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Fuldaer Zeitung

*:* Druck der Fuldaer Aetieudruckerei ia Fulda

i

verwandell: er mar in feiner Jugend.

Ammen see.

Novelle von Theodor Storm.

M 2L9.

Dienstag, 16. Dezember 1919.

er nicht wisse, wie er zu der ganzen Sache gekom­men sei Tie ärztliche Untersuchung hatte ergeben, daß er geistig normal sei. DaS Gericht erkannt« unter Zubilligung mildernder Umstände auf eine Gesamiürafe non'2 Jahren. .

* Sich regen bringt Segen. Diese Zuschrift E beht ersten republikanischen deutschen Münzen, den neuen Fünfzig.Pfennigstücken tvird leider m bos^kn Weile <nn meisten von den Schlerstbandlem und SW«, bern beherzigt beron sonst hätten doch nicht schon WA der wie aus Rastatt ,n Baden gemeldet .st. 44 Eisenbahnwagen mit LebenSnntteln spurlos verschtmn- den können. Wenn so etwas möglich ist, her befürchten daß auch die Besttmimmgen des neuen Wuchergesetzes' noch nicht abschreckend genug wirke» toCTL*C1Glne wirklicheIettungsent«-. In verschiede^' Büros des Berliner Magistrats kam eine Händlerin' mit geschlachteten Enten und bot dieselben $u 9 das Pfund an. Die Enten fanden auch viel Ab- nehmer. Als aber die Beamten aus dem Dienst nach Hause tarnen und die Enten geöffnet wurden, stell^ sich heraus, daß sie mit Zeitungspapier, das m Wassse getränkt war, gefüllt waren. Lunge, Magen uni) Därme waren nach oben in den Brustkasten siedru^ und das Papier derartig fest emgepackt, daß Me Ente 600 Gramm Papier enthielt. Alles Fett war, natürlich entfernt.

Literarisches.

Ein solcher katastrophaler Zusammenbruch der Geldwirtschaft und damit unserer Kreditwürdigkeit nach außen muß auch für das innerpoütische und vorab innerwirtschaftliche Leben unseres Landes von den chwersten Folgen sein. Wir stehen, wenn die Valuta nicht bald sich hebt, vor einer in ihrem Ausmaße letzt noch gar nicht abzufehenden neuen und schwe­ren Teuerung. Je weiter die Valuta sinkt, um |o mehr wird sich das Ausland auf uns stürzen und die fabelhafte Kaufkrast seines Gelder ausnützen, mn alle noch verfügbaren Wirtfchastswerle an sich zu brin­gen. Das wird bedeuten, daß die Lebensmittelpreife eine unerhörte Höhe annehmen wüsten, und das wird wiederum einen in seinen politischen Wirkungen gar nicht abzusehenden Kampf um Lohn- und Gehalts­erhöhungen im Gefolge haben. Und diese Schraube ohne Ende läuft weiter und weiter! .

Die Unsicherheit der Derhältmsie wird noch gestei- gert durch den riesigen Papierberg an Bankstoten und Kassenscheinen. Es handelt sich da um 45 Milliarden Mark, die keine Deckung besitzen. Nicht zuletzt kommt in Betracht, daß die Steuerpolitik der Reichsregierung sowohl im Inlands wie im Auslands melfam miß­

trauisch beurteilt wird, und auch diese Tafiache ist nicht geeignet, unfern Kredit zu verstärken. Die durch die revolutionären Streiks des Frühjahrs und des Som mers verursachte Kohlen- und Transportkrisis krönt schließlich alles wirtschaftliche Elend, aus welcher uns auck die angespanntesten Bemühungm nicht teraus- zurstten vermögen, weil eben die Grundlagen, auf denen wir stehen, durchaus morsch und wankend sind.

