagte sie.
Da ihm im Augenblicke keine passende Antwort ein- fiel, begnügte er sich damit, mitfühlend zu seufzen.
„Ich habe meine Kunst gehabt", fuhr sie fort, „Ich habe Triumphe gefeiert, aber do» waren Augenblicke des Glücks, durch die man so verwöhnt wird, daß man das alltägliche, '■'B? Leben kaum mehr ertragen kann:
„Ja, die Größe ist gefährlich Und der Ruhm ein leeres Spiel, Was er gibt, es ist so wenig, War er nimmt, es ist so viel!" Kienholz blickte mit scheuer Bewunderung und einem teilen Unbehagen zu der früheren Künstlerin empor. Seit seinem Aufenthalte auf dem Gute war er dem Theater und den Dichtern ein wenig fremd geworden und er war nicht sicher, ob die zitierten Verse Goethe, Schiller oder ein anderer geschrieben hatte. Erleichtert atmete er auf, als Amalie die schwärmerisch emporblickcnden Augen wie- dec in ihre normale Lage brachte und fortsuhr: „Ich habe altz künstlerischen Neigungen in Edith ängstlich unterdrückt iksid ihr in den grellsten, Farben das Elend und die Kämpfe der Künstler dargestellt. Ich wünsche für sie ein wolkenloses, stilles Dasein ohne große Aufregungen 'N Freude wie in Schmerz; und womöglich auf dem Lande soll sie leben mit ihrer zarten Gesundheit."
Kienholz stimmte eifrig bei; er pries die Gesundhests- \ Verhältnisse der hiesigen Gegend und versicherte, daß >5 . hier beinahe notwendig wäre, die Leute erschlügen ein- ]
wärtsgen Augenblick, wenn man bedenkt, daß wir noch ungedroschenes Getreide aus Kohlenmangel liegen haben." (S. 432.)
3. Am 10. März 1919 kam im Plenum der Nationalversammlung zur Verhandlung die Interpellation (Müller-Breslau, Gräber und o. Payer, also der drei Mehrheitsparteien), betreffend S i ch e r st e l l u n g der Ernährung des deutschen Volkes in Verbindung mit der Interpellation der Rechten (Arn- stadt-Dr. Heinze), betreffend Gefährdung der Ernt« 1919, sowie mit dem Berichte des Volks- Wirtschaftsausschusses über Arbeitsmarkt und Landwirtschaft. Diesmal war es der Abg. Blum, ein Bauer vom Niederrhein, der aber auch landwirtschaftlichen Besitz im Osten hat, und darum die landwirtschaftlichen Verhältnisse genau kennt, der den Stand- punkt des Zentrums vertrat. Abg. Blum zog die ganze landwirtschaftlich« Lag« und Frage in den Kreis feiner Ausführungen. Er behandelte die Ursachen der landwirtschaftlichen Notlage, wobei er besonders die vielen, oft verkehrten, vielfach geradezu verderblichen Maßnahmen während des Krieges und noch nach demselben geißelte. Er sprach sich gegen Zwangserzeugung aus, vertrat aber den Standpunkt, daß an eine völlige Aufhebung der Zwangsverteilung noch nicht herangetreten werden könne; dafür müsse aber in der Preisgestaltung mehr Rücksicht genommen werden auf die kolossale Steigerung der Kosten der landwirtschaftlichen Erzeugung. Zur Hebung der Produk- tion verlangte er ein« Reihe von Maßnahmen: so Lieferung von mehr Kunstdünger, Futtermitteln, Kohlen, besser« Ausbildung der Landwirte, namentlich auch der landwirtschaftlichen Frauenwelt und ernstliche Inangriffnahme der Arbeiterfrage für das Land. (S. 639 u. ff.)
