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Auldaer Leitung

Stert der Fnidacr Aeiieudrriüerri in Fulda

Samstag, 3. Januar 1920,

Am

lsi er

Glückwunschkarte oder auch eine offensichtliche Postkarte, da kann man sich mal offen aussprechen über dir Verhältnisse und die Stimmungen und di« Wünsche. Ein gemütlicher Brief fordert eine gemütliche Antwort heraus. Durch die offene und herzliche Aussprache wird das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aufgesrischt und gesteigert.

Darum geht mein Ratschlag dahin: wahrend der Ver­kehrs- und Verpflegungsnot bleib zu fjauje und schreib von Hause. Schreib recht fleißig, recht ausführlich, recht herzlich. Und zum Schluffe kannst du vorsichtshalber bei­fügen, der „unpolitische Onkel" hätte gesagt, jeder Bries sei einer gleichgestimmten Antwort wert.

äu$ dem rra varaeblet.

△ Neuhof, Kr. Fulda. Man schreibt uns:

— Es war einmal! Wenn der Mensch aus aller- Gründen an Haus und Heim gefesselt wird, wenn

* Der Tanz im brennenden Hause. Am Neu­jahrsabend brannte inBerlin der Dachstuhl des großen „Böhmischen Brauhauses" vollständig ab. Das Feuer nahm sehr großen Umfang an und beschäftigte die Feuerwehr bis in die Morgenstunden. Der Brand und die ganze Aufregung der Feuerlöscharbeit konnte jedoch die zahlreichen Vergnügunaslustigen, die unten im Saale der Brauerei ihrem Neujahrstanz huldig­ten, auch nicht eine Minute aus ihrem Eifer bringen, Während oben krachend die Balken einstürzteu und die Feuerwehr von allen Seiten anrückte, hörte unten im Saale die Musik nicht eine Minute auf. Als sie einmal stockte, hieß es sofort: „Musils Musike!" und flott wurde weiter Foxtrott, Hiawatha usw. gescherbelt. Und selbst als die Treppen schon Feuer gefangen hatten und total verqualmt waren, wurde weiter geschwooft.

deutsche Mark gilt im Ausland« kaum einen Groschen: ober im Jnlande laffen wir die Markscheine fliegen, als I ob wir lauter Krösusse wären.

Abschreckender scheint mir die Lauferei nach den nö­tigen Papieren und Fahrkarten, das stundenlange An- I stehen auf den Bahnhöfen, der Maffen-Sturmlauf aus einen Sitzplatz. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen, — nämlich schon o o r der „glücklichen" Abfahrt des Zuges. Wenn er nach allen Umständlichkeiten mit ge­knickten Beinen und hochgespannten Nerven an's Trittbrett des Wagens gelangt, so findet er alles voll, voll. Kein Sitzplatz frei, und ein Stehplatz nur mühsam zu erkäm­pfen. Mit Bracchialgewalt, wie man in Oesterreich sagt. „SSte sind denn die Leute all vor mir hineingekommen?" Ein Narr wartet auf Antwort. Ein Teil war noch früher aufgestanden als du; ein anderer Teil war noch flinker beim Wettlauf, und ein dritter Teil war „hinten herum", auf Schleichwegen mit Hilfe von Trinkgeldern, in den I Zug gekommen, ehe er am Bahnsteig vorfuhr. Das sind die ganz schlauen, die mit Swinegels Frau sagen: Ich bin schon da!

Spötter behaupten, in einer gewissen Winzerstadt würde zu halber Nacht geläutet, damit die Schläfer sich aus die andere Seite legen; denn sonst könnte der Säuerling ein Loch in den Magen fressen. In den Eisenbahnzllgen van heutzutage sollte auch von Zeit zu Zeit die Notglocke ge- läutet werden, damit die Sitzenden und die Stehenden mal abwechseln könnten. Ob das ohne Krawall abginge? Bis dahin heißt es: Fest steht und treu die Wacht im Seiten« gang! Oder auch auf den Oertchen, die man nicht gern nennt.

