Das verflossene Jahr<
Wiedereinführung der Goldzölle.
In ;rori Noten t>oir 22 und 23. Dez. hat bei ob rne Rar in Pa-i« oer foforltgen Erhebuiig von Goldzöllen i i Teufchlcmd zugejlimmt. Deutschland ist eimächligt, ein Aufgeld in der Höbe der jetveil gen Entwertung der Rei^srnaik gegenüber dem Tollar zu ei heben. Das Gesetz über die Zahlung der Zölle in Gold, das vorübergehend anher Anwendung war, wird nut dem 1. Januar 1920 wieder in Kratt ge etzt.
Di« Genehmigung der deutschen GoldzSlle durch die Alliierten ist ein großer mit Ausdauer erkämpjter Erfolg der Regierung zur Schließung des Loches im Westen. Die Zustimmung zu den deutschen Valuta- zollen stellt das erste Zeichen des Einvernehmens dar, das aus dem feindlichen Lager heri-ber- winkt.
— 1AA I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, I 31 Dezember 1919.
flr. JVV* | iür die Anzeigen: I Parze11er, Fulda. - Rotationsdruck | IIIUIWOO) Jh
Dor der G niflttttfl.
Ktb Berün, 30. Dez. (Tel.) Die Verhandlungen *?s Freiherrn von Lersner mit dem Generalsekre- wr b»r Friedenskonferenz Dutasta nahmen einen «triebiqenben Verlauf und lassen eine Einigung in iller Kürze erwarten. Wie verlautet, sollen die Rati- firationsurkunden om 6. Januar nachmittags 4 Uhr *usgetauscht werden.
Um Vupen und Malmedy.
Ein« Note Clemenceaus vom Anfang dieses Mo- •“S hatte die Beschwerden der deutschen Regierung
Deutsches Reich.
• Berlin, 30. Tej. DaS N-ichskabinett hat sich heute mit der Titel frage für die Beamten beschäftigt. Es sollen künftig die alten Tuet in Wegfall kommen und nur noch sogenannte Amtsbezeichnungen geführt werden. — Wie ans Leipzig gemeldet wird, fand am Dienstag die fe erliche Ber- abfck iedung deS bisherigen ReichSgei ichtsprofidenlen Fie'herrn v. Seckendorfs und die Einführung des neuernann en Präsidenten Delbrück durch den Reichsjustizminlster Schiffer stait.
* Ter päpstliche Nuntius in Berlin. Man schreibt uns: Der päpstliche Nuntius in München,Monsignore Pacelli, führt bekanntlich gegenwärtig m Berlin Verhandlungen mit der Reichs- und preußischen Regierung über bestimmte Fragen, die mit dem Pen Ikon zur Zeit schweben. An die Tatsache dieser Unterredung sind veischredentlich unbegründete Vermutungen geknüpft worden. So dich es, die Reiie Pacellrs diene hauptsächlich dem Zweck, den Boden zu bereiten für eine Aktion Bayerns zur Herstellung eines eigenen katholischen Staates, der un- mittelbaien Anschluß nach den katholischen Alpen- ländern und von da nach Italien suche. Diese Idee ist eine Fabel. Sie hat nie irgendwo im Ernste bestanden. Es erübrigt sich daher auch zu erklären, daß Pacllis Berliner Besprechungen mit einem io chen Plan nicht nur das Geringste zu tun haben. In der Hauptsache handelt es sich Isdtglich um kirchliche VerwaltuugSmaßnahmen in Deutsch- land, an deren Gestaltung der Vatikan ein besonderes Interesse hat und hier wiederum insbe ondere um die Besetzung des erzbischöflichen Siuhls in Köln. Pacelli wird sich zu diesem Zwecke auch direkt nach Köln beaeben.
lieber die in Berlin gepflogene Aussprache mit dem
gtne harte Schule mit viel Drangsal, Not und <ta-kenschläaen bar das deutsche Volk duichmachen „äff n. Dar cS genützt?
