Einzelbild herunterladen
 

| 46. Zahrg.

fir. 297. |

Deutschland wird nach wie vor genötigt, das unveränderte Schlußprotokoll zu unterzeich­nen, sodaß ihm gegenüber den Anforderungen der Gegner kern RechtStitrl verbleibt, sondern nur die Berufung auf die allgemeine Zutage, daß man die Leistungsfähigkeit der deutschen Häfen und Werften sich erst noch einmal ansehen und dann selbstherrlich entscheiden werde in demGeiste der Billigkeit", von dem wir schon manche bittere Probe gekostet haben.

Tie Note wird nun erst wieder von der deutschen Legierung beantwortet werden. Ob der Versailler Vertrag dann zn Neujahr endgültig gestempelt und besiegel ist, bleibt noch sehr fraglich. Und wenn eS der Fall sein sollte, wir haben jedenfalls keine Ver­anlassung, uns in einen Sylveft.'rrausch zu stürzen. Das dicke Ende kommt noch hinten nach: die Aus-

naten ihrer Machtfülle noch nicht einmal einen Frie- densvertrag m Kraft zu setzen vermochten.

führung der zahllosen Zwangs« und Raubpara­graphen. Der wahre F r r c d e n s z u st a n^d liegt noch fern, es wird viel Geduld und Schweiß kosten, ihn zu erringen. Das dürfen wir innen Augenblick vergessen. Wir müssen durchhalten uud arbeiten, bis die Bedingungen von Versailles auf das Maß des Möglichen und Erträglichen zurückgeführt sind. \

/ | Somstaa 27« Dezember |

bjcz .jt t i mui ii ii ii TiTrrn»rii *i 1nawl *-

Dorantroorllich für den redaktionellen Teil: Karl Schü11e, für die Anzeigen: 3. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

m,rttia der Fuldaer Acilendruckerei in Fulda. Preis monatl.

1.10 Mk. F-rnjpr. Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zr-'ung.

Deutscher Keich.

Die Beamten für höhere Teuerungszulagen. Der Deutsche Beamtrnbuud verbreitet euren Protest der Beamtenschaft gegen die unzulängliche Erhöhung der Teuerungszulagen. Hingewiesen wird darin auf dre Entwicklung der Angestelltengehälter und der Löhne der Arbeiter in staatlichen Betrieben, die rin immer größeres Mißverhältnis in "den Einkommensver-

hältnisien zuungunsten de- Beamten herbeigesührt habe.

deutsche Beamtenbund hatte deswegen eine io- fortige Erhöhung der laufenden Teuerungszulagen um 150 Prozent beantragt, während von einem Teil er ihm an.eschlossenen Gewerkschaften E Erhöhung um 300 Prozent und darüber gefordert worden war. Der Beschluß der Regierung, zum 1. ^anuar ^-0 eine Er Höhung der Teuerungszulagen um 50 spr oge nt zu gewähren, dem die Nationalversammlung beiget-e» ten ist, hat allgemeinen Unwillen m der Beamten- schast hervorgerufen. Die Bundcsleitnng hat ber der Regierung ausdrücklich Verwahrung gegen die unzu­längliche Erhöhung der Bezüge eingelegt und Suglerch Beschwerde erhoben, daß diese Festsetzung ohne weu^e Verhandlung mit der Organisation erfolgt ist. _

» Eine Anfrage wegen der Ktrchenglockeu. Im baye­rischen Landtag richteten die Zentrumsabg. an die Re­gierung folgende Anfrage: Die Kirchenglocken mujtett: km Le zu 3 Mar? das Kilo ab geliefert tt^rdemf Obwohl nach Beendigung des Krieges ^l°ckenm^ass, zerschlaaene Kirchenglocken und auch unbeschädigte Gco- cken vorl)Mtden waren, erfolgte trotz dem Versprechen der Staatsreiierung eine Rücklieferung nicht. Oie Be­stände an Glockenmetall wurden vielmehr an außer, bayerische Firmen und Händler zum Preise von vier bis fünf Mark das Kilo abgegeben. Das noch vorhan. handene Glockenmetall ist gegenwärtig fast ausnahms­los in den Händen der Juden. Heute, nach Aufhebung der Höchstpreise, werden Glockenmetall und zerschlagene Kirchenglocken den Glockengießern zum P/mse von 24 bis 28 Mark angeboten. ES werden somit an einem einzigen (Mockengeläut, ja an einer einzigen großen

Gewinne bi, zu 100 000 Mk. erzielt Die Kiv chengemeindcn müssen das Zehn- und ZwÄffache für die Wiederbeschaffung der Glocken aufwenden. Was gedenkt die Staatsregierung zu tun, um solchen schänd- lichen Wucher zu unterbinden.