Und alles das durch lange Stunden in ungeheizten Wa­gen! Das Reichsgesundheitsamt sollte mal eine Ermitte- lung anstellen über all' die Schäden an Leib und Leben, die durch die jetzt übliche Reiserei angerichtet werden. Nach­träglich bekommen auch die ungedienten Leute etwas zu schmecken von den Lieblichkeiten in den Schützengräben. Dieser Anschauungsunterricht wird aber etwas teuer be­zahlt durch die Einbuße an Gesundheit und Arbeitskraft.

Was folgt daraus? Sehr einfach: Bleib zu Haufe und reife nicht, wenn du nicht geradezu gezwungen bist.

Unterscheiden wir zwischen Geschäftsreisen und Be­suchsreisen.

Die wirklichen oder angeblichen Geschäftsreisenden las­sen sich nicht leicht belehren. Sie halten ihre Fahrt für

Die Weihuachisansprache des Hl. Vaters.

Bei dem diesjährigen Weihnachtsempfang der Ku- dinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Prälaten hielt der Hl. Vater auf die Glückwünsche des Kardinaldekans Vanim- telli eine Ansprache über das Christkind als Frie­densbringer. Zur Belebung des Glaubens lade das Weihnachtsfest besonders ein, da es an die Ankunft des­jenigen erinnere, der vor zwanzig Jahrhunderten zur Ret­tung der Menschheit vorn Himmel herabgettiegen ist.

Die Notwendigkeit des Glaubens sei besonders auch erwiesen durch die Fruchtlosigkeit der Bemühungen, die Gesellschaft in einem Zustande des Friedens und des Wohlergehens unter Außerachtlassung Gottes zuzusühren. Der Herr Kardinaldekan hab« durchaus recht, wenn er bei der Betrachtung der Zeitverhältnisse im Lichte des Glau­bens das einzige wirksame Mittel gegen die auf der Menschheit lastenden Uebel im göttlichen Kinde erblicke.

Nach den Worten des hl. Augustinus ist der Friede die Ruhe in der Ordnung. Deshalb kann selbst­verständlich weder im einzelnen Menschen noch in der Gesellschaft Friede herrschen, wenn in ihnen keine Ord­nung vorhanden ist. Welcher Art aber diese Ordnung sein soll, das lehtt uns der Glaube. Ordnung ist dort, wo di« Herrschast Gottes über alle Kreaturen anerkannt wird, dott, wo man die Ueberlegenheit des Geistes über die Materie praktisch anwendet, und endlich dort, wo sich ehr­liche und tätige Nächstenliebe sindet.

Wer sieht nun nicht, daß gegenwärtig kein wahrer Friede fein kann, weil die Ordnung, in Ver­kennung ihrer drei angeführten Grundzüge, von den Ein­zelnen und von der Gesellschaft untergraben wurde? Es ist betrübend, was uns von unseren Brüdern im Episko­pat über das aus dem Kriege hervorgegangene moralische Elend, das von den geschworene Gegnern der morali­schen Ordnung erheblich vermehrt wird, erzähl, wurde. Heute hat der Geist der Unabhängigkeit die Menschen in Beschlag genommen und veranlaßt sie, den alten Ruf des Hochmuts und der Auflehnung zu wiederholen: „Ich will nicht dienen". Man errötet heute nicht, zwischen Elend und Trauer Trost zu suchen, man schürt nicht da­vor zurück, armselige Reichtümer zu häufen, während zu gleicher Zeit die Quellen davon versiegen. Heute herrscht nicht allein offener und erbitterter Krieg zwischen den Na­tionen, sondern auch zwischen den Mitbürgern ein und desselben Landes und Haß und Neid nehmen immer häß­lichere Formen an.

_ Alles das, sagt der HI. Daisr, kam so, wie die gegen­wärtige Gesellschaft sich einbildete, Gott Überboten zu haben. Ihm gegenüber ging man zunächst von der Frei- hett zur Duldung über, von der Duldung zur Trennung, von der Trennung zur Feindschaft, von der Feindschaft zu seiner Aburteilung. Die Vernunft behauptet dabei, daß sie sich selbst genüge, und doch ist es einleuchtend, daß die Leugnung des Uebernatürlichen und der Naturalismus im Einzelleben zum Egoismus und im sozialen Leben zur Revolution und Anarchie führen.

Sollen wir deshalb verzagen? fragt der Hl. Vater, und er fügt hinzu, daß wir Grund dazu hät­ten, wenn wir uns nicht auf das göttliche Kind zu Veth- lehem besinnen könnten, wie der Dekan des hl. Kollegiums es schon gesagt habe. Auch heute lehre uns der Glaube noch, daß dieses göttliche Kind unser Friede ist.