4. Derselbe Redner äußerte sich am 28. März zur Verordnung über Sicherung der Acker- und G a r- tenbestellung und am 1. Juli zur Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedelungs- l a n d. Er betonte die Bedeutung dieser Maßnahmen namentlich als Mittel gegen di« Landflucht und zur Herbeiführung einer gesunden Mischung des Besitzes (Groß-, Mittel- und Kkeinbesitz), zur Schaffung von Bauerngütern mittlerer Größe, zur Urbarmachung von OÄland, zur Errichtung von Wohnstätten und Ansiedlung von Landarbeitern. In letzterer Hinsicht mahnte er aber zur Vorsicht; vorherige Schulung der Ansiedler sei notwendig, um nicht große Enttäuschungen und wirtschaftlichen Ruin zu erleben.
5. Den großer Bedeutung war die Rede des Abg. Dr. Brauns (Köln) bei der Beratung des Etats des ReichSwirtschaftSminist eriumS. Dr. Brauns behandelte in großen Zügen unsere gesamte Bolks- wirtschost und im Rahmen derselben auch die Land- Wirtschaft. Entsprechend der großen Bedeutung der- selben verlangte er, daß sie auch eine entsprechende Vertretung im ReickSministerium haben müsse und daß deshalb in demselben eine eigene Abteilung für Landwirtschaft mit einem Ministerialdirektor an der Spitze errichtet werden sölle. Diese Forderung deS Zentrums ist inzwischen auch erfüllt worden. Im Uebrigen behandelte Dr. Brauns auch bei dieser Gelegenheit wieder die alten Wünsche und Klagen der Landwirtschaft; forderte allmählichen Abbau der Zwangswirtschaft, Freigabe z. B. der Kartoffeln, des Zuckers, vielleicht auch deS Viehes bezw. Fleisches usw., ganz besonders aber Erhöhung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Dementsprechend soll ein besonderes Prämiensystem eingeführt werden. (Sten. Ber. S. 3462 ff)
6. Endlich kam die Landwirtschaft nochmals ausgiebig zum Wort am 26. und 27. November bei der Besprechung der Interpellation Arnstadt-Dr. Heinze, betreffend bedrohliche Gestaltung der Ernäh- rungSfragen infolge der schlechten Witte- rungsverhältnisse und der Interpellation Trim- ander, um Platz für den Nachwuchs zu schassen; von selbst könne man hier saft nicht sterben.
Sie gingen weiter durch di« Wirtschaft und als sie wieder beim Haufe anlangten, bemerkte Amalie: „Was mir hier so gut gefällt, ist die Sauberkeit und Ordnung. Bei Thomas ist alles größer, aber lange nicht so gut gehalten." °
Kienholz ritz die Augen auf. „Warst Du benn in Dlmkwitz?" fragte er erstaunt.
„Aber natürlich!" entgegnete sie; „vom November bis zum Februar."
„Er hat mir doch zu Weihnachten geschrieben und kein Wort von Dir erwähnt," meinte er kopfschüttelnd.
,Zhr schreibt einander?.' fragte sie. „Davon hat mir Thqmas gor nichts gesagt."
Kienholz erwiderte nichts; er wußte, warum Thomas nicht» erwähnt hatte. Einerseits empörte ihn die Falschheit des Detters, anderseits bestärkte sie ihn in der lieber- zeugung, daß Amalie wirklich eine Millionärin fei. Den Besuch einer armen Verwandten klagt man gewöhnlich dem andern als eine besondere Belästigung, ber Besuch der Millionärin wurde natürlich verschwiegen, weil man nicht wollte, daß eine Einladung von Kienholz erfolgte. Er fteute sich schon, feiner Frau diese Mitteilung machen zu können, beim sie hegte merkwürdige Zweifel an den Millionen Amaliens.
Rasch und angenehm verging der Tag und beim Abendessen ging es heiter und gemütlich zu. Als sich Amalie mit ihrer Tochter auf ihr Zimmer begab, gingen Frau Kienholz und Emma in den Garten und erzählten einander ihre Erlebnisse.
