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Die Verhandlungen in Paris.
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Sei den BerhanLungen in Paris über die Ent« »ädigung für die in Scapa Flow versenkten Schiffe Küchen die ftanzösischen Vertreter auf der Ausliefe- rnnq von fünf leichten Kreuzern, sind aber in der Sc der Schwimmdocks zu einem (Entgegenkommen ^reiL Daher besteht große Hoffnung, daß die Verbandlungen sehr bald zu einem abschließenden Ergebnis kommen. Schiffskommissionen der Alliierten ^Berlin sollen nach Danzig und Hamburg gehen, „m das Hafenmaterial festzustellen.
cg Berlin, 22. Dez. (Tel.) Nach Meldungen aus Paris wird für heute beziehungsweise Dienstag mit nner AntwortderAlliierten an den deutschen Gesandten gerechnet. Ob sie bereits die endgiltige Entschließung ter Alliierten bringen wird, erscheint ,gch den Auslassungen Pariser Blätter zweifelhaft.
Der ehemalige Pressevertreter der Marine-Sektion des Kriegsministeriums, Oberstleutnant Seliger, erzählt in einem demnächst erscheinenden Buch: Hohendorfs, der Retter Berlins, und andere Enthüllungen", Graf Zeppelin habe im Herbst des Jahres 1915 durch einen Massenangriff sämtlicher Zeppelin- Luftschiffe auf London England zum Frieden zwingen wollen. Zeppelin habe in emer Audienz beim Kaiser Wilhelm ihm seinen Plan entwickelt, mit sämtlichen Zeppelin-Geschwadern den Angriff auf London so oft zu wiederholen, bis England um Frieden bitten müsse. Da damals die Abwehrtechnik noch nicht so weit fortgeschritten war, wäre dieser Plan nach Ansicht des Grasen Zeppelin unbedingt gelungen. Der Kaiser, der den Grasen in seinen Ausführungen mehrmals unterbrach, sagte schließlich wörtlich: ,',Graf Zeppelin, Sie werden die Zerstö- lungsangriffe auf London nicht durch führ en Es ist binr eichend, wenn, wie bisher, die militärischen Objekte der Stadt beworfen werden.
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Weihnachtsgaden für die
Kriegsgefangenen.
Die Kriegsgefangenenabteilung der deutschen Frie- densdelegatüm hat mit Hilfe des dänischen Roten Kreuzes erhebliche Mengen von Winterkleidung, Wäsche und Schuhzeug, Tabakwaren und Lebensmitteln an die noch in
Drei deutsche Note».
Die deutsche Mission hat der Friedenskonferenz drei Noten überreicht. Die erste Note behandelt die Bestimmungen für Truppentransporte nach Inkrafttreten des Friedensvertrages. Die zweite Note behandelt die Frage, die zu Beginn der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen den Schiffahrtssachverständigen aufgeworfen wurde und die genaue Angaben hinsichtlich der deutschen leichten Kren- zer fordert. Die dritte Note besagt, daß die Nationalversammlung das von den Deutschen unterschriebene Protokoll über die Unterdrückung des Artikels 61 der Reichsverfaffung über die Vereinigung Deutsch-Oesterreichs mit Deutschland ihrerseits genehmigt hat.
Leine Auslieferung Wilhelms n.
Die Brüsseler Zeitung „Soir" vernimmt aus gu- fer Quelle, daß Holland durch seinen Delegierten den Vertretern der Alliierten mitteilen lleß, daß es die A u s l i e f e r u n g des ehemaligen deutschen Kaisers zur Aburteilung verweigern werde. Die holländische Regierung werde sich aus das Asylrecht stützen und auch andere Gründe geltend machen.
Eine Zeppelin-Erinnernng.
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Novelle von Theodor Storm.
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Mittlerweile hatten sie den Postwagen erreicht; es war noch eben Zeit genug. Noch einmal nahm Reinhard ihre stand. „Seb wohl!" sagte er, ,steb wohl, Elisabeth. Ver- S>b es nicht."
Sie schüttelte mit dem Kopf. „Leb wohl!" sagte ste. Reinhard stieg hinein und die Pferde zogen an.