Nur dann, wenn wir den uns bedrückenden furcht­baren Hebeln das wirksame Mittel entgegenhalten, das er uns anbietet, .werden unsere Uebel geheilt werden. Er wird unser Friede werden, wenn wir dem Uebel des Stolzes die Erinnerung an denjenigen entgegenhalten, der zur Rettung der Menschheit so klein und demütig wurde. Er wird unser Friede werden, wenn wir dem Uebel unferes Egoismus die Erinnerung an die Liebe besjemcen gegenüber halten, der auf die Erde herab stieg, um unsere Uebel aus sich zu nehmen und seine Güter uns zu verleihen. So wird die Ordnung wieder her- gestellt, und so wird auch der Friede blühen. Er ist unser Friede, werden auch die Nationen sagen müffen, wenn dem heute herrschenden Naturalismus die Lehre und das Beispiel Jesu Christi entgegengehalten wird; er wird der Friede der Gesellschaft, wenn sie zur grund­legenden Ueberzeugung kommt, daß alle ihr ewiges Heil erwirken müssen; er wird das Heil der Gesellschaft wer- dm,, wenn diese das Knie beugt vor demjenigen, der der König der Könige und der Herr der Herrschenden ist. Es wird Friede in der Gesellschaft, wenn diese ihre Kul­tur zum Ausbau der Stadt Gottes benutzen wird.

Weit davon, also zu verzagen, schließen Wir uns der frohen Erwartung des hl. Kollegiums an und teilen Wir feinen Wunsch, daß in den Einzelnen und in der Gesellschaft der Geist des Glaubens wieder belebt werde, weil sie dann lange Zest die Früchte des wahren Fne- I dens, der ein Kind des Glaubens ist, genießen können. I .Der hl. Paulus, fuhr der Papst fort, hat in seinem I Briefe an die Römer geschrieben, daß das Wort Gottes I Gerechtigkeit und Freude im Geiste fei, und er schloß: Suchen wir also das, was des Friedens i st. Wir erteilen nun dieselbe Ermahnung und fordern I ebenfalls auf. das zu suchen, was des wahren Friedens ist. Dazu. sind zu rechnen die Unterwürfigkeit und die I Folgsastrkeit gegen die göttlichen und menschlichen Ge- sitze. Dazu gehören ferner die Abtötungen, di« die Sinne der Herrschaft des Geistes unterwerfen, und end- I lich die liebevolle Anteilnahme an dem Schicksale anderer.

Börsenwochenberichi

des Hessischen Bankvereins, Mlie-zefellfchafl, Zweigniederlassung Fulda.

Nach der mehr tägigen Unterbrechung durch die Feiertage eröffneten die Börsen mit zuversichtlicher und fester Tendenz Wider Erwarten erfolgten zum Jah­resschluß keine Glattstellun-en; vielmehr kam es infolge re er Käufe teilweise zu recht erheblichen Kurssteigerungen. Belebend wirkte vor allem die Nachricht, daß endlich am 6. Januar der Friede unterzeichnet werden sollte. Die Erteiluna größerer Lieferunasaufträre für den Aufbau der zerstörten Gebiete bewirkte Nachfrage nach Montan­werten. Gegen die Börse vom 23. Dez stiegen Phönix von 280 6 o auf 300 — gestern 2ü6 75 — und Dt Luxembg. von 2C8% 0 o auf 214 %, Gelsenkirchen von 297% % auf 305 %, Oberbedarf von 158 % auf 162 %. Gün­stige KurZentwicklung zeigten auch Schiffa rtsaktien. Man erwartet hier eine baldige Klärung betreffs der Dividendennachzahlunoen und dadurch in Kürze leb« haiteres Geschäft Packet zoien von 120 % auf 127V, und Lloyd von 120V, % auf 132 0 o an. Auch die Ak- tien der Dt. Austral und der Hambg. Südam. D. Ges. waren recht vefraat. Am Glettromartt verbesserten sich D. IL E. G. mit einem Kurs von 718% um 25%. Ebenso waren A. E. G. mit 254 % um ca. 18 % erhöht. Nachfrage war auch für Chemiewerte vorhanden. Besonders Badische Anilin zooen beträchtlich an. Der Kurs stellt sich auf 395 gegen 327V,; Dt Gold L Silber 472V, gegen 464 und Th. Goldschmidt auf 295 % gegen 290 %. Petroleumwerte, die anfangs vernachlässigt waren, zogen zum Schluß an: Dt Erdöl 550 gegen 540 %, Dt. Petro­leum 452 gegen 440 % Das größte Interesse bean­spruchte wieder Kolonial, und Valutawerte. Es notierten: Pomona 8050 gegen 7200, Kolonialant. 3875 gegen 3300 %, Otadi Ank. 575 gegen 470, Otavi Gen. 515 gegen 438, Kolmanskop 600 gegen 480, Schantung 625 gegen 525 %.