Emmas Gatte hatte lange und schwer gekämpft, sich mit untergeordneten Stellungen begnügen müssen, bis es ihm einmal gelungen war, feinen Prinzipal auf sich aufmerksam zu machen, indem er ihm in einer Geschäsis- angelegenheit einen Rat gab, der sich glänzend bewährte. Der alte Herr zog nun feinen Angestellten öfter zu Rate und sah, daß er es mit einem außergewöhnlich tüchtigen Kaufmann zu tun hatte. Er schenkt« ihm fein ganzes | Vertrauen und nach kaum zwei Jahren machte er den ' gänzlich mittellosen Mann zu seinem Kompagnon.
Bei dem Aufschwung, den das Geschäft nahm, stieg auch der Anteil des jungen Kompagnons und als der alte Chef starb, war der jüngere in der Lage, das Geschäft ganz an sich zu bringen und war in kürzester Zeit ein ; reicher Mann. Nur ward leider allzufrüh seinem freu- j
born und Genossen (Zentrum), betreffend Förderung und Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Diele Inte:pellationen gaben dem Altmeister des Zentrums in landwirtschaftlichen Fragen, dem Abg. Herold, Gelegenheit, seine reichen Erfahrungen und sein prak.isches Wissen in diesen Dingen zum Wohle des Volkes und insbesondere deS Bauernstandes zu vertreten. Er zog daS ganze große Gebiet der gegenwärtigen Lage des Bauernstandes in den Rahmen seiner Betrachtungen und beiprach insbesondere auch auSgiebig und praktisch die Mittel zur Abhilfe: Steigerung der Produktion und der Mittel dazu: Dünger, Futtermittel usw, Steigerung der Preise für landwirtschaftliche Produkte, namentlich gegenüber den Auslandspreisen, Produktionskosten usw. Aach ihm kam auch noch ein Vertreter des , mittleren landwirtschaftlichen Besitzes und ausübender Bauer, der Abg. Stopfer aus Niederbayern (Bayerische Volksportei) zum Wort. Auch Stopfer hielt eine s hr gute Rede, in welcher er die Sage des Bauernstands?, namentlich deS mittleren Bauernstan- > des in Bayern darlegte und die Mittel zur Besserung empfahl. Ganz besonders schlagend beleuchtete er an der Hand der praktischen Erfahrung die Schäden des Achtstundentages in feiner Rückwirkung und Auswirkung auf die bäuerlichen Betriebe, durch Entziehen der ländlichen, namentlich der jugendlichen Arbeitskräfte usw. (Jien. Ber. S. 3756 ff. u. 3784 ff.).
(Fortsetzung folgt.)
Ariedensschlutz am 10. Januar.
Die Pariser Havos-Agentur meldet: Der Text der vom Obersten Rat angenommenen Formel, welchem die Verhandlungen über die von Deutschland zur Entschädigung sür die Zerstörung der Flotte von Ccapa Flow verlangten Marinematerials zur Grundlage dienen, wurde am Montag Herrn von Leisner übergeben. Man hat sich mit der deutschen Delegation endgültig über die Formulierung ge- ein igt, sodaß der Unterzeichnung des Ratifikationsprotokolls des Friedensvertrages nichts merr entgegen steht. Die durch die Jnkraftsetzuug des Friedensvertrages nötigen Maßnahmen wurden im Prinzip ins Auge gefaßt. Ter Austausch der Ratifikationsurkunden wurde auf Sa^nstag, den 10. Januar, nachmittags, festgesetzt.
Eine frühere Havas-Melvung lautet:
Die vom Obersten Rat angenommene Formel über den Ersatz von Seapa Flow sieht die sofortige Lieferung von 192000 Tonnen schwimmen- den Materials vor. Die Alliierten erklären, sie seien bereit, Abzüge vorzunehmen, falls die Lieferung der verlangten 400 000 Tonnen dke Lebensiutereffen der deutschen Schiffahrt gefährden, oder die Schätzungen der '.Werten sich als überschätzt herausstellten. ?luf jeden Fall werden die vom Obersten Rat zugestandenen Abzüge eine bestimmte Zahl nicht übersteigen. Die näheren Angaben sind in einem von Elementean unterzeichneten Schreiben enthalten, da» nach Austausch der Ratifikation dem Freiherrn v. Lersner übergeben wird. _____________
DaS englische BündnisangeSot.