Nur eines kann uns retten! Wir müssen wieder zur Vernunft und zur Arbeit , kommen! Aber auch frie Regierung muß mit den staatlichen Machtmitteln, die ihr zur Verfügung stehen, alles daran fetzen, um endlich einmal eine zweckmäßige Kontrolle an den Grenzen durchzufuhren und damit dem Ausverkauf Deutschlands zu wehren.

Famttieirpflege auf dem Lande.

Im allgemeinen kann man sagen, daß ine sittliche Lage der ländlichen Familien bei weitem nicht, so ge­fährdet ist wie die der städtischen. Damit istnicht ge­sagt, daß die ländliche Bevölkerung in sich sittlicher und

besser wäre als die städtische. Ist doch der weitaus aröbts Teil der Stadtbewohner von heute aus land- kichern Stoff gemacht! Aber die Schwierigkeiten ins sich aus dem Wohnungselend besonders der Groß- stadt ergeben, die Trennung der Famüienglieder durch die Arbeit, die Lockungen der großstädtischen Sen­sation, wie sie uns in Kino, Tingeltangel und derglei- chen entgegentreten, wirken in stärkerm Maße gefähr­dend aus die städtische Familie ein, weil st« besonders in der Heranwachsenden Jugend den Sinn für die Fa-

Vermijchtes.

» Ein gefährlicher Heiratsschwindler. Einer an- gesehenen Breslauer Profesiorensamilie ist durch den Schurkenstreich eines wegen Diebstahls und Unter« schlagunc vorbestraften Menschen übel mttgesplelt worden.' Die Tochier des Unwersiiatsprofesiors, die sich mit der Mutter in Lübeck aufbielt, lernte dort den 30iährigen Handlungsgehilfen Rast aus Leipzig kennen, der sich als Syndikus Dr. iur. Rast vm- itente. Der Geheimrat gab das von Rast schriftlich nachoesuchte Jawort, und die Beiladung fand statt Rast verschwieg aber, daß er tn Hamburg bereits verheiratet und Vater zweier Kinder sei. Die Hoch­zeit des PaareS fand in Breslau statt,.und der^Ge« heimrat richtete seinem Schwiegersohn tn Hamburg eine elegante Wohnung ein. Um Geld für den Lebensunterhalt zu schaffen, beging dieser Urkunden­fälschungen, auf die er von einer Lübecker Bank zweimal größere Summen überwiesen erhielt. Rau hatte sich jetzt vor dem Lübecker Schwurgericht zu verantworten, ©eine einzige Erklärung war, daß

von einander: fast alle Freistunden feilten sie, wintett in den beschränkten Zimmern ihrer Mutter, sommers in Dusch und Feld. - Ms Elisabeth einmal In Reinhard, Gegenwart von dem Schullehrer gescholten wurde. ftte| et seine Tafel zornig auf den Tisch, um den Eifer te- Mannes auf sich zu lenken. Es wurde nicht bemerkt Aber Reinhard verlor alle Aufmerksamkeit an den gec- graphischen Vorträgen: statt besten verfaßte er em langes Gedicht: darin verglich er sich selbst mit einem lunger Adler, den Schulmeister mit einer grauen Krähe, Elisa­beth war die weiße Taube; der Adler gelobte an bei grauen Krähe Rache zu nehmen, sobald ihm die Fluge gewachsen sein würden. Dem jungen Dichter standen w, Tränen in den Augen: er kam sich sehr erhaben vor Ast er nach Hause gekommen war, wußte er sich einen fletner Pergament band mit vielen weißen Blattern zu tter^af- fen; aus die ersten Seiten schrieb er mit sorgsamer Hani em erste- Gedicht. - Bald darauf tarn er in eine raten Schule; hier schloß er manche neue Kameradschaf m8 Knaben seines Alters: aber fein Verkehr mit Elifabest wurde dadurch nicht gestört. Don den Märchen, we.chi er ihr sonst erzählt und wieder erzählt hatte, sing er tttz an, die, welche ihr am besten gefallen hatten, auszu­schreiben: dabei wandelte ihn oft die Lust an, etwas von feinen eigenen Gedanken hineinzudichten; aber, er wußte nicht weshalb, er konnte immer nicht dazu gelangen. Sa

