V 300»
Mittwoch, 31. Dezember 1919.
Kuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieadruckeret tu Fulda.
Stand -er Liga Spiele -er hejfiichen «reifes.
tarn, das alles gefiel ihr ganz aus»
der junge
helfen." jagte
Du wirst gibt's hier
junge Mann hatte während de» Be» und Tante öfters ’m die Eck« gespäht Mädchengestaü und hatte Zeit xrfun«
recht zur Geltung nehmend gut.
Aber auch der spräche mit Onkel nach der lieblichen
Der EänsedoKtor.
Roman von A. GauS-Bachmann.
(Nachdruck verboten.)
höre ich da? sagen? Das
Auszug aus dem Standesamts-Register
des Standesamtes Fulda.
Sterbefälle in der Zeit vom 20.—27. Dez. 1019.
19. Ingenieur Gustav Julius Fnchslocher, 40 Ihr. a Mt S x., Ehefrau Rosina Charlotte Kramer, geb. Wilf, 68 hr 8 Mt. 1 T'. 21. Witwer, Haus e er Irret. ,,ch Salyner. 72 Ihr. 11 Mt. 20 Tg. 22. Sans Hernr,ch Leraemann, 7 Mt. 13 Ta. Otto ,tranz Joseph Vollmann, 3 Mt 2 Ta, Aloh» Heil, au» Künzell, 4 Ihr 5 Mt. 12 Sn. 23 Zimmermann Ludwig Benedikt Hohmann, au» Mi i elsrombacd, 37 Ihr. 10 Mt. 3 Tg. Kellner,n Karol,ne Dihel. au» ZünierSbacb, 27 Ihr. 11 Mt 2 Ta 8abt,f» ar beiter Franz Joseph Leibold, "t,S Eichenzell, 27 Ihr 5 Mt 1 Tg. Fabrikarbeiter Karl Sckiedener, 16 Ihr. 8 Mt. 4 Tg 24. LandgerichtSdireltor»»W>twe Hildegard Hasse, geb. Eeiberh, 66 Ihr. 6 Mt. 10 Tg Schne.der- mcifier Witwer Bmzcnz Joseph Liebig 78 Jahr. 11 M.
24 Tg. _________________________
Selbstzucht beim Kausen.
In einer großen Tageszeitung berichtete jüngst ein Kaufmann erfreut über den äußerst regen Markt in allen Luxusartikeln, in Samt, Seid« und anderen Auslandswaren In Berlin Es werde alle« gekauft und die gefordert-n Preise würden gern bezahlt! Dieser sogenannte Fachmann schreibt offenbar nur aus der Froschperspektive, denn ihm ist völlig entgangen, daß gerade dieser planlose und gierige Kauf es ist, der unsere Valuta so entsetzlich drückt. Die Oeffent- lichkelt ist noch lange nicht klar genug darüber, daß es bte starke Nachfrage (b Deutschland nach Luxusartikeln ist, die zm masfenhasten Einschleppung von Gcnußmitteln und Luruswaren verführt. Dadurch wird Immer mehr deutsches Papiergeld ins Ausland verschleppt, und je mehr deutsche Markwerte draußen schwiminen, desto tiefer sinkt die Valuta zum Nullpunkt herunter. Der Leser, so vieler, so täglicher Hiospostrn müde, zuckt die Achseln: »Was kann ich daran ändern!"
Das ist falsch! Jeder Deutsche kann an seinem Teil helfen, dies zu ändem, indem er S e l b st z u ch t beim Kaufen übt. Es ist vaterländische Pflicht, heute alle die Auslandswaren nicht zu kaufen, die nicht unbedingt zum Leben gehören. Englische Zigaretten und
über mich, da will ich gerne Mann eifrig.
„Aber, lieber Gustav, was
Amtliche Anzeigen.
Dom 1. Dezember 1919 ob wird die Erledigung aller noch bei der Reiäisbckleiüungsftelle, die am 30. November 1919 aufgelöst wird, anhängigen Ange- l-genheiten durch die Abwicklungeftelle der Reiä-s- bekleidungsftelle erfolgen.