Nickt viel, nicht genu *vt doch etwas. Daß oanze Volk ichon Vern....... und tugendhaft ge-
tzorden tei, kann man leider nicht sagen. Aber eine Twille Besonnenheit und Ernüchterung bat sich doch Vmermd) gemacht. Am Schluffe des Jahres 1919 ‘ Zbt es nicht ganz so wirr uild wild aus, wie zu
Die schlimmste G. fahr, die uns aus der „sozialen" Evolution von 1918 erwuchs, war die Arbeits- 'cheu. In den weitesten Kreisen Hane sich die An- sich, eingenisiet, daß jetzt das golde.-e Z-Malier an- irkche, wo man nicht mehr im Schweiße seines An» icsichts das tägliche Brot zu e,werben brauche, son« MN ohne Anslreilgung zu hohem E'nkommn ge- 'äneen könne, weil nun den Arbeitgebern und den Kapitalisten wieder abgesagt würde, was sie den ilrdeiteln „geraubt" hätten. Auf die „Zozialiierung" Md die damit zu vecbindende Schröpfung der Besitzen- >en wurden die übertriebensten Hoffnungen geletzt, pie alsbald verfüate V rkürzung der Arbeitszeit »äne vernünftiger Weise ihre Ergänzung finden mü|- ■en in der fle.ß'gen Ausnutzung der acht Arbeits- 'tunden. Statt dessen wurde in den Werkstunden politisiert, debattiert, gewählt und Streikbewegungen eraffen. Die führenden Männer haben von An« g an gepredigt, daß nur Arbeit, Arbeit, Arbeit . zas Vaterland un*» den Einrelnen retten könne; doch >§ dauerte lange Zeit, bis sie Verständnis und Be- ichtung fanden. Das Streikfieber.routete wie eine vahre Volksküche. der alte Fie>ß unv die Be onnen- kit in den Lobnkämpfen sind auch jetzt noch nicht allgemein zu- ückoekehrt, und infolgedessen leiden wir n'diesem Winter besonders schwer unter den Ver- äumniffen in der Gütererzeugung und im Güier- ranSport Was man verzcichnen kann, ist nur ein sinken deS Fieberthermometers. Die Erkenntnis von der ArbeitsnotwenSiokeit und bte Arbeitswillig» feit haben doch zugenommen, und wenn das so weiter geht, darf man auf Genesung hoffen.
Die radikalen Hetzer suchen freilich immer wieder die Begehrlich!ul der Mafien anfzureizen und die überspannten Hoffnungen auf Sozialisierung oder gar aus Kommun,sierung wieder zu beleben. Aber sie Bremse an diesem Wagen hat doch im verflofie-
gurland.
♦* Frankreichs Staatsschuld. Der Berichterstatter der Finanzko limission des Senats über die provisorischen drei Budgetzwölstkl stellt in seinem BeUcht test, daß die Naiionaltchuld Frankreichs am 30. Juli 1914 34 Milliarden 188 Millwnen Frauken betrugen hat, vag sie beute aber die Summe von 207 M > l- halben 269 Millionen erreicht, baiunter 90 Milliarden schwebende Schuld.
* Eine neue Dienstpflicht in Bulgarien. Im bulgarischen Parlament wurde ein Geietzcniwuif einge>eicht, der für die Jugend beiderlei Geschlechts die Pflicht unentgeltlicher Arbeit zugunsten des Staates für dir Zeitdauer von sechs Monaten bi» zu zwei Jahren vor sieht. Zu diesem Zweck finden Aushebungen statt, wie früher für das Heer. Wer sich der Gestellung entzieht, wird wie ein Xe* serteur bestraft.
* Die italienische Volkspartei ist bei den diesmaligen Wahlen in Italien zum erstenmal in Ec* scheinung getret n und Hai mit lunb 100 Abgeordneten einen ansehnlichen Erfolg errunoen; sie ist eine rein katholi che Partei. Mit den Sozialdemo- fraten zusammen kann sie eine Mehtheit in der Kammer bilden, was um so bedeutsamer ist. als beide Parteien Gegner de» Fr ie d e n S v er i r ages von Beifailles sind wegen seiner un.nen ch'.ichen Bedingungen. Italien t a> aber den FiedenSv. ru ag bisher nur durch kgl. Dekret Wer Vorbehalt der Zustimmung der Kammer ratifiziert. Die Kammer muß also noch zum Friedeneverlrag Stellung nehmen und eS ist nicht ausgeschlofien, daß sie ibn in der vorliegenden Form verwirft. D e Zeitungen, nehmen sehr scharf Stellung gegen den Friedeus- vertrig; sie reden ihm nach, daß er darauf auS.icije, Deutschland nicht den Frieden zu tnin en, sondern e» zu zerschmettern. Da» sei aber wenig menschlich, noch viel weniger christlich. Die Noten Clemenceau mochten die Mehrheit beben und ließen sich auf» st atmen gegen die Henker der Mcn'chheit. Die Blätter warnen die 6nt nte davor, den Bolschewismus u zeut dilanb kllniilich zu züchten; denn bei dem hohen Bildungsstand der Deutschen wäre der deut che Bolschewismus aeföhrlicher als jeder andere und wüide die ganze Menschheit der Gesetzlosigkeit zufahren.
