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Fuldaer Zeitung

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Zucht und Ordnung lebte. Augenblicklich müssen wir frei« sich erst noch die bschvolitische Krisis überwinden, um mit dem Frirdensrertraa fertig zu werden. Und bann müssen wir ben parteipolitischen Hader vorläufig beiseite stellen, insbesondere auch den Kulturkampf verhüten. Gehen wir so mit vereinten Kräften an den inneren Wieder­aufbau, dann ist Hopfen und Malz noch nicht verloren. Der Himmel hat uns gnädig hinweggeholfen über die furchtbaren Gefahren von 1919, deren ganze Schrecklichkeit uns erst nachträglich recht bewußt wird. Trog alledem haben wir noch das Leden und die Kraft zum Streben. Alfa halten wir den Kopf klar und di« Hände frei trotz aller Eniiäuschungen und Aergerniffe. Schlecht« kami dann 1920 wshl nicht werden; wohl ober besser, wenn

Wuchergerlchte.

Endlich! Das werden wohl alle sagen, die nicht Schleichhändler, Schieber oder Wucherer sind: denn denen soll es jetzt endlich an den Kragen gehen.

M 2tS.

tag, 15. Dezember 1919.

Kmzug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom B. Dez. bis 10. Dez. 1919.

5. Karl Walther Theodor Braun, 13 Tg. 6. Ehefrau Maria Roialia Wehner ged. Diel, SO. Ihr. 1 Mt. 9 Tg. Rosa Maria Wiegard, 1 Tg. 8. Witwe Katharina Dietz geb. Fischer, 62 Ihr 5 Mt. 2 Tg. Milchhändlerin Franziska Herbert, 63 Ihr. 6 Mt. 3 Tg. 9. Jnoande. Karl Christoph Gerling, 45 Ihr. 11 Ml. 17 Tg. 10. Ehefrau -Anna Maria Luise Grandrath geb, Koch, 45 Ihr. 12 Tg.

Märkte.

X Kirchhai«. Zum Schweinemarkt in der vergangenen Woche waren 133 Tiere aufgefahren. Der Handel war flott und die Preise sehr hoch. Für ein Paar etwa 6 Wochen alte Scnroferkel wurden 320 Mark bezahlt, zum Schluß deS Marktes wurden logai bis zu 400 Mark geforiert und geboten.

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** Hamburg nicht mehr Millionenstadt, und Blockade haben die Einwohnerzahl der Hamburg um 5 Proz. vermindert. Nach der Volk- zäblung vom 8. Oktober hat der Staat Hamburg 1049 777, die Stadt Hamburg 985 088 Einwohner (aeoen 1103152 und 1034950 im Jahre 19131

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* Ehescheidungsprozesse Krtegsgetrautcr. Die Ehe« scheidungspwzesie vor dem Landgericht Leipzig haben eine ganz außerordentlich hohe Zahl erreicht; das Rich* terkollegium der Ehekammer hat alle Hände voll zu tim, um zu scheiden, was die Sandesbeamten durch die Kriegsschnelltrauungen zusammengesügt haben. Gerade die Kriegsgetrauten stellen nämlich einen urwerhältnis« mäßig großen Prozentsatz derer, die wieder auseinander wollen, und es zeigt sich, daß die Leute recht hatten, die der Ansicht waren, daß der Anreiz zu solchen Ehen sehr oft weiter nichts war wie die Unterstützungen, die bk Kriegerfrauen erhielten.

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und Plünderer vor sich hab«, und gab den Schießbefehl in vermeintlicher Notwehr. Nicht aus Bosheit, sondern aus Angst. Das wirst ein sehr schlechtes Licht auf seine Gemütsverfassung, und es füllt auch ein sehr schiech» res Licht aus seine Dorgesetzten, die über bk Lage sehr schlecht informiert waren und in der Verlegenheit zu höchst unklaren Anweisungen griffen. Die Führer der Ord» mmgstruppen hatten leider m den kritischen Stunden den Kops verloren. Das sollte eigentlich bei deutschen Offi­zieren nicht Vorkommen. Hatte die Revolution auch die alten Offizierstugenden hinwrpgesegt? Oder waren diese Wgenschaften, auf dir man früher so stolz war, schon in den Kriegsfahrrn zermürbt worden? An dem Mitleid mit den Opfern gesellt sich die Beschämung, daß solche entsetzlichen Mißgriffe möglich wurden in den Reihen der Leute, die zu Wächtern von Recht und Ordnung berufen waren.