Alle Eingobcn in solchen Sachen sind vom 1. Dezember 1919 ab an die Abwicklung!stelle der Reichs- bekleidungsftelle, Berlin W 50, Eeisbergftraße 41, zu richten.
' Fulda, den 7. Dezember 1919.
Der Landrat. 2. B. Köhler.
5.] -------------
• „Sie könnte es zum mindesten sein," unterbrach Kien- I Holz, „und das genügt. Die Hauptsache ist, daß wir das I Bild al» da» der Großtante verehren, es kann ja bloß I schlecht getroffen sein. Nur um ein«« Rohmen handell I *• sich jetzt "
Er blickte tat Zimm« umher. „Ich denk«, 6er dort I wird ts tun." Er stieg auf einen Stuhl und nahm dos Bild seines ehemaligen Ches» von bet Wand; er hatte e» zum Geschenk erhalten, al» er, über Nacht reich geworden, aus dem Geschäft schied, um Landwirt zu werden. Jetzt mußte der Ches der Tante weichen.
Und nun war da» ganze Hau» rebellisch; e» war ein Rennen treppauf, treppab, tltraus, türein, ein Rufen und Fragen dmchs ganze Hau», alle Schranktüren und Laden standen offen und alle Möbel fast wckren von ber Stell« gerückt. Kienholz hatte sich endlich gefaßt und traf feine Anordnungen, er befahl, daß der Wagen zur Dahnstation fahre und hieß den jüngsten Knecht Laubwerk besorgen.
Dann half er selber, Mt nötigen Möbelstück« in die Gastzimmer bringen, bk Gardinen aufhängen und alles das besorgen, wozu di« Frauen zu klein ober zu schwach waren. Rach und nach kam Hrdmmg in das Chaos: eben war Kienholz damit bcschäfligt, die renoviert« Großtante aufzuhängen, als Fritz here'mstürmt« und in gewöhn- t«r Weif« mehr brüllt« als rief: „Popo, vor unserem Dartentor steigt ein Radfahrer ab! Er will herein, et brückt an der Klinke."
Beinah« hält« Kienholz Mt gute Tante fallen lassen, so sehr war er üb« Fritzens Anruf erschrocken.
„Dummer Junge," fuhr er ihn an, „anstatt so herein- zubrülltn, wärst Du lieber draußen geblieben und hättest ihn gefragt, was er will. Marsch hinaus!"
Noch ehe Fritz dem Befehl Folge leisten konnte, schritt «in junger Mann im dunkelblauen Radsahveranzug die ." Stufen zur Veranda empor und blieb grüßend an der offenen Tür«, bk zum Derondazimmer führte, stehen. 2m selben Augenblick kamen Mariechen und ihre Mutt«, jede mit einem Arm voll Bettzeug, durch das Zimmer, fit blieben verwundert stehen, als sie den Fremden sahen.
„Guten Morgen, Onktl, guten Morgen, Tante!" ries tiefer, fröhlich bk Mütze schwenkend. „Verzeiht, daß ich
vermischte;.
* Verhafteter Spartakist. Die au§ Hambu r g gemeldet wird, wurde dort der 41 Jahie alte Kaufmann Adolf Faust auS Hagen unter dem Verdacht verhaftet, während der Spartakusunruhen in Berlin einen Geheimagenten der Berliner Polizei ermordet $U‘,<*’g'd)iebet «nb Kommunist. In Elberfeld wurde der kommunistische Rechtsanwalt Lamp unter dem Verdacht, große Lebensmittelfchiebu ngen und Frachtbrieffäl'chungen verübtzu haben, verhaftet.
* In Thorn wurde im Gemeinderat befanr.t- aegebcn, daß in den letzten Tagen wegen der bevor- stehenden Besetzung der Stadt durch Die Polen 7000 Teuftche ausgewand ert seien.
Euch so ftüh auf den Hals komme, aber ich wollte nicht I auf den Anschluß von dkser Knöpfcrlbahn warten."
