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M 2.

Samstag, 3. Januar 1920.

Fuldaer Zeitung

Drvü drr iitslbnet Llctieudrnäerei in Fulda

Die Weihuachtsansprache des Hl. Vaters.

Bei dem diesjährigen Weihnachtsempfang der Kar­dinale, Erzbischöfe, Bischöfe und Prälaten hielt der fjt. Bater auf die Glückwünsche des Kardinaldekans Vamm- telli eine Ansprache über das C h r i st k i n d als Frie­densbringer. Zur Belebung des Glaubens lade das Weihuachtssest besonders ein, da es an die Ankunft des­jenigen erinnere, der vor zwanzig Jahrhunderten zur Ret­tung der Menschheit vom Himmel hecabgestiegen ist.

Die Notwendigkeit des Glaubens sei besonders auch erwiesen durch die Fruchtlosigkeit der Bemühungen, die Gesellschaft in einem Zustande des Friedens und des Wohlergehens unter Außerachtlassung Gortes zuzusühren. Der Herr Kardinaldekan habe durchaus recht, wenn er bei der Betrachtung der Zeitverhältnisie im Lichte des Glau­bens das einzige wirksame Mittel gegen die auf der Menschheit lastenden Uebel im göttlichen Kinde erblicke.

Nack; den Worten des hl. Augustinus ist der Friede die Ruhe in d e r Ordnung. Deshalb kann selbst- verständlich weder im einzelnen Menschen noch in der Gcsrllschast Friede herrschen, wenn in ihnen keine Ord­nung vorhanden ist. Welcher Art aber diese Ordnung sein soll, dos lehrt uns der Glaube. Ordnung ist dort, wo die Herrschaft Gottes über alle Kreaturen anerkannt wird, dort, wo man die Ueberlegenheit des Geistes über dre Materie praktisch anwendet, und endlich dort, wo sich ehr­liche und tätige Nächstenliebe findet.

Wer sieht nun nicht, daß gegenwärtig kein wahrer Friede sein kann, weil die Ordnung, inDer- kemmng ihrer drei angeführten Grundzüge, von den Ein­zelnen und von der Gesellschaft untergraben wurde? Es ist betrübend, was uns von unseren Brüdern im Episko­pat über das aus dem Kriege hervorgegangene moralisch« Elend, das von den geschworenen Gegnern der morali­schen Ordnung erheblich vermehrt wird, erzählt wurde. Heute hat der Geist der Unabhängigkeit die Menschen in Beschlag genommen und veranlaßt sie, den alten Ruf des Hochmuts und der Auflehnung zu wiederholen: „Ich will nicht dienen". Man errötet heute nicht, zwischen Elend und Trauer Trost zu suchen, man scheut nicht da­vor zurück, armselige Reichtümer zu häufen, während zu gleicher Zeit die Quellen davon versiegen. Heute herrscht nicht allein offener und erbitterter Krieg zwischen den Na­tionen, sondern auch zwischen den Mitbürgern ein und desselben Landes und Haß und Neid nehmen immer häß­lichere Formen an.

Alles das, sagt der Hl. Vater, kam so, wie die gegen­wärtige Gesellschaft sich sinbilüöte, Gott überboten zu haben. Ihm gegenüber ging man zunächst von der Frei­heft zur Duldung über, von der Duldung zur Trennung, von der Trennung zur Feindschaft, von der Feindschaft zu seiner Aburteilung. Die Verminst behauptet dabei, daß sie sich selbst genüge, und doch ist es einleuchtend, daß die Leugnung des Uebernatürlichen und der Naturalismus im Einzelleben zum Egoismus und im sozialen Leben zur Revolution und Anarchie führen.

Sollen wir deshalb verzagen? fragt der Hl. Skier, und er fügt hinzu, daß wir Grund dazu hat- ten, wenn wir uns nicht auf das göttliche Kind zu Beth­lehem besinnen könnten, wie der Dekan des hl. Kollegiums es schon gesagt habe. Auch heute lehre uns der Glaube noch, daß dieses göttliche Kind unser Friede ist.