Der Rückblick kommt noch gerade am Iahresschlutz und bringt uns von neuem zum Bewußtsein, an welchem Rande des Abgrundes wir im Jahre 1919 da» hinwandeln mußten. An jenen Märztagen, als aus Der- wirrnng und Angst das entfetzstchs Blutbad angerichtet wurde, stand in der Tat das S^-'cksal des Vaterlandes auf des Mesters Schneide. Wohlr erstanden: es war nicht etwa die rücksichslofe Tat des Leutnants, die uns ge­rettet hat, sondern gerade diese Tat steigerte die Gfiohr aufs höchste. Wenn unter den unschuldig zum Tode verurteilten Dolksmatrosen ein Ver?."--ielnder den Ruf zum Widerstände erhoben hätte, so würde aus der ver- meintlichen Meuterei leicht eine wirkliche Schild­erhebung entstanden sein, und dann wär« schließlich eine schwache Ordnungstruppe überrannt worden, und im Dolksmarinehanse hätte sich ein neuer Aufstand entwickeln können, und bei der hochgefährlichen Schwierigkeit, di« da­mals schon die Regierung in Berlin selbst und in den Vororten hatte, würde vielleicht die ausrepeitschte Marine» dwision den erforderlichen Zulauf gefunden haben, um den Sturz der Regierung und den Zufammmbruch der ganzen Traateordnung herbeiführen. Wie schlecht es da­mals mir den Wehrkräften der Regierung bestellt war, ersieht man ja in erschrecklicher Deutlichkeit aus der Tat­sache, daß di« leitende Stell« nicht einmal über so viel Reserven verfügte, als Leutnant Marloh baansvruchte, um die 300 Mairosen in Schach zu halten, die sich zum Löhnungsappell nach und nach eingefunben hatten.

Wären die Dolksmatrosen damals nich' so geduldig gewesen, so hätte Deutschland im Jahr« 1919 bolsche­wistisch werden können!

Welch furchtbare Folgen können in so wirren Zeiten klein« Mißverständnisse und persönliche Schwächeansälle ha­ben! Die Wurzel dieses traurigen Ereignisses steckt schließ-. lich darin, daß der Führer der Volksmarinedivifion ein Löhnunosappell an setzte, ohne den anderen Behörden und insbesondere der Sicherheitswehr davon Mitteilung zu machen. Ern paar Worte durch ben Fernsprecher hätten

, . ein verständiger Man» gesagt: Dir machen zu viel neue Gesetze, aber wir sorgen zu wenig für di« alte Verwaltung. Das stimmt. Unter dem alten System ließen die Gesetze manches zu wünsche:, übrig: aber die Verwaltung durch pflichttreue, unbestech- kiche, sachkrmdige und geschickte Beann« war im ganzen gut. Das hat sogar Phifipp Scheidemann, der Sozia- listenführer und zeitweilige Ministerpräsident, in feiner Rede zum Jahrestage der Revolution feierlich anerkannt. Waren wir damals zickrieden mit unseren Beamten? Rein, der deutsche Bürger ist nie zufrieden. Hebet diestram­men" Beamten und ihren harten Ton usw. ist viel ge­klagt worden; auch über bie Offiziere vom alten Schlage hat mancher geschoben. Zum Teil mit Recht; denn alle Leute und all« menschlichen Einrichtungen habe: Schattenseiten. Solange dir da sind, werden ft« b_______

Aber, wenn sie nicht mehr da sind, dann merkt man, was verloren gegangen ist. Bei den Erfahrung« mit dem zweifelhaften Ersatz lernt man erst schätzen, was für ein guter Kern doch unter der rauhen Außenseite steck.'e. Als politisches Weihnachtsgeschenk wünschen die weiresten Kreist des Volkes vor allem die Rückkehr der alten, soliden Ver- waLung in allen Zweigen^ des öffentfichen Dienstes, des bürgerlichen und des militärischen.

Können wir dazu kommen? Jawohl, wenn nur kn der Bürgerschaft noch etwa, von dem alten Geist« bei

Wo stehen wir?

zxbg. Joos schreibt in derWestd. Arb.-Ztg.": Diese Zeilen haben den Zweck, etwas von dem «rsAtsprechen, was die Empfindung vieler ist, nämlich: » wir uns wirtschaftlich immer noch nicht auf dem «aca zum Ausstieg befinden wtd vorerst auch noch Derlei Aussicht dazu besteht.