Kienholz riß die Augen weit auf. „Onkel, Tante, I Knöpfest bahn? Ja, wer sind Sie beim, junger Mann?" I
Der junge Mann lachte; es war ein Helles, frisches, I frohes Lachen. „Gustav Riedel, Sohn der Frau Emma Medel aus Wien, bk Sie freundlichst eingeladen Haden, verehrter Herr Onkel und liebe Frau Tante!" stellte er sich feierlich mit tiefer Verbeugung vor.
Frau Bett! ließ bas Federbett zur Erde fallen und eöte dem jungen Manne entgegen.
„Willkommen, lieber Nessel" rief sie freudig, ihm beide | Hände entgegenftrerfenb. „Aber Du kommst allein? Wo ! ist Seine Mutter?"
,glommt nach mit Sack und Pack," entgegnete er, indem er der Tante ehrerbietig die Hand küßte. „Sie wartet auf den Anschluß, ich bin mit dem Rad davongefahren."
Kienholz hatte inzwischen bk Tante an bie Wand gelehnt und war aus bat Neffen zu getreten.
„Willkommen in meinem Hause," sagt« er freundlich und fügte dann hinzu: „Aber sag einmal, sind nicht zwei Samen von etwa» fremdländischem Aussehen zugleich mit Euch auf der Umsteigestation ausgeftkgen?"
„5a, Onkel; das heißt nur die eine Dame sah yem- lich fremdländisch aus, sie war etwas bombastisch ange» zogen."
„Amerikanisch!" rief Kknholz.
,5a, sehr — amerikanisch," bestätigt« Gustav und ein gutmütig spöttisches Lächeln zuckte um seine Mundwinkel.
I „Skis ist sie, das sind sie!" rief Kienholz seiner Frau I zu, dann wandte er sich wieder cm den Neffen.
„Du mußt wiffcn, lieber Gustav, daß sich Verwandt« aus Amerika angesagt haben und leider ist der Bries erst heute emgetroffen. Wir möchten ein wenig zum Empfang vorbereiten — wir hätten es auch für Euch getan, wenn Ihr den Tag Eurer Ankunft bestimmt hättet, I alfo Du mußt entschuldigen . . ."
„Und es trifft sich herrlich, daß Ihr auch gerade kommt, so gilt’s für beide zugleich," fiel Kienholz bei.
„5a. freilich, wirklich sehr nett," stimmte Kienholz bei.
„ÜBenn’s. eine Dekoration gilt, dann verfügen Sie
den, bie langen blonden Zöpfe, die großen, fragenben, j blauen Augen, die rosigen Wangen und die kleinen Händchen und Füßchen zu bewundern.
„Das sind unsere zwei Kleinen," erflärtc Frau Betts, indem sie die Kinder heranzog, „Mariechen und Fritz."
Mariechen warf der Mutter einen vorwurfsvollen Blick zu, den der Detter wohl bemerkte; sie reichte ihm errötend die Hand, bie er herzlich drückte, ober gleich wieder losließ. Dafür nahm er das rosige Gesichtchen der jungen Dafe in seine Hände und küßte sie ein paarmal auf den Mund; als sie sich verlegen losmachte, schaute er sie scheinbar 'erstaunt an und meinte bann zur Tante gewendet: „Aber Tante, das ist ja gar teilte Kleine, das ist ja schon ein Fräulein!"
Und dann zu Mariechen: „Du bist doch nicht böse, Cousmchen, über mein« heftige Begrüßung?"
Sie schüttelt« lächelnd den Kops, und Papa Kienholz schüttelte den fernen ebenfalls, oder fahr nachdenklich. „Alle Wetter", das ist ein Draufgänger", murmelte er.
Nun empfing auch Fritz feinen Begrüßungskuß und der Kleine schmiegte sich zutraulich an Gustav.
„Du, Gustav", sagte er schmeichelnd, „darf ich mal probieren, aus Deinem Rad zu fahren?"
„Aber natürlich darfst Du das", rief Gustav, „und ich will Dir noch was sagen: Wenn unser Gepäck kommt, dann gib acht aus eine lange, schmale Kiste, da ist was drinnen für Dich; was glaubst Du wohl?"