Nur dann, wenn wir den uns bedrückenden furcht­baren Uebeln das wirksame Mittel entgegenhalten, das er ims anbietet, werden unsere Uebel geheilt werden. Er wird unser Friede'werden, wenn wir dem Uebel des Stolzes die Erinnerung an denjenigen entgegenhaüen, der zur Rettung der Menschheit so klein und demütig wurde. Er wird unser Friede werden, wenn wir dem Uebel unseres Egoismus die Erinnerung an di« Liebe desjenigen pegenüberhalten, der auf die Erde herabstieg, um unsere Uebel auf sich zu nehmen und seine Güter uns zu verleihen. So wird die Ordnung wieder her- gestellt, und so wird auch der Friede blühen. Er ist unser Fried«, werden auch die Nationen sagen müsien, wenn dem heute herrschenden Naturalismus die Lehre und das Beispiel Jesu Christ! entgegengehalten wird; er wird der Friede der Gesellschaft, wenn sie zur grund­legenden Ueberzeugung kommt, daß alle ihr ewiges Hell erwirken müssen; er wird das Hell der Gesellschaft wer­den, wenn diese das Knie beugt vor demjenigen, der der König der Könige und der Herr der Herrschenden ist. Es wird Friede in der Gesellschaft, wenn diese ihre Kul­tur zum Aufbau der Stadt Gottes benutzen wird.

Weit davon, also zu verzagen, schließen Wft uns der frohen Erwartung des hl. Kollegiums an und teilen Wir feinen Wunsch, daß in den Einzelnen und in der Gesellschaft der Geist des Glaubens wieder belebt werde, weil sie dann lange Zeit die Früchte des wahren Frie­dens. der em Kind des Glaubens ist, genießen können.

Der hl. Paulus, fuhr der Papst fori, hat in seinem Briefe an die Römer geschrieben, daß das Wort Gottes Gerechtigkeft und Freude im Geiste sei, und er schloß: Suchen wir also das, was des Friedens ist. Wir erteilen nun dieselbe Ermahnung und fordern ebenfalls auf, das zu suchen, was des wahren Friedens ist. Dazu sind zu rechnen die Unterwürfigkeit und die Folgsamkeit gegen die göttlichem und menschlichen ®e- setze. Dazu gehören ferner die Abtötungen, die die ‘Sinne der Herrschaft des Geistes unterwerfen, und end­lich die liebevolle Antellnahme an dem Schicksale anderer.

Unpolitische Seitlmife.

N. 53er Iin, 31. Dezember 1919.

Bist du weise, machst du keine Reises

Ws unser unglücklicher Kaiser vor einem Menschenalter stn Glanze seiner Jugend und Macht die Regierung ange­treten hatte, bekam er bald den Spitznamen „Reisekaiser", well er die Ortsveränderung liebte und gern persönlich auf­trat, sowohl im Jnlande, wie im Auslande.

Die heiligen drei Weisen aus dem Morgenlande, deren Gedenktag am 6. Januar ist, hätte man demgemäß Reise­könige nennen können Ihr Weg war für die damaligen Verhältnisse sehr weit, und der Karawanenzug war so lästtg, so gefährlich und so kostspielig, daß er die späteren Eisenbahn- und Dampffahrten weit hinter sich läßt. Dar­auf stützt sich wohl auch die Legende, daß die drei Magier, von dem das Evangelium berichtet, Kpnige gewesen seien. Rur „Könige", d. h. reiche und mächtige Häuptlinge, konn­ten die erforderliche Menge von Dienern, Schutzsoldaten- Kamelen, Zelten, Borräten aufbringen.

Unter den modernen Derhältnisjen, wie sie sich bis zum Kriege entwickelt hatten, waren wir alle in gewißem Maße Reiseonkels und Reisetanten geworden. Dos Reisen war ja so bequem und so billig, warum sollte man sich nicht einen Ausflug in die Welt gestatten? Abgesehen von dem Ziele war es schon an sich ein Vergnügen, auf dem be­haglichen Sitz durch die wechselnde Landschaft zu fliegen und hinter einer Taffe Kaffee im Speisewagen seine „Weltkenntnis" zu erweitern.