Es gibt Pessimisten und Pessimisten. Die einen sind es aus Prinzip, die anderen aus irgendeinem In­teresse heraus, wieder andere auf Grund vorliegender -Tatsachen- Es bietet beispielsweise heute der drohend« Steucrzugriff Reichsnotopfer! vielfach Anlaß zu fchwarzseherischcn und hoffnungslosen Erwägungen, nn, keinen Zweifel zu lassen: Wir müflen die rastlosen vnd hartnäckig geführten Bemühungen des Reichs- finonzmimsters, durch Ausbau eines alles und alle um» «Wenden Steuersystems die Gesundung unser er inneren Finanzen und damit unseres sozialen Zusammenlebens zu versuchen, billigen. Für einen Men Erfolg kann er freilich nicht garantieren. Der tzängt von Umständen ab, die nicht in seiner Macht lie­gen. Das größte Hemmnis findet er, innerpolitisch ge­nommen, zweifellos in der heute mehr als je vorhande­nen offenen und versteckten Gegnerschaft gegen den heu­tigen Staat. Die Bereitwilligkeit zu zahlen, steht aus dem Nullpunkt. Ader selbst, wenn die Drtmung unse- nr Finanzen Halbwegs gelingen sollte, unser wirt- ich östlich es Elend wird damit nicht befeitigt Der Markwert ist damit allein nicht aus feiner grausigen Nest heraufzuheben. Die ungeheuerliche Derschlechte- pmg unseres Geldes um das achtfache im Vergleich zum Friedensstand, ist dam itnich trihf gängig zu machen. fRur Ausfuhr und Guthaben im Ausland könnte sie hel«r. Unb wir können in nennenswertem Umfange Mt ausführen. Unsere an sich schon an fremde Roh- stoffzustlhr gebundene Arbeitsintensität ging zurück, ge- rabt jn entscheidenden Werken und Industrien.

Es wird darum bleiben: die Ohnmacht unseres Gel- itf, bleiben die furchtbare Differenz zwischen unseren Preisen und dem Weltmarktpreis, d. h. es bleibt die Gefahr, daß, wenn nichts geschieht, Deutschland sm Frühjahr leergekauft ist. Damit und an- «fichts der Weltknappheit an Ware (ausgedrückt in der burchschnitifichen Steigerung des 3Barenpreifes in der Welt um 100 Prozent), ist die steigende Tendenz unse­rer Warenpreise gegeben. Und wir klagen heute schon über unerschwinAich verteuerte Lebenshaltung! Hrbeiter» Angestellte, Beamte, kurz alle Lohn- unb Ge- leltsempfänger suchen, sehr begreiflicherweise, der dro­henden Verschlechterung ihrer Lage Herr zu werden durch weiteres Bemüh«, um Erhöhung von Lohn und Gehälter. Es scheint uns zmn mindesten bemerkens- wert, hier zu verzeichnen, was ein guter Kenner des Wirtschaftslebens, der Exsozlasist Richard Calwer in feinerKonjunktur" über den Erfolg eines solchen Be­ginnens sagt. Das Mittel nütze genau so wenig, wie der Versuch, mit der Notenpresse die Rot zu bannen.

Lohnerhöhungen tragen nur dazu bei, die Preise btt Waren noch weiter gu verteuern, aber sie können an bet vorhandenen Warenknappheit nicht da? grrin fite ändern. Und hier sitzt die letzt« Wurzel deS UebelS. Die Knappheit der Güter, die der Besrirdiauna der elementarsten Bedürfnisse der Massen dienen, ist so protz, daß eben die Verelendung um sich greifen und üd) verschärfen muß, der zunehmenden Berelendung kann, so wie die Dinge liegen, vorläufig nicht gesteuert »erben. Denn wir können fetzt nicht Millionen von Menschen in andere Länder verpflanzen, wir haben nicht bie Mittel, um für sie vom ÄuSland RahrungS- mittel zu kaufen . . . vor brm Schicksal der Verelendung dermö-en auch Lohnerhöhungen nicht zu bewahren, toenn auch die Arbeiter immer wieder suchen werden, sich dadurch zu retten. Aber daS Ende wird sein, daß neben den beschäftigten Arbeitern da» Heer der Arbeits­losen immer stärker anschwellen und di« bis dahin er­reichte Lohnhöhe erschüttern mutz. (Konjunktur vom 13. Novemver.)