Fritz sah ihn zweifelnd an und als er [ein Lächeln sah, rief er jubelnd: „Ein Rad!"
AotlerdienjiocS nung.
Katholischer öotteSblenR.
Donnerstag, 1. Jan. Fest d. Deschneidung d. Herrn (Neujahr.) Dom. x/s6, 6, l/<7 u. 7 8 P^arr»
amt m. Pr„ l/.10 Katheoralamt m. Pr, 7.12 2)1. m. Pred 7«2 u. 4 Andacht. 7 Andacht mit Segen in der Marienkcipelle. — Stadtpfarrktrche. »7. Rom., 57. u. 6»/. M, 8 M. a. Pr. (1. Schulgd s, 9-/. Pfarramt u. Br 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.i, 27, And. vom hl. tarnen Jesu. — Pfarrkirche »um hl. Geist • «7 Rom., 7 »rühm.. 8 Pr. u Amt m. Kom.. d A — 3tgtriltr..)e. 7,7 M. — Frauenberg. M. v. 5—7, 8 Roienlranzm. m Pr, 9 Lemtenamt m. Pr., nahm. 2 Fejtpr. u. u. Oeneralabfolution für die Tertiären.
Freitag, 2. Jan. (Herz-Jesn-Freiiag ) Dom 7.8 M. m. Segen; nachm. 5 Herz-Jesu-A. - Frauenberg. auSf d Allerhl. v morgens 57. bi» abends 5 zur Anbetung d. göttl. Herzen» Jeju, 9 üemtenamt, nachm. 4 Schiußandacht mit Umgang.
Evangelischer
Mittwoch, 31. Dezember. (JahreSschlutz.) Abend» 8- Pfarrer Weber.
Donnerstag, 1. Januar. (Neujahr.) vormittag, gv, Sup. Ruhl, nachmltrauS 2 Pfarrer Weber. — Blederfteln. Vormittag» 9 Pfarrer Reich.
Israelitischer GotteSdteas».
Donnerstag, L Januar. Fasttag. «Beginn de» Fastens 6,40 Uhr.
Samstag, 8. Januar. Vorabend zotterdienst 4,30, morgen, 8.80, nachm. 8,30, Sadoalhau» mng 6,25 Uhr. — I WochengotteSdienft: morgen» 7,15, nachm. 4,15, abend» 5, ’5 Uhr. .
doch wohl nicht Sie zu uns
nicht hier, nur immer auf Du und Du," rief Frau Detti.
MALL'. •' ------- -•— —•
—,3a, em^Rad", wiederholte Gustav, „gerade so groß, wie's für Dich paßt."
„Hurrah", brüllt« Fritzchen, und auf den Lärm eilte Waldemar herbei, der nun auch den Detter herzlich be- erÜ^5Ba5 willst Du denn am liebsten zum Frühstück, Gustav?" fragte die Tante.
„Gar nichts, Tante, ich danke", entgegnet« er; „ich Hobe auf dem Bahnhof gefrühstückt und will jetzt gern« auf Ne Nachkommenden warten. Erlaube mir lieber, daß ich bei den Cmpfangsvorbereitungen mithelfe; Die Veranda da läßt sich prächttg betorkren, das foB meine Sorge fein, wozu wäre ich denn der Tapeziereri
Kienholz fah seine Frau triumphierend an. „Tape, Steer?" wandte er sich fragend an Gustav; „ich dachte^ Du seist Jurist." _
.Din ich auch", erwidert« dieser lachend. „Ader wen Ich bei DileUantenoorstellungen und ähnlichen Veranstaltungen stets mit geringen Mitteln ganz nette Dekorationen hergestellt hab«, so haben sie mich den Tapezi«: er genannt.
Kienholz räusperte sich und macht ein äußerst sch.aues Gesicht, als ob er sagen wollte: „Der Hal sich aber gründlich verschnapptl" Er schwieg aber still.
Siebe Tante, setzt bitte ich Dich um einige Bettücher und" ein paar farbige Wäschestücke, Schürzen und der gl ei- chen ober allenfalls zertrennte bunte Kleider. Du foujf sehen, wie hübsch alles werden soll."