** Auch Gotha erhält endlich eine Verfassung. Der Gothaer Landtag nahm die neue Verfassung an, die nach einjähriger Dauer endlich das Räte« svstem beseitigt. Ter Berichterstatter der Unabhängi­gen, die über die Mehrheit verfügen, erklärte, daß Negierung und Landtagsmehrheit nur dem D tu » d er R*ichsregierung gewichen seien.

Ausland.

** Düs englische Fremdengesetz. DaS Unterhaus hat das Fremdengesetz nunmehr in der vom Ober­haus abgeänderten Form, die wesentliche 'Hl 11d t< rung darstellt, und die vor allem bestimmt, daß nur solche Fremden ausgewiesen werden dürfen, denen eiste Gefährdung der Interessen des Landes nachgewiesen werden kann, angenommen.

*'* Forderungen der Deutschen in Böhmen. Die- Führer der Deutschen in Böhmen wurden vom Wim- sterpräsidenten Tusar empfangen und überreichten ihm eine Denkschrift der deutschen Parteien. In dieser- wird die Unhaltbarkeit der jetzigen Verhältnisse er­klärt und darauf hirMwiesen, daß das deutsche Volk in Böhmen den gegenwärtigen Zustand als eine fort­gesetzte Beleidigung und Herausforderung betrachte und nicht gewillt sei, dies länger zu ertragen. Es wird die unverzügliche Auflösung der jetzigen längst über­holten Nationalversammlung gefordert, sowie die Aus­schreibung von Wahlen für eine Nationalitätenver- sammlung, die von allen Nationalitäten dieses Staates gleichmäßig beschickt werden, und der die Beschluß- faflung über die Verfassung und die Ueberprüfung aller bisher getroffenen Maßnahmen Vorbehalten blei­ben müsse. Für die Erfüllung dieser Forderung dürfe es keine Ausrede geben.Alles, was von der jetzigen, Versammlung in Prag beschlossen wurde", sagt die Denkschrift,wird von uns niemals als ein Rechtszu-i stand anerkannt werken".

* In Ungarn wird in der nächsten Zeit neueS Geld ausgegeben, dessen EinheitMaria" heißen wird, wie bieS zur Zeit Maria Theresias der Fall war.

* Die drohende Lage in Aegypten. Nach einet englischen Meldung aus Kairo verschlechtert sich die Lage in Aegypten zusehends. Es sind Gerüchte ver­breitet, daß die englischen Behörden für die Sicherheit der alliierten Mission fürchren.

Amerika Utto der Friede.

Eine Meldung aus Amerika besagt, daß am 1. Icmuar in den Vereinigten Staaten der Kriegszu- stand offiziell aufgehoben werden solle, womit alle durch den Krieg bedingten Emschränkungen beseitigt würden.

Das würde anscheinend voraussetzen, daß die jüngste Resolution des Senates vollzogen und als Staats­gesetz veröffentlicht würde. Was im Gebiet der Ber­einigten Staaten rechtens ist, wird aber noch keines­wegs zum Bölkerreckst. Darum kommt es uns etwas voreilig vor, wenn einige Blätter in der Beendigung des Kriegszustandes in Amerika das Ende des deutsch- amerikanischen Kriegszustandes erkennen wollen. Den Friedensvcrtrag non Versailles haben wir unterzeich­net, und er wird an die Stelle des Kriegs.mstcmdes treten, sobald und soweit er durch Ratifikation und protokollarischen Austausch der Urkunden Rechtskraft erlangt hat. Dann gelangen wir zweifellos mit Eng­land, Frankreich und Italien in ein Friedensverhält­nis, da diese Lander den Vertrag angenommen haben. Die Bereinigten Staaten jedoch haben ihn noch nicht vollzogen, weil die Senatsmehrhell gewisse Verpflich­tungen nicht, übernehmen wollte. Demzufolge stehen auch die Rechte aus dem Versailler Vertrag den Vereinigten Staaten bisher nicht zu. Ob nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages das Abkom- kommen über den Waffenstillstand noch soweit fortbe- steht, als es Amerika berührt mögen die Rechtsgrlehr- ten erforschen.