Calwer eröffnet somit eine furchtbare Perspektive. Ist es klug, so zu r e d e n, wenn man ben Umständen gemäß so denken zu müflen glaubt? Warum nicht? Langsam müflen wir hoch vvrbereiten auf die Lage, die sich am Cnbe ergeben wirb wenn nicht Dinge ein- ^treten, die abschwächend unb korrigierenb wirken, die Wir aber heute noch nicht sehen. Wie manche Leute noch immer noch nicht begriffen haben, daß wir den Krieg verloren wie wären Stimmung unb starke Worte, wie sie sich in deutsch-nationalen Werbever- sammlungen kundtim, sonst zu verstehen! so begrei­fen die meisten immer noch nicht, welche Folgen ganz automatisch durch den miMärischen, den politisch- moralischen Zusammenbruch und, in direkter Folgewir-

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genügt, um allen Irrungen unb Mißgriffen vorzubeugeu. Das Telephon wirb tagtäglich zu ben kleinlichsten unb überflüssigsten Dingen mißbraucht. Wenn es einmal als Retter in der Rot gebraucht werben kann, läßt man tg links liegen. Die Zerfahrenheit unter ben Be­hörden und den einzelnen Machthabern, von denen feder fein Süppchen für sich kocht, ohne sich um die anderen zu kümmern, war offenbar durch die Revolution unb bie nachträglichen einzelnen Umwälzungen auf btefe verhäng­nisvolle Höhe gebracht. Hoffentlich ist in dem letzten Vierteljahre etwas Besserung eingetreten. Wer es drängt sich immer wieder die Mahnung auf, daß die Regierung alles mögliche tun mutz, um die alt« stramme Ordnung und das verständnisinnige Zusammenwirken der Behörden

Am 29. November wurde die Verordnung über die Einsetzung von Wuchergerichten im Reichsgefetzblatt veröffentlicht, dem folgende Angaben von allgemeinem Interesse entnommen sind. Für den Bezirk eines jeden Landgerichts (für uns das Landgericht m Hanau) wird ein Wnchergericht zur schleunigen Aburtei­lung von Verbrechen und Vergehen gegen die Schleich- banbets» und Preistreibereigesetze von 1913 eingesetzt. Das Wuchergericht ist in der Hauptverhandlung mit drei Richtern und zwei Schöffen besetzt, von denen oer eine Derbraucherlreisen, ber anbere dem Kreise der Er - Muger ober Handelstreikrenden angehört. Die ossent- lich; Klag« wirs dadurch erhoben, baß die «taatsan- walflchaft bei bem Vorsitzenden bcs Wuchergerichts die Anberaumung der Hauptoerhandlung beantragt und eine Anklageschrift einreicht. Den Umfang der 3 e* weisaufnahme bestimmt dos Wuchergericht nach freiem Ermcflen. (Segen die Entscheidungen des Wu- diergcridjts finde, kein Rechtsmittel start, hebet Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens entlei­bet die Strafkammer. , .

Dielet Ausnahmestellung bet Wuchergenchst ent­sprechen auch bie Strafen. Gefängnis und Gelb- strafe bis zu 5u0 000 Mk., in besonders schweren Ml- len Zuchthaus bis zu 5 Jahren und bis 500 000 Mark Geldstrafe. Daneben Berluft der bürgerlichen Ehrenrechte unb öffenüiche Bekanntmachung der Ver­urteilung. Außerdem kann dem Verurteilten bet Handelsbetrieb untersagt werben. Alle seine Geschanc sind bann nichtig. Treibt er dennoch Handel, so treffen ihn Gefängnis unb Gclbstrafe bis zu 100 000 Mark neben Beschlagnahme ber Waten unb Einziehung bes unrechtmäßigen Gewinns. Ebenso wirb ber sog. Strohmann" bestraft, sowie derjenige, mit bem bas Geschäft abgeschlossen worben ist, wenn ihm bas un­rechtmäßige seiner Handlung bekannt war.

Dieselben Strafen (Zuchthaus bis zu 5 Iahten und 500 000 Mark Geldstrafe) gelten für die verbotene Ausfuhr von Gegenständen, welch« der Reichswirl- schaftsm'mister als lebenswichtig bezeichnet. Der unrechtmäßige Gewinn wird eingezogen. Als lebens­wichtig gelten u. a. Lebens- und Futtermittel aller Art, Vieh, Diingemittel, Häute, Leber und Schuhe, Eisen, Eisenerz und Schienen, Kohle, Holz, Papier, Kalk, Ze­ment, Arzneimittel.