Der Krieg legte die Schiffahrt still und sperrte die Eisenbahnen an den feindlichen Grenzen. Aber in dem ersten Kriegsjahre wurde doch noch mächtig gereift auf den Geleisen im Inland. Dort ging ja auch alles noch wie ge­schmiert. Höchstens mußte man sich einen Paß mit seinem Konterfei abstempeln taffen. Aber als die Schlachten zu Ende waren und die Welt viel freier aufatmen wollte, da fing die Reisenot erst recht an. Auf den Stillstand der Waffen folgte ein empfindlicher Stillstand in den Derkehrs- mhieln. ,

Jetzt ist das Reisen keine Lust mehr, sondern eine 2ua!. Kostspielig, umständlich, lästig, zeitraubend, ge­sundheitsschädlich im höchsten Grade

Kostspielig? Daraus scheinen sich die Zeitgenoffen nichts Zu machen. Trotz aller Erhöhungen der Fahrpreise sind die Bahnwagen oolloevropft mi» tierinston*'*” 2^*

Und wenn wir vom Einzelnen zur Gesellschaft über­gehen, können wir noch hinzufügen jene Handlungen, durch welche in den Schulen, in den Gerichtssälen und den öffentlichen Versammlungen Gott, der der Herr nicht nur der einzelnen Menschen, sondern auch der Nationen ist, gebührend beachtet wird. Zum Frieden gehören endlich di« Maßnahmen, die geeignet sind, um auf ge­rechten Grundlagen die Völkerbündniffe zu errichten, die Maßnahmen, durch die die besiegten Völker zwar zu einer angemessenen Buße, aber nicht zum Untergang verurteilt werden.

Zum Schluß dankte der Hl. Vater dem hl. Kolle­gium für feine Glückwünsche und erwiderte sie und dehnte sie auf alle Anwesenden aus. Noch einmal wies er dann auf den wahren Frieden hin, weil, wie er sagte, der Friede der Kinder die schönste Freude eines Vaters ist.

Kriegsgefangerrenheimkehr

Fulda-Gersfeld.

(Heimkehrer und Angehörige von noch Gefangenen, aufheben!)

Die Heimkehrstelle ist eine Auskunfts- und Bera­tungsstelle für die Heimkehrer aus den Kreisen Fulda und Gersfeld. Da alle aus den Durchgangslagern kommenden Heimkehrer der genannten Kreise sich beim Meldeamt in Fulda wegen späterer Erlangung chres Militärpaffes melden muffen, ist der Sitz der Heimkehrstelle auch in Fulda. Eine Meldepflicht bei der Heimkehrstelle besteht nicht, wenn der Heimkehrer nicht Löhnungsforderungen geltend macht oder um Ge­währung der wirtschaftlichen Beihilfe einkvmmen will. In beiden Fällen m u ß er sich bei der Heimkehrstelle mit seinem Entlassungsschein melden.

Bemerkt sei, daß Gesuche um Erstattung von Flucht­kosten oder um Ersatz füt Gegenstände, die vom Feinde bei der Gefangennahme geraubt sind, sowie Anträge auf ärztliche Behandlung so schnell wie möglich per­sönlich beim Meldeamt in Fulda, welches jetzt Ver- sorgungs-Auskunftsstelle heißt, zu machen find.

Die Kriegsgefangenenheimkehrstelle Fulda-Gersfeld, im amtlichen Verkehr kurz Krifaheim Fulda genannt, besteht aus mehreren Abteilungen. Für den Einzelnen find die wichtigsten Abteilungen die Auskunfts- und die Arbeitsnachweisabteilung. Erstere liegt in den Händen eines ehemaligen Kriegsgefangenen, des Herrn Rektors Solle, der während der Schulzeft Sprech­stunden häü, Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags von 10—12 Uhr im Rektorzimmer der Stadt­schule (Alte Kaserne), ausnahmsweise auch Nachmittags von 3—5 Uhr. In den bis zum 13. Januar dauern­den Ferien ist Sprechzeit von 11—12 in der Privat­wohnung, Adalbertstraße 33 H. Am wichtigsten ist die Auskunft über Löhnungsfragen und über die wirt­schaftliche Beihilfe. Alle Löhnungsgesuche sollen nach den neuesten Bestimmungen durch die zuständige Kriegsgefangenenheimkehrstelle gehen. Geschieht das nicht, so werden sie ihr gewöhnlich von der Mttitärstelle zur Bearbeitung zugeschickt Ferner gehen auch die Ge­suche um wirtschaftliche Beihilfe, eine Geldhilfe aus Reichsmitteln, unmittelbar an die Kriegsgefangenen­heimkehrstelle, die sie bearbeitet und dem Hllfsausschuß vorlegt.