Auf keinen Fall kann der Kriegszustand durch eine einseitige Erklärung Amerikas rechüich beendet werden. Ein solcher Versuch würde an den Vorgang von Brcst-Litowsk vor zwei Jahren erinnern. Damals erklärte bekanntlich Trotzki, als ihm die deut­schen Friedensbedingungen nicht paßten, kurzweg, Rußland betrachte den Krieg mit Deutschland als be­endet. Er nahm dann seine Akten zusammen und ver­sieh das Lokal. Das half ihm aber nicht. Wir nah­men nach Ablauf de-- Waffenstillstandes die Kriegs- Handlungen wieder auf und zwangen die Rusten, mit uns einen regelrechten Frieden zu fchsießen. Der hat freisich nur vorgchallen, bis die Entente uns besiegt Halle, und durch die deutsch-russischen Paragraphen ihren dicken Machtstrich machte. Seitdem ist die Rechtslage zwischen Dnttschland und Sowjet-Rußland wieder unklar.

Wenn nun Amerika die einseitige Friedenserklä­rung nach dem Muster von Trotzki versuchen sollte, so würden wir freilich bte Kriegshandlungen nicht wie­der aufnehmcn, well wir weder die Macht dazu haben noch auch die Lust, den Vereinigten Staaten etwas zu leide zu tun. Aber gerade, well wir mit Amerika recht bald in wirklichem, gesicherten Frieden leben und den Verkehr mit chm wieder aufnehmen möchten, müsten wir wünschen unb erstreben, daß entweder die Ver­einigten Staaten den Versailler Vertrag ratifizieren oder unter Austritt aus der Entente mit Deutschland ein besonderes Abkommen fließt. Am liebsten würde es uns natürlich fein, wenn die Vereinigten Staaten bei der Versailler Stange blieben. Und zwar aus der einfachen Erwägung, daß das Ausscheiden Amerikas aus der Entente die Härte des Versailler Vertrages doch nicht lindem würde, während die weitere Mitar­beit Amerikas an der Ausführung dieses Vertra­ges doch etwas mchr Gerechtigkeit und Versöhnlich­keit erhoffen läßt, als die englischen und französischen Machthaber bisher erkennen keßen.

Immerhin ist es kein rühmliches Zeichen für die neuenHerren von der Well", daß sie in den 14 Mo-

Die neue Eutenleuole.

. neue Ententenote, die inhaltlich schon be- ' - nt mar, liegt jetzt im Wortlaur vor. Sie ist ; ® r nicht wie die französische Presse behauptet in | >nziliantem Ton' gehalten, sondern nur höflich über kühl; sie verlangt die Unterzeichnung des Zu- k ^Protokolls, o*ne jedoch eine Frist anzugeben.

| die Note nimmt KenntrnS von den deutschen Er- -ungen wegen der noch mcht erfelften Ratifizierung « Friedens durch Amerika und giebt daraus die k -Torung, daß aus der botläufnen Nrchtöeteiti. ng der Vereinigten Staaten von keinem der ver.

: Aaalchlichendrn Teile das Recht hergeleitet werden I jünnic, Bestimmungen des Vertrages in Frage zu

bic niilitärischen Sicherungsmittel nach «^edcnsschluß betrifft, stellt die Rote fefl, daß nie Sn- »ntcmächte hofften, von ihrer Anwendung ab;eben zu yjttnen, stellen aber fest, die deutsche Regierung fer dnireickend davon unterrichtet, daß, wenn nad) der E eniMÜltige« Wiederherstellung des Frieeensgnstandes I hje Anwendung von Eicherungsmitteln, tote sie der > I mit sich bringt, ihr Ende gefunden habe, anderrr- ': fjjfg bie im Vertrag vorgesehenen besonderen Maßnah. ; meib jotole die vom Völ.erbund anerkannten verschie- V denen VersahrenSarten genaue Anwendung finden l würden.