* Zwischen arabischen Freiwilligen und franzö- fischen Truppen hat in der Nähe vn Damaskus ein ernstlicher Kampf stattgefunden, der acht Stunden andauerte.
e Deutsche Geistliche »ei den Gefangenen. Di« Kommission ber Gastlichen, die ,die Aufgab« hat, unser« Kriegsgefangenen in Frankreich zu betuchen setzt sich ans sechs Mitgliedern zusammen, von denen drei .atho. bisch und drei evangelisch sind. Die katholischem M.t. glieder der Kommission sind die Pfarrer Koch und Pfaffrath ans Paderborn, sowie Pfarrer Schlueter au» Digge an der Ruhr. Die Geistlichen hb«n letzt ch« Reis« angetreten. -
♦ Das Urteil gegen bte Brüder Röchling. Das Auswärtige Amt hat, wie amtlich mitgeteilt wird, alle Schritte getan, um die Unterlagen über die Verhandlungen zu bekommen, auf denen das Schwurgericht m Amiens sein ungeheuerliches Urteil gegen die Brüder Röchling aufbaut. Ehe diplomatische Schritte ge- schehen, will man die juristischen Voraussetzungen in Händen haben, von denen das Urteil ausgegangen ist.
* Wj son ist nahezu wieder hergenelll und ronb seine politische Tätigkeit wieder aufuebmen, um die Frage bet Fiicdensra ifikation perwnlich zu regeln.
über das rücksichtslose Benehmen der Belgier ht Eupen und Malmedy und über das beabsichtigte Abstim- mungsverfahren brüsk zurückgewiefen. Eine deutsche Antwortnote, die jetzt von der deutschen Friedensdelegasion überreicht wurde, wendet sich erneut gegen das von der Entente gewählte Abftim- mungsverfahren, das eine Beeinflussung seitens der belgfichen Behörden begünstigt. Sie verlangt, daß eine mit der Ueberwachung der Abstimmung beauftragte Kommission des Völkerbundes eingesetzt wird und sie dringt no-' ..lals darauf, daß bte, Beschwerden gegen das Verhalten der belgischen Behörden alsbald abgestellt werdest.
Die Viehabrieserung.
Eine Meldung aus Ludwigshafen besagt: Auf Befehl der französischen Behörden beginnen in der ersten Januarwoche im besetzten Gebiet Ausmu st e - rungen von Pferden und Vieh durch ftanzösi- sche Kontrolleure. Die besten Tiere werden jeweils für die Auslieferung nach den Bestimmungen des Friedensvertrages ausgewählt und den Besitzern enteignet, die von der deutschen Regierung entschädigt werden muffen.
In welcher Weise diese Ausmusterung vor sich gehen wird, haben wir bereits bei der Ablieferung des Glsen- bahnmaterials erlebt. Obwohl von der Regierung nach Möglichkeit eine einwandfreie Auslese ber besten Stücke dorgenommen wurde, genügte das Aufgebrachte den Ab. nahmeausschüffen mit ihren peinlichen Ansprüchen nicht; sie wiesen die Sachen zmn großen Teile zurück und machten ims darauf den Vorwurs, wir feien nn. seren Verpflichtungen nicht nachgekommen. Und d esvr Vorwurf war sehr lohnend, da sich sehr bequem unerhörte Strafsorderungen daraus ableiten ließen. Unser Eisenbahngeräleliestand wurde dadurch derartig an der Wurzel gekmckt. daß unser Wirtschaftsleben unheilbar daran leidet, wähoend Frankreich i*e auSgevieferten Maschinen in seinem Bahnbetrieb gar nicht verwenden kann. Wenn eS trotzdem Wert darauf legt, die Lokomotiven zurückzuhalten, wo fie allmählich alten Effen. wert bekommen, so zeigt uns diese» Verhalten eben daß die französische Regierung nicht nur tatsächlich auf den Nutzen ihres Landes bedacht ist. sondern auch alles daran setzt, den ehemaligen Gegner zu schädigen, so viel eS nur möglich ist. Die gleiche Beobachtung können wir mit England machen, das die Auslieferung unserer Schiffahrtsbestände nicht für seine eigenen Zwecke verlangt. Für uns ist augenblicklich der Verlust dieser Bestände eine Lebensfrage, und England verkauft sie unter Wert in andere Hand.