Als der Wagen um die Straßenecke rollte, sah er noch einmal ihre liebe Gestalt, wie sie langsam den Weg zurück- Sing.
Ein Brief.
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_ Wiederum waren > Jahre vorüber. — Auf einem mörts führenden schattigen Waldwege wanderte an einem warmen Frühlingsnachmittage ein junger Mann mit kräf- tigem, gebräunten Antlitze. Wü seinen ernsten grauen Augen pH er gespannt in die Ferne, als erwarte er endlich eine
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„Gott grüß Dich, Erich, und Dank für Dein Willkommen!" ries chm der andere entgegen.
Dann waren sie zueinander gekommen und reichten sich die Hände. „Bist Du es denn aber auch?" sagte Erich, als er so nahe in das ernste Gesicht des alten Schulkameraden sah.
„Freilich bin ich's, Erich, und Du bist es auch; nur siehst Du fast noch heiterer aus, als Du schon sonst immer getan hast."
Ein frohes Lächeln machte Erichs einfache Züge bei diesen Worten noch um vieles heiterer. „Ja, Bruder Reinhard", sagte er, diesem noch einmal seine Hand reichend, „ich habe aber auch seitdem das große Los gezogen, Du weiht es ja." Darm rieb er sich die Hände und rief vergnügt: „Das wird eine Ueberraschung! Den erwartet sie nicht, in alle Ewigkeit nicht!"
„Eine lleberraschung?"" fragte Reinhard. „Für wen denn?"
„Für Elisabeth."
„Elisabeth! Du hast ihr nichts von meinem Besuch ce= sogt?"
„Kein Wort, Bruder Reinhard; sie denkt nicht an Dich, die Mutter auch nicht. Ich hab' Dich ganz im (Äheim verschrieben, damit die Freude desto größer sei. Du weiht, ich hatte immer so meine stillen Plänchen."
Reinhard wurde nachdenklich; der Atem schien ihm schwer zu werden, je näher sie dem Hofe kamen. An der sinken Seite des Weges hörten mm auch die Weingärten auf und machten einem weitläufigen Küchengarten Platz, der sich bis fast an das Ufer des Sees hinabzog. Der Storch hatte sich mittlerweile niedergelassen und spazierte gravitätisch zwischen den Gemüsebeeten umher. „Holla!" rief Erich, in die Hände klatschend, „stiehlt mir der hochbeinige Aegypter schon wieder meine kurzen Erbsenstangen!" Der Bogel erhob sich langsam und flog auf das Doch eines neuen Gebäudes, das am Ende des Küchengartens lag und dessen Mauern mit auf gebuntren en Pfirsich- und Aprikosenbäumen überzweigt waren. „Das ist die Spritfabrik," sagte Erich, „ich habe sie erst vor zwei Jahren angelegt. Die Wirtschastsgäiäude hat mein Dater selig neu aufsetzen lassen; das Wohnhaus ist schon von meinem Großvater gebaut worden. So kommt man immer ein bißchen weiter."
Sie waren bet diesen Worten auf einen geräumigen Platz gekommen, der an den Seiten durch die ländlichen
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Wirtschatfsgebäude, im Hintergründe du^h das Herrenhaus begrenzt wurde, an dessen beide Flügel sich eine hohe Gartenmauer anschloß; hinter dieser sah mim die Züge bunt« ler Taxuswände, und hin und wieder ließen Syringen- bämne ihre blühenden Zweige in den Hofraum hinunter
hängen. Männer mit sonnen- und arbeitsheißen Gesichtern gingen über den Platz und grüßten die Freunde, während Erich dem einen und dem andern einen Auftrag oder eine Frage über ihr Tagewerk entgegenries. — Dann hatten sie das Haus erreicht. Ein hoher, kühler Hausflur nahm sie auf, an treffen Ende sie links in einen etwas dunklren Seitengang einbogen. Hier öffnete Erich eine Tür, und sie traten in einen geräumigen Gartensaal, der durch das Laubgedränge, welches die gegenüberliegenden Fenster bedeckte, zu beiden Seiten mit grüner Dämmerung erfüllt war; zwischen dieser aber ließen zwei hohe, weit geöffnete Flügeltüren den vollen Glanz der Frühlings» sonne hereinsallen und gewährten die Aussicht in den Garten mit gezirkelten Blumenbeeten und hohen steilen Laub- wänden, geteilt durch einen graben breiten Gang, durch welchen man auf den See und weiter auf die gegenüber« liegenden Wälder hinaussah . Als die Freunde hineintraten, trug die Zugluft ihnen einen Strom von Dust entgegen.