In Bezug auf bie Seapa-Flow. Forderung l jitrb erklärt: Die alliierten Mächte sind nach Prüfung - der Angelegenheit de: Ansicht, daß sie auf der Un» jcrzeichnung des Protokolls, so wie eS ist, beste. »en müssen. DaS Verfahren zum Zwecke der Wahrung i bet wirtschaftlichen Lebensinteressen Deutschlands ist in bet Note der alliierten Mächte vom 8. 12. 1919 bärge. legt worden, worin deutlich gesagt ist, daß die alliier- i fen Mächte bereit find, ihre auf Herausgabe von - 400000 Tonnen Schwimmdocks, Schwimmlranen,

und Baggern lautende Forderung zu ermäßigen, i | Ms stichhaltige Gründe eine solche Ermähiguna recht- i fertigen. Andererserts haben die alliierten und asso- ziierten Mächte Kenntnis davon erhalten, daß kürzlrch Schwimmdocks, Schwimmkräne und Bagger bei« lauft worden sind. Sie weisen darauf hin, baß bei «eiücksichtigung der wirtschaftlichen Lage, wie fie von der deutschen Delegation dargestellt wird, kein derar- \ tiger Verkauf von den alliierten .Mächten anerkannt werden wird, der vorgenommen worden ist in der Zeit zwischen dem 3. 11. 1919, dem Tag der ersten Mittei- lung des Wortlauts des Protokolls an die deutsche Re. gierung, und dem Tage, an dem Deutschland die Ent- ichädigung für den Zwischenfall von Scapa Flow ge- leistet haben wird.

Der Vorschlag der deutschen Delegierten, von der Auslieferung der in dem Protokoll erwähnten fünf kleinen Kreuzer abzusehen und dafür fünf der zu Zeit auf den deutschen Werften im Bau befindtichen kleinen Kreuzer nftch Maßgabe ihrer Fertigstellung zu liefern, wird tn der Note abgelehnt mit bet Erklärung: S:c Artikel des Protokolls müssen angenommen werden, so wre sie sind. Jede Aenderung würde mit den Bestimmungen des FriedenSvertrageS in Wider­spruch stehet!.

Zum Schluß heißt es: Die alliierten Mächte sind bereit, alsbald nach der Unterzeichnung des Protokolls die aus Anlaß des Zwischenfalls von Scapa Flow t n- teruierten deutschen Offiziere und Mann­schaften frei zu 1 assen, mit Ausnahme derjenigen, die etwa eines ÄriegsverbrechenS beschuldigt werden.

Ein Weihnachtsgrutz

an die Kriegsgefangenen.

Am Heiligen Abend erließ die Reichsregierung folgenden Aufruf an die deutschen Kriegsgefangenen:

An dem Tage, an dem die Heimat ihre in Kriegs­gefangenschaft zurückgehccktenen Söhne <nn bittersten ent- h»hrt, sendet die Reichsregierung die Grüße des Sa­fer lan b cs. Das Weihnachtsfest eint jede deutsche Fa­milie in vertrautestem Kreise. Es ist deshalb ein ~ag dez Gedenkens an alle diejenigen, welche schmerzlich vev- mißt werden, Deren Rückkunft ungeduldig und fehnfüchtig ermartet wird.

Dieses Jahr war mehr noch als alle vorausgegangenen für di-' Gefangenen wie für das ihr« Rückkehr ersehnende Vaterland reich an immer wieder enttäuschenden Hoff­nungen. Dielfache, dauernd wiederholte Bemühungen der Reichsregierung, die Zurückfühnmg der Kriegsgefangenen vor Ratifikation des Friedens durchzufttzsn, haben leider nur Teilerfolg« gezeitigt. Indessen ist der Beginn der endgültigen Vollziehung des Friedensvertrages f o nahe gerückt, daß auch den jetzt noch Zurückgehaltenen der Tag der Befreiung bald anbvechen wird.

Die Reichsregierung versichert auch in dieser Stunde, daß sie ihre rasttoseu Bemühmigen, alle in Europa und Ucberfee noch festgehaltenen deutschen Kriegs- und Zivil- gefangenen mit möglichster Beschleunigung in die Heimat zurückzuführen, mcht eher abbvechen wird, bis der letzte Mann wieder in der Heimat ist. Sie bittet die ®c fange- nen, hierauf zu vertrauen, und nach allen tapfer über- standenen langen Leiden and Eiübehrungen auch noch die kurze Zeitspanne, die sie jetzt vom Tage der Heimkehr trennt, in Geduld zu «tragen.