Mit unserem Vieh geht ein Teil unseres unentbehr. lichsten VolkSvermeögens über die Grenze für das die Regierung nicht einmal die Besitzer in enffprechender Weise entschädigen kann, denn die Ersatzmöglickikeit ist zurzeit gleich Null, unser« Landwirtschaft braucht Jahre, um sich auch ohne diesen schweren Verlust ihren Auf. gaben entsprechend einigermaßen zu erholen. Die Ein. fuhr von Vieh wird einem gänzlich verarmten Lande aber bald nicht mehr möglich sein, zumal die Welt. Marktpreise dafür unerschwinglich sind. Damit jedoch ist das Ziel der Alliierten erreicht das zwischen alten Zeilen deS FriedensvertrageS deutlich genug zu lesen ist.
Die Neukalen sollen ausltesern.
Der Alliierte Rat hat beschlossen, bte der deutschen Regierung zugehende Auslieferung» st r auch sämtlichen Regierungen der neutralen Staaten zu übermitteln. Zugleich werden die neutralen Regierungen ersucht, diejenigen Deutschen, die sich aus der Liste befinden und sich in dem betreffenden Lande aufhaiten, auf Grund des ihnen zur Last gelegten Verbrechens fe ftnehmen zu kaffen und den Allier- len auszuliefern.
Rach dieser eigenartigen Entwicklung des sogenannten Völkerrechts lasten sich wohl die Tage der Selbstständigkeit ber kleinen Staaten zählen.
Der Stand der Tarifverhandlnngen
del der Eifenbahn.
wtd Bersin, 29. Dez. (Amtlich.) Es wird oer- sucht, die Oesfentlichkeit durch die Nachricht zu beun- ruhigen, daß die Tarifverhandlungen der Eisenbahn- Verwaltung mtt den Gewerkschaften der Eisenbahnarbeiter gescheitert seien. Die Nachricht ist unrichtig. Tie Tarifoerhandlungen haben derefts über eine Reihe wichtiger Punkte des Tarifvertrages zur B e r st ö n- digung geführt. Sie sind kurz vor dem Feste, der Feiertage wegen, bis zum 5. Januar vertagt worden und werden dann ungesäumt sortgesührt werden. Vor der Vertagung hat die Verwaltung nach Fühlungnahme mit den Gewerkschaften sich bereit erklärt, schon vom 1. Januar ab den Arbeitern nach Ortsklaffen gestaffelte Zulagen zum'setzi- gen Stunden lohn zu zahlen. Ferner besteht Einverständnis darüber, daß die Sätze des Tarifvertrages keinesfalls unter diese Zulagen henmtcrgehen werben- und daß tue Arbeiter auf jeden Fall die im Tarifvertrag festzustellenden Zulagen rückwirkend vom 1. Januar 1920 nachgezahlt erhalten. Es handelt sich also bei diesen Zuschlägen nicht, wie behauptet worden ist, um einen Vorschuß, der etwa von den Arbeitern zurückgezahlt werden müßte, sondern um eine teil- weise Vorwegnahme des Tarifvertrages. Nach Auf- fafiung ber Verwaltung besteht kein Gnmd zu der Annahme, daß ber Tarifvertrag nicht zum Abschluß gebracht werden könnte.
LisenbahnerftreN In Magdeburg.