Auf einer Terrasse vor der Gartentür stand eine weiße, mädchenhafte Frauengestalt. Sie stand auf und ging den Gintreienben entgegen; aber auf halbem Wege blieb sie wie angewurzelt stehen und starrte den Fremden unbeweglich an. Er streckte ihr lächelnd die Hand entgegen. „Reinhard!" rief sie, „Reinhard! Mein Gott, Du bist es! — Wir haben uns lange nicht gesehen."
„Lange nicht," sagte er und konnte nichts weiter sagen; denn als er ihre Stimme hörte, fühlte et? einen feinen körperlichen Schmerz am Herzen, und wie er zu ihr aufblickte, stand sie vor ihm, dieselbe leichte zärtliche Gestalt, der er vor Jahren in seiner Vaterstadt Lebewohl gesagt hatte.
Erich war mit freudestrahlendem Antlitz an der Tür zurückgeblieben. „Nun, Elisabeth," sagte er, „gelt! den hättest Du nicht erwartet, den in alle Ewigkeit nicht!"
Elisabeth sah ihn mit schwesterlichen Augen an. „Du bist jo gut, Erich!" sagte sie.
^Fortsetzung folgt.)
rot-goldenen Fahne der Repulssik genau wie unter dem alten Regime.
Streikbewegung in Oberschlesien.
Die Belegschaft des Oberwerks in Bismarckhütte ist in den Ausstand getreten; Das Werk wurde von der Reichswehr besetzt. Der Grund ist die Verhaftung der Rädelsführer bei Ausschreitungen gegen Generaldirektor Thiele wegen Nichtbewilligung eines Weihnachtsgeschenks. '
Die Bewegung unter den oberschlesischen Industriearbeitern, ein Weihnachtsgeld zu erzwingen, schreitet fort und drängt zu wilden. Streiks. Sie geht namentlich von den Unabhängigen aus und wird von den Gewerkschaften als Tarisbruch abgelehnt. Man hat versucht, auch die Verrichtung der Notstandsarbeiten auf der Bismarckhütte zu verhindern. Bon den sieben in Betrieb befindlichen Mar- tinSöfen sind schon vier eingefroren, so daß mit dem Verlust dieser Oefen gerechnet werden muß. Die drei anderen Oefen werden notdürftig von den Meistern geheizt. Man hofft wenigstens sie erhal- ten zu können. Die Streikenden versuchen, auch bte anderen Gruben in den Ausstand mit hineinzuziehen. Es besteht die Gefahr einer weiteren Ausdehnung.
Der durch die Arbeitsniederlegung auf der Bismarckhütte entstandene Schaden beläuft sich heute schon auf Millionen. Da die Bismarckhütte mit Auslandsaufträge überhäuft ist, so ist der Export und Austauschverkehr stark in Mitleidenschaft gezogen. ।
Eine neue Ausweisung. Fetzt ist auch der Bürger, meister Blank von Ottweiler von den Fran, zosen ausgewiesen worden, und zwar mit der Begründung daß er sich amdcmernd Feindseligkeiten gegen die BeswtzunMbchörden habe zuschulden kommen lassen. Diese Feindseligkeiten bestehen darin, derß er die Be. vMerung im August an eine im Dezember 1918 erlassene Bekamnttnachukng erinnert hat, sich beim Ein. zug der Besatzungstruppen von den Straßen fernzuhalten und würdig zu benehmen.