Die Arbeitsnachweisabteilung wird vom Kreisarbeftsnachweis (Herrn Volksvereinssekretär Frank, Gesellenhaus-Florengasse) verwaltet. Alle Heimkehrer, ob Kriegsgefangene oder Zivilinternierte, die sich beim Meldeamt melden und sich in dem Krifa­heim Auskunft holen, müssen auch zu der Arbeitsnach­weisabteilung gehen, wenn sie noch keine Arbeitsmög- llchkeit haben und rechtzeitig unterkommen wollen.

In den erwähnte t beiden Abteilungen wird auch Auskunft an Angehörige von noch Kriegsgefangenen erteilt, sofern die Anfragen sich nicht auf den Zeitpunkt der Heimkehr beziehen. Außer diesen Abteilungen gibt es noch eine Empfangs- und Verpflegungs- Abteilung, die hauptsächlich in Tätigkeit tritt, wenn größere Transporte für unsere engere Heimat zurück­kommen oder größere Transporte fremder Heimkehrer zu längerem Äufenthalle auf der Station Fulda ge­zwungen sind. An der Spitze dieser Abteilung stehen die Damm Frau Emma Wähler und Frau S u n k e l.

Die Quartierabteilung besorgt Herr Bahnhofswirt Kräh für solche Emzelheimkehrer un­serer Heimat, die hier übernachten müssen und sich durch ordnungsmäßig ausgestellten Entlassungsschein eines Durchgangslagers (abgekürzt Dulag) ausweisen können. Familien aus der Stadt haben sich in liebenswürdiger Weife bereit erklärt, solchen eine Nacht unentgeltlich Quartier zu geben.

Die ganze Einrichtung der Kriegsgefangenenheim- kehrstelle Fulda-Gersfeld wird von den genannten Da­deutsche Mark gilt im Auslands kaum einen Groschen; aber im Inland« lassen mir die Markscheine fliegen, als ob mir lauter Krösusse wären.

Abschreckender scheint mir di« Lauferei nach ben nö­tigen Papieren und Fahrkarten, das stundenlange An» stehen auf den Bahnhöfen, der Maffen-Sturmlaus auf einen Sitzplatz. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen, — nämlich schon vor der „glücklichen" Abfahrt des Zuges. Wenn er nach allen Umständlichkeiten nut ge­knickten Seinen und hochgespannten Nerven an's Trittbrett des Wagens gelangt, so findet er alles voll, voll. Kein Sitzplatz frei, und ein Stehplatz nur mühsam zu erkäm­pfen. Mit Bracchialgewatt, wie man in Oesterreich sagt. „Wie sind berat die Leute all vor mir hineingekommen?" Ein Narr wartet auf Antwort. Ein Teil war noch früher apsgestanden als du; ein anderer Dell war noch flinker beim Wettlauf, und ein dritter Teil war „hinten herum", auf Schleichwegen trat Hilfe von Trinkgeldern, in den Zug gekommen, ehe er am Bahnsteig vorfuhr. Das sind die ganz schlauen, die mit Swinegels Frau sagen: Ich bin schon da!

Spötter behaupten, in einer gewissen Winzerstadt würde zu halber Nacht geläutet, damit di« Schläfer sich aus die andere Seite legen; denn sonst könnte der Säuerling ein Loch in ben Magen fressen. In den Eisenbahnzügen von heutzutage sollte auch von Zeit zu Zeit bi« Notglocke ge- läutet werden, damit die Sitzenden und die Stehenden mal abwechseln könnten. Ob das ohne Krawall abginge? Vis dahin heißt es: Fest steht und treu bre Wacht im Seiten­gang! Oder auch auf den Oertchen, die man nicht gern nennt.

Und alles das durch lange Stunden in ungeheizten Wa­gen! Das Reichsgesundheitsamt sollte mal eine Ermitte­lung anstellen über all' die Schäden an Leib und Leben, die durch die jetzt übliche Reifere: angerichtet werden. Nach­träglich bekommen auch die ungedienten Leute etwas zu chmecken von den Lieblichkeiten in den Schützengräben. Dieser Anschauungsunterricht wird aber etwas teuer be­zahlt dmch die Einbuße an Gesundheit und Arbeitskraft Was folgt daraus? Sehr einfach: Bleib zu Haus« und reife nicht, wenn du nicht geradezu gezwungen bist.