Die Magdeburger Ortsgruppe des Deutschen.Eisenbahnerverbandes fft am Dienstag in einen 24ftünbigen Pro- leststreik eingetreten. Die Eisenbahner oei langen u. a. Erhöhung des Stmrdonlohnes um 90 Pfg. und vollste Anerkennung der bei der Eisenbahndirekti--- tätigen Arbeiter-
päpstlichen Nuntius teilt die „®erm." mit:
„Es ,zeigt sich, daß UebereinfHmmung 'm bet Anschauung bei allen Teilnehmern herrschte, daß der in der Bulle de saluta animarum von 1821 festgelegte Beitrag durch die Neichsregierung in Feinem Punkte außer Kraft gesetzt ist. Reich»- und Slaatsregio ung ebenso wie der Vertreter de» päpsilichen Stuhle» sind der Ansicht, daß ein Vertrag nickst einseitig aufgehoben werden tonn. Allerdings ist durch die neue Reichs Verfassung die preußische Regierung gezwungen, mit dem päpstlichen Stuhl in Verhandlung betreffs einer Abänderung des genannten Vertrages einzutreten und der päpstliche Nuntius «Härte dazu die Bereitwilligkeit de» päpstlichen Stuhle». Wie- derholl wurde in der Unterrebimg betont, daß alle», wa» daraus hindeuten könne, daß di« Absicht der preußischen oder Reichsregieeung al» «ne Maßnahme gegen die Kirche und den Heiligen Stuhl gerichtet fei, weit zurückgewiesen werden muffe. Es sei der dringende Wunsch der deuffchm Behörden, mit dem päpstlichen Stuhl im vollen Einvernehmen zu arbeiten. Bei der Besprechung der Kölner Bischosswahl wurde gleichsalls eine vollkommene Uebereinftimmung der Auffassungen festgesteilt. Al» Vertreter des Kultusministeriums werden die Herren Unterstaatssekretär Wildormann und Geheimrat Mühlmann den päpstlichen Runiiu» nach Köln begleiten. Wie nxr weiter hören, betonte ber päpst- liche Nuntius m der Prioatunterhaltung wiederholt, er beurteile die Zukunft Deutschlands durchaus oplimistisch und sei überzeugt, daß das deutsche Volk sich schon wieder emporacbeiten werde. Er versicherte auch, daß der Heilige Vater dem deutschen Bolte durchaus wohlgesinnt sei. Man dürfe aber bei seinem Eintreten für uns nicht vergessen, welch große Schwierigkeiten dabei zu überwinden seien."
lieber feine Aufnahme in Berlin hat Herr Pacelli sich einem Vertreter ber „Germania" gegenüber außerordentlich lobend geäußert. Er sprach sich sehr befriedigt über die ausgesuchte Freundlichkeit aus, mit ber ihn alle Behörden bis zu den höchsten bedachten, und sand warme Worte bei Anerkennung für die besondere Aufmerksamkeit, bie sie ihm als dem Bevollmächtigten bes Heiligen Stuhles erwiesen. Es sei nicht zu verkennen, baß bie Reichs- tmb bie Landesregierung bas Papsttum als avßerorbentlich bedeutsamen Faktor für das Völkerleden schätzten. Die Neuregelung des Verhällniffes zwischen dem Heiligen Stuhl einerseits und Deutschland und Preußen andererseits werde mit beiderseitigem Einvernehmen zu einem glücklichen Abschluß gelangen können.
s Ter Erzbcrger—Helfferilb-Prozetz. Die Haupt- Verhandlung im Erzverger HelfferickProzeß wird nun. rnedr am 19. Vtenuar 1920 v> r dem Berliner Land- gericht 1 beginnen. ES steht zu erwarten, daß der «to-1
Btrloa der Fuldaer Actienbruckerel In Fulda. — Preis monaL I 46. tln Mk - F-rnlpr. Nr. 9. Telegr.«dreffe: Fuldaer geitung
to„if über seinen Rahmen hinaus zu einem politi- schen Prozeß werden wird. Hclfferich will Den «a»wer. punlt aussen Beweis für feine Behauptungen tegen bafc Erzderaer politische und w,rr,chafttiche Dinge in ff“»“ H"'“'3"1'.* JfJÄX unAuläfiigen Weise mit einander vermengt Hai e, ^em gegenüber will Erzberger auch d'-.P-M'T^'gkett HeifferichS in den Bereich seiner Eroiteiungenvoroem Gericht hine.nziehen. InSdesonvcre wird es sich davet um die Beteiligung HeifferichS an den Ent,chl»^mgen über die Behandiun en der belgischen Fra e, na ment, ich aber über die Maßnahmen zur Bckampiung der b - gischen Industrie hansein. Im Zusan,meni;an^« m,t all diesen Dingen lueiDen dann alleriei t?ol't ,^,e 8ralen von außerordentlicher Bedeutung amgeiollt norden Sie dürften in diesem Äugend icke «m desonüercS Jnlcreffe gewinnen durch die uneihort grausame Beruiteiiung der Geb.über Röchling tn Saarbrücken wegen ihrer, auf Anordnung der Regierung uns der MiUtar» vor. genommenen Fortnahrne von Maschinen u. bergt, au« Fabriken im besetzten Geb,et. ES Hl im gegenwärtigen Au enblid noch niat zu sagen, welchen Umgang Der Prozeß annehmen toirD. Bon seinem Verlauf und von deui Gange Der Erörterungen wirD eS aahangen, welche P,rsönl,chleiten zur Vernehmung gelaDen werDen ES tottb sich dabei um eine ganze Anzahl verantwmtiicher Männer deS a-ten Regime» Hanseln. Damit pätkn rott also einen polnischen Prozeß eifkn RaNj eS _unö bum eine politische .Sensation-, tote sie 'n Den LanDern mit parlamentarischem Regime eine alltägliche Erscheinung ist. Ob und mit welchem Nuken wir Dtei« .Leren.,e- tum" unseieS politischen LebenS vertragen können, wer- den ja Die kommenden Wochen zeigen muffen.