I schrieb er sie genau auf, wie er sie selber gehört ha.-e. I Dann gab er die Blätter an Elisabeth, die sie m einem I Schubfach ihrer Schatulle sorgfältig aufbewahrte; und es I gewährte ihm eine anmutige Befriedigung, wenn er

I mitunter abends diese Geschichten in seiner Gegenwart I aus den von ihm geschriebenen Heften ihrer Mutter vor- I i<!Sieben' Jahre waren vorüber. Reinhard sollte zu fei.

net wetteren Ausbildung die Stadt verlästern Elflateth konnte sich nid), in den Gedanken s-nden daß es. mm eine Zeit ganz ohne Reinhard geben werde. Es heute sie, als er eines Tages sagte, er werde E l°nst M°rch. für sie ausschreiben: er wolle sie 'hr mit den Srtefen an seine Mutter schicken; sie müste chm bann wieder schreiben wie sie ihr gefallen hätten Die Abreife ruckte Heran, vorher aber kam noch mtmSjtr Reim m den Pergament- dal£ Tas allein war für Elisabeth em Geheimnis ob- gleich st- bi« Deranlastung zu dem ganzen Buche und zu den meisten Liedern roat, welche nach und nach fast dre Hälfte der weißen Blätter gefüllt hott--'

i [(Sortierung folgt.)!

ihm mit btt Hand und ging dann gerade in die Felsen hinein/ . I

Elisabeth hatte aufmerksam zugehött. »Ein Engel, sagte sie. »Hatte er denn Flügel?"

.Es ist nur so eine Geschichte", antwortete Reinhard;

es* gibt ja gar keine Engel."

10 psui, Reinhard!" sagte sie und sah ihm starr ins Gesicht. Als er sie aber finster anbfidte, fragte sie ihn I zweifelnd: »Darum sagen sie es denn immer? Mutter I und Tante und auch tn der Schule?"

.Das weiß ich nicht", antwortete er.

'Aber Du", fugte Elisabeth",gibt es denn auch keine Löwen?"

Löwen? Ob es Löwen gibt? In Indien: da spannen die Götzenpriester sie vor den Wagen und fahren mit ihnen durch die Wüste. Wenn ich groß bin, will ich ein­mal selber hin. Da ist es oieltausendmal schöner als hier bei uns; da gibt es gar keinen Winter. Du mußt auch mit mir. Willst Du?"

.Ja", sagte Elisabeth;aber Mutter muß dann auch mit und Deine Mutter auch."

Rein", sagte Reinhard, ,chie sind dann zu alt, die können nicht mit."

.Ich darf aber nicht allein."

.Du sollst schon dürfen: Du wirst dann wirksich meine grau, und dann haben die andern Dir nichts zu de- fehlen."

Aber meine Mutter wird weinen.

Dir kommen ja wieder", sagte Reinhard heftig:sag es nur gerade heraus, willst Du mit mir reisen? Sonst geh' ich allein; und dann komme ich nimmer wieder "

Der Kleinen tarn dar Weinen nahe.Mach nur nicht so Höfe Augen", sagte sie;ich will ja mit nach Indien

Reinhard faßt« sie mit ausgelassener Freud« an beiden Händen und zog sie hinaus aus die Wiese. »Rach Indien, nach Indien", sang er und schwenkt« sich mit ihr im Steift daß ihr das rot« Tüchrlchen vom Halse flog. Dann aber ließ er sie plötzlich los und sagte ernst: »Es, wirb doch nichts daraus werden; Du hast keine Eourage."

__Elisabeth! Reinhard!" rief es jetzt von der Gartinpsmte.fiter! fiter!" antworteten die Kmder und sprangen Hand in fianö nach fiause.