Man versprach, das Verlangte herbeizuschassen; Ma riechen und ihre Mutter rafften ihre Federbetten auf uni eilten hinaus, Waldemar ging Laub und Reisig besorge« | während Fritz längst in den Gatten gelaufen war, wo I sich eingehend mit Gustavs Rad beschäftigte. So kai es, daß Kknholz auf einmal mit dem neuen Ressen allen war. Und da blitzte ihm eine 5bee aus, eine Idee, m die er unendlich stolz war und die feine Achtung vor fit felbst ins Unendliche steigerte. Er trat auf den Refft zu und faßte ihn vertraulich beim Rockknopf.
„Du, Gustav", begann er, „Du bist «in netter Jung« ich habe Dortrauen zu Dir und will Dich um etwas bitten.
„Du machst mich stolz, Onkel", versicherte Gustav.
„Weißt Du, fuhr Kienholz fort, „die Verwandte, di wir heute erwarten, ist ein armer Teufel, eine entgleiste Schauspielerin, deren Gehirn nicht ganz richtig arbeitet fit leidet em wenig an Größenwahn und spricht mtlunf von ihren Millionen. Wir möchten diese Schwäche scho neu, und darum empfangen wir sie feierlicher, als wew sie mtrHi* ~~ Millionärin wäre; sei also fo frcur.biia; auf ihre Sheen rinzugehen!" ,Rortl. folgt.)
verschmerzen diese Herren leicht. Es genügt, den k7«i. neren Handtverkem eine ^Beteiligung bei soichenArbe'ten unmöglich gemacht zu hal>en. Der Sadottageakt de» Handwerksamte» besteht darin, daß dasselbe versuchte, die Fuldaer Handwerker zu organisieren, daß bie Ar. beiiSgemeinschaft bemüht nvrr, alle staail-ckxn und öffel tlichen Arbeiten, welche ihr zrigewiefen tmrrden, an ihre Mitglieder zu verteilen. Diese» paßte e.n^elenen Herren, welche während deS Krieges dahmm waren und da» Privileg, staatliche Arbeiten anS-ufiihren. für sich allein beanspruchten, absolut nicht. Daher die aller- neueste Organisarion der vereinigten Einzelgänger usw. Stehen doch diese Herren auf dem Slandpnnkr: „Euch Kriegsteilnehmern bie Arbeit draußen im Felde, uns Reklamierten die Arbeiten baljcim." Weder Handwerk»- Jammer Jnnmig»,- HandN'erker. »ch faniMae AuS- schüste haben uns bei unserer Heimkehr geholfen; eilte wirksame Hilfe fanden wir nur bei dem Fuldaer Hand- werkSomt und der Fuldaer Arbeitsgemeinschaft für Handwerk und Gewerbe. Ihnen gebührt der Tank aller Kleinhandwerker und wünschet! wir dem HandiverkSamt rin langes, segensreiche» Fortbestehen zum Wohle de» Fuldaet Handwerke». „ . ,,
Mehrer« Kriegsteilnehmer be» Fuldaer Hqudwerk^
nungen der Parteitoktik mögen ihm darum stärker auf die Nerven fallen, ab manchen^ anderen. Es bildet sich bei ihm als Vertreter der Intellektuellen Minderheit leicht eine xcwlsie Abwehrstellung gegen die Aus- Wirkungen des Mafsenprinzips; er macht sich selbständige Gedanken über polstisch und soziale Fragen, unterliegt nicht lo leicht der Masiensuggeftion, die von neu aufgeworfenen Ideen ausgehl. Auch hat die Auf- wärtsbewegung des vierten Standes, wie überhaupt das politische Lebet;, das davon sein Gesicht hat, oft Formen angenommen, bte nicht geeignet sind, ihn damit zu befreunden. Er zieht sich vor der Heftigkeit des volitischen Sehens namcntlufj In Wahlreiten lieber zu seiner Wissenschaft zurück, in deren heiligen Hallen er sich wvhler fühlt als auf dem lärmenden Markt. Dazu mag bei vielen Akademikern noch kommen, daß st« noch unbeschenkt mit dem Achtstundentag nach der oft anstrengenden und aufreibenden Berufsarbeit der Muße nicht entbehren rccLen, soweit sie die freie Zeit nicht zu ihrer Weiteibildung nötig haben. Ein äußerlicher Umstand, der ebenfalls nicht übersehen werden darf, ist vielfach ihre Ortssremdhett. Nur die wenigsten Akademiker sind in dem Orte ihre» Wirkens auch zu Hmtse; ste sind erst in spateren Jahren in ehre ihnen fremde Umgebung h'meinoerfetzt worden, gelten der angesessenen Bevölkerung zeitlebens als Fremde, gewinnen, auch wenn sie sich im Laus« der Jahre akklimatisiert haben, me die völlige Vertrautheit mit dem Ort und den örtlichen Verhältnissen, wie die, die dort in ihrer Heimat sind.