Vo । deutschen Fonds behaupteten 5% Reichsanleihe mit 77%% ihren Kurs, ebenso 3% Reichsanleihe mit 59V,% und 3%% Konsols mit 52%%. 3%% Reichs, anleihe mit 58,80 per en 58 etwas fester. 4% Konsols mit 59%% um 2% abgeschwächt. Einige Stadtanleihen waren gesucht. Hypothekenbankpfandbriefe wenig ver­ändert, zum Teil eher etwas gebessert.

Sonntag, den 28. Dezember hatte sich im Saale des Gastwirts Hornung»Neustadt der Zentralver­band der Krieg s bef ch ödi g ten, Kriegs­hinterbliebenen und K riegste.lnehmer, Ortsgruppe Neuhof mit seinen Angehörigen sowie ein­geladenen Gästen zur diesjährigen Weihnachtsfeier ein« gefunden, die in einer Bescherung für die Kinder der ge­fallenen Kameraden sowie der Kriegsbeschädigten, fer­ner in der Aufführung von 4 Theaterstücken bestand. Vom Publikum wurden die Darbietungen mit großem Dank ausgenommen. Der starke Besuch bewies, daß sich die junge Ortsgruppe in diesem Jahre durch ihre rege Tätigkeit und Arbeit zu Gunsten der Hinterbliebe­nen und Kameraden bei der Neuhofer Bevölkerung einer großen Beliebtheit erfreut; konnten doch durch die rege Tätigkeit und Sparsamkeit der Ortsgruppe den Hinterbliebenen sowie den verheirateten Mitgliedern ein B e t r a g v o n ca. 1300 MarkalsWeihnachts- geschenk für ihre Kinder überwiesen werden. Außer­dem wurden in diesem Jahre 50 Anträge auf Renten- versoroung gestellt und zum Teil erledigt. Aus der Na­tionalstiftung wurden 24 Anträge an die Hinterbliebe- rren zur Auszahlung gebracht. Nachdem sich nun die Mitgliederzahl seit April d. Is. von 9 auf ca 200 er­höht hat, konnte auch die Ortsgruppe einen Ser- treter in die Kreisfürsorge des Kreises Fulda entsenden, wo die Interessen aller Mitglieder vertreten werden. Am Sonntag den 11. Januar fin­det int Saale des Gastwirts Hornung, Neuhof-Neustadt die Jahresversammlung der Ortsgruppe ftatt, in der auch die Vorstandswoh! stattfindet.

A Schlüchtern. In Hutten feuerte der 11- jährige Sobn eines Jagdaufsehers mit einem Gewehr auf Schulkn oben, die zur Kirche gingen. Drei wurden durch Schrotkugeln verletzt, zwei liegen f4 toerberrounbet darnieder. In Hände, Arme, Leib, Lunge, Hinterkopf und Gesicht sind die Schrote ein- gedrungen.

(§) Bad Orb. In letzter Zeit sind auf dem Truppenübungsplatz Wegscheide größere Diebstähle ausgeführt worden. Aus diesem An­laß haben in Orb bei verdächtigen Personen Haus­suchungen ftattqefunben, die einen Teil des gestoh­lenen Gutes wieder zu Tage gefördert haben.'

Märkte.