Bahnkrawalle in Men. In Oesterreich ist plötzlich vor den Weihnachtstagen wegen Kohlenmangels eine neue Verkehrsfperre verhängt worden. Sie hat zu den tollsten Tumultszenen auf den Wiener Bahnhöfen und auf den Zwischenstationen geführt. Bahnhöfe und Warteräume boten das Bild eines Kriegslagers. Auf der Franz-Iofeph-Bahn und der Nord-West-Bahn mußten die Leute 24 Stunden auf die Abreise warten. Den größten Verkehr hatte die Westbahn zu bewältigen. Auf der Westbahn erstürmten die Fahrgäste bewaffnet den Bahnsteig. Auf allen Bahnhöfen kam es zu den erregtesten Szenen. Frauen und Kinder schluchzten verzweifelt, viele Gepäckstücke gingen verloren. Auf dem Nord-West-Bahnhof drangen 5000 Sßerfonen mit erhobenen Stöcken gegen die Sicherheits- wache vor. Auf den Zwischenstationen wurden bereits im Zuge befindliche Personen von den Heranstürmenden herabgerissen. Die Leute, die aus dem Zuge nicht herauskonnten, schlugen die Fensterscheiben ein.
* Der Ententemord an der Wiener Bevölkerung. Nach den statistischen Ausweisen sind in den ersten zehn Monaten 1919 in Wien 52,016 mehr Todesfälle und 69,292 weniger Lebendgeburten im Vergleiche zum letzten Friedenssahre zu verzeichnen, fodaß der Gesamtverlust 121,308 beträgt.
* Siebzehn Terroristenführer aus der Zeit ungarischer Räteherrschast, bte kürzlich in Budapest zum Tode verurteilt wurden, sind am Donnerstag hingerichtet worden.
Ankunft deutscher Kinder in Kopenhagen. In Kopenhagen sind 860 deutsche Kinder aus Berlin, Dresden" und Leipzig eingetroffen, di« auf Einladung mehrerer Arbeiterfamilien zur Verbringung der Weihnachtsferien nach Kopenhagen gekommen waren. In der letzten Zeit trafen wöchentlich mehrere Transporte deutscher Kinder in Kopenhagen ein, die über das ganze Land verteilt wurden. Zurzeit werden auch Vorbereitungen zum Empfange Wiener Kinder getroffen.
Deutsches Reich.
Der Zentrumspartettag.
Der Reichsparteitag der deutschen Zentrumspartei wird, wie nunmehr endgültig feststeht, am Montag, den 19. Januar, im Reichstagsgebaude in Berlm zusammentreten. .
Berlin, 21. Dez. I"« ReichswirtschaftsmiMe- rium ist als erste Frau c . bekannte Polcttkerm Frl. Dr. Kora Berliner als Referent,» für Sozialr- sieruna und Arbeiterfragen. — Regierungspräsident! a. D. Wirk!. Geh. Oberregierungsrat Forster (Danzig) wurde zum Reichs- und Staatskom- m iss ar für das abzutretende Gebiet der freien Stadt Danzig und des Regierungsbezirks Danzig f * * Lappalie ober Frivolität? Die liberale „Köln.
Zeitung" schreibt in ihrer Nr. 1135:
Das Zentrum droht au 5 der Regierung auSäUzrc« ten, weil man ihm nicht zugestehen will, daß der Geistliche Ste und Stimme in der Schuldeputatron erhält. Da? Zentrum hat behauptet, es nehme lediglich aus Verantwortungsgefühl vor der Allgemeinheit an der Regierungsbildung teil. Wer kann und darf ihm das heute noch glaubgn, wo es mit frivoler Offenheit eingesteht, daß es nur darauf aus ist, feinen Partei- zwecken zu dienen? Man komme nicht mit der Ausrede, daß das Seelenheil für das Volk wichtiger fei als alle irdischen Dinge; angesichts der Not un!eres sterbenden Volkes ist die Stellung des Geistlichen m tret Schulkommission eine Lappalie und ihre Aufbauschung zu einer völkischen Lebensnotwendigkeit eine Frivolität. . . .