Das sind alles Dinge, die man nicht übersehen darf, wenn man eine Erklärung sucht für die politische Passivität fo vieler Akademiker. Will man die Akademiker zur Mitarbeit am politischen Leben wieder gewinnen, dann muß man diese Dinge berücksichtigen, sie zu überbrücken suchen.
Ist das etwa nicht mögsich? Man sollte meinen, mit einigem guten Willen, mit etwas gegenseitigem Derstänimis liehe sich ein Ausgleich sehr wohl schassen. Daß die Nichtakademiker dazu bereit sind, weiß jeder, der im Parteileben mitarbeitet Sie müssen ja dazu bereit sein, wenn sie nicht wollen, daß die Gegensätzlichkeit zwischen Akadenttkern unb Nichtakademikern sich zu einem Schaden für die Partei auswächst Jeder Akademiker, der Mitarbeiten will, wird von ihnen willkommen geheißen, weil man weiß, daß ihre schöpferische Betätigung für da» Gedeihen der Partei von Vorteil ist
Sache der Akademiker ist es, sich in Reih und Glied zu stellen und ihre Kräfte in den Dienst der Partei zu stellen zum Besim des Ganzm und bamit auch zum Vesten ihres Standes. Daß die politische wie die parteitaktische Entwicklung nur in den Formen und Bahnen weitergeht, die i h n e n zusagen, das können sie ebmsowmig verlangen, wie das bte Gegenseite tun darf. Die Vertretung der eigenen Interessen muß in Uebereinftimuiung gebracht werden mit dem Wohle de» gesamten Volke». Gegensätze der Lebensauffassung, ter politischen Taktik müssen ausgeglichen wer- den in den gemeinsamen politischen Grundanschau- uttgen. Selbsterkenntnis, Selbstzucht unb gegenteilige» Verstehen, müssen Akademiker und Nichtakademiker wieder zuiammenführen.
holländische Zigarren gehären nicht zu den Sebensrot- Wendigkeiten. Lvxvskleiderstofie lasten sich sehr wohl entbehren. Ganz abgesehen von dem sonstigen galanten Kram. Beim Wünschen und Kausen mutz man auch Nachdenken! Aus dem Publikum selbst heraus muß an der Desteruua unserer wirtschaftlichen Lage mitgefjolfen werden. Deich klägliche» Dt d geigt ba heute mancher Philister, der ständig übet die schlechten Seiten Nagt unb durch {eine unüberlegte Sauferei selbst mithilft, sie noch zu verschlechtern!
Wenn wir dahm kämen, Selbstzucht betm Kausen ztz üben, bann wären wir einen tüchtigen Schritt weiter. __________ _ ______________
aus dem RaTbargcbiet.
. Eisenach. Bei bet Ersatzwahl , um Ge. mein berat di« am Sonntag unter sehr geringer SMIbeteifgitie stattfand, gewannen die Deutsch, nationalen 2 Sitze, die Demokraten verloren 2 und den Sitz de» der Demokratischen Fraktion angeschloste. neu Eisenbahnvertreter», di« Mehlhcttssozialisten Peri, raten einen die Unabhängigen gewannen 2 Sitz«. Tn« Deiitsckniattanalen gewannen im Vergleich zu der letz- ten GemeinderatSwahl 670 Stimmen, wahrend Die IW. abhängigen ihren Stand behaupten und noch emifle 60 Stimmen hinzufügen kannten. . $ e m
tratische Partei büßt« über 22 00 ® ti mm en, bie M hrheitssozialisten 1350, bte Deutsche VolkspaNe- über 300 Stimmen ein.