— Fulda, 3. Jan. Die Zufuhr auf dem heutigen Schweinemarkt betrug 101 Ferkel und 20 Läu­fer. Für Ferkel wurden 240, 180 und 120 Mark, für Läufer 400, 360 und 280 Mark bezahlt. Der Handel war schleppend, es blieb ein kleiner Heber« stand.

men und Herren ehrenamtlich, daher unentgeltlich ver- waltet. Von der Errichtung einer hauptamtlichen Heim­kehrstelle für Fulda-Gersfeld wie solche in Frankfurt oder Kassel bei den Tausenden von Heimkehrern be­stehen, ist hier Abstand genommen. Es handelt sich bei uns um etwa 700 Heimkehrer.

Oben wurde noch der Hilfsausschuß erwähnt. Dieses ist eine Körperschaft von 6 Mitgliedern, von denen 4 ehemalige Kriegsgefangene gewesen fein müs­sen. Der Hilfsausschuß nimmt die Verteilung der wirtschaftlichen Beihilfen auf Gtund besonderer Be­stimmungen nach dem Maße der wirtschaftlichen Not­lage vor. Die 4 ehemaligen Kriegsgefangenen gelan­gen durch Wahl in den Vereinigungen der ehemaligen Kriegsgefangenen und der Kriegsbeschädigten in den Hilfsausschuß, während die zwei anderen Mitglieder von den Behörden ernannt werden. An den Hilfsaus­schuß müssen die Gesuche von dem Krifaheim weiter­geleitet werden und vom Hilfsausschuß erfolgt Bescheid nur durch die Krifaheime. Für jeden Kreis ist ein be­sonderer Hilfsausschuß vorhanden.

Im Kreife Fulda ist die wirtschaftlicheBei- hilfe seit Kurzem eingetroffen und eine Anzahl Ge­suche, die nach der Reihe ihres Eingangs vorgelegt wer­den, sind schon erledigt.

Vermischtes.

* Neujahrsglückwunschwechsel mit dem Ausland. Vor dem Kriege herrschte der Brauch, daß die Be­amten des Telegraphenamtes in den großen Haupt- stäSten in der Neujahrsnacht telegraphisch Glück­wünsche in Poesie und Prosa mit einander aus­tauschten. , Der Krieg hatte auch dieser Sitte ein Ende bereitet. In diesem Jahre ist sie zum ersten Male in bescheidenem Maße wieder ausgenommen worden. In der Silvesternacht trafen an das Haupt­telegraphenamt Berlin Glückwunschtelegramme der Aemter aus Mailand und Bern ein, die sofort in der üblichen Weise beantwortet wurden. Aus allen anderen Großstädten, auch aus dem eng de- freundeten Wien, biteben die Neujahrsgrüße wohl mit Rücksicht auf tue Ueberlaftunn des Drahtes aus.

nicht willens ist, alle Tage fortzugehen, so kramt I er wohl auch einmal seine „Erinnerungen" durch. Sind Kinder da, dann taucht die eigene Kindheit im Gedächtnis auf, der Vater setzt sich bequem zurecht und erzählt Märchen, just wie vor langen Jahren der Vater sie ihm erzählte. Rur ist er selbst Vater! Oder I die Mutter weiß die Kleinen zu fesseln mit Feen mit goldenem Haar, mit Zwergen und Riesen, mit Wun- dem und Zeichen, lind sind bann die Kleinen schla­fen gegangen, ja, was tut man bann? Man will ja doch daheim bleiben. Nicht immer ist man zum Le­sen aufgelegt. Also Mht man die Fächer auf, öffnet die Kästen und Schränke und schaut sich so manches an, vergilbte Blätter, alte Briefe, Bücher, Bilder, oder auch Stick- unb Häkelmuster, Kleiberrester und andere Rarltäten. Wer hätte nicht dergleichen! Vie­les war vergessen: plötzlich aber liegt es vor Augen und ruft dem träumerischen Herzen zu: Es war ein­mal! Liebes und Leides, man findet beides, wenn man sich mit Vergangenem beschäftigt. Die leisen Stimmen der Erinnerung lehren uns oft weit mehr, als das Brausen der Gegenwart mit seinem betäuben­den Eindruck. Alle großen Männer, voran Goethe unb Humboldt, hatten eine große Liebe für das Bei cangene. So soll man es auch halten! Denn d Vergangene strahlt glückverheißend in das Künsti nur soll man nicht vergessen, dabei zu denken unb lernen für seinen Innenmenschen! gn.