Soweit bie Verordnung. Die Handhabe zm nach- drücklichen Bcstraiung bei Schieber und Wucherer ist damit gegeben. Die Regierung hat ihr Teil getan. Aber die Hauptsache fehlt noch und das ist Aufgabe eines Jeden, der sich Staatsbürger nennen will: Wer etwas von Wucher und Schiebungen erfährt, und zeig! es nicht an, handelt ebenso töricht wie ge­wissenlos. Er schädigt die Gesamtheit und damit sich sewst. Denn warum ist alles, Inlands, wie Auslands- ware so teuer? Warum kostet ein Anzug 1000 Mark? Warum Ist Speck, Fett und so vieles andere nur zu unerschwinglichen Preisen zu haben?

In Deutschland gibt es nicht genug Sachen, und wir müflen infolgedessen vom Ausland kaufen. Aber wer kaust: Der Schieber, der nur schnell ver­dienen will, mag Deutschlands Wirtschaft auch dabei zugrunde gchen. So kauft er wahllos, was er.be­kommt. Dadurch wandert unser Geld ms Ausland, wie ein Mafleuarlikel und gilt infolgedeffen auch so wenig wie ein Mafleuarlikel. Daher der elende Stand un­serer Valuta.

Wenn diesen Mißständen gesteuert und das neue Gesetz wirksam werben soll, dann muß jeder Einzelne mithelfen. DK wenigen Kriminalbeamten können nicht überall sein und haben gar nicht so viel Gelegenheit, Schiebmigen zu bemerken, wie etwa Eisenbahner, Ge­werbetreibende, Gastwirte, Reisende, Postbeamte. Nur wenn jeder Einzelne /mithilst, dem Gesetz Achtung 6u verschaffen, können wir wieder aus dem gegenwärtigen Elend hermrskommen. DasLoch" im Westen ist durch Verwaltungsmaßnohmm oder durch Verordnun­gen,^ die nur auf dem Papier bleiben, nicht zu oer- stopfen.

Wir müflen alle selber milhelfen und die Schieber anzeigen. Nur so kwm es besser werden.

Literarisches.

Im Mittelpunkte der literarischen Befehdung d«K Katholizismus steht ber Priester. Eins große Zahl Priesterrvmane ist am Werk, die geifttgen Fäden zwi­schen Klerus und Laien zu zerreißen. Die Riesenauf- lage der jüngsten KarikaturDer Ketzrr von Soana" mit ihrer heidnischen, erotisch verzerrten Grundrichtung fordert gebieterisch nicht nur Abwehr, sondern eine lite- rarische Gegengabe. Eine solche haben wir in den Sdlhea Pfaden", vv Dr. K. Eder (Freiburg, Herder, Mk. 5 60; geb. Mk 7.60). DiesesBuch aus des Prie­sters Wett und Seele" hat ungewöhnliches Auf'ehen bis ins Ausland gemacht. P iester, 'tiroiefsoren, Akademiker,, Lehrer, Schrfitleiter, gebildete Damen leien nachdrücklich auf dieses .Führerbuch- verwiesen Die Verbreitung der .Heiligen P?ade- ist ein litcrarischeS Apoitolat nicht für das Buch, sondern für die hohe Sache, der es dienen will. - Da!ProblemdeS Leid.nS. VonDr. Paul Wilhelm von Keppler. Bischof von Rottenburg. 8. und 9. Aufl. 12» <VI v. 100 S.) Freiburg i. Br. 1919, Her- bersche Berlagshandlung. 2 Mark.

Die Lösung deS LeidenSproblemS ist ThristuS bet Gekreuzigt«. Lew ist nicht mehr ein liebel, sondern bedeutet ein Gut, daS uns würdig macht der Teilnah­me an den Gnaden und Verdiensten der Erloiung. Äuf die Schönheit von Kepplers Spruche, die mitgehotfen,' seinen Werken im Sturm die Herzen aller zu erobern, hinzuweisen, ist unnötig; auch in dieser Scyrist wird seine allbekannte herrliche AuSdrucksweife das Entzücken aller Leser bilden uud ihr viel« Freunde gewinnen.