Man sieht hieraus, wie gering in liberalen Kreisen das Derstäudnis für den religiösen Einfluß auf die Kindercrziehung ist, der durch die Be,-! seiteichiebung der Geistlichkeit in den Schulkomimssionen in Verfolgung der bisherigen dew.okratisch-foz,al,st,- schen Kulturpolitik weiter ausgemerzt werden sollte. Ganz allein beim Zentrum findet das christliche Volk feine heiligsten^ Interessen vertreten. Warum hat die „Köln. Ztg." nicht von Lappalien und Frivolität gesprochen, als sich die Deutsche Voikspartei, deren Richtung sie vertritt aus Parteirücksichten von der Teilnahme an der Regierung und damit an der Verantwortung für den Wiederaufbau unseres zusammenge- brocheneu Vaterlandes überhaupt zurückhielt? Warum sprach sie nicht von Lappalien und Frivolität, als es galt, jetzt, wo es gilt, die Grundlagen für die Gesundung der zerrütteten Reichsfinanzen zu schaffen? Da durfte und darf die Deutsche Volkspartei ruhig beiseite stehen und gegenarbeiten, ohne eine derartige Rüge seitens der „Köln. Ztg." zu erhalten. Es muh aber einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß diejenigen das Recht zur Kritik verwirken, die sich selber der verantwortlichen Mitarbeiten entziehen.
* Der Fall Sklarz. Der Parteiausschuß der Mehrheitssozialdemokratie hat als höchste Instanz der Partei jetzt beschlossen, sich mit dem Fall Sklarz zu beschäftigen. Ein aus sieben Mitgliedern bestehender Untersuchungsausschuß soll alle mit der Angelegenheit zusammenhängende Dinge klären. Bekanntlich war verschiedenen führenden Mitgliedern der
Fast zwei Jahre nachher saß Reinhard vor seiner Lampe zwischen Büchen, unb Papieren in Erwartung eines Freundes, mit welchem er gemeinschaftliche Studien übte. Man kam die Treppe herauf. „Herein!" — Es war die Wirtin. „Ein Brief für Sie, Herr Werner!" Dann entfernte sie sich wieder.
Reinhard hatte feit seinem Besuch in der Heimat nicht
Elisabeth geschrieben und von ihr keinen Bries mehr erhalten. Auch dieser war nicht von ihr; es mar bic Hand seiner Mutter. Reinhard brach und los, und bald 105 er folgendes:
„In Deinem Aller, mein liebes Kind, hat noch fast jedes Jahr fein eigenes Gesicht: denn die Jugend läßt sich ^!cht ärmer machen. Hier ist auch manches anders geworden, was Dir wohl erstan weh tun wird, wenn ich Dich sonst recht verstanden habe. Erich hat sich gestern end- äch das Jawort von Elisabeth geholt, nachdem er in dem letzten Vierteljahr zweimal vergebens angefragt hatte. Sie hat sich immer nicht dazu entschließen können; nun hat sie — --- - • Die
• Der Prozeß Eaillaux, der immer toieber verscho. ben wurde, ist nunmehr vom Senat, der als Staals- gerichtshvf fungiert, für den 19. Januar anberaumt.
* Ein Prediger in der Wüste. Der englische Staatswirtschaftslehrer an der Unrveriüat Eam- bridge, Maynard KeyneS, hat ein Buch über bte wirtschaftlichen Folgen des Fr,edensvertrages erscheinen lassen, rn welchem er darlegt, daß diese Folgen unheilvoll für Europa und d,e Welt sein müßten. Er nennt den Friedens vertrag in seiner gegenwärtigen Form em ode surte,! für Millionen von Menschen, eine Greuel- tat vor der alle Kriegsgreuel verblaßen. Er i ordert eine Revision des Vertrages, eine rnternatw- nale Lösung der europäischen Fmanzftagen, die Aufhebung aller Blockaden, Fnedensschluß mit Rußland, Wiederbelebung der deufichen Industrie, von welcher die Wiederbelebung des größten Telles Europas abhängt, wirtschaftliche Reorganisation Ruß- lands durch Deutschland.