— Ein -portfreund. Arzt: „Fa, junger Ma> Sie hoben eine zu enge Brust, Sie sollten Spo treiben!" — „Tue ich ja, Herr Doktor, tue ich ja, rcb sammle Rt iegSbtiefmarfen!"

durchaus notwendig. Vielleicht ließen sich aber sehr viele Geschäfte auch brieflich oder drahtlich erledigen. Dor allem di« reellen Geschäfte, die das Licht nicht scheuen. In oie- len Schnellzügen, namentlich zwischen Berlin und dem Westen, trifft man eine Masse von Geschäftsleuten. Sei näherer Beobachtung entpuppt sich die Mehrzahl als Schleichhändler, die auch im rollenden Zuge flott am Ser» I schieben sind. Dazu gehören auch die Hamsterfahrer, die vielfach ins Weite schweifen. Diesen plätzeraubenden Bal-

I last kann aber die Eisenbahn nicht los roerben.

®as nun die Besuchsreisen angeht, so kann man grundsätzlich nur wünschen, daß die Derwandten sich recht ost gegenseitig besuchen. Ich schwärme sogar dafür im I Interesse des Familiensinns, der gerade unter den jetzigen Verhältnissen der sorgsamsten Pfleg« bedarf. Und doch muß man vorläufig auf die Reiscnot Rücksicht nehmen. Wo bleibt der Segen für das Gemüt, wenn der Besuch beiden Teilen so große Lasten und Sorgen bringt? Wenn I bu einen wohlbestallten Selbstversorger besuchst, so hast du ! ffeilich nur mit deinen eigenen Reisestrapazen zu rechnen.

Im anderen Falle ober stellt sich die Hausfrau trotz aller Gastfreundschaft die ernste Frage: Was bringt der Be­sucher mit an Karten und an Vorräten? Wie komme ich aus für diese Tage? Und der Besucher selbst steht unter dem Druck der Sorge: Wie komme ich rechtzeitig und ge- sund wieder zurück? Unter solchen Umständen wird der Besuch leicht zu Enttäuschungen und zu Verstimmungen führen.

Das gilt natürlich nicht von einer gelegentlichen Stipp- oisite in der Nähe. Nur bei einem sogenannten Logier- besuch muß man sehr vorsichtig -sein und auch die Ver­hältnisse des anderen Teils unbefangen und sachverstän­dig abwägen.

Wenn nun der persönliche Verkehr vorläufig -inge- schränkt werden muß, was ist der Ersatz zur P-lege des I Familiensinns und der Freundschaft? Ein Brief ver­kehr.

Aber da hat doch die Postverwaliung soeben die Mah- I nung erlassen, man solle den Glückwunschoerketzr zu Neu» I fuhr einschränken wegen Ueberlastung der Post. Das stört meinen Gedankengang nicht. Diese Glückwunschkarten mit I ihrer bequemen Unterschrift machen den Kohl der Freund­schaft nicht fett. Diel besser ist ein Brief, ein richtiger I Brief mit einem warmen, eigenhändigen Herzensgruß.

Freilich kostet der Bries 20 Psg. Porto und Schreib- arbeit. Aber es lohnt sich auch ganz anders, als eine •

Goltesdienftordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 4. Jan. Dom. (Kollekte für die Josephskirche.) %6, 6, %7 u. 7% M., %7 geftift. M. f. d. gef. Mitglieder des MännerapostolateS, Kom. dess. u. Anspr , 8 Pfarramt m. Pr., %10 Käthe- dralamt m Pr., 11 Ehr., %12 M. m. Pr., %2 Herz- Jesu.A., 2 Ehr., 4 Pr. u. A., 7 A. f. d. Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. Kollekte f. d. St. Sturmius» kir che. 5% Kom., 5% M., 6% M. u. Kom. f. d. Männer- apostolat, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9% Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.,, 9% Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Seberikirche, 1% Ehr. f. d. Jungfr., 2% Bruder­schaft vom hl. Rosenkranz. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. %7 Kom., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Kom., %5 ChiH 5 8t. — Sodalität. %,0. — Severikirche. Sonntags und werktags %7 M. — Herz-Jesu-Heim. 6 Frühm., 8 Amt m. Pr, 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5—7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Le- vitenamt m. Pr., nachm. %3 Pr. u. A. f. d. Franzis­kaner-Missionsverein.