Unterscheiden mir zwischen Geschäftsreisen und Be- uchsreisen.

Die wirklichen oder angeblichen Geschäftsreisenden las­sen sich nickt l-ickt belehr-- S'e halten if^e Fahrt für

men und Herren ehrenamtlich, daher unentgeltlich ver­waltet. Von der Errichtung einer hauptamtlichen Heim­kehrstelle für Fulda-Gersfeld wie solche in Frankfurt oder Kassel bei den Tausenden von Heimkehrern be­stehen, ist hier Abstand genommen. Es hcmdell sich bei uns um etwa 700 Heimkehrer.

Oben wurde noch der H i l f s a u s s ch u ß erwähnt. Dieses ist eine Körperschaft von 6 Mitgliedern, von denen 4 ehemalige Kriegsgefangene gewesen sein müs­sen. Der Hilfsausschuß nimmt die Verteilung der wirtschaftlichen Beihilfen auf Grund besonderer Be­stimmungen nach dem Maße der wirtschaftlichen Not­lage vor. Die 4 ehemaligen Kriegsgefangenen gelan­gen durch Wohl in den Vereinigungen der ehemaligen Kriegsgefangenen und der Kriegsbeschädigten in den Hilfsausschuß, während die zwei anderen Mitglieder von den Behörden ernannt werden. An den Hilfsaus­schuß müssen die Gesuche von dem Krifaheim weiter­geleitet werden und vom Hilfsausschuß erfolgt Bescheid nur durch die Krifaheime. Für jeden Kreis ist ein be­sonderer Hilfsausschuß vorhanden.

Im Kreise Fulda ist die wirtschaftliche Bei­hilfe seit Kurzem eingetroffen und eine Anzahl Ge­suche, die nach der Reihe ihres Eingangs vorgelegt wer­den, sind schon erledigt.

Hits dem Ha varaMer,

△ Neuhof, Kr. Fulda. Man schreibt uns: Am Sonntag, den 28. Dezember hatte sich im Saale des Gastwirts Hornung - Neustadt der Zentralver­band der Kriegsbeschädigten, Kriegs­hinterbliebenen uns K r i e g s t e . i n e h m er, Ortsgruppe Neuhof mit feinen Angehörigen sowie ein­geladenen Gästen zur diesjährigen Weihnachtsfeier ein­gefunden, die in einer Bescherung für die Kinder der ge- fallenm Kameraden sowie der Kriegsbeschädigten, fer­ner in der Ausführung von 4 Theaterstücken bestand. Vom Publikum wurden die Darbietungen mit großem Dank ausgenommen. Der starke Besuch bewies, daß sich die junge Ortsgruppe in diesem Jahre durch ihre rege Tätigkeit und Arbeit zu Gunsten der Hinterbliebe­nen und Kameraden bet der Neuhofer Bevölkerung einer großen Beliebtheit erfreut; konnten doch durch die rege Tätigkeit und Sparsamkeit der Ortsgruppe den Hinterbliebenen sowie den verheirateten Mitgliedern ein Vetragvonca. 1300 MarkolsWeihnachts- geschenk für ihre Kinder überwiesen werden. Außer­dem wurden in diesem Jahre 50 Anträge auf Renten- versornung gestellt und zum Teil erledigt. Aus der Na- tionalstiftung wurden 24 Anträge an die Hinterbliebe­nen zur Auszahlung gebracht. Nachdem sich nun die Mitgliederzahl fett April d. 3s. von 9 auf ca 200 er­höht hat, konnte auch die Ortsgruppe einen Ver­treter in dieKreisfürsorge des Kreises Fulda entsenden, wo die Interessen aller Mitglieder vertreten werden. Am Sonntag den 11. Januar fin­det int Saale des Gastwirts Hornung, Neuhof-Neustadt die Jahresversammlung der Ortsgruppe statt, in der auch die Vorstandswahl stattfindet.

△ Schlüchtern. In Hu tten feuerte der 11- jährige Sobn eines Jagdaufsehers mit einem Gewehr auf Schulkn oben, die zur Kirche gingen. Drei wurden durch Schrotkugeln verletzt, zwei liegen st werverwundet darnieder. In Hände, Arme, Leib, Lunge, Hinterkopf und Gesicht sind die Schrote ein­gedrungen.