3m Walde.

So lebten die Kinder zusammen: sie war ihm ost zu still, « war ihr oft zu heftig, ober sie ließen deshalb nicht

Wie die Dinge heute liegen, wird das ganze deutsche den Geschäftszugriffen des Auslandes wehrlos n-pisa-aeben. Man hat das Wort vomAusver- kauf Deutschlands" geprägt und es trifft in roUetn Umfange zu. Wenn man durch die deutschen Kaue reist, so macht man die betrüblichsten Ersah- E«en. Die Schnellzüge sind vollgepfropft mit aus­ländischen Händlern, denen die größten Reifeentbeh- nmaen kein Hindernis sind, um den Deutschen abzu- Ironien, was nur immer möglich ist. Wie Hyänen rarzen sie sich auf das deutsche Wirtschaftsleben und sie reiben sich um die Beute. Es ist tieftraurig, daß L vielfach deutsche Volksgenossen selbst sind, die sich h-yt hergeben, deutsches Eigentum an das Ausland «radezu zu verschleudern. Alles und jedes ist In diesen Ramsch einbegriffen. Bei dem fabelhaften Tiefstand des deutschen Markkurses gehen unsere wert- vollsten und wichtigsten Güter und Waren zu einem Svott- und Schleuderpreis an das Ausland ab. Es handelt sich nicht allein um Fertigwaren und sonstige Smeuanisse industriellen und handwerklichen Fleißes, auch Gegenstände, an denen wir selbst bittere Not lei- d-n ja selbst Nahrungsmittel werden durch deutsch« Wucherer und Schieber dem Auslande verschachert. Mit vielfältigem Aufschlag muß dann das deutsche Volk diese extern deutschen Güter aus dem Ausland« «ir Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse wieder hereinholen. Wie tief eingesresien dieses liebel schon «t mag aus folgenden persönlichen Beobachtungen des Verfassers dieser Zeilen gelegentlich einer Reife nach Süddeutschland dargetan fein:

In geradezu unglaublichen Mengen werden Wert- aeaenstände, Teppiche, vor allem schlechte Eppiche, Uhren, Möbel, antike Gegenstände, selbst Schreib- maschine» und dergleichen von den Ausländern zu jedem Preise aufgekauft und über die Grenze geschafft. Ich habe selbst beobachten können, wie ausländische

- Käufer, es handelt sich hier vornehmlich umschwe,- zerische Aufkäufer, selbst in kleine Landstadt« ja sogar in die kleinsten Dörfer in Baden gekommen sind, um dort den Landleuten ihren Besitz an seltenen Einrichtung-- und Schmuckgegenständen abzuschwatzen. Der Erfolg war freilich stellenweise nicht ermutigend, ober es gab doch wieder andere, welche für schnödes Geld sich Dinge obhandeln ließen, an welchen di« Tra­dition ganzer Geschlechter in den Familien hmgm. Wertvolle Handuhren, Geweihe, Truhen, Kommoden und sonstige Gegenstände wurden aufgekauft. Die ge- botenen und bezahlten Summen schönen nn Nenn­werte allerdings recht hoch, aber unterBerücksichtigung der ausländischen Valuta stellten sie für die Aufkäufer ein lächerliches Spottgeld dar. D'e Landbevölkerung müßte in Einigkeit und Geschlossenheit Front gegen eine derartige pietätlose Verhökerung ihres Familien- besttzes an das Ausland machen. .Erfreulicherweise ist das auch vielfach geschehen, es ist auch eine Dewe- gung in Gang gebracht worden, die diesen Ausver­kauf, der die entfetzliche Lage unseres Vaterlandes aber auch die fürchterliche Zerrüttung der Moral un- feier Zeit kündet, zu steuern.