Zentrum und Akademiker.
Auf einer Zentrumsveriammlung in Köln be- fclld)tcte kürzlich Obe>pfarrer Kostert, woz i die Ako- bem^ker gut sind. Er bezeichnete die Akademiker gebendem Mittelstand als die A er m st en unterer «eit und führte weiter dazu aus:
" »ine bedauern be Unterschätzung bet wiflenschaft- pchen Bttdnna hat Platz nenriffe i Für leitende Posten I ,.[1 jetzt der Be'ä >i zun »na bwei» eme» soliden Ärssen» I Lt6 einer guten Fahvotbilüunr nichts mehr gelten Der «kadetmker ist gerade gut genu.i. die Blößen der I en die ersten Posten gesetzten Pai tei-rößen zu verdecken! I ■uf diese Weise muß die Hochachtung vor wlffenschaft. I tt*er Bildun i auf den Oeitierpuntt sinken. Wozu I brauchen w't dann noch einen Utinifter für Kunst und I Liffcnschaft? Dann uenügt em Lehrling für Volks. I Bildung. An diese Dinge muß man einmal ernstlich Mren. ehe der Unfug unb der Unsinn zum System I wird. Den Akademikern aber rufe ich zu: Heraus au» I jet polittschen Jndolanz und Indifferenz, I heraus au» der Gewohnheit, nur zu nörgeln und zu I htifieren, hinein in bie Partei, der ihr eure I nnteresten anvertrauen könnt. SS handelt sich um Euer I eigene» Wohl!
Wir lasten heute die Mitzstimmung der Akademiker I überdieUnteischätzungihresinlaugiähr.Fachvorbildung I erworbenen Wissens unb Könnens außer Betracht, I um fo nachdrücklicher aber möchten wir auf die I Schlußfolgerung deS Redners Hinweisen, daß die I Akademiker selbst sehr viel mehr tun können I unb müssen, um im öffentlichen Leben den Platz I einzunehmen, der ihnen zukommt. Klagen und I Wünsche allein bringen nicht weiter. ES fehlt! ett «inet angemessenen Beteiligung der I Akademikerkreise am öffentlichen Leben. I Man metkt auch nichts davon, daß sie sich im Par- I teil eben zur Geltung zu bringen suchen. Einfluß I auf die Gestaltung der Dinge im öffentlichen Leben I werden die Akademiker aber nur ausüben können, wenn I sie sich in einer Partei zur Geltung bringen, die ibr« Jnteresten zu schützen bereit und fähig ist, in einer I Partei, hinter der Masten deS Volkes stehen.
DaS liegt auch im Interesse der Partei. DaS I Zkmrum, das als große Volkspartei berufen ist, am Wiederaufbau Deutschland» mitzuarbeiten, benötigt I dazu aller Kräfte, auch der Hilfe der akademischen I Kreis«. Nun kann aber nicht geleugnet werden, daß I im OrgantfationSleben, auch der -jenlrumeparkei, der I Stand der Akademiker ttngebührstch weit im Hinter» I gründe steht. Ist daS Schuld der Partei oder Schuld I der Akademiker? I
Gewiß ist zuzugeben, daß man mancherorts nicht verstanden hat, die Akademiker zur Milaibeit heranzuziehen, daß ferner in unserer Zeit, die mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht die „Zahl" ungebührlich in den Vordergrund schiebt, der Stand der Akademiker, der immer eine Minderheit bildet, der Maste gegenüber sich schwer durchsetzen kann, aber eS ist andererseits nicht zu leugnen und wild auch von den Akademikern selbst zugegeben, daß fein Stand von | einer soleben Ur lüft, einer solchen Scheu vor praktischer Mitarbeit im Parteileben erfüllt ist, wie der Stand der Akademiker, der Stand, der der führend« sein sollte und könnte. Das gilt namentlich für unfere katholischen Akademiker. Wer selbst im Parteileben drin steckt, kennt die immer wieder laut werdenden Klagen aus den Reihen der anderen Denise, daß, von verrinzelten Ausnahmen abgesehen, die Akademiker sich so gänzlich von der Parteiarbeit fernhalten. Bei uns in Fulda machen wir dieselben Erfahrungen vielleicht in noch stärkerem Maste als anderwärts. Wenn es gilt, Werbearbeit für die Partei zu verrichten, Wahlagitation zu treiben, nach Akadenlikern sieht man sich vergebens um. Bei der Besetzung von Arbestspssten die Akademiker gebührend zu berücksichtsgen, ist nicht mögllch, man hat keine Auswahl. Während andere Wählerschichten sich immer rühren und organisatorisch arbeiten, halten sich die Akademiker zurück.