Flannnen. Zu M. Herbert» Gedenken, heraus- ergeben von Mana K ö ch I i n g. Geheftet 6 Mk., ge- bimdrn 6 Mll. Verlag von I. P. Bachem, Köln, Rh.

Der 60. Geburtstag M. Herbert» ist im Juli bie- ses Jahres von der roiholischen Presse gebührend ge­feiert worden, ©ie wertvollste Gabe ist der Dichterin! jedoch in dem obigen Gedenlbnch auf den Geburts­tagstisch gelegt worden; denn dieser Gabe erfreut sich Nicht nur die Jubilarin, sondern auch die große Schar ihre« Verehrer. DieseFlammen" werden noch leuch­ten, wenn die Dickrterin längst die Feder mit der Siegespalme der Ewigkeit vertauscht haben wird. Eine Reihe von Vorkämpfern kqth. Schrifttums hat Miefe Flammen aufgrsteckt, die Zeugnis ablegen im Rainen der Lausende Verehrer Serbertscher Kunst. Die Mit» arbeitet des Buches erzählen aus dem Jugendleben der Dchterin,, würdig ihrer Lyrik, schildern ihre Weltcruh- fchsturg u. ä. Daneben finden sich selbständige Tuch- teegaben. fte geismSverwaudts ErzSzjhler beigesteuert haben. Es ist diel Liebe in dem Buch;, aber die Dichte­rin verdient sie, denn sie hat viel Liebe gespendet-

Die Römerin. Novelle aiS dem 4. christlichen Jahrhundert von M. Herbert. Verlag tum I. P- Bachem, Köln (geb. 4 Mk.).

Großrtrstg und ergreifend find in dieser Novelle, die Seelenkämple geschildert, die ben tu Liebe zu sei­ner Herrin, der reichen und vornehmen heidnischer« Römerin Aglea entbrannten christlichen Sklaven Ma­rius in Zwiespalt mit seinem Glauben bringen.

Unpolitische Zettläuse.

N. ®er lin, 9. Dezember 1919.

Greist nur hinein ins volle Menfchenlebm, unb wo packt, da ist es häßlich, schmutzig, ärgerlich.

Mr wstd schon jämmerlich zumute, rneim ich über- baupt vonEnthüllungen"' höre. Was da aus der jüng­sten Drrgangenheii zutage kommt, sollt« fieber verschleiert Mb versiegelt bleiben bis zmn jüngsten Tage.

Was ist denn bei der eifrigen Untersuchung über die »«paßten Friedensmöglichkeiten herausgekommrn? Wir Ernis selber bloßgestelll vor der grinsenden Well; mir uns selber Ohrfeigen gegeben zum Gaudium im- Feinde. Jn ber groben Umgangssprache pflegt man 6uten derartigen Ausgang mit dem Wort .^ankeret zu bezeichnen. Damst wird angedeutet, daß bi« Sache nicht bloß für die Ohren und Augen, fonbent auch für den Geruchssinn unangenehm wird.

Setz! ist schlimmer Schutthaufen <n» bem März dieses wahres aufgerührt worden. Es liegen Leichm darin, Leichen von schuldlosen Opfern der Irrungen und Wirrun- 8en jener Bürgerkriegslage. Da wurden von bem Be­fehlshaber ber Orbnunqsttupp« 29 gefangeneMatrosen, ° h. Mitglieder der bedenklichen Volksmarinedivifion, kur. Nr H-nd erschossen, weil man sie für gefährliche Meuterer hielt. .Der Strafprozeß gegen den Urheber dieses Eitt- sthlusses, den 2outnar.t Marloh, konnte erst jetzt stattfin» dm, weil er sich zur Flucht hatte bereden lassen. Ern Un- ÄuS reiht sich an bas anbere. Dir Tat war ein grau- P9°s Unglück; die Flucht mit ihren Beglestsrfcheinungen »er schimpfliches Unglück, und ber Ausgang des oer- lpäteten Prozesses ist ein politisches Unglück, nämlich in- Jo^rn, als das Gericht den Angeklagten von dem lot- ichlag und dem Mißbrauch der Dienstgemalt steisprcchen »ußt«, wodurch die Derantwortfichkeit für die Bluttat die Vorgesetzten fällt, bk dem Leutnant faflche »efehle erteilt hatten. *»,

..So ist die Hoffnung getäuscht worden, bah die Ge- Mtrverhandlung zur Klärung und Reinigung ber Lust Witten werde. Jetzt wird die Agitation der Radikalen Eegen des traurigen Dorfalles erst recht weiter gehen. Wtr können aus den Aufregunaen und Hetzereien nicht heran Zkommen.