1 Mark = 5 Pfennige! Bei der Annahm^ daß die Schätzung unferes Dolksvermögens vor dem Kriege mit 300 Milliarden Mark richtig war, wurde bei einem heutigen Stande unserer Mark das deutsche, Reich nn! all seinem Inventar, und mit allem, was die 60 MU- Bonen Deutsche besitzen und am Leibe tragen, für sage und schreibe 15 Milliarden Mark aufzukaufen fein!

milie zersetzen. ____ ,. ,

Ster man soll sich nicht der Täuschung hmgeben, als sei in der ländlichen Familie alles so wunderbar gölten, und als säße nicht auch in manchem jungen Bauern- und Bäuerinnenherzen der Totenwurm, ter gerate die zartesten Wurzeln des Familiensinnes zu ^In^den^Stödten spielt allmählich di« Familie«- pflege eine große Rolle. Man stellt stadtlscherseits berufliche Wohnungs-,- Säuglings-, und sonstige Wohl- fahrtspflegerinnen an, und di« private Cantas hat ,>n der Familienpflege ein neues dankbares Feld gefraten.

Daß man doch nur an ter ländlichen Fami­lie nicht achtlos oorütergehe!

Denkt man wohl einmal daran, daß es zu einem großen Teil auf dem Lande ausgewachsene Deoocke- runa ist, die der städtischen Verwahrlosung or heim- fällt? Daß die Verwahrlosung in diesen Stadien bei weitem nicht so groß sein wurde, wenn das Land Menschen in die Stadt entsandt hatte, dieser Gefahr der Verwahrlofung weniger ausgesetzt waren? Uno denkt man daran, daß sich all die Dinge, die in ter Stadt sich abspielen, allmählich auch auf dem Lande Boden zu fasten suchen?

Auch auf dem Lande muß eine eindringliche fnfte- malische Familienpflege getrieben werten, vielleicht weniger durch fklavifches Nachahmen ter städtischen Wohlfahrtspflege, desto mehr ater durch die Bildung des Heranwachsenden Ge­schlechte» für die Familie. Das ist auf dem Cante verhältnismäßig leichter als m ter Stadt. Dem ländlichen Iugendverem beider Geschlech- ter kann man mehr ein familiäres Gepräge geben. Die Anleitung zu miifchaffender Tätigkeit in ter etter- sichen Familie ist leichter. Die fenfafonellen Zer-

Alte leis^ unb mi« er bas Wort gesprochen, war die Zeit

L) Ziegenhain. Kreissekretär Lier sch titgum | Reqierungssekrelär ernannt und vom 15. d. M. ab | an die Regierung in Kassel versetzt worden. Bei Sprengunasarbeiten tm Lteinbruch der Alleneorf n. b. Sunba wurde ein Arbeiter aus MichelSberg durch einen zu früh kosgehenden Schuß bereit schwer verletzt, baß er alsbalb fein Leben aus-

Marburg. Wegen der Kohlennot sind die Schulen früher wie vorgesehen gefd)loHe,t- Die Einwohner werden aufgefotbert, sich beim Ver­brauch von Heizmaterial unb Licht der fiWen Spar.amkeit zu befleißigen. Tas Elektrizität-, werk gibt neue Einschränkungen bekannt. Diese können voraussichtlich erst bann Wegfällen, wenn der Anschluß an die Ebertalwerke fertig ge­stellt ist. Marburg wirb bis jetzt außer von bem eigenen Werk von den Buderuswelken bet Wetzlar mit Strom beliefert.

Die Kinder.

Bald trat die anmutige Gestalt eines kleinen Mäd­chens zu ihm. Sie hieß Elisabeth und mochte fünf Jahre zählen: er selbst war doppelt so alt. Um den fials trug sie ein rohseidenes Tüchelchen: das ließ ihr hübsch zu den braunen Augen. ,

Reinhard!" rief sie,wir haben frei, frei! Den gan- zen Tag keine Schule, und morgen auch nicht.