Frankreich weilenden Kriegsgefangenen gesandt. Besonders zu diesem Zweck zusammengestellte Lastautokolonnen gehen von der Schweiz aus in das südliche u. von Paris und Boulogne aus in das nördliche Gebiet der zerstörten Zone. Außerdem geht an jeden Kriegsgefangenen ein mit einer kleinen Geldspende versehener Weihnachtsbrief. Mese ist dahin gedacht, den Heiligen Abend für den Gefangenen auf heimatliche Art so freundlich zu gestalten, als es unter den jeweiligen Umständen möglich ist.
Aus der Vorgeschichte des Weltkrieges.
Das österreichische Staatsamt des Aeußern setzt jetzt die Veröffentlichungen zur Vorgeschichte des Krieges 1914 fort.
Aus den Akten geht '(narb der amtlichen Darstellung) hervor, daß bte serbische Aktion des Wick- ner Kabinetts ?«ineätoeg?' im Einverstäub-, in i § mit der deutschen Regierung vorbereitet war. Die teutfebe Regierung war ebenso wie London, Parts ujnd Petersburg eifrig beflissen, den Konflikt zu begrenzen. Die Legend« vo-n der Bestärkung des Widerstandes der Wiener Regierung durch .Deutschlind wird auch dadurch tbiderlegh, daß Deutschland Ärehs Vermitt. lrmyZvorschläge tatsächlich weiterleitete.
Die Aktenstücke enthalten weiter ein Telegramm des Deutschen Kaisers mit einem warmen Friedensappell an den 8 a r en, weiter das Bekenntnis König Karols, daß er wegen her momentanen Stimmung in Rumänien nicht imstande fett, feine Bürst nspflchteu m Korifliktfalle mit Rußland zu erfüllen, daß er aber nicht gegen den Dreibund Stellung nehmen würde; endlich eine Depesche Lichnowskys, daß Italien in einem Weltkriege nicht an der Seite Deutschlands und OefterreitffrUrtgattiiB stehen werbe.
Die weiteren Aktenstücke beziehen sich cmf den e n g- lischen Vorschlag einer Konferenz aW letztes Mittel zur Vermeidung des Weltkriegs. Grey bedient sich LicHiowskys. dessen Mitteilungen Berlin sofort mit nachdrücklichster Empfehlung weiterleitet, die Vermitt- tung Englands anzunehmen und durch Tschirschky fegen läßt, daß xs fite Qesterreich-Unyaen und Deutsch- tanb ungemein schwer wäre, die Verantwortung für die Folgen einer a-blehnetchen Haltung zu tragen. Jjm Wiener Mnifterrat vom 31. Juli begründet Berchtold die Antwort auf den ihm am 29. Juli zugegangenen Vermittlungsvorschlag. nachdem er Tschirschch sogleich erklärt hatte, baß. die Einstellung der Feimsseligkeiten unmöglich sei. Deutschland war am 30. und 81. Juli ohjne Antwort aus Men geblieben und mußte dies auf brängenbe Anfrage des englischen Botschafters zugeben. Irr London herrfchte nun über die angebliche Böswilligkeit Deutschlands kein Zweifel mehr, und als am 1. August die Wiener Antwort anlaugte, war der letzte Versuch zur Vermeidung des Weltkrieges gescheitert.
Die Bewegung gegen ben Einheitsstaat.
Der Gedanke der Errichtung eines deutschen Ein- HÄtsstaates findet in Bayern bei der überwiegenden Mehrheit der Volksvertretung Ablehnung. Mit Rücksicht auf die „Beunruhigung", die in der bayerischen Oeffenllichkeit durch die Verhandlungen in der Preußischen Laickesoersammlung über den Antrag auf Schaffung eines ‘ deutschen Einheitsstaates ausgelöst worden ist, hat, wie amtlich mitgeteilt wird,, hie bayerische Regierung sich telegraphisch mit der dringenden Bitte an die Reichsregierung gewandt, sobald wie möglich die Regierungen der Länder zu einer Besprechung der Angelegenheit zusammenzurufen.