Aus dem besetzten Gebiet.

* DestechnngSprozetz in Mainz. Vor dem Kriegs­gericht in Mainz wurde gegen 6 französische Offiziere, sowie 12 französische und deutsche Zivtlisten verhandelt weaen Bestechlichkeit und Bestechung teils bei der Be. fchaffimg von Pässen, teils bei der Aufhebung von Be- schlagnoihmnngen tntb Mnfuhrverbvten auf Handels- artikel. Das Urteil lautet gegen die Offiziere auf Ge. fängnisstrafe von 5 Monaten bis 2 Jahren. Von den angeklagten Zivilfften wurden zwei ztt je fünf Jahren Gesänanis verurteilt. Die übrigen Zivilisten erhielten Gefägnisstrafen von sechs Mctiaten bis zwei Jahren. Siu Berbern wurde auf Geldbußen von 16 bis 6000 Francs erkannt.

* Eigene Goldwährung im Saargebiet. Die Einführung der eigenen Geldwährung im Saarge­biet steht bevor. Die Kaufmannschaft im Saarqe- biet und die französischen Behörden wünschen die Einführung der Frankswährung, während die Arbeiterschaft auf Beibehaltung der Markwähruug besteht. _____________________ _ ____________________

* Wegen Verschleppung großer Warenmengen aus Rordschleswiy ist der ganze Privatauslandsverkehr über die dänische Grenze bis auf weiteres verboten worden.

Budapester Kinderrlend. Schweizer Blätter be­richten: Die Not und das Elend der Kinder in Budapest ist unbeschreiblich. Vor allem mangelt es au Schuhen und Kleidern. Ministerpräsident Husar erklärte, daß Zehn taufende von Kindern ohne Schuhe seien.___

Der Sänfedoktor.

Roman von A. Gaus-Bachmann.

sNachdruck verboten.)

1.

Sm SBod/tn wurde bei Kienholzens von nichts anbe- Sm geredet als von dem bevorstehenden Besuche der $®nte Emma und ihres Sohnes. Diese Tante Emma war eine Verwandte der Frau Klenhotz und war fein«- Jett ihrer Liebesheirat wegen von ihrem Vater verstoßen worden; fle hatte seitdem nichts von sich Höven lassen und v»r heshcckb von den entfernteren Verwandten, d« ja M wieder mit ihren eigenen Angelegenheiten zu tun hatten und hierin und dorchin verschlagen wurden, fast "«Seffen worden.

Und nun war vor tätigen Wochen ein tu herzlichem Tone .gehaltener Brief bei Kienholzens eingetroffen, b« non der Sehnsucht sprach, qlt« Erinnerungen ouszutau- fchen und die schöne Jugendzeit zurückz'rrufen, und die ^stte enthielt, einige Zeit bei den Heben Verwandten zu- brötaen zu dürfen.

Frau Kienholz, die einst di- ältere Cousine mit d« Sanzen schwärmerischen Leidenschaft eines Backfischherzens geliebt und deren Liebesheirat nebst oL-rlicher Ser- ltoßung beneibensroöt romantisch gefunben hatte, war «ber den Brief herzlich «freut und schmeichelte ihrem der einiges Mißtrauen gegen itie plötzlich n- Zärtlichkeit der verschollenen Vevwmüiten hegte, ° tovZe, bis er ihr die Erlaubnis gab, Emma einzu- ^ben. Seither bildete dieser Besuch das Tagesgespräch. Luch heute war es wieder so.

»Neugierig bin ich bloß, roas mir die Tante aus ®jen mitbtingt, meinte priitz, das jüngste Kind des ^usts. Pava Kienholz legte die Zeitung weg, in ber ** eben gelesen.

(Fm Steckenpferd ober ein Sreifet, mehr wird's nicht ®eti*n- mein Junge", entgegnete er verächtlich.

-^h möchte doch wissen, warum Du Dir durchaus ^Edest. meine Cousine Emma müsse so ein armes bchluckerchen (ei**, versetzte Fiou Betti gereizt.

»23fnn Verwandte jehrzehntelang nichts von sich- taffen und auf einmal so heiße Sehnsucht nach einem ^»dersthen bekommen, so ist das nicht sehr verirauen- tecdenö"l entgegnete Dopa Kienholz achfelzuckeuü.