(§) Bad Orb. In letz er Zeit sind auf dem Truppenübungsplatz Wegscheide größere Diebstähle ausgeführt worden. Aus diesem An­laß haben in Orb bei verdächtigen Personen Haus- suchungen stattgefunden, die einen Teil des gestoh­lenen Gutes wieder zu Tage gefördert haben.

Vermischtes.

* Neujahrsgliickwunfchwechfel mit dem Ausland. Bor dem Kriege herrschte der Brauch, daß die Be­amten des Telegraphenamtes in den großen Haupt­städten in der Neujahrsnacht telegraphisch Glück­wünsche in Poesie und Prosa mit einander auf« tauschten. Der Krieg hatte auch dieser Sitte ein Ende bereitet. An diesem Jahre ist sie zum ersten Male in bescheidenem Maße wieder ausgenommen worden. In der Silvesternacht trafen an das Haupt- telegraphenamt Berlin Glückwunschtelegramme der Aemter aus Mailand und Bern ein, die sofort in der üblichen Weife beantwortet wurden. Aus allen anderen Großstädten, auch aus dem eng be­freundeten Wien, blieben die Neujahrsgrüße wohl mit Rücksicht auf b>e Ueberlastuna des Drahtes ans.

durchaus notwendig. Vielleicht ließen sich aber sehr viel« Geschäfte auch brieflich ober drahtlich erledigen. Vor allem bi« reellen Geschäfte, bi« bas Licht nicht scheuen. In vie­len Schnellzügen, namentlich zwischen Berlin und dem Westen, trifft man eine Masse von Geschäftsleuten. Bei näherer Beobachtung entpuppt sich die Mehrzahl als Schleichhändler, die auch im rollenden Zug« flott am Ver­schieben sind. Dazu gehören auch die Hamsterfahrer, die vielfach ins Weite schweifen. Diesen plätzeraubenden Bal­last tarnt aber die Eisenbahn nicht los werden.

Das nun die Besuchsreifen angeht, so kann man grundsätzlich nur wünschen, daß die Verwandten sich recht oft gegenseitig besuchen. Ich schwärme sogar dafür im Interesse des Familiensinns, der gerade unter ben jetzigen Verhältnissen der sorgsamsten Pflege bedarf. Und doch muß man vorläufig auf die Reisenot Rücksicht nehmen. Wo bleibt der Segen für das Gemüt, wenn der Besuch beiden Tellen so große Lasten und Sorgen bringt? Wenn du einen wohlbestallten Selbstversorger besuchst, so hast du frellich nur mit deinen eigenen Reisestrapazen zu rechnen. Im anderen Falle aber stellt sich die Hausfrau trotz aller Gastfreundschaft di« ernste Frage: Was bringt der Be- fucher mit an Karten und an Vorräten? Wie komme ich ans für diese Tage? Und der Besucher selbst steht unter dem Druck der Sorge: Wie komm« ich rechtzeitig und ge­sund wieder zmück? Unter solchen Umständen "wird der Besuch leicht zu Enttäuschungen und zu Verstimmungen führen.

Das gilt natürlich nicht von einer gelegentlichen Stipp­visite m der Nähe. Nur bei einem sogenannten Logier- besuch muß man sehr vorsichtig sein und auch bi« Ver­hältnisse des anderen Teils unbefangen und sachverstän­dig abwägen.

Wenn nun der persönliche Verkehr vorläufig rätae« schränkt werden muß, was ist der E r s a tz. zur Pflege des Familiensinns und der Freundschaft? Ein Brief ver­kehr.

Aber da hat doch die Postvenvaliung foeirtn die Mah­nung erlassen, man solle den Glückwunschverkehr zu Neu­jahr einschränken wegen Ueberlastung der Post Das stört meinen Gedankengang nicht. Diese Glückwunschkarten mit ihrer bequemen Unterschrift machen den Kohl der Freund­schaft nicht fett. Diel besser ist ein Brief, ein richtiger Brief mit einem warmen, eigenhändigen Herzensgruß.