Zu den wichtigsten Briefen ber jetzt veröffentlichten Kuiserbriefe, die ein Stück Zeitgeschichte aufrollen, ge, hört derjenige über das englische Bündnisangebot. Er ist datiert vom 30. Mai 1898. Der Kaiser schreibt in diesem streng vertraulichen Brief an den Zaren: „Um Ostern herum sandte ein berühmter Politiker aus eigenem Antrieb plötzlich zu meinem Botschafter und bot ihm einen Bündnisvertrag mit England an. Graf Hatzfeld, äußerst verblüfft, sagte, er könne sich nicht erklären, wie da? möglich sei nach allem, was sich seit 95 zwischen uns ereignet habe. Die Antwort lautete: DaS Angebot sei in vollem Ernste erfolgt und aufrichtig gemeint. Mein Botschafter sagte, er werde berichten, aber er bezweifele sehr, daß das Parlament je einen solchen Vertrag ratifizieren werde, da England bisher jedermann, der es hören wollte, nicht darüber im Zweifel gelassen digen Schaffen ein Ende bereitet, eine tückische Krankheit raffte ihn schnell hinweg. Frau Emma r war genügend orientiert, um das Geschäft nicht nur überhaupt, sondern sogar im alten Glanze weiterzuführen, aber als ihr herangewachsener Sohn keinerlei Neigung zum kaufmännischen Berus zeigte, gab sie es auf und zog sich ins Privatleben zurück.
Nun konnte sie sich auch den lang gehegten Wunsch erfüllen, die Gefährten ihrer Kindheit und Jugend aufzusuchen; Vetti, die Ihr die liebste gewesen, und deren Adresse sie erst auf langen Umwegen erfahren hatte, war die erste in der Reihe.
Frau Kienholz erzählte das alles am Abend ihrem Gatten, der aber zuckte nur di« Achseln. „Erzählen Ist leicht," meinte er, „es muß nur einer da sein, der's glaubt. Aus dem, was jemand von sich selbst erzählt, bildet sich kein vernünftiger Mensch ein Urteil, eher aus nebensäch- lichen, absichtslosen Bemerkungen. Da hast Du gleich Smalle, die spricht nicht direkt van chrem Reichtum . . ." „Ach, laß mich mst der! , , , Gitte Nacht!" unterbrach ihn Frau Betti.
2.
Sie nächsten Tage brachten nicht das Behagen und das engere Aneinanderfchließen, auf das man mit Recht hätte hoffen können: es war eine Gespanntheit da, die sich bald hier, bald dort bemerkbar machte. Amaliens zutunliches Wesen Kienholz gegenüber reizte Frau Betti immer aufs neue und es ward ihr schwer, mst dieser Frau freundlich zu fein; Kienholz seinerseits sah -ie Gereiztheit feiner Gattin und schwebte in beständiger Furcht, daß sie einmal ihre Gefühle nicht werde bemeiftem können. Sein ganzes Gehaben war daher nervös und aufgeregt.
Selbst Frau Emma, die ohne jede Nebenabsicht aus wirklicher Neigung zu der Frau des Hauses gekommen war, wurde in dies Unbehagen hineingezogen. Betti vertraute ihr alle ihre eifersüchtigen Regungen und da ja Kienholzens Huldigungen für Amalie auffallend genu^ j waren, glaubte auch sie an das Wiederaufleben einer alten I Jugendliebe, wenn sie dies auch der Freundin gegenüber nicht zugab.