Auch in Sachsen hat man Bedenken. Ministerpräsident Gradnauer hat zu dem von der preußischen Landesversammlung beschlossenen Antrag sich dahin geäußert: Irgendwelche zwingenden Gründe für die jetzige Wiederaufrollung dieser Frage vermag ich nicht zu erkennem Ich muß befürchten, daß das Bestreben, so schnell wieder an den neuen Grundfesten des Reiches zu rütteln, leicht dazu führen kann, die Festigkeit und die Autorität der neuen Verfaflung zu gefährden. (!) Herr Gradnauer droht weiter mit der Entente, „wenn im Norden der Unttarismus weiter in dieser Weise übertrieben" werde.
Vermutlich wird mm auch der Widerspruch der zwei Dutzend anderen Länder einsetzen, und das ganze Elend der deutschen Kleinstaaterei zeigt sich wieder einmal in erschreckender Deutlichkeit, unter der schwarz-
’Beränberung bes einförmigen Weges, die jedoch immer nicht eintreten wollte. Endlich kam ein Karr en fuhrwerk langsam von unten heraus. „Holla! guter Freund," rief ber Wanderer dem neben gehenden Bauer zu, „geht's hier recht noch Immensee?"
„Immer gerab aus," antwortete ber Mann unb rückte an seinem Rundhute.
„Hat's trenn noch weit bis dahin?"
„Der Herr ist dicht davor. Keine halbe Pfeif' Toback, so haben's den See; das Herrenhaus liegt hart daran."
Der Bauer fuhr vorüber; ber andere ging eiliger unter den Bäumen entlang. Noch einer Viertelstunde hörte ihm zur Linken plötzlich ber Schatten auf; der Weg führte an einem Abhang, aus dem die Gipst! hundertjähriger Eichen nur kaum hervarragtm. lieber sie hinweg öffnete sich eine wette, fomrige Landschaft. Tief unten lag der See, ruhig, dunkelblau, fast ringsum von grünen, sonnenbeschienenen Wäldern umgeben; nur an einer Stelle traten sie auseinander und gewährten eine tiefe Fernsicht, bis auch diese durch blaue Berge geschlossen wurde. Quer gegenüber, mitten in dem grünen Laub ber Wälder, tag es wie Schnee darüber her; das waren bMhende Obstbäume, unb baraus hervor auf bem hohen Ufer erhob sich bas Herrenhaus, weiß mit roten Ziegeln. Ein Storch flog vom Schornstein auf und kreiste langsam über bem Wasser. — „Immenfee!" rief ber Wanderer. Es war fast, als hätte er jetzt bas Ziel feiner Reife erreicht; denn er stand unbeweglich und sah über die Gipfel ber Bäume zu feinen Fußen hinüber ans anbere Ufer, wo das Spiegelbild des Herrenhauses lesse schaukelnd auf dem Wasser schwamm. Dann setzte er plötzlich seinen Weg fort.
Es ging jetzt fast steil ben Berg hinab, fo daß die untenstehenden Bäume wieder Schatten gewährten, zugleich aber die Aussicht aus den See verdeckten, der nur zuweilen zwischen ben Lücken ber Zweige hmburchblitzte. Dalb ging es wieder sanft empor, unb nun verschwand rechts und links die Holzung; statt dessen streckten sich dichtbelaMe Weinhügel am Wege entlang; zu beiden Seiten desselben standen blühende Obstbäume voll summend«, wühlender Bienen. Ein stattlich« Mann ht braunem Ueberrod kam dem Wanderer entgegen. Als er ihn säst erreicht hatte, schwenkte er seine Mütze unb rief mit hell« Stimme: „Willkommen, willkommen, Bruder Reinhard! Willkommen gut Gut Immenseel"
har jede? seiner Worte scharf betont; er reichte dem Grafen die Hand und nickte mehrmals mit dem Kopfe. Als spater der Fliegeroffizier Rittmeister Gras Holck, der seinerzeit in Montenegro abgestürzt, gefangen genommen und erst durch die Aktion der K5t-eß-Armee befreit worden war, dem Grafen Zeppelin begegnete, hatte dieser Tränen im Auge. Graf Holck hat dem Autor des Buches die Szene, wie sie
,*s «Mch doch getan; sie sst auch noch gar so jung. Hochzeit soll bald (ein, und die Mutter wird dann ihnen fortgehen."
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