Evaogelifcher Gottssdieast.

Sonntag, 4. Januar. Vormittag» 9% Pfarrer Weber, nachmittags 2 Pfarrer Reich.

Mittwoch, 7. Januar. Abend? 8 Bibelsiunde

Unpolitische Zeitkäufe.

N. Berlin, 31. Dezember 1919.

Bist du weise, machst du keine Reise!

Als unser unglücklicher Kaiser vor einem Menschenalter im Glanze feiner Jugend und Macht die Regierung ange- treten hatte, bekam er bald den Spitznamen „Reifekaiser", weil er die Ortsveränderung liebte und gern persönlich auf- traf, sowohl im Jnlande, wie im Auslande.

Die heiligen drei Weisen aus dem Morgenlande, deren Gedenktag am 6. Januar ist, hätte man demgemäß Reise- iünige nennen können Ihr Weg war für die damaligen Verhältnisse sehr weit, und der Karawanenzug war fo läjtig, so gefährlich und so kostspielig, daß er die späteren Eisenbahn- und Dampfsahrten weit hinter sich läßt. Dar- auf stützt sich wohl auch die Legende, daß die drei Magier, von dem das Evangelium berichtet, Könige gewesen seien. Nur „Könige", d. h. reiche und mächtigt Häuptlinge, konn­ten die erforderliche Menge von Dienern, Schutzsoldaten, Kamelen, Zelten, Vorräten aufbringen.

Unter den modernen Verhältnissen, wie sie sich bis zum Kriege entwickelt hatten, waren wir alle in gewissem Maße. Reiseonkels und Reisetanten geworden. Das Reisen war ja so bequem und so billig, warum sollte man sich nicht einen Ausllug in die Welt gestatten? Abgesehen von dem Ziele war es schon an sich ein Vergnügen, auf dem be­haglichen Sitz durch die wechselnde Landschaft zu fliegen U’^ Ömter einer Tasse Kaffee im Eipeifemagen seine -W-iikenntnis" zu erweitern.

Der Krieg legte die Schiffahrt still und sperrte die Üvenba^ncn an den feindlichen Grenzen. Aber in dem krsten Kriegsjahre wurde doch noch mächtig gereift auf den Geleisen im Inland. Dort ging ja auch alles noch w>e ge» fintiert. Höchstens mußte man sich einen Paß mit seinem Konterfei abstempeln lassen. Aber als die Schlachten zu Ende waren und die Welt viel freier, aufatmen wollte, da I nng bie Reisenot erst recht an. Aus den Stillstand der Massen folgte ein empfindlicher Stillstand in den Verkehrs­mitteln.

Jetzt ist das Reisen keine Lust mehr, sondern eine 2ual. Kostspielig, umständlich, lästig, zeitraubend, ge» lundhe-tsschädlich im höchsten Grade

Kostspielig? Daraus scheinen üch die Zeitgenossen nichts iu machen. Trotz aller Erhöhungen der Fahrpreise sind ,e Wohnwagen vollgepropst wie Herinstonnen. Die *

I Und wenn wir vom Einzelnen zur Gesellschaft über- I gehen, können wir noch hinzufügen jene Handlungen, I durch welche in den Schulen, in den Gerichtssälen und I den öffentlichen Versammlungen Gott, der der Herr nicht I nur der einzelnen Menschen, sondern auch der Nationen I ist, gebührend beachtet wird. Zum Frieden gehören endlich die Maßnahmen, die geeignet sind, um auf ge- | rechten Grundlagen die Völkerbündniffe zu errichten, die I Maßnahmen, durch die die besiegten Völker zwar zu einer angemessenen Buße, aber nicht zum Untergang I verurteilt werden.

| Zum Schluß dankte der Hl. Vater dem hl. Kolle- I gium für feine Glückwünsche und erwiderte sie und dehnte I sie auf alle Anwesenden aus. Noch einmal wies er I bann auf den wahren Frieden hin, weil, wie er sagte, der Friede der Kinder die schönste Freude eines Vaters ist.

Kriegsgefangenenheimkehr

Fulda-Gersfeld.

(Heimkehrer und Angehörige von noch Gefangenen, aufheben!)