* Sozialdemokratische Wahipropaqanda auS Nelchsmitteln. Ein Berliner Mttarbener schreibt uns: lieber eine Wahlpropaganda der Sozialdemokraten, die auS Mitteln deS Reiches benritten sein wll. erfährt man nun Näheres. Hermann «onnen- seid, der Gelegentlich der Mitteilungen über den Lkandal im Falle Sklarz eine dahngehende Be- Häuptling erhoben hatte, wurde von dem Reichsfinanzminister Erzberger oufgeioibert, sein Be- wetsmateiial dem Reichssinanzministerium tut -Verfügung zu stellen. In seiner Antwort macht Sonnen- seid Mitteilungen über Emzelbeiten, an denen die breite Oeffentlichkeit nicht vorift ergehen kann, danach sei von Sklarz und Helpsanb ein Hclseidiensl der sozialbemokratischen Paitei gegründet worden, ber im Reichstag unteigebracht und mit Geldern sowie Verpfleg.ingSmateriaiien versehen winde, die für bie von ber Reichsregieiung unterhalienen Reichstagstruppen bestimmt waren. Dieser ganze Helfeibienst sei von einem pewiffen Henk, dem Schwiegersohn von Scheibemanu, geleitet worden. Duich Flugschriften unS namentlich durch große \ Umzüge, deren Kosten auf mindenens 50 bis 60 000 Mark beziffert werden, sei »u Gunsten bet Ni ehr- heitsjozialdemolratie Wahlpropaganda bet ieben worden. Sonnenfeld behauptet auch, daß die Berrech- nung'n und Auszahlungen ber Gelder als Ausgaben für die Reichslagstruppen von der Regierung etngefordert und auch bewitli wurden, und daß das alles auf das direkte Treiben von Ebert und Scheid emann hin geschehen fei. — Soweit die tatsächlichen An oben. Man muß ans das Diingenste foibttn, daß diese Angelegenheit gründlich untersitcht wird. Es hat sich zwar schon unter dem Vorsitz des lozialdemokratttchcn Atzg. Sollniann ein Ui^erju- chungsaus chuß gebildet, bet aber nur innerhalb der joziateemok.mischen Partei besteht und nut ans mehrheitsiozialistischen Aiitgliedern zummmengesetzl ist. An bieten Dingin, wie überhaupt an bet Aufklärung über die zur Angelegenheit Stlais eiö’terten Vorgänge, hat aber die Getamtdeit des Volkes ein Interesse. Man muß jetzt auch toünf ben, daß seitens der Regierung alles aufgeboten wird, um ben in Holland internierten Sohn SonneaseteS, der nach Angaben seines Vaters alles Nähere bestätigen könne, aurgeliefert zu erhalten.
«en Jahre ausgehalten. . .
Im Zusammenhang damit fteM die Erziehung jite Ordnung. Zu Anfang des verflossenen Jahres standen tott unter dem erschreckenden Emdrnck bet Wethnachtskämpse in den Berliner Straßen. Wit haben dann noch tn Berlin, in München, in den Son aftäbfen, im Jndufkttebeztrk, besonders auch in dem benachbarten Hanau und in manchen auberen Wo le» schlimme Erschütierungen der Ordnung ssutch- machen müssen- Zeitweilig standen wir mit einem Fuge il'on im Burgei krieg und tm BoljchetoiSmus.^ $ir sind mit einem blauen Auge davoiigelommen, unö zum Jahreswech et dürfen wir uns sagen, dqß die Pul.chgcfoiren eoch ratsä lieb abpenou nien haben und Cer (Se.ante einer UeberrcOoUuion nicht mehr bin Anklang firtbet,, lote voiher.