Reinhard stellte die Rechentafel, die er schon unterm Arm hatte, flink hinter di« Haustür, und dann liefen beide Kinder dmchs Haus in den ©arten und durch die Garten- vkorie hinaus auf die Wiese. Die unverhofften Ferien tarnen ihnen herrlich zustatten. Reinhard hatte hier mit Elisabechs Hilfe ein Haus aus Rasenstücken aufaefuh-t; bann wollten sie die Sommerabende wohnen; aber es fehlt« noch di« Dank. Run ging er gleich an die Arbeit; Nägel, Hammer unb die nötigen Bretter lagen schon de- reit Währenddessen ging Elisabeth an dem Wall entlang unb sammelt« ben ringförmigen Samen der wilden Malve in ihre Schürze; davon wollte sie sich Ketten und Hals­bänder machen; und als Reinhard endlich trotz manchen krumm geschlagenen Nagels seine Dank dennoch zustande gebracht "hatte unb nun wieder in die Sonne hinauslrai, trina sie schon weit davon am andern Ente der Wiese.

Elisabeth!" rief er,Elisabeth!" und da kam sie, und ihre" Locken flogen.Komm", sagte er,nun ist unser fiaus fertig. Du bist ja ganz heiß geworden; komm her- ein, wir wollen uns auf die Bank setzen. Ich erzähl' Dir etwas." , , ,. ...

Dann gingen sie beite hinein und setzten sich auf die neue Bank Elisabeth nahm ihre Ringelchen aus der Schürze und zog sie auf lange Bindfäden; Reinhard fing an zu erzählen:Es ma:en einmal drei Spmnfrauen -*

Ach, sagte Elisabeth,das weiß ich auswendig; Du mußt auch nicht immer dasselbe erzählen.

Da mußte Reinhard die Geschick) e von den drei Spinn- frauen stecken lasten, und statt befjen erzählte er die Ge- schichte von dem armen Mann, der in die Löwengrube geworfen worden war.

Nun war es Nacht", sagte er,weißt Du? ganz stn- stere, und die Löwen schliefen. Mitunter aber g-hnten sie im Schlaf unb reckten die roten Zungen aus; dann schau- berte der Mann und meinte, daß der Morgen komme. Da roarf es um ihn her auf einmal einen Hellen Schein, unb als er austah, stand ein Engel vor ihm. D« winkte

Eucharistische Funken. Blutenlese frommer Geteme ken und Gespräche zu Füßen Jesu tm aterheiligsten Ur^rssakramem. Aus bem Italienischen übersetzt um Ottilie Bödiker. Zweites Bändchen. Erste bis vierte Auflage. Freiburg i. 9£. "IS, Herdersche VeH- KÄidHnS dem M M göttlichen Herzen, Jesu fallen p» AnEttingen heilig Ergriffenheit und Hingebung in die Seele teWb diese Gedanken mitdenkt und nntilebt DieBetrachttn^ gen sind Wegweiser zu Spunder eucharistischer gtom.

an dem tiefsten Geheimnis unserer Religion.

Da- mitte Kleeblatt. Eine Schulergesch.chte von Rich. D Garrold. Aus dem Englischen übersetzt von bk. Mit fechs Bildern. Dritte und werte Auflage.

i Frewurg l Br. ISIS, Herdersche Dettaghcmdlimg. M 5,50; t0Ttfiirt fieber Verfasser schon mA feinenKleine Braufe- fSofe" undEchte Jungen" Tausende von begelstettAr Ät - fragen und alten - geworben: mA dem Kiwben 'uhtt sansf «rr« I imh^Ctefühlsroelt der Knaben mit ihren Höhen und Tiefen.