Freilich kostet der Brief 20 Pfg Porto und Schreck- arbeit. Aber es lohnt sich auch sanz anders, als eine

* Ter Tanz im brennenden Hause. Am Neu- jahrsabend brannte in Berlin der Dachstuhl des großen „Böhmischen Brauhauses" vollständig ab. Das Feuer nahm sehr großen Umsang an und beschäftigte die Feuerwehr bis in die Morgenstunden. Der Brand und die ganze Aufregung der Feuerlöscharbeit konnte jedoch die zahlreichen Vergnügunaslustigen, die unten im Saale der Brauerei ihrem Neujahrsianz huldig­ten, auch nicht eine Minute aus ihrem Eifer bringen, Während oben krachend die Balsxn einstürzten und die Feuerwehr von allen Seiten anrückte, hörte unten im Saale die Musik nicht eine Minute auf. Als sie einmal stockte, hieß es sofort: „Musike, Musike!" und flott wurde weiter Foxtrott, Hiawatha tritt), gescherbelt. Und selbst als die Treppen schon Feuer gefangen hatten und total verqualmt waren, wurde weiter geschwooft.

Börsenwochenbericht

des Hessischen Bankvereins, Aktiengesellschaft, Zweigniederlassung Fulda.

Nach der mehi tägigen Unterbrechung durch bte Feiertage eröffneten die Börsen mit zuversichtlicher und fester Tendenz Wider Erwarten erfolgten zum Jah­resschluß ierne Glattstellun^en; vielmehr kam es infolge re 'er Kaufe teilweife zurecht erheblichen Kurssteigerungen. Belebend wirkte vor allem di« Nachricht, daß endlich am 6. Januar der Friede unterzeichnet werden sollte. Die Erteiluna größerer Lieferunasausträae für den Aufbau der zerstörten Gebiete bewirkt« Nachfrage nach Montan­werten. Gegen die Börse vom 23. Dez stiegen Phönix von 280 0 o auf 300 — gestern 2W 75 — und Dt Luxerndg. von 2C81/« 0 o auf 214 %, Gelsenkirchen von 2973/< % auf 305 °/o, Oberbedarf von 158 % auf 162 %. Gün­stige Kursentwicklung zeigten auch Schiffa rtsaktien. Man erwartet hier eine baldige Klärung betreffs der Dividendennachzahlun^en und dadurch in Kürze leb­hafteres Geschäft. Packet toten von 120 % auf 127'/, und Lloyd von 120'/, °/o auf 132 0 o an. Auch die Ak­tien der TL Austral und der Hambg. Südara. D. Ges. waren recht cefraot. Am Elektromarkt verbesserten sich D. U. E. G. mit einem Kurs von 718% um 25%, Ebenso waren A. E. G. mit 254 % um ca. 18 % erhöht. Nachfrage war auch ;ür Chemiewerte vorhanden. Besonders Badische Anilin go-en beträchtlich an. Der Kurs stellt sich auf 395 gegen 327'/,; Dt Gold L Silber 472% gegen 464 und Th. Goldschmidt auf 295 % gegen 290 %. Petroleumwerte, die anfangs vernachlässigt waren, zogen zum Schluß an: Dt Erdöl 550 gegen 540 %, Dt. Petro­leum 452 gegen 440 % Das größte Interesse bean­spruchte wieder Kolonial- und Valutawerte. Es notierten: Pomona 8050 negen 7200, Kolonialam. 3875 gegen 3300 %, Otadi Ant. 575 gegen 470, Ctatit Gen. 515 gegen 438, Kolmavskop 600 gegen 480, Schaniun i 625 negen 525 °/o.

Vo deutschen Fonds behaupteten Wo Reichsanleihe mit 77*/s% ihren Kurs, ebenso 3% Reicksanleihe mit 59"i% und 3*/,%- KonsolS mit 52'/-°/°. 3'/-°/, Reichs- anleihe mit 58,80 ge'en 58 etwas fester. 4°/» Konsuls mit 59'/i°/o um 2% abgeschwächt. Einige Stadtanleihen waren gesucht. Hhpothekenbankpfanobriese wenig ver­ändert, zum Teil eher etwas gebessert.

Märkte.