Wenn's einem gut geht, »«gißt man dis Verwandten und erinnert sich ihr« «st, wenn man sie brrucht."

Das tarnt men von Emma nicht sagen", verteidigte Frau Actti ihr« Bef«.Ihr ist cs wirklich sehr schlecht gegangen damals, als sie den Luchhalter ihres Baiers heiratete und mit ihm nach Men zog. Sie hatte bloß die paar Groschen noch ihr« Mutter: der Batet gab ihr nicht einen Pfennig, weil er gegen ote Heirat war. und f- ist zu keinem ber Verwandten mS emtr»j ode: Klage gekommen."

Kienholz zuckte rohber die AchselnDamals bei eben ihr Mann gelebt und fie waren beide jung und hosftmngs- froh; jetzt ist der Wann tot, das Geschäft verkauft, wie sie selbst schrieb, jetzt läuft ihr das Waff« in den Mund und da kommt sie zu uns.

Gar so arg Samt es nicht fein, sonst hätte ihr Sohn nicht studiert und sie hätte auch nicht ^schrieben, daß uns durch ihren Besuch feine Auslagen erroachfen sollen, daß sie alles begleichen roerbe; überdies hat sie sich nach dem Alter imferer Kinder erkundigt, damit sie jeban ein passendes Geschenk mtibringen könne."

.Das alles erweckt eh« meinen D«dacht als mein D«trauen, brummte Kienholz.Was das Studium des Sohnes betrifft, sv kann man es ihm nicht an d« Nase anfeffen; « kamt ja auch Kelln« m Wien fein, wer kamt dies hier wissen?"

Erlaube mal, Papa, wozu bin ich dem, da?" fiel Waldemar, ber Student, ein.Ich werde dar doch wchl kennen."

Na ja," machte der Papa achfelzuckend.Uebrigens heißt es jetzt abwarien; ich habe leichtsinmoerweife meine ®xtroinitmg gegeben mst> sie können jeden Tag emtreffen. Weiß Gott, wie und nxnrn wir sie wird« fortkrieg-n!"

Papa, Du wirst's doch bte arme Tante und den Beiter nicht gleich merken taffen, daß sie Dir nicht will­kommen sind?" fragte M«iechen, der gefirhlvolle Back­fisch, eifrig.

Stein, nein. Du Gcfühlseselchen, nicht gleich", ent­gegnete der Papa b-ruhig end;eist wenn sie mir zu lang da find."

Die ernte Tonte, ich möchte nicht in ihrer Haut stecken", seufzte Mariechen tntfteätig.

,5«, warum hat die ihrem Bet« nicht gehorcht; Gatt straft all« ungrfjotfemen Kinder", bemerkte Papa Kien­holz im PrÄtigertone.

D« Kleine bog den Blondkopf zur Seite und blinzelte den Papa ueckych an.Daß aber die Löter auch immer

roas anderes wollen als d« Kinder!" sagte sie schelmisch lächelnd.Und ha? mit b« Strafe ist auch nicht immer wahr. Du hast uns selbst von Dein« Cousine erzählt, weißt Du, Papa, von ber Tochter bcs reichen Kaufman­nes, btc zur Bühne ging und deshalb von ihrem Vater vttstoßen wurde. Na, und die fft bann nach Amerika gegangen und hat dort einen Millionär gchciratst; d« Vater ad« hat Bankerott gemacht und fft armselig ge­storben, weil die Tochter sich nicht mehr um ihn ge­kümmert hat, da war doch der Batet ber Gestrafte."

Verblüfft schaute Kienholz sein Töchterlein, bas freche Kücken, an, das ihn so flink mit der Geschichte schlug, die er schon oft erzählt hatte.

Ei, sieh md den Naseweis!" brummte er entrüstet. Bei Amalie war eben ine Sache anders. Sie fühlte den Beruf zur Künstlerm in sich und bei der Berufswahl soll man Kindern nichts batet Hieben; bas fft eine zu heikle Sache."

Jetzt mischte sich KlÄu-Fvitz, den man gänzlich unbe­achtet gelassen, in das Gespräch; bas, roas Papa von der Bttussroahl gesagt hatte, rocr doch ungeheuer wichtig für ihn. Bish«, wenn er unartig gewesen war, hatte es immer geheißen:Warte, Kerl, wenn Du nur erst aufs Gymnasium kommst, bamt werden Dir die Streiche v«gehen!" Aber wenn ber Papa selber sagte, das mit der B«ufswcchl fei ein heikle Sache, so war bas ja für ihn, Fritz, äußerst günstig.