Sympathischer ward ihr die Amerikanerin dadurch natürlich nicht und es kostete sie einige Ueberwindung, mit ihr so freundlich zu verkehren,als es die Verhältnisse im Hause erforderten. Ueberdies hatte sie einen kräftigen i Willen gegen das Komödiantische in Amaliens Gebühren; I sie hatte jo viel wirkliche Kunst kennen gelernt, daß sie
haS-, daß eS nie unter keinen Umständen ein DündniS mit einer Festlandmacht eingehen werde, wer es auch feil Die Antwort war, daß die.Aussichtau sich voll, kommen verändert hätten und dieses Angebot die Folgerung daraus sei. Nach Ostern wurde daS Ersuchen dringend erneuert, aber auf meinen Befehl kühl und hinhaltend in farbloser Fassung be. antwortet. Ich dachte, die Angelegenheit wäre nun zu Ende. Jetzt aber ist daS Ersuchen zum dritten Male in so unmißverständlicher Weise wiederholt worden, wobei ein bestimmter kurzer Termin für meine endgilirge Antwort gestellt und so ungeheuere. Aner. bietungen hinzugefügt wurden, daß ich es für meine Pflicht gegen Deutschland halte, gehörig zu überlegen, bevor ich antworte."
Der Kaiser war von starkem Mißtrauen gegen dieses Angebot erfüllt und er bat den Zaren, ihm zu sagen, waS er ihm bieten könne und wolle, wenn er, Wilhelm, ablehne. Damit spielte der Kaiser offensichtlich auf den Gedanken eines deutsch-russischen Bündnisses an. Die außenpolitische I-ee Kaiser Wilhelms war immer auf einen Zusammenschluß der Fest. Ia!nd-Mächte gerichtet. Die Vorschläge Englands lie. ßen sich nur dadurch erklären, daß damals tatsächlich Deutschland auf der Höhe seiner Macht stand. ES wurde von England umsomehr als bündnisfähig en» achtet und begehrt, als die englische Politik gern auf eine Abrechnung mit Rußland abgezielt hätte, wofür aber England selbst nicht die genügenden Streitkräfte aufgebracht haben würde. Englische Politik ist es immer gewesen, auf dem Festlande einen seinem Willen ' ergebenen Helfer, „einen festländischen Degen" zu bekommen, dessen England für seine Interessen sich zu bedienen in der Lage gewesen wäre. ES ist ja eine geschichtliche Tatsache daß England stets seine Kriege durch die Heere anderer Völker entscheiden und gewinnen ließ.
Der Kaiser erkannte sehr wohl, daß hinter dem englischen Dündmsangebot von 1898 ebenfalls derartige eng- lische Gedankengänge versteckt waren. Man behandelte seitens der deutschen Diplomatie das englische Anerbieten kühl und formlos. Ganz den englischen Trumpf aus der Hand zu geben, konnte man sich freilich nicht entschließen. Der staiser war der Meinung, daß es bei feinen persön- lichen Verbindungen und freundschaftlichen Beziehungen zu seinem „liebsten Niky" möglich werden müßte, Rußland in einen Bund der festländischen Möchte mit hinein zu ziehen. Der Tatsache, daß ein Bündnis zwischen Deutschland und England sich gegen Rußland wenden würde, hat sich auch der Kaiser nicht verschlossen. Daß es aber auch zu einem Bündnis zwischen Rußland und Deutschland nicht kam, lag daran, daß der Zar den in der Großsürstenpartei obwaltenden französierenden Bestrebungen nicht entgegen zu wirken vermochte. Der Kaiser rechnete fest aus die Freundschaft und die Treue Niko- laus II. Wäre derselbe eine starke, großzügige Persönlichkeit gewesen, die unbeeinflußt ihren Weg ging, so hätte vermutlich die Geschichte dem Exkaiser recht gegeben. Die Tatsache aber, daß der Zar Einflüssen unterworfen war, die ihn in eine deutschfeindliche Richtung drängten, brach- ten den Zusammenbruch der deutschen Politik. Hinter dem Röcken des Zaren waren schon Jahr« vorher die engsten Verbindungen mst Frankreich eingegangen worden, die sich Nicht nur politisch, sondern vor allem auch finanziell aus- wirkten. Daher kam es, daß Rußland dem Ansinnen des Kaisers mit Rücksicht auf Frankreich nicht entsprechen konnte. Die deutsch« Diplomatie hat sich damals zu einer klaren Stellungnahme leider nicht entschließen können. Man schwankte zwischen der Neigung zu Rußland und berjeni- gen zu England und fetzt« sich so zwischen die berühmten zwei Stühle.