I der immer wieder durchbrechend^Humor^^^^^^^^

An einem Spätherbstnachmviage ging ein alter wohl- Befleibeter Mann langsam bi« Sttaß« hinab. Er schien von einem Spaizergang nach Haufe zumckzukehren, denn feine Schnallenschuhe di« einer oorubergegangenen Dtooe angehörten, waren bestäubt. Den langen Rohrstock mit goldenem Knops trug er unter dem Arm: mit fernen dunkeln Augen, in welche sich di« ganze verlorene Lugend gerettet zu haben schien und welche eigentumfid) von den schneeweißen Haaren abstachen, sah er ruhig umher ober in bie Stabt hinab, welche im Abenbsonnendufie vor ihm lag. - Er schien fast ein Frember; benn von den Dor. übergehenden grüßten ihn nur wenige, obgleich manche, unwillkürlich in dies« ernsten Augen Hetzen gezwungen wurde. Endlich stand er vor einem hohen Giebelhause still, sah noch einmal ist die Stadt hinaus und trat tenn in die fiausbiele. Bei bem Schall ter ^urglocke wmte drinnen in der Stube von einem Guckfenster, melche der Diele hinausging, der grüne Vorhang und das Gesicht einer alten Frau dahinter .ufj-bar. De. Mann winkte ihr mit feinem Rohrstock. -Roch tet. Licht!" sagte er in einem etwas südlichen Akzent, und di« Haushälterin sieh den Vorhang wieder fallem JXt Alte ging nun über die weite Hausdiele, dann durch einen W- wo große Eichens chränk« mit d°rze"anvaftn ra den Wänden standen; durch di« gegenuterstehente Tur trat et in einen kleinen Flur, von wo aus «ne enge Treppe zu den oberen Zimmern des Hmterhau.es fuh Er stieg sie langsam hinauf, schloß oben eine Tur auf unb trat bann in ein mäßig großes Zimmer, fi'er es heimlich unb still; bie eine Wand war fast mit Repo- siwrien unb Bücherschränken bedeckt; an den andern hin­gen Bilder von Menschen und Gegenden; vor einem

Tische mit grüner Decke, auf dem einzelne abgeschlagene Bücher umherlagen, stand ein schwerfälliger Lehnstuhl mn rotem Sammetkisien. Nachdem der Alte Hut und so in bi« Ecke gestellt hatte, setzte er sich 'm ben Lehnstuhl unb schien mit gefalteten Händen von feinem gange auszuruhen. Wie er so saß, mürbe es allmählich dunkler; endlich siel ein Mondstrahl durch b:c Fenster­scheiben auf die Gemälde an ter Wand, unb wie der helle Streif langsam weiterrückte, folgten die Augen des Man­nes unwillküisich. Nun trat er über ein kleines Bild m Wichlem schwarzem Rahmen.Mfaterh!" fagde ter

i Marr 5 Pfennige.

«or einigen Tagen war die deutsche Mark im J?nhe auf einem ungeheuren Tiefstände angekorn- BI; Sie galt in Holland nur noch 5

Tatsache ist von einem erschütternden Ernste, ««mer noch ist man sich im Lande in weitesten Krei- tn bis selbst in die Intelligenz hinein gar nicht klar EL hie geradezu katastrophale Lage, in welcher wir « augenblicklich befinden und über die zwangsläu- Entwicklung, welche die Dinge nehmen müssen. Ermn in Holland nicht weniger als 2000 Mark für

Gulden und in der Schweiz für 100 Franken *t weniger als 1000 Mark zu zahlen sind, während

Friedenswert von 100 holländischen Gulden etwa «70 Mark und derjenige 100 schweizerischer Franken 80 Mark betrug, so können wir nicht mehr sagen, ^stehen vor einer Katastrophe, sondern wir müf- kn uns Rechenschaft dafür geben, daß wir mitten 'n dieser Katastrophe uns schon be°

Amtliche Anzeige«.

Bekanntmachung betreffenb verbrauch- und Mahlvorschrstleu filr Selbstver- iotaet wird, rot« folgt, ergänzt.

§ 14 a.