Wir schreiben das nicht, um anzuklagen, aber man muß die Dinge mal beleuchten, weil sie ein öffentliches Uebel geworden sind, an dem man nicht mit geschlossenen Augen vorüber gehen kann. Will man die Zurückhaltung der Akadernikez zu verstehen versuchen, niuß man ihre ganze Stellung im Leben der Gegen- wart berücksichtigen. Der Akademiker hat in der Regel konservativere Grundanschauungen als es der demokratisch gerichteten Entwicklung unserer Zeit entspricht, er fühlt sich auch m dem Parteileben, bas sich auf bem Boden dieser demokratischen Entwicklung ftel- len must, nicht so leicht heimisch, auch einzelne Erschei-
Einqesandt.
Nr. 297 der „Fuldaer Heftung" brachten die vereinigter Einzelgänger de» Fuldaer Handwerk» eine Erklärung, worin da» hiesige H a n d w e r k S a m t und bie ihm angigliedert« Arbeitsgemeinschaft tut Hand- werk unb Gewerbe auf» schärfst« angegriffen wurde. Ein nähere» Tingehein auf die Behcmpiungen der Ein- Zelgänaer ist nicht unsere Sach«. Wir begnügen un». die Tätigkeit der Einzelgänger, sonne be» Fuldaer HandwerkSamte» unb der ArbeltSgemeiuschaft naher zu belenchten. Al» wir Kriegsteilnehmer be» Fuldaer Handwerke» nach Beendigung diese» unseligen Kriege» unserer Familie und unferem Geschäft zurückgegeben wurden, erwartetem un» bie denkbar ungünstigsten Ver. hällniss« Nicht Einzelgänger waren e», die sich bemühten, ihren gestbädigten Kollegen den Ausbau ihrer zertrümmerten Existrnz zu erleichtern, sondern das gut- d«,er Ha idwerksamt unb die Arbeitsgememschft für Handwerk und Gewerbe welck)e durch ihre segensreichen Einrichtungen nicht bloß trrif girtem Rat, sondern durch die Tat sich bemühten,, bem hiesigen Klrinhandwerk unb den Kriegsteilnehmern wieder empor zu helfen. Einzelgänger sind es, die durch ihr eigenwilliges Verhalten bei allen Submissionen ungesunde Preisunkerbietutngen schaffen. Eine Arbeit ohne Verdienst, selbst mit Verlust, „So, und nun mußt Du auch unser« Kinder kennen fernen."
Sie wandte sich nach Mariechen und Fritz um, die mäuschenstill dagestanden waren und zugehört hatten. Mariechen batte in dem Augenblick, als ihre Mutter das Federbett fallen lieh, ihrerfests das Gleiche getan, nur j war sie nicht auf den neuen Setter zugeeilt, sondern hatte ! ihn aus sicher« Ferne» betrachtet. Nach einig« Musterung gestand sie sich, daß sie noch nk einen so hübschen Jungen gesehen hatte.
Die lustigen braunen Augen, das zierliche Schnurr- bärtchen, die blitzblanken Zähn«, das Grübchen im Kinn und die prächtige Gestalt, die durch den Neidsamen Anzug
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