Aus triefen Dingen erklärt sich letzten Endes auch die katastrophale Entwicklung der Weltlage, vor die das deutsche Bott heute gestellt ist.
Erklärungen deS englischen KriegsmintsterS.
Der englische Kriegsrninister erklärte in einer Rede: Wenn Deutschland zusantmenbreche, dann werde die Lage in Europa schwierig werden. Man dürfe Deutschland nicht in den Abgrund stoßen lassen. Im allgemeinen sei anzuerkenncn, daß die deutsche Regierung im letzten Jahre ehrlich und korrekt die Bedingungen der Alliierten erfüllt habe. Möglicherweise 'bestehe eine Entente zwischen dein kaiserlichen Militarismus und dem deutschen Bolschewismus, um die deutsche Republik
n ■Mimi »IIII
fast physischen Schmerz bei den häufigen Zitaten der Amerikanerin empfand.
Wirklich bedauernswerte Menschen waren Waldemar und Edith; daran trugen die beiderseitigen Familienoberhäupter die Schuld; in ihrem Bestreben, die beiden jungen Leute zusammenzusühren, taten sie des Guten entschieden zu viel und bewirkten das Gegenteil.
In der ersten Stunde des Alleinseins fragte Frau Amalie ihre Tochter: „Nun, wie gefallen Dir die Leute hier?"
„Recht gut," erwiderte diese; „die Xante eigentlich besser als der Onkel, obgleich et weitaus liebenswürdiger ist; ich finde ihn eigentlich ein bischen komisch."
„Ach was, Tante, Onkel! Wie gefällt Dir der junge Mann?"
„Welcher beim?" fragte Edith. „Der Sohn oder Gast des Hauses?"
„Der Sohn natürlich," versetzte di« Mutter ungeduldig.
„Er ist ein ganz netter Junge," meinte dir Tochter, „aber unterhaltender ist der andere."
„Den schlage Dir nur gleich aus dem Kops!" eiferte Amalie.
Edith lachte. „Ich hab' ihn mir ja noch gar nicht to den Kopf geschlagen, Mama."
„Ich möchte Dir's auch gar nicht raten. Meine Tochter und ein derzeit arbeitsloser Tapezierer!"
„Em Tapezierer?" fragte Edith erstaunt.
„3a," entgegnete Frau Amalie triumphierend. „Seine Mama gibt ihn zwar für einen Juristen aus, aber er hat sich Kienholz gegenüber unversehens verraten." Edith schüttelte den Kopf.
„Das ist unmögfidj," sagte sie, „das sind nicht die Manieren eines Handwerkers."
„Nun, et mag ja vielleicht keiner sein, der bloß Strohsäcke stopft und Wände beklebt, er kann auch Theater- über Ballsaaldekoratem fein, solche Leute sind auch ein bischen gewandt."
„Nein, nein, Mama. Onkel Kienholz täuscht sich oder tLischt Dich," versetzte Edith eifrig.
„Ei, ei. Du setzest Dich ja sehr warm für diesen Herrn ein," rief die Mutter empört. „Ein Glück, daß ich so fchnell dahinterkomme!"
„Dahinterkomme?" meinte Edith ein wenig ve:ächtt'ch. „Mein Gott, mir ist Detter Gustav genau fo gleichgültig wie Vetter Waldemar, sei dessen gewiß!"
((Fortsetzung folgt.)