Also barf ich Zuckerbäck« roerben, wenn ich will, nicht wahr, Papa?" fragte « hast-g.

Ja, mein Jungchen", entgegnete tm Ang»; redete ruhig,nur mußt Du juerft aufs Gymnasium, dann, wenn Du willst, kannst Du Zuckerbäcker werden."

Fritzens Gesicht würbe bebenklich lange.

Mir kommt es vor» Papa", nahm jetzt Mariechen Mieder das Wort,als ob das Heiraten noch viel wich, tiger wäre als die Berufswahl."

Sie bekam feine Antwort, denn Fritz war plötzlich auf gesprungen.

Der Postbote!" rief er und lief dem Angekündigten bis zu dem Sitter b-r Vorgartens entgegen.

Der wird uns wahrscheinlich bie beglückende Nach- I richt von ber baldigen Ankunft Emmas und ihres Sohnes I bringen", brummte Kteicholz. Indessen war Fritz mit I dem Briefe gefommen, ben « in bte Hand des Vaters legte; biefer besah ihn lange von außen, musterte bte Schrift und ben Poststempel und murmelte endlich: .Von 1 wem mag der fein?" 1

So sieh doch inwendig hinein, dann weiht Du's und brauchst nicht zu raten", meinte seine Frau, bie ihm un- ged-uldig zug-seheu hatte.Was bie Männer doch lang­weilig sind!"

Kienholz fand, baß feine Gattin recht habe und öffnete ben Brief.Teuer« F«binand!" Ueberascht sah « nach der Unterschrift.Amalie Sttopping", stand da, er schüt­telte ben Kopf, drehte das Blatt roieber um unb las halblaut weiter.Du wirft gewiß sehr überrascht sein . .* Das weitere erstarb ftu Murmeln, nur hie unb da ward ein Ausruf laut.Cousine Amalie, gegen die Du . . .* Amalie? Herrgott, das wird doch nicht . , . Wahr^ hastig von ihr, von bet Millionärin . .

Alle fprangen erregt auf, aber er las für sich weiter. Mit meiner Tochter . . . einige Wochen bei Euch . . .. grüßt und küßt ..." Er warf ben Brief aus ben Tisch.

Kinder, pe kommt zu uns, bte Millionärin, bas ist mchr als ein fjaupttteffer für uns!" rief er jubelnd. Waldemar, Du wirst die Tochter heiraten, dann bist Du Millionär, Fritz kriegt das Gut, nachdem Du es von Schalem befreit hast, und Mariechen gibst Du eine Mit­gift, naß sie einen Grafen heiraten kann."

Wenn ich ab« mm keinen mag?" fragte bas Mäd­chen scherzend.

Du muht mögen, wirst gar nicht gefragt."

Und ich brauch' nicht aufs Gymnasium, roas, Papa?" erkundigte sich Fritz lebhaft.

Nein, Jungchen, nur artig muht Du sein, wenn die Tante da ist. Ach Kind«, ich möchte durch den Schoru» stein fahren vor Freude!"

Frau Betti hatte unterdessen ben Brief zur Hand genommen unb las ihn. Plötzlich verfinsterte sich ihr Gesicht.

F«ick!and, was seh' ich?" rief fie ans.Da stehl: Erinnerst Du Dich noch Seiner Cousine Amalie, gegen bte Du imm« so galant warst?" Ein ftrafenber Blick traf ben Gatten.Also Du warst galant gegen sie? Und jetzt diese himmelWrmenbe Freude Ferdinand, ich ahne Schreckliches."

Ahne nichts, liebe Betti", entgegnete Kienholz lä­chelnd.Ich mar mein Bebtag nicht galant gegen fie, habe fie kaum drei- ob« viermal gesehen; sie irrt sich wohl mit einem erberer. Detter, aber tut nichts, um so besser für mich, für uns."

Du Papa, wie alt tarnt denn diese Tochter jetzt fein, die ich heiraten soll?" fragte Waldemar.Vielleicht vterzta 9a6r Md HMH rote ein Lrarrg-Utavg." (F. f.)