* «ftirije- BTotodTtiiw unb üou

seaa«

Befreite unb Gerste ober daraus hergestellte Erzeugmst- ober ßcltets bES ^Betriebes nur in bsn

Tiengen6 in den zum Mühlenbetriebe gehorenben Raumm lagert für die ordnungsmäßig ausgestellt« Erlaubnis ^Don°°Nichwersorgern darf Brotgetreide und Gerste Mit Herstellung von Futter nur angenommen unb termt teUet nxrben, wenn ben Betrieben gleichzettig em ootf ^tnmunaloerbanb ausgestellter Erlaubmsjchetn ausgehaw ^^Austräge zur DerarbeUrag von Teilen der auf teil Erlaubnisscheinen verzeichneten Mengen dürfen nur: tag angenommen werden, wenn der Auftraggeber gleichz-wz schriftlich auf die Verarbeitung des Restes verzichtet Me Rücklieferung der'hergestellten Erzeugmfl« m Teil­lieferungen ist den Betrieben unterjagt.

Alle m den zum Mühlen betrieb gehörenden Raum« lagernde, mit Brotgetreide, Gerste ober ber aus berge, stellten Erzeugnisse gefüllten Sacke ^"usien mit AnhanM zettel verfehe« sein, auf welchen der Name tes Eiktt« tümers sowie die Bezeichnung unb das Gewicht des 2n I Halles des Sackes vermerkt sind.

F u! d a, den 11. Dezember 1919^

Der Landrat: 3. D.: Kohler.

ftreuungen find nicht fo groß 2>«ÄjE dienst in der Kirche, aber auch die weltliche lu.am fünft etwa tm Volksverein, tragt em mehr famu. I 06 $ßir dürfen uns nicht verhehlen, daß auch I Lande gegen die Familie oft und JMJ« »orten ist: daß befo iters manches Mädchen m-. «9 dritten ist, taß von dem Beruf der Hausfrau mch ch!l Ahnung Halle; daß in Säuglingspflege und ^arge für die Familienwohttohrt fo gut wie alles nachzu- ttolen ist Deshalb roerten d:e Kreiswoh.frhriuo,. I

pflege °°n Dorf zu Darf orgamsiert

Wie wäre es, wenn man die Etter na l fchüffe, von denen in letzter Zeit viel dte uled g wesen ist, ZU Wohlfahrtsausschü sen au baute und ihnen die Familienpflea?, von ter tee v-yu pflege doch bloß ein Teil ist, tn ine Hand regte?

aus dem lras vargeviet.

tt. Friedberg. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß die Erhebung einer Vergnügung steuer, die für diese Art Gefälle den Rahmen er- heblich weiter spannt, als es sonst der F ^st. Von jed?r Eintrittskarte zu irgend einer Beran ftaltuna, die ihren Ui Hebern Gewinne einbringt, | werden 20 pCt. Steuern erhoben; f^ner wird dos zu benutzende Instrument bezw. die Grundfläche des bett. Saales besteuert. Aick H°^eiten Pte m öffentlichen Lokalen ftaltfinden, und bei denen ge tanzt wird, fallen ebenfalls unter die Lunbarketts- steuern. Die scharf zupackende Steuer unterliegt noch der Genehmigung des BiinttteriumS.

Melfungen. Im Siadrwald wurde am Frei" tag morgen der mit Holzfällen beschäftigte 30 I alte Maurer August Kopp von einem stürzenden Baume so unglücklich ins Genick getroffen, daß er nach wenigen Minuten den Geist auf gab. D Verunglückte hinterläßt Frau und 4 Kinder.

Homberg a. d. Efzr. Lehrer PeterS m Rockshaufen ist vom RegierungSplajldenten als Kreis-Jugendpfleger füri die fchulentlasfene mann liche Jugend im Kreis Homberg bestellt worden.

Aus Oberheffen und deu Hess. Aemtern.