Da gilt es für den verständigen Beobachter, ruhiges "lut unb ein nüchternes Urteil zu bewahren.

Die Crfchießung von 27 Gefangenen ohne Verhör Gericht bildet anscheinend ein Seitenstück zu der Mord­est der Münchener Kommunisten, die -harmlose Mrt- aueorr des katholifchen Eesellenvereins an bie Mauer Wusn. Man muß aber einen großen Unterfchied gelten -echen. Die Münchener Dlutmänner wußten, daß ihre Wangenen ganz schuldlos waren, und schlachteten sie «och aus Blut- und Rachedurst ab. Der Leutnant

aber glaubte, daß er gefährliche Meuterer

kung damit durch den Zustand seelischer Verwirrung schaffender Stände eintreten mußte. Ein dreifaches Verhängnis: Der militärische Zusammenbruch weil wir unsere Kraft überschauen und die des Gegners unterschätzten: der politisch-moralische Zusammenbruch weil er die Ordnung zerbrach, den Pslichtgüianken erschütterte, den Ucbergang zum Frieden unendlich er» schwarte und Milliardenwerte vernichtete; die seelische Verwirrung der Massen endlich weil sie Illusionen nährte, die ArbeitsintenMt verminderie, zum Teil auf ein Minimum herabdrückte.

Wir zehren seit Jahr und Tag, fest November in steigendem Maße von vorhandenem Gut. Geldnot wurde durch die Notenpreflebehoben". 15 Milliarden Mark Papiergeld mehr zwischen November 1918 und November 1919! So ist die unabwendbar nach der Tiefe gleitende Bewegung unseres Finanzwesens und unserer wirtschaftlichen Lage Dielen verschleiert geblie­ben. Nie zuvor hatte man so viel Geldscheine in Hän­den gehalten! Kann es uns schlecht gehen? In diese Scheinwirtschast fahren tum die neuen Steuern hinein und die weiter steigenden Warenpreise. Und die Entwicklung wird endlich doch dazu zwingen, zu dem, wovor uns niemand bewahren kamt: Herab­setzung unserer Bedürsnisse, abgehen von alten Gewohnheiten, totale Aend erung un­seres Lebenszuschnittes Im Sinne einer ra« dikalen Vereinfachung. Wer sich heute schon resolut darauf einstellt, geht schmerzlichen Enttäuschun­gen aus dem Wege.

Aber weitere Erkenntnisse gilt es offen auszuspre- chen. Der Sozialdemokrat Bernstein hat unlängst im Vorwärts" seine Genossen gewarnt vor einer selbst­mörderischen Zerstörung des Kapitals, ohne das es keine Wirtschaft geben kann. Vielleicht nützt das, wir bezweifeln es. Die Sozialdemokraten werden weiter gegen das Kapital als Einrichtung in der Agitation wüten, statt gegen den kapitalistischen Geist miß­bräuchlicher Anwendung des Kapitals, woraus es nach unserer Meinung einzig und allein ankonimt. Es kann Kapitalbesitzer geben, die keineKapitalisten im landläufigen Sinne sind, wie es zweifellos Sozialisten gibt, ohne Spur wahrhaft sozialer, geschweige sozialisti­scher GesinnungSozialismus ist Ä r b c 11! Schön. Run ist es endlich Zeit, nach diesem Grundsatz zu handeln. Ist die alles schädigende Kohlennot über» wiegektd Verkehrvnot, gehen noch immer alltäg­lich mehr Lokomotiven in die Reparatunverkstätten hin­ein als gebrauchsfähige heraus, dann ist damit gesagt, was zu tun ist. Unsere Produktion muß offenbar und unter allen Umständen und trotz mangelhafter Er­nährung ganz gewaltig gesteigert werden. Die Kaliindm'trie, die uns Milliarden Guthaben (auch auf Lebensmittel!) im Ausland schaffen könnte, liegt still Kohlenmangel. Ein großes mitteldeutsches Stickstosfwerk, das den Bedarf unserer Landwirtschaft und damit deren Ertzeugungskrast um das hoppelte decken könnte der Landwirtfchast. deren Ertrag «ns am Leben erhalten muß liefert nicht, weil nicht ge­arbeitet wird. Ein solcher Zustand sollte doch keine Stunde länger andcmern können. Die öffentliche Mei­nung der Arbeiter Deutschlands, die stärker ist als die Noske-Garde", sollte solchem bkandal an Ende machen.