— Fulda, 8. Jan. Die Zufuhr auf dem heutigen Schweinemarkt betrug 101 Ferkel und 20 Läu­fer. Für Ferkel wurden 240, 180 und 120 Mark, für Läufer 400, 360 und 280 Mark bezahlt. Der Handel war schleppend, es blieb ein Hehler lieber» stand. _

Gotterdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 4. Jan. Dom. (Kollekte für die JosephSkirche.) 6, '/-7 u. 7'/« M., W7 gestift. M. f. d. gef. Mitglieder des MännerapostolateS, Kom. desf. u. Anspr , 8 Pfarramt m. Pr., *A10 Käthe- dralamt m Pr., 11 Ehr., */«12 M. m. Pr , '/-2 Herz- Jesu-A., 2 Ehr., 4 Pr. u. A., 7 A. i. d. Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. Kollekte f. d. St. ©turmiuS« kirche. 5'/i Kom., 5’/« M., 6'ft M. u. Korn. f. d. Männer, apostolai, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9'/, Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.:, 9'ft Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Severikircke, l'/e Ehr. f. d. Jungsr., 2'A Bruder­schaft vom hl. Rosenkranz. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. ‘/t7 Kom , 7 Frühm., 8Pr, Amt m. Kom., '/,5 Chr., 5 91. — Sodalität. */310. — Severlkirche. Sonntags und werktags '/,7 M. — Herz-Jesu-Heim. 6 Frühm., 8 Amt rn. Pr., 2 A. (Mittwoch abends 8 91.) — Frauenberg. 5—7 M., 8 Ro;enkranzm, rn. Pr., 9 Le­vitenamt m. Pr., nachm. '/-3 Pr. u. 91. f. d. Franzis­kaner-Missionsverein.

Evangelischer GotteSdleast.

Sonntaa, 4. Januar. Vormittag» SV» Pfarrer Weber, nachmittags 2 Pfarrer Reich.

Mittwoch, 7. Januar. 9ldends 8 Bibelstunde

Glückwunschkarte oder auch eine offensichtliche Postkarte, da kann man sich mal offen aussprechen über die Verhältnisse und di« Stimmungen und di« Wünsche. Ein gemütlicher Bries fordert eine gemütliche Antwort heraus. Durch di« offene und herzliche Aussprache wird das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit ausgefrischt und gesteigert.

Darum geht mein Ratschlag dahin: während der Ver­kehrs- und Berpflegungsnat bleib zu Hause und schreib van Hause. Schreib recht fleißig, recht ausführlich, recht herzlich, lind zum Schluffe kannst du vorsichtshaloer bei­fügen, der „unpolitische Onkel" hätte gesagt, jeder Brief sei einer gleichgestimmten Antwort wert.

— (Es war einmni! Wenn der Mensch aus aller­lei Gründen an Haus und Heim gefesselt wird, wenn er nicht willens ist, alle Tage fortzugehen, jo kramt er wohl auch einmal feine „Erinnerungen^ durch. Sind Kinder da, dann taucht dir eigene Kindheit im Gedächtnis auf, der Vater setzt sich bequem zurecht und erzählt Märchen, just wie vor langen Jahren der Vater sie ihm erzählte. Nur ist er selbst Vater! Oder die Mutier weiß die Kleinen zu fesseln mit Feen mit goldenem Haar, mit Zwergen und Riesen, mtt Wun­dern und Zeichen. Und sind dann die Kleinen schla­fen gegangen, ja, was tut man bann? Man will ja doch daheim bleiben. Nicht immer ist man zum Le­sen aufgelegt. Also zieht man die Fächer auf, öffnet die Kästen und Schränke und schaut sich so manches an, vergilbte Blätter, alte Briefe, Bücher, Bilder, oder auch SKck- und Hakelmuster, Kleiderrester und andere Raritäten. Wer hätte nicht dergleichen? Vie­les war vergessen; plötzlich aber liegt es vor Augen und ruft dem träumerischen Herzen zu: Es war ein­mal! Liebes und Leides, man findet beides, wenn man sich mit Vergangenem beschäftigt. Die leisen Stimmen der Erinnerung lehren uns oft weit mehr, als das Brausen der Gegenwart mit seinem betäuben­den Eindruck. Alle großen Männer, voran Goethe und Humboldt, hatten eine große Liebe für das 33c pangene. So soll man es auch halten! Denn d Vergangene strahlt glückverheißend in das Kunst nur soll man nicht vergessen dabei zu denken und lernen für seinen Innenmenschen! zn.

— Ei« Sportfreund. Arft: „Ja, junger Mo sie haben eine zu enge Beuft, Sie sollten Ssu treiben!" — „Tue ich ja, H-rr Doktor, tue ich ju, ich sanmle SiieaSbtiefmatfei