Die Heimkehrstelle ist eine Auskunfts- und Bera­tungsstelle für die Heimkehrer aus den Kreisen Fulda I und Gersfeld. Da alle aus den Durchgangslagern kommenden Heimkehrer der genannten Kreise sich beim Meldeamt in Fulda wegen späterer Erlangung ihres Mllitärpasses melden müssen, ist der Sitz der Heimkehrstelle auch in Fulda. Ein« Meldepflicht bei der Heimkehrstelle besteht nicht, wenn der Heimkehrer nicht Löhnungsforderungen gellend macht oder um Ge­währung der wirtschaftlichen Beihilfe einkommen will. In beiden Fällen muß er sich bei der Heimkehrstelle mit seinem Entlassungsfchein melden.

Bemerkt sei, daß Gesuche um Erstattung von Flucht­kosten oder um Ersatz für Gegenstände, die vom Feinde bei der Gefangennahme geraubt sind, sowie Anträge I auf ärztliche Behandlung so schnell wie möglich per­sönlich beim Meldeamt in Fulda, welches jetzt Ver­sorgungs-Auskunftsstelle heißt, zu machen sind.

Die Kriegsgefangenenheimkehrstelle Fulda-Gersfeld, im amtlichen Verkehr kurz Krifaheim Fulda genannt, besteht aus mehreren Abteilungen. Für den Einzelnen sind die wichtigsten Abteilungen die Auskunfts- und die Arbeitsnachweisabteilung. Erstere liegt in den Händen eines ehemaligen Kriegsgefangenen, des Herrn Rektors Kolke, der während der Schulzeit Sprech­stunden hält, Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags von 10—12 Uhr im Rektorzimmer der Stadt­schule (Alte Kaserne), ausnahmsweise auch Nachmittags von 3—5 Uhr. In den bis zum 13. Januar dauern­den Ferien ist Sprechzett von 11—12 in der Privat­wohnung, Adalbertstraße 36 II. Am wichtigsten ist die Auskunft über Löhnungsfragen und über die wirt­schaftliche Beihilfe. Alle Löhnungsgesuche sollen nach | den neuesten Bestimmungen durch die zuständige Kriegsgefangenenheimkehrstelle gehen. Geschieht das nicht, so werden sie ihr gewöhnlich von der Militärstelle zur Bearbettung zugeschickt Ferner gehen auch die Ge­suche um wirtschaftliche Beihilfe, eine Geldhllfe aus Reichsmitteln, unmittelbar an die Kriegsgefangenen­heimkehrstelle, die sie bearbeitet und dem Hllfsausschuß vorlegt.

Die Arbeitsnachweisabteilung wird vom Kreisarbeiisnachweis (Herrn Bolksvereinsfekretär Frank, Gesellenhaus-Florengasse) verwaltet. Alle Heimkehrer, ob Kriegsgefangene oder Zivilinternierte, die sich beim Meldeamt melden und sich in dem Krifa­heim Auskunft holen, müssen auch zu der Arbeitsnach- weisabteilung gehen, wenn sie noch keine Arbeitsmög- lichkett haben und rechtzeitig unterkommen wollen.

In den erwähnte r beiden Abteilungen wird auch Auskunft an Angehörige von noch Kriegsgefangenen erteilt, sofern die Anfragen sich nicht auf den Zettpunkt der Heimkehr beziehen. Außer diesen Abteilungen gibt es noch eine Empfangs- und Verpflegungs- a b t e i l u n g, die hauptsächlich in Tätigkeit tritt, wenn größere Transporte für unsere engere Heimat zurück- kommen oder größere Transporte fremder Heimkehrer zu längerem Aufenthalle auf der Station Fulda ge­zwungen sind. An der Spitze dieser Abteilung stehen die Damen Frau Emma Wähler und Frau S u n k e l.

Die Ouartierabteilung besorgt Herr Bahnhofswiri Kray für solche Einzelheimkehrer un­serer Heimat, die hier übernachten müffen und sich durch ordnungsmäßig ausgestellten Entlassungsschein eines Durchgangslag ws (abgekürzt Dulag) ausweisen können. Familien aus der Stadt haben sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, solchen eine Nacht unentgeltlich Quartier zu geben.

Die ganze Einrichtung der Kriegsgefangenenheim- kehrstelle Fulda-Gersfeld wird von den genannten Da­