Was kann uns helfen? Vnstcht und Tat zunächst in Kreisen des eigenen Volkes. Wir werden Deutschland absperren. Ein- und Ausfuhr d-n Dedürf- niflen entsprechend, durch die Intereflen-Organisattonen (^Arbeitsgemeinschaften) genau regeln, um so dem Schlimmsten oorzubiegen. Damit allein ist indes keine herrliche" Zeit zu schaffen. Das Verlorene ist nicht einzuholen. Hoffen wir, daß die Stimme der Dernmift, der Menschüchkett und des Eigeninteresses, die auf dem Iahreskonvent der Vereinigung amerikanischer Aus- fuhrfobrikantcn so lebendig für Deutschland eintrat, we­nigstens dort drüben Gehör findet:Amerika und die Alliierten müflen Deutschland die Rohstoffe liefern, die es braucht, und müssen M Preisen liefern, die Deutsch- lanb bezahlen kann." (Dr. Taylor.) Hoffen wir mich, daß der Versuch, ehre große Anleihe zu schalten, Er­folg findet.

Trotz andrem: Wohl dem, der sich beizeiten auf alles einrichtet!

Wer bevölkert die Armen- «nd Irrenhäuser? Die Amsterdamer Gemeindeverwaltung veröffentlicht eine Uebersicht über bie Ursachen, durch die die In­sassen des dortigen Armenhauses der Verarmung anheimgefallen sind. An der Spitze stellt der Alko­hol. Denn von den Männern waren 31,9 v. H fast ein Drittel zur Zeit der Einlie erung Trin­ker, weitere 16,2 v. H. waren es früher gewesen! Bei den Frauen wären die entsprechenden Zahlen 16, 4 v. H. und 7,6 v. H. Im Stadtrate don Le Havre wurde ein Bericht vorgelegt, nach dem in den Jahren 19121917 auf 259 geisteskrante Män­ner 52 -Trinker und auf 307 geisteskranke Frauen 71 Trinkerinnen kamen, durchschnittlich aUo etwa 22 v. H. Die Kosten für bie Geisteskranken betrugen allein im Jahre 1918 inSgeiamt 123526 Fr., wovon auf bte ehemaligen Trinker und Trinkerinnen 22 Prozent gleich 27 490 Fr. entfallen. Dazu stimmt es gut, daß in den alkoholarmen Kliegsjahren z. B. in Niederösterreich b:e Geisteskrankheiten derartig ab--, genommen haben, daß man «ne der bestehenden, Irrenanftalten zu schließen oder mit einer andern zu vereinigen gedenkt. Diese Zahlen beweisen, wie nützlich bie Bekämpfung des Alkvhvlismus der Allgemeinheit ist. tot.

Allerlei Weisheit. Das Rachnen mit Dezimal- brllchcn ist erst etwa SOI Jcrhre in Anwendung, tue-' fcntlid) auf die Anregung des Niederländers Srcvin im JjUbve 15S5 hin. Unabhängig von ihm wurden iie 1603 don Johann Beyer in Frankfurt a. M. efr fanden und first gleichzeitig vom Schweizer Hofuhr. macher Jobst Bürgli, der auch die Logarithmen erfand, itod) bevor der Engländer Repe« damik hervortrat. DÄr - Griwdgidanken zu den Tezimalbrücben hat aber schott 1526 der deutsche.Mathemcniker Rudolf auSgcfvrochcn. Zu den wenigen Pfian.zen, die ein äußerst schnelles Wachstum besitzcn, gehört das^Dambusrohr. Ter Rie- senbambus in Indien wächst täglich fast einen Fuß. Vor dem Krieg« wurde auf ber Weichsel iälirl ch für runb 30 Millionen Mark Holz »erslößt. Als ältester Baum ber Erde gilt ein AffenbIolbaum beim Dorfe Galarques in Senegambien. Er hat nur einen 12 finß rohen, aber 34 Fuß in? Durchmesser mefseriden Stamm, der vollständig hohl ist imb den Eingeborenen alsRathaus" bient Die Laubkrone hat « neu Durch­messer don 160 Fuß. Tas Alter wird auf 6000 Jahre berechnet. tno.