So hat auch oie Koalitionsrezterung bte» ses Jahr ber Not überdauern können. Sie ist freilich tetn Muster ber Vollkommenheit; doch dte Politik ist die Kunst des Möglichen, und unter den obwaltenden V-rbattuifien war vo läufig nichts bes- feres möglich. Die Koalition bat t>otz aller innereren UND äu eien Schwieiigkeiten soviel Macht und soviel Respekt er iiigeu können. Daß die Rat on übet dieses schlimme Jahr lebendig binweggekomnien ist.
Zu der müdseligen Arbeit der Bolki-erzieaung hat die Rat onaloetsamnftung tn Weimar lüontltchsi beigen ogen. Ihr Be'rsasjiingswetk wat eine rettende Tat, da es die Ein hei' Der Nanon iicbeue und zugleich für den inneren Frieden im Geiste der Mäßigung und ber Toleranz sorgte. , ,
Wir wollen uns nicht verhehlen, welche Schwreng- teiten und Gefahren noch zu überminben sinb, nament» sich angtsichts der k u l 1 u r k ü m p s e' i s ch e n Bestrebungen, bte sich in Preußen und anderen Gliederstaalen immer wieder zeigen. Das zwingt zur Vor- stchl und zur Abwehrarbeii, aber verzagen brauchen wir doch nicht. Sind wir über ben Hund dieses ersten Revolutionsjahres gekommen, so werben wir auch über den Schwan; kommen: denn im allgemeinen ist das Volk nach ben gemachten Ersahrungm boch be- lonnencr geworden-
Besonders ist anztterkennen, daß aus der Hochflut der lozialistljck^en Trieb: der nationale Sinn tebensträftig hervorgcgangen Ist. Er zeig! sich sogar so stark, daß wir in den deutschen Einheitsstaat mit einer Wucht und Schnelligkett hineintreiben, die manchem altoewohnten „Föderalisten" bedenkllch vor- kommt. Zur Leruhlgung kann man nur sagen: Zu- viel Natlonalgefühl ist noch bester, als zu wenig. Gesund ist das deuffche Volk noch nicht; es Ist nur nicht Ban; fu krank mehr, wie zu Beginn des Jahres 1919. Also bleibt noch die Hoffnung, daß wir zur Gesundung kommen. 1
Wenn mir die Crfohrungswelshcft, die uns das 2ahr ber Nol eingeprägt hat, vorhält und sich weiter enkwickclli Eine Protze darauf werden die N e u w a h- len von 1920 geben. Wer es gut meint mit dem -Vakerlande und mil sich selbst, der rüste sich rechtzeilig für den Wahlgang, er ordne sich in die Parteiorganisation ein und Helse mit bei ben Vorbereitungen, fo gut er kann. Es genügt nicht, wenn bas Eisen heiß geworben ist, es muß auch geschmiedet werden.
röte imd Arbestervertret«. Wird bie Erfüllung der Wün- f*e nickrt luadtanben, so ist in einigen Tagen bet Eintritt Ken Da »erstreik beabsichtigt, »er Eisenbahnver- tebr tonnte aufrecht erhalten werden. ,, ..
9 Der Beamtenausfchuß Der Eifen^hndirekiten erlich, da bet Streik politifd) ausartet, eine Kundgedung, m der di« Beamten aufgeforbert werden, all« Arbeiten zu üÄrnen, die zur Aufrechterhaltung de- De- triebei notwendig sind. —,
Streikstimumns in BerNn. '
J“qi ben Kreisen der unabh Sn g ig en Arbeite r schäft in Berlin wird zur 3->t stark auf einen Generalstreik bi »gearbeitet für den Fall, daß die ne - LebenSniitielverterreriwa n'chi rückgängig gemacht wir^
Im Brauereiegwerbe droht ein Konftttt miSzubrechen. Die Arbeiter verlmigen für die Woche »u ihrem Lobt« von 120 Mark eine Teuerungszulage von öS Dterk. Die Arbeitgeber wollen 25 Mark bewilligen wenn der BierpreiS auf 65 Mark für daS Hektoliter erhöht wird Die Gastwirt« verhalten , sich demgegenüber ablehnend und fie drohen, gegcbeniffalls kein Bier mehr